Dein Wunsch ist mir Befehl, Mija-ela! ;)
Tja auch Severus hat gegen Luxus nichts einzuwenden! :)
4 Fremde Sitten
Schockiert blickte Hermione den Mann an. Entweder sie tat so als wäre sie mit Snape verheiratet oder seine Tochter dann würde sie verheiratet, oder sie hielten sie für eine Hure und sie würde getötet werden. Hermione entschied sich für das geringste Übel und wollte schon laut ausrufen. Das ist mein Mann!
Aber Snape kam ihr zuvor.
„Ihr habt es richtig erkannt sie ist meine Frau!" sagte er trocken und mit einem gewissen Hauch, so als fühlte er eine Schlinge um seinen Hals die sich langsam zuzog.
Sie war ernsthaft empört. Mit ihr verheiratet zu sein, war sicher nicht das Schlimmste. Er hätte das durchaus netter sagen können. Was dachte sie da bloß für dummes Zeug? Hatte sie unter der Sonne gelitten? Sie stand hier in der Fremde, keine Ahnung wo und Snape rettet ihr gerade das Leben und das einzige worüber sie sich Gedanken machte war auf die Art wie er es tat. Das war krank! Um sich abzulenken folgte sie wieder der Unterhaltung der beiden.
„Wie heißt dieser Ort?" fragte Snape neugierig.
„Ihr befindet euch in Jidara. Hinter euch ist der große Wald und dort" er wies mit der Hand über seine linke Schulter. „befindet sich das graue Gebirge! Östlich davon liegt Inferlant!" er betonte das Wort Inferlant so als müsste ihnen das etwas sagen.
Er sah ihnen wohl an ihren ratlosen Minen an, dass sie keine Ahnung hatten wovon er sprach.
„Inferlant? Die Festung wo Balogh herrscht? Die müsst ihr doch kennen?" fragte er ungläubig nach.
„Wir kommen von sehr, sehr weit." Erklärte Snape vorsichtig.
Er konnte ihm schlecht verraten, dass sie beide durch einen magischen Spiegel gestolpert und hier gelandet waren. Zion nickte nur über diese Antwort. Er schien es gewohnt zu sein, dass die Menschen nicht gerne viel über sich erzählten.
„Was habt ihr vor? Wollt ihr euch in der Gegend niederlassen?" forschte er weiter nach, immer noch sprach er ausschließlich Snape an. Wieder wich Snape ihm aus.
„Keine Ahnung. Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht."
Seine Stimme klang so als würde er gerade jetzt darüber ernsthaft nachdenken. Zion schluckte den Köder und hatte sofort eine Lösung für sie parat.
„Das Haus von Mork steht leer. Dort könnt ihr euch niederlassen." Zion zeigte wieder hinter sich in die Richtung wo das graue Gebirge verlief, dann sah er sie abschätzend an.
„Bleibt zum Essen und erzählt woher ihr kommt!" forderte er sie auf. Er schien für sich entschieden zu haben, dass von ihnen keine Gefahr drohte.
Wenn der wüsste wozu Snape fähig war. Dachte Hermione gehässig. Sie nahm es Zion schwer übel, dass er sie einfach links liegen ließ, so als wäre sie nicht vorhanden.
Der Mann war sehr freundlich zu ihnen, für seinen Geschmack zu freundlich. Er schien zu ahnen, oder es war ihm egal, dass Miss Granger nicht seine Frau war. Warum sonst erzählte er ihnen sofort von dem Gesetz hier, wonach sie automatisch den Tod gefunden hätte? Auch lud er sie an seinen Tisch ein und bot ihnen ein Dach über den Kopf. Beides machte ihn misstrauisch.
Severus hatte gelernt, dass im Leben nichts umsonst war. Was erwartete er als Gegenleistung? Abschätzend blickte er ihn an. Was ihn noch beunruhigte, er äußerte sich mit keiner Silbe über ihre für ihn sicher seltsam anmutende Kleidung.
Er trug seine typische Lehreruniform Schwarze Hose, schwarze Jacke, darunter weißes Hemd und nicht zu vergessen seinen schwarzen Umhang, alles aus feinsten Stoffen gemacht. Miss Granger trug Jeans und einen rosafarbenen Pulli.
Zion dagegen war mit einer groben Wollhose bekleidet, darüber hatte er sich einen abgewetzten Lederschurz gebunden, sein Oberkörper war bloß. Selbst seine Frau war in grobe Wollkleider gehüllt wie ihm vorhin aufgefallen war, genauso seine Kinder. Severus musste dieser Sache auf den Grund gehen, musste herausfinden was er von ihnen erwartete.
Er folgte ihm schweigend ins Haus, seine Augen wachsam nach allen Seiten gerichtet. Hier war eindeutig etwas faul. Innen war das Haus schlicht und einfach gehalten. Es gab einen großen Raum mit einer Feuerstelle. Ein grobgehauener Tisch stand in der Mitte. Drumherum waren einfache Hocker aus Holz arrangiert. Als er nach oben blickte bemerkte er, dass eine künstliche Decke eingezogen worden war und eine Leiter nach oben führte.
Scheinbar die Schlafstätte der Kinder. Denn unten in einer der hinteren Ecke entdeckte Severus einen gut gefüllten Strohsack, hier ruhten sicher die Eltern. Aro und Cal saßen schon am Tisch und sahen sie mit großen Augen an. Zion bat sie Platz zu nehmen und Carla trug das Essen auf. Es gab irgendwas Breiiges Undefinierbares.
Nur schwer vermochte Severus seinen Unwillen gegenüber dem Essen unterdrücken. Er hatte einen sehr feinen Gaumen und so etwas würde er niemals essen, auch nicht wenn er kurz vor dem Verhungern stand und er war schon sehr hungrig. Severus verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte so diesem "Essen" zu entgehen.
Ein Rippenstoß von der vorlauten Granger ließ ihn einen kalten Blick in ihre Richtung werfen. Stumm deutete sie mit dem Kopf auf seinen Teller. Sie wollte dass er dieses Zeugs isst. Feindselig betrachtete er sie eine Sekunde, um sie anschließend zu ignorieren.
„Zion erzähl mir mehr über das Dorf und Balogh!" forderte er ihn auf.
Zion sah von seinem Teller hoch und kaute umständlicher als es dieses Mahl erforderte an seinem Bissen herum, dann tauschte er mit seiner Frau einen Blick, bevor er ihm eine Antwort gab.
„Durch das Dorf läuft ein breiter Fluss, die Mühle auf der anderen Seite wird damit betrieben, ansonsten gibt es hier nur einfache Bauern, keine Gelehrten." Ernst sah er ihm in die Augen.
Er hielt Severus für gelehrt. Woraus schloss er das? Vielleicht war er gar nicht so einfältig wie er gedacht hatte.
Hermione stopfte das Essen in sich hinein, es war köstlich. Kurz warf sie einen Blick neben sich. Snape weigerte sich doch tatsächlich das Essen anzurühren. Ärgerlich stieß sie ihn in die Seite. Er war schrecklich unhöflich. Diese netten Menschen, obwohl sich Zion nach wie vor kein Wort an sie richtete, geschweige denn sie ansah, teilten mit ihnen ihr Essen und sie waren bestimmt nicht reich.
Er sah sie lediglich giftig an und verwickelte Zion erneut in ein Gespräch. Er schien äußerst neugierig zu sein, was diese Welt betraf? Wo war es eigentlich wo sie waren? Sie aß stumm weiter und hörte zu.
„Die Gesetze hier sind sehr streng unter Balogh. Wer sich ihnen widersetzt stirbt. Anur, das war unser alter Herrscher, trat für sein Volk ein und war gerecht. Aber Balogh verteilte die Macht neu. Er nahm dem einfachen Volk alle Rechte. Vor allem die Frauen traf es hart. Er verbat ihnen alles. Sie dienen alleine zum Kinder kriegen. Sie dürfen in der Gegenwart von Männern nicht sprechen. Frauen sind das Eigentum ihrer Ehemänner und natürlich Baloghs. Wer sich dem widersetzt wird verhaftet und verrottet in seinem Kerker oder wird getötet."
Dieses Mal sah er Hermione an. Sie verzieh ihm, er hatte keine andere Wahl als sie nicht zu beachten. Zugleich verspürte sie große Angst. Sie war von nun an auf Snape angewiesen, von ihm abhängig und sollte er ihrer überdrüssig werden, konnte er sie ohne mit der Wimper zu zucken töten und keiner hier würde ihn dafür zur Rechenschaft ziehen.
Ein boshaftes Grinsen umspielte kurz seinen Mund und sagte ihr er dachte gerade an dasselbe. Wut flackerte in ihr auf, sie würde es ihm nicht erlauben, diese Macht über sie auszuüben. Später nach dem Essen brachte Zion sie in Morks Hütte, anders konnte sie es nicht nennen.
Sie lag auf einer Anhöhe jenseits des Flusses und man konnte sie vom Dorf aus nicht sehen. Einige Bäume umsäumte sie und baten so noch mehr Schutz vor neugierigen Augen oder verbargen eher die Hässlichkeit dieses Bauwerkes architektonischen Nichtkönnens. Das war mit Abstand die elendste Bruchbude und das war noch geschmeichelt, die Hermione je gesehen hatte. Verzeihend sah sie Zion an.
„Mork ist schon so lange fort und schon davor kümmerte er sich kaum darum, aber mit ein bisschen Arbeit wird es sicher ganz gemütlich." meinte er zuversichtlich und strahlte sie begeistert an und ehe er in die Dämmerung verschwand bat er sie noch, niemanden zu verraten, dass seine Frau mit Severus gesprochen hatte, es wäre ihr Todesurteil gewesen. Eine Laterne hatte er ihnen gelassen, ebenso Fladenbrot für das Frühstück.
Fest presste er seine Lippen aufeinander, bis sie sicher ganz weiß waren. Er könnte Miss Granger nur dafür, dass sie die Nacht in diesem Stall oder wie auch immer er diesen Verschlag nennen soll verbringen müssen, erwürgen. Diese so genannte Hütte bestand praktisch aus einem Raum und darin gab es nichts als eine alte verkohlte Feuerstelle und ein Haufen schmutziges Stroh in einer Ecke.
Der Boden war mit Unrat und Dreck übersät und durch das Dach konnte er die Sterne am Himmel ausmachen. Er hoffte für Miss Grangers Wohl, dass es in dieser Nacht keinen Regen gab.
„Ich hoffe sie sind mit sich zufrieden!" knurrte er sie ungehalten an. Der Frust hatte sich in ihm über den ganzen Tag aufgestaut und brach sich jetzt Bann.
„Nicht nur das wir an diesem grauenvollen Ort ohne Magie festsitzen und nicht wissen wie wir wieder nach Hause kommen, so soll ich auch noch in diesem Drecksloch mit ihnen hausen!" brüllte er sie an. Miss Granger zuckte, zu seiner grenzenlosen Freude, ängstlich zusammen.
„Denken Sie immer daran, hier habe ich sie in der Hand und ich werde sie das, bei sich jeder mir bietenden Gelegenheit, spüren lassen!" sagte er ihr noch kalt drohend ins Gesicht, ehe er sich abwandte und nach draußen stürmte.
Severus brauchte nach dem Mief in der Hütte frische Luft. Tief sog er sie mit geschlossenen Augen in seine Lungen und wurde so merklich ruhiger. Er dachte an Zion und was er ihnen erzählt hatte. Auch konnte er seine ungewöhnliche Hilfsbereitschaft verstehen. Er hatte Angst um seine Frau. Scheinbar liebte er sie wirklich.
Schmerzlich zog sich sein Herz zusammen. Lily! Severus riss weit die Augen auf und verbat sich jeden Gedanken an sie. Sie war tot! Und nichts konnte daran etwas ändern, auch sein dummes Herz nicht. Hurtig schritt er aus, mit dem festen Ziel, die nähere Umgebung zu erkunden und mögliche Gefahren zu entdecken. So abgelenkt konnte er die Vergangenheit in sich ruhen lassen, für den Augenblick.
Tränen liefen unablässig über ihr Gesicht. Stumm und wütend wischte Hermione sie fort. Er war es nicht wert, dass sie seinetwegen weinte. Er hatte ihre Tränen nicht verdient! Aber das war es nicht alleine. Sie hatte Angst, fühlte sich verloren und ausgesetzt wie ein kleines Kätzchen, das unmöglich den Weg nach Hause finden konnte. Sie saß echt in der Klemme. Diese Welt war frauenfeindlich und gefährlich.
Warum? Warum konnte sie, mit egal sonstwem aber nur nicht Snape hier landen. Alles wäre leichter zu ertragen ohne diese Miesmuschel! Die Tränen liefen weiter über ihre Wangen, also gab sie es auf, sie fortzuwischen und ließ sie einfach laufen. Unter ihrer Tränenflut blinzelnd sah sie sich gründlich in dem Raum um. Er könnte eine Säuberung vertragen, schoss es ihr durch den Kopf.
Nur hier gab es nichts was sich zum kehren eignen würde und Magie stand ihr auch nicht zur Verfügung. Aber draußen gab es genug Bäume. Sie könnte einen Ast abbrechen und diesen dazu verwenden. Ihre Tränen versiegten und machten neu gefundenem Tatendrang Platz. Wenn sie schon ihre Nacht hier verbringen sollte, konnte etwas Ordnung nicht schaden.
Sie lief nach draußen und versuchte vom ersten Baum einen Ast abzubrechen, was nicht ganz einfach war. Er wollte einfach nicht abreißen, so fest sie auch zog und als er schließlich doch nachgab stürzte sie schwer nach hinten. Kurz blieb ihr die Luft weg, ehe sie sie wieder keuchend einsog. Wütend über ihre Ungeschicktheit schnappte sie sich den Ast und rauschte damit in die Hütte.
Energisch bearbeitete sie den Boden und schon nach kurzer Zeit sah es um einiges besser aus. Hermione schüttelte noch das Stroh auf und entzündete gegen die herein kriechende Kälte mit dem vor der Hütte gestapelten Holz und der Laterne ein Feuer. Draußen war es stockdunkel geworden. Müde warf sie sich auf den Strohhaufen und schlang die Arme um sich. Sie schloss die Augen und zwang sich zu schlafen. Irgendwann nickte sie tatsächlich ein.
Er wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, als er aus der Hütte gestürmt war. Die Finsternis umschloss ihn vollkommen und nur die Kälte zwang ihn zur Umkehr. Severus trat so leise wie möglich ein und war erstaunt. Miss Granger hatte sauber gemacht und außerdem war es gemütlich warm. Er schlich zum Stroh in der Ecke und blickte auf die junge Frau hinab. Wieder durchströmten ihn merkwürdige Gefühle. Sie sah so hilflos und verloren aus, wie sie die Arme um sich schlang und die Beine angezogen hatte.
Ihr langes Haar hatte sich verknotet und lag ihr wirr um den Kopf. Es juckte ihn in den Fingern es zu glätten. Unwillkürlich betrachtete er seine Hände. Sie waren nie zärtlich, nie sanft gewesen. Severus presste sie an seine Seite und blickte bitter ins Nichts. Er streifte seinen Umhang ab und deckte sie damit zu. Vorsichtig um sie nicht zu wecken, legte er sich neben sie und versuchte zu schlafen.
Schon bald fielen ihm die Augen zu. Die durchwachte Nacht und der lange Marsch forderten ihren Tribut.
