Zaubergamot

Da ihm noch eine Stunde bis zum Prozessbeginn blieb und sein Magen vernehmlich grummelte, nahm Harry noch ein schnelles Mittagessen am Grimmauldplatz ein (Kreacher hatte vorsorglich Steaks mit Bratkartoffeln gemacht), bevor er zurück zum Besuchereingang des Ministeriums apparierte. Während er mit dem Aufzug nach unten fuhr, befestigte er ein wenig nervös das Schild mit der Aufschrift Harry Potter, Strafprozess an seiner Brust. Der Prozess fand im Gerichtsraum zehn statt, in eben dem Raum, in dem Cornelius Fudge vor drei Jahren versucht hatte, ihn aus Hogwarts zu werfen. Wie damals waren die Wände des Flurs vor der großen Tür grau und kahl, aber anders als vor drei Jahren war er nicht zu spät, sondern zu früh. Und anders als im letzten Jahr, als er in Albert Runcorns Gestalt hier unten gewesen war, spürte er nicht die beißende Kälte und Hoffnungslosigkeit, die mit der Anwesenheit von Dementoren einherging. Gerade, als er sich fragte, wohin die ganzen Dementoren verschwunden waren, hörte er Schritte vom Aufzug her auf sich zukommen.

„Potter!"

- „Hallo, Professor."

Professor McGongall sah aus wie immer: das Haar zu einem strengen Knoten zusammengebunden, der Blick streng, als hätten sie nicht noch vor einer Woche Seite an Seite gekämpft. Sie schüttelten sich die Hände.

„Sind Sie als Zeuge geladen?"

- „Ja. Und Sie als Richter, nehme ich an?"

Sie schüttelte den Kopf. „Ich bin heute auch nur als Zeugin hier. Was die Carrows angeht, bin ich ein wenig zu befangen, um als unparteiische Richterin teilnehmen zu dürfen."

Sie musterte ihn kritisch.

„Sie waren nach der Gedenkfeier ziemlich schnell weg, Potter."

Harry nickte nur.

„Ich kann verstehen, dass das ganze nicht leicht für sie gewesen ist, Potter",

sagte sie schroff, „aber Sie haben sich nichts vorzuwerfen. Nicht Sie haben den volljährigen Schülern erlaubt, sich am Kampf zu beteiligen."

Bevor Harry etwas entgegnen konnte, wurden sie vom Eintreffen weiterer Zeugen davon abgehalten.

„Harry", dröhnte Hagrid, der ihn sofort in eine Umarmung zog, die seine Rippen bedrohlich knacken ließ. Hagrid trug seine beste, ganz fürchterliche gelbe Krawatte mit roten Punkten und dazu einen mottenzerfressenen brauen Anzug.

„Du siehst gut aus", sagte Harry mit einem Grinsen.

„Nich' meine Art, so rumzulauf'n", winkte Hagrid ab. „Aber wenn's den Carrows an den Hals geht, muss ich mich wohl vernünftig präsentier'n."

- „Das kannst du laut sagen", warf Neville ein, der Harry ebenfalls umarmte, aber seine Rippen deutlich weniger beanspruchte.

„Du hast sicher lange auf diesen Tag gewartet", meinte Harry, aber Neville schüttelte nur düster den Kopf.

„Wenn es nach mir ginge, wären die beiden schon tot. Du warst letztes Jahr nicht in Hogwarts, Harry. Du hast nicht gesehen, was sie getan haben. Ich schon."

Hagrid sah schockiert aus. „Schluckende Wasserspeier, Neville, nu' mal langsam! Wir woll'n doch nich' anfang'n wie Du-weißt-schon-wer!"

Er wandte sich an Harry. „Wie geht's dir, Harry? Jetz', wo's vorbei is'?"

- „Es ist noch nicht vorbei", sagte Harry, den ersten Teil der Frage ignorierend. „Es sind immer noch Todesser da draußen, und bevor wir nicht alle von ihnen haben, ist der Krieg nicht vorbei."

Ihm fiel plötzlich ein, was Snape ihnen in seiner ersten Stunde als ihr Verteidigungslehrer gesagt hatte: der Kampf gegen die dunklen Künste ist wie der Kampf gegen ein vielköpfiges Ungeheuer, dem jedes Mal, wenn ihm ein Hals durchgeschlagen wird, ein weiterer Kopf nachwächst, noch wilder und gerissener als der alte. Er fragte sich, was der nächste Kopf sei würde, war sich aber sicher, dass er nicht schlimmer als Voldemort sein konnte.

Harry schüttelte weitere Hände: die Professoren Sprout (ausnahmsweise mit sauberen Händen), Slughorn (mit limonengrüner Weste und leicht schwitzend), Flitwick (klein und im Frack) und Sinistra (mit der er nie zuvor ein Wort gewechselt hatte) schüttelten allesamt seine Hände und erkundigten sich nach seinem Befinden, und er log sie allesamt an, indem er sagte, es ginge ihm gut. McGonagall nahm ihn schließlich zur Seite.

„Was haben Sie jetzt vor, Potter?"

- „Fürs erste arbeite ich hier, Professor."

Sie winkte unwirsch ab. „Das weiß ich doch, Potter, Kingsley hat mir von seinem Plan erzählt und ich habe nicht einen Moment daran gezweifelt, dass sie mitmachen würden. Aber was ist mit ihrer Ausbildung?"

- „Ich bin mir nicht sicher, ob ich zurück nach Hogwarts kann, Professor."

Sie kniff die Augen zusammen. „Soweit ich weiß, hat Hogwarts ihnen immer gut getan, Potter. Genauso, wie Sie der Schule gut getan haben."

Bei ihrem unerwarteten Kompliment zuckte Harry leicht zusammen, denn er konnte sich nicht daran erinnern, dass Professor McGonagall ihn je zuvor gelobt hätte.

„Das war vor der Schlacht, Professor", sagte er.

„Unsinn", knurrte sie. „Wir Lehrer kommen auch zurück, oder nicht?"

Kingsleys Ankunft ersparte Harry die Antwort darauf. Der neue Zaubereiminister trug, wie seine Begleiter, die pflaumenblaue Robe des Zaubergamots mit dem silbernen „Z" auf der Brust. Hinter ihm folgten die anderen Richter, von denen Harry die meisten kannte: Mr. Weasley, Percy, Hestia Jones, Elphias Doge, Madam Marchbanks und ein älterer Zauberer, der wohl Tiberius Ogden war, sowie drei Hexen mittleren Alters, die er nie zuvor gesehen hatte. Mr. Weasley klopfte mit seinem Zauberstab an die Tür zum Gerichtssaal, die aufschwang. Während die anderen hineingingen, winkte Kingsley ihn zu sich.

„Glückwunsch zum Bestehen deines Tests, Harry."

- „Danke."

- „Du wirst als letzter Zeuge aufgerufen. Warte so lange einfach bei den anderen - was tut sie denn hier?"

Harry wirbelte herum und begriff sofort, wen Kingsley meinte: unter den Zuschauern, die langsam in den Saal drängten, befand sich eine Blondine mit juwelenbesetzter Brille und einer grässlichen Handtasche aus Krokodilleder, aus der sie genau in diesem Moment eine giftgrüne Feder zog. Begleitet wurde sie von einem mürrisch dreinblickenden Fotografen mit Vollbart.

„Ich nehme an, sie ist für den Tagespropheten hier", sagte Harry düster.

„Rita Kimmkorn zurück beim Propheten", stöhnte Kingsley, „als wenn wir momentan nicht genug am Hals hätten...na gut. Setz dich einfach zu Minerva und den anderen, bis du aufgerufen wirst. Wir sehen uns später, Harry."

Damit drängte Kingsley sich durch die Zuschauermassen, die sich respektvoll vor ihm und Harry teilten und stieg hinauf zu den Richterbänken, während Harry sich nach rechts wandte und sich neben Neville in die vorderste Bank zu den anderen Zeugen setzte. Die einzigen Lichtquellen im Raum waren die Fackeln an den grauen Steinwänden, die das Verlies in ein grusliges Licht tauchten. Als die Bänke sich allmählich füllten, spürte er die Blicke der gesamten Zuschauer auf sich. Ein paar von ihnen kannte er: viele Mitglieder der DA waren da, darunter Ernie Macmillan, der herüberkam und ihm und Neville mit ernstem Gesicht die Hand schüttelte, Terry Boot, der kurz winkte, und Seamus Finnigan der grüßend die Hand hob und sich mit seiner Mutter in die erste Zuschauerreihe setzte. Überhaupt sah er viele Eltern von Hogwartsschülern unter den Zuschauern, von denen er glaubte, dass er sie schon mal in King's Cross gesehen hatte. Rita Kimmkorn saß direkt neben Seamus, Feder und Pergament griffbereit. Neben ihr bohrte der Fotograf in seiner Nase. Die Stimmung im Saal war düster, niemand sprach ein Wort, nur die zehn Richter flüsterten hin und wieder miteinander.

Schließlich, als die große Uhr über der Tür auf halb drei sprang, stand Kingsley auf, schwang seinen Zauberstab, und die Tür schloss sich.

„Bringt sie rein", sagte er und vier Auroren führten die Carrow-Geschwister herein. Beide trugen die graue Häftlingskleidung von Askaban und leckten sich nervös die Lippen, als man sie zu zwei Stühlen in der Mitte des Raums führte. Die Ketten an den Stühlen schlossen sich mit einem Klirren um ihre Hände und Füße, sobald die Auroren sie auf die Stühle gedrückt hatten.

Kingsley räusperte sich kurz.

„Strafprozess vom neunten Mai 1998", begann er, während Percy eifrig mitschrieb, „in Sachen Verstöße gegen Paragraph 1b des Britischen Zaubereigesetzes, sowie Klausel 1 der Internationalen Zaubererkonvention durch Verwendung des Cruciatus-Fluchs durch Alecto Barbara Carrow und Amycus Ares Carrow, wohnhaft Gardinerstrasse 34, Edgington, Northumberland. Es führen das Verhör: Kingsley Vincent Shacklebolt, Zaubereiminister; Arthur Bilius Weasley, Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung; Amanda Jillian Tudgeberry, Erste Untersekretärin des Ministers. Gerichtsschreiber: Percy Ignatius Weasley.

Die Anklagepunkte gegen die Beschuldigten lauten wie folgt:

Dass sie wissentlich, absichtlich und in vollem Bewusstsein der Rechtswidrigkeit ihrer Handlungen im Zeitraum vom 1. September letzten Jahres bis zum 2. Mai diesen Jahres mehrmals den Cruciatus-Fluch an mehreren Schülern der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei ausführten. Dass sie weiterhin mehreren Schülern diesen Spruch lehrten. Dass sie zudem den Cruciatus-Fluch am 11. Juni 1997 gegen Harry James Potter einsetzten.

Sie sind Alecto und Amycus Carrow?", fragte er die beiden.

„Ja", sagten beide.

„Auf was plädieren Sie?"

- „Unschuldig, Sir", sagte Amycus und leckte sich die Lippen. Seine Schwester nickte eifrig. „Wir sind nur Opfer des Dunklen Lords. Wir standen unter dem Imperius-Fluch."

Neben Harry ballte Neville seine Hände so fest zusammen, dass sie kreideweiß wurden.

„Das Gericht ruft den ersten Zeugen auf", sagte Kingsley, den Amycus' Antwort nicht aus der Ruhe brachte. „Das Gericht ruft Professor Minerva Isobel McGonagall."

Professor McGonagall stand auf und rauschte an den Carrows vorbei in den Zeugenstand.

„Professor, erzählen Sie dem Gericht doch bitte, was Sie über die Umtriebe der Carrows während des letzten Schuljahres wissen", sagte Mr. Weasley.

„Ich sah sie Dutzende von Schülern mit dem Cruciatus-Fluch foltern", sagte McGonagall, „manche von ihnen sehe ich hier unter den Zuschauern. Ich weiß außerdem, dass Mr. Carrow all seinen Schüler ab fünften Klasse den Cruciatus-Fluch beigebracht hat und sie zwang, ihn gegen Erstklässler und Schüler, die bei Regelverstößen erwischt wurden, einzusetzen."

- „Glauben Sie, dass die beiden unter dem Imperius-Fluch standen?"

McGonagall schnaubte wie ein wütender Drache.

„Auf gar keinen Fall. Beide sind seit Jahren leidenschaftliche Anhänger Voldemorts."

Die Hälfte der Zuschauer zuckte heftig zusammen, als McGonagall Voldemorts Namen aussprach, Rita Kimmkorn rutschte mit ihrer Feder ab und Alecto und Amycus funkelten sie zornig an.

Die Hexe neben Kingsley räusperte sich.

„Professor, könnten Sie uns konkrete Beispiele nennen, bei denen die Angeklagten den Cruciatus-Fluch verwendeten?"

McGonagall straffte die Schultern.

„Natürlich, Miss Tudgeberry. Am zwölften April verwendeten die beiden den Cruciatus-Fluch, um den Siebtklässler Michael Corner vor der gesamten Schüler- und Lehrerschaft beim Frühstück in der Großen Halle zu foltern. Mr. Corner hatte einen Erstklässler losgebunden, der über Nacht angekettet war. Am ersten Mai verwendete Mr. Carrow den Cruciatus-Fluch gegen den Siebtklässler Terry Boot ebenfalls in der Großen Halle, weil Mr. Boot die Schülerschaft über Mr. Potters, Mr. Weasleys und Miss Grangers erfolgreichen Einbruch in der Gringotts-Bank unterrichtete. Er wandte außerdem physische Gewalt an."

Harry warf einen Blick hinüber zu Terry, der wie gebannt auf Amycus starrte.

„Danke, Professor", sagte Miss Tudgeberry.

„Haben die Angeklagten Fragen an die Zeugin?", fragte Kingsley.

Amycus rasselte mit seinen Ketten.

„Ja, habe ich. Wie kann die alte Kröte uns hier beschuldigen, wo sie doch selbst den Imperius-Fluch gegen mich eingesetzt hat? Und wieso sitzt Potter da hinten in der Bank, der den Cruciatus-Fluch gegen mich eingesetzt hat?"

Ein Raunen ging durch die Zuschauer, während Rita Kimmkorns Flotte-Schreibe-Feder wie eine Eisschnellläuferin über ihr Pergament glitt.

„Professor McGonagall und Mr. Potter haben in der Tat diese Flüche verwendet", sagte Kingsley, nachdem er sich mit dem Gerichtshammer Gehör verschafft hatte. „Aber diese Vorfälle fallen unter das Generalpardon für die Kämpfer von Hogwarts, weil sie in Notwehr während der Schlacht geschahen."

Harry bemühte sich, keine Miene zu verziehen, denn es war keinesfalls Notwehr gewesen, dass er Amycus gefoltert hatte, es war einfach passiert. Er war so voller Zorn gewesen, dass er richtig und falsch nicht mehr unterscheiden konnte.

„Keine weiteren Fragen, Sir", grummelte Amycus.

Nach McGonagall wurden die anderen Lehrer aufgerufen, und sie bestätigten allesamt McGonagalls Aussage und erwähnten weitere Gelegenheiten, bei denen die Carrows den Cruciatus-Fluch verwendet hatten. Hagrid selbst hatten sie ebenfalls mit dem Fluch belegt, als sie ihn für seine Harry-Potter-Freundschaftsparty bestrafen wollten, aber er hatte die beiden ausgeknockt und war mit Grawp geflohen.

„Wie ist Ihnen das gelungen, ohne Zauberstab?", fragte Tudgeberry nach.

„'S muss an mei'm Riesenblut liegen, Ma'am", sagte Hagrid achselzuckend. „Außerdem war'n ein paar von den Kindern dabei, die ham' mir geholfen. Neville hier zum Beispiel. Ich glaub', sie ham' ihnen Gedächtniszauber verpasst, damit sie glaub'n, ich wär allein davongekomm'n."

- „Danke, Mr. Hagrid", sagte Tudgeberry und Harry musste gegen seinen Willen grinsen, er hatte noch nie gehört, dass jemand Hagrid so nannte.

„Haben die Angeklagten Fragen an den Zeugen?", fragte Kingsley.

„Dreckiger Halbblüter!", brüllte Alecto wütend.

„WAS WILLSTE?!", brüllte Hagrid erbost, aber als er einen Schritt auf sie zuging, presste sie sich zitternd gegen die Lehne ihres Stuhls und Hagrid beließ es dabei.

Nach Hagrid war Neville an der Reihe.

„Sie machten uns das Leben in Hogwarts zur Hölle", sagte er laut und deutete auf seine Narben. „Die hier verpasste Alecto mir in meiner ersten Stunde Muggelkunde bei ihr. Die hier..." -er zeigte auf eine andere Wunde- „... verpasste ihr Bruder mir nach zwei Wochen in Verteidigung gegen die dunklen Künste. Außerdem verwendeten sie den Cruciatus-Fluch gegen mich, Ginny Weasley und Luna Lovegood, als wir versuchten, das Schwert von Gryffindor aus Professor Snapes Büro zu stehlen."

Harry sah, wie Mr. Weasley leicht zusammenzuckte, offenbar hatte er auch nichts davon gewusst.

„Ich war Zeuge, wie sie fast alle Mitglieder der DA folterten, unter anderem Michael Corner, Terry Boot, Colin Creevey und Parvati Patil. Mich selbst belegten sie nochmal mit dem Cruciatus-Fluch, als sie dabei halfen, Luna Lovegood aus dem Hogwarts-Express zu entführen."

Neville räusperte sich kurz.

„Waren Sie Zeuge, wie die Angeklagten Mitschülern den Cruciatus-Fluch beibrachten?", fragte Kingsley.

„Ja. Sie wollten ihn allen älteren Schülern beibringen, aber viele haben sich geweigert und den Fluch dafür selbst zu spüren bekommen. Manche wollten ihn allerdings lernen. Zum Beispiel Vincent Crabbe und Gregory Goyle."

- „Danke, Mr. Longbottom. Glauben Sie, dass die Angeklagten unter dem Imperius-Fluch standen?"

Neville schüttelte den Kopf. „Sie haben jede Sekunde genossen, in der sie uns das Leben zur Hölle machen konnten. Sie taten es, weil sie wollten."

Tudgeberry wühlte in ihren Papieren und warf Neville einen scharfen Blick zu.

„Ihre Eltern sind Frank und Alice Longbottom?"

Rita Kimmkorn rammte ihrem Fotografen den Ellbogen in die Seite, damit er schnell ein Bild von Neville machte. Neville drückte sein Kinn nach oben. „Das ist richtig."

- „Und obwohl die beiden hier mehrmals den Cruciatus-Fluch gegen sie verwendeten, haben Sie nicht aufgehört, ihnen Schwierigkeiten zu bereiten?"

- „Nein."

Tudgeberry nickte langsam. „Beeindruckend. Sehr beeindruckend. Danke, Mr. Longbottom."

- „Haben die Angeklagten Fragen an den Zeugen?", fragte Kingsley.

Neville starrte die beiden an, aber sie schüttelten nur blass den Kopf.

„Danke, Mr. Longbottom. Das Gericht ruft Harry James Potter."

Die Zuschauer begannen wieder, laut zu tuscheln, als Harry nach vorn trat, ein Blitz erhellte sein Gesicht, als er am Fotografen vorbeiging, aber als Kingsley sich räusperte, war nichts mehr zu hören als das Kratzen von Rita Kimmkorns Feder und das Klirren der Ketten.

„Mr. Potter, bitte schildern Sie dem Gericht, was sie über die illegalen Aktivitäten der Angeklagten wissen."

- „Ich traf sie erstmals in der Nacht, als Dumbledore starb", sagte Harry, überrascht davon, wie fest seine Stimme klang. „Sie waren oben auf dem Astronomieturm, als Snape ihn tötete, und sie waren dabei, als Malfoy und er flohen. Während ihrer Flucht gelang es mir, sie zu überholen, und als sie mich bei meinem Duell mit Snape einholten, benutzte Alecto den Cruciatus-Fluch gegen mich."

Er räusperte sich. „Danach traf ich sie erst wieder in der Schlacht, im Gemeinschaftsraum der Ravenclaws. Alecto rief mit ihrem Dunklen Mal Voldemort her und wurde dann von Luna Lovegood außer Gefecht gesetzt. Als Amycus hinzukam, wollte er die Ravenclaws dafür verantwortlich machen, dass sie Voldemort umsonst gerufen hatte, denn er konnte mich unter meinem Tarnumhang nicht sehen."

Die Zuschauer murmelten durcheinander.

„Und bevor Sie fragen: ich bin absolut sicher, dass die beiden nicht unter dem Imperius-Fluch standen."

- „Danke, Mr. Potter", sagte Tudgeberry und rückte ihre Brille zurecht.

„Haben die Angeklagten Fragen an den Zeugen?"

Wieder schüttelten die beiden nur den Kopf.

„Mr. Potter, Sie sind entlassen", sagte Kingsley und Harry ging zurück zu seinem Platz.

„Das Gericht ruft den ersten Zeugen der Verteidigung, Charles Ironius Yaxley."

Zwei Auroren führten Yaxley herein, dessen brutales Gesicht nach nur einer Woche Askaban bereits eingefallen schien.

„Mr. Yaxley, was haben Sie zur Verteidigung der Angeklagten beizusteuern?", fragte Mr. Weasley.

„Die beiden haben keine Gesetze gebrochen", sagte Yaxley laut und die Zuschauer riefen zornig dazwischen. Kingsley klopfte laut mit dem Hammer auf den Tisch.

„RUHE IM SAAL!"

Langsam beruhigten die Leute sich, obwohl sie Yaxley immer noch wütend anfunkelten.

„Mr. Yaxley, fahren Sie fort."

- „Für den Zeitraum, in dem die beiden den Cruciatus-Fluch anwandten - was ich nicht leugne - war dies vollkommen legal, gemäß Ausbildungserlass Nummer 33, der von diesem Ministerium verabschiedet wurde, hatten sie dazu jedes Recht. Ich muss es wissen, schließlich war ich zu diesem Zeitpunkt Leiter der Abteilung für Magische Strafverfolgung."

Miss Tudgeberry lehnte sich vor und nahm ihre Brille ab.

„Das mag man vielleicht so sehen, wenn man Ihr...interessantes Rechtsverständnis teilt, Mr. Yaxley, aber das träfe höchstens auf Paragraph 1b des Britischen Gesetzes zu, nicht aber auf Klausel 1 der Internationalen Zaubererkonvention, denn die war keinesfalls außer Kraft gesetzt."

Yaxley zuckte mit den Schultern. „Das ist sowieso irrelevant, denn die beiden standen unter dem Imperius-Fluch."

- „Und das glauben Sie tatsächlich?", fragte Mr. Weasley.

„Natürlich."

- „Haben die Angeklagten Fragen an den Zeugen?"

- „Äh, nein", sagte Amycus, als Yaxley den Kopf schüttelte.

„Dann wird Mr. Yaxley umgehend zurück nach Askaban gebracht. Wollen die Angeklagten weitere Zeugen präsentieren?"

- „Nein, Sir", krähte Alecto.

„Dann ist es Zeit dafür, dass dieses Gericht zu einem Urteil kommt", sagte Kingsley.

Im Raum wurde es totenstill, selbst Rita Kimmkorn blickte jetzt gespannt hinauf zu den Richtern.

„Wer ist dafür, die Angeklagten in allen Anklagepunkten freizusprechen?", fragte Kingsley und niemand hob die Hand.

„Und wer ist für eine Verurteilung?"

Die Hände der Richter schossen nach oben. Kingsley schlug einmal mit dem Hammer auf den Tisch.

„Im Namen der Magie werden die Angeklagten für schuldig in allen Anklagepunkten befunden und zu einer lebenslangen Haft in Askaban verurteilt."

Die Zuschauer begannen zu klatschen, Neville neben Harry schlug einmal kräftig mit der Faust auf die Bank, aber Amycus war außer sich vor Zorn und brüllte wütend herum, während seine Schwester wild kreischte, als die Auroren sie hinausführten.

„Der Dunkle Lord wird zurückkehren, mächtiger denn je! Und dann werdet ihr alle bezahlen!"

Ihre irren Augen fanden Harry, der sie angewidert betrachtete.

„Auch du wirst bezahlen, Potter! Wir kriegen dich! Einer von uns wird dich kriegen!"

Dann waren sie zur Tür heraus und das war das Letzte, was Harry von Amycus und Alecto Carrow sah.