Nach dem Frühstück entschlossen sich Dempsey und Makepeace ihre Nachbarn zu besuchen. Harry nahm eine Flasche Wein aus dem Kühlschrank. Die Straßen waren noch immer weiss aber es hatte aufgehört zu schneien. Vorsichtig gingen sie zum Haus nebenan. Harry betätigte den Türklopfer. Eine Dame mittleren Alter öffnete.
„Oh, guten Tag, sie müssen die neuen Nachbarn sein", sagte die Dame freundlich.
Harry war überrascht, wie schnell sich der Einzug rum gesprochen hatte.
„Guten Morgen, wir sind James Dempsey, und Harriet Makepeace. In der Tat, wir sind die neuen Nachbarn", sagte Harry und überreichte die Flasche Wein.
„Wir begrüßen sie herzlich in unserer Straße. Wir sind die Millers", sagte sie, als ihr Ehemann ebenfalls an der Tür erschien.
„Kommen sie doch herein", sagte Mr. Miller.
Sie wurden ins Wohnzimmer geführt und nahmen auf dem Sofa platz.
„Ich mache schnell Tee", rief Mrs. Miller und verschwand. Dempsey verzog das Gesicht.
„Möchten sie lieber einen Kaffee, Mr. Dempsey?", fragte Mr. Miller freundlich.
„Das wäre wirklich nett", sagte Dempsey kurz.
Mr. Miller stand auf und verschwand ebenfall in der Küche.
„Du bist einfach unmöglich", sagte Harry und lächelte.
„Ich bin Amerikaner", merkte Dempsey an und grinste.
„Das ist eine schöne Wohngegend aber ich denke, wir senken den Altersdurchschnitt um mindestens 30 Jahre", sagte Harry und schaute sich um.
„Na, das ist nichts für mich. Viel zu ruhig und alles sieht gleich aus", merkte Dempsey an und sah die Enttäuschung in ihrem Gesicht.
„Es sieht hier aus, wie in meiner Straße", flüsterte sie enttäuscht.
Dempsey war sprachlos. Er hatte nicht darüber nachgedacht, dass Harry in diesen Straßen zu Hause war.
Die Millers kamen zurück ins Wohnzimmer und servierten die Getränke.
„Ein so junges Paar in dieser Straße ist wirklich erfrischend. Wir haben bereits seit Jahren kein Kinderlachen mehr in dieser Gegend gehört", erklärte Mrs. Miller.
„Wir haben keine Kinder", sagte Harry schnell und schaute Dempsey an.
„Noch nicht", sagte er und lächelte.
Was hatte das jetzt wieder zu bedeuten? Fragte sich Harry. Hatte er schon so weit gedacht? Sie konnte nicht erkennen, was er dachte und das machte ihr Angst.
„Alice Mitchell hat uns erzählt, dass sie auch ein Opfer der Einbrecher geworden sind, ist das wahr?", fragte Harry, um vom Thema abzulenken.
„Das war eine furchtbare Geschichte und das so kurz vor Weihnachten. Sie haben uns alles gestohlen, selbst den Familienschmuck und das Silber", seufzte Mr. Miller.
„Wie furchtbar! Hat die Polizei schon eine Spur?", fragte Dempsey interessiert.
„Ich fürchte nicht", stöhnte Mrs. Miller verzweifelt.
„Der Einbrecher hat uns etwas zurück gelassen. Stellen sie sich vor... er hat sich entschuldigt, ist das nicht unglaublich?", fragte Mrs. Miller fassungslos.
Harry schaute ebenso fassungslos, wie die Millers.
„Wie hat er sich entschuldigt?", fragte Dempsey neugierig.
Mrs. Miller stand auf und holte einen Teller mit Plätzchen. Darauf lag eine Karte mit den Worten:"Es tut mir wirklich leid aber andere Menschen brauchen diese Dinge nötiger".
Ungläubig schüttelte Dempsey den Kopf. Das war wirklich unglaublich. Ein Einbrecher, der seine Tat bereits bei der Ausführung bereute.
„Und sie haben nichts von dem Einbruch mitbekommen?", fragte Harry ungläubig.
„Nein, überhaupt nichts", antwortete Mr. Miller ehrlich.
„Wir waren an dem Abend bei Alice und Paul zum Essen. Anschließend sind wir nach Hause gekommen und alles war, wie immer. Wir haben in dieser Nacht tief und fest geschlafen", erklärte Mrs. Miller.
„Alice hat uns erzählt, dass Paul einen verdächtigen Mann an diesem Abend gesehen hat. Ist ihnen dieser Mann auch aufgefallen?", fragte Dempsey.
„Nein, nein, wir haben nichts bemerkt. Es war alles, wie immer", betonte Mrs. Miller zum wiederholten Male.
„Wir würden uns gerne noch mit ihnen unterhalten aber wir gehen in die Kirche", sagte Mr. Miller und schaute auf die Uhr.
„Oh, wir wollten sie nicht lange aufhalten. Es war wirklich nett sie mal kennen zu lernen", sagte Harry und leerte ihre Tasse.
Sie verabschiedeten sich und gingen wieder zurück in ihr Haus. Harry ging geradewegs ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch fallen.
„Was ist los, Harry?", fragte Dempsey besorgt.
„Nichts", sagte sie schnell.
„Was habe ich jetzt wieder falsch gemacht?", fragte er ernsthaft.
„Nichts", sagte sie wieder.
„Warum bist du so kompliziert?", fragte er leise und stöhnte.
„Du wusstest vorher, wie ich bin, also beschwere dich nicht", merkte sie an.
„Warum redest du nicht darüber, wenn dir etwas nicht passt?", beschwerte er sich.
„Weil ich eben nicht so bin", antwortete sie gelassen.
„Was habe ich getan?", fragte er erneut.
„Gefällt dir mein Haus?", fragte sie überraschend.
„Oh mein Gott, Harry. Darüber machst du dir Sorgen?"
Sie nickte und schon im selben Moment bemerkte sie, dass sie sich albern aufführte.
„Mir ist es egal, wo wir sind. Hauptsache wir sind zusammen", beruhigte er sie.
Der nächste Punkt machte Harry viel mehr Sorgen. Hatte Dempsey tatsächlich bereits über Kinder nachgedacht?
„Du hast etwas gesagt, was mir wirklich Sorgen macht", begann sie leise.
„Verdammt, Harry, sag mir was los ist", forderte er sie auf.
„Hast du bereits über Kinder nachgedacht? Ich meine....", sagte sie und wurde von ihm unterbrochen.
„Stopp, Harry....das war nur daher gesagt. Wir sind undercover, hast du das vergessen?"
„Wir sind ein Paar und ich weiß manchmal nicht, ob du spielst oder ob es dein Ernst ist", seufzte sie.
„Willst du keine Kinder?", fragte er ernsthaft und Harry wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. War er wirklich der Richtige, um eine Familie zu gründen? Darüber hatte sie sich noch keine Gedanken gemacht. Sie führten ein gefährliches Leben, war da Platz für ein Kind?
„Lass uns abwarten, wo uns die Zeit hinführt", sagte sie neutral.
„Und du sagst mir immer, dass ich alles überstürze. Lass uns einfach abwarten, du machst dir zu viele Gedanken und hast immer noch zu viel Angst", sagte er sanft und schloss sie in seine starken Arme.
„Du bist immer so spontan und ich muss alles planen. Das macht alles so kompliziert. Unser Leben ist kompliziert", flüsterte sie und schmiegte sich an ihn.
„Du machst es kompliziert, Harry. Es gibt nichts, wovor du Angst haben musst", versicherte er ihr.
„Deine spontane Aussage bei den Millers hat mich erschrocken", gestand sie ihm ehrlich.
„Harry, du kennst mich. Bin ich der Mensch, der über eine Familienplanung nachdenkt?", fragte er und sie schüttelte den Kopf.
Es waren mehr als 5 Jahre vergangen, dass sich Harry Gedanken über eine eigene Familie gemacht hatte. Damals hatte ihr Mann ihre Träume zerstört und sie wollte nicht, dass dies erneut geschah.
Ihre Beziehung zu Dempsey stand noch am Anfang und jeden Tag, den sie miteinander verbrachten, wuchsen sie enger zusammen.
„Es ist alles gut, wie es ist", sagte er leise und küsste sie zärtlich.
„Ja, das ist es", stimmte sie ihm zu.
