Hallo alle Leser und Schwarzleser ^^
Heute ist Mittwoch und hier ist das neue Kapitel. Viel Spaß
Kapitel 4
Juli 1991
Fassungslos starrte Professor Severus Snape auf die Liste der Schüler, die diesen September eingeschult werden würden. Zehn Jahre nach dem Fall des dunklen Lords war es endlich soweit: Harry Potter, der Sohn von Lily und James Potter würde sein erstes Jahr in Hogwarts bestreiten.
Er erinnerte sich nicht gern an sein Versagen, Lily zu retten, doch unweigerlich kamen ihm die Bilder in den Kopf, wie er ihren leblosen Körper auf dem Boden des Kinderzimmers gefunden hatte. Wie er sie an sich gedrückt hatte und das offensichtliche nicht wahr haben wollte. Wie er zusammen gebrochen war und hemmungslos geweint hatte, da er selbst den Tod seiner großen Liebe zu verschulden hatte.
Ein Tod der vermeidbar gewesen wäre, wenn er damals auf sie gehört und sich von den dunklen Künsten losgesagt hätte, bevor es zu spät dafür gewesen war. Es war ein langer Kampf, den Dumbledore für ihn gefochten hatte. Nach der Schreckensherrschaft des dunklen Lords wollten alle dessen Anhänger dafür büßen sehen. Und obwohl auch Severus sich schon längst aufgegeben hatte, war Dumbledore für ihn dagewesen und hatte für seine Freiheit weiter gekämpft. Solange, bis man ihn schlussendlich freigesprochen hatte.
Er wusste tief in seinem Inneren, dass er es nicht verdient hatte und war schon oft kurz davor gewesen sich das Leben zu nehmen, doch mit der Unterstützung des Schulleiters hatte er seine zweite Chance akzeptiert und machte nun das Beste daraus.
Nun war er schon seit neun Jahren hier auf Hogwarts und unterrichtete Zaubertränke. Er aß hier, schlief hier und lebte hier. Nein… leben tat er nicht, denn sein Leben war zusammen mit seinem Herz gestorben, denn das hatte allein für Lily geschlagen. Er war nur noch eine Hülle seiner selbst. Er verbarg jegliche Emotion hinter hohen Mauern und ließ niemanden, außer Dumbledore, über sein Leid Bescheid wissen.
In der Vergangenheit hatte er so viel Schlechtes getan, dass er es als selbstauferlegte Strafe erachtete, die er abzusitzen hatte, bis ihn selbst einmal der Tod ereilte.
Über all die Jahre hinweg hatte er mit schrecklichen Albträumen zu kämpfen gehabt. Hatte sie immer noch. Überwiegend Träume in denen Lily die Hauptrolle spielte. Jede Nacht starb sie ein ums andere Mal erneut und quälte ihn auf ihre Weise damit. Und nun würde ihr Sohn Harry, der Junge, der damals an ihrer statt hätte sterben sollen, jeden Tag in seinem Unterricht sitzen und ihn an sie erinnern.
An sie und diesen leichtsinnigen, großmäuligen Zauberer Potter.
Das Schicksal hatte wieder zugeschlagen.
Seufzend fuhr er sich übers Gesicht, ehe er in der Liste weiterlas, denn er erwartete auf einen weiteren Namen zu stoßen, der ihm seine Vergangenheit vor Augen führen würde. Und da war er: Hermine Granger!
Gequält schloss er die Augen und sah wieder das kleine Mädchen mit den braunen Locken am Zaun stehen. Der einzige Lichtblick in seinem Leben schien es zu sein, die Möglichkeit zu besitzen dieses Mädchen aufwachsen sehen zu dürfen. Er sah sie schon in den Farben seines Hauses. Severus lächelte zum ersten Mal seit Jahren, bei dem Gedanken daran, dass er ihr viel beibringen und sie fördern konnte.
Und doch durfte sie nie die Wahrheit erfahren. Er würde es nicht ertragen, nach allem auch noch sie zu verlieren. Die Vorstellung davon, dass sie schlecht über ihn dachte, oder schlimmer: Ihn mit Verachtung für seine Taten strafte, wäre sein Leben endgültig vorbei. Besser war, er ließ sie im Ungewissen.
Severus seufzte, griff nach seinem Weinglas und leerte es in einem Zug.
So schwer sein Leben auch zu ertragen war, er spürte, dass mit dem neuen Schuljahr eine harte Zeit der Probe auf ihn zukommen würde. Nicht nur, dass er seine Tochter nicht öffentlich als eben jene behandeln konnte, nein, er würde jeden Tag seine Fehler seiner Jugend vor Augen geführt bekommen. Auf die eine oder andere Weise.
Severus, der es Leid war, wie sein Leben verlief, wollte gerade seinen Zauberstab ziehen, um eine weitere Flasche Wein herbeizurufen, damit er in seinem Selbstmitleid und teurem Elfenwein ertrinken konnte, als ein Vogel mit dem Schnabel an sein Fenster klopfte.
Es war ein Tier, dass er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte: Ein Falke!
Unwillkürlich überflog Severus noch einmal die Liste der neuen Schüler und blieb an einem weiteren Namen hängen, den er vorhin völlig überlesen hatte.
Draco Malfoy
Wie lange er auf diesen Namen schaute, konnte er hinterher nicht mehr sagen, doch als das penetrante Klopfen an seiner Scheibe energischer wurde, raffte er sein letztes bisschen Beherrschung zusammen und öffnete das Fenster, bevor dieses ernsthaften Schaden davontragen konnte. Der Vogel wartete gar nicht erst darauf, dass er den Brief öffnete, sondern flog mit anmutigen Flügelschlägen wieder davon.
Immerhin verlangt er keine allzu rasche Antwort, dachte Severus spöttisch, da er nicht vorhatte den Brief zu öffnen. Er wusste nur allzu gut, von wem er war und welchen Zweck er verfolgte. Jahrelang, während seiner eigenen Zeit auf Hogwarts, hatte er mit angesehen, wie Professor Slughorn sich mit Abraxas Malfoy, Lucius' Vater, herumschlagen musste.
Wie es schien, war nun er, der aktuelle Hauslehrer der Slytherins, an der Reihe, sich beeinflussen zu lassen. Er würde mit Albus darüber sprechen müssen, in wie weit er dem nachgeben sollte. Wer wusste schon genau, welche Ziele Lucius heute verfolgte.
Kopfschüttelnd schenkte sich Severus mehr Wein ein, hob das Glas und verzog seine Lippen zu einem sarkastischen Grinsen.
Harry Potter, Hermine Granger und Draco Malfoy… zusammen… in Hogwarts!
„Willkommen zurück in der Hölle!", prostete Severus sich selbst zu und stürzte das würzige Getränk hinunter.
1. September 1991
Es bereitete ihm Mühe nicht allzu offensichtlich auf die Gruppe der Erstklässler zu starren. Nie war die Auswahlzeremonie für ihn spannender, als sie in diesem Jahr sein würde.
Harry Potter, der Sohn von Lily. Severus hatte ihn sofort erkannt und Galle wollte seinem Rachen empor steigen, als ihm bewusst wurde, dass der Junge seinem verfluchten Vater zum Verwechseln ähnlich sah. Sein Herz schlug einige Takte schneller, als sein Blick unwillkürlich den des Jungen kreuzte.
Diese Augen.
Er ließ sich nicht anmerken, wie aufgewühlt er plötzlich war. Doch die Empfindungen waren zu schmerzhaft, als dass er den Blickkontakt aufrechterhalten hätte konnte. Schnell wandte er sich wieder Professor Quirrel zu, der ihn mit, seiner naiven Meinung nach, interessanten Themen über Trolle in ein Gespräch verwickeln wollte.
Er nickte einige Male, ohne den genauen Ausführungen seines neuen und naiven Kollegen zu folgen. Dann wagte er einen weiteren Blick auf die Erstklässler, die nun wie gebannt den Worten des sprechenden Hutes lauschten.
Er würde zwar in der nächsten Minuten ohnehin erfahren, wer Hermine war, doch ein besitzergreifender und sehr eigensinniger Teil von ihm, der auf das Vorrecht pochte, wollte es vor allen anderen wissen.
Zwar hatte er keine Ahnung, wie seine Tochter heute aussehen mochte, doch er vertraute seiner guten Menschenkenntnis und blieb bei einem Mädchen hängen, das die Nase selbstbewusst in die Luft gestreckt hatte. Ihre Augen glänzten, wie damals bei ihrer ersten Begegnung am Zaun ihres Vorgartens und Severus' Innerstes erfüllte sich ungewollt mit Stolz. Zwar hatte sie nicht ein einziges optisches Merkmal von ihm geerbt, doch ihr wacher Blick zeugte von einem intelligenten Geist.
Würde sie nach Slytherin kommen, konnte er sie fördern und ihr zum besten Abschluss des Jahrhunderts verhelfen. Niemand würde Fragen stellen, denn alle wussten, dass ihm jedes Mittel recht war, um sein Haus vorn zu sehen. Was er in den letzten Jahren mehr als deutlich unter Beweis gestellt hatte. Doch Hermine würde seine persönliche Krönung sein.
Er klatschte mechanisch.
Die Auswahl der anderen Schüler interessierte ihn wenig, doch er spitzte die Ohren, als Minerva den Namen seiner Tochter aufrief.
„Hermine Granger!"
Das Mädchen setzte sich mit erhobenem Haupt auf den Stuhl und der Hut wurde auf ihre wilde Lockenpracht gesetzt. Es war schon einige Zeit her, seit er es miterlebt hat, dass die Auswahl eines Hauses bei einem Schüler dermaßen lang gedauert hatte. Die Sekunden zogen sich zu Minuten. Lange Minuten. Severus spürte, wie seine Hände zu schwitzen begannen und konnte einige Schüler ungeduldig mit den Füßen scharren hören. Was ging da nur vor sich…
Dann endlich…
Bis zu Letzt war Severus sich sicher gewesen sein Haus wäre um eine wertvolle Schülerin reicher, als ein Wort, das ihm schon einmal sein Leben zerstörte, ein weiteres Mal all seine Hoffnungen zerriss.
„GRYFFINDOR"
Er klatschte. Er behielt seinen unnahbaren Blick bei und ließ sich seine Enttäuschung nicht anmerken. Zu Tode betrübt musste er mit ansehen, wie sich auch Potter zu den Gryffindors gesellte. Er setzte seine Maske auf mit der Gewissheit, dass er sie würde tragen müssen, bis Harry Potter und Hermine Granger sein Leben wieder verließen.
An dem Abend, als seine Tochter in Hogwarts ankam, betrank Severus sich in seinen Räumen. Prostete dem Teufel zu und verfluchte das Schicksal aufs Neue. Er würde es hinnehmen! Genauso, wie er alle anderen Hürden in seinem Leben überwunden hatte.
Doch nichts, auch nicht der stärkste Rausch, hätten ihn auf die kommenden Jahre vorbereiten können.
...
was denkt ihr? Schreibt mir ^^ LG Liesl Snake
