Las Vegas

Las Vegas. Die am schnellsten wachsende Stadt der USA. Endlose Massen illegaler Einwanderer, Glücksritter, Kriminelle, verkrachte Existenzen. Stadt der Nachtschwärmer, des lichtscheuen Gesindels, der Touristen auf der Suche nach einem schnellen Gewinn. Ziel zahlloser Betriebsausflüge, Ausrichtungsort aller Arten von Tagungen.

Alle drei Jahre trafen sich die Mitglieder der Amerikanischen Vereinigung der Onkologen zu ihrer Hauptversammlung. Dieses Jahr in Las Vegas.

Wilson stand am Fenster seines Hotelzimmers im Bellagio. Er hatte ein Zimmer mit Blick auf den Strip und die Wasserspiele vor dem Hotel. Er war einen Tag früher eingetroffen, weil er sich die Stadt ansehen wollte. Er war noch nicht müde genug und beschloss, noch einmal hinauszugehen. Jetzt, im Dunkeln war es doch erst richtig sehenswert, diese Stadt der millionen Lichter!

Gerade auf der Strasse angekommen, führ eine Kavalkade Low-Riders vorbei – komplett mit Flammen, Funkenflug und wildem Wippen. Wilson starrte ihnen fasziniert hinterher – und rempelte einen Passanten so heftig an, dass der in den Zaun knallte.

„Oh, Entschuldigung…" er drehte sich um und erstarrte. Es waren weniger seine Augen als sein Herz, das die Gestalt erkannte. Erschrockene blaue Augen sahen schnell weg. Der Passant humpelte schnell davon.

„House?" rief Wilson Keine Reaktion. „HOUSE!" er verfolgte den Mann. Wenn das House war, würde er ihn nicht wieder entwischen lassen!

Wilson hatte vier Stunden vor dem Gefängnis gewartet, Steve im Auto, um House abzuholen. Dann war er hineingegangen, nur um zu erfahren, dass House schon in der Dämmerung ein Taxi genommen hatte.

Er hatte es nie verstanden – alle seine Briefe waren zurückgekommen, alle seine Versuche, House zu besuchen, waren gescheitert.

Er hatte noch etliche tausend Dollar in Privatdetektive gesteckt, aber alle waren zum gleichen Ergebnis gekommen: House hatte in Trenton sein Konto bei Chase Manhatten geplündert und war dann spurlos verschwunden.

Wilson war sogar so weit gegangen, jemanden im Gefängnis zu bestechen, um an alle Unterlagen über House zu kommen. Ihm war klar, dass sein Freund – und er betrachtete House immer noch als solchen – ihm diese Verletzung seiner Privatsphäre nie verbegen würde, aber das war ihm egal.

Die ersten vier Monate hatte House meist in der Krankenstation verbracht - als Patient. Wilson hatte Tränen in den Augen, als er die Berichte las. Zehnmal war der Mann zusammengeschlagen worden, einmal hatten sie sein Jochbein gebrochen, die rektalen Verletzungen sprachen von noch schlimmeren Dingen. Houses ätzendes Mündwerk hatte ihn sicherlich in Probleme gebracht. Danach gab es praktisch bis zur Entlassung keine Einträge mehr.

Wilson hatte eine Weile gebraucht, bis er begriff, dass House – wie auch immer – einen Beschützer gefunden hatte. Hatte er sich verkauft? Unvorstellbar! House war ein so stolzer Mann, er würde sich für niemanden bücken, dachte Wilson.

Nachdem er nun jahrelang House gesucht hatte, würde er ihn nicht entkommen lassen.