Alba musste sich das Grinsen sehr verkneifen, als sie an diesem Morgen mit Nina zur großen Halle ging, um zu frühstücken. Es war Samstag morgen und sie hatten ein wenig länger geschlafen, sie mussten sich jetzt ein wenig sputen, damit sie nicht zu spät nach Hogsmeade kamen. Es war der einzige Ausflug, den die Siebtklässler dieses Jahr noch hatten und den wollten sie Beide nicht verpassen. Allein schon, weil sie ein wenig länger bleiben durften als der Rest.

Doch das war nicht der Grund dafür, dass die Beiden sich am Arm hielten und sich zusammenreißen mussten, nicht auf der Stelle vor Lachen umzufallen. Berge von Staub türmten sich in den Fluren von Hogwarts, er lag auf den Ritterrüstungen, er lag auf den Teppichen, auf den Gemälden und auch sonst einfach überall. Ab und zu sahen sie ein oder zwei Wuslons durch den Staub huschen, weil sie genau wussten, woher der Staub kam, doch überall sahen sie verwundert dreinschauende Schüler und auch teilweise einige Lehrer, die nicht so recht zu wissen schienen, was sie jetzt mit dem Staub anstellen sollten, obwohl Alba sich sicher war, dass Professor Snape oder Professor Mc Gonagall den Staub mit einem Schwenk ihres Zauberstabs verschwinden lassen konnten.

Im vorbeigehen sah sie Percy und ihre Ravenclawgegenspielerin, die sich Instruktionen von Professor Flitwick abholten.

Auch Nina war kurz davor, loszuprusten. Sollten sie ruhig alle versuchen, den Staub verschwinden zu lassen. Innerhalb von wenigen Minuten würden die Wuslons ihre Spuren erneut zeigen.

„Es ist grandios, oder?" flüsterte Nina Alba zu und Alba nickte lebhaft. Eine so gute Idee hatten sie schon lange nicht mehr gehabt. Wie lange es wohl dauerte, all die Wuslons wieder einzufangen? Percy hob den Blick und sah Alba misstrauisch an. Sie zwinkerte ihm zu. Egal was er dachte, beweisen konnte er ihr gar nichts und das ließ sie übermütig werden. Was für ein Tag. Besser kann es kaum noch werden.

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Was für ein mieser Tag. Schlimmer konnte es kaum noch werden, fand Percy. Jetzt stand er hier neben Penelope und sollte in seinem Haus Nachforschungen anstellen, wer die Staubmäuse freigelassen hatte. Er war sich sogar ziemlich sicher, dass der Blödsinn von den Gryffindors kam, denn seine Brüder waren berühmt berüchtigt für ihren Unsinn. Trotzdem, jetzt musste er die anderen Vertrauensschüler informieren, Schüler befragen und das alles noch zusammen mit Penelope. Um die Beseitigung wollten sich die Lehrer kümmern, jedoch bezweifelte Percy, dass selbst die Lehrer wirklich gegen die kleinen Nager angehen konnten. Wuslons waren nicht einfach zu fangen und der Hausmeister hatte Wochen darauf verschwendet, sie in die Falle zu locken.

Und immer wieder Penelope, wie sie da stand und ihr Haar zurück warf und sich erdreistete, Tony zuzulächeln, als er vorbei lief. Erstaunlicherweise fielen Percy in diesem Moment eine Menge Schimpfwörter für sie ein, auch wenn das sonst nicht seine Art war. Er fluchte grundsätzlich sehr selten und er legte Wert auf sein Benehmen, aber Penelope weckte nun das Schlimmste in ihm.

„Ich zähle auf Sie Beide." sagte Professor Flitwick gerade.

Auf was zählte er denn? Percy hatte ihm seit mindestens fünf Minuten nicht mehr zugehört. Er nickte jedoch beflissen und verschwand in der großen Halle. Wenigstens beim Frühstück sollten sie ihn doch alle endlich in Ruhe lassen. Wo stand ihm überhaupt heute der Kopf? Er hatte sogar vergessen, die nächtlichen Rumtreiber zu melden, obwohl er heute morgen schon zweimal mit Professor Mc Gonagall gesprochen hatte.

Ginny ließ sich neben ihm auf die Bank sinken. Endlich war sie nicht mehr sauer auf ihn, das hätte er jetzt am allerwenigsten gebrauchen können, denn sie hatte gestern den ganzen Tag kein Wort mehr mit ihm geredet.

„Alles in Ordnung?"

Das fragte sie in letzter Zeit viel zu oft. Sie war immer noch seine kleine Schwester und nicht seine Mutter.

„Ja, natürlich."

„Du siehst blass aus."

„Mag sein. Ich hatte nicht viel Schlaf."

„Daran liegt es nicht. Du hast mit Penelope gesprochen, oder?"

„Nicht direkt, nein." Warum merkte sie nur immer alles. „Ginny, meinst du nicht, dass ich mein Liebesleben nicht mit meiner Schwester besprechen will?"

„Mit wem denn dann?" Sie ließ einfach nicht locker.

„Weiß ich nicht. Aber nicht hier und jetzt und nicht mit dir."

„Du brauchst eine neue Freundin." stellte sie nüchtern fest.

„Ginny, es reicht wirklich." grollte er und stopfte sich den Rest seines Brotes in den Mund. „Geh Ron auf den Keks, sein Liebesleben hat es nötiger."

„Ach, der fängt sich schon wieder, Hermine spricht zwar gerade nicht mit ihm..."

„Woher weißt du immer solchen Unfug?"

„Parvati hat Emma erzählt, dass Harry und Hermine..."

„Schon gut, ich habe es verstanden." Er seufzte. „Ich bin ehrlich froh, wenn du heute im Schloss bleiben musst."

Ginny streckte ihm die Zunge heraus. „Du solltest den Ausflug lieber nutzen, um dir eine neue Freundin zu angeln. So kannst du Penelope am besten eifersüchtig machen."

„Ich will sie nicht..." begann er, aber er stockte. Eigentlich war das genau das, was ihn ungemein freuen würde, aber er war nie ein solcher Mensch gewesen und würde es wohl auch nie sein.

„Vergiss es doch bitte endlich." bat er sie und Ginny schaufelte sich stumm Rührei auf den Teller. Jedoch ignorierte sie seine Bitte vollkommen.

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Den ganzen Weg nach Hogsmeade alberten die fünf Slytherin Mädchen lautstark miteinander herum und vertrieben sich die Zeit damit, Mutmaßungen anzustellen, wie die Lehrer wohl die Wuslonplage bekämpfen würden.

„Stellt euch nur vor, wenn sie jedes Einzelne schocken. Ein schönes Fest wird das." kicherte Madison. „Mein Bruder hat einmal einen Wuslon geschockt, er pustet innerhalb von Sekunden so viel Staub aus, dass du nichts mehr siehst."

„Sei doch leise." mahnte Holly schließlich, denn sie hatte Percy und Penelope entdeckt, die stumm nebeneinander hergingen und die Aufsicht über diesen Marsch hatten.

Alba drängelte sich an Holly vorbei, um ein wenig von dem Gespräch der Beiden mitzubekommen, doch erstaunt stellte sie fest, dass sie kein Wort miteinander sprachen. Dafür hörte sie aber Madison und Ashley tuscheln und kichern, vermutlich über sie, denn jetzt mussten sie ihr neues Outfit unwillkürlich verstanden haben.

Alba hatte ihre Haarpracht gezähmt und das dichte, schwarze Haar zu einem Bauernzopf geflochten, wie Penelope ihn meistens trug und sie trug, an Stelle ihrer ausgewaschenen Jeans, sogar einen Rock, obwohl sie Röcke hasste. Wie sie so hinter Penelope herstiefelte, sah sie aus, wie eine schlechte Kopie der Ravenclaw und als Percy sich umdrehte, stand ihm seine Überraschung ins Gesicht geschrieben.

Wieso kam Alba jedes Mal auf die dümmsten Ideen, wenn es um Percy ging. Jeden anderen Jungen hätte sie binnen Sekunden um den Finger gewickelt, jedenfalls empfand sie das immer so, doch bei Percy kam sie sich klein, dumm und überflüssig vor. Entschieden riss sie sich die Haargummis aus den Haaren und stapfte weiter hinter den Vertrauensschülern her.

„Du musst mich nicht begleiten." sagte Penelope von vorne, doch Percy sah nicht auf.

„Tue ich auch nicht." antwortete er, ohne hinzusehen.

Alba spitzte die Ohren. Offenbar hatten die Beiden gerade Streit.

„Warum rennst du mir dann ständig hinterher."

Percy machte ein abfälliges Geräusch. „Du kannst gerne dein Schulsprecherabzeichen abgeben, dann brauchst du keine Sekunde deines Lebens mehr mit mir verschwenden."

Penelope schnaubte. „Das hat damit gar nichts zu tun..."

„Natürlich nicht. Geh zu Tony." gab er kalt zurück und beschleunigte seinen Schritt, um Oliver Wood und Egdar einzuholen, die vor ihm gingen.

Alba hatte stumm gelauscht, auch wenn sie nun doch ein schlechtes Gewissen beschlich. So direkt hätte sie wirklich nicht lauschen müssen, Bemühungen hin oder her.

Sie ließ sich ein wenig zurück fallen, damit er sich nicht noch einmal nach ihr umdrehen konnte und verschwand mit Holly ans Ende ihrer kleinen Truppe.

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Im Honigtopf floss an diesem Abend ein wenig mehr Butterbier am Tisch der Slytherinmädchen, als es ursprünglich erdacht war und es war laut darin. Holly hatte Madame Rosmerta bestochen und sie hatte das Radio angedreht, so dass die meisten Schüler durch den Pub tanzten, während die älteren Hexen und Zauberer zwar murrten, aber sich auch nicht so recht beschweren wollten, denn eigentlich war es ganz nett, wenn es in dem Pub einmal lauter zuging.

Endlich lockten sich Albas Haare nicht mehr so blöd, doch ihre Freundinnen zogen sie immer noch damit auf. Sie würde es heute Abend noch einmal versuchen und es dann einfach lassen. Sie war es leid, sich immer wie ein dummes Kind vorzukommen, scheinbar war dieser Typ einfach nicht ihre Liga. Sie würde es als Witz abtun, falls ihre Freundinnen, sich noch einmal daran erinnerten und damit hätte sich das Kapitel Percy Weasley auch erledigt. Und eigentlich war es ja auch wirklich nur ein dummer Witz gewesen.

Holly tanzte mittlerweile mit Marcus Flint vor der Bar und auch sonst waren die meisten Hogwartsschüler im Pub unterwegs, zumindest die, die bis zehn Uhr dort bleiben durften und das waren nur die Siebtklässler.

Madison hatte immer noch ein Auge auf einen der Ravenclawtreiber geworfen und verabschiedete sich schließlich von den Anderen, denn sie hatte ihn in der Menge ausgemacht.

Und wo war überhaupt Ashley? Albas Laune sank stetig, denn sie hatte den Verdacht, dass jedes der anderen Mädchen zu seinem Schwarm abgehauen war und man sie komplett vergessen hatte. Schöne Freundinnen, dachte sie verärgert. Als sich schließlich auch noch Nina verabschiedete und an der Hand eines Hufflepuffjungen verschwand, da wurde es Alba zu blöd und sie bahnte sich einen Weg durch die Menge, ihr Butterbier in der Linken, ihren Mantel in der rechten, und wollte eigentlich geradewegs den Weg zur Türe einschlagen, doch sie stieß mit jemandem zusammen und verschüttete ihr Butterbier halb über sich und halb über die Person.

Oh, natürlich, das war so klar gewesen, beinahe klassisch, dass sie genau Percy erwischt hatte. Sie murmelte eine Entschuldigung und wollte sich gerade von ihm abwenden, als er sie am Arm festhielt.

„Könnte ich wohl mal unter vier Augen mit dir sprechen?"

Sie nickte erstaunt und folgte ihm in den hinteren Teil des Pubs, wo es nicht ganz so laut war.

„Was gibt es?" fragte sie arglos, doch sein Blick sagte ihr, dass er nicht hier war, um mit ihr zu Scherzen.

„Ich weiß, dass du etwas mit den Wuslons zu tun hast."

„Wie kommst du darauf?" Alba konnte Lügen wie gedruckt und auf Knopfdruck weinen, wenn es nötig war. Vielleicht wurde es heute noch nötig.

„Du und deine Freundinnen sind ein wenig zu wissend heute Morgen durch die Gänge spaziert. Und ich habe dich gestern Nacht noch getroffen, wo also bist du hingegangen, wenn nicht in Filchs Arbeitszimmer?"

„In den Gemeinschaftsraum." sagte Alba wie aus der Pistole geschossen. Das konnte er ihr sowieso nie nachweisen. „Du kannst gerne Holly fragen. Oder Madison. Die haben mich alle Beide gesehen."

Er schüttelte den Kopf.

„Wenn du nichts mehr hast, dann würde ich jetzt gerne tanzen gehen." Das entsprach nicht der Wahrheit, aber ihr war es unangenehm hier mit ihm zu stehen. Er machte sie seltsam nervös.

Die Musik verebbte langsam und offenbar hatte jemand das Radio ausgeschaltet, denn Protest wurde laut und einige Hogwartsschüler jammerten. Scheinbar war das Ende ihrer kleinen Tanzeinlage gekommen.

Alba seufzte und sah Percy in die Augen. „Toll, jetzt hast du mich um meinen Tanz gebracht." Vielleicht zog ja wenigstens die Nummer mit dem schlechten Gewissen, sie wandte sich um und verließ den Honigtopf schließlich, denn es war sowieso niemand dort, mit dem sie jetzt noch etwas unternehmen konnte.