Kapitel 4: Erste Niederlagen?

Harry flog zum Schloss, unglaublich erleichtert, dass seine Eulensinne ihm verrieten, dass Minerva da war. Er flatterte zu ihrem Bürofenster und war frustriert, als er bemerkte, dass es geschlossen war. Er schlug schnell mit seinen Flügen, um seinen Schwung zu drosseln und nicht in das Fenster zu krachen. Er landete auf dem steinernen Fenstersims und entdeckte sie an ihrem Schreibtisch, als er sich vorlehnte, um mit seinem Schnabel gegen das Glas zu klopfen.

Sie schaute hoch, stand langsam von ihrem Platz auf und ging dann zum Fenster. Harry wollte ihr zurufen, dass sie sich beeilen sollte, aber ein Kreischen war alles, was er herausbrachte. Als sie das Fenster öffnete, flog Harry schnell in den Raum hinein und verwandelte sich.

„Die neuen ..."

Minerva schrie erschrocken auf, drehte sich zu ihm um und richtete ihren Zauberstab auf ihn.

„Um Merlins Willen, ich bin's, Harry", erklärte er. Er strich die Haare, die seine Narbe verdeckten, beiseite, um es zu verdeutlichen. „Ich habe zwei Animagusgestalten, aber wir haben dafür jetzt keine Zeit. Die neuen Muggelgeborenen werden angegriffen. Jetzt."

Ihre Augen wurden größer, als er sprach, und sie hielt sich eine Hand an die Brust.

„Du musst den Orden mobilisieren, aber gib mir zuerst ihre Wohnorte."

„Ich habe eine Liste ihrer Adressen, aber ich verstehe nicht, wie das helfen könnte", erwiderte sie.

„Ich nehme an, dass dir Legilimentik bekannt ist", fragte Harry unruhig.

„Ich habe davon gehört", erwiderte sie bedeckt.

„Wenn du an die Wohnorte denkst, insbesondere wohin du appariert bist und an die Umgebung der Häuser, kann ich sie schnell in deinen Gedanken sehen", erklärte Harry eilig. „Ich weiß, dass es kein angenehmer Gedanke ist, jemanden in deinem Kopf zu haben, aber diese Familien sind wehrlos und ich kann zu ihnen gehen, lange bevor der Orden bereit ist."

Sie nickte zitternd und Harry holte tief Luft. „Du musst die Besuche in den Vordergrund deiner Gedanken bringen. Die Erinnerungen müssten alle miteinander verbunden sein. Es sollte also einfach sein, sie schnell durchzugehen. Bereit?"

Als sie zögernd nickte, schaute Harry ihr in die Augen und flüsterte das Wort: „Legilimens."

Szene nach Szene von Treffen mit verängstigten und verwirrten und neugierigen Muggeln und Muggelgeborenen spielten sich vor ihm ab. Er verbrachte kaum mehr als ein paar Augenblicke in jeder Erinnerung, bevor er sich der nächsten zuwandte, gerade genug Zeit, um sicher zu sein, dass er die Wohnorte finden konnte.

Als die letzte Erinnerung verblasste, verschwand er aus ihren Gedanken und nahm sich einen Moment, um sich von der plötzlichen Informationsflut zu erholen. Minerva sah noch immer etwas benommen aus. Daher trat er vor und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Ihr Blick konzentrierte sich auf ihn: „Ich werde in der Reihenfolge, die du mir gezeigt hast, vorgehen. Lass den Orden also nach Möglichkeit von der anderen Richtung aus anfangen."

Sie nickte zittrig und fand schließlich ihre Stimme wieder: „Sei vorsichtig, Harry."

Harry nickte. „Danke." Damit schritt er zurück zum Fenster und sprang hoch, um sich auf den Fenstersims zu setzen. Er schaute zurück und erwiderte einen Moment lang Minervas Blick, bevor er sich wieder in eine Eule verwandelte und aus dem Fenster flog. So schnell er konnte näherte er sich den Schultoren. Er landete direkt außerhalb der Schlossländereien und apparierte zu der ersten Adresse.

Sobald er erschien, wusste er, dass niemand magisches in der Umgebung war. Hoffend, dass die Familie einfach nicht zu Hause war und er nicht zu spät war, disapparierte Harry sofort und erschien beim nächsten Haus. Er spürte eine magische Präsenz und war sich ziemlich sicher, dass sie zu einem zukünftigen Hogwartsschüler gehörte und nicht zu einem Todesser.

Sobald er zum nächsten Haus appariert war, wusste er jedoch, dass es hier Schwierigkeiten gab. Er konnte fünf magische Personen im Haus fühlen und dazu noch Zauber, die geworfen wurden. Er sprintete zum Haus und desillusionierte sich, als er durch die ruinierte Vordertür eintrat.

Er schlich sich durchs Foyer, darauf bedacht, nicht auf Glasscherben oder zerbrochene Einzelteile von etwas, das wohl einmal eine Vase gewesen war, zu treten. Er eilte in den Raum, wobei er Zauber auf die schwarzberobten Gestalten warf. So vertieft waren sie in die Folter, dass keiner von ihnen auch nur die Zauber bemerkte, bevor sie auf ihr Ziel trafen. Sie fielen von den Schockzaubern getroffen jeweils zu zweit zusammen zu Boden und Harry löste den Desillusionierungszauber, als er die Szene vor sich musterte.

Die zwei Erwachsenen standen mit benommenen Gesichtsausdrücken bei ihrem schluchzenden Kind. Harry japste auf, als er das Kind richtig sah. Es war blutüberströmt und, von ihren Winkeln zu urteilen, waren seine Arme gebrochen. Als er das Blut sah, dass an den Händen der Eltern klebte, hatte Harry eine ziemlich gute Idee, was hier passiert war.

Harry trat vor und sagte: „Wir müssen ihn in ein Krankenhaus bringen."

Die beiden Erwachsenen schreckten auf und schauten zu Harry. Ihr Blick wanderte langsam zu ihrem Sohn. Harry konnte sehen als sie es realisierten. Zuerst der Vater, dann die Mutter erblassten bei dem Zustand ihres Kindes und Harry konnte in ihren Augen sehen, dass sie sich genau daran erinnerten wie das Kind in solch einen Zustand versetzt worden war.

„Ich werde Sie zu St. Mungo, ein Zaubererkrankenhaus, bringen", informierte Harry sie, schnappte ein blutbeflecktes Kissen und flüsterte: „Portus." Es leuchtete einen Moment lang blau, bevor es wieder eine normale Färbung annahm. „Was hier passiert ist, war nicht Ihre Schuld", sagte er den Eltern, wissend dass die Worte in ihren Ohren noch leerer klingen mussten als in seinen. „Nehmt das Kissen und geht in die Hocke, um es an die Brust eures Sohnes zu pressen."

Die Eltern gehorchten wie im Tran und sobald sie in der richtigen Position waren, machte Harry eine Handbewegung und sagte: „Aktivieren." Die drei verschwanden in einem Farbenwirbel und Harry blickte kurz auf die gefallenen Todesser. Er rief ihre Zauberstäbe zu sich und zerbrach alle vier mit einem schnellen Schneidezauber. Er warf die Überreste voller Abscheu zu Boden und fesselte die berobten Zauberer mit einem Strick, bevor er zum nächsten Haus apparierte.

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„Von zehn Muggelfamilien wurden fünf angegriffen. Zwei der Familien waren verstorben, bevor Hilfe sie erreichte. Zwei Familien sind derzeit in St. Mungos: eine mit schwerwiegenden Verletzungen am Kind, von dem erwartet wird, das es vollständig genesen wird, und eine mit zwei Erwachsenen und drei Kindern, die sich vom Cruciatusfluch erholen. Der Vater der letzten Familie wurde während des Angriffs getötet, doch der Rest der Familie war größtenteils unverletzt."

Minerva behielt ihre Emotionen fest im Griff, als Kingsley berichtete. Sie fühlte sich für die Opfer verantwortlich, da sie persönlich diese Familien besucht hatte. Trotz der Angriffe auf die derzeitigen Schüler hatte sie nicht die Gefahr bedacht, in welcher sich die neuen Erstklässler, insbesondere die Muggelgeborenen, befanden. Sie hätte es kommen sehen sollen; schließlich war sie dazu gezwungen, eine Liste von allen neuen Muggelfamilien, die von der Zaubererwelt erfuhren, im Ministerium einzureichen. Es war notwendig, so dass das Ministerium alle magischen Personen im Land registrieren konnte. Zweifellos war ein Agent von Du-weißt-schon-wer einfach hineinspaziert und hatte eine Kopie der Liste gemacht.

Ihre Nachlässigkeit hatte heute neun Personen ihr Leben gekostet und viele andere erholten sich im Moment von den Verletzungen, die sie sich bei den Angriffen zugezogen hatten.

Nachdem Kingsley wieder an seinen Platz zurückgekehrt war, schaute sie ernst über den ganzen Tisch hinweg. „Welche Maßnahmen werden ergriffen, um zukünftige Angriffe auf diese Familien zu verhindern?", fragte sie nun den schweigenden Orden.

Nymphadora blickte finster, während Kingsley auf seinem Stuhl hin- und herrutschte, sich räusperte und sagte: „Das Ministerium hat den Familien Broschüren gegeben ..."

„Was machen wir," unterbrach Minerva „um zukünftige Angriffe zu verhindern?" Sie schaute Albus bei dieser Frage hart an.

„Uns fehlen die Ressourcen, um ihre Heime ausreichend zu beobachten", sagte Albus müde. „Du wirst dich daran erinnern, wie schwer es in den vergangenen Jahren war, nur für Harrys Haus Beschützer zu arrangieren. Bill, Alastor und ich werden jedoch", fügte er hinzu, als Minerva den Mund öffnete, um etwas zu sagen „jedes Zuhause besuchen und einige einfache Schutzzauber auf sie legen, um uns auf zukünftige Angriffe aufmerksam zu machen."

Sie nickte beifällig mit dem Kopf und drehte sich um, als Nymphadora sich zu Wort meldete. „Vielleicht sollten wir uns an Harry ein Beispiel nehmen und sie mit Portschlüsseln ausstatten."

„Portschlüssel sind unter der strikten Regulierung vom Ministerium ", warnte Albus. „Ich weiß nicht, wo Mr. Potter diese Fähigkeit erlernte, aber sollte das Ministerium jemals von seiner Beteiligung an ihrer Kreation erfahren, wird er sich einer Anklage stellen müssen."

„Mit allem nötigen Respekt, Albus", unterbrach Remus, „wir sind kaum eine vom Ministerium genehmigte Gruppe. Der einzige Grund, warum der Orden existiert, ist, weil das Ministerium unfähig und unwillig ist, die notwendigen Schritte zu tun, um seine Bürger zu beschützen und Du-weißt-schon-wers Truppen zu bekämpfen."

„Der Junge hat Recht", stimmte Alastor schroff zu. „Krieg ist nicht die Zeit für halbherzige Maßnahmen. Gib ihnen Portschlüssel und es ist eine Sache weniger, um die wir uns Sorgen machen müssen. Ich würde gerne wissen, was Potter sich sonst noch hat einfallen lassen." Er wandte seine Aufmerksamkeit zu Minerva und fragte: „Irgendeine Idee, wie er überhaupt von den Angriffen erfahren hat?"

Minerva schüttelte langsam den Kopf, als sie ihr kurzes Aufeinandertreffen in ihrem Kopf noch einmal abspielte: „Nein, ich war ziemlich über sein Auftauchen und die Neuigkeiten, die er brachte, geschockt. Ich habe nie daran gedacht, ihn zu fragen, wie er von den Angriffen erfuhr."

„Wenn ich darf", meinte nun Albus. „Ich denke, es ist wahrscheinlich, dass dies ein weiterer Fall ist, in dem Harry möglicherweise eine - wie von ihm genannte - Vision über Voldemorts Vorhaben hatte." Das stimmte mit ihren Gedanken überein und so nickte sie zusammen mit einigen anderen in stummer Zustimmung mit dem Kopf. „Wenn wir bereits über unseren jungen Harry reden: ich glaube, dass einige derjenigen, die ausgeschickt wurden, um die Zuhause der muggelgeborenen Schüler zu schützen, mit ihm in Berührung gekommen sind."

Die Wortwahl und der Tonfall machten deutlich, dass dies eine Aufforderung für einen Bericht über ihre Interaktionen mit Harry waren und Minerva musste ein Aufseufzen unterdrücken über Albus' Widerwille, diese Sache ruhen zu lassen.

Hestia Jones sprach zuerst. „Er apparierte zu dem Haus, das ich bewachte", sagte sie. „Er hat mich sofort entdeckt, nickte mir zu und disapparierte."

Albus nickte und drehte sich zum Rest des Ordens. Kingsley redete weiter: „Potter erschien während Tonks, Remus und ich gegen die Todesser kämpften. Er half uns und disapparierte, sobald die Todesser mithilfe von Portschlüsseln verschwanden. Ich glaube nicht, dass er etwas Besonderes sagte, mit der Ausnahme vielleicht von einer Warnung während des Kämpfens." Tonks und Remus bestätigten beide diesen Bericht.

Dädalus Diggle berichtete von seinem Zusammentreffen mit Harry, das beinahe identisch zu dem was Hestia erzählte war. Bill Weasley räusperte sich und sagte: „Wie ihr wisst, war das Haus, zu dem ich ging, bereits angegriffen und die Todesser unschädlich gemacht worden. Meine Schwester war bei der Familie, als ich ankam und sie disapparierte nach einem kurzen Wortwechsel." Seine Stimme war voller Schmerz, als er dies erzählte, aber er hatte seine Gefühle gleich wieder im Griff und fuhr fort: „Harry erschien später und schien überrascht, mich dort zu sehen. Wir redeten kurz, vor allem über Ginny, bevor er ging."

Minerva war froh, dass Molly für diesen Bericht nicht anwesend war, da sie wusste, dass die Neuigkeiten über ihre Tochter sie in einer schlechten Verfassung zurückgelassen hätte. Sie fühlte sich sofort schuldig, konnte die Erleichterung aber nicht leugnen. Sie beneidete Bill nicht um seine Rolle, die Neuigkeiten Molly berichten zu müssen.

Eine Stille legte sich nach Bills Bericht über die Gruppe. Schließlich fragte Albus an Bill gewandt: „Darf ich fragen, wie deine minderjährige Schwester disapparieren konnte, ohne die Aufmerksamkeit des Ministeriums auf sich zu ziehen?"

„Äh", stammelte der älteste Weasleyjunge. Ein nachdenklicher Gesichtsausdruck tauchte auf seinem Gesicht auf und Minerva hatte den Eindruck, als hätte er dies bisher nicht bedacht. Sie hatte wenig Zweifel, was seine Antwort sein würde und wurde nicht enttäuscht, als er antwortete: „Sie disapparierte zauberstablos."

„Du bist dir sicher?", fragte Albus.

„Ja", sagte er und nickte. „Sie hat mich verhext, bevor sie ging. Ich habe nicht darüber nachgedacht, aber sie hat nie ihren Zauberstab gezogen."

„Ginny hat dich verhext?", fragte Tonks und lehnte sich vor, um besser zu Bill schauen zu können. „Was hast du gemacht?"

Bill sah bemerkenswert unbehaglich aus und Albus räusperte sich, bevor er antworten konnte. „Während ich keinen Zweifel habe, dass die Umstände hinter Miss Weasleys Handeln eine exzellente Geschichte abgeben würden, ist es vielleicht besser, sie zu einer anderen Zeit zu erzählen. Nun, um wieder zur Sache zurückzukommen ..."

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„Harry Potter wohnt im Elsternweg 165." Er wartete einen Moment, bevor er sah, wie ihre Augen größer wurden. Er lächelte breit und mit einer Handbewegung zum Haus hin sagte er: „Willkommen in meinem Zuhause."

„Wie hast du es verdammt noch mal geschafft, den Fidelius über das Haus zu legen?" Es war ein Beweis ihres Schocks, dass sein Zwilling nichts hinzuzufügen hatte.

„Ich habe es seit dem letzten Sommer geplant", antwortete Harry, als er sie in das Haus führte. „Und es gab einige Bücher im Verlies meiner Familie über das Thema. Ich führe euch nachher herum, aber im Moment wartet Gin auf uns." Er führte sie in den neuen Trainingsraum.

Einer der Zwillinge pfiff anerkennend, während der andere meinte: „Du hast dich wirklich nicht zurückgehalten, oder?"

„So ist es", sagte nun Ginny mit einem schiefen Grinsen. Das Lächeln verschwand aber schnell von ihrem Gesicht, als sie hinzufügte: „Unser Bruder ist ein richtiger Arsch."

„Bill?"

„Oder Charlie?"

„Bill", spuckte Ginny.

Harry zuckte mit den Schultern, als die Zwillinge ihn fragend ansahen. „Wir hatten beide eine kleine Konfrontation mit ihm", erklärte er. „Er war nicht sonderlich von der derzeitigen Situation begeistert."

„Sein innerer Percy ist herausgekommen, das ist es, was passiert ist", schmähte Ginny. „Du kannst nicht mit deinem Freund zusammenleben, Ginny; es ist unangemessen", machte sie sich lustig. „Was denkst du dir dabei, dich so an den Kämpfen zu beteiligen? Du bist zu jung! Blöder Idiot!"

„Unnötig zu sagen, dass sie nicht beeindruckt war von dem, was er zu sagen hatte", fügte Harry hilfreich hinzu und verdrehte die Augen.

Die Zwillinge grinsten ihn an, bevor sie sich zu Ginny wandten: „Er hat uns letzte Woche dieselbe Ansprache gehalten."

„Das hat er. Er ist gekommen, um zu fragen, ob wir irgendeine Idee haben könnten, was ihr zwei macht."

„Er schien sehr über eure derzeitige Wohnsituation besorgt zu sein."

„Und über die Möglichkeit, dass du dich zusammen mit dem jungen Harry hier in den Kämpfen involvieren könntest."

„Er schien zu glauben, dass wir ..."

„... als deine immer besorgten Brüder ..."

„... uns die größte Mühe geben sollten, ihm in seinem großen-Bruder-Gehabe zu helfen."

„Er und Charles waren ziemlich verblüfft, als alles gesagt war."

„Selbst der kleine Ronnikins hat sich an dem Spaß beteiligt."

„Das hat Ron gemacht?", fragte Harry nach.

„Oh ja", erwiderten sie gemeinsam.

„Ich glaube, seine Worte waren ..."

„Es gibt keinen, dem ich mehr mit Ginny vertrauen würde als Harry."

„Nur zu wahr, mein lieber Zwilling."

Harry zog überrascht seine Augenbrauen hoch. Um ganz ehrlich zu sein hatte er sich keine großen Gedanken gemacht, was Rons Reaktion auf alles, was seit dem Ende des Schuljahres passiert war, sein würde. Ihre Freundschaft war nach dem recht furchtbaren ersten Semester am Heilen gewesen, aber er hatte bisher in diesem Sommer nicht viel Zeit gehabt, um inne zu halten und nachzudenken. Die Angriffe passierten in solch einer Häufigkeit und seine Tage waren mit Training und Lernen vollgestopft. Dass Ron die Situation guthieß überraschte ihn ziemlich und gab ihm Hoffnung, dass die Dinge mit seinem ersten Freund ins Reine kommen würden.

„Das macht wenigstens einen Bruder, der es geschafft hat den Kopf aus dem Arsch zu ziehen", murmelte Ginny bitter.

Harry wusste nicht, ob er darüber amüsiert oder besorgt sein sollte, wie stark Bills Worte auf sie wirkten. Er hatte erwartet, dass ihre Laune inzwischen besser sein würde. Einige seiner Gedanken mussten auf seinem Gesicht geschrieben stehen, denn Fred nahm ihn zur Seite, während George Ginny ablenkte: „Ginny und Bill sind sich sehr nahe gestanden, bevor er nach Ägypten gegangen ist. Sie hat ihn immer vergöttert. Wenn einer von uns so etwas gesagt hätte, hätte sie uns verhext und weitergemacht. Von Bill jedoch trifft sie der Verrat härter."

Harry nickte nachdenklich. Das machte Sinn, nahm er an. Es war nicht so, als ob er viel Erfahrung mit der ganzen Familiendynamik hatte, aber er nahm an, dass es vergleichbar war wie seine Gefühle für den Schulleiter letzten Sommer sich verändert hatten. Während er nicht daran zweifelte, dass Dumbledore ihn mochte - so wie er wusste, dass Bill Ginny liebte- hatten Dumbledores fehlendes Vertrauen und Glaube in ihn Harry dennoch verletzt. Er nahm an, dass es schlimmer für Ginny war, da Bill Familie war und weil sie sich noch immer von den Geschehnissen, die ihre Eltern sich vor ein paar Wochen erlaubt hatten, erholte.

„Lasst uns anfangen, ja?", meinte Harry schließlich.

Harry schonte die Zwillinge und Ginny nicht. Er kämpfte gegen alle drei zusammen oder ließ sie nacheinander gegeneinander kämpfen. Nach ein paar Duellen - Harry hatte Fred und George gerade unschädlich gemacht und wandte seine volle Aufmerksamkeit nun Ginny zu - fühlte er, wie zwei neue Präsenzen in seinem Vorgarten auftauchten. Seine kurze Ablenkung musste er beinahe bezahlen, doch er duckte sich schnell, um einem Schockzauber auszuweichen und errichtete eilig einen Schild, um den Ansturm von Flüchen, die seine grinsende Freundin auf ihn sandte, abzuwehren.

Er entschied sich, eine neue Taktik zu verwenden und drückte sein Schild zu Ginny hinaus. Er sah, wie ihre Augen größer wurden, als ihre Zauber immer näher an ihre ausgestreckten Hand zurückreflektierten. Sie wich zur Seite aus und schaute kurz von ihm weg, um zu sehen, wie sein Schild sich dort ausbreitete, wo sie gerade noch gestanden war und ohne erkennbare Wirkung auf die Wand traf. Sie konnte sich von ihrem eigenen Moment der Ablenkung nicht erholen, denn sein Incarceruszauber fesselte sie für ihn, als er zu ihr schritt.

„Jetzt habe ich dich genau dort, wo ich dich haben will", neckte Harry, während er gleichzeitig einen Schutzzauber gegen den Schockzauber errichten musste, den sie mit einer Bewegung aus dem Handgelenk auf ihn warf. „Ah, ah, so nicht, mein Liebling", sagte er mit einem Lächeln, als er sich zu ihr hinunterbeugte und sie auf den Mund küsste. „Wir haben Gesellschaft", meinte er, als er sie von ihren Fesseln befreite. Zwei Ennervates brachte ihre Brüder wieder zur Besinnung und Harry trat heraus, um seinen Besuchern entgegenzugehen.

„Remus, Tonks",grüßte er, als er das Wohnzimmer betrat.

„Hallo, Harry", erwiderte Remus zur selben Zeit wie Tonks.

Ginny trat ein, kurz darauf von Fred und George gefolgt und Begrüßungen wurden ausgetauscht.

„Was bringt euch beide hier her?", fragte Harry, als sie sich alle gesetzt hatten.

„Nun, zuerst einmal wolltest du glaube ich sehen, wie Ginny in einem Duell gegen Tonks zurechtkommt", erwiderte Remus, während Tonks neben ihm so tat, als würde sie ihre Nägel an ihrem Oberteil polieren.

„Oh, das müssen wir sehen", sagten die Zwillinge im Chor.

Harry verdrehte die Augen und drehte sich mit einem Lächeln zu Ginny. „Ich muss zugeben, dass ich mich ebenfalls darauf freue, wenn auch vielleicht aus ganz anderen Gründen."

„Ich bin bereit, sobald du es bist", meinte Ginny an Tonks gewandt.

„Warum habe ich das Gefühl, dass das Ganze eine abgekartete Sache ist", wollte Tonks an den Raum im Allgemeinen gewandt wissen.

Remus brach in Gelächter aus und stand auf, wobei er Tonks ebenfalls auf die Füße zog. „Du bist eine ausgebildete Aurorin; du solltest keine Probleme mit einer Hogwartsschülerin haben."

„Sehr lustig, wenn man bedenkt, dass ein Hogwartsschüler hier in diesem Raum ist, der uns wahrscheinlich alle zusammen fertigmachen könnte", erwiderte sie trocken.

Remus zuckte mit den Schultern und führte Tonks in den Duellierraum. Harry und die Weasleys folgten hinter ihnen und Remus drehte sich zu ihm um: „Du hast wirklich keine Mühen gescheut, Harry."

„Kein Witz", murmelte Tonks. „Ich verstehe nicht, wo du die Zeit oder die Fähigkeit herbekommst, solche Dinge zu bewerkstelligen."

„Nichts motiviert dich so wie ein irrwitzig mächtiger Dunkler Lord, der deinen Mord akribisch plant.", meinte Harry mit einem sarkastischen Unterton.

„Kein Witz", wiederholte Tonks, als sie ihre Roben auszog und sie Remus reichte. Harry prustete, als er ihr T-Shirt sah. Ein Wolf heulte zu einem Vollmond und darüber stand die Überschrift: „Ich ziehe den Wolfstyle vor".

„Ich wette, dass du das tust", sagte Harry, als sie ihn angrinste.

Tonks zwinkerte ihm zu, bevor sie sich zu Ginny umdrehte und sagte: „Dann zeig mir, was du drauf hast, Feuerschopf."

„Oh, das hättest du nicht sagen sollen", warnte Fred.

„Die kleine Gin-Gin hat Spitznamen nie gemocht.

„Ist es nicht so, Ginnykins?

„Besonders welche mit Feuer."

„Feuerfisch."

„Feuerameise"

„Feuerkrabbe."

„Feuergoldwespe."

„Feuerschritt."

„Fred!" schimpfte Ginny mit vor Schock weitaufgeklappten Mund.

„Siehst du, was ich meine?", sagte George mit einem lauten Flüstern, während Harry sein Lachen kaum zurückhalten konnte. Ginnys Gesicht währenddessen nahm eine feuerrote Färbung an.

„Wie dem auch sei, " unterbrach Harry und versuchte heldenhaft, eine unbewegte Miene aufrecht zu erhalten - und seine Gedanken davon abzuhalten, in verbotenes Terrain abzuschweifen. „Sollen wir anfangen?"

Die Zwillinge kicherten weiter, folgten Harry und Remus aber folgsam in eine Ecke, als die Mädchen sich bereit machten.

Die Beiden begannen langsam und testeten die Verteidigung der anderen, als sie sich wie zwei Raubtiere umkreisten, die um Dominanz kämpften. Es war, als wäre ein Schalter umgelegt worden, als plötzlich beide Mädchen angriffen. Die Zauber wurden in unglaublicher Schnelligkeit geworfen, und während Harry nicht anders konnte als zu bemerken, wie sehr Ginny sich in den letzten Wochen verbessert hatte, war er über Tonks Vorstellung umso überraschter. Er hatte sie schon im Kampf erlebt, aber er hatte noch nie die Gelegenheit gehabt, ihr beim Duellieren zuzuschauen. Die Tollpatschigkeit, an der sie normalerweise litt, verschwand vollständig, als sie sich mit einer fließenden Anmut bewegte, von der nur wenige behaupten konnten, sie zu besitzen. Ginny war glücklicherweise eine von diesen wenigen, und die Vorstellung, die nun folgte, war beinahe atemraubend – und- wie Harry sich gegenüber sich selber zugab- etwas erregend.

Er zwang solche Gedanken jedoch aus seinem Kopf und konzentrierte sich auf den Kampf und Ginnys Leistung. Als der Kampf fortdauerte, konnte er sehen, dass Ginny sich langsam behauptete. Tonks begann zu ermüden, während Ginny sich unermüdlich duckte, auswich und die Aurorin angriff. Während Ginny noch immer damit kämpfte, zwei verschiedene Zauber gleichzeitig zu werfen, hatte sie das gleichzeitige Werfen gemeistert und benutzte es zu ihrem Vorteil, um Tonks zu zermürben, bis ihr Schild schließlich versagte. Sie schaffte es, einem Zauberhagel auszuweichen, aber ihre Müdigkeit ließ sie langsamer werden und sie fiel einem Schockzauber zum Opfer.

Ginny stoppte, Zauber zu werfen und beugte sich vor, die Hände auf die Knie abgestützt, während sie schwer atmete und keuchte, als sie versuchte, zu Atem zu kommen. Harry drehte sich um und sah drei ungläubige Gesichter. Schließlich schien Remus sich aus seinem Schock reißen zu können und erwiderte für einen Moment lang Harrys Blick, bevor er ihm kurz zulächelte und zunickte. Die beiden traten zusammen vor und während Remus schnell zu Tonks ging, lief Harry zu Ginny.

„Du warst brillant", meinte Harry.

Ginny richtete sich auf und schaute ihm in die Augen und er sah, wie ein Lächeln sich auf ihre Lippen legte. „Ich habe es geschafft", flüsterte sie. Harry lächelte und öffnete die Arme, als sie sich auf ihn warf und wiederholte: „Ich habe es geschafft."

„Das hast du", murmelte Harry in ihr Haar. Er war unglaublich stolz auf sie, aber besorgt. Er tat sein bestes, um die aufkeimende Angst zu unterdrücken, als er sie fester an sich presste. „Ich wusste, dass du es kannst."

„Ich würde dich fragen, wo du so zu kämpfen gelernt hast", unterbrach Tonks sie, als sie zu ihnen hinüberging, Remus an ihrer Seite. „ Aber ich habe das Gefühl, dass ich bereits die Antwort darauf kenne."

Harry verdrehte die Augen und Ginny löste sich aus seinen Armen, um zu ihr schauen zu können. „Harry ist ein sehr guter Lehrer", lobte sie und drückte seine Hand.

„Kein Zweifel", stimmte Tonks mit einem Augenzwinkern zu. „Ich werde ihn wohl zum Ministerium mitnehmen müssen, um den Auroren ein paar Tipps zu geben."

„Nee", widersprach Harry mit einem Kopfschütteln. „Wir wollen ja nicht meine Geheimnisse verraten. Man weiß nie, wann ich sie gegen die Auroren verwenden muss."

„Wie wahr", stimmte Tonks mit gerunzelter Stirn zu.

„Wo sind Fred und George hingegangen?", wollte Ginny wissen und Harry schaute sich im Raum um, nur um zu sehen, dass sie nicht länger da waren.

Er erwiderte einen Moment lang Ginnys Blick, bevor sie beide zur Tür liefen. Er hörte ein leises Lachen hinter sich, aber er achtete nicht darauf. Er mochte Fred und George, aber er vertraute ihnen nicht unbedingt, unüberwacht in seinem Haus zu sein. Sie fanden das Duo leise miteinander redend vor seiner Karte stehend. Als sie bemerkten, dass sie nicht länger alleine waren, drehte das Paar sich zu ihm um.

„Nette Karte, die du da hast", meinte einer von ihnen trocken.

„Nun, wo habe ich schon einmal so eine wie diese gesehen, frage ich mich", überlegte der andere laut.

Harry schüttelte den Kopf. „Wird das wohl die Karte sein, die ihr mir in meinem dritten Schuljahr gegeben habt?", fragte Harry, der sich entschieden hatte, mitzuspielen.

„Ah, ja!"

„Das ist sie!"

„Es werden nur ein paar Menschen hier verfolgt."

„Ja. Nun, die Rumtreiber haben es geschafft, einen Weg zu finden, ihre Karte in die Schutzzauber von Hogwarts einzubinden. Es wäre beinahe unmöglich, dass irgendwo anders kopieren zu wollen. - zumindest ohne zuerst einige ausufernde Schutzzauber zu errichten."

„Kein Scherz."

„Wir haben uns immer gefragt, wie es funktionierte."

„Wir haben nie geschafft, so etwas zu kreieren."

„Das hilft zu verstehen, warum."

„Geht und fragt Remus, wenn ihr Details haben möchtet", erinnerte Harry sie.

„Später, aber im Moment sind wir viel mehr an dieser Karte interessiert."

„So ist es. Wie konntest du sie dazu bringen, bestimmte Menschen zu zeigen?"

„Ein unterschriebener Vertrag?"

„Beinahe", erwiderte Harry. „Es ist tatsächlich in die Portschlüssel gewoben, die ich allen meinen Schülern am Ende des Schuljahres gegeben habe. Sobald sie den Portschlüssel berührten, waren sie mit ihm verbunden, was mir erlaubt, sie auf der Karte zu sehen und sie alarmiert mich, sobald einer der Portschlüssel verwendet wird. Technisch gesehen könnten sie den Portschlüssel jemand anderen geben, aber er würde immer mit dem Namen der ersten Person, die ihn berührt hat, auftauchen. Es wäre zu verwirrend, wenn der Name auf der Karte jedesmal wechseln würde, sobald jemand neues ihn berührt."

„Hast du jemals daran gedacht, es in die entgegengesetzte Richtung anzuwenden?", wollte Fred wissen.

„Was meinst du?", fragte Harry.

„Nun, ist Hautkontakt nötig?"

„Um den Namen auf das Papier zu bekommen, ja", erwiderte Harry.

„Nun, lass uns uns im Moment um die Namen keine Sorgen machen."

„Wenn du draußen bist und gegen Todesser kämpfst ..."

„... Damen in Nöten befreist ..."

„... den Tag rettest ..."

„... möchtest du vielleicht ein paar Peilsender auf einige Todesser positionieren."

„Sie gehen dorthin, wo die Todesser gehen ..."

„... und ganz plötzlich weißt du, wo die Todesser hingehen."

Harry war stumm vor Staunen, als er die Zwillinge anstarrte.

„Das ist brillant", rief Tonks aus. „Wir könnten endlich den Kampf zu den Todessern bringen statt nur auf jeden neuen Angriff zu reagieren."

Harry schüttelte den Kopf. „Wieso bin ich da nicht drauf gekommen?", murmelte er zu sich selbst.

„Du kannst nicht an alles denken", flüsterte Ginny ihm leise zu und legte einen Arm um seine Hüfte, um ihn an sich zu drücken.

Harry räusperte sich, um die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen. „Sie funktionieren nicht durch Antiverfolgungsschutzzauber, daher werden wir wahrscheinlich kein großes Todesserhauptquartier finden oder etwas in der Art, aber selbst wenn wir einen nach dem anderen besiegen können, würde das viel gegen ihre Streitmacht helfen."

„Wir könnten Glück haben", fügte Remus hinzu. „Reinblüter können bemerkenswert arrogant sein. Manchmal können sie die offensichtlichsten Formen der Verteidigung übersehen, da es ihnen nicht in den Sinn kommt, dass sie es jemals brauchen könnten."

Harry zuckte mit den Schultern und sagte nur: „Vielleicht." Er schüttelte den Kopf, um diesen frei zu bekommen und wandte sich an die Zwillinge. „Solange wir beim Thema sind - wartet mal", sagte er und rannte schnell aus dem Raum und in sein Schlafzimmer. Er kam mit zwei Halsketten zurück und gab jedem der Zwillinge eine. „So. Sagt einfach Zuflucht, um sie zu aktivieren, und ihr und jeder, den ihr berührt oder der den Portschlüssel berührt, wird zu den Toren Hogwarts transportiert."

Zwei neue Namen erschienen auf der Karte, als das Paar sich ihre Portschlüssel umhing. „Äh - ich schätze, du hast nicht zufällig noch ein paar von denen rumliegen?", wollte George wissen.

„Ich habe noch ein paar zusätzliche", meinte Harry. „Warum?"

Die Zwillinge wechselten einen Blick, bevor sie nickten und sich wieder Harry zuwandten. „Nun, wir haben nur darüber nachgedacht ..."

„... Solange du sie herumliegen hast ..."

„... können wir sie genauso gut benutzen."

„Ah", sagte Harry. „Natürlich. Wie viele braucht ihr?"

„Einen für Angie ..."

„... und Katie ..."

„... und 'Licia ..."

„... und Lee ..."

„... zumindest."

Harry nickte, ging noch einmal hinaus und holte seinen ganzen Vorrat. „Das sind alle, die ich habe", sagte er ihnen, als er eine Box um die Portschlüssel herum heraufbeschwor. „Wenn ihr wollt, dass sie richtig funktionieren, berührt die Anhänger nicht selber. Ihr könnt die Bänder berühren, ohne etwas zu aktivieren."

„Danke Harry", sagten sie gleichzeitig.

„Lasst mich wissen, wenn ihr mehr braucht", antwortete er.

Nachdem die anderen gegangen waren, ging Harry mit Ginny zum Essen und für einen Film aus, angeblich um ihren Sieg über Tonks zu feiern. Ginny schwärmte nicht mehr ganz so stark nach ihrem zweiten Kinoerlebnis, aber sie lächelte noch immer über das ganze Gesicht nach dem Film. Als sie zu Hause ankamen, beschloss das Pärchen, früh zu Bett zu gehen, wobei Schlaf nicht sofort auf dem Plan stand. Wie es schnell zur Routine wurde, waren Harry und Ginny bereits in einem hitzigen Kuss verwickelt, bevor sie es überhaupt ins Schlafzimmer schafften. Harry drückte Ginny schließlich aufs Bett und sie kroch in die Mitte, wobei Harry ihr folgte. Er lag schließlich halb auf ihr, während sie das Küssen wieder aufnahmen und er mit einen seiner Hände an ihrer Seite entlangfuhr, während er die andere in ihren Haaren vergrub. Es wurde immer schwerer, in ihren abendlichen Aktivitäten inne zu halten, aber Harrys Kopf siegte immer. Diese Nacht war nicht anders. Schließlich, vollständig und frustrierend zufrieden, legte Harry seinen Arm um Ginny und hielt sie leicht an seinem Körper gedrückt, während sie beide einschliefen.

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„Erhebe dich, Severus", zischte er an die Gestalt gerichtet, die vor ihm kniete.

„Mein Lord", erwiderte sein Todesser, der aufstand, jedoch seinen Kopf gebeugt hielt. Er respektierte das an Severus; er kannte seinen Platz.

„Du weißt, warum ich dich hierhergerufen habe, nicht wahr?", fragte er. Er winkte ab, bevor sein Diener überhaupt über eine Antwort nachdenken konnte. „Es ist ein Spion unter uns und du bist in einer besseren Position als die meisten ..."

„Mein Lord, ich würde niemals ..."

„Unterbrich mich nicht, Severus", spuckte der Dunkle Lord. „Ich verdächtige dich nicht dieses Verrates, aber deine Position unter unseren Feinden gibt dir eine einzigartige Perspektive. Sag mir, was du denkst."

Er musterte seinen Diener eindringlich, als der Mann langsam seinen Blick hob. „Ich weiß von keinen Spionen unter Ihren Todessern, mein Lord. Ich weiß jedoch, dass keine anderen Spione Dumbledore Bericht erstatten."

„Du bist dir sicher?", wollte Voldemort wissen.

Severus nickte. „Sicher, mein Lord. Wie Sie wissen, haben Dumbledore und Potter sich entzweit. Wir wissen nicht, mit wem Potter zusammenarbeitet. Ich bin mir jedoch sicher, dass er Hilfe erhält. Er hätte nicht die Hälfte von dem, was er getan hat, alleine erreichen können. Zuvor vermutete Dumbledore, dass zwei Personen zusammenarbeiten, aber sobald einer als Potter offenbart wurde, wurden weitere Ermittlungen eingestellt. Ich glaube, wenn wir die zweite Person finden, könnte uns dies zu dem Verräter führen."

„Was ist mit dem Mädchen?", fragte er. „Könnte Sie die zweite Person sein?"

Severus schüttelte den Kopf. „Es wurden immer nur männliche Personen gesehen. Ich denke, es ist wahrscheinlich, dass Potter und der andere Zauberer die gleiche Tarnung verwendeten, um Verwirrung zu stiften. Ich nehme an, dass die Beteiligung des Mädchens eine neue Entwicklung ist."

„Ja", nickte Voldemort zustimmend. „Sie ist wahrscheinlich nicht fortgeschritten genug, um eine große Hilfe zu sein. Potter muss jemand älteres und besser informiertes gehabt haben, um so viel gelernt und erreicht zu haben, aber wer wäre in der Position gewesen, um zu helfen? War Potter mit einen der Schüler, die letzten Sommer von der Schule gegangen sind, befreundet?"

„Ich habe zugegebenermaßen nicht sehr auf Potters soziales Netzwerk geachtet", wich sein Diener aus. „Die einzigen Personen, die mir in den Sinn kommen, sind die, mit denen er Quidditch spielte: Wood, Johnson, Spinnet und die Weasley-Zwillinge. Die Weasleys sind die offensichtlichste Wahl angesichts seines Umgangs mit der Familie."

Voldemort dachte sorgfältig über diese Information nach. „Und haben sie die Fähigkeit, ihm zu helfen, so viel zu erreichen?"

Snape schüttelte den Kopf. „Sie sind zwei armselige Zaubererexemplare. Sie haben sich mehr um Streiche als um alles andere gekümmert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie für irgendjemanden eine Hilfe sein könnten."

„Dennoch", überlegte Voldemort. „Es lohnt sich, dem nachzugehen. Und den anderen ebenso. Gibt es sonst jemand, der ihm hätte helfen können?"

„Der Werwolf Lupin ist eine Möglichkeit", bot Snape an. „Es wäre nicht das erste Mal, dass er dem Jungen Privatunterricht gibt. Sein Aufenthaltsort während der Abwesenheiten des Jungens ist jedoch bekannt. Und da er im Hauptquartier wohnt, wäre er vermisst worden, wenn er zu oft abwesend gewesen wäre."

„Gibt es noch jemand anderes?", wollte er ein letztes Mal von seinem Diener wissen.

„Nicht soweit ich weiß, mein Lord."

Voldemort beäugte Snape einige Momente lang scharf, bevor er den Mann fortschickte.

OoOoOoOoOoOoOoO

Harry stöhnte beinahe laut auf, als er von einem besonders angenehmen und lebhaften Traum aufwachte. Er sog den Duft von Ginnys Haar in sich auf und zog ihren Körper fester an seinen, als er plötzlich mehrere Sachen feststellte. Es war keine Überraschung, dass er an diesem Morgen ziemlich glücklich aufgewacht war, aber er erstarrte, als er fühlte, wie Ginnys Hintern gegen ihn rieb - auf eine Weise, die gleichzeitig schön und unerträglich war. Außerdem erkannte er, als er Ginny näher zu sich zog, dass seine Hand etwas weiches, warmes und doch mit einem harten Punkt versehenes umschloss, und Ginnys eigene Hand lag über seiner und schien keine Anstalten zu machen, loszulassen.

Er war zu gleichen Teilen beschämt, verlegen und unglaublich erregt, wobei letzteres eine immer häufigere Angelegenheit wurde, umso weiter der Sommer fortschritt. Als Ginny zu ihm gezogen war, hatte er sich irgendwie nicht vorstellen können, welchen Effekt es auf ihn haben würde, sie die ganze Zeit so nahe bei sich zu haben, insbesondere wenn sie im Bett lagen. Sie hatten auf Hogwarts mehrmals das Bett geteilt, aber es war selten gewesen und es waren immer so viele andere Dinge gleichzeitig passiert, dass er nie innegehalten hatte, um zu sehen, wie wundervoll und frustrierend es sein konnte, ein Bett mit so einer wunderschönen Hexe zu teilen.

So sehr er ihre derzeitige Situation auch genoss - und das tat er -, fühlte er sich schuldig, einen Vorteil daraus zu ziehen, dass Ginny schlief. Es war nicht das erste Mal, das er aufwachte und sich in einer kompromittierenden Position an sie gepresst wiederfand, mit nichts als den dünnen Pyjamas, die sie voneinander trennten. Wie alle anderen Male versuchte er, seine Hüfte wegzubewegen, aber sie folgte seiner Bewegung und blieb fest an ihn gedrückt. Als nächstes versuchte er, seine Hand unter ihrer zu befreien, stellte aber fest, dass sie ihn gut im Griff hatte. Er sah kaum eine andere Alternative und versuchte daher, sie zu wecken, indem er sagte: „Ginny?"

„Mhmm?", erwiderte sie und Harry war sich nicht sicher, ob sie nur im Schlaf gestöhnt hatte oder ob sie wirklich wach war.

„Ginny?", versuchte er es wieder.

Ihre Hand schloss sich fester um seine und drückte seine Handfläche dadurch fester an ihre Brust, während sie sich weiter gegen ihn bewegte und Harry bemerkte, wie sein Verlangen die wenige Zurückhaltung, die er noch übrig hatte, überwältigte. „Liebe dich, Harry", flüsterte sie und Harry vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken und verteilte Küsse auf ihrer Haut.

„Ich liebe dich, Ginny." Als er weiter Küsse auf ihrem Nacken und Schulter verteilte, fühlte er, wie der Druck und der Genuss sich zu einem Crescendo aufbauten und er warnte: „Gin ..."

„Es ist okay", versicherte Ginny sofort, während sie sich weiter gegen ihn rieb.

Harry stöhnte auf, als er die köstliche Erlösung fühlte und zog Ginny näher zu sich. Sie schien zu verstehen, was passiert war, denn sie stoppte ihre Bewegungen und entspannte sich in seiner Umarmung. Als er von seinem Hochgefühl runterkam, fühlte Harry, wie Verlegenheit und Schuld in ihm hochkam. So sehr er es absolut geliebt hatte, was gerade passiert war, fühlte er auch Panik in sich aufsteigen. Er war immer darauf bedacht gewesen, Respekt zu zeigen und Ginny nicht zu drängen, und er fürchtete, was sie nun von ihm denken würde, nachdem was er gerade getan hatte. „Ginny ...", begann er, stockte aber, nicht wissend, wie er seine Zweifel laut aussprechen sollte.

Ginny ließ schließlich seine Hand los und drehte sich in seiner Umarmung um, um ihn anschauen zu können. Sie legte ihre Arme um ihn und küsste ihn leidenschaftlich, bevor sie ihm in die Augen schaute. „Es ist okay, Harry", versicherte sie ihm leise.

„Bist du dir sicher?", fragte er nach. Er hatte das Gefühl, als würde sein Kopf an diesem Morgen nur recht langsam arbeiten.

Sie lächelte ihn etwas schüchtern an und nickte. „Es ist nur natürlich. Ich meine, wir lieben uns, richtig?" Harry nickte, aber sie fuhr schon vor seiner zustimmenden Geste fort: „Es ist also nur natürlich, dass zeigen zu wollen."

„Ich weiß, dass du mich liebst", sagte nun Harry. „Du musst das nicht tun, um mir das zu beweisen."

„Ich weiß, dass ich das nicht muss", korrigierte sie. „Ich möchte es."

„Wirklich?", fragte Harry. Er konnte keinen Gedanken formen.

„Harry, Jungs sind nicht die einzigen, die Lust verspüren", sagte sie und kicherte, als er seine Augenbrauen hochzog. „Ehrlich", sagte sie und lehnte sich vor, um an seiner Unterlippe zu knabbern.

„Äh - möchtest du, dass ich - äh", stammelte er.

Ginny streckte ihre Hand aus, um ihm über die Wange zu streichen. „Ehrlich, nur der Gedanke lässt mich erschauern." Harry leuchtete praktisch bei dieser Aussage. „Aber ... ähm ...", Ginny errötete und begann zu stammeln, bevor sie sich sammeln konnte und sagte: „Vielleicht können wir da hinarbeiten?"

Harry lächelte breit. „Perfekt", versicherte er ihr und wurde mit einem weiteren Kuss von ihr belohnt.

Schließlich löste Ginny sich von ihm und rügte: „Aber jetzt auf mit dir. Nur weil du einen Orgasmus hattest, heißt das nicht, dass du dein Training vernachlässigen kannst."

Harry fühlte, wie sein Gesicht sich erhitzte, während er damit kämpfte, Ginnys frechen Blick erwidern zu können. „Äh ... mhm ..." Harry schluckte schwer und brauchte einen Moment, um seine Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. „Bin ich nicht sonst derjenige, der dich fürs Training aus dem Bett zerrt?"

Ginny schaute ihn nur mit einem schelmischen Grinsen an und zwinkerte ihm zu, als sie aus dem Bett sprang und zur Toilette ging. Harry sah ihr hinterher, ein breites Lächeln auf den Lippen, als seine Augen ihre wohlgeformten Beine entlangfuhren und auf ihren wiegenden Hüften liegen blieben, bis die Tür hinter ihr zufiel. Er atmete tief und langsam aus, bevor er die Decke zur Seite warf und aufstand. Als er an sich hinunterschaute, musste er eine Grimasse unterdrücken und machte eine Handbewegung, um einen sehr vorsichtigen Ratzeputz-putzzauber über seine Boxershorts zu werfen.

Es dauerte nicht lange, bis die beiden Seite an Seite durch den Park liefen und Harry merkte, wie sein Blick ständig zu dem wunderschönen Rotschopf neben ihm wanderte - sogar öfters als sonst. Was es schlimmer machte, war, dass Ginny es genauso sehr wusste wie er. Sie grinste ihn immer wieder wissend an und Harry fühlte, wie sein Gesicht sich erhitzte, was nichts mit seiner derzeitigen körperlichen Anstrengung zu tun hatte. Harry war es müde, verlegen zu werden und daher erwiderte er ihr wissendes Grinsen herausfordernd und musterte ihren Körper von oben bis unten, wobei er an ihrem Oberkörper hängenblieb und die Bewegung ihrer Brüste bei jedem ihrer Schritte genoss. Er schaute wieder in ihre Augen und erwiderte ihren Blick, wobei er sich einen letzten musternden Blick über ihren Körper erlaubte, während er eine Augenbraue suggestiv hochzog.

Ihr Gesicht nahm eine rote Färbung an und er lächelte über seinen Erfolg, ihr Spiel gegen sie zu wenden. Als sie sich vom Joggen langsam wieder abkühlend zum Haus zurückgingen, legte Harry einen Arm um Ginnys Rücken, seine Hand an ihre Seite und seine Finger an ihren Bauch gelegt. Harry genoss die Sanftheit ihres Körpers, mit dem leichten Hinweis auf harte Muskeln darunter. „Jemand fühlt sich heute aber anschmiegsam", kommentierte Ginny, während sie ihren eigenen Arm um seinen Rücken legte.

Harry schaute mit einem Lächeln zu ihr hinunter und zuckte mit den Schultern. „Kann ein Junge nicht seiner unglaublich schönen Freundin nahe sein wollen?"

Ginny leuchtete bei dem Kompliment und antwortete: „Natürlich kann er das. Nur, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich mich fragen, was der Anlass ist."

„Es ist nicht so außergewöhnlich, oder?", fragte Harry mit gerunzelter Stirn.

„Nein", gab Ginny zu. „Um ehrlich zu sein hat es mich überrascht, wie zuneigungsvoll du sein kannst."

„Mit anderen Worten hast du nur nach einer Entschuldigung gesucht, mich zu necken", folgerte Harry.

Ginny schubste ihn spielerisch mit ihrer Hüfte in die Seite. „Ich kann nicht anders. Außerdem starrst du mich immer an." Ihr spielerischer Tonfall verschwand ein wenig und Harry konnte etwas Verlegenheit oder vielleicht Unsicherheit hören, als sich ihre Wangen ein weiteres Mal rot färbten.

Er war sich nicht ganz sicher, was das eine mit dem anderen zu tun hatte, entschloss sich aber, es ruhen zu lassen. „Ich kann es nicht helfen", ahmte er sie nach, bevor er sie nach hinten beugte um ihr einen kurzen Kuss zu geben. Er drückte sie leicht, bevor sie weiterliefen.

Als sie zuhause ankamen, dehnte das Pärchen sich und begann sofort mit ihrem üblichen Workout. Harry unterbrach es allerdings, als er nicht widerstehen konnte, Ginny zu kitzeln, was in einem spontanen Ringkampf endete. Als Harry auf seinem Rücken liegend endete, mit Ginny die rittlings auf ihm saß, verlor er jeden Willen zum Kämpfen und statt sie von sich hinunterzuwerfen, zog er sie in einen ziemlich enthusiastischen Kuss zu sich. Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder mit ihrem Workout weitermachten.

Harry duschte nach ihrem Training als erstes, so wie es ihnen zur Angewohnheit geworden war, denn er war viel schneller fertig als Ginny. Nur mit einem Handtuch bekleidet küsste er Ginny, als sie an ihm an der Tür vorbeiging, Wechselklamotten in der Hand. Während sie duschte, zog Harry sich schnell an und begann mit dem Frühstück.

Als der Tag verging, begannen sie in ihre übliche Routine zurückzufallen, auch wenn Harry zugeben musste, etwas abgelenkter als sonst zu sein. Seine Blicke wurden jedoch weniger offensichtlich, daher schien zumindest Ginny sich besser auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Sie erwarteten die Zwillinge kurz nach dem Mittagessen, daher saßen sie nebeneinander auf dem Sofa, um auf ihre Ankunft zu warten.

Welche Fortschritte Harry auch immer während des Tages gemacht hatte, um sich wieder konzentrieren zu können, verpuffte schnell wieder, als er bemerkte, wie Ginny neben ihm sich immer wieder hin - und herbewegte, als könnte sie nicht zur Ruhe kommen. Wann immer er einen Blick zu ihr warf, schien sie tief in Gedanken versunken zu sein, die nichts mit dem praktisch vergessenen Buch zu tun zu haben schienen, das sie in der Hand hielt. Harry fürchtete, dass er wusste, wohin ihre Gedanken gewandert waren und fühlte die verspielten und zufriedenen Emotionen, die er mit seinem ganzen Ich gefühlt hatte, verschwinden angesichts ihrer offensichtlichen Zweifel.

Alle Gedanken an die Zwillinge und ihrer immer größer werdenden Verspätung waren aus seinem Kopf verschwunden, als Ginny sich räusperte. „Harry?"

Er wappnete sich innerlich auf das, was kommen würde und tat alles, um seine Stimme fest klingen zu lassen, als er fragte: „Was ist?"

Sie öffnete ihren Mund, zögerte dann aber und Harry versuchte einen geduldigen Gesichtsausdruck aufzusetzen, während in seinem Inneren die Nerven blank lagen.

„Du hast nicht vor, zurück nach Hogwarts zu gehen, oder?"

Harry öffnete den Mund und erstarrte, von ihrer Frage vollständig überrumpelt. Er brauchte einen Moment, um überhaupt zu begreifen, dass ihre Gedanken nicht im Geringsten etwas mit ihren Aktivitäten an diesem Morgen zu tun hatten. Er schloss seinen Mund und runzelte kurz die Stirn, als sein Gehirn endlich wieder mitkam und antwortete automatisch: „Ich weiß es nicht." In all seinen Plänen, in diesem Sommer auf sich selbst gestellt zu sein, hatte er nicht viele Gedanken auf das Leben nach dem Sommer gerichtet. Wenn er seine kaputte Beziehung zum Schulleiter nicht flickte, würde es nicht möglich sein, nach Hogwarts zurückzukehren. „Ich schätze, das hängt davon ab, was bis zum ersten September passiert."

Sie nickte und Harry erkannte, dass sie wahrscheinlich über ihre eigene Situation nachdachte. Er fragte sich, was die Frage angestoßen hatte, doch dann fiel ihm eine noch viel aufwühlendere Frage ein. Würde sie seinem Beispiel folgen? Oder war es möglich, dass sich ihre Wege Ende des Sommers trennen würden? Er beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken, bis er ihre Gedanken zu dem Thema kannte und dachte stattdessen über seine eigene Situation nach. „Der normale Unterricht bietet mir nicht mehr viel", überlegte er laut. „Ich möchte aber weiterhin unterrichten." Er war von der Überzeugung, die in seiner eigenen Stimme lag, erstaunt. Er hatte beinahe das Gefühl, als läge es in seiner Verantwortung, die Schüler auf den Krieg vorzubereiten, aber mehr als das musste er zugeben, dass er das Unterrichten an sich genoss. „Was ist mit dir?", fragte er beiläufig, da er nicht zeigen wollte, wie sehr er über ihre Antwort besorgt war.

„Ich weiß es nicht", erwiderte sie mit einem Schulterzucken. „Wenn du zurückkehrst, werde ich das auch, aber wenn du das nicht tust ..." Sie beendete den Satz nicht und Harry spürte, dass sie Zeit brauchte, um ihre Gedanken zu ordnen. Daher blieb er stumm. „Ich bin in den meisten Fächern nicht so weit fortgeschritten wie du, aber ich könnte damit zurechtkommen, auf mich allein gestellt zu lernen. Außerdem habe ich dich, um mir zu helfen, wenn ich mit etwas Schwierigkeiten habe und Merlin weiß, dass ich mehr Verteidigung lernen werde, wenn ich mit dir lerne statt auf Hogwarts."

„Caldwell war nicht so schlecht", verteidigte Harry ihren Lehrer sanft.

„Stimmt", gab sie zu. „Aber ich denke, die meisten deiner Schüler würden zustimmen, dass du besser bist."

Harry fühlte bei ihren Worten, wie Stolz in ihm aufstieg. „Bist du sicher, dass du nicht voreingenommen bist?", neckte er, auch wenn eine aufrichtige Frage in seiner Antwort mitschwang, was Ginny zu bemerken schien.

„Harry", sagte sie und streckte sich, um ihm über die Wange zu streichen. „Du kannst manchmal so schwer von Begriff sein."

Harry nahm ihre Hand in seine und küsste ihre Fingerknöchel. „Ich liebe dich auch."

Sie schlug nach seinem Arm und murmelte: „Blödmann."

Er nahm sie am Arm und zog sie zu sich, was sie in seinen Schoß fallen ließ, während er protestierte: „Aber du liebst diesen Blödmann."

„Das tue ich", flüsterte sie und streckte sich, um ihn kurz zu küssen, bevor sie sich in seiner Umarmung entspannte und ihre Wange an seine Schulter legte. Sie blieben so einige Zeit sitzen, bis sie wieder sprach: „Die Dinge werden nie wieder so sein wie sie mal waren, oder?"

Harry musste seine erste Reaktion zurückhalten, um wirklich über ihre schwerwiegende Frage nachzudenken. „Wenn du mal erwachsen wirst, kannst du nicht zurückgehen", erwiderte er schließlich.

„Ich habe mich so lange darauf gefreut nach Hogwarts zu gehen", sagte sie leise. „Auf so viele verschiedene Weisen hat es meine Hoffnungen nicht erfüllt und dennoch: Der Gedanke, nicht zurückzukehren ..."

„Ich weiß, was du meinst", flüsterte Harry, als es deutlich wurde, dass sie ihren Gedanken nicht zu Ende bringen würde. „Hogwarts war für mich ein wahrgewordener Traum. Selbst mit dem ganzen Junge-der-lebt-Zeugs und den Zusammentreffen mit Voldemort ist es der einzige Ort, zu dem ich jemals wirklich gehört habe - abgesehen vom Fuchsbau." Harry konnte ihr Lächeln beinahe spüren, aber er fühlte definitiv den Kuss, den sie ihm auf den Nacken gab. „Aber es ist nur eine Schule", fuhr er nach einiger Zeit der Stille fort. „Wir müssen irgendwann weitergehen, Ob das jetzt ist oder nachdem wir den Schulabschluss gemacht haben." Er hielt kurz inne. „Ich schätze, das macht keinen großen Unterschied."

Ginny nickte etwas geistesabwesend, als sie zusammen in der Stille saßen, bis er sich daran erinnerte, wie spät die Zwillinge für ihr Training dran waren. „Deine Brüder sind über eine Stunde zu spät."

Sie lehnte sich zurück und schaute auf die Uhr. „Du glaubst doch nicht ..."

„Ich bin mir sicher, dass sie nur im Laden aufgehalten worden sind", erwiderte er. „Aber vielleicht sollten wir nach ihnen sehen und sie wenn nötig wegzerren."

„Also gut", erwiderte sie und lehnte sich vor, um ihm einen keuschen Kuss zu geben. „Hoch mit dir", sagte sie, als sie aufstand und ihn ebenfalls hochzog.

Harry stolperte auf sie und legte seine Arme um sie. „Ich schätze, du kennst deine eigene Kraft nicht", flüsterte er in ihr Ohr.

„Glaubst du, ich erkenne eine Täuschung nicht, wenn ich eine sehe?"

Harry gab ihr einen Kuss auf den Hals und stellte sich dann aufrecht hin. „Du kannst deine übliche Tarnung auf dich legen?", wollte er wissen, während er eine Handbewegung vor seinem Gesicht machte, um seine eigenen Kosmetikzauber auf sich zu legen.

„Ja, das bekomme ich hin", antwortete sie. Sie brauchte nur einen Moment, um alle Zauber auf sich zu legen und Harry nickte, als sie zur Bestätigung zu ihm schaute. Er zwinkerte ihr kurz zu, bevor er disapparierte. Er erschien direkt vor dem Tropfenden Kessel, sofort gefolgt von Ginny. Er nahm ihre Hand und verschränkte ihre Finger miteinander, als sie den kurzen Weg über die Winkelgasse gingen.

Als sie sich dem Laden näherten, bedeutete Harry Ginny, vor ihm hineinzugehen und folgte ihr dann hinein. Das Geschäft war relativ leer, nur ein Kunde war an der Kasse, zusammen mit der einzigen Angestellten und es gab kein Anzeichen von Fred oder George. Er wartete, bis der Kunde fertig war, bevor er vorging. „Sind Fred und George heute da?"

„Oh, Sie sinds", erwiderte Cameron. „Sie waren vorher da, aber ..."

„Aber was?", fragte Ginny mit hörbarer Sorge.

„Gestern Nacht wurde eine Freundin von ihnen umgebracht", antwortete Cameron mit verzogenem Gesicht. „Ich habe sie nur einmal getroffen, aber sie schien nett zu sein."

„Wer?", wollte Harry wissen, die Antwort fürchtend.

„Alicia", erwiderte sie mit gerunzelter Stirn. „Ich kann mich nicht an ihren Nachnamen erinnern."

„Spinnet", sagte Harry geistesabwesend.

„Ja, das war es", stimmte Cameron zu. „Oh, ward ihr auch mit ihr befreundet?"

„Bekannt", erwiderte Harry unbehaglich und fühlte Schuld in sich aufsteigen. Erst gestern hatten die Zwillinge um Portschlüssel für ihre Freunde gebeten. Hätte er sie ihnen früher angeboten, wäre Alicia wahrscheinlich noch am Leben. Er erwiderte Ginnys Blick einen Moment lang und sah seinen eigenen Schmerz in ihren Augen. Er drehte sich wieder zu Cameron und sagte: „Könntest du Fred und George sagen, dass wir vorbeigekommen sind?"

Cameron stimmte mit einem Nicken zu, während Harry Ginny hinausführte. „Fühlst du dich okay?", fragte sie sanft, als die Tür hinter ihnen zufiel. Harry erstarrte eine Sekunde lang, bevor er den Kopf schüttelte. „Ich weiß es nicht", erwiderte er ehrlich. Er fühlte sich wie betäubt. Er hatte mit ihr zusammen vier Jahre lang Quidditch gespielt, war fünf Jahre lang im selben Haus gewesen und dennoch musste er feststellen, dass er sie kaum kannte. Er hatte sich nie die Zeit genommen, außerhalb von Quidditch mit ihr zu reden. Er wusste nicht einmal, was sie getan hatte, seit sie mit der Schule fertig war. Nicht, dass es noch eine Rolle spielte. Welche Pläne oder Träume sie auch gehabt hatte, sie waren nun verloren.

„Lass uns nach Hause gehen", forderte Ginny ihn auf und zog ihn in eine enge Gasse neben dem Laden der Zwillinge.

Harry nickte und riss sich aus seinen Gedanken. „Also gut", stimmte er zu. Ginny disapparierte zuerst und er folgte ihr auf dem Fuße und erschien neben ihr im Wohnzimmer.

Sie ließen sich nebeneinander auf das Sofa fallen und als Ginny ihre Hand in seine legte, verschränkte er seine Finger mit ihren. Eine lange Zeit saßen sie in Gedanken verloren da. Harry sah Alicia mit Angelina und Katie vor sich, wie sie in der Luft ihre Aufstellungen übten, und während sie den Quaffel hin- und herwarfen miteinander scherzten und sich neckten.

„Nachdem ich für dich die Sucherposition übernommen habe, war ich so nervös und ängstlich, das ich nie in deine Fußstapfen treten könne", sagte Ginny und brach damit die scheinbar nicht enden wollende Stille. „Angelina war zu der Zeit ein wenig gestresst, was nicht half, aber es war Alicia, die mich zur Seite nahm und mir half, mich zu beruhigen und mir das Gefühl gab, ein Teil des Teams und nicht nur ein Ersatz zu sein. Als ich ihr sagte, dass ich wirklich eine Jägerin sein wollte, bestand sie darauf, dass ich etwas mit ihr trainierte und die Mädchen überredeten Angelina, auch mich beim Training gelegentlich ihren Platz einnehmen zu lassen, so dass sie das Training besser im Blick hatte."

Harry konnte nicht anders als bei der Geschichte zu lächeln und küsste Ginny auf ihren Scheitel statt zu antworten. Er mochte keine großen Geschichten darüber haben, wie Alicia ihm geholfen hatte, aber alle drei Mädchen hatten ihm wirklich geholfen, in seinem ersten Jahr zum Team zu gehören, insbesondere Angelina und Alicia, die zu dem Zeitpunkt bereits ein Jahr hinter sich hatten, so involviert wie Oliver war und angesichts der recht ungestümen Charaktere der Zwillinge hatten es die Mädchen auf sich genommen, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen und ihm das Gefühl gegeben, wirklich ein Teil von etwas Besonderem zu sein, mehr als nur von einem Sportsteam.

Irgendwann musste er auf dem Sofa eingedöst sein, denn er wurde von dem knallenden Geräusch des Apparierens aufgeweckt. Momente später klopfte es an der Tür. „Herein", rief er, während eine aufwachende Ginny versuchte, sich von ihm zu entwirren.

Es schritten zwei Personen durch die Tür, deren Verhalten kaum wiederzuerkennen war. Ginny rannte zu ihren Brüdern, um sie zu umarmen. Erst schloss sie den einen in ihre Arme, bevor sie sich zum anderen wandte, um diesen ebenfalls zu umarmen. Harry folgte ihr etwas langsamer, unsicher, was er tun oder sagen sollte. „Es tut mir Leid", schien so unzureichend zu sein, aber es war das Beste, was ihm einfiel.

„Nichts, weswegen dir etwas leid tun sollte", erwiderte Fred und klopfte Harry auf die Schulter, während er seinen Blick mit rotgeränderten Augen erwiderte. Harry konnte etwas Feuerwhiskey in seinem Atem riechen.

„Angie, Katie und Lee sind in unserem Apartment über dem Geschäft", meinte George.

„Wie kommen sie zurecht?", fragte Ginny mit vorsichtig kontrollierter Stimme.

„So gut wie man erwarten kann", sagte Fred ihr.

„Sie waren praktisch Schwestern", fügte sein Zwilling hinzu.

Harry nickte und sagte: „Wenn es etwas gibt, dass wir tun können ... für euch, die Mädchen, ihrer Familie - alles ..."

„Danke, Harry."

„Du solltest vorbeikommen und die Mädchen besuchen", schlug George vor.

„Ich bin mir sicher, dass sie ein freundliches Gesicht willkommen heißen würden."

„Selbst wenn es nur deine hässliche Fratze ist." Schmerzerfüllte Lächeln tauchten kurz auf den Gesichtern der Zwillinge auf, bevor sie bereits verschwanden.

Er wechselte einen Blick mit Ginny und stimmte schweigend zu. In ihrer Eile vergaßen sie beinahe ihre Kosmetikzauber, bevor sie in die Winkelgasse apparierten. Sie vermieden den Vordereingang des Geschäfts und gingen durch eine Tür in einer Seitengasse, die zu einer Treppe führte. Die Mädchen und Lee runzelten die Stirn, als sie sie sahen, bis Harry sich daran erinnerte, dass er und Ginny in Verkleidung waren. Sobald sie die Kosmetikzauber fallen ließen, tauschten sie niedergeschlagene Begrüßungen aus und Harry schüttelte den Kopf, als Lee ihnen eine Flasche Feuerwhiskey anbot.

Der zuckte mit den Schultern und sagte: „Mehr für mich", und trank einen weiteren Schluck.

„Für uns meinst du, du Depp", korrigierte Angelina und schnappte sich die Flasche. Sie trank ebenfalls und reichte sie an Katie weiter. Die Zwillinge waren als nächstes an der Reihe, als sie es sich alle auf einem ausgesessen aber gemütlichen Sofa bequem machten. Alle Möbelstücke im dem Zimmer passten nicht zusammen, aber auf so eine Weise, dass Harry das Gefühl hatte, dass die Zwillinge sich für den scheinbar zufälligen Effekt eine Menge Mühe auf sich genommen hatten.

Angelina bot Ginny die Flasche an, die einen kleinen Schluck nahm und Harry die Flasche wieder anbot. Harry verpasste die ausbleibende Reaktion nicht und folgerte, dass dies nicht ihr erster Geschmack von dem Zeug war. Er nahm die Flasche und gab sie an Lee weiter. Er hatte Feuerwhiskey bereits versucht, das erste Mal, nachdem sie den Quidditchpokal in seinem dritten Schuljahr gewonnen hatten. Er hatte bei diesem ersten Mal den Schluck beinahe wieder ausgespuckt. Die wenigen Male, in denen er es danach versucht hatte, hatte er es besser handhaben können, aber er hatte nie mehr als ein paar Schnapsgläser voll getrunken. Er hatte gesehen, was trinken einer Person antun konnte und fühlte sich nicht wohl damit, sich in solch eine Situation zu bringen. Vielleicht waren es die regelmäßigen auf ihn verübten Mordversuche, die ihn davon abhielten, etwas zu sich zu nehmen, das seine Fähigkeiten einschränken würde, sich und seine Freunde zu verteidigen. Er würde nichts gegen die Trinkgewohnheiten der anderen sagen, aber für den unwahrscheinlichen Fall, dass er diese Nacht gebraucht wurde, ob für sie oder wegen einer seiner Schüler, schwor Harry, sich bereit zu halten.

Als die Flasche wieder bei ihr ankam, reichte Ginny sie ohne Kommentar weiter und Harry war froh über ihre Zurückhaltung. Er war immer noch nicht ganz glücklich, dass sie ihm in Kämpfen gegen die Todesser folgen wollte, aber er wusste, dass jede Person zählte und er wusste auch, dass betrunkene Personen selten rational dachten. Wenn sie weiter getrunken und es einen Angriff gegeben hätte, hätte er wahrscheinlich einen Schockzauber auf sie werfen müssen, um sicherzustellen, dass sie sich nicht in Gefahr brachte.

Angelina brach die Stille im Raum, indem sie mit ihnen die Geschichte teilte, wie sie und Alicia sich kennengelernt hatten und über Quidditch Freunde wurden. Als sie fertig war, machte Katie weiter und erzählte von ihrem Probetraining in ihrem zweiten Schuljahr. Dort hatte sie Angelina und Alicia getroffen und die drei hatten sich fast sofort gut verstanden.

Fred und George erzählten ihre Geschichte gemeinsam. Sie hatten früh in ihrem ersten Schuljahr Angelina für einen ihrer Streiche ins Visier genommen und Alicia war davon nicht begeistert gewesen. Sie hatte es ihnen fast ein ganzes Schuljahr vorgeworfen, auch wenn Angelina ihnen kurz nachdem es passiert war verziehen hatte. Erst als sie ihre Streiche gegen ein Paar Zweitklässler aus Slytherin verwendeten, um sie daran zu hindern, die beiden Mädchen zu ärgern, erwärmte sich Alicia schließlich für sie.

Es war schmerzhaft gewesen, dem stockenden Versuch der Mädchen, ihre Geschichte zu erzählen, zuzuhören, als ihre Tränen sie beinahe überkamen. Selbst Fred und George stolperten gelegentlich in ihrem „Duolog", aber nichts war im Vergleich zu dem Schmerz, der in Lees Stimme zu hören war, als er seine eigene Erzählung begann. Er erzählte, wie sie sich das erste Mal getroffen hatten und wie sie begonnen hatten, miteinander zu gehen, was für Harry Neuigkeiten waren. Die Trauer, die er auf Lees Gesicht sah, als dieser sprach, machte ihm die Realität noch einmal deutlich, als er sich vorstellte, wie schmerzhaft es wäre, Ginny zu verlieren. Er musste sich zwingen, nicht über die Möglichkeit nachzudenken, bevor er etwas tat, was er bereuen würde.

Eine lange Stille breitete sich nach Lees Erzählungen über sie aus, nur unterbrochen, als die Zwillinge aufstanden, als die Flasche schließlich leer war. Als sie zurückkehrten, trug jeder von ihnen eine neue Flasche und die Runde ging weiter.

Nachdem sie wieder einen Schluck getrunken hatte, drehte Katie sich zu ihm und sagte: „Harry?"

Er wandte seinen Kopf zu Katie und bedeutete ihr mit einem Nicken, weiterzureden.

„Ich weiß, du hast wahrscheinlich viel um die Ohren, aber, nun, nach dem, was passiert ist ..." Sie konnte für einen Moment nicht weiterreden und sagte schließlich: „mit Alicia meine ich, das hat alles nur deutlich gemacht, weißt du? Ich möchte nicht in den Krieg ziehen oder so, aber wir müssen lernen, uns selbst zu verteidigen, richtig?" Harry nickte, während Katie die Augen verdrehte. „Natürlich weißt du das, du predigst das nun seit zwei Jahren."

„Katie", unterbrach er. „Ich helfe bereits Fred und George diesen Sommer trainieren und Ginny natürlich. Du bist herzlich willkommen, uns Gesellschaft zu leisten -ihr alle. Ich kann euch zumindest während des Sommers trainieren, vielleicht länger. Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich nach Hogwarts zurückkehren werde." Sein Blick flackerte kurz zu Ginny, als er dies sagte und sie drückte seine Hand. „Selbst wenn ich jedoch zurückgehen würde, bin ich mir sicher, dass wir etwas arrangieren können."

„Du gehst nicht nach Hogwarts zurück?", fragte Lee überrascht.

„Wir sind uns noch nicht sicher", meinte Harry zurückhaltend. „Dumbledore und ich verstehen uns im Moment nicht gerade."

„Ich dachte immer, ihr hättet eine gute Beziehung zueinander", kommentierte Angelina.

„Das war wohl so, schätze ich", sagte Harry mit einem Schulterzucken. Nach einem Moment beschloss er, hinzuzufügen: „Ich habe letzten Sommer zauberstablose Magie gelernt und habe viele Sachen ohne sein Wissen gemacht. Er war nicht besonders begeistert, als er das herausfand. Und statt diesen Sommer zu meinen Verwandten zurückzukehren habe ich mein eigenes Haus gekauft und es mit Schutzzaubern belegt, so dass er es oder mich nicht finden kann."

Niemand sah bei diesem Geständnis besonders überrascht aus, daher nahm Harry an, dass Fred und George zumindest angedeutet haben mussten, was er im vergangenen Jahr gemacht hatte. „Werdet ihr morgen hier sein?"

„Ich glaube, ich bin schon zu betrunken, um zu Apparieren", meinte Lee.

Die Mädchen schauten zu Fred und George, die beide zustimmten, dass sie die Nacht in ihrem Apartment verbringen sollten.

„Ich werde dann morgen früh vorbeikommen", begann Harry, aber als sie ihn anfunkelten, änderte er seine Aussage. „äh - ich meinte morgen Nachmittag und ich werde euch dann alle meinen Schutzzaubern hinzufügen."

Das entschieden wurde das Thema Abendessen angesprochen und Harry bot an, etwas von Tom im Tropfenden Kessel zu holen. Er und Ginny gingen kurz nach dem Essen und verbrachten den Rest des Abends auf dem Sofa kuschelnd vor dem nicht wärmenden Feuer. Als sie schließlich zu Bett gingen, wurde Harry daran erinnert, was genau sie an diesem Morgen gemacht hatten. Es war schwer zu glauben, dass es im selben Jahr, ganz zu schweigen am selben Tag, passiert war.

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Wie versprochen kehrte Harry zu Fred und Georges Apartment zurück und brachte Angelina, Katie und Lee zu seinem Zuhause, wo er sie in die Schutzzauber hinzufügte und ihnen die Möglichkeit gab, sich für das zukünftige Apparieren mit der Umgebung vertraut zu machen. Als sie ein paar Tage später mit dem Training begannen, empfand Harry es überraschend einfach, sich an die Veränderung zu gewöhnen. Vielleicht hatte er sich in den vergangenen Jahren einfach an das Unterrichten gewöhnt, aber er genoss es, weitere Schüler zu haben. Alicias Abwesenheit war für alle von ihnen spürbar. Harry konnte sich vorstellen, wie viel schlimmer die anderen sich fühlen mussten, aber er war der Meinung, dass sie ihrem Andenken bedachten, indem sie einfach nur hier waren.

Katie war den anderen deutlich voraus - selbst den Zwillingen - und Harry fragte sich, ob das etwas damit zu tun hatte, dass die anderen bereits ein Jahr aus der Schule hinaus waren oder ein direktes Ergebnis von Katies zusätzlichem Jahr unter seiner Anleitung. Als er Ginny diese Frage stellte, starrte sie ihn beinahe eine Minute lang an, bevor sie ihn die am wenigsten aufmerksame Person, die sie kannte, nannte. Jeden Tag den Unterschied zwischen Katie und den anderen zu sehen verstärkte Harrys Entschlossenheit, nur jegliche Anstrengungen zu unternehmen, um für das Wohl seiner Schüler nach Hogwarts zurückzukehren. Er konnte nicht anders als sich zu fragen, ob Alicia mit einem weiteren Jahr Training eine bessere Chance gehabt hätte und wollte nie wieder gezwungen sein, sich diese Frage stellen zu müssen. Er schuldete es ihnen, zurückzukommen. Sie vertrauten ihm und zählten darauf, dass er ihnen die Fähigkeiten vermittelte, die sie brauchten, um zu überleben, und er würde sie nicht kampflos aufgeben.

Das einzige Problem war Dumbledore. Während er erwartet hatte, dass der Schulleiter seine Entscheidungen nicht gutheißen würde, hatte er nicht wirklich erwartet, dass der Man ihn angriff und er hatte sicherlich nicht den Angriff auf Ginnys Gedanken vorausgesehen. Harry wurde noch immer bei dem Gedanken an diesen Verrat zornig, aber er zügelte seine Wut. Er musste logisch denken.

Von der Tatsache abgesehen, dass er noch immer minderjährig war, wollte Dumbledore Harry wegen der Prophezeiung in Sicherheit wissen. Das war der Hauptantrieb des Mannes. Er wollte alle seine Schüler in Sicherheit wissen, aber er hatte bewiesen, dass er praktisch alles tun würde, um Harry zu beschützen. Es kam alles zurück auf die Prophezeiung. Harry musste die Prophezeiung erfüllen und daher musste er lange genug leben, um dies zu verwirklichen. Aber dazu gehörte mehr. Wenn er dazu auserkoren war, Voldemort zu besiegen, hätte er bereits von jungem Alter an trainiert und auf das Zusammentreffen vorbereitet werden sollen.

Stattdessen schien Dumbledore genau das Gegenteil zu wollen. Er hatte Harry absichtlich bei seinen Muggelverwandten untergebracht, versteckt vor der Zaubererwelt und unwissend über Magie. Selbst nach seinem Eintreffen auf Hogwarts hielt Dumbledore die Prophezeiung geheim und behandelte Harry wie jeden anderen Schüler. Es hatte viele Möglichkeiten gegeben, Harry auch nur einen Teil der Wahrheit zu sagen oder irgendeine Art zusätzliches Training zu arrangieren. Niemand hätte zweimal über den Jungen-der-Lebt nachgedacht, der mehr Training als der Durchschnittsschüler erhielt. Selbst wenn Voldemort besiegt worden war, gab es viele andere, die Harry Schaden zufügen wollten. Selbst als der Schulleiter ihm endlich die Prophezeiung verkündet hatte, war Harry gezwungen, sich selbst zu unterrichten und seine Taten geheim zu halten. Dumbledore schien ihn absichtlich untrainiert lassen zu wollen, und Harry kämpfte damit, zu verstehen, warum.

Er dachte über den Wortlaut der Prophezeiung nach. Er wird eine Macht besitzen, die der Dunkle Lord nicht kennt. Dumbledore sagte, die Macht war Liebe und wenn Harry ehrlich mit sich selbst war hatte er im vergangenen Jahr nicht viel darüber nachgedacht. Es machte in dem Sinne Sinn, dass Voldemort nichts über Liebe wusste. Harry hatte jedoch keine Ahnung, wie er jemanden mit Liebe besiegen sollte. Die Möglichkeit, dass Dumbledore vielleicht glaubte, dass Harry Voldemort oder seine Todesser nicht bekämpfen musste, tauchte in seinen Gedanken auf. Wenn Liebe die Macht war, die den Dunklen Lord besiegen würde, würde er überhaupt kämpfen müssen?

Harry schüttelte den Kopf. Egal ob er Voldemort direkt bekämpfen musste oder nicht, gab es noch immer im Hier und Jetzt und in zukünftigen Aufeinandertreffen Todesser, um die man sich kümmern musste. Wie auch immer Voldemort besiegt werden würde, er musste bis dahin überleben. Und während das Schicksal dafür gesorgt haben mochte, dass er am Krieg beteiligt war, entschied Harry sich willentlich, zu kämpfen. Er weigerte sich, sich zu verstecken und auf welchen entscheidenden Zeitpunkt auch immer zu warten, bis zu dem Dumbledore ihn versteckt halten wollte. Nun musste er nur noch Dumbledore dazu bringen, das anzuerkennen und zu akzeptieren.

Darin lag das Problem. Er musste mit dem Schulleiter reden, aber dies zu tun wäre ein großes Risiko. Es reichte nicht, optimistisch in die Zukunft zu schauen, wie Remus das nannte. Er musste sicherstellen, dass alles funktionierte. Er musste die Dinge mit Dumbledore in Ordnung bringen und auf den gleichen Nenner kommen. Die Angriffe auf die neuen Muggelgeborenen machte das deutlich. Wenn Harry in diesem Vorgang involviert gewesen wäre, da war er sich sicher, dann hätte er die Familien nicht verteidigungslos zurückgelassen, selbst wenn er Minerva hätte folgen und die Portschlüssel persönlich austeilen hätte müssen. Bevor er jedoch mit Dumbledore reden konnte, musste er wissen, was er sagen wollte.

Er ging zu seinem Schreibtisch und holte Schreibunterlagen heraus in der Absicht, seine Gedanken zu Papier zu bringen. Stattdessen schrieb seine Hand jedoch die Worte: Sehr geehrter Herr Professor Dumbledore. Nun, wenn er nicht riskieren konnte, mit dem Schulleiter zu reden, war ein Brief das nächstbeste.

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Albus war überrascht, eine gemeine Schuleule zu sehen, die von der verzauberten Decke zu ihm hinunter am Lehrertisch geflogen kam. Eulen, die für ihn waren, brachten seine Post normalerweise direkt in sein Büro statt während der Essenszeiten. Und die meisten Briefe wurden nicht von einer Schuleule ausgetragen. Das bedeutete entweder, dass eine Schuleule ausgesandt worden war und der Empfänger ihm die Antwort auf demselben Weg zurücksandte, oder das der Brief von jemanden innerhalb der Schule kam. Da er keine Schuleulen verwendete, um Post zu versenden, schien ersteres unwahrscheinlich. Die letztere Möglichkeit erschien aber genauso absurd.

Er verwendete sein Buttermesser, was ihm einen missbilligenden Blick seiner stellvertretenden Schulleiterin einbrachte, um den Umschlag zu öffnen. Als er das Pergament auffaltete, wanderte sein Blick direkt hinunter zu der Unterschrift und er stand von seinem Stuhl auf, als er den Namen las.

„Was ist, Albus?", wollte Minerva offensichtlich besorgt wissen.

„Nichts", erwiderte er und schimpfte innerlich mit sich selbst, während er sich wieder setzte. Harry würde längst verschwunden sein, wenn er tatsächlich die Schulländereien betreten hatte, um den Brief zu versenden. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und den Brief mit beiden Händen festhaltend begann er zu lesen; wobei er sein Abendessen, das auf seinem Teller kalt wurde, ignorierte.

Sehr geehrter Herr Professor Dumbledore,

mir wurde vor kurzem von einem guten Freund gesagt, dass ich ein unverbesserlicher Optimist bin. Trotz unserem derzeitigen Zwist, Ihrem Handeln gegenüber mir oder sogar Ihrem Angriff auf Ginnys Gedanken, bin ich immer fest davon ausgegangen, dass wir früher oder später unsere Differenzen beiseitelegen und gegen Voldemort und seine Todesser zusammenarbeiten werden. Angesichts der letzten Angriffe auf die neuen Muggelgeborenen Schüler ist es mir aufgegangen, dass Optimismus nicht genug ist.

Es ist nicht genug, dass wir irgendwann unsere Differenzen zur Seite legen. Jeden Tag, den wir damit verbringen, gegeneinander zu arbeiten, gibt Voldemort einen Vorteil. Ich war diesen Sommer sehr beschäftigt, wie Sie sicherlich wissen. Viel beschäftigter als ich jemals vorhergesehen habe. Meine Anstrengungen alleine noch die des Ordens sind genug.

Ich weiß, dass Sie mich aus dem Krieg heraushalten wollten, weg von den Kämpfen. Ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht, warum Sie so darauf bestehen. Ich weiß, dass die Prophezeiung schwer auf Ihnen lastet, aber ich kann nicht glauben, dass das alles ist. Ich frage mich auch, warum Sie nicht einen Versuch unternommen haben, mich auf mein Schicksal in diesem Krieg vorzubereiten. Wenn ich der einzige bin, der fähig ist, Voldemort zu besiegen, warum haben Sie mich dann die ersten elf Jahre meines Lebens unwissend gehalten? Warum haben Sie nie für besonderes Training oder Unterricht gesorgt? Warum vernachlässigen Sie, mich auf das vorzubereiten, was kommen wird, selbst nachdem Sie mir von der Prophezeiung erzählten?

Die offensichtlichste Antwort ist lachhaft und verdient es nicht einmal aufs Papier gebracht zu werden. Sie haben härter als jeder andere daran gearbeitet, Toms Handlungen und Einfluss entgegenzutreten. Die einzige Möglichkeit, die mir eingefallen ist, ist, dass sie nicht vorhaben, das ich kämpfe. Sie sagten mir, dass die Macht, die ich habe, welche mir erlauben wird, Voldemort zu besiegen, Liebe ist. Offensichtlich ist Liebe nicht etwas, dass für den Kampf gedacht ist, aber ich kann Ihre Gedanken nicht lesen. Ich weiß nicht, was Sie vorhaben oder wie Sie sich den Kampf vorstellen. Mein ganzes Leben lang schon bin ich in Dinge involviert, die ich kaum verstand. Ich bin durch Krimis und Thriller gestolpert, die mir viel zu hoch waren und mit wenig Informationen, auf die ich bauen konnte. Ich bin mein ganzes Leben im Dunklen gelassen worden. Ich werde immer mein Bestes geben, mit den Hilfsmitteln, die mir zur Verfügung stehen, doch Sie gaben mir nur wenige.

Ein weiser Mann sagte einmal, dass man im Leben die Entscheidung zwischen dem, was einfach und dem, was richtig ist fällen muss. Es wäre einfach gewesen, auf Professor McGonagalls Versicherungen im ersten Schuljahr zu hören, dass der Stein der Weisen gut beschützt ist. Es wäre einfach gewesen, zusammen mit allen anderen im Gryffindorgemeinschaftsraum zu sitzen und zu warten, um zu erfahren, was Ginnys Schicksal sei, als sie in die Kammer entführt wurde. Es wäre einfach gewesen, sich zurückzuhalten und Sirius und Remus sich an Pettigrew rächen zu lassen. Es wäre einfach gewesen, auf dem Friedhof aufzugeben und zu meinen Eltern zu gehen. Es war einfach, im Atrium des Ministeriums still zu stehen, als Voldemorts Fluch auf mich zuflog und darauf zu warten, Sirius wiederzusehen. Es wäre einfach gewesen, Ihnen zu vertrauen, dass Sie wissen, was für mich das Beste ist. Es wäre einfach gewesen, darauf zu vertrauen, dass Sie wissen, was getan werden muss und dass Sie für mich da seien, um mir jeden Schritt zu sagen und mich auf dem Pfad zu führen, der mich Voldemort besiegen lassen wird.

Ich bin nicht perfekt. Ich werde nicht immer entscheiden, das Richtige zu tun, aber das bedeutet nicht, dass ich es nicht versuchen werde. Ich frage mich, ob Sie sich jemals gefragt haben, ob es richtig oder nur einfach war, mich im Dunklen zu lassen und mich vor der Welt und dem Krieg zu verstecken. War es richtig, mich an der Haustür der Dursleys zu lassen? War es richtig, die Prophezeiung Jahr für Jahr für sich zu behalten. Ist es richtig, dass Sie mich nicht trainierten, mir keine Möglichkeiten gaben, mich vor denen, die mir Schaden zufügen wollen, zu beschützen? War es richtig, diesen Zauber in ihrem Büro auf mich zu werfen? War es richtig, die Gedanken meiner Freundin anzugreifen in der Hoffnung, mich zu finden? Ich erwarte von Ihnen nicht, dass Sie perfekt sind. Alles, das ich möchte, ist, dass Sie es versuchen.

Es ist längst an der Zeit, dass wir zusammenarbeiten sollten. Ob Sie es glauben oder nicht, dass meine Beteiligung am Krieg für die Erfüllung der Prophezeiung notwendig ist, ist irrelevant. Das Schicksal mag mich gezwungen haben, am Krieg beteiligt zu sein, aber ich wähle freiwillig, mich an den Kämpfen zu beteiligen. Ich denke, wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind, wissen Sie, dass es nur richtig wäre, mit mir statt gegen mich zu arbeiten. Ich mag nicht perfekt sein, aber ich habe bewiesen, dass ich fähig bin, und wir brauchen jeden fähigen Kämpfer, den wir haben.

Ich mag optimistisch sein, aber ich bin nicht dumm. Ich hoffe, dass Sie ihre Meinung ändern, ob durch diesen Brief oder aus einem anderen Grund, aber ich bin nicht bereit, nur aus dem Glauben heraus ein Risiko einzugehen. Hedwig hätte Ihnen eine zu große Gelegenheit gegeben, zu versuchen, mich nach Hause zu verfolgen. Keine andere Eule wird mich finden können, bis ich gefunden werden will. Ich denke jedoch, dass Sie entdecken werden, dass Fawkes mich finden kann, sollten Sie antworten wollen.

Hochachtungsvoll

Harry Potter

ENDE kap 4