Immer noch mit Shanidas Arm untergehakt, lief Lo Bukk mit ihr zum Ausgang, während die Kaminoanerin ihnen mit langen, weit ausholenden Schritten rasch den Weg voranging, welchen der Cereaner vor seinem Tod mit den Markierungen versehen hatte, um in dem Ganggewirr nicht die Orientierung zu verlieren.

Sie sprinteten die Kellertreppe nach oben, liefen durch die Haustür nach draußen, um dort das U-Boot vorzufinden – unbehelligt, unberührt, unbeschädigt.

Immerhin', dachte Lo Bukk in dem Hauch einer Erleichterung.

Seit sein Meister tot war, witterte er überall Verfolger, begierig darauf, Sith-Artefakte an sich zu raffen, dafür gar Jedi zu töten.

Lo Bukk neigte den Kopf, um besser Witterung aufzunehmen. Ja, da war jemand – irgendwo hinter dem Haus! Es war nur eine schwache Präsenz, noch nicht einmal machtsensitiv. Aber doch gerissen genug, mithilfe von schnöder Technik wie Vibronetzen Jedi zu meucheln?

„Ich spüre jemanden!", rief Lo Bukk heiser, während sie bereits im Begriff waren, nacheinander in das U-Boot zu steigen.

„Ein Grund mehr, diesen Ort zu verlassen!", hörte er Nia Bos nun sehr gebieterische Stimme durch den Komm-Kanal seines Helmes an sein Ohr dringen.

Kaum hatte sich das U-Boot in Bewegung gesetzt, sahen sie, wie eine gewaltige Detonation das Haus erschütterte, in dessen Keller sie gerade eben noch gewesen waren.

Lo Bukk schaute Shanida an, welche nun wie er ihren Kommunikationshelm abgesetzt hatte. Die junge rote Frau erwiderte seinen Blick in einer Art, die er nicht deuten konnte. Er fühlte … Erleichterung und Reserviertheit.

„Wir bedauern außerordentlich, dass während dieser Mission ein Jedi-Meister umkam", richtete Nia Bo nach längerer Pause das Wort an Lo Bukk.

„Ni-Cada war mein Meister gewesen!", erwiderte dieser betreten, während ihn die unbeteiligte Höflichkeit der Kaminoanerin während ihrer Worte zutiefst anwiderte, ihn reizte. „So ein Ende hat er nicht verdient!"

„Wollt Ihr, dass wir die Polizei einschalten oder wollt Ihr die Sache allein auf Jedi-Art regeln?", wandte sich die Leiterin des Archäologischen Instituts nun in genau derselben stereotypen Freundlichkeit wie vorhin an den Zabrak.

„Ich werde zuerst dem Rat Bericht erstatten. Ich denke, in ein, zwei Stunden werde ich Ihnen mitteilen können, ob die Polizei hier gebraucht wird oder nicht", erwiderte Lo Bukk mit einem hartem Blick seiner orangenen Augen, gepaart mit einer Tonlage seiner Worte, welche die stoische Unbeteiligtheit von Nia Bo sarkastisch imitierte.

Die Drei verließen das U-Boot. Ein in kaltem Weiß glänzender Gleiter wartete oberhalb des Säulenturbolifts bereits darauf, sie ins Institut zu fliegen, wo die Leiterin des Archäologischen Instituts ihren obligatorischen Bericht ans Kulturministerium ihres Heimatplaneten verfassen musste. Während der Gleiter mit ihnen über die Kuppeln und Türme von Tipoca City dahinglitt, breitete sich unangenehmes Schweigen zwischen ihnen aus. Dieses bleierne Schweigen wurde erst dadurch gebrochen, als die Kaminoanerin Lo Bukk den Holokonferenzraum des Institutes zur Verfügung stellte, um sich mit dem Tempel in Verbindung zu setzen.

Es kam Lo Bukk wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich in den Holokonferenzraum kamen. Nia Bo wandte sich sofort zum Gehen.

„Bitte bleib!", duzte der Zabrak unvermittelt Shanida, welche wie Nia Bo dabei war, den Raum zu verlassen, damit der Jedi-Ritter allein mit dem Tempel konferieren konnte.

Zu seiner Freude hielt die junge Frau inne und wandte sich ihm wieder zu, während die Kaminoanerin die Tür von außen schloss. Endlich waren sie beide allein.

„Werdet Ihr jetzt wegen seinem Tod im Jedi-Tempel Schwierigkeiten bekommen?", fragte Shanida ihn plötzlich mitfühlend, während ihre Augen in einer für ihn undefinierbaren Art glänzten.

„Ich weiß es nicht", erwiderte der Jedi-Ritter düster und nahm ihre Hand, die sie ihm nicht entzog.

Er wusste, dass er nicht ewig ihre Hand halten konnte. Also ließ er sie widerwillig los und wählte die Verbindung, die er kannte.

„Bleib im Hintergrund und mach keinen Mucks", murmelte er Shanida mit einem verschwörerischen Blick zu, während er darauf wartete, dass jemand am anderen Ende der Verbindung diese aktivierte.

„Beunruhigend der Tod von Meister Ni-Cada ist", äußerte Meister Yoda besorgt vor den anderen Mitgliedern des Rates, welche über dem Holoprojektor auf Kamino in einer ca. ein Standardmeter im Kubik messenden bläulich schimmernden Projektion sichtbar waren.

Lo Bukk sah kurz zu Shanida auf der anderen Seite des Raumes hinüber, von wo aus sie der Konferenz unsichtbar für die Jedi beiwohnte. Ihre großen schwarzen Augen schauten wie gebannt auf den Holoprojektor, welcher ihr gerade Zugang zur für Außenstehende eigentlich nicht zugänglichen kleinen Konferenz im Mittelturm des Jedi-Tempels gewährte.

„Man hat Euch in eine Falle gelockt!", mutmaßte Meister Even Piell, während seine rosafarbenen riesigen Ohren erregt zitterten und seine blauen Augen düster funkelten.

„Es ist ja nicht das erste Mal, dass Meister Ni-Cada und Lo Bukk Kontakt mit der Dunklen Seite der Macht hatten. Die Umstände des Todes von Meister Ni-Cada sind schon höchst dubios. Und die Sith-Artefakte sind nun auch verloren", erklärte die nautolanische Meisterin Marnya Molto mit zusammengekniffenen schwarzen Augen.

Lo Bukk auf der anderen Seite der Konferenz schluckte. Was meinte die Nautolanerin damit? Wollte sie damit etwa andeuten, dass er etwas mit dem Tod seines Meisters zu tun hatte? Er hatte seinen Meister immer verehrt, ihn geliebt - beinahe wie einen Vater!

Nein! Es war nicht seine Schuld, dass er seinem Meister auf jener verhängnisvollen Mission den Vortritt gelassen hatte. Er hatte lediglich das getan, was sein Meister sowieso von ihm erwartet hatte. Beide hatten sich lang genug gekannt, so dass Ni-Cada die Worte „Tritt beiseite, Padawan!", nicht mehr sagen brauchte. Es gehörte sich einfach, dem Älteren die Führung zu überlassen.

„Was wollt Ihr damit andeuten, Meisterin Molto?", fragte der Zabrak zurück, sichtlich bemüht, keine Getroffenheit bei seiner Rückfrage zu offenbaren.

„Euch keine Schuld trifft", versuchte Yoda, seine Zweifel zu zerstreuen.

Aber nun spürte Lo Bukk den forschenden Blick der Nautolanerin auf ihm umso mehr. Sie hatte in gewisser Weise recht. Er hatte Schuldgefühle. Sein Meister hatte ihn damals vor neunzehn Jahren auf Abraxin geschützt, so wie er es jetzt ebenfalls versucht hatte. Nein, er hätte Ni-Cada niemals alleine zu der verfluchten Truhe gehen lassen sollen! Und die anderen Jedi nahmen nun seine Selbstzweifel über die Entfernung verzerrt wahr. Er spürte den Verdacht eines Anteils an dem hinterhältigen Mord auf sich lasten, weil er selbst sich belastete!

„In alle Richtungen ermitteln - wir werden. Die Polizei zu alarmieren, nur unnötige Unruhe verbreiten - in der Galaxis würde. Ein vorauseilender Schatten des Zunehmens der Dunklen Seite der Macht - dieser Mord ist! Wo Ihr seid – bleibt, Ritter Lo Bukk. Meisterin Marnya Molto und Meister Even Piell Euch zu Hilfe entsenden - wir werden. Aufgeklärt das Schicksal Ni-Cadas - werden muss!", entschied der Großmeister schließlich nach der kurzen, aber hitzigen Debatte.

Lo Bukk wartete höflicherweise noch, bis der Jedi-Tempel von sich aus die Verbindung deaktivierte. Dann ging er im Halbkreis um den Holoprojektor herum zu Shanida hinüber.

„Ihr werdet also noch bleiben?", fragte Shanida und Lo Bukk vermeinte, in ihren schwarzen Augen einen Schimmer der Hoffnung auf ein längeres Zusammensein zu entdecken.

„Noch mindestens einen Tag lang", erklärte er und als er sie dabei ansah, spürte er, wie bestimmte Säfte in ihm aufwallten.

Es war nun Herbst auf Iridonia – zusammen mit dem Frühling eine der Hauptpaarungszeiten. Und jetzt würde ihn niemand mehr scheel von der Seite ansehen, wenn er die rote Nautolanerin betrachtete und etwas dabei träumte. Halt! Hatte er eben schlecht von seinem toten Meister gedacht? Hatte er sich seinen Tod gar insgeheim gewünscht? Er musste sich eingestehen, dass er zeitweise neidisch auf seinen ehemaligen Meister gewesen war, wenn dieser zu mehrwöchigen Familienurläuben auf Cerea geweilt hatte, um nach seinen vier Frauen und deren Kindern zu sehen. Und er hatte nur diesen einen Tag! Gönnte ihm sein toter Meister nicht einmal diesen einen Tag?!

Er sah, wie Shanida ihn verwundert ansah. Ob wohl auch sie seinen inneren Zwist fühlte?

„Was ist denn?", fragte sie ihn und er spürte Arglosigkeit in ihrer Frage.

Unvermittelt ging er noch zwei Schritte auf sie zu. Sie blieb, wo sie war. Er zog sie an sich und küsste sie ungestüm auf den roten Mund.

Da fühlte er es wieder: Die Dunkelheit wie vorhin bei der verfluchten Truhe! Sie traf ihn wie eine riesige dunkle Welle, die über ihm zusammenschwappte. Er ekelte sich vor dieser Welle, war aber gleichzeitig aus ihm unbegreifbaren Gründen unfähig, sich aus ihr zu befreien. Diese Welle war nicht nur dunkel und abgründig, sondern auch scharf und süß! Er würde Shanida nie wieder gehen lassen! Er spürte, wie zwischen seinen Beinen etwas steif wurde, während er an ihren Lippen sog. Wie sich ihre Hände an seinen Hüften festkrallten …

… um jene Hüften von ihrem Oberkörper wegzuschieben … Es war wohl zu früh gewesen … ein bisschen zu …

Ein von unten gegen seinen Schritt gedonnertes Knie unterbrach seine Schwelgerei endgültig. Shanida riss sich von ihm los. Lo Bukk krümmte sich in den Schmerzen, die soeben sein erregtes Gemächt getroffen hatten. Dieser Kniehaken verhinderte, dass er sofort reagieren konnte. Er sah, wie Shanida zur Tür eilte, die sich vor ihr öffnete, noch bevor sie überhaupt irgendeinen Knopf gedrückt hatte. Ihm kam die Idee, dass es vielleicht einen Fernsteuerungsmechanismus geben könnte, den er nur nicht kannte – er, der hier fremd war.

Der kurz aufgeflammte Gedanke wich der Dringlichkeit eines schnellen Handelns. Es würde gewiss einen Skandal geben, wenn sie irgendwem etwas von dem unschicklichen Vorfall erzählte. Er musste das verhindern und richtigstellen. Das war nur ein Ausrutscher. Ein Ausrutscher, geboren aus seiner Verzweiflung über den Verlust seines geliebten Meisters!

Er bezwang seinen Schmerz und rannte ihr nach. Die Tür des Raumes war bereits in Begriff, sich hinter ihr zu schießen. Er musste da durch! Seine ausgeprägte Nase stieß schmerzhaft gegen das harte Metall der just vor ihm zuzischenden Tür. Aber viel schlimmer als dieser erneute Schmerz war, dass Shanida vor ihm geflohen war. Er hatte sich der Dunklen Seite hingegeben! Nur dieses eine Mal! Und er war dafür bestraft worden. Meisterin Marnya Molto hatte Recht gehabt! Er war schuld am Tod seines Meisters, hatte diesen durch sein unterschwelliges dunkles Verlangen mit herbeigeführt! Das Verlangen nach Shanida hatte ihn bereits unten in Derem City abgelenkt – und das in den wichtigsten Sekunden seines Lebens!

Er öffnete die Tür, sprintete durch die weißen Gänge. Schließlich hatte er Nia Bo gefunden.

„Ich würde gerne mit Shanida sprechen", sagte er so neutral wie möglich, während ihn die Kaminoanerin ungerührt freundlich ansah.

„Mrs. Twaye hat soeben per Komlink gekündigt. Das war wohl alles etwas zu viel für sie", hörte er ihre sanfte Stimme.

„Können Sie mir ihre Komlink-Nummer geben?", fragte er, im gleichen Augenblick beschämt ob seiner überstürzten, offen gezeigten Anhänglichkeit.

Das entsprach nicht der Art der Jedi. Und das Schweigen der Kaminoanerin vor ihm auf seine Bitte hin marterte ihn, brachte ihn fast um.

„Können Sie ihr meine Komlink-Nummer geben?", fragte er nun, wieder klarer denkend. „Hier habt Ihr eine Komlink-Nummer", entgegnete Nia Bo huldvoll und gab ihm ein Stück Flimsiplast, worauf eine Nummer geschrieben stand.

„Ich danke Ihnen", sagte Lo Bukk hastig.

Die Flimsiplastkarte mit der Nummer fest in der Hand, eilte er zum Raumschiff, in welchem er nun allein nach Coruscant zurückfliegen würde. Aber vorher aktivierte er den kleinen Holoprojektor und funkte die ihm gegebene Nummer an.

Die Frau am anderen Ende der Komlink-Verbindung war eine Twi'lek, die nur ein paar Jahre älter als er sein mochte. Sie schien um die vierzig Standardjahre alt zu sein und hatte diesen perlenden Twi'lek-Akzent in ihrem Basic.

„Wir werden in acht Stunden auf Ryloth landen", erklärte sie stoisch dem innerlich aufgelösten Jedi.

„Ich werde da sein", erwiderte er, dann ging er an dem Astromech R2V4 vorbei zum Cockpit, um den Kurs einzugeben, das Schiff zu steuern, welches noch vor kurzem Ni-Cada gesteuert hatte. Ni-Cada hatte das immer selbst getan, auch wenn beide Jedi wussten, gewusst hatten, dass der Astromech das theoretisch auch alleine konnte.

Während er mit zitternden Fingern die Knöpfe tätigte, fuhren seine Gedanken Karussell. Was würde geschehen, wenn Shanida öffentlich machen würde, dass der Jedi-Ritter ihr einen Kuss geraubt hatte? Könnte er sich dann überhaupt noch im Tempel blicken lassen, nachdem kurz zuvor in seiner Gegenwart sein Meister getötet worden war? Mit jeder Minute, die das Schiff durch den Hyperraum in Richtung Ryloth düste, wurden seine Befürchtungen stärker, sich auf Kamino, nein, in der gesamten Galaxis völlig unmöglich gemacht zu haben.

Aber viel stärker noch trieb ihn der Verdacht um, dass Shanida etwas mit dem Mord an seinem Meister zu tun haben könnte. Sie hatte ihn zurückgehalten, seinem Meister zu helfen. Nur, um ihn, Lo Bukk, zu retten? Wie er in seinen Wünschen, in seiner naiven Dummheit angenommen hatte? Oder weil sie wusste, dass bald eine Bombe hochgehen würde? Versteckte sie sich deshalb? Aber warum hatte ihm ihre Mutter dann ihre Koordinaten gegeben? Er fand keine Antwort auf diese Fragen.

Das kleine unscheinbare Haus in Lessu, der Hauptstadt des Planeten Ryloth, dem Mutterplaneten der Spezies der Twi'lek, war aus braunem Lehm erbaut. Die rote Twi'lek mit den schwarzen Augen sah ihn reserviert an, als er endlich eingelassen wurde, um dann gleich in den Innenhof geführt zu werden.

„Was fällt Euch ein, einfach so meine Tochter zu küssen? Ihr könntet vom Alter her ihr Vater sein", fragte Shanidas Mutter ihn vorwurfsvoll, während sich die Spitzen ihrer beiden Lekkus ärgerlich krümmten.

„Es war … nicht geplant … ich möchte mich entschuldigen … bei ihr", erwiderte er.

„Wie entschuldigen? Worte reichen da nicht aus!", zischte ihn die Frau an. „Viele Leute denken ja, mit Twi'lek-Frauen könne man alles machen. Aber die meisten Twi'lek-Frauen sind nicht so billig! Auch nicht für Jedi, die mal hier sind und mal da!", herrschte sie ihn an.

„Nein, so war das nicht … So einer bin ich nicht!", versuchte er sich zu verteidigen.

„Erzählen sie das ihr!", fuhr ihm die rote Twi'lek barsch über den Mund.

Sie führte ihn in ein Zimmer, wo Shanida auf dem Bett saß, den gesenkten Kopf hinter ihren Händen verborgen. Sie trug immer noch das weiße Kleid, welches sie auf Kamino getragen hatte. Als er allein mit ihr war und sie ansah, nahm sie die Hände langsam vom Kopf, hob diesen und sah ihn fragend an.

Er fasste sich ein Herz. „Es tut mir so leid. Hast du wegen mir gekündigt?"

„Nicht nur", erwiderte Shanida traurig. „Erst der Mord und dann das. Das war einfach zu viel für mich. Es ist nicht gut in meinem Beruf, wenn die einem anvertrauten Leute sterben. Vor allem auf Kamino."

„Und ich hätte nicht zulassen sollen, dass Ni-Cada … mein Meister … alleine zu dieser verhexten Truhe geht", erwiderte er. „… Und ich hätte dich niemals küssen dürfen. Es tut mir leid. Bitte verzeih mir."

Er atmete unhörbar auf. Endlich war es heraus.

„Ich … nehme deine Entschuldigung … zur Kenntnis", hörte er sie sagen.

Sein Herz machte einen Hüpfer. Sie hatte ihn gerade geduzt! Auch wenn sie seine Entschuldigung nicht angenommen hatte. Nicht direkt. Noch nicht!

„Was willst du jetzt tun?", fragte er.

„Ich brauche jetzt erst einmal Zeit für mich, um mich zu erholen und mir später eine neue Arbeit zu suchen", versetzte sie mit hohler Stimme.

Lo Bukks Komlink summte.

„Entschuldigung, da muss ich rangehen", sagte er sichtlich genervt zu ihr.

„Ritter Lo Bukk! Wo seid Ihr?", hörte er Meister Even Piell am anderen Ende der Verbindung ungeduldig inquirieren.

„Ich … bin jetzt auf einem anderen Planeten. Fangt schon einmal ohne mich an", erwiderte der Zabrak.

„Weswegen seid Ihr abgereist, ohne uns direkt zu informieren?", fragte der kleine Lannik barsch.

„Das ist eine lange Geschichte; ich werde sie Euch später erzählen", versuchte er sich aus der um ihn zuziehenden Schlinge zu winden.

„Ihr könnt sofort nach Coruscant zurückfliegen und dort dem Rat der Jedi alles persönlich erklären. Euer Maß ist endgültig voll … Ritter Lo Bukk!"

„Ich glaube, er ist etwas auf der Spur", hörte er nun die Stimme von Meisterin Marnya Molto im Hintergrund. Einige ihrer vielen Lekkus waren am Rande der Holo-Projektion zu erkennen.

„Was soll das denn sein?", fragte Even Piell nach hinten zurück.

Lo Bukk nahm mit Erstaunen wahr, wie die Nautolanerin den kleineren Lannik zur Seite drängte und ihre volle Gestalt über Lo Bukks Holo-Projektor sichtbar wurde. „Ihr habt genau zwei Tage, die Sache aufzuklären, hinter der Ihr her seid. Dann kehrt in den Tempel zurück!", hörte er die gelassene, aber nachdrückliche Stimme der älteren Nautolanerin.

„Ja, das werde ich. Ich danke Euch", erwiderte der Zabrak erleichtert. Dann beendete er die Verbindung.

„Das ist unverschämt!", donnerte Even Piell seine Jedi-Kollegin an. „Wieso beendet er die Verbindung? Wieso ist er fortgeflogen, während wir seinetwegen nach Kamino geflogen sind?", entrüstete er sich.

„Es ist wichtig für ihn – und möglicherweise für den Orden", versicherte die Nautolanerin.

Even Piell schaukelte nervös in dem weißen kaminoanischen Eierschalensessel hin und her. „Wie es ausschaut, ist Ritter Lo Bukk wirklich zum Teil des Problems geworden", erklärte er düster.

Ein silberner Protokolldroide kam mit einem Tablett Tee für die beiden Jedi. „Leiterin Nia Bo wird sogleich bei Euch sein", versicherte er dem Lannik und der Nautolanerin mit blecherner Stimme.

„Das hoffe ich", entgegnete Piell schroff.

Als die beiden Jedi zusammen mit der Kaminoanerin den Tatort besichtigten, bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Der Keller war infolge der Explosion eingestürzt. So wie das Haus darüber. Also bedeuteten sie dem Bergungstrupp, den sie mit Baggern angefordert hatten, mit den Ausschachtungsarbeiten zu beginnen, um den Körper von Meister Ni-Cada und Beweise vom Tatort zu bergen.

Der Körper Ni-Cadas war durch die Wucht der Explosion zweigeteilt worden. Sein Oberkörper steckte noch verbrannt und verschmort in der nunmehr geschlossenen Truhe, während sich eine ebenfalls in jener Truhe befindliche Vibroklinge in sein rechtes Auge gebohrt hatte … wahrscheinlich war dies geschehen, während der Deckel zugeschnappt war. Oder hatte es vorher einen Kampf gegeben? Das Vibronetz wurde ebenso sichergestellt wie das Kabel und die Zündschnur, welche zu einem Datapad führte, dessen Betätigung wohl die Explosion zum fraglichen Zeitpunkt ausgelöst hatte. Allerdings konnten die beiden Jedi keinerlei Fingerabdrücke auf den Fundstücken erkennen. Alles schien vorher säuberlich abgewischt worden zu sein.

Von den gemeldeten Sith-Artefakten hingegen gab es keine einzige Spur. Lediglich die Vibroklinge, die sich ins Auge von Ni-Cada gebohrt hatte, wies Spuren der Dunklen Seite der Macht auf – allerdings viel zu wenig, um als Sith-Artefakt gelten zu können. Rat- und ergebnislos kehrten die beiden Jedi-Meister nach Coruscant zurück.

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„Hier habt ihr ein paar Credits für den Übergang", sagte Lo Bukk zu der Frau seiner Träume.

Shanida schaute ihn zweifelnd an, während sie zögerlich die hingehaltenen Chips aus seinen rosafarbenen Händen entgegennahm.

„Darf ich dich wiedersehen?", fragte er.

„Wenn es mir wieder besser geht … in einer Standardwoche", erklärte sie leise.

„Bis bald. Ich melde mich", sagte er, während er in der Tür stand, um ihr Zimmer zu verlassen.

Ihre Augen wurden groß und ernst. „Mich hat noch nie jemand geküsst."

Er wusste weder, was er darauf erwidern sollte, noch war er sicher, was ihr letzter Blick für ihn an diesem Tag bedeuten sollte. ‚War das jetzt ein Geständnis der Zuneigung oder doch eher ein Vorwurf?', überlegte er, während er die Tür zu ihrem Zimmer von außen schloss und sich von ihrer Mutter nach draußen geleiten ließ.

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Lo Bukk nahm sich ein Zimmer in einem Hotel in Lessu und überlegte, was er tun sollte. Marnya Molto hatte zwei Tage für ihn herausgeschunden. Aber das war zu wenig. Shanida war derart verstört, dass es Zeit brauchen würde, bis sie soweit war, ihm zu verzeihen, ihm die Informationen zu geben, die sie vielleicht über den Mord an Ni-Cada hatte ... vielleicht. Was, wenn sie vollkommen unschuldig war und er hier nur seine Zeit verplemperte? Was, wenn der Mörder immer noch auf Kamino hockte – unter Wasser? Immerhin hatte Shanida ihn davor bewahrt, Opfer der Explosion zu werden. Er überlegte, ob die Kaminoanerin Nia Bo hinter dem Anschlag stecken könnte. Allerdings hatten weder er noch Ni-Cada irgendwelchen Argwohn seitens der langhalsigen Ureinwohnerin des Meeresplaneten erkennen können. Und doch bohrte die Frage in ihm, wieso die Leiterin des Archäologischen Instituts derart schnell aufbrechen wollte. Hatte Nia Bo von der Bombe gewusst? Hätte er vielleicht eher sie befragen sollen als … Aber der Alarm! Der hätte jeden aufgeschreckt, schuldig oder nicht! Er überlegte, wie lange es wohl dauern würde, bis Shanida bereit wäre, seine Fragen nach dem Tod Ni-Cadas zu beantworten. Aber um das herauszufinden, musste er weiter Zeit schinden.

Er ging in sein Raumschiff und stellte eine Verbindung zum Jedi-Tempel her. Eine junger, dunkelhäutiger Speziesgenosse mit ziemlich langen Haaren nahm die Verbindung an.

„Ach, du bist es, Agen", sagte Lo Bukk zu dem jüngeren Jedi, welcher, wie er wusste, noch ein Padawan war. „Kannst du mich mit Meisterin Marnya Molto verbinden?"

„Einen Augenblick", hörte er die vertraute Stimme sagen.

Spontan wünschte Lo Bukk sich, dass er auch wieder … nein … immer noch im Tempel wäre, um so ahnungslos und unbefangen zu sein wie dieser blutjunge Zabrak am anderen Ende der Leitung. Ein Padawan, der noch seinen Meister hatte … ein junger Jedi, der keinerlei Ahnung davon hatte, welche Prüfungen einen Jedi da draußen am Rande der Galaxis erwarteten … furchtbare Prüfungen … Prüfungen, die dunkel und süß …

„Ritter Lo Bukk, was gibt es Neues?", holte ihn die nautolanische Jedi-Meisterin aus seinen trüben Gedanken.

„Ich habe ihre Spur aufgenommen", schoss es aus ihm heraus.

Ihre Spur?"

„Sie hat möglicherweise Informationen, die uns weiterhelfen können."

„Wer?", hakte die Nautolanerin nach.

„Eine Mitarbeiterin des Archäologischen Instituts auf Kamino. Sie ist spontan abgereist, nachdem Meister Ni-Cada Eins mit der Macht wurde. Mir kam das verdächtig vor. Also bin ich ihr nachgereist und habe die Chance, sie in einer Woche zu befragen."

Lo Bukk sah, wie ein nachsichtiges Lächeln den Mund der Nautolanerin umspielte. „Hat man Euch das so gesagt?"

„Sie hat es mir gesagt. Sie ist … schwer verstört … es hat ihre Karriere ruiniert, dass ein Jedi-Meister in ihrer Begleitung starb."

„Nun, was das angeht, so glaube ich nicht, dass sie die einzige ist, die derart verstört ist", gab die Nautolanerin mahnend zurück.

„Auf jeden Fall braucht es noch eine Woche, bis ich sie in aller Ruhe befragen kann."

„Warum bringt Ihr sie nicht einfach mit in den Tempel, wo doch morgen Ni-Cadas Einäscherung ist?", hörte er die erwartungsvolle Stimme der älteren Jedimeisterin.

„Ich glaube nicht, dass die lange Reise ihr gut tun würde. Das wäre zu viel für sie."

„Wo seid Ihr denn?"

„Auf Ryloth", kam die zögerliche Antwort.

„Dann kommt sofort in den Tempel zurück und fliegt in einer Woche wieder nach Ryloth."

„Wie Ihr wünscht", sagte Lo Bukk eilfertig.

Er wartete diesmal, bis die Nautolanerin die Verbindung beendete, dann machte er das Raumschiff startklar nach Coruscant.

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Zur Bestattung von Meister Ni-Cada waren die meisten Jedi versammelt, die Rang und Namen hatten. Ganz in der Nähe konnte Lo Bukk die Meister Qui-Gon Jinn und Yan Dooku sehen, etwas weiter links stand der neunjährige Obi-Wan Kenobi mit einem Jungen und einem Mädchen seines Jünglingsclans. Auch der Oberste Kanzler Kalpana war gekommen und schaute bedeutungsschwer in die Mitte des Saales, das Zentrum der Aufmerksamkeit Aller. Die große Halle mit dem rechteckigen Sockel auf der Mitte des Bodens war von einem düster glimmenden Licht erleuchtet, welches die gedrückte Stimmung aller Anwesenden wiedergab. Es waren wenig Jedi, die bei Missionen ums Leben kamen, aber zumindest einmal im Jahr kam so etwas vor. Jedi gaben alles für den Frieden in der Galaxis, auch das eigene Leben.

Lo Bukk schaute auf den mit einem weißen Tuch bedeckten Sockel. Unter dem Tuch konnte der Zabrak die Umrisse des Körpers seines toten Meisters ausmachen. Da Lo Bukk nicht anwesend gewesen war, als die Leiche seines Meisters von seinen Jedi-Kollegen aus dem Ozean Kaminos geborgen worden war, wusste er auch nicht, wieviel Mühe sich die Bestatter gegeben hatten, den infolge der Explosion geteilten Körper Ni-Cadas wieder zusammenzuflicken und ihm also fast seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben. Lo Bukks Augen verweilten stattdessen auf dem Tuch darüber. Rot prangte darauf das Symbol der Jedi: Die beiden Schwingen, welche an ihrer Wurzel in einen achtstrahligen Stern einmündeten, welcher das Zentrum des uralten Symbols bildete.

Meister Yoda strich mit seiner dreifingrigen Hand über den Stoff des Leinentuchs. Dann schaute er die Anwesenden an:

„Versammelt wir uns haben, um zu gedenken Meister Ni-Cada. Anheimgefallen einem heimtückischen Anschlag - er ist. Vergeblich sein Opfer nicht möge sein. Aufdecken, die Ursachen und Urheber dieses Anschlages – wir werden!"

Yoda wandte sich dem Sarg zu, welcher der Sockel eigentlich war. Alle Anwesenden fühlten, dass die Gedanken des Großmeisters jetzt einzig und allein dem gefallenen Jedi-Bruder galten:

„Eins mit der Macht geworden – Ihr seid. Auf Wiedersehen Ni-Cada – mein alter Freund!", sprach Yoda ergriffen.

Der Großmeister trat von dem Sarg zurück und verschränkte die Arme vor dem Schoß. Eine Tür öffnete sich unterhalb des Sarges, welcher nun in den Raum unter der Abschiedshalle hinabglitt. Lo Bukk kniff die Augen zusammen. Er versuchte, eine Träne zu unterdrücken, die sich dennoch Bahn brach und seine rechte Wange hinunterlief. Dem Jediritter wurde in diesem Moment bewusst, dass sein Leben nie wieder so sein würde wie vorher. Ja, natürlich würde er Yodas Schwur erfüllen. Er würde an der Sache dranbleiben – solange, bis er die Schuldigen am Tod seines Meisters gefunden hatte, um sie …

Die Tür hatte sich endgültig über dem hinabgesunkenen Sarg geschlossen. Aus ihrer Mitte schoss ein goldener Lichtstrahl empor zur Decke der Halle des Abschieds, um von vielen anderen goldenen Strahlen an der Wand der Halle flankiert zu werden. Der mittige Hauptstrahl und seine Begleiter erhellten den Raum für exakt fünf Standardminuten, dann erloschen sie.

„Es tut mir leid für Euch", sagte Agen Kolar zu seinem älteren Speziesgenossen.

„Danke", erwiderte Lo Bukk schlicht.

„Was wird denn jetzt geschehen? Fliegt Ihr noch einmal nach Kamino, um der Sache nachzugehen?", wollte der Jüngere wissen.

„Vielleicht, aber vorläufig verfolge ich eine andere Spur. Der Tempel wird es noch früh genug erfahren, sobald ich das Rätsel gelöst habe."

„Das will ich schwer hoffen. Ihr wart immer mein Vorbild, wisst Ihr das?"

Lo Bukk lachte verlegen. „Nun, das ist gut zu wissen – ich werde hoffentlich nicht mehr lange brauchen, um die Sache aufzuklären."

„Ihr macht das ganz allein?", wunderte sich Agen.

„Zwei Jedi haben auf Kamino genügend Aufmerksamkeit erregt. Ich halte es für besser, unauffällig zu ermitteln", entgegnete Lo Bukk mit einem verschwörerischen Zwinkern.

Er verabschiedete sich von dem jüngeren Zabrak und strebte dem Flieger zu. Marnya Molto kam ihm entgegen.

„Und schon wieder auf dem Sprung, Ritter Lo Bukk", begrüßte ihn die Nautolanerin betont leutselig.

„Ehe die Spur erkaltet", versetzte er hastig.

„Gibt es da vielleicht etwas, was Ihr mir vorher noch sagen wollt? Der Jedi-Tempel kann Euch Unterstützung geben, was immer es ist."

„Daran hege ich keinerlei Zweifel", erwiderte er eifrig nickend. „Ich werde es Euch wissen lassen, wenn ich Unterstützung brauche. Und nochmals … vielen Dank!"

Er neigte, um seiner Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, sein Haupt in Richtung der grünen Frau, dann bestieg er sein Raumschiff.

„Möge die Macht mit Euch sein!", sagte sie zum Abschied, als er bereits in der Einstiegsluke stand.

„Und mit Euch, Meisterin Molto", rief er zurück, dann schloss er hastig die Luke hinter sich.

Er schaute noch einmal hinunter zum Tempel, zu dem grün-beigen Strich, der sich von der Landefläche entfernte und zum Tempel zurückstrebte. Er hatte diese Situation schon so oft erlebt und doch war sie anders dieses Mal; und dies nicht nur, weil jetzt sein Meister fehlte.

Er ging ins Cockpit und gab die Koordinaten nach Ryloth ein. Dann ging er in den Aufenthaltsraum, um aus dem Fenster zu schauen. Dort unten konnte er noch den Jeditempel sehen, der immer kleiner wurde. Die braune, von lichtergesäumten Straßen durchzogene Kugel des Planeten Coruscant wurde immer kleiner, bis der Bordcomputer den Sprung in den Hyperraum ankündigte. Trotzdem schaute Lo Bukk weiter auf die Stelle, wo eben noch der Hauptstadtplanet gewesen.

Der silbrige Tunnel mit den langgezogenen Streifen des irrealen Hyperraums umfing das Schiff. Dieser irreale Tunnel kam Lo Bukk genauso absurd vor wie das, was er jetzt vorhatte.

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Auf Ryloth angekommen, folgte Lo Bukk einem spontanen Impuls, sofort zum Haus Shanidas und ihrer Mutter zu gehen. Noch zwei Tage, dann wäre er dort willkommen. Dann könnte er seine Mission abschließen und in den Tempel zurückkehren. Aber jetzt wollte er diskret sondieren, ob auch alles in Ordnung war; ob das rote Vögelchen noch daheim war. Vielleicht könnte er ein Stück ihrer Präsenz erhaschen … dieser verhangenen süßen Präsenz …

Er bog in die Gasse ein, in welcher Shanida und ihre Mutter lebten. Das Haus, in welchem Lo Bukk noch vor einer Woche gewesen war, sah von der Ferne lebendig aus wie zu der Zeit, als er es verlassen hatte. Er konnte Lebensformen darin wahrnehmen. Aber etwas war anders als vor einer Woche. Er witterte Ungemach. Zögerlich und misstrauisch ging er näher. Dann überkam ihn die Gewissheit mit voller Wucht. Nicht etwas war anders, sondern jemand, wie er mit seinen Machtsinnen feststellte.

Als sich die Tür auf sein Klingeln hin öffnete, stand eine völlig fremde Frau vor ihm.

„Womit kann ich dienen, Meister Jedi?", fragte sie den Zabrak neugierig.

„Wo sind Mrs. Twaye und ihre Tochter?"

Sie zog die hohe Stirn kraus. Er fühlte, wie es in ihr arbeitete, ob eine der beiden Frauen wohl etwas ausgefressen hatte.

„Das weiß ich überhaupt nicht", sagte sie in ihrer weichen Singsangstimme.

Der Jedi brauchte keine Machtsinne einzusetzen, um zu bemerken, dass er angelogen wurde.

„Ich weiß, dass Sie mehr wissen", versetzte er eisig.

„Tja, also … Die Tochter des Hauses hat ein lukratives Stellenangebot anderswo erhalten. Mehr weiß ich aber nun wirklich nicht", sagte sie mit einem entschuldigenden Lächeln.

Lo Bukk fühlte, wie der Zorn in ihm hochkochte. Er war hingehalten worden. Hingehalten und betrogen! Er wedelte mit der Hand vor dem Gesicht der ahnungslosen Frau herum.

„Ihr habt die Erlaubnis, mir zu sagen, wo sie hingegangen sind", sagte er mit beschwörender Stimme.

„Muunilinst … Sie sind auf Muunilinst!", brachte die Frau mit monotoner Stimme hervor.

„Haben sie Ihnen das gesagt?", fragte Lo Bukk.

„Nein, aber ich habe gesehen, dass die Mutter zwei Tickets für diesen Planeten auf dem Tisch abgelegt hatte, als wir das Wohnungsübernahmegespräch führten."

„Sie sind sehr aufmerksam", sagte Lo Bukk mit einem anerkennenden Lächeln in der Hoffnung, mehr zu erfahren.

„Dort gibt es ja so große warme Meere im Gegensatz zu hier. Die sind ja wie geschaffen für die Tochter", schwatzte die Twi'lek weiter.

„Ich danke Ihnen", sagte er höflich und wandte sich zum Gehen.

Lo Bukk machte sich auf den Weg zurück zu seinem Raumschiff – wieder einmal. Er beglückwünschte sich im Stillen zu der Entscheidung, schon vor dem anberaumten Treffen in dem Haus nachgesehen zu haben. Die zwei eingesparten Tage würden ihm vollauf genügen, um sein Ziel zu erreichen. Jetzt war es offensichtlich, dass Shanida mit ihrer Mutter auf der Flucht war. Ihm schwante, dass diese Flucht der beiden Frauen nicht unbedingt etwas mit ihm zu tun hatte. Da steckte mehr dahinter.

Im Raumschiff angekommen, wies er den nun ihm gehörenden Astromech R2V4 an, das Schiff auch ohne sein Zutun durch den Hyperraum nach Muunilinst zu steuern. Dann legte er sich schlafen. Bevor er einschlummerte, überlegte er, was ihn mehr umtrieb: Der Wunsch, den Tod seines Meisters aufzuklären oder aber vielmehr seine Sehnsucht nach Shanida.