Kapitel 3

Wie schon am vergangenen Morgen wurde Lily wach und stellte fest, dass James seine Arme fest um sie gelegt hatte, allerdings schien er dieses Mal noch zu schlafen, sein Atem jedenfalls ging noch ganz ruhig und gleichmäßig. „James?", flüsterte sie sachte, aber er antwortete ihr nicht einmal mit einem Brummen oder etwas ähnlichem, also drehte sie sich zu ihm um. Das ging nur etwas schwerer, weil er sie so fest umklammert hielt, aber nachdem sie es geschafft hatte, da konnte sie nicht anders, als sein Gesicht zu betrachten. James Potter hatte etwas sehr angenehmes an sich, wenn man mal von seiner Erscheinung ausging. Natürlich war er nicht so lächerlich schön wie Sirius, aber etwas war an ihm, dem sie sich noch nie hatte entziehen können.

Selbst ohne Brille.

Verlegen streichelte sie leicht durch seine Haare. „Gibt es einen Grund, warum du mich streichelst?", murmelte er plötzlich, sodass sie heftig zusammen zuckte. Er öffnete seine Augen jetzt, sodass sie peinlich berührt fliehen wollte, aber er hielt sie ja immer noch fest. „Nein, nein, du musst doch nicht gehen, ich frage ja nur.", meinte er ruhig.

„Ich – ich... Uhm, nein, ich habe keinen Grund dafür, ich habe es einfach so getan.", stotterte sie, woraufhin er leicht gluckste.

„Schon gut, ich habe es gerne, wenn man meine Haare berührt.", wollte er sie beruhigen, aber irgendwie brachte sie das noch mehr auf. Sie wollte nicht Sachen machen, die ihm gefielen. Also, schon, aber nicht solche Sachen. Das waren persönliche Dinge, die sie nicht wissen sollte. Sein Griff wurde noch fester und er vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge. Wie er so tief gerutscht war, das konnte sie nicht sagen, das musste passiert sein, während sie gerade peinlich verlegen war. „Mach es noch einmal...", bat er leise.

Sie zögerte.

Aber nicht, weil sie nicht wollte, sondern weil es ihr merkwürdig erschien, dass er sie darum bat. Er wirkte nicht so, als würde er realisieren, worum er sie gebeten hatte, noch so verschlafen, so unschuldig, sie war sogar beinahe sicher, dass er nicht direkt mit ihr sprach. Gegen ihren Willen fühlte sie plötzlich Eifersucht. Er redete vermutlich mit Clara. Oder wünschte sich, mit ihr reden zu können und dass Clara dann durch seine Haare streicheln würde, so wie er es mochte. Seine Lippen bewegten sich an ihrem Hals. „Mach es noch einmal, Lily...", bat er sie erneut. Aufgrund der Tatsache das er 'Lily' gesagt hatte, streichelte sie noch einmal durch seine Haare, seine Lippen waren plötzlich fester an ihrem Hals und sie fühlte Hitze in ihr Gesicht steigen, wie noch nie zuvor.

„W – was tust du?", flüsterte sie aufgeregt.

„Du bist so schön warm...", nuschelte er gegen ihre Haut, dabei rutschte er näher an sie heran. „Mach es noch einmal.", forderte er sie auf. Ohne, dass sie wusste warum, gehorchte sie brav und verharrte schließlich mit alles zehn Fingern in seinen Haaren, während er über ihren Hals küsste. Einfach so. Als wäre es das normalste der Welt.

„J – James, warum tust du das?", fragte sie unsicher, aber nicht, weil sie wollte, dass er aufhörte. Es war zu lange her, dass jemand über ihren Hals geküsst hatte. Oder dass sie das letzte Mal überhaupt jemanden geküsste hatte. Gideon. Der letzte, den sie geküsst hatte, das war Gideon gewesen, beinahe zwei Jahre her. „W-"

Es war passiert. Seine Lippen waren einfach auf ihren gelandet und sein ganzer Kopf drückte jetzt näher an ihren. Er küsste sie. Sein Körper war warm und seine Arme umklammerten sie mehr denn je. Der Kuss schien ewig zu dauern, sie waren völlig verrückt geworden, da lagen sie im Bett und küssten sich, völlig irrational und verantwortungslos. Irgendwie war sie unter ihn gerutscht, aber wie oder wann konnte sie nicht mehr sagen. Sie wusste nur, dass sie urplötzlich sein Gewicht auf sich spürte und er schwer gegen sie atmete, ihre Beine hatten sich einfach um seine Mitte gelegt. Ein Kuss ging jetzt in den nächsten über und seine Hände begannen zu wandern. Das war schrecklich aufregend, abgesehen von McNair hatte sie schon eine Weile niemand mehr angefasst und James war nicht mit McNair zu vergleichen. Ihr kam in den Sinn, wie er sie gestern aufgefangen und fest an sich gepresst hatte. „W – warte...", stöhnte er schließlich, offensichtlich aufgeregt, sein Gesicht war so rot, wie sie dachte, dass ihr eigenes es sei. „Warte, ich habe-", er schluckte.

„Was?", fragte sie.

„Ich meine – du... Du nimmst keine Tränke, richtig?", jetzt begann ihr Herz wie verrückt zu klopfen. Zwei Jahre keinen Sex mehr gehabt, sie fühlte sich wieder wie siebzehn, als Gideon und sie es das erste mal gewagt hatten. Zögerlich schüttelte sie ihren Kopf, da atmete er tief durch und streichelte durch ihre Haare. „Ich habe irgendwo – bewege dich nicht!", bat er sie, dabei stand er auf und begann, die Taschen seiner Jeans zu durchsuchen, die über dem Stuhl gehangen hatte.

Sie biss auf ihre Unterlippe. Ja, Sex mit James Potter machte die Situation nicht gerade besser und sie waren schon genug in Schwierigkeiten und es war unklug, wenn sie es jetzt mit ihm trieb. Nur, schlechter konnte die Situation kaum noch werden. Vielleicht würde sie ein bisschen Sex aufheitern, dann konnten sie sich wieder ein bisschen besser konzentrieren. „Oh nein!", stöhnte er plötzlich und warf seine Geldbörse auf den Stuhl.

„Was?", fragte sie mit lächerlich zittriger Stimme.

„Sirius.", maulte er. „'Ich leihe mir dein Notfall-Kondom, danke Mann'.", las er von einem kleinen Zettel vor, den er dann fallen ließ, um sich über sein Gesicht zu reiben. Das brachte sie dazu, ebenfalls zu stöhnen.

„Nein, nein, nein...", machte sie ungläubig. Und nachdem sie realisiert hatte, was sie gerade gesagt hatte und in welcher Situation sie sich befanden, da war sie nur noch fassungslos darüber. Bedauerte es, gerade keinen Sex mit James Potter haben zu können, obwohl sie es doch wollte. „I – ich... Ich gehe rasch duschen.", flüsterte sie also letztendlich verlegen, dabei kam sie aus dem Bett. Er hämmerte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.

„Ja, tue das.", meinte er nur.

Nachdem sie geduscht hatte, musste sie sich wohl oder übel wieder in das rote Kleid zwingen, woraufhin James sie unverhohlen anstarrte und gierig musterte, aber nichts sagte. „Was ist also der Plan?", fragte sie.

„Wir suchen zuerst neue Kleidung für dich. Danach versuche ich Dobby zu finden.", erwiderte er schulterzuckend. Sie nickte. „Uh – hast du irgendwelche Vorschläge, wo wir Kleidung für dich kriegen? Vielleicht – uhm... Vielleicht eine Salbe oder so?", darauf runzelte sie ihre Stirn. „Ich habe eben gesehen, dass ich mir bei meinem Sturz gestern doch vielleicht etwas getan habe.", erklärte er. Sie seufzte leise.

„Uhm...", machte sie. „Mir – mir fällt immer nur ein Ort ein, an dem ich immer Zuflucht fände.", gab sie zu. Er nickte.

„Gideon.", machte er verstehend, woraufhin sie ebenfalls nickte. „Nun, mit mir im Schlepptau kannst nicht einmal du bei ihm auftauchen, ganz zu schweigen davon, dass du selber auch nicht ganz ohne Probleme bist gerade.", erinnerte er sie.

„Das meinte ich. In einer solchen Situation, selbst mit dir zusammen, könnte ich 'immer' nur zu Gideon gehen.", erklärte sie deutlich und räusperte sich dann. „Ich meinte – uhm – ich meinte nicht 'zusammen' im Sinne von – uhm...", sie hatte sich verzettelt und rieb über ihren Nacken.

„Okay, du schlägst also vor, wir gehen zu deinem Ex.", sie verdrehte ihre Augen.

„Sag das nicht so, Gideon und ich sind Freunde, wenn es jemanden gibt, der uns helfen würde, dann Gideon. Und sei es nur aus Liebe zu mir.", das schien James noch weniger zu gefallen, sodass sie sich einfach nur noch wunderte, warum sie Gideon überhaupt erwähnt hatte.

„Also schön, wie du willst.", meinte er nach einer Sekunde Stille. „Wenn du ihm so sehr vertraust und du dir wirklich sicher bist, wir sollen zu ihm gehen und darauf hoffen, dass er uns helfen wird, dann gehen wir zu ihm.", sie straffte ihre Schultern.

„Das ist der einzige Ort, an dem wir alles finden werden, was wir brauchen. Kleidung, Nahrung, Zauberstäbe, Tränke, alles.", sie konnte nicht anders, als ihm einen versteckten Hinweis zu geben.

„Du hast noch Kleidung bei ihm?", hakte James nach. Sie zuckte mit ihren Schultern.

„Uhm... Uh – ja, ich habe noch eine Menge Zeug bei ihm.", gab sie zu. „Wir – wir haben es nie geschafft, das alles – uhm... Ich meine, ich wollte immer mal wieder alles holen, aber irgendwie hat es das immer nur schlimmer gemacht. Gideon hat einfach nie verstanden, warum es plötzlich vorbei war.", er musterte sie interessiert, sagte aber nichts. „Auch ich habe meine Lektion gelernt.", fügte sie hinzu, um ihm zu bedeuten, dass sie nicht darüber reden wollte.

„Ich denke, ich weiß jetzt, was ihm fehlte.", meinte er langsam und nachdenklich. Sie hob ihre Augenbrauen an. „Du weißt schon, zwei Jahre her. Was ist vor zwei Jahren passiert?", sie zuckte mit ihren Schultern.

„Gideon und ich haben angefangen zu arbeiten.", antwortete sie.

„Du bist in mein Team gekommen.", verbesserte er sie. „Ich will nicht eingebildet klingen, aber du hast es selber gesagt: Es braucht einiges, um dich aufzumuntern.", sie schnaubte.

„Du schlägst also vor, dass Gideon und ich nicht zusammen sein konnten, weil ich dich wollte?", hakte sie spöttisch nach.

„Nein, das sage ich nicht und ich weiß, dass das nicht so ist, du warst nie verliebt in mich.", widersprach er sofort. „Aber wenn es dir wegen irgendetwas schlecht ging, bist du dann damit zu Gideon gegangen? Weil er dich trösten konnte? Weil er wusste, wie er dich wieder zum Lachen bringt?", sie musste zugeben, dass sie eher zu Jeff und James gegangen war, wenn sie Probleme gehabt hatte, weil die beiden, nun, James, immer gewusst hatten, wie sie damit umgehen mussten. Gideon konnte das nicht so gut. „Dachte ich mir.", warf James ein.

„Dann sagst du, dass-"

„Alles, was ich sage ist, dass du vor zwei Jahren in mein Team gekommen bist. Du und ich, wir kennen uns besser, als du möchtest und als du realisiert hast, dass du eher zu mir kommst, wenn dich etwas bedrückt, als zu Gideon, da hast du ganz genau gewusst, was ihm fehlt.", verlegen wurde sie rot. Er hatte Recht. Er hatte Recht und das war ihr peinlich. James jedoch musterte sie nur, dann zuckte er endlich mit den Schultern und humpelte ein paar Schritte von ihr weg, um sich auf das Bett zu legen.

„Warum humpelst du?"

„Wie ich schon sagte, ich habe mir bei meinem Sturz gestern doch etwas getan.", erwiderte er einfach. „Lass uns also zu Gideon gehen und schauen, ob er dein Vertrauen verdient hat...", murmelte er ein wenig missmutig.


„Bleib kurz hier stehen...", flüsterte sie, sodass James inne hielt. Sie klopfte unsicher und mit zitternden Fingern. Irgendwie war das alles völlig abgedreht und verrückt. Abgesehen von ihren – uh – beruflichen Problemen: Sie hatte gerade James Potter geküsst und stand jetzt hier vor Gideons Haustür. Also, mit James, im Schatten der Ecke, wo man ihn nicht sofort sehen würde. Die Tür öffnete sich und Gideon erschien. Einen Moment wurde er rot, dann kreideweiß.

„Lily!", stöhnte er, als nächstes zog er sie in seine Arme und presste sie an sich. „Merlin, du bist okay! Bist du okay? Ich wusste, du würdest nicht so einfach nachgeben, ich hab mir solche Sorgen gemacht!", stammelte er, dann küsste er ihre Stirn und ihre Haare und schließlich küsste er sie vor lauter Erleichterung sogar auf den Mund. Normalerweise tat er das nicht mehr.

„Gideon, du tust mir weh!", murmelte sie gedämpft gegen seine Schulter, da ließ er sie los und streichelte durch ihre blonden, kurzen Haare.

„Was hast du nur gemacht, wieso-"

„Ich brauche deine Hilfe!", unterbrach sie ihn jetzt, dann warf sie einen Blick auf James. Gideon bemerkte ihn dadurch endlich und trat einen Schritt zurück. „Er hat es nicht getan, Gideon, denkst du wirklich, James Potter würde das Ministerium verraten?", schnitt sie ihm das Wort ab.

„Nun, Sirius glaubt es und er wird ihn am besten kennen!", schnaubte Gideon. „Warum schleppst du ihn hier her, Lily, wieso bist du bei ihm? Er ist gefährlich!", James humpelte einen halben Schritt auf Lily zu und ächzte dann, sie zog ihre Augenbrauen zusammen, als er sich gegen die Wand stützte. „Was hat er?"

„Nun, er ist gestern von einem Baum gefallen, Gideon, können wir bitte drinnen reden?", maulte sie. Er stöhnte.

„Du bringst mich in Schwierigkeiten.", erinnerte er sie.

„Ich brauche deine Hilfe!", wiederholte sie sofort. „Du hast immer gesagt, ich bin willkommen bei dir, ich brauche 'jetzt' deine Hilfe!", er öffnete endlich die Tür und ließ sie ein, Lily stützte James jetzt. „Sagst du mir jetzt endlich, was du dir getan hast?", fragte sie.

„Ich glaube, ich habe mir den Knöchel verstaucht oder so.", gab er nur zurück.

„Und bist noch herum gerannt und heute morgen aus dem Bett gesprungen?", er schnaubte.

„Denkst du nicht, ich wurde darauf trainiert, um Schmerzen stand zu halten?", fragte er ein wenig abfällig, sodass sie ihn los ließ, noch ehe sie die Couch erreicht hatten. Er warf ihr einen bösen Blick zu. „Ich schätze, ich bin zu ausgeruht, unter Anspannung funktioniert es besser.", fügte er hinzu. Sie verdrehte ihre Augen nur über ihn.

„Also, wie kann ich dir helfen, Lily?", fragte Gideon, während er die Vorhänge zusammen zog. Sie sah verlegen an sich herunter.

„Ich – uhm... Ich brauche neue Kleidung. Und vielleicht etwas zu essen. Und James' Knöchel. Hast du noch meine alten Zauberstäbe.", geschafft ließ er sich auf die Couch weit weg von James fallen.

„Ich habe noch alles.", erinnerte er sie.

„Sehr gut, kannst du – uh – kannst du nach James' Knöchel sehen und ich suche alles, was ich brauche?", er nickte nur noch, also verließ sie das Zimmer. Sie wusste, dass sie ihn verärgert hatte. Vor allem damit, dass sie James angeschleppt hatte. Gideon und James waren schon eine Weile nicht mehr so gut aufeinander zu sprechen, jetzt wusste sie auch endlich warum. Logisch, die Jeff-Sache musste wohl dafür gesorgt haben, dass sie stritten.

In seinem Kleiderschrank fand sie alles, wie sie es verlassen hatte vor zwei Jahren. Auf der linken Seite hingen noch einige Kleider, oben lagen mehrere Hosen und Pullover, schön säuberlich gefaltet, so wie sie das immer gemacht hatte. Sie griff eine schwarze Hose und einen schwarzen Pullover, mehrere Shirts, neue Unterwäsche und ein grünes Cocktailkleid, nur für alle Fälle. Das alles stopfte sie in ihre letzte Tasche, die sie bei ihm gelassen hatte, nämlich die Sporttasche. Seit sie nicht mehr mit ihm zusammen war, machte sie nämlich gar keinen Sport mehr, das war immer seine Idee gewesen.

Ehe sie ins Wohnzimmer zurück ging, hielt sie inne. „Ich habe es nicht getan, Gideon!", maulte James.

„Warum bist du dann weg gelaufen?", fragte er wütend zurück.

„Weil ich als Staatsfeind Nummer eins gejagt werde, Sirius hat den Auftrag mich zu töten, sobald er kann, was denkst du, wie viel Zeit ich gehabt hätte, um ihn zu überzeugen, dass ich so etwas niemals tun würde!", knurrte James aufgebracht. Sie seufzte leise.

„Und warum hast du Lily da mit rein gezogen?", stöhnte Gideon. „Hast du ihr Leben noch nicht genug ruiniert, musst du jetzt auch noch alles vernichten?"

„Ich – hallo? Ich habe doch gar nichts gemacht!", ärgerte er sich.

„Du hast sie genau so beobachtet!", warf er ihm vor.

„Das stimmt nicht, Gideon, was du gesehen hast war etwas anderes! Ich habe auf Jeff gewartet, um mit ihm darüber zu reden, ich wollte sie nur beschützen!", ermahnte er ihn.

„Und jetzt? Beschützt du sie auch, indem du sie in diese krumme Nummer mit rein ziehst?", ärgerte er sich weiter, woraufhin James stöhnte.

„Weißt du, so wie Lily zu dir gekommen ist, als sie nicht wusste wohin, wusste ich von Anfang an, wenn ich irgendjemandem vertrauen kann, dann Lily.", ein warmes Gefühl machte sich in ihrem Bauch breit. Wenn er irgendwem vertrauen konnte, dann ihr. Wenn selbst Sirius sich gegen ihn stellte, dann konnte er Lily vertrauen.

„Du bist also verliebt in sie.", knurrte er.

„Das ist es nicht.", das warme Gefühl war sofort wieder weg. Und was war das dann am Morgen gewesen, als sie im Bett gelegen und geknutscht hatten? „Ich würde sie niemals so in Gefahr bringen wollen, okay? Du weißt ja, wie das endet.", stöhnte er.

„Ich sehe doch, wie ihr euch anseht.", Gideon klang sehr wütend, sie kannte diesen Tonfall gar nicht von ihm.

„Wir – wir sehen uns nicht an.", stotterte James ein bisschen.

„Du machst wohl Witze, jeder Trottel sieht, wie ihr euch anhimmelt.", maulte Gideon zurück, woraufhin James stöhnte. „Hast du mit ihr geschlafen?", sie räusperte sich und trat endlich ein.

„Ich habe alles gefunden.", erklärte sie, dabei legte sie die Tasche neben James. „Nur noch etwas zu essen, dann können wir wieder gehen.", James stöhnte leicht.

„Lily, du solltest hier bleiben.", meinte er urplötzlich. „Du solltest dich bei Gideon verstecken, bis ich meine Unschuld bewiesen habe, dann kannst du wieder in Frieden leben.", sie schnaubte nur abfällig. „Mehr oder weniger.", gestand er ihr zu.

„Vergiss es.", machte sie einfacher, als es eigentlich für sie war, woraufhin er kopfschüttelnd über sein Gesicht fuhr. „Ich gehe in die Küche, Gideon, kann ich kurz mit dir sprechen?", James Schultern sanken ein wenig herab, als sie Gideon darum bat, mit ihr mit zu kommen, aber darauf ging sie nicht ein. Der nickte, stand zögerlich auf und folgte ihr in die Küche, in der sie ihm immer Frühstück gemacht hatte.

„Was-"

„Halt die Klappe!", knurrte sie. „Halt die Klappe und lass ihn in Ruhe, okay? Wir schlafen nicht miteinander!", als sie ihn so anging (und dann auch noch wegen James Potter) wurde er knallrot und starrte sie schockiert an. „James geht es schlecht, sein bester Freund versucht, ihn umzubringen, er musste fliehen, er ist verwundet und so tief am Boden, dass 'ich' sein letzter Ausweg war! Er hat es nicht getan, okay? Er würde nicht.", stellte sie klar.

„Lily, du hast dich selber in Schwierigkeiten gebracht.", hielt er dagegen, „Er hätte dich da nicht mit rein ziehen sollen!"

„Aber er wusste, wenn es irgendwen gibt, der objektiv genug ist, an ihn zu glauben, dann bin ich das!", schoss sie zurück. „Versteh doch: Ich war schon sein letzter Ausweg."

„Was passiert, wenn ihr seine Unschuld nicht beweisen könnt?", fragte er sie aufgebracht. „Dann müsst ihr für immer und ewig fliehen, dann werden wir uns nie wieder sein, dann-"

„Dann sei es so.", erwiderte sie schlicht.

„Du bist in ihn verliebt.", stellte er wieder fest.

„Du und ich, wir sind kein Paar mehr, Gideon.", erinnerte sie ihn. „Es tut mir Leid, dass ich dir weh getan habe, aber das ändert nichts an der Tatsache, wir sind kein Paar mehr. Es geht dich schlicht und ergreifend nichts an, wer hier in wen verliebt ist.", das hatte er deutlich verstanden. Er nickte bitter. Sie hatte gerade vor ihm zugegeben, dass sie irgendwie Gefühle für James hatte. Wenn das Gefühle waren. Es war auf jeden Fall kompliziert und der Gedanke, mit ihm fliehen zu müssen, erschien ihr irgendwie kein bisschen schrecklich, sondern eher recht angenehm.

„Also schön.", machte er seufzend. „Ich – ich kann immer noch nicht nachvollziehen, was passiert ist, aber wenn du es so willst, dann habe ich keine andere Wohl, als das zu akzeptieren.", murmelte er. Sie tätschelte seine Wange ein bisschen, da griff er einfach in ihre kurzen, blonden Haare.

„Wie hast du mich erkannt?", fragte sie.

„Ich habe dahin geguckt, wo ich immer zuerst hingucke, Lily.", erwiderte er. „Deine Augen haben dich verraten.", sie entzog sich seiner Berührung, woraufhin er sich umdrehte und begann, einige Lebensmittel einzupacken. „Sirius war übrigens schon hier.", meinte er beläufig.

„Was hast du gesagt?", fragte sie.

„Die Wahrheit. Dass ihr nicht hier wart und dass ich auch nicht mit euch rechne. Ich hätte niemals gedacht, dass du mit James zusammen her kommen würdest.", erwiderte er schulterzuckend, sodass sie seufzte.

„Es tut mir Leid, dass ich dich da mit rein gezogen habe.", murmelte sie.

„Was habt ihr jetzt vor?", fragte er.

„Das verrate ich dir nicht.", gab sie zurück. „Falls Sirius zurück kommt, sag ihm einfach die Wahrheit. Dass wir hier waren und dir nicht verraten wollten, was wir vor haben.", riet sie ihm.

Als sie aus der Küche zurück kamen, da saß James auf der Couch und wirkte irgendwie betreten. „Also – also, bleibt ihr noch?"

„Nein, wir gehen weiter.", beschloss sie, da James nicht antwortete. „Richtig?", er nickte nur schweigsam, da griff sie nach ihrer Tasche. „Danke für deine Hilfe, Gideon.", meinte sie noch, woraufhin James aufstand.

„Ich denke immer noch, du solltest hier bleiben.", eröffnete er. „Es war unfair von mir, dich in diese Sache herein zu ziehen, du kannst einfach hier untertauchen, bis-", sie unterbrach ihn einfach mal an der Stelle.

„Ich bleibe bei dir! Wir stecken da jetzt gemeinsam drin und wir ziehen das gemeinsam durch, hör auf, mich los werden zu wollen!", er warf einen Blick zu Gideon, woraufhin sie ihre Augen verdrehte und den Kopf schüttelte. „Wir gehen.", wies sie ihn an, dabei drückte sie ihm ihre Tasche in die Hände. Er reagierte verzögert, folgte ihr aber artig und nickte Gideon sogar noch einmal zu. Eine Weile schwiegen sie, aber schließlich drehte sie sich zu ihm um. „Was sollte das?", fragte sie.

„Ich habe den Blick gesehen.", meinte er nur.

„Welchen Blick, James?", fragte sie nun ungeduldiger.

„Den Blick zwischen Gideon und dir. Und du hast ihn geküsst.", fügte er hinzu. „Ich dachte, ich tue dir einen Gefallen.", sie verdrehte ihre Augen.

„Gerade du müsstest wissen, dass das zwischen Gideon und mir nichts ist.", maulte sie.

„Wieso gerade ich?", fragte er zurück, dabei war er immer noch mürrisch und offensichtlich nicht überzeugt.

„Zum einen haben wir mehr als einmal darüber geredet und demnach weißt du ganz genau, dass Gideon etwas fehlt, was ich aber brauche, weil das mehr oder weniger meine Worte waren.", erklärte sie bissig. „Und zum anderen habe ich gedacht, nach heute Morgen wäre klar, dass da nichts mehr zwischen Gideon und mir ist. Nicht jetzt, nicht in Zukunft.", er runzelte seine Stirn.

„Wieso heute Morgen?", hakte er nach. Jetzt wurde sie rot. „Meinst du den Kuss?"

„Du bist so ein Arschloch manchmal.", knurrte sie.

„Lily-", begann er seufzend.

„Nein, schon gut.", schnitt sie ihm das Wort ab. „Das war natürlich – ich meine... Ich meine, natürlich war das bedeutungslos, ich meinte nur damit, dass ich dich nicht bedeutungslos geküsst hätte, wenn ich noch etwas für Gideon empfinden würde.", erklärte sie eingeschnappt.

„Lily,-", begann er wieder, aber wieder schnitt sie ihm das Wort ab.

„Du wirst wahrscheinlich am besten wissen, dass das nichts war, richtig? Ich meine-"

„Lily, halt die Klappe!", ärgerte er sich jetzt. „Ein einfaches 'Ja, ich meine den Kuss' hätte gereicht.", ermahnte er sie dann, während er seinen Kopf schüttelte. „Ich kann doch nicht wissen, wie du das siehst, ich bin nicht in deinem Kopf. Wenn du darüber reden möchtest, fein, rede, aber halt mir keinen Vortrag darüber, wie bedeutungslos das war, wenn es so offensichtlich ist, dass dich der Gedanke verletzt, dass es mir nichts bedeutet haben könnte.", sie schnaubte.

„Das hättest du wohl gerne.", schnappte sie.

„Um ehrlich zu sein: Ja, manchmal hätte ich gerne, du würdest mir einfach sagen, was in deinem kleinen, verwirrten Kopf vor sich geht, als mich ständig raten zu lassen.", maulte er.

„Verwirrt-", begann sie aufgebracht. „Der einzige, der hier verwirrt ist, das bist du! Zuerst erzählst du mir von Clara und wie sehr du sie liebst und dann küsst du mich und jetzt willst du mich los werden, nur weil Gideon offensichtlich immer noch hofft, dass ich zu ihm zurück komme.", warf sie ihm vor.

„Und wird das passieren?", hakte er nach.

„Das geht dich nichts an.", zischte sie, ehe sie sich davon abhalten konnte. Er nickte nur verstehend, dann verfiel er wieder in schweigen. Nachdem sie sich mit sich selber geeinigt hatte, dass das ihre eigene Schuld war, traute sie sich nicht mehr, das Thema noch einmal anzusprechen.

„Ich habe Clara nicht geliebt.", sagte er schließlich bitter seufzend. Sie sah überrascht auf. „Das macht es ja so schlimm."

„Aber du hast gesagt-", begann sie, da zuckte er mit seinen Schultern.

„Den man selber in Gefahr gebracht hat. Das wollte ich sagen, nicht, dass ich sie geliebt habe.", erklärte er. „Ich habe sie zum Tode verurteilt. Es ist ganz allein meine Schuld, dass sie tot ist, weil ich sie zu meiner Ablenkung gemacht habe. Die Ausbildung war so stressig und so hart, da brauchte ich einfach eine Ablenkung, einen Ausgleich und ich habe sie gefunden. Sie ist nicht gestorben, weil ich sie geliebt habe, sondern weil mir langweilig war.", darauf wusste sie nicht, was sie antworten sollte. Letztendlich räusperte sie sich.

„Du konntest nicht wissen, dass sie das tun würden.", flüsterte sie betreten.

„Doch.", meinte er. „Doch, ich wusste, dass sie das tun würden, aber das Risiko wollte ich eingehen. Ich dachte, ich kann sie schon beschützen, aber das war nicht so.", er zuckte verlegen mit seinen Schultern. „Ein weiterer Grund, warum du bei Gideon hättest bleiben sollen. Wenn dich jemand mit mir sieht, bringt dich das in Gefahr..."

„Okay, aber – aber wir stecken nun einmal gemeinsam in dieser Sache drin.", erinnerte sie ihn zögerlich.

„Trotzdem wäre es besser für dich, wenn wir einfach getrennte Wege gingen. Ich bin dazu verdammt, ein Einzelkämpfer zu sein.", flüsterte er betreten. Aus unerfindlichen Gründen und irgendwie unvorhergesehen traten Tränen in ihre Augen.

„Wieso hast du mich dann geküsst?", flüsterte sie tonlos. Er drehte sich halb zu ihr um und musterte sie ernst, aber schließlich sah er wieder nach vorne.

„Das weiß ich schon gar nicht mehr.", gab er zurück, seine Stimme plötzlich völlig emotionslos. Diese Aussage verletzte sie zutiefst, ohne, dass sie es wollte, liefen jetzt zwei Tränen über ihre Wangen. Sie konnte sich gar nicht erklären, warum es sie so sehr traf, dass er nicht mehr wusste, warum er sie geküsst hatte. „Tut mir Leid."

Er hatte sie angesehen und die Tränen bemerkt, da rollten weitere über ihr Gesicht. „Nein, schon gut.", flüsterte sie brüchig, dann räusperte sie sich noch verlegen und verstrich die Tränen ein bisschen trotzig. Innerlich kam sie sich bescheuert vor, weil in der blöden Tasche Kondome waren, damit sie mit ihm hätte schlafen können, falls es sich ergab. Worauf sie gehofft hatte.

„Lily, sieh mal-"

„Nein, es ist okay, James, tut mir Leid, dass ich so eine Szene mache, ich weiß gar nicht, wieso ich so reagiere.", stöhnte sie. „Ich glaube, ich habe einfach zu wenig geschlafen oder zu viel Stress oder so, es ist mir total egal, okay... Ich – ich will einfach nur...", sie blieb stehen. Wie lange liefen sie schon wieder? „Ich weiß, du bist das gewöhnt, aber ich bin nur ein normaler Auror, okay. Weder laufe ich normalerweise so viel, noch habe ich dieses Abhärtungstraining absolviert, das mich zu so einer Maschine gemacht hätte, wie du es bist. Ich – ich bin nur ein Mensch, ich muss mich endlich ein bisschen ausruhen.", er warf einen Blick um sich, dann streichelte er durch ihre Haare und drückte sie kurz an sich.

„Schon gut, du hast Recht.", murmelte er entschuldigend. „Ich bin das vielleicht gewöhnt, aber ich kann das nicht von dir erwarten. Wir suchen uns eine Bleibe für heute und dann schauen wir, dass du dich ein bisschen hinlegen kannst, okay?", flüsterte er beruhigend. Obwohl er sie gerade so schmerzhaft wie noch nie zurück gewiesen hatte, lehnte sie sich gegen ihn und ließ es einfach kurz zu. Sie wäre eh nicht mehr weit gekommen, da konnte sie auch genau so gut den Moment nutzen, um es los zu werden.

Offensichtlich merkte er recht schnell, dass sie jetzt richtig weinte, denn sein Griff wurde plötzlich fester und er seufzte lautlos. Die Erschöpfung kam urplötzlich, sie hatte gar nicht gewusst, wie fertig sie war, aber jetzt kam es alles hervor. „Tut mir Leid!", schluchzte sie schließlich. „Wir haben keine Zeit für so was.", er schnalzte mit seiner Zunge und küsste ihre Stirn.

„Schon gut.", meinte er wieder. „Mir tut es Leid, ich erwarte ganz schön viel von dir...", wieder streichelte er durch ihre Haare. „Es tut mir Leid, okay? Ich weiß, dass das alles zu viel ist, es ist nur schwierig für mich, immer daran zu denken, dass du das nicht gewöhnt bist.", seufzte er. Sie antwortete darauf eine ganze Weile nicht, während er einfach mit ihr weiter lief. „Kennst du dich hier in der Gegend aus?", fragte er plötzlich.

„Ein bisschen.", meinte sie.

„Die Hütte hier, wem gehört sie?", sie zuckte mit ihren Schultern.

„Der Gemeinde. Dort wird Holz und Stroh gesammelt.", er nickte verstehend. „Denkst du über ein Bett im Stohlager nach?", er nickte wieder, woraufhin sie seufzte. „Von mir aus, wenn wir dafür nicht mehr weiter laufen müssen.", willigte sie brav ein.

Nachdem James mehr oder weniger heldenhaft in das Strohlager eingebrochen war, saß sie frierend im Stroh, er lag neben ihr und starrte gegen die Decke. „Lily?"

„Ich will jetzt nicht mehr reden.", flüsterte sie geschafft. Er seufzte leise, aber dann griff er an ihre Schultern und zog sie neben sich, um seine Arme um sie zu schließen. „Was machst du?", fragte sie unsicher.

„Du frierst.", informierte er sie. „Ich spende dir Körperwärme, damit du nicht mehr frierst.", sie antwortete darauf nicht, sodass er irgendwann noch einmal seufzte. „Hast du keine Decke eingepackt?", darauf schüttelte sie den Kopf. „Warte, ich schaue, ob du vielleicht einen wärmeren Pullover dabei hast...", sie reagierte nicht, es war so kalt und ihre Finger begannen schon zu schmerzen. Er öffnete die Tasche und wühlte eine Weile, dann räusperte er sich verlegen.

Ihr fielen sofort die Kondome ein, die in der Tasche lagen und innerlich stöhnte sie entsetzt auf, weil er sie bestimmt gesehen hatte, aber er legte nur einen wärmeren Pullover über sie und schloss die Tasche wieder. Als seine Arme sich wieder wie selbstverständlich um sie legten, drehte sie sich zu ihm um und drückte wortlos ihr Gesicht gegen seinen Pullover, damit er sie fester halten würde. Er räusperte sich letztendlich verlegen. „Du... Du hast also welche eingepackt?", flüsterte er nachdenklich.

„Denkbar ungünstiger Zeitpunkt um mich auch noch damit in Verlegenheit zu bringen, James. Schweig einfach.", wies sie ihn gedämpft an. Er seufzte.

„Wieso hast du das getan?", sie verdrehte ihre Augen.

„Weil ich seit zwei Jahren keinen Sex mehr hatte und du heute morgen mit mir rumgeknutscht hast, deshalb.", schnappte sie. „Jetzt lass uns das Thema wechseln.", verlangte sie.

„Zwei Jahre?", fragte er schockiert.

„Halt die Klappe!", fuhr sie ihn an.

„Ich meine das doch nicht böse, es erklärt nur, warum du so-", er stockte kurz. „Angespannt bist.", sie wand sich endlich aus seinem Griff und stand auf, um den Pullover über zu ziehen.

„Halt einfach die Klappe, James, okay? Ich will nicht mit dir darüber reden, es ist mega peinlich und auch ganz schön unfair von dir, dass du darüber sprichst, nachdem du mich heute Nachmittag abgewiesen hast!", warf sie ihm vor.

„Ich – ich habe dich nicht abgewiesen, Lily.", meinte er mit belegter Stimme. „Ich habe nur erklärt, warum ich dazu verdammt bin, mein Leben lang alleine zu sein.", sie schnaubte ungläubig.

„Du hast gesagt, du wüsstest schon gar nicht mehr, warum du mich geküsst hast.", erinnerte sie ihn. Er holte schon Luft um dagegen zu protestieren und ihr zu widersprechen, da hob sie ihre Hände abwehrend hoch. „Lass uns einfach schweigen, okay? Alles was du sagst macht es immer nur schlimmer, ich will jetzt endlich meine Ruhe und schlafen.", er schloss seinen Mund wieder und nickte.

„Also schön.", flüsterte er peinlich berührt. „Das war nicht meine Absicht."

„Schweig einfach.", maulte sie noch einmal und drehte ihm wieder den Rücken zu.