„Yani?", fragte Tristan seinen Lebensgefährten beim Abendessen. „Ja? Schmeckt gut", beeilte dieser sich, Tristans Kochkünste zu loben. „Danke, aber eigentlich wollte ich etwas ganz Anderes." – „Und was?" Tristan räusperte sich nervös. „Wir sind ja jetzt schon fast ein Jahr zusammen und eine Wohnung teilen wir uns seit vier Monaten. Es ist wirklich schön mit dir und ich wollte…" – „Ja?", fragte Yannick seine dunkelbraunen Augen aufreißend. „Yannick Kowalski, ich liebe dich von ganzem Herzen." Der Mund des Angesprochenen verzog sich zu einem breiten Grinsen. „Ich dich auch." – „Deshalb wollte ich dir danken, dass du… also, weil meine Eltern ja immer noch nicht von dir wissen… Du bist das Beste, was mir passieren konnte und ich wollte dich fragen: Willst du mein Mann werden?" – „Unbedingt, aber nur wenn du auch mein Mann wirst", lächelte Yannick gerührt, bevor er sich von seinem Stuhl erhob, um Tristan um den Hals zu fallen.
„Yani, Tristan, was macht ihr denn um diese Zeit hier?", fragte Cornelia Kowalski erstaunt, als sie spät abends den beiden jungen Männern die Tür öffnete. „Hallo Mutti! Ist Vati auch da?", wollte Yannick wissen, während er die Wohnung seiner Eltern betrat. „Hm, der duscht gera…", Conny geriet ins Stocken, als ihr Mann hinter ihr durch die Tür trat. „Rr, Rokko, das Handtuch steht dir echt gut", lachte Tristan, als er seinen zukünftigen Schwiegervater erspähte. „Und neugierig wie ein junger Hund. Du hättest ruhig zu Ende duschen können", lachte Conny. „Habe ich doch", erwiderte Rokko. „Aber du hast dir nichts angezogen. Sind das die Vorboten von Altersdemenz, mein Schatz?" – „Ach was. Aber frag lieber mal die Kinder, was sie zu uns führt und wenn es ein leerer Kühlschrank ist, dann verteidige unseren mit deinem Leben." – „Aber Rokko, wenn ich Laute der Verzückung von mir gebe, dann nur, wenn ich dafür meine Kochwäsche hier machen darf." – „Pf, und ich dachte schon, ich wäre noch heiß genug, um angebaggert zu werden", scherzte Rokko. „Aber was führt euch wirklich zu uns?" Yannick griff nach Tristans Hand und drückte sie kurz. „Mutti, Vati… Tristan und ich… Sag du!", forderte er seinen Verlobten auf. „Yannick und ich… Nee, sag du", kicherte dieser. „Egal wer, aber sagt es endlich", meldete Conny sich zu Wort. „Wir werden heiraten", platzte es aus den beiden jungen Männern gleichzeitig. „Heiraten?", fragte Rokko ungläubig. „So richtig mit Trauung und Ringen und schick angezogen und so?" – „Naja, eine kirchliche Trauung, Papa, geht ja in unserem Fall nicht, aber es gibt bestimmt eine schöne standesamtliche Zeremonie für zwei hübsche Jungs wie uns." Rokko musterte seinen Sohn. Er sah glücklich aus, einfach nur glücklich. Seine Augen strahlten, seine dunklen Locken waren ganz durcheinander gewuschelt. Er hielt immer noch Tristans Hand. „Ach kommt mal her", bat Rokko seinen Sohn und seinen Schwiegersohn in Spe. „Ich freue mich so für euch." Er drückte beide Männer gleichzeitig an sich. „Papa? Dein Handtuch! Langsam wird's unanständig", lachte Yannick. „Okay, ich ziehe mir schnell was Bequemes an und ihr geht mit Mama ins Wohnzimmer. Dann stoßen wir erstmal an, ja?"
„Habt ihr euch denn schon Gedanken über den Termin gemacht?", wollte Conny wissen. „Möglichst bald", entgegnete Yannick. „Noch vor dem Referendariat. Wenn wir verheiratet sind, dann können wir gemeinsam hier sein. Als Ledige können die uns sonstwohin schicken – sonstwohin ist ja erstmal nicht so schlecht, aber getrennt? Nee, das geht gar nicht." – „Und was sagen deine Eltern dazu?", wandte Rokko sich besorgt an Tristan. „Ich schätze, sie werden es jetzt erfahren müssen. Ich habe schon mit Tante Kim gesprochen – sie will mir dabei helfen. Sie hat sich so gefreut, als ich ihr erzählt habe, dass ich Yani fragen will…" – „Du hast ihn gefragt?", staunte Rokko. „Mit Kniefall und so?" – „Nee, aber mit einem leckeren Essen und Kerzen waren an." – „Damit war er einfallsreicher als du", lachte Rokko seine Frau an. „Du hast Papa gefragt?", staunte Yannick. „Jep, der alte Stießel hätte doch nie diesen Schritt gewagt." – „Naja, aber du musst den Kindern jetzt schon erzählen, wieso. Sonst stehe ich ja da wie der letzte Gefühlseisblock. Ihr müsst nämlich wissen, ich war vor der Ehe mit Conny schon mal verlobt." – „Was ist daraus geworden? Hat sie ‚nein' gesagt?", zog Yannick seinen Vater auf. „Nicht ganz… Sie ist aus der Kirche gerannt und hat dann einen anderen geheiratet." Tristan schluckte – diese Geschichte kam ihm irgendwie bekannt vor. „Wie hieß denn deine Verlobte?", fragte er deshalb. „Lisa Plenske." Tristan riss die Augen weit auf. „Du sagtest doch, du kennst meine Eltern nur ein bisschen." – „Hm, ein bisschen. Ich habe am Tag unserer geplanten Hochzeit Seiten deiner Mutter gesehen, die… die ich lieber nicht gesehen hätte. Tut mir leid, Tristan, deine Mutter ist sicher eine liebe Frau, aber sie hat mich vor vielen, vielen Jahren einmal sehr verletzt." – „Dann… ich hatte gehofft, ihr würdet mit nach Berlin fahren und mit meinen Eltern sprechen, aber unter diesen Umständen…" Tristan zuckte hilflos mit den Schultern. „Nein, nein, ich habe dir das vor einiger Zeit angeboten und ich stehe zu meinem Wort. Wann geht es denn nach Berlin?"
