So. Gewalt voraus; aber die Story ist nicht umsonst M. Die beiden Süßen gehören mir immernoch noch nicht; nur der kleine Widerling, den ihr hier kennenlernen werdet.

Diesmal ein besonders großen Lob an meine Beta Jana…das ging fix^^

Viel Spaß und Review nicht vergessen!

Alice rieb sich den Arm. „Au, das tut weh", quengelte sie wie ein Kind.

Jasper griff ihre Hand, küsste sie und lachte: „Vorhin warst du noch nicht so weinerlich." Dennoch strichen seine geschlossenen Lippen mit der größten Vorsicht über ihr Handgelenk, die Haut kaum berührend.

„Hast du denn keine Schmerzen?", fragte sie ungläubig. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie er das aushalten konnte. Sie beschloss, Schmerzen demnächst aus dem Weg zu gehen.

„Doch natürlich. Aber von der Art, mit der ich sehr gut umgehen kann", antwortete er ehrlich. „Ich kann sie genau lokalisieren, sie schaden nur mir und sind zeitlich begrenzt. Außerdem bin ich sehr stolz darauf!" er fasste sich an die Brust und lächelte sie an.

„Ich wette, du bist einfach nur eine ganze Portion giftiger als ich", konterte sie und streckte ihm die Zunge heraus; nicht aber ohne anschließend träumerisch ihre verschränkten Hände und ihre frische Narbe zu betrachten und ihm ein hinreißendes Lächeln zu schenken. Er malte abwesend mit seinem Daumen Muster auf ihre zarte Haut.

Ihren Rückweg wählten sie über Land. Sie überquerten die Grenze ohne Aufsehen zu erregen. Gegen Mittag waren sie gerade in Texas. Alice war in Gedanken versunken über die kleinen Probleme, die zu Hause auf sie warteten, als Jasper plötzlich anhielt. Diesen Geruch würde er überall wieder erkennen. Er erinnerte ihn an Tod und Qualen.

„Jazz, was ist denn….oh!", sie konnte sie sehen - den Grund für den außerplanmäßigen Halt. „Es tut mir leid, ich hätte besser Acht geben müssen. Wir können ihr nicht mehr ausweichen.", entschuldigend und verwirrt sah sie ihn an. Seine Reaktion war zu stark. Zu viele Emotionen waren in seinem Gesicht zu sehen. Und Sorgen.

Jasper zog Alice' kleinen Körper hinter seine muskulöse Statur, während er auf Maria wartete. Die Umstände ihres Auseinandergehens waren unschön gewesen. Sie hätten fast im Kampf geendet; ein Kampf, den nur einer überlebt hätte.

Seine Abweisung ihrer Avancen hatte den Ausschlag gegeben. Sie sah es als ultimative Belohnung für ihren besten Soldaten an, das Bett mit ihr zu teilen; er ließ es über sich ergehen; er konnte Befehle nicht verweigern, doch es war nicht im Geringsten ein Akt der Freiwilligkeit gewesen. Sie nahm sich, was sie brauchte. Und damals war es sein Körper.

Sie riss ihm die Uniform vom Leib, schlang ihr schlankes olivfarbenes Bein wie eine Fessel um seine Hüfte und krallte sich in seine Haare. Ungestüm bewegten sich ihre Lippen auf seinen und zwangen seinen Mund zum Öffnen. Er erfüllte ihr den Wunsch und ließ ihre Zunge mit der Seinen verschmelzen. Er berührte sie so hart, wie sie es brauchte. Seine Hände gingen unter ihren Rock und zerrissen ihr Höschen. Sie warf ihn auf den trockenen Lehmboden und ihr Stöhnen erfüllte das Zelt.

Er spürte genau, was sie wollte und was ihr gefiel und doch hoffte er mit jeder Sekunde, dass es schnell vorbei sein würde. Diesen Gefallen tat sie ihm nicht. Ihr Verlangen wurde mit jeder Bewegung nur umso größer. Stundenlang ließ sie seine Kraft zügellos durch ihren Körper strömen. Er spürte ihre Lust, doch sie konnte ihn nicht berühren; sein Herz blieb kalt. Sein Körper reagierte auf Befehle, nicht auf Lust oder Liebe. Ihr war das egal; er war besser als jeder Mann zuvor. Sie wollte mehr.

Als sie es wieder versuchte, wies er sie unmissverständlich zurück. Dass er es nicht gewollt hatte, machte er ihr bereits nach dem ersten Mal klar, aber es änderte nichts an ihrer Zuversicht. Er musste sie lieben und vergöttern, er verdankte ihr sein Leben. Außerdem war sie sich ihrer unvergleichlichen Schönheit immer bewusst. Ihre glänzenden schwarzen Locken und ihre vollen sinnlichen Lippen brachten jeden ihrer Soldaten um den Verstand.

Als sie damals aufreizend mit schwarzer Wäsche bekleidet in seinem Zelt auf ihn gewartet und versucht hatte, ihm einen weiteren Kuss zu stehlen, stieß er sie hart aufs Bett zurück, drehte sich um und ging. Wie eine Furie lief sie ihm nach und schrie ihn an. All ihre lateinamerikanische Leidenschaft drückte sie in wüsten Beschimpfungen aus. Die ganze Armee konnte diese Demütigung sehen.

Seit dieser Nacht war er noch betrübter und isolierter als er es zuvor schon gewesen war und er hatte seinen Nutzen für Maria unwiederbringlich verloren. Sie versuchte nie wieder, ihm nah zu kommen, doch in ihrem Inneren baute sich ein Hass auf, ein Rachegelüst. Er konnte es spüren und verließ sie, als Peter zurückkehrte und ihm einen Ausweg anbot. Nur aus Hochachtung ließ er sie am Leben und verließ sie schlicht, bevor sie ihm noch einmal nah kommen konnte; aus welchem Grund auch immer.

Er hatte allen Grund, der Situation misstrauisch gegenüberzutreten. Er würde ihre Absichten gut erfühlen müssen, sie war gerissen - und tief gekränkt.

Die Silhouetten am Horizont waren durch die glühende Hitze verschwommen. Maria kam nicht allein. An ihrer Seite lief ein unscheinbarer kleiner Junge. Offensichtlich ein Vampir, aber ein ungewöhnlicher. Ungewöhnlich uninteressant. Nicht schön oder angsteinflößend. Seine wässrigen Augen blickten ängstlich zu Maria, die schlaksigen Arme baumelten unrhythmisch an seiner Seite und ließen seinen Gang fast tollpatschig wirken. Trotzt seiner Artzugehörigkeit war er mehr Opfer als Jäger.

Marias Schönheit war ungetrübt. Sie war das schönste Mädchen, was Jasper zur damaligen Zeit gesehen hatte. Damals, bevor sie ihn verwandelt hatte. Ewige 19 Jahre alt, langes, fließendes schwarzes Haar bis zur Taille, eine perfekte, nur spärlich bedeckte Haut mit sinnlichen Rundungen. Heute erschien sie ihm nicht mehr schön. Das Offensichtliche ausblendend konnte er über ihre habgierige, egoistische und skrupellose Art nicht hinwegsehen. Ihre innere Hässlichkeit überdeckte alles. Und nicht zuletzt war er wie geblendet durch den Inbegriff von Schönheit, innere und äußere, der hinter seinem Rücken hervorlugte, um besser sehen zu können.

Alice war Maria noch nie begegnet, hatte aber eine unbändige Wut auf sie. Sicher war sie froh über Jaspers und damit auch ihre eigene Identität als Vampir, doch auch der Grund für das ewige Leiden ihres Geliebten war bei dieser Frau zu suchen. Sie funkelte Maria böse an. Deren Begleiter würdigte sie keines Blickes.

„Jasper mein Lieber", begrüßte sie ihn überschwänglich. Ihren Akzent hatte sie über all die Jahre nicht verloren. „Du wolltest doch nicht durch Texas reisen ohne mal Vorbeizuschauen. Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen." Ihr Lächeln war überwältigend. Ihr perfekten Zähne offenbarten eine anziehende kleine Zahnlücke.

Jasper konzentrierte sich, um Ruhe auszustrahlen. Maria brachte ihnen keine offene Feindschaft entgegen, aber Alice kochte. Schnell war die Situation wieder entspannt und er blickte seiner Schöpferin gespielt freundlich entgegen. „ Ich hätte gedacht, es sei dir so lieber, wegen damals. Ich wollte dich nicht kränken", er neigte den Kopf zur Begrüßung.

„Unsinn, Unsinn. Alles vergessen. Ich freue mich so, dich zu sehen" sagte sie und schritt ihnen schnell entgegen, um Jasper in ihre Arme zu schließen. Er hielt still.

Alice kannte ihren Gefährten. Er war nie ein Mann der körperlichen Nähe gewesen. Nicht einmal gegenüber Freunden - und Maria würde sich nie zu diesen zählen können. Alice konnte an seinen Worten und an seinem Blick sehen, wie unangenehm ihm diese Situation war. Außerdem war sie es nicht gewohnt ihn teilen zu müssen. Mit niemanden. Eine scharfe Woge der Eifersucht strömte von ihr aus. Jasper hatte zwar die Einzelheiten weggelassen; dass er intimen Kontakt mit Maria gehabt hatte, konnte er jedoch nicht leugnen; war er auch noch so widerwillig gewesen. „Lass ihn l…"

Jasper zog Alice hart zurück. Sie verstummte und war perplex über diese Grobheit. Der logisch denkende Teil in ihr wusste, dass es eine reine Schutzmaßnahme war. Die Gefahr, die von Maria ausginge, hatte Jasper immer wieder betont. Aber in eben diesem Moment - ihr geliebter Jasper in den gierigen Armen dieser viel weiblicheren Frau, noch dazu mit der Vorgeschichte, die die beiden teilten... . Sie fühlte sich betrogen, traurig, wütend.

„Ah und das ist sicherlich deine kleine Freundin. Peter hat mir von eurer kleinen Romanze erzählt. Willkommen in Texas Kleine!" sie wollte auch Alice umarmen. Diese fauchte sie stattdessen wild an. Jasper beruhigte sie sofort. Alice schloss die Augen, um vergeblich zu versuchen, ihre eigenen Gefühle wieder zu erlangen. Ohne Erfolg; das hatte sie schon früher – damals jedoch spaßhaft- versucht.

„Na na, ein kleiner Wildfang, wie? Na da bist du ja bei ihm gut aufgehoben. Er konnte schon immer gut mit respektlosen Neulingen umgehen, unser Offizier Whitlock.", sie schnurrte regelrecht bei seinem alten Namen und der Erinnerung, wie sie ihn diese eine Nacht immer wieder geschrien hatte.

Zorn funkelte in Jaspers Augen angesichts dieser unangebrachten Mischung aus Arroganz und Erregung, doch er blieb höflich und hielt Alice in Schach „ Wenn ich vorstellen darf, Maria, das ist meine Frau Alice Cullen. Alice, meine Schöpferin Maria de la Rosa." Alice blickte unbeeindruckt in Marias blutrote Augen. Sämtlicher Emotionen beraubt.

„Schöpferin? Jasper, ich bitte dich, gute Freundin oder gar mehr", sie schlug ihre Augen kokett auf. Dann wandte sie sich Alice mit einem herablassenden Blick zu „Alice, welch gewöhnlicher amerikanischer Name, wann wurde sie geboren?", sie tat so, als sei Alice gar nicht anwesend und blickte in Jaspers Augen, fasziniert von ihrer ungewöhnlichen Farbe.

„Alice ist ein wunderschöner Name und ich weiß nicht, was das Geburtsdatum aussagen soll?", entgegnete Jasper, jetzt schon etwas feindlicher. Trotz aller Gefahr konnte er dieses Verhalten nicht dulden. Er liebte diesen Namen, seit er ihn das erste Mal aus ihrem Munde gehört hatte und konnte sich keinen schöneren denken.

„1901", antwortete Alice nur knapp. Sie blickte Jasper intensiv an. Sie wollte von ihrer Klammer befreit werden.

Jasper hasste es, sie zu kontrollieren. Es quälte ihn mindestens genauso wie sie. Ihre Gefühle, die Aura, die sie ständig umgab, waren sein einziger Grund, noch auf dieser Erde zu weilen. Sie jetzt nicht zu spüren, war wie von der Luft abgeschnitten zu sein; freiwillig. Wie menschliche Lungen sehnte sich sein Gespür danach. Er wollte sie befreien, aber der Drang, sie zu beschützen, war größer. Entschuldigend drückte er ihre Hand und wand sich wieder an Maria: „ Wir wollen dich auch gar nicht lange belästigen. Wir sind nur auf der Durchreise." Er entfernte sich einen winzigen Schritt von ihr.

„Ach was. So seltener Besuch sollte gefeiert werden!", Maria wollte ihn nicht gehen lassen und näherte sich um diesen Schritt wieder an. Die Abweisung vor so vielen Jahren hatte sie nicht vergessen. Damals hätte sie keine Chance gehabt, ihn dafür gebührend zu bestrafen. Im direkten Kampf wäre er überlegen gewesen und sie brauchte ihre Soldaten für die anstehende Schlacht. Sie wusste nur zu gut, dass Jasper in der Lage gewesen wäre, einen Großteil von ihnen, wenn nicht alle, zu vernichten.

Heute hatte sie noch ein Ass im Ärmel. Zwanzig Meter zurück hinter einem Stein kauernd. Paolos zerzaustes mattschwarzes Haar nahm ihm halb die Sicht auf die Szene, vor der er so viel Angst hatte. Er wusste, dass Marias Stolz ihr zum Verhängnis werden konnte. Noch fiel es ihr nicht schwer, ihre Gefühle im Zaum zu halten. So sehr wollte sie Jasper nicht mehr, oder seinen Gehorsam. Sie blickte dem Kampf ruhig und gelassen entgegen. Noch einmal würden sie nicht auseinander gehen. Es gab mehrere Möglichkeiten, wie diese Prämisse erfüllt werden konnte.

Jasper bemerkte nichts und Alice strengte sich zu sehr an, seiner Macht zu entkommen, ihren Hass freizulassen, um die folgenden Geschehnisse zu sehen.

Marias primäres Ziel war nicht Jasper. Sie hatte Erfahrung mit Leid gemacht und ganz speziell mit seinem Leid. Es wäre eine Erlösung ihn zu zerstören, zu gnädig. Aber er schien verändert, glücklicher, auch wenn in der momentanen Situation nicht viel davon zu sehen war, bemerkte sie den Unterschied dennoch. Und kannte auch die noch aussagekräftigeren Geschichten von Peter. Alice tat ihm gut. Also musste diese kleine Quelle seines Glücks beseitigt werden. Das würde ihm mehr schaden. Es würde ihr als Rache für Peter und Charlotte gelten - und für ihren verlorenen besten Soldaten.

Ob er sich danach an ihr rächen würde, galt es herauszufinden. Ihre Eitelkeit hoffte darauf, noch immer starken Einfluss auf Jasper zu haben, sobald dieses Mädchen aus dem Weg war. Aber für den Fall, dass das nicht so wäre, war sie vorbereitet. Auch ihr Leben bestand vornehmlich aus Krieg. Sie hatte ihm die meisten Kampftechniken beigebracht und im Gegensatz zu ihm auch die letzten 100 Jahre mit Kampf und Intrige verbracht. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Veteran von einem Vampirkrieger noch ausreichend mächtig war, um ihr auch nur ein Haar zu krümmen.

„Es wäre doch sehr unhöflich, wenn du gleich wieder gehen würdest, mein Lieber. Kommt, ich habe noch ein paar unberührte Menschen unserer letzten Nacht. Mit Freunden teilt man doch gerne", ihre hellrot glühenden Augen zwinkerten Jasper zu.

„Das ist zu freundlich von dir, aber wir müssen ablehnen. Wir, ähm, ernähren uns nicht von Menschen." sagte er und blickte verlegen auf den Boden. Schon die Möglichkeit dieser Mahlzeit machte ihn hungrig. Es war ihm peinlich, nach so vielen Jahren der Enthaltsamkeit immer noch so schwach zu sein; der Versuchung ihres seit jeher eingesetzten Druckmittels, ihrer Belohnung, immer noch nicht problemlos entsagen zu können.

„Qué? Wovon denn dann? Jasper, du warst immer der gierigste meiner Männer!", sagte sie und brach in schallendes Gelächter aus. Ihr Körper krümmte sich vor Lachen.

Ein kurzer Moment Jaspers Unachtsamkeit reichte Alice, um wieder die Kontrolle über sich zu erlangen. Jasper als Marias Besitz zu sehen und dieses höhnende Lachen brachten das Fass zum Überlaufen. Katzenhaft sprang sie auf Maria zu, die rechtzeitig zurückweichen konnte und einen schnellen Blick auf den großen Stein hinter ihr warf. Die Zeit war gekommen. Der Kampf begann, das Ziel war klar.

„Paolo? Wo?" schrie sie mit schriller Stimme.

Die Antwort kam abgehackt und verängstigt: „Die Bru-brust. Di-dir-direkt über dem Her-Herzen." Zitternd zeigten seine mageren Finger auf Jasper.

Das reichte Maria. Mit einem einzigen Stoße konzentrierte sie all ihre Kraft auf Jaspers Brust. Wie eine hervorschnellende Schlange, eine Viper. Der Schlag traf ihn direkt auf der frischen Narbe und schleuderte ihn meterweit zurück. Er war aus dem Weg. Es würde ihn nicht lange aufhalten können, aber sie sah in Alice auch keine große Herausforderung.

Sie machte einen kaum zu sehenden Satz auf die kleine Statur von Alice zu. Doch als sie Alice hätte treffen müssen war diese längst nicht mehr da. Alice war vielleicht nicht die beste Kämpferin, Maria im direkten Kampf sicher unterlegen, aber wenn Maria keine Chance bekam, ihre Krallen oder Zähne in Alice' Haut zu rammen, würde ihr das nicht viel nützen.

Wieder und wieder näherte sich der frauliche olivfarbene Körper dem Ort, an dem Alice' schmale Figur auszumachen war. Und wieder und wieder gelang es Alice, kleine Stücke aus ihrer Kontrahentin zu reißen, während sie ihr auswich. Ein scharfes Klingen war zu hören, jedes Mal, wenn Alice kleine Hand wieder einen Teil von Marias Haut zu packen bekam.

„Hast du gedacht es würde so einfach werden, MEINE LIEBE?" imitierte Alice Marias Phrase. Selten sah sie gefährlicher aus; wie ein Vampir; jetzt tat sie es; so wild wie ihre Augen funkelten, hätte man meinen können, sie seien von der gleichen blutroten Farbe wie Marias. „Hast du geglaubt, ich sei so unnütz wie dir Charlotte damals erschien? Klein und hilflos?"

Der Todestanz ging weiter und Alice' hohe Sopranstimme nahm eine unheimliche Wende „Ich brauche Jasper nicht zum Schutz." Sie brauchte ihn für so viel mehr, fügte sie für sich hinzu. Sie machte sich ernsthafte Sorgen, wie es ihrem Geliebten ging, ob er Schmerzen hatte. Aber das machte ihre Wut auf diesen widerlichen zerstückelten Vampir vor ihr nur umso größer „Dein Kopf wird rollen! Und dieses Schicksal hast du selbst gewählt, als du beschlossen hast, ihm diesem Leben auszusetzen." Sie drehten sich schneller, nur dass Alice jetzt angriff und Maria Mühe hatte, auszuweichen. Ihr Körper wurde langsam entstellt. Ihre Kleidung hing in Fetzen an den Resten ihrer wunderschönen Gestalt.

„Ha!", höhnte sie dennoch. „Ausgesetzt? Dieses Leben war für ihn bestimmt. Ich habe ihm nur gezeigt, was in seiner Natur lag. Er ist der geborene Killer. Und er hat sich tausendfach bewährt. Keine Reue. Kein Mitleid. Kennst du ihn überhaupt, unseren Offizier? Sein einziger Wert besteht darin, meiner Armee zu dienen, mich zu befriedigen; dafür wurde er geschaffen. Und du Flittchen steckst ihn in ein Menschenkostüm und verleugnest sein wahres Wesen!"

Maria wollte Alice bespucken, doch bevor sie dazu kam, wurde ihr Kopf von ihrem Körper getrennt und rollte auf den heißen staubigen Boden. Jasper stand hinter ihrem kopflosen Körper, als dieser in sich zusammensackte. Der Tanz war beendet. Mit dem Fuß rollte er ihr Gesicht nach oben. Er wusste, dass sie nicht tot war. Noch nicht.

„Du hast Recht, Maria. Ich bin der geborene Killer." sprach er zu dem Kopf zu seinen Füßen „Ich kannte keine Reue und kein Mitleid und auch für dich werde ich keines dieser Gefühle empfinden. Aber mit einem hattest du Unrecht." Intensiv blickte er in die kalten Augen des Schädels. „Mein einziger Wert besteht darin, Alice glücklich zu machen. Ihrer Liebe zu dienen. Ihre Existenz zu ermöglichen. Du warst nur Mittel zum Zweck. Ich bereue es, das Monster zu sein, zu dem du mich gemacht hast, aber ich danke dir für ihr Leben, das du mir dadurch geschenkt hast." Ohne weitere Worte trennte Jasper alle Körperteile vom Rumpf und bereitete in kürzester Zeit ein Feuer, das in der Hitze des Mittags schnell von Marias leblosem Körper Besitz ergriff.

Ein Schluchzen unterbrach die Stille. Der kleine Paolo sah wie seine Meisterin brannte und hatte Angst um sein eigenes Leben. Jasper wand sich ihm schnell zu und wollte ihn angreifen. Er konnte den Hass nicht unterdrücken, der immer noch in ihm kochte. Sein Gesicht war zu einer wütenden Grimasse verzogen.

„Nein, nicht!", schrie Alice. Diese Stimme, die Reinheit darin, die Besorgnis, brachten ihn zur Besinnung. Wie seine eigene Kraft auf sie, so wirkten ihre Gefühle zwingend auf ihn; er ergab sich ihnen. Er hatte sie wieder, ihre Aura, seinen Quell der Liebe und des Glücks. Was waren seine Gefühle da noch von Bedeutung.

Alice kam zu dem Stein, hinter dem der Junge mit verängstigtem Blick saß.

„Es ist ein Risiko, ihn am Leben zu lassen." Jasper war beruhigt, aber sah es von der strategischen Seite. „Er könnte von uns berichten.", er wusste, dass Maria immer fähige Männer um sich scharte und mit ihren ‚besonderen' Qualitäten sicher auch viele in blinde Liebe stürzte.

„Aber sieh ihn dir an! Er hat solche Angst vor uns und noch mehr hatte er sie vor Maria. Er ist sicher froh, dass sie weg ist. Er wurde wie du von ihr ausgenutzt und ist nun frei." Ihre goldenen Augen brachten sein Herz zum Schmelzen.

Nach all dem, was er Alice gerade zugemutet hatte, konnte er ihr den Wunsch nach Gnade nicht abschlagen. „Wirst du schweigen?", fragte er barsch. Nichts als pure als Angst konnte Paolo erwidern. Kein Hass, kein Gefühl der Rache. Der Junge nickte. „Dann lauf und komm mir nie wieder unter die Augen!", Jasper drehte sich um und wandte sich wieder dem Feuer zu. Er konnte Alice jetzt nicht umarmen, wie er es gewollt hätte. Er hatte gemordet; wieder. Er fühlte sich unwürdig.

Paolo stolperte und rannte unbeholfen in Richtung Horizont.

Während er den Flammen zusah, berührte Alice' zarte Hand seine Schulter. Er zuckte weg, doch sie ließ sich davon nicht beirren. Er ergriff ihre Hand und blickte seiner Geliebten in die Augen. Wie konnte sie ihm nach alledem immer noch bedingungslos zur Seite stehen? In ihren Augen fand er Trost, mit dem er nicht gerechnet hätte.

„Du bist kein Monster! Du hast die Ketten abgelegt, die sie dir aufgezwungen hat. Und du bereust jetzt, was du getan hast; alles; auch deine früheren Vergehen. Bereust mehr als jeder andere. Kein Mensch kam mehr durch dich zu schaden. Sie war das Monster, nicht du." Alice wusste, dass ihn das nicht beruhigen würde. Sie versuchte ihm ihre ganze Liebe zu zeigen; sie auszustrahlen.

„Aber ich habe ein Monster in mir. Es giert nach Blut. Es denkt militärisch und hätte diesen Jungen nicht verschont. Das Monster bereut nichts!" sagte er und konnte ihren Blick nicht länger halten. Er fühlte sich wieder in seine alte Welt zurückgezogen, obwohl Maria tot und Alice mit ihrer ganzen Liebe so nah war.

„Ich habe auch ein Monster in mir.", sie hob seinen Kopf an, um seine Augen wiederzufinden. „Es hätte diese widerliche Frau mit eigenen Händen getötet und das Blut der kleinen Verkäuferin bis auf den letzten Tropfen getrunken. Wir sind was wir sind, Jazz. Vampire. Das lässt sich nicht rückgängig machen, ebenso wenig wie unsere Vergangenheit. Aber wir haben uns entschieden, unser Leben anders zu leben. Ohne Menschenblut und Clankämpfe. Unter Menschen, als Familie. Auch wenn es dir schwer fällt, du lebst so und bewahrst damit jeden Tag Leben, menschliche und vampirische. Das Monster ist ein Teil von dir, aber nicht der Teil, der dich ausmacht." Sprach sie ernst. „ Das ist der Teil, mit dem du mir dienst!", sie grinste ihn frech an.

„Deiner Liebe, unserer Liebe", verbesserte er und dachte an seine pathetische Rede zurück, die sie absichtlich zu ihren Gunsten verändert hatte, aber konnte sich das Lachen nicht verkneifen.

„Mmh, das muss ich dann wohl falsch verstanden haben", Alice stellte sich dumm und legte ihren Zeigefinger nachdenklich in ihren Mundwinkel.

„Schon klar, du kleines Monster!", er hob sie hoch und wirbelte sie in der Luft herum. Er hatte sie wieder, das war alles, was zählte. Seine Stimmung musste hinten anstehen; sie konnte Alice nicht überdecken; Alice war wichtiger als die Vergangenheit; sie war seine Zukunft.

Als er sie wieder absetzte, blickte sie ihn ernst an: „Du weißt, dass ich sie besiegt hätte, oder?" sie fühlte sich etwas in ihrem Stolz verletzt, dass er ihr mal wieder zu Hilfe gekommen war.

„Ja, aber es war mein Kampf; ich musste mich ihr irgendwann stellen. Außerdem hatte ich furchtbare Angst um dich. Du weißt nicht, wie hinterhältig sie ist." Erklärte er sich und zuckte bei dem Gedanken an Marias Gefühl von Triumpf, als sie ihn aus der Bahn warf, zurück. Wie nah war er daran gewesen, Alice zu verlieren, so hatte er zumindest geglaubt. „Bitte verzeih mir, dass ich dich zurückgehalten hab."

„Ich weiß ja, warum du es getan hast. Ich wollte dich doch auch nur beschützen vor ihr. Nun ja, auch wenn meine Variante davon nicht so höflich wie deine ausgefallen wäre und du hast ja gesehen, dass nette Plauderei bei ihr nichts bewirkt hat. Aber schließlich war es ihr Schicksal, für ihre Verbrechen zu sterben. Ich verzeihe dir, weil ich dich liebe!"

Er konnte sein Glück mit Alice kaum fassen. Und die starke Kraft, die ihn zu ihr zog, stärker noch als die Gier nach Blut. „ Ich liebe dich mehr als mein eigenes Leben, Alice." Ein Leben, dass er ohne ihre Existenz schon vor Jahrzehnten beendet hätte; irgendwie.

Sie ließ sich mit Freuden von ihm umarmen, vollkommen einschließen in seine starken Arme, die ihr jedoch nie weh tun könnten. „Denkst du, mir geht es anders? Unser Leben ist eins. Auf ewig." Sie tippte mit ihrem Zeigefinger wissend auf ihre Schläfe.

„Auf ewig", flüsterte er in ihre Haare. Ein Versprechen, dass er an dieser Zukunft nie etwas ändern würde.

Das Feuer war in stinkenden Rauch übergegangen, es gab nichts mehr, was es hätte verbrennen können. Von Maria war nichts als ein Häufchen Asche übrig geblieben. Und selbst das wurde bereits Stück für Stück vom Wind fortgetrieben. Alles, was blieb, war ein eine wertvolle Halskette, mit einem verrußten großen Diamanten. Sie würden sie liegen lassen. Sollte sie doch ein Reisender finden und sich darüber freuen; sie war mit zu viel Blut bezahlt worden, als dass sie sie hätten mitnehmen wollen.

Am anderen Ende des Staates lief Paolo ohne sich umzudrehen. Es schien ihn anzustrengen; er war so menschlich; fragil und schwach. Aber er wurde erwartet von unerbittlichen, kalten Augen.

Na? Ist jemand traurig, dass Maria tot ist? Ich kann gut ohne sie. Vielleicht gibt's ja Rache….man munkelt^^

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