Kapitel 3 – Ron

Ihr ward alle großartig", flüsterte Potter in einem Anflug von Sentimentalität, „Ohne die ganze Hilfe hätte ich das doch niemals geschafft."

Weil du ein aufgeblasener, inkompetenter Angeber bist, genau wie dein Vater. Es war immer noch befriedigend, hasserfüllt an James Potter und seine dreckigen kleinen Freunde zu denken.

„War halt nur manchmal ein bisschen schwer, so hinter dir zu stehen, nicht neben dir", Snape schreckte hoch. Eine halbwegs weise Bemerkung vom Wiesel? Interessant…

Potter sah seinen rothaarigen Freund verwirrt an und wie immer genoss Snape es, dass sein scharfer Verstand ihm schon längst geflüstert hatte, was Potter nicht verstand…

„Harry", murmelte Weasley leise, „Weißt du noch, wie wir uns damals im 4. Jahr gestritten haben?"
„Du meinst die Zeit, in der du mir konsequent aus dem Weg gegangen bist, in der Annahme, ich hätte meinen Namen in den Feuerkelch geworfen, um Ruhm zu erlangen?"
Wiesel nickte geknickt.'
„Ich war damals so eifersüchtig", Wiesel wurde immer leiser, seine Stimme kaum mehr vernehmbar, „Ich war so eifersüchtig auf dich, weil du immer der erste warst. Kannst du dir überhaupt vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man sein Leben lang immer nur ‚der Bruder von' oder ‚der beste Freund von' ist?"

Potter starrte seinen besten Freund mit weit aufgerissenen Augen an und Snape war sich sicher, einen Hauch von Erkenntnis in dessen Blick lesen zu können.
„Es war ganz sicher nicht leicht, als jüngster von sechs Brüdern zu leben. Ich hatte fast nie etwas eigenes oder neues. Abgelegte Zauberstäbe, Umhänge, nicht einmal ein eigenes Haustier. Alle meine Brüder hatten schon etwas tolles geleistet, waren Schulsprecher oder Quidditch-Kapitän, weswegen jeder von mir erwartet hat, dass ich so etwas auch können muss. Aber wenn ich es dann geschafft habe, war es nichts besonderes mehr, denn vor mir hat es ja schon jemand gemacht."

Wiesels Ohren röteten sich stark und Snape war sich sicher, dass es ihm mehr als peinlich war, über seine Armut zu reden.
„Wir hatten ja auch nie viel Geld, daher war es klar, dass meine Eltern nicht ständig neue Sachen kaufen konnten. Aber wenigstens ein eigener Zauberstab, das wäre schon ziemlich cool gewesen. Und dann warst du da, Harry, alleine in diesem Zugabteil und natürlich wusste ich, wer du bist, aber irgendwie auch nicht, immerhin erzählen Fred und George häufiger mal Unwahrheiten."

Snape schnaubte, wenn er an diese vorlauten, arroganten Zwillinge dachte, dann waren dies ganz sicher keine glücklichen Erinnerungen.
„Und ich hab mich einfach zu dir gesetzt und du hast uns Süßigkeiten gekauft und plötzlich waren wir Freunde. Ich meine, du, Harry Potter, wolltest wirklich mit mir befreundet sein! Ich war zu Anfang echt ziemlich stolz, aber manchmal war da auch diese Eifersucht. Du hattest viel mehr Geld als ich, hast immer am meisten Hauspunkte geholt, warst ein begnadeter Sucher und in allem besser als ich – außer im Schach, aber das zählt nicht.
Und Hermine", Wiesel sah grinsend zu Granger, „Hermine hat das vermutlich brillanteste Gehirn unseres Jahrgangs. Ich aber war eben nur Ron Weasley. Nichts besonderes, eher auffallend durch einen hässlichen Festumhang als durch tolle Leistungen. Klar, ich stand immer daneben und habe schön die Klappe gehalten, wenn du wegen irgendwas interviewt wurdest, aber wirklich glücklich war ich dann auch nicht. Und auch wenn du der beste Freund bist, den ich mir hätte wünschen können, Harry – bemerkt hast du es auch nie wirklich."

Potter sah ziemlich betreten aus und Snape weidete sich nahezu an diesem Anblick.„Außerdem habe ich mich oft benommen wie ein Idiot. Vor allem, weil ich Sachen gesagt habe, die gar nicht so gemeint waren, aber mir ist gar nicht aufgefallen, wie fies sie eigentlich klangen. Du hattest Recht, Hermine, ein bisschen was von einem Teelöffel habe ich wirklich."

Snape sah wie Grangers Augen schelmisch glitzerten, als sie sich an den Moment dieser neckenden Beleidigung erinnerte und seiner Meinung nach stand ihr dieses schelmische Grinsen überraschend gut.Moment – was?!

„Wisst ihr, was ich am wenigsten ertragen konnte? Das meine Mum mir immer das Gefühl gegeben hat, sie hätte lieber Harry als Sohn, als mich."

Nun war Potter aufgesprungen.
„Ron, Stop!", rief er und sein Gesicht zeichnete ihn als aufgewühlt, „Du machst dich selbst nur fertig! Du weißt überhaupt nicht, was du wert bist, das ist ja wie mit Neville!"
Longbottom grinste breit.
„Du bist der loyalste und mutigste Freund, den ich mir vorstellen kann und allein die Tatsache, dass du trotz mangelnden Ruhms immer für Mine und mich da gewesen bist, zeigt doch, was für ein Mensch du bist. Und es stimmt auch gar nicht, dass du immer zwischen deinen Brüdern untergegangen bist! Ich meine, klar, du hättest bessere Noten haben können, wenn du mal gelernt hättest, aber wer von deinen Brüdern hat mit mir so gegen Voldemort gekämpft wie du? Du hast einen Horkrux für uns zerstört. Du warst immer an meiner Seite, Ron und dir steht nicht weniger Anerkennung zu als mir. Gerade weil du es viel schwerer hattest, als Mine und ich."

„Aber Harry", protestierte das Wiesel, „Ich war neidisch auf dich. Neidisch auf Hermine. Sogar neidisch auf Malfoy."
Seine Ohren glühten noch ein bisschen heller und Severus registrierte, wie Malfoy zusammenzuckte, als sein Name genannt wurde.

„Wieso warst du neidisch auf mich, Weasley?", wollte er skeptisch wissen.
„Du hast von deinem Vater alles bekommen, was du wolltest. Deine Familie hat genug Geld, um sich die Winkelgasse zu kaufen, schätze ich mal. Du wohnst in einem riesigen Landsitz, hast bestimmt ein ganz eigenes Badezimmer. Rennbesen, eine Eule, alles einfach so."
Zu Snapes Überraschung schnaubte Malfoy nur abfällig.

„Und du meinst, das sei so wichtig? Klar, deine Familie ist voller Versager, aber ihr habt immer zusammengehalten, deine Eltern haben dich geliebt und ihr musstet nicht täglich vor dem Dunklen Lord zittern."

„Nicht täglich vor Du-weißt-schon-wem zittern?! Meine Familie zählt zu den Blutsverrätern! Das ganze letzte Jahr hatte ich unfassbare Angst vor den Nachrichten. Angst, irgendeine Nachricht zu hören, dass etwas mit Ginny oder den anderen passiert ist. Ihr ward doch Anhänger Voldemorts, wovor hattet ihr euch denn bitte zu fürchten?!", polterte Weasley los.

Draco hob abfällig eine Augenbraue.
„Du hast wirklich überhaupt keine Ahnung davon, wie es ist, dem Dunklen Lord zu dienen, oder Weasley?"

„Dann klär uns doch auf, Draco", versuchte Granger erneut mit sanfter Stimme zu beschwichtigen, „Immerhin sind wir dafür hier."