Und weiter gehts :3

Lucifer sagte nichts dazu, als sie aufstand und zur Tür ging. Dafür bemerkte Chloe durchaus den überraschten Blick auf Trixies Gesicht. Sie erwarteten am heutigen Abend keinen Besuch mehr und prinzipiell kam niemand unangemeldet vorbei. Zumindest niemand außer Lucifer und...

Chloe öffnete die Tür und erblickte das Gesicht von Daniel, der sie entschuldigend anlächelte.

"Chloe... Hi. Ich... Tut mir leid mit der Arbeit heute, wirklich. Ist Trixie noch wach? Ich möchte mich bei ihr entschuldigen. Und morgen können wir auf jeden Fall einen Baum kaufen gehen, ich baue Überstunden ab!", drang seine vertraute Stimme an ihr Ohr.

Wie sich Trixies Gesichtsausdruck ins Negative veränderte und sie mit Lucifer schlechte Befürchtungen austauschte, bekam Chloe nicht mit. Denn alles worauf sich die Detektivin konzentrieren konnte, war eine aufschäumende Wut.

Ach, jetzt kam der Herr mit Entschuldigungen an? Chloe riss sich schwer zusammen ihn nicht augenblicklich aus dem Haus zu befördern. Natürlich wollte er in Zukunft Überstunden abbauen, natürlich wollte er sich Zeit für Trixie nehmen oh und natürlich erwartet er, dass sie ihm ohne weiteres für seine Unzuverlässigkeit verzeiht.

Chloes Kiefer spannte sich schwer an, während sie ihm am Liebsten jegliche Sachen an den Kopf werfen wollte. Wie oft hatten sie all dies schon durchgekaut? Viel zu unzählige Male standen Trixie und sie ohne seine Unterstützung da. Irgendwann sollten seine billigen Entschuldigungen doch echt ein Ende finden. So gern würde sie ihm einfach sagen, dass er sich entweder wie ein ordentlicher Vater verhielt, oder sich nicht mehr bei ihr blicken lassen sollte. Doch natürlich ging dies nicht, denn auch wenn sie Momente wie diese hasste, er war Trixies leiblicher Vater und ihr Arbeitskollege. Zumal sie ihn niemals vor Trixie zur Sau machen würde, vor allen nicht wenn zudem auch noch Lucifer mit Anwesenheit glänzte. Insofern blieb ihr nichts anderes übrig, als ihren Zorn zu unterdrücken und zu versuchen Dampf, durch die Anspannung ihrer rechten Hand zu einer Faust, abzulassen...

"Was ist denn... Ihr habt schon einen Baum?! Und wer...-?", kam es weiterhin von der Tür, als Dan ungefragt den Flur betrat, von wo aus man direkt in die Küche blicken konnte.

"Oh Chloe das ist jetzt nicht dein Ernst? DER?"

Da wagte es Daniel tatsächlich ihr Vorwürfe zu machen, weil Lucifer den Tag gerettet hatte.

"Trixie, Kind, ich glaube du gehst mal besser in dein Zimmer, mmh?", hörte sie irgendwo in der Entfernung Lucifer zu Trixie flüstern, die seiner Aufforderung tatsächlich nachkam. Und so dankbar sie Lucifer für diese Gestik war, so sehr waren ihre Sinne auf Daniel konzentriert.

Es wunderte die Blondhaarige wie viel Durchhaltevermögen sie besaß, um Dan nicht eine reinzuhauen. Wieso mischte sich Daniel immer in IHR Leben ein? Von wegen, er lehnte Lucifer aufgrund von Trixies Sicherheit ab. Er mochte Lucifer schlichtweg nicht, weil sie sich wohl in seiner Nähe fühlte.

"'DER' hat immerhin alles stehen und liegen gelassen für eine Frau, die er partout nicht ins Bett bekommt und ein Kind, das nicht seines ist. Im Gegensatz zu wem? Oh ja stimmt- IHNEN.", kam es von einem lächelnden Lucifer, mit einem scharfen Tonfall. Man konnte förmlich die Anspannung in der Luft spüren.

Ohja, Lucifers Kommentar hatte diese Situation auch wirklich viel besser gemacht.

Chloe bekam das starke Verlangen beide Herrschaften aus dem Haus zu befördern und vor allen Dan eine Kugel zu verpassen.

Die Blondhaarige kämpfte schwer mit dem Drang nicht total hysterisch aufzuschreien. Trixie war der einzige Grund, weshalb sie die Wut in ihrer Stimme zu bändeln versuchte. Denn selbst wenn ihre Tochter nicht mehr im Raum stand, so waren die Wände dünn genug, damit ihre Tochter alles verstehen könnte. Zumal Chloe doch die kontrollierte Polizistin war, die es eigentlich besser wissen sollte, als sich aufbrausend zu verhalten.

"Daniel." Ihre Stimme war gefährlich ruhig und hatte solch einen scharfen Unterton, wie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. "Du hast mich und Trixie sitzen gelassen - wie immer. Wie oft willst du dich noch bei Trixie für deine Unzuverlässigkeit entschuldigen? Sie ist ACHT, sie braucht einen VATER, der für sie da ist und nicht nur leere Versprechungen von sich gibt." Chloe atmete zischend aus. " Oh und du willst Überstunden abarbeiten? Dann tue das, aber erwarte keinen einzigen Augenblick, dass ich sie mit irgendwelchen Tätigkeiten ausfüllen werde." Chloe war schon lange nicht mehr so zornig gewesen, wie sie es in diesem Moment war. Viel zu viele Faktoren trafen auf einmal ein. Es interessierte sich nicht einmal, wie sich Dans Gesichtszüge immer mehr verfinsterten.

"Ach! Und das soll jetzt ER werden, oder was?!", schnaubte Daniel über ihre Worte auf und Lucifer verdrehte darüber die Augen.

"Nun danke für das Angebot, Detective Arsch, aber ich lehne dankend ab.", erwiderte Lucifer.

Langsam aber sicher bekam Chloe zu viel. Nicht nur verhielt sich Dan ihr und Trixie gegenüber wie ein absolutes Arschloch, er attackierte auch noch Lucifer.

"Und was IHN angeht." Sie deutete auf Lucifer, dessen Selbstverteidigung sie vorerst gekonnt ignoriert. "War wie er erwähnt hat da gewesen und ließ sich keine billigen Ausreden einfallen, wieso er keine Zeit hatte. Also solltest du dich eigentlich auch noch bei ihm entschuldigen. Bei mir kannst du das inzwischen getrost vergessen, denn ich habe keine Lust mehr deine Entschuldigungen zu akzeptieren." Chloes Blick sprach wohl jegliche Bände. Lucifer grinste bei ihren Worten spöttisch auf.

"Stimmt eigentlich, Daniel, ich finde ich habe wirklich eine Entschuldigung verdient... Last Christmas musste ich hören und Weihnachtsbäume schmücken und die selbstgemachten Plätzchen deiner Tochter probieren- wobei die echt gut waren- und-"

Chloe unterbrach Lucifer und sprach mit vollkommener Ernsthaftigkeit in der Stimme an Dan gewandt weiter.

"Ich schlage ich dir jetzt eines vor Daniel und wenn ich du wäre, würde ich nicht anfangen zu diskutieren..." Chloe trat auf ihren Ex gefährlich nahe zu. Sie hatte schwer damit zu Kämpfen die Tränen vor Wut und Enttäuschung zurück zu halten. "Du hältst dich verdammt nochmal klein, verlässt augenblicklich das Haus, oder du wirst mich von einer Seite kennen lernen, die du so noch gar nicht gekannt hattest."

Manchmal fragte sich Chloe ernsthaft wieso sie sich all dies nur antat. Und mit all dem meinte sie wieder Gefühle zuzulassen, von denen sie wusste, dass sie ihr nur Schmerz brachten. Einst hatte Daniel ihr Herz geschenkt, ihm vertraut und wurde nur im Endeffekt enttäuscht. Zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie davon allerdings nicht dazu gelernt und ihn ohne es zuzugeben wieder eine Chance gegeben. Schließlich hatte sie in letzter Zeit das Gefühl gehabt er habe sich geändert. Chloe hatte sich gar allen Ernstes dabei erwischt wieder mehr für ihn zu empfinden. Was sie davon hatte sah man. Er verhielt sich wie ein Arschloch und schien sich extra viel Mühe zu geben, damit sie ihre Zuneigung für ihn bereute. Oh und dann war da auch noch Lucifer, zu dem sie noch immer nicht wusste was sie für ein Verhältnis hatte. Heute hatte sie tatsächlich angefangen mehr in ihn zu sehen, als nur das nerv tötende Kleinkind mit dem sie zusammenarbeitete. Sie hatte seine Anwesenheit genossen. Doch schien sich auch die Frage ihrer Gefühle ihm gegenüber als hinfällig erklärt zu haben, wenn man hörte wie er Dan bewusst provozierte. Keiner der zwei anwesenden Männer schien auch nur ansatzweise an sie oder Trixie zu denken. Insofern war es doch fast verwunderlich wieso Beide sich wunderten, weshalb sie mit keinem von ihnen schlief.

Wie großartig es doch war, wenn man nicht ernstgenommen wurde. Denn bevor Chloe auch nur ansatzweise realisierte was genau vor sich ging, wurde sie schon aus dem Weg gedrückt. Keine Sekunde später vergruben sich Dans Hände krampfhaft in dem Kragen von Lucifers Hemd.

"Tu was du nicht lassen kannst, Detective Arsch... Schlag zu... ", grinste der Teufel herausfordernd. Dan war Lucifer so nahe, dass dieser dessen Atem auf seiner Haut fühlen müsste.

Chloe stand einen Moment fassungslos da. Gerade noch hatte sie Dan aufgefordert zu gehen, aber das war wohl zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder herausgegangen. Statt, dass er von Lucifer abließ, musste Chloe voller Empörung mit anhören, wie Dan SIE kritisierte und Lucifer nur spöttische Kommentare von sich gab. Chloe kam noch nicht einmal dazu ihre Wut darüber Luft zu machen, denn die Männer entschieden ihre Anwesenheit als unwichtig abzuhaken.

"Hör auf, dich in meine Familie hineinzudrängen. Ich weiß genau, dass du Chloe nur ins Bett bekommen willst- und sie weiß das auch! Also lass die ganze Masche mit dem Musterersatzehemann das kauft dir sowieso keiner ab, du Arsch!"

"Deine Ex- Frau, die von dir versetzt wurde, hat mich um ihre Hilfe gebeten und als Kollege und Freund habe ich ihr geholfen. Sonst wäre dein süßes kleines Töchterlein jetzt am Boden zerstört. Aber bitte. Wenn dir das Lieber ist, weil du deine Eifersucht nicht in den Griff bekommst, Detective Douche, bitte... Zeugt ja von ausgezeichneten Vaterqualitäten, da könnte sich ja sogar meine eigener noch eine Scheibe von abschneiden..."

Perplex über die schnell eskalierte Situation brauchte Chloe viel zu lange alles zu verarbeiten, als den Wortaustausch der Männer entgegen zu wirken. Nicht nur hatte Dan ihre Aufforderung zu gehen eiskalt ignoriert, er war auch kurz davor Lucifer eine rein zu hauen. Wobei man dazu sagen musste, dass Lucifer auch sein bestmöglichstes tat um Daniel zu provozieren. Dass die Verhaltensweise der Männer, Chloe in die Position steckten, komplett überfordert an innere Emotionen dazwischen zu funken, schien natürlich niemanden zu interessieren. Denn trotz ihrer aufgestauten Wut und einer unfassbaren Enttäuschung in beide Männer, wollte sie nicht zusehen wie sie sich hier gegenseitig die Köpfe einschlugen. Folglich handelte Chloe instinktiv damit Dan am Arm zu fassen und ihn von Lucifer wegzuziehen. Am liebsten hätte sie auch etwas zu dem schändlichen Verhalten der Beiden gesagt, etwas in die Richtung 'haltet beide die Schnauze', doch da sie von beiden Parteien ignoriert wurde, unterließ sie jegliche Belehrungen. Stattdessen legte sie mehr Wert darauf, dass es zu keiner Schlägerei kam – als sich eine andere Stimme im Raum meldete.

"Daddy? Warum streiten du und Lucifer?", kam es dann leise von Richtung des Flurs, wo Trixie stand.

Trixie hatte ihr Zimmer verlassen und stand nun Mitten im Raum, mit Tränen in den Augen zu Lucifer und Dan starrend. In Chloes Herz schien etwas bei diesem Anblick zu zerbrechen.

"Seit ihr jetzt glücklich?", hauchte sie voller Bitterkeit in ihrer Stimme, ehe sie sich zu Trixie bewegte. Langsam hockte sie sich vor ihre Tochter und strich ihr sanft eine Träne von der Wange.

"Große Männer tun das manchmal, wenn sie dieselbe Person auf verschiedenen Wegen beschützen wollen. Mach dir daher keine Sorgen Äffchen." Aus Chloes Stimme war jegliche Wut verschwunden. Zu Trixie klang sie einfach nur liebevoll.

"Wie wäre es also, wenn wir die Zwei draußen ausdiskutieren lassen, während ich dir eine Gutenachtgeschichte vor lese?" Chloe ignorierte die Männer ohne weiteres und konzentrierte sich nur auf das Mädchen vor ihr. Diese schien von ihren Aussagen nicht sonderlich überzeugt, doch wehrte sie sich nicht als Chloe sie in den Arm nahm und zurück zum Bett begleitete. Weder Lucifer noch Daniel schenkte sie auch nur noch einen Blick. Keiner hatte sich auch nur ansatzweise vernünftig verhalten. Sollten sie ihren lächerlichen Streit doch weiterführen, aber dann ohne ihre Anwesenheit. Wo sich der Ausgang des Hauses befand wussten ebenfalls beide Männer. Insofern richtete Chloe ihre volle Aufmerksamkeit auf die einzige Person im Haus für die es sich scheinbar lohnte und das war ihre geliebte Tochter, die so viel Besseres verdient hatte.

Daher bemerkte Chloe nicht mehr wie die Männer letzte gehässige Kommentare auswechselten, bevor sich das Haus leerte.