Wortanzahl: 1079 Wörter

Kapitel 4

„Sam, vielen Dank für das wunderschöne Essen.", bedanke Janet sich zum wiederholten Male als sie Sam umarmte.

„Kein Problem, Janet. Wirklich. Wir sehen uns dann.", verabschiedete sie die kleine Ärztin schnell.

Sie liebte die kleinere Frau wirklich, aber im Moment wollte sie einfach nur ihren Kopf an die Wand schlagen und da brauchte sie wirklich nicht deren Gesellschaft. Besonders, weil sie der Grund dafür war. Ihre Idee mit der Leuchtreklame wurde wirklich mit jedem weiteren Versuch, der gnadenlos von Janet missinterpretiert wurde, verlockender.

Mit einer letzten Umarmung verabschiedete sie Janet, wobei sie wirklich mit sich kämpfen musste diese Geste durch einen Kuss zu bereichern. Doch schließlich war sie alleine und blieb zurück mit den Überresten ihres letzten Versuches. Ein romantisches Dinner in ihrem Labor. Eigentlich eindeutig, aber nicht eindeutig genug für jemanden wie Janet Fraiser anscheinend.

Leise vor sich hingrummelnd, räumte Sam ihren Labortisch auf. Das Essen, das Geschirr und die Decke würden sorgfältig von ihr verstaut, während sie sich immer wieder fragte, wie Janet dieses Dinner nur so deuten konnte.

Sie hatte alles richtig gemacht.

Wie konnte sie nur ein Candle Light Dinner als Versuch des Trostes ansehen?

Und wie kam sie auf diese wahnwitzige Idee, dass sie auch nur noch eine einzige Sekunde an Jonas dachte?
Wie konnte Janet das nur falsch verstehen?

Das war ihr letzter Versuch gewesen und dabei würde sie es auch belassen.

Traurig ließ sie ihren Blick über den, nun leeren, Tisch wandern und dabei kam ihr eine Idee.

„Wieso bin ich nicht gleich drauf gekommen?", wisperte sie vor sich hin und fuhr sich dabei fahrig durch die Haare.

„Ein Kuss … ein direkter Kuss! Ohne Ausweg oder Fluchtweg."

Das war die Lösung. Selbst Janet konnte das nicht missverstehen... nichtsdestotrotz klopfte Sam kurz auf Holz. Lieber auf Nummer sicher gehen. Doch wie sollte sie nun vorgehen?
Sie fing an auf und ab zu geben.

Wenn sie Glück hatte und das hatte sie in letzter Zeit nicht wirklich gehabt, dann konnte sie Janet vielleicht noch abfangen.
Auch wenn sie Janet hier auf der Basis küssen musste.
Sie würde es hier und heute durchziehen.

Schnell schaltete sie das Licht aus und verließ hastig das Labor.

Ohne dass sie es merkte, wurde sie immer schneller und schneller und folgte dem Weg, den auch Janet gehen musste. Sie musste sie sehen. Sie musste es einfach. Sie konnte nicht mehr anders.

Keine 5 Minuten später war sie bei den Fahrstühlen angekommen und diesmal hatte sie wirklich Glück.

Janet stand da und wartete auf den Aufzug um nach Hause fahren zu können.

Ihr Herz klopfte so schnell und heftig, dass sie Angst hatte das es gleich aus ihrer Brust herausspringen würde oder das Janet es hören würde.

Aber vielleicht wäre dies auch gut? Vielleicht würde Janet dann endlich die Wahrheit sehen?

Tief durchatmend versuchte sie Janet anzusprechen, doch als sie ihren Mund öffnete, entwich ihr kein Laut. Es war als wäre ihre Stimme verschwunden. Sie versuchte es ein zweites Mal, doch wieder entwich ihr kein Ton. Immer nervöser sah sie wie der Fahrstuhl ihrer und Janets Etage entgegen kam. Sie hatte kaum noch Zeit und ausgerechnet dann verließ sie die Stimme.

Hilflos, nicht wissend was sie tun sollte, legte sie ihre Hand auf Janets Schulter und drehte sie sich zu sich um. Ein irritierter Blick und ein "Huh?", begrüßte sie, doch sie achtete nicht darauf.

Sie musste es jetzt durch ziehen. Ohne wenn und aber, es gab kein Zurück mehr. Dies war der Moment. Ihren ganzen Mut zusammen kratzen, blendete sie alles aus. Die Kameras, die alles aufnahmen. Die Soldaten, die die Korridore bevölkerten und jeden Augenblick sie und Janet sehen könnten. Janet, die sie fragend und verwirrt und besorgt ansah. All dies wurde von ihr ignoriert. Jetzt galten nur Janets Lippen, die sie jetzt endlich weich und sanft unter ihren spürte.

Doch genau in diesem Moment blieb der Fahrstuhl auf ihrer Etage stehen.

„Kommst du auch mit?", fragte Janet noch immer verwirrt und zog Sam praktisch schon in den Fahrstuhl.

Sie bekam aber davon nicht wirklich etwas mit.
Sie hatte auch nicht mitbekommen, was Janet zu ihr gesagt hatte.

Doch sie nickte wie in Trance und bekam nun erst mit, dass die Türen sich geschlossen haben und der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte.

Doch nun ruckte Sams Kopf nach oben als sie spürte, dass Janet eine Hand auf ihren Arm legte.

„Ist alles in Ordnung bei dir?", fragte Janet sie besorgt. "Möchtest du mir irgendwas sagen? Hast du Probleme?", sprach Janet weiter als Sam nicht antwortete, doch die Blondine konnte nicht anders als sie einfach nur anzustarren, während sich der Fahrstuhl weiter nach oben zum Ausgang fuhr.

Doch plötzlich konnte sie nicht anders als zu lächeln, den wenn es eine Möglichkeit gab es jetzt auszusprechen, dann jetzt. Darum nickte sie und hauchte fast ihr "Ja" fast als sie sich vorbeugte. Sie achtete gar nicht auf Janets überraschten Blick, sondern konzentrierte sich nur auf die rosigen Lippen, die leicht geöffnet waren und sie so sehr verlockten.

Und dann ... dann endlich spürte sie sie unter sich. Sie waren weich und warm und oh so wundervoll. Sie schmeckte Janets Kirschlipgloss und ohne, dass sie sich beherrschen konnte, zog sie Janet an sich und schlang ihre Arme um diesen kleinen Körper.

Doch auf einmal stießen kleine Hände sie weg. Überrascht und verletzt blickte sie in die wütenden Augen von Janet.

„Sag mal hast du sie noch alle? Was tust du denn?", fragte die kleinere Frau laut und wich einen Schritt nach hinten.

Sam dachte sie würde der Schlag treffen.

„Was ich hier mache? Was ICH hier mache?", rief sie aus und schmiss die Hände wütend in die Luft.

„Weißt du was ich hier mache? Ich versuche dir schon seit Wochen, WOCHEN, zu signalisieren, dass ich mit dir ausgehen will. Das ich dich umwerfend finde. Das für immer bei dir bleiben will. Das ich dein sein will. Das ICH DICH LIEBE!"

Geschockt sah Janet sie einfach nur an. Sekunden vergingen und sie sagte nichts. Blickte Sam einfach nur an und diese merkte wie ihr Herz anfing zu zerbrechen. Sie kannte diesen Blick und wusste, was er bedeutete.

Vielleicht war sie darum nicht überrascht als Janet sie aus dem Weg schubste sobald sich der Fahrstuhl öffnete und so schnell verschwand wie es ihr möglich war. Sie hatte nichts anderes erwartet, doch trotzdem konnte sie es nicht verhindern, dass ihr eine Träne über die Wange rann als sie Janets verschwindende Kontur hinterher sah während sich die Fahrstuhltür wieder schloss.

Ende Kapitel 4