Kapitel 4: Erkenntnisse

Tim ging in die Gerichtsmedizin, wo er aber nur auf Alexx traf, die ihn vorwurfsvoll ansah: "Falls du Andie suchst, die müsste im Pausenraum sein." Sie seufzte: "Was hast du angestellt, Timmy? Sie ist schonden ganzen Tag durch den Wind…"

Er schüttelte den Kopf: "Gar nichts. Das ist alles nur ein Missverständnis, Alexx. Ich habe ihr etwas nicht erzählt und sie hat falsche Rückschlüsse gezogen."

"Okay, dann bring das wieder in Ordnung."

Tim verdrehte die Augen: "Das habe ich eigentlich vor, Mom."

"Du kriegst gleich eine "Mom" von mir!" Alexx drohte ihm lachend mit dem Skalpell.

Tim hob abwehrend die Hände und flüchtete.

Wie Alexx gesagt hatte, fand er Andie im Pausenraum, wo sie gerade Kaffee trank und abwesend in einer Zeitschrift blätterte. Sie fuhr erschrocken zusammen, als Tim, der sich von hinten leise angeschlichen hatte, ihren Halsansatz küsste. Er hob ihre Beine, die sie auf einem Sessel ausgestreckt hatte, hoch, setzte sich und ließ ihre Beine auf seine Oberschenkel sinken.

Ihr Blick fiel kurz auf die beiden Helme, die Tim gerade auf den Tisch gelegt hatte, bevor sie ihn ansah: "Falls du wegen meinem Bericht da bist, der ist schon bei Horatio."

Bevor Tim etwas sagen konnte, sprach Andie weiter: "Eric hat einen Geländewagen aus dem Kanal geborgen, der dem Opfer gehört. Es war kein Gang eingelegt und die Motorhaube nicht geschlossen, sodass alles darauf hin deutet, dass er unter die Motorhaube gesehen hat, als sein Wagen zu Rollen begonnen hat. Der Aufprall wäre normalerweise nicht tödlich gewesen, aber auf dem Wagen war ein Kuhfänger mit eigenwilligen Verzierungen montiert, der ihm die Bauchdecke und auch die Schlagader aufgeschlitzt hat. Während er offensichtlich zu seinem Handy gelangen wollte, um Hilfe zu rufen, ist er verblutet. Darum die Blutspur."

Tim musste lachen: "Wer von uns beiden ist eigentlich der Ermittler?"

Ihr Tonfall war wieder schnippisch: "DU warst ja offensichtlich den ganzen Tag mit Calleigh "beschäftigt"… Ich wollte wissen, woher unser Opfer die eigenartigen Verletzungen hat, darum habe ich mir mit Eric den Wagen angesehen und wir haben den Fall gelöst."

"Butterfly, du machst mich noch arbeitslos. Wenn du den Fall schon gelöst hast, dann heißt das, dass du momentan nichts zu tun hast, oder? Hast du Zeit, mit mir einen Ausflug zu machen?"

Sie schüttelte schnaubend den Kopf: "Glaubst du vielleicht, ich bin nicht ausgelastet? Ich habe genug zu tun. Ich muss Maeve von der Babysitterin abholen und Horatio wird sich sicher auch nicht freuen, wenn du einfach so abhaust."

Tim hatte gewusst, dass Andie es ihm nicht leicht machen würde, darum hatte er vorgebaut: "Ben holt Maeve von Liv ab und Horatio habe ich auch schon Bescheid gesagt, dass ich weg muss. Du kommst mir also nicht aus." Er nahm Andies Hand und zog sie hoch.

Sie waren schweigend zum Parkplatz gegangen. Erst als sie vor der Ducati standen meinte Andie: "Und was ist mit dem Wagen? Wie soll ich morgen früh Maeve transportieren?"

Er grinste sie an, während er auf sein Bike aufstieg: "Du bist nicht die Einzige in dieser Familie, die heimlich organisieren kann. Ben fährt mit unserem Wagen und Linda mit Bens. Ich weiß ja, warum ich den Reserveschlüssel immer eingesteckt habe." Er hielt Andie, die noch immer daneben stand, ihren Helm hin: "Fährst du jetzt mit mir mit?"

"Wo willst du hin?"

Er setzte sich seinen Helm auf: "Das ist eine Überraschung…"

Andie seufzte, setzte sich ebenfalls den Helm auf und stieg hinter Tim auf das Motorrad.

Zur selben Zeit betrat Eric die Ballistik. Calleigh hatte den Gehörschutz auf und hörte nicht, dass er den Raum betreten hatte. Vorsichtig näherte er sich ihr und wartete, bis sie fertig geschossen hatte, bevor er sie ansprach.

"Cal?"

Calleigh schreckte zusammen, als sie sich umdrehte und Eric hinter sich stehen sah.

"Ich glaube, wir müssen uns mal unterhalten… Tim hat…"

Calleigh unterbrach ihn und wurde rot: "Ich bringe ihn um und lasse ihn irgendwo verschwinden! Wo ist er?"

"Er wollte mit Andie reden und wir beide sollten das auch tun." Eric wurde ebenfalls rot: "Er hat es nicht böse gemeint sondern sich verplappert, als ich ihm vorgeworfen habe, dass er seine Frau mit dir betrügt…"

Sie sah ihn erschrocken an und begann zu stottern: "Eric, ich… mit Speed nie… wie kommst du darauf…"

"Andie hat gemeint, du siehst sie und Tim in den letzten Wochen so eigenartig an und ich habe euch beide vorher am Gang gehört. Und aus dem, was ich gehört habe, habe ich falsche Schlüsse gezogen."

Calleigh blickte abwesend ins Leere: "Ich sehe sie eigenartig an? Das war nicht böse gemeint… Die beiden haben so eine glückliche Beziehung…"

Eric nahm Calleighs Kopf in seine Hände, sodass sie ihn ansehen musste: "Cal, was ist jetzt los mit uns beiden?"

Sie seufzte: "Ähm… Das ist schon wieder vorbei… Ich habemir eingebildet, ich wäre in dich verliebt, offensichtlich deshalb, weil ich mich nach einer festen Beziehung sehne…"

Eric grinste: "Hast du es dir nur eingebildet oder warst du es? Das ist meine unwahrscheinliche Anziehungskraft auf Frauen…"

Calleigh sah in vorwurfsvoll an: "Kannst du nicht einmal ernst sein? Ich weiß es nicht… Vielleicht war das eine Hormonstörung. Ich weiß nur, dass ich unsere Freundschaft nicht riskieren kann und will. Und ich will nicht, dass sich jetzt etwas zwischen uns ändert, nur weil du das jetzt weißt. Darum sollte Mr. Ducati ja die Klappe halten…"

Eric nahm sie in den Arm: "Mich kann man durchaus auch mal ernst nehmen. Cal, ich will auch nicht, dass sich zwischen uns beiden etwas ändert, okay? Und ich wünsche mir für dich eine Beziehung in der du glücklich bist."

Calleigh seufzte erleichtert: "Kannst du einmal nicht plaudern, wenn ich dir etwas anvertraue?"

Eric nickte.

"Ich war mit Hagen aus… Aber das soll keiner hier wissen."

"Und? Gut gelaufen?"

Calleigh wurde rot: "Ja, da könnte mehr daraus werden."

"Ich habe auch eine Frau kennen gelernt… Sie heißt Kelly und ich glaube, es hat mich erwischt…"

Sie musste lachen, als sie Erics verträumten Blick sah, als er an Kelly dachte: "Wow! Unser Eric wird doch nicht endlich einmal monogam werden, oder?"

Er zwinkerte ihr zu: "Abwarten und Tee trinken, Cal."