Als Martinsson mit Leira am Tatort ankam, hatte Svatmann den Hausherren, den „alten Ole" wie man ihn nannte vernommen, und Nyberg war bereits dabei, die Spuren zu untersuchen. Leira sah, dass der alte Ole schwer zugerichtet war und ein blaues Auge und mehrere Schnittwunden am Arm und eine am Kopf hatte. Er war ein behäbiger, großer, stämmiger Mann mit einem grauen Kranz auf seinem Haupt. Sie schätzte ihn auf Ende 50. Das Haus war in eine große Grünanlage eingebettet und erzählte von besser betuchten Zeiten. Wahrscheinlich war hier der Adel ein und ausgegangen. Auf der Hinterseite des Hauses lag eine große Veranda mit mehreren Fenstern. Eines der Fenster war eingeschlagen worden und der Täter hatte es von Innen geöffnet. Im Zimmer fanden sich keine Spuren. Erst am Safe der offen stand. Ein Fach war leer geräumt.
„Martinsson, ich würde gerne mit diesem Ole sprechen."
Svatmann brachte ihn in das Zimmer mit dem Safe. Seine Schnittwunden waren vom Rettungssanitäter versorgt worden, allerdings machte der bärige Mann einen noch immer aufgewühlten Eindruck.
„Guten Tag Ole, mein Name ist Leira, ich würde ihnen gerne ein paar Fragen stellen. Geht es ihnen wieder besser? Sie wirken ein wenig unruhig."
„Hey. Ich bin nur aufgeschreckt. Meine Nerven sind ein wenig zittrig. Vielleicht könnte ich ein Glas Brandy haben."
Leira schenkte ihm, auf der Anrichte im Zimmer ein Glas ein. Er nahm es dankend an und stürzte es hinunter.
„Besser so? Gut. Sie haben also gesagt, sie hätten den Täter überrascht, als er sich am Safe zu schaffen gemacht hat, ja? Er hat sie daraufhin angegriffen und hat ihnen die Wunden zugefügt und die Flucht hat er durch die Vordertür angetreten. Ist das so korrekt?"
„Ja, genau so."
„Wie viele Leute sind hier in den Nachtstunden untergebracht?"
„Eigentlich nur ich."
Leira zog die Augenbrauen hoch und sah kurz zu Martinsson, der sich die Spuren am Safe ansah.
„Nur sie? Ein ziemlich großes Haus für einen allein?"
„Tagsüber gibt es hier ein paar Bedienstete, aber die schlafen nicht hier. Ein Teil des Hauses wird für Ausstellungszwecke genutzt. Ich selbst wohne nur in ein paar wenigen Räumen. Dieses Zimmer ist mein Arbeitszimmer."
„Und das Zimmer, indem die Scheibe eingeschlagen wurde?"
„Abstellkammer, Gästezimmer, wie sie es nennen wollen."
„Ich würde mir das gerne ansehen, würde es ihnen etwas ausmachen, hier zu warten."
Sie wies Svatmann an, ein Auge auf den Mann zu werfen und bat Martinsson mit sich. Zusammen untersuchten sie den Raum mit dem kaputten Fenster. Das Fenster war in mehrere Scheibenteile aufgeteilt, und eines der Teile war eingeschlagen. Vor dem Fenster stand ein Tisch auf dem Scherben lagen. Darunter Papier. Auf dem Boden lag dicker Teppich, Leira hatte Martinsson gebeten nur am Rand zu gehen, um eventuelle Schuhspuren nicht zu vernichten. Sie besah sich alles und streckte auch einmal Ihren Kopf aus dem Fenster. Danach nickte sie kurz und erklärte Martinsson, dass sie wieder zurückgehen konnten.
„Ole, haben sie den Täter erkannt?"
„Nein er trug eine..., äh Maske."
„Eine Maske. Eine Skimaske? Oder eine Karnevalsmaske? Oder war es so ein Strumpf wie im Fernsehen?" Leira klang ein wenig lax und hörte sich in der Aufzählung an wie eine Vorschullehrerin. Oles Gesicht verfinsterte sich ein wenig.
„Das habe ich ihrem Polizisten doch schon gesagt."
Leira sah Svatmann an, der gelassen seine Aufzeichnungen durchforstete. „Ja, aber nicht was für eine Maske. Nein, welche Art, das hat er nicht gesagt." Leira fragte sich heimlich, ob Svatmann Valium nahm.
„Also was für eine Maske war es denn?"
„Eine schwarze Skimaske. Es ging alles so schnell."
„Beruhigen sie sich. Wir wollen nur wissen, wie alles passiert ist.", versuchte Martinsson die Situation ein wenig zu entschärfen.
„Svatmann notiere das bitte, dass mit der Skimaske. Ole, der Safe, kennt jemand den Code außer Ihnen?"
„Nein, nur ich." Leira nickte.
„Was fehlt in dem Safe denn?"
„Abrechnungen. Nichts von Wert, ich habe ihn gestört, bevor er sich das Bargeld einstecken konnte."
„Aha." Die Befragung war für sie beendet.
Martinsson bedankte sich bei Ole und ging zu Leira.
„Und, was meinst du?"
„Ich muss noch mit Nyberg sprechen wegen des Safes, dann weiß ich mehr."
„Also," schaltete sich Svatmann dazu, „ich hab die Beschreibung vom Täter aufgenommen. Ich würde jetzt zum Präsidium zurückfahren. Okay?" Martinsson nickte die Bitte ab und lauschte dann Nyberg und Leira beim Gespräch.
„Also ich kann hier keine Gewaltanwendungen am Safe erkennen. Entweder war der Täter sehr talentiert im Safe knacken oder.."
„... Oder der Code war bekannt.", vollendete Leira seinen Satz.
„Genau, ich tendiere zu Letzterem. Das sieht mir zu sauber aus."
Leira streifte noch ein paar Mal durch das Haus und den Garten und fuhr dann mit Martinsson zurück zum Präsidium.
Samstag Nachmittag
Im Arbeitsraum trafen die beiden auf Wallander, Isabell und Pontus.
„Und?"
„Nichts von Belange gestohlen. Ole ist zwar hart ran genommen, aber er wird sich wieder erholen. Ich glaube, da gibt es nichts Besonderes.", setzte sich Martinsson neben Isabell.
„Ich bin da anderer Meinung.", setzte sich Leira gegenüber von Wallander.
Martinsson stutzte und auch Pontus konnte sich einen kritischen Blick nicht verkneifen.
„Was bringt dich dazu?", wollte Kurt von ihr wissen.
„Also ich rekonstruiere mal: Der Einbrecher sucht sich das Fenster, schlägt es teilweise ein, öffnet es von Außen, steigt hinein, über einen Tisch, öffnet die Tür und schleicht zum Arbeitszimmer hinüber. Öffnet dort den Safe so professionell, dass selbst Nyberg der Meinung ist, dass die Person den Code haben musste. Was laut Aussage nicht so war. Er stiehlt ein paar unwichtige Papiere. Er wird von Ole aufgeschreckt, steckt also die wertlosen Papiere ein, verkloppt den alten Mann und haut ab, durch die Vordertür."
„Hört sich doch gut an." hob Pontus kurz die Hand.
„Der Tisch war unberührt, keine Fußspuren, der Täter kam doch durch den Garten, es hätten wenigstens grobe Gartenspuren zu finden sein müssen. Das Glas des zerschlagenen Fensters befand sich nur im Zimmer, nichts auf der Verandaseite. Ich hab schon viele Einbrüche gesehen, ein wenig Glas fällt immer nach außen. Und das mit dem Safe. In meinen Augen war der Safe entweder nicht verschlossen, oder der angebliche Einbrecher hatte den Code."
„Oder jemand hat den Safe für Ihn geöffnet.", warf Isabell ein, und Leira lächelte ihr zu.
„Du meinst also, Ole steckt da mit drin.", sah Wallander Leira an.
„Ich kann's noch nicht beweisen, aber hier fand kein normaler Einbruch statt. Brich doch mal wo ein klau wertlose Papiere. Nicht mal wenn ich aufgeschreckt werde, steck' ich mir Papiere ein, die für mich wertlos sind, ich werfe sie weg in den Raum. Ich glaube die gestohlenen Papiere haben mehr Wert, als Ole zugeben will, und ich glaube, dass er heute Nacht sich mit jemanden getroffen hat, und das Treffen ein wenig aus dem Ruder lief. Danach musste er sich schnell eine alternative Geschichte zurecht legen. Ein Einbruch. Er schlug die Scheibe ein und glaubte, das reicht." Ihre Stimme klang energisch, so als ob sie keinen Zweifel zuließ.
„Das ist ja eine sehr hoch gegriffene Theorie. Wie willst du das denn Beweisen?!" Martinsson war aus Protest aufgestanden.
Wallander beobachtete Leira und ihn, ohne sich einzumischen.
„Die Beweise sind noch nicht soweit, aber ich denke dieser Einbruch wird noch seine Kreise ziehen, hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Svatmann, wer hat den Einbruch gemeldet?"
Wieder mit stoischer Ruhe suchte Svatmann in seinen Aufzeichnungen. „Ähm ja also, das war einer der Nachbarn, der zur Frühschicht aufbrach. Sie hatte Krach und so was wie Schreie gehört und uns angerufen."
„Und das beweist was?", rief Martinsson seine Fäuste in die Seiten gestemmt.
„Nichts, aber ich glaube, Ole hätte uns nicht angerufen."
Für Leira war die Diskussion beendet, sie setzte sich auf die Fensterbank und sah Wallander an.
„Beruhigt euch ihr beiden, ja? Ich gebe Martinsson erst einmal Recht."
„Danke sehr."
„Ja, erst einmal. Nyberg wird die Beweise weiter untersuchen, dann sehen wir weiter. Andere Ideen?"
„Ich finde wir sollten Ole im Auge behalten, außerdem sollten wir nach weggeworfenen Papieren Ausschau halten. Wenn die Papiere wirklich wertlos waren, wird der Täter sie irgendwo weggeworfen haben.", schlug Leira vor.
„Und wenn wir die Papiere nicht finden?", warf Svatmann ein.
„Dann waren die Papiere wohl doch nicht so wertlos.", antwortete Isabell und erntete dafür von Martinsson verständnislose Blicke.
„Gut, gebt eine Meldung raus, die Leute sollen die Augen aufhalten wegen der Papiere. Aber Leira, wegen Ole, wir können ihn nicht beschatten lassen."
Leira war mit dieser Aussage nicht zufrieden, aber natürlich wusste sie, das ohne eingehenden Verdacht niemand einfach beschattet werden konnte. Sie nickte abgeklärt.
„Okay Leute gehen wir wieder an die Arbeit." Wallander drehte sich zur Pinnwand, wo einige Fälle befestigt waren an denen gearbeitet wurde und tat so, als wenn er versuche, irgend ein Rätsel zu lösen. Er hoffte darauf, dass alle den Raum verlassen würden, und er so mit Leira ohne sie offiziell vor allen in sein Büro zu rufen einen Moment alleine waren. Leira erkannte seine Absicht, erkannte aber auch, dass Svatmann noch im Raum blieb um seinen Bericht zu verfassen. Sie blieb, auf Wallanders Höhe stehen, ein Auge auf Svatmann gerichtet, sie griff kurz seine Hand und deutete ihm mit dem Kopf, er solle mit nach Draußen auf den Flur kommen.
Es war relativ leer, man konnte Ebbas Stimme am Ende des Flures hören, wie sie laut telefonierte. Zu sehen war keiner. Wallander spürte seinen Puls schneller schlagen.
„Ich werde ihn beschatten."
Mit solch einem Gespräch hatte er nicht gerechnet, der Polizist in ihm brach durch.
„Bitte?"
„Ich werde ihn beschatten nach der Dienstzeit."
„Komm mit in mein Büro.", er schob sie durch die Tür und schloss diese dann, „Nur zur Sicherheit, du nutzt das hier aber nicht aus, oder?"
„Was meinst du damit?" Leira war verständnislos.
„Du erzählst mir, dass du diesen Ole beschatten willst, du weißt genau, dass ich das als Vorgesetzter nicht gutheißen kann. Du weißt das auch, also wieso erzählst du mir das? Aufgrund unserer Beziehung zueinander? Glaubst du, ich könne es dann gutheißen?"
„Halt, Moment mal! Wallander, jetzt geh nicht zu weit! Was zum Teufel unterstellst du mir da? Nur weil wir...", sie lachte gereizt auf, „das ist ja das Letzte! Wirklich Kurt, ich habe es dir gesagt, gerade weil du mein Vorgesetzter bist und natürlich weiß ich, dass du es nicht gutheißen wirst. Frag meinen Boss in Chicago, der hasst mich dafür, dass ich ihm all meine Aktionen mitteile, aber ich tu's um ein gewisses Vertrauensverhältnis zu wahren. Deswegen sag ich es dir, nicht weil wir miteinander schlafen." Sie versuchte, das Wort „schlafen" nicht zu laut auszusprechen, konnte sich aber selbst nicht garantieren, dass es ungehört geblieben war. Wallander konnte mit ihrem Wutanfall nicht mithalten und ahnte, dass er einen Fehler gemacht hatte. Obwohl sie ihm die Gelegenheit gab, Stellung zu beziehen, blieb er stumm. Leira sah ihn aufgebracht an.
„Also so ist das, ja?"
Verwirrt blickte er mit den Augen umher. „Was ist wie?"
„Du willst dieses Vorgesetzten - Untergebenen Ding durchziehen!? Okay gut, dann ziehen wir es durch. Ich versuche nur gute Arbeit zu machen. Ich dachte, ich könnte nicht nur Privat ein Vertrauensverhältnis aufbauen sondern auch dienstlich. Aber scheinbar glaubst du wirklich, ich würde das eine auf dem anderen aufbauen und ausnutzen."
„Du verstehst das falsch."
„Ja, ich verstehe da wirklich was falsch. Du aber auch Kurt."
Es war viel Zorn in Ihren Augen, die aber, so hoffte er zu mindestens, nur gegen ihn als Kommissar Wallander gerichtet waren und nicht gehen ihn als Mensch.
Es klopfte an der Tür. Wallander rief „Nein", Leira das Gegenteil. Nyberg und Martinsson standen unschlüssig in der Tür und sahen beide an. „Was ist den hier los? Man hört euch bis auf den Flur."
„Wir hatten nur eine kleine Meinungsverschiedenheit. Nichts weiter." versuchte Wallander die Situation zu retten.
„Ja, die hatten wir, es ging um den Fall. Ich hab ein wenig laut diskutiert. Das ist eine schlechte Angewohnheit aus den Staaten.", Leira versuchte versöhnlich zu lächeln, „Ich werde jetzt essen gehen und mir dann die Akte noch mal ansehen."
Wallander kratzte sich unter der Beobachtung von Nyberg und Martinsson an der Schläfe. „Ja tu das."
„Sven. Janne. Kommissar Wallander." nickte sie und verschwand.
Nyberg und Martinsson blickten sich mit leicht amüsiertem Blick an.
„Kurt, die ist ja stinksauer auf dich!"
„Was hast du gemacht?"
„Ach Nyberg, nichts, sie glaubt halt dieser Ole hat Dreck am Stecken und will ihn beschatten."
„Sie will was?!", Martinsson war entsetzt, „Ich hoffe, du hast ihr die Flausen aus dem Kopf gejagt."
„Was glaubst du denn, wieso sie so stinksauer ist?!"
Nyberg zuckte mit den Schultern. „Ihr wisst doch wie die Amerikaner sind." Martinsson gab nur einen Zischlaut von sich.
„Hast du nicht gesagt, sie wäre nett?" Wallander hatte das Bedürfnis Janne die Bemerkung von heute Morgen heimzuzahlen.
„Hast du das wirklich?"
„Jetzt fang du nicht auch noch an, Nyberg. Ja hab ich!", wieder gab er ein Zischen von sich, „Hab ich mich halt geirrt."
….
Leira legte mit etwas zu viel Nachdruck ihr Sandwich auf den Tisch des Gruppenraums und schreckte damit Pontus auf.
„Huch, alles klar hier?"
Sie nickte und winkte halbseiden ab. „Dieser Idiot."
Obwohl Pontus wusste, dass nicht er gemeint war, fragte er sie ob er sich verhört hatte und was denn los sei. Leira war immer noch in innerer Rage und fühlte sich von Pontus absichtlich gereizt.
„Man Pontus, hast du keine Strafzettel zu schreiben oder so?"
Er sprang auf und Leira im Reflex ebenso. Die eine Hand führte sie im jahrelang antrainierten Reflex an die Stelle des Gürtels wo sich normalerweise ihre Dienstwaffe befand.
„Was soll das denn jetzt? Ich brauch mich von dir doch nicht so abwertend behandeln zu lassen! Ich hab schon die ganze Zeit das Gefühl, dass du Isabell und mich nur für irgendwelche halb dämlichen Hilfspolizisten hältst."
Leira erkannte sofort ihren Fehler und sprang zu Pontus, um Ihn am gehen zu hindern.
„Pontus! Warte!", sie legte ihm die Hand auf die Brust, „Es tut mir leid. Ich bin eine Idiotin! Ich hab mich über jemand anderen aufgeregt und die Wut an dir ausgelassen. Das ist unverzeihlich. Ich bin manchmal eine echt dumme ..."
„..Kuh." ergänzte er.
Sie lachte kurz auf. „Ja,...äh ich wollte dumme Polizistin sagen, aber du hast Recht. Du bist kein dämlicher Hilfspolizist und Isabell auch nicht. Ihr seit wertvoll, für Wallander und alle anderen. Ich entschuldige mich."
Sie hielt ihm die Hand hin. Er ließ es sich nicht anmerken, aber er war schon ein wenig beeindruckt, dass Leira den Mumm hatte sich so ausführlich und ehrlich zu entschuldigen. Er griff ihre Hand. „Okay. Angenommen. Über wenn hast du dich denn so aufgeregt? Wallander?", sie nickte, „Vergiss ihn, seit er mit dir in diesem Keller war ist er total seltsam."
„Wie meinst du das denn?"
„Einmal ist er total gut drauf und dann scheint er ruckartig schlechte Laune zu bekommen. Ich glaube, die zwei Tage eingesperrt sein, haben ihm nicht bekommen."
Sie lächelte in sich hinein. „Wahrscheinlich."
Da kam Isabell herein. „Habt ihr euch gerade gestritten?"
„Nicht wirklich." erklärte Pontus ihr.
„Leira, was wirst du wegen Ole unternehmen?"
„Ich werde ihn beschatten."
„Hat Wallander das erlaubt?"
Leira erklärte Pontus, dass er es natürlich nicht erlaubt hatte, und sie genau deswegen so wütend war. Sie wusste, dass sie keine konkreten Beweise hatte nur ein gewisses Bauchgefühl. Pontus sagte ihr offen, dass er mehr auf Martinssons Seite stand und ebenfalls an einen einfachen, schief gegangenen Einbruch glaubte, sich aber von expliziten Beweisen überzeugen lassen würde. Isabell hingegen tendierte mehr zu Leira, auch wenn sie ihren Gedankengängen nicht ganz folgen konnte. Leira gab offen zu, dass sie Ole ab heute Abend auf eigene Faust beschatten würde.
„Das wird nicht leicht, jetzt wo die Sonne nie untergeht. Wenn da wirklich was am Laufen ist, was ich immer noch nicht glaube, wird es schwer für dich, nicht bemerkt zu werden."
„Ich weiß Pontus, aber ich muss es riskieren."
„Ich bin dabei." Beide sahen Isabell erstaunt an. Pontus griff sie am Arm.
„Bist du wahnsinnig?! Wallander steigt uns aufs Dach."
„Uns?", fragte Leira amüsiert nach.
Pontus druckste ein wenig herum. „Euch kann man doch nicht alleine lassen! Gut ich bin dabei, aber wenn nichts passiert, dann ist ein für alle mal Schluss."
Isabell drückte Pontus. Leira erkundigte sich, ob es eine Umgebungskarte vom Holgerson Anwesen gab. Der Polizist verwies auf das Internet. Als alle drei sich um den Rechner scharrten, um günstige Punkte zum beobachten rauszusuchen, erschien Svatmann auf der Bildfläche.
„Hey. Was tut ihr da?"
Isabell wollte ihm die Sicht auf den Rechner verwehren. „Jetzt tut doch nicht so geheimnisvoll. Das ist doch das Holgerson Anwesen? Was sucht ihr denn?"
„Pontus wollte mir nur zeigen, wie Google Earth funktioniert."
Svatmann musterte alle drei. Natürlich war er nicht so dumm, wir er manchmal wirkte, das wusste auch Leira. Er war nur nicht der schnellste.
„Hier habt was vor, das seh ich euch Dreien an der Nasenspitze an. Wenn ihr mir nicht sofort sagt, was es ist, werde ich euch beide für ein paar Extraschichten vorschlagen."
„Ach jetzt komm schon Svatmann, wir machen doch gar nichts."
„Pontus?" Svatmann baute sich vor ihm auf.
„Ich möchte Ole Holgerson beschatten.", griff Leira ein.
„Was? Und ihr zwei helft ihr dabei!? Wenn das Wallander rausbekommt!"
„Er wird es nicht, Svatmann, wenn du ihm nichts sagst. Versprichst du es?"
„Na Isabell, ihr seit mir ein paar Hübsche, ich steck ja schon fast mittendrin.", Svatmann kratzte sich unsicher am Kopf.
„Du könntest mitmachen.", schlug Pontus unvermittelt vor.
„Ich soll was, bist du verrückt? Nein, sieh mich nicht so an. Das ist doch Wahnsinn. Ach Leute...ach verdammt.. Wann soll's losgehen?"
So hatte sich also ein recht munteres Verschwörungsquartett gefunden. Alle vier vereinbarten sich am selben Abend an drei verschiedenen Punkten im Bereich des Anwesens einzufinden. Pontus würde Funkgeräte organisieren, Isabell stellte Ihren Wagen zur Verfügung, mit dem sie und Pontus an der Südseite parken würden. Leira würde ihren Mietwagen nehmen und auf der Rückseite parken. Svatmann erklärte sich dazu bereit, als harmloser Fußgänger den Eingangsbereich des Anwesens zu sondieren. Sie gaben sich die Hand darauf und verabredeten sich, um halb acht an der Malmövägen Straße zu treffen und von dort aus vereinzelt zum Anwesen zu fahren.
