Disclaimer: Sämtliche Twilight-Figuren, und alles was dazu gehört, ist aus Stephanie Meyers Feder. Mir gehören lediglich die Storyline dieser Geschichte, sowie die OCs (Martha, Eva, Sofie, Amelie und einige andere)

Kein Zurück! (No Way Out!)

Aufgeflogen?!

"Seid ihr fertig?", ertönt Evas Stimme. „Gleich", kommt die synchrone Antwort von Martha und Sofie aus dem Badezimmer. „Frauen!", murmelt Amelie seufzend und legt einen Arm um Evas Schultern. Die Sonne ist bereits vor einer halben Stunde untergegangen und die Schwestern wollen nun nach Pisa aufbrechen. Im Laufe des Tages haben sie noch ein wenig die öffentlich zugänglichen Bereiche des Schlosses untersucht und Eva ist ebenfalls für einige Stunden in der Bibliothek verschwunden. Als endlich alle fertig sind, machen sich die Deutschen auf den Weg in Richtung Pisa. Da sie alle wissen, wie man jagt ohne später mit Blut bedeckt zu sein, können sie dies direkt mit ihrem Ausflug verbinden.
Die Straßen werden von den Laternen erhellt und der Himmel ist wolkenlos. Viele Leute, besonders Jugendliche, sind an diesem Freitagabend auf den Straßen der Stadt des torre pendente di pisa, oder auch Turm von Pisa genannt, unterwegs. Vorfreudig sehen sich die beiden Jüngsten der Gruppe um. „Also wohin sollen wir gehen?", fragend blickt Eva in die Runde. „Ich würde sagen da rein", antwortet Sofie und deutet auf ein großes Gebäude mit Neonlichtern am Eingang, aus dem laute Musik dröhnt. „Na dann los", meint Martha und sie gelangen ohne große Probleme ins Innere. Das Einlasspersonal hat sie nicht mal nach ihren Ausweisen gefragt, die sie ohnehin nicht besitzen. Innerhalb des Clubs ist es stickig, nur gut für die Vampirinnen, dass sie nicht aufs Atmen angewiesen sind. Die Musik dröhnt laut an ihre Ohren und hätten sie nur ein Fünkchen weniger Selbstkontrolle würden sie, das von Eva angesprochene, Massaker veranstalten. Zur Sicherheit haben die Schwestern braune Kontaktlinsen gekauft, um nicht allzu sehr aufzufallen.
Vorsichtig bahnen sie sich ihren Weg durch die tanzende Meute um an die Bar zu gelangen. Zwar müssen sie nichts trinken, doch von hier aus können sie sich zunächst einen guten Überblick verschaffen. Es dauert nicht lange, da werden Sofie und Amelie von der Tanzwut angesteckt und sie begeben sich lachend auf die Tanzfläche. Eva möchte sich gerade einen Cocktail bestellen um den Schein zu wahren, als sie plötzlich eine warme Hand auf ihrer Schulter spürt. Verwundert dreht sie sich um und blickt in das Gesicht eines angetrunken, aber dennoch recht hübschen jungen Italieners. Seine dunkelbraunen Haare hat er ein wenig nach oben gestylt und seine ebenfalls braunen Augen mustern die Vampirin interessiert. „Hallo meine Hübsche. Ich bin Pablo, hast du Lust zu tanzen?", fragt er und lässt dabei seine Hand von ihrer Schulter ihren Arm hinab gleiten. Lächelnd sieht die Schwarzhaarige zu dem jungen Mann. „Gerne doch!", antwortet sie und begleitet ihn auf die Tanzfläche. Martha schüttelt grinsend den Kopf, doch bevor sie weiter denken kann wird sie plötzlich von zwei Armen in die gleiche Richtung gezogen. Dann erkennt sie ihre beiden Schwestern, die sie lachend ansehen. Einmal dort angekommen beginnen sie schon sich im Takt der Musik zu bewegen und auch Martha fackelt nicht lange und schließt sich den Anderen an. Sie lachen, haben Spaß und vergessen alle Sorgen. Bald darauf stoßen drei junge Männer zu der Gruppe. Ob sie zusammen gekommen sind, kann keiner sagen, aber kurz danach hat jeder einen Tanzpartner gefunden. Sofie und Amelie machen sich einen Spaß daraus ihre Partner mit anzüglichen Posen immer weiter anzustacheln, während Martha mit ihrem Tanzpartner, der sich als Antonio vorgestellt hat, eng umschlungen tanzt.
Auf diese Art und Weise geht es noch einige Stunden weiter, in der sich die Frauen immer wieder Getränke ausgeben lassen, die ohnehin keinen Effekt auf ihre Körper haben. Ihre menschlichen Begleiter sind dagegen weniger resistent gegen den Alkohol in den Drinks. Auf einmal stoppt Antonio und sieht seine Partnerin verwirrt an. „Was ist denn mit deinen Augen los?" Der Alkohol ist deutlich in seiner Stimme zu hören, doch er scheint noch so klar im Kopf zu sein, um diese Veränderung zu bemerken. Erschrocken sieht Martha ihn an, sie dachte dass die Kontaktlinsen dem Gift länger standhalten würden. Sie löst sich aus seinem Griff und geht einen Schritt zurück. „Du, ich muss mal kurz zur Toilette", stammelt sie schnell und lässt ihn auf der Tanzfläche zurück. Schnellen Schrittes, doch in menschlicher Geschwindigkeit, erreicht sie die Toiletten und geht zu den großen, teils kaputten Spiegeln. Entsetzt muss sie feststellen, dass ihr Gift die Linsen beinahe komplett aufgelöst hat. Die übrigen Damen im Raum sind viel zu sehr damit beschäftigt ihren Lippenstift nachzuziehen oder sich über ihre männliche Begleitung zu unterhalten, als großes Augenmerk auf Martha zu legen. „Verdammt", murmelt sie leise und fährt sich nervös durch ihre Haare. Sie kann keinen klaren Gedanken mehr fassen und will einfach nur noch raus. Irgendwohin wo sie nicht auf ihre Deckung Acht geben muss. Kurz darauf begibt sie sich zur Tür und läuft direkt in die Arme von Antonio, der sie besorgt und misstrauisch zugleich mustert. „Es tut mir leid, aber ich muss gehen!" Mit diesen Worten lässt Martha den jungen Mann stehen, doch dabei bemerkt sie nicht, dass sie sich viel zu schnell bewegt. Zwar kann Antonio sie noch sehen, doch die Schnelligkeit mit der sie den kompletten Raum, inklusive der tanzenden Menschenmasse, durchquert ist ihm suspekt. Nachdenklich legt er seine Stirn in Falten.
Erleichtert nimmt Martha einen tiefen Atemzug als sie wieder an der frischen Luft ist. Erst jetzt wird ihr bewusst, dass ihre Bewegungen im Club zu schnell waren, dementsprechend läuft sie nun betont langsam durch die Straßen. In der Hoffnung bald eine gute Stelle zu erreichen, von der aus sie in Vampirgeschwindigkeit die Stadt verlassen kann. Leider findet sie eine solche Stelle erst nach einer guten viertel Stunde in der sie einige Male in Seitenstraßen abgebogen ist. Auf einem freien Feld außerhalb der Stadt stoppt sie das erste Mal. Ihre Atmung geht schnell, wenn auch unnötig, doch so manche antrainierte, menschliche Reflexe können auch ein tausendjähriges Leben nicht unterdrücken. Sie wirft einen Blick zurück in die Richtung aus der sie gerade gekommen ist. Unschlüssig darüber, ob sie zurück gehen soll um ihre Schwestern darüber zu informieren. Doch sie ist sich sicher, sollte sie zurück gehen, würde sie Antonio wieder über den Weg laufen und dieses Mal wäre es ihr eventuell nicht möglich ihn so leicht abzuschütteln. Sie schüttelt den Kopf, ihre Schwestern sind alt genug und werden wissen, dass sie zurück nach Volterra gegangen ist. Mit diesen letzten Gedanken setzt Martha ihren Weg fort und es dauert auch nicht lange, bis sie besagtes Städtchen erreicht. Geschickt bewegt sie sich durch die Straßen bis hin zum Schloss. Dort angekommen geht sie unmittelbar zu den Toiletten die sich im Eingangsbereich befinden. Diese dienen größtenteils zur Wahrung des Scheins, die einzige die diese jedoch regelmäßig nutzt ist die menschliche Sekretärin.
In den Räumlichkeiten angekommen, entledigt sich Martha der menschlichen Nahrungsmittel die sie den Abend über zu sich nehmen musste. Ihre Gedanken kreisen und sie ist gezeichnet von Panik, immer wieder schweifen ihre Gedanken zu Antonio und dass er sie gesehen hat, aber vor allen Dingen auch zu den Vampiren die sie derzeit beherbergen und in Sekundenbruchteilen für ihr Vergehen umbringen könnten.
Nein, ich habe fast unser Geheimnis verraten!
Sie werden es wissen, vielleicht wissen sie es auch schon.
Dieser Junge, er sah meine Augen, meine Bewegungen. Nein, nein, nein!
Ich bin so dumm, so verdammt ignorant …
Sie werden mich töten, definitiv
Ich bin tot!
Wie kann ich nur so dumm sein, er bemerkte meine roten Augen, dieser unreife Junge.
Sie können das nicht übersehen haben, oder?
Sie werden mich töten!
Kraftlos sackt Martha zu Boden, diese Situation ist zu viel für sie. Sie weiß, dass sie einen Fehler begangen hat. „Sie werden mich umbringen!", murmelt sie. Ihre Augen blicken nahezu leblos über den Boden bis sich plötzlich zwei Lederschuhe in ihrem Blickfeld befinden. Zu beschäftigt war sie mit ihren Gedanken, als dass sie die Person hätte kommen hören. Ergeben und ertappt zugleich keucht sie auf. Nur langsam richtet sie ihren Blick auf, um zu sehen wer sie gefunden hat.
Zuallererst bemerkt sie den dunkelgrauen Anzug, der auf den ersten Blick ganz gewöhnlich aussieht. Allerdings hat sich Martha nie sonderlich für die Welt der Mode interessiert. Die Jacke ist mit einem Muster aus schwarzen alt-aussehenden Symbolen bestickt, die aus Samt zu sein scheinen. Sie ist sich bewusst, dass dieser Anzug wohl alles andere als gewöhnlich, sondern vermutlich höchst qualitativ oder zumindest eine Spezialanfertigung ist. Ängstlich sieht sie weiter nach oben und als sie erkennt, wer vor ihr steht, scheint sie in ihrer Position festgefroren zu sein. Sie hätte viele Personen vorgezogen, wenn es auch doch auf das gleiche Ende hinaus läuft. Doch hier und jetzt machtlos vor Caius zu sitzen, lässt sämtliche Hoffnung schwinden. Ergeben lässt sie ihren Blick wieder sinken.
„Du weißt was du getan hast?" Seine Stimme ist kalt und nicht vergleichbar mit ihrer kurzen Unterhaltung in der Bibliothek am Vortag. „Woher weißt du?" Martha sieht wieder auf und beginnt einen kläglichen Versuch, wird jedoch direkt von ihm unterbrochen. „Wir haben unsere Mittel und Wege!" Ein leichtes Grinsen bildet sich auf seinen Lippen, was Martha ein wenig zurückweichen lässt. „Die einzige annehmbare Bestrafung ist die Vernichtung!" Seine Stimme ist kalt und fest, seine Aussage mehr eine Feststellung, eine Information. Die Angesprochene sieht zur Seite und er weiß, dass sie sich ihres Fehlers und der damit einhergehenden Bestrafung bewusst ist. „Was ist mit dem Jungen?", fragt sie leise. „Heidi bringt ihn und seine Freunde her", antwortet er kurz angebunden. „Und was ist mit meinen Schwestern?" Ihre Stimme ist kaum mehr als ein Hauchen. „Sie haben kein Gesetz gebrochen!", fährt er fort und betont das erste Wort mehr als deutlich um Martha ihr Vergehen noch einmal genau vor Augen zu führen. Mit Erfolg!
Normalerweise dauert es nicht lange, bis Caius einem Gesetzesbrecher den Gar aus macht. Kurz genießt er die Überlegenheit, ehe er sein Gegenüber enthauptet und verbrennt. Doch diese Nomadin hat von Beginn an eine seltsame Wirkung auf ihn. Langsam geht er zu ihr herüber. Erbärmlich wie sie dort am Boden sitzt und dennoch verspürt er nicht den Drang sie für ihr Vergehen zu bestrafen. Vor ihr angekommen kniet er sich zu ihr hinunter und packt sie an den Schultern, um sie nach oben zu ziehen. Ihr erschrockener Blick entgeht ihm dabei keinesfalls. Mühelos stellt er sie auf ihre Beine, doch statt sie nun entweder zur Rechenschaft zu ziehen oder sie zumindest los zu lassen, zieht er sie in eine Umarmung. Er weiß nicht wieso, aber es fühlt sich für ihn vertraut und vollkommen richtig an. Sie tut hingegen nichts.
Martha ist vollkommen perplex. Sie kann sich keinen Reim darauf machen, warum sie nun in seinen Armen liegt. Ist es vielleicht eine sadistische Art und Weise sie zunächst in Sicherheit zu wiegen, nur um sie dann zu brechen. Sie kann es nicht leugnen, dass diese Berührung etwas bei ihr auslöst, etwas das sich richtig anfühlt. Diese Umarmung dauert allerdings nur wenige Sekunden, denn danach wird sie plötzlich zurück gestoßen und sie landet an der gegenüberliegenden Wand. Geschockt sieht sie auf zu Caius, der in einem Sekundenbruchteil vor ihr steht. Bedrohlich blickt er zu ihr hinab wie ein Raubtier, das seine Beute in die Ecke getrieben hat. Hart packt er sie an den Haaren. „Was hast du mit mir gemacht? Welche Fähigkeiten besitzt du, Hexe?", knurrt er ihr bedrohlich entgegen. „Ich", stottert Martha „ich habe nichts getan. Ich besitze keine Gabe", versucht sie sich zu verteidigen. Caius jedoch ruft nach Felix, der auch sofort im Raum erscheint. „Bring sie in die Kerker", befiehlt er der Wache in harschem Ton. Ein unheilvolles Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus. „Exekutionen werden immer im Thronsaal gehalten", er pausiert kurz und sieht in die angsterfüllten Augen der Deutschen „doch zuvor müssen meine Brüder und ich uns noch um deine Schwestern und die Sterblichen kümmern!" Mit diesen Worten verlässt er den Raum in Richtung Thronsaal und Martha wird von Felix in einen der Kerker gebracht. Natürlich könnte sie aus diesem steinernen Gefängnis entkommen, doch aus diesem Grund wurde eine Wache vor der Zelle abgestellt. Verzweifelt lässt sich Martha zu Boden sinken, dort kauert sie sich zusammen und schluchzt leise auf. Sie hat nicht nur Angst vor ihrer Bestrafung, sondern auch davor was mit ihren Schwestern passieren wird.