VERZICHTSERKLÄRUNG: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich der wunderbaren Joanne K. Rowling. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir. Ich beabsichtige nicht, mit dieser Geschichte Geld zu verdienen.
A/N: Oha, da habe ich doch glatt meinen ersten Verriss erhalten. Widerlich? Nun, das ist natürlich Ansichtssache. Gewalt ist grundsätzlich widerlich, wie ich gerne eingestehe. Doch sie ist nun einmal Teil unserer Kultur. Die Beschreibung ist natürlich sehr grafisch, deshalb habe ich auch das Rating herauf gesetzt. In der Einleitung des ersten Kapitels habe ich darauf hingewiesen, dass ich eine geradlinige Rächerstory schreibe und ich habe mich in dieser Richtung ein wenig von einigen meiner Lieblingsautoren inspirieren lassen. Autoren wie Tom Clancy, Andrew Vachss oder dem Altmeister dieses Genres, Mickey Spillane. Ich war 14 Jahre als ich meinen ersten Spillane in die Finger bekam und war begeistert. Ich, der Richter ist ein Meilenstein des harten Thrillers und Mickey Spillane eckte damals, als er vor knapp 45 Jahren den Roman veröffentlichte, auch ganz schön damit an.
Gary Stue? Hmm, ich kannte die genaue Definition nicht, kann sie aber hier, nicht grundsätzlich abstreiten. Sie trifft aber auch nicht vollständig zu, nur ist das aus den ersten vier Kapiteln nicht völlig abzuleiten. Ich schreibe hier FanFiktion und erlaube mir somit einige Freiheiten mit dem Originalcharakter. Wollte ich den reinen Harry, so müsste ich Rowlings Romane lesen. Ich bin der Meinung, dass, wenn man Harry entscheidend verändert, er im Prinzip ebenfalls Gary Stue darstellt. Ich habe so viele FF gelesen, in denen Harry dramatisch verändert wurde, ja soweit, dass er nicht einmal mehr seinen alten Namen behielt. Genau das wollte ich eigentlich nicht und so griff ich nach einem Kunstgriff und kreierte Silver.
Was hat das noch mit Harry Potter zu tun, lautete die Kritik? Alles und nichts. Ich werfe keinen anderen FF-Autor es vor, wenn er Harry ins Extreme verändert. Slash, Vampir- oder Veela Harry. Sogar den Dementor-Harry habe ich angetroffen. Selbst das winzigste Crossover hat, streng genommen, schon nichts mehr mit HP zu tun. Aber dafür schreiben wir ja FF. Hier dürfen wir unsere Fantasie ausleben, indem wir Harry zum Superhelden machen, ihn in dem Pantheon der Götter erheben, ihn gar zum Engel oder zum Dämon transformieren. Oder ihn einen Helfer zur Seite stellen. Die Grenzen sind nur unsere eigenen, geistigen oder moralischen Grenzen. Hmm, ich werde jetzt wieder von meiner Apfelkiste herunter steigen und hoffe, dass ihr mir den kleinen Ausbruch nachseht. Ihr seht aber, ich lese immer meine Reviews und deshalb hoffe ich auf weitere. Nur bitte, keine hässlichen Verrisse mehr. In diesem Sinne, euer
Marius
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KAPITEL 4
Einige Tage vorher...
Remus Lupin lief unruhig in der Küche von Grimauldplatz 12 hin und her. Der Werwolf hatte tiefe Schatten unter den Augen und sein Haar wirkte noch grauer, als vor einer Woche. Sirius, sein Bruder von freier Wahl, wenn auch nicht des Blutes, war tot und gestern hatte er erfahren, dass Harry in eine Art Todesschlaf verfallen war.
"Sirius. Es tut mir Leid. Ich habe versagt. Oh, Siri." murmelte er traurig. Wenn Harry jetzt auch noch sterben würde, hatte er niemand mehr. Er wäre wieder alleine und Remus wusste nicht, ob er noch die Stärke aufbringen konnte, wieder so zu leben. Harry durfte nicht sterben. Er durfte einfach nicht. Es wäre so unfair dem Welpen gegenüber. Das Schicksal hatte es wirklich nicht gut für den Jungen gemeint.
Der Wolf konnte das Aufbrausen des Feuers im Salon hören und verließ hastig die Küche. Das erste was er sah, war Albus Dumbledore, der soeben den regungslosen Körper von Harry levitierte.
"Oh Harry! Was ist mit ihm, Albus?" kam er besorgt näher.
"Remus!" nickte ihm der alte Zauberer freundlich zu. Auch er wirkte müde, wie Remus bemerkte. "Wir wissen es nicht, mein Junge. Und so lange wir es nicht wissen, ist er hier am besten aufgehoben." erklärte er dem Wolf.
"Ist Voldemort dafür verantwortlich?" fragte Remus bange.
"Wie gesagt, wir wissen es nicht aber in diesem Fall bezweifele ich es. Es gibt keinen Hinweis und auch seine Narbe wirkt normal." erwiderte Albus geduldig.
"Oh, seine Narbe." murmelte Remus und strich sanft das Haar aus der Stirn des Jungen. Die berühmte blitzförmige Narbe wirkte unauffällig. Wenn man in diesem Fall von unauffällig reden konnte.
"Sie nimmt sonst eine tiefere Färbung an, wenn Harry eine Vision von Tom hatte." meinte Dumbledore leise. Das Feuer des Kamins brauste erneut auf und Poppy Pomfrey, die Schulheilerin trat aus dem Feuer und beugte sich sofort über ihren Patienten.
"Unverändert!" nickte sie.
"Er... er sieht so gelöst aus." fiel es Remus auf.
"Ja, das ist eine gute Beschreibung." funkelten Albus' Augen etwas stärker.
"Er schläft auf jedem Fall tief und fest. Als würde er versuchen, den verpassten Schlaf des letzten Jahres nachzuholen." meinte Poppy dazu.
"Nun. Vielleicht ist es so und wem den so ist, dann soll er in Ruhe schlafen." erklärte Albus.
"Das kann nicht dein Ernst sein, Albus?" rief Remus.
"Was sonst kann ich sagen, mein Junge? Sein Schlaf ist nicht natürlich, aber im Moment auch keine Bedrohung. Zumindest müssen wir uns über die Folgen, im Gegensatz zu Muggelpatienten, keine Sorgen machen." erwiderte der Schulvorsteher ruhig.
"So ist es. Ich habe da Sachen gehört. Ts, ts." schnalzte Poppy missbilligend mit der Zunge.
"Wir sollten jetzt lieber dafür sorgen, dass er in ein bequemes Bett kommt. Das Zimmer ist vorbereitet?" wandte sich Albus an Remus.
"Natürlich." murmelte der Werwolf eingeschnappt.
Albus ignorierte es und schwebte Harrys Körper in das nächste Stockwerk und dort in das vorbereitete Zimmer. Es sah nicht wie ein Krankenzimmer aus, aber das täuschte. Es gab ein halbes Dutzend Überwachungszauber, die jede noch so geringste Veränderung des Patientenstatus anzeigen würden. Gleichzeitig war die Matratze so bezaubert, dass es nicht zu Wunden durch langes Liegen kommen würde. Die Ernährung würde direkt erfolgen und auch für die Entsorgung der Körperausscheidungen war gesorgt. Die Harnblase, wie auch der Enddarm, würden regelmäßig entleert werden. Eine wirklich findige Einrichtung, die die Pflege der Patienten unglaublich erleichterte. Einer der Vorteile, wenn man in der Zaubererwelt bettlägerig wurde.
Albus hatte Dobby herbei geordert und der Hauself war nur zu gerne bereit, Harry zu überwachen und zu pflegen. Es würde ihm also an nichts fehlen. Doch das war für Remus nur ein schwacher Trost. Harry sah so schmal, so jung und verletzlich aus, dass es ihm einen Stich gab.
"Ich werde täglich herüber flohen um nach ihm zu sehen." versprach Poppy zum Abschied.
"Danke, Poppy!" murmelte Remus, aber ließ Harry nicht aus den Augen.
Die Medihexe verließ still das Zimmer und auch Albus blieb nicht lange.
"Dobby wird gut für Harry Potter Sir sorgen, Meister Wolf." versprach Dobby.
"Ich weiß, Dobby. Harry hat immer nur mit viel Zuneigung über dich geredet." lächelte Remus schwach.
"Der große Harry Potter hat gut über Dobby geredet?" heulte der Hauself auf.
"Ja, bitte beruhige dich." flüsterte Remus hastig. Er hatte vergessen, dass Harry ebenfalls Dobbys Marotten erwähnt hatte.
"Dobby ist ruhig!" schniefte der treue Hauself und sah voller Hingabe zu seinem bevorzugten Zauberer.
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Drei Tage waren inzwischen vergangen und Remus verließ nur selten Harrys Krankenzimmer. Nur vorgestern Nacht, hatte er es völlig Dobby überlassen, sich um Harry zu kümmern. Aus gutem Grund. Es war Vollmond gewesen und Remus hatte sich im Keller eingesperrt um keinen zu gefährden. Die Verwandlung war diesmal noch qualvoller als üblich gewesen und man sah ihm die Folgen deutlich an.
Molly Weasley, die regelmäßig im Hauptquartier des Ordens Dienst schob, konnte ihn am vierten Tag endlich dazu überreden, mit ihr zusammen in der Küche zu frühstücken. Nachdem der Werwolf eine lange heiße Dusche genommen und frische Kleidung angezogen hatte, ging er, nach einem letzten Blick auf Harry und einen bestätigenden Nicken von Dobby, nach unten. Molly war alleine in der Küche und bereitete bereits das Mittagessen für die Ordensmitglieder vor. Beschäftigt wieselte sie hin und her und nötigte Remus in einen der Stühle. Nur wenige Sekunden später, stand ein enormes Frühstück vor ihm. Der Werwolf protestierte erst, aber nachdem er die ersten Bissen zu sich genommen hatte, überfiel ihn Heißhunger und er langte tüchtig zu.
"So ist es brav!" schnurrte die rothaarige Hexe zufrieden.
"Ich habe gar nicht gemerkt, welchen Hunger ich hatte." brummte Remus fast verlegen.
"Du solltest besser auf dich achten, Remus. Es hilft Harry kein bisschen, wenn du zusammen klappst." bemerkte Molly streng.
"Du hast ja Recht." wurde der letzte der Plünderer rot.
"Wie geht es dir, Remus?" setzte sich Molly zu ihm. Ihr Ausdruck zeigte tiefe Sorge und etwas, das Remus nicht bestimmen konnte.
"Ich vermisse ihn, Molly. Jeden einzelnen Tag. Es ist ein Schmerz... jenseits aller Beschreibung. Nicht einmal damals, als ich ihn für den Verräter hielt, habe ich mich so miserabel gefühlt." sanken Remus' Schultern müde ab.
Molly tätschelte mitfühlend seine Hand und seufzte schwer.
"Ich vermisse ihn ebenfalls. Auch wenn wir uns oft in den Haaren lagen, so wusste Sirius doch, dass ich ihn und Harry nur schützen wollte. Wie oft hatte er im letzten Jahr hier, in diesem Stuhl gesessen und wir haben zusammen gefrühstückt!" sagte sie mit dicker Stimme. "Entschuldige bitte!" wandte sie sich ab und putzte sich die Nase.
"Kein Grund, Molly." wischte sich Remus selbst über die Augen und holte tief Luft, um sie dann langsam abzulassen. "Und doch weiß ich, dass dieser Schmerz nichts gegen den ist, den Harry fühlen muss." sagte er tonlos.
"Der arme Junge!" schluchzte Molly auf.
"Er ist kein Junge mehr, Molly. Ich glaube, wir machen alle den Fehler, ihn als Kind zu sehen. Doch Harry hatte nie eine Kindheit. Zumindest nicht mehr nach den ersten 15 Monaten." meinte Remus nachdenklich.
Molly wollte erst vehement widersprechen, doch Remus' bernsteinfarbene Augen leuchteten so eindringlich, dass sie kein Wort herausbrachte. Die Mutter von sieben Kindern wusste, dass sie oftmals einfach zu beschützerisch war, doch sie konnte nicht aus ihrer Haut. Harry war ihr achtes, inoffizielles Kind und bekam dieselbe Behandlung, wie die anderen ihrer Kinder.
"Du kannst sie nicht ewig in deinen Armen halten, Molly." sagte Remus, der sie beobachtet hatte, weich aber bestimmt.
"Ich weiß ja." seufzte sie.
"Du würdest wahrscheinlich Bill ebenfalls noch bemuttern, wenn er es zulassen würde." lächelte der Wolf etwas. Molly lächelte schwach zurück und seufzte erneut.
"Sirius sagte genau dasselbe." gab sie zu.
"Er konnte manchmal wirklich klug sein." versuchte Remus einen Scherz.
Mollys Antwort wurde von dem dezenten Klopfen einer Posteule unterbrochen. Sofort sprang sie auf und ließ die braune Eule herein und bezahlte die paar Knut für die Tageszeitung.
"Gab es neue Angriffe?" fragte Remus neugierig. In den letzten Tagen hatte er es versäumt die Geschehnisse zu verfolgen, aber er hatte trotzdem mitbekommen, dass es Tote gegeben hatte.
"Sehen wir nach." murmelte die Hexe und setzte sich wieder neben Remus, so dass er ebenfalls einen Blick hineinwerfen konnte. Dann schlug sie die gefaltete Zeitung auf und beide starrten auf die Schlagzeile.
FENRIR
GREYBACK UND ZWEI TODESSER TOT AUFGEFUNDEN! Wie gestern
Abend, von gut informierten Kreisen des Ministeriums zu erfahren war,
wurde der berüchtigte und wegen mehrfachen Mordes gesuchte
Werwolf Fenrir Greyback, bei einer Ortschaft in Essex tot
aufgefunden. Anonyme Hinweise hatten Auroren des Departments zum
Fundort geführt. Wie die ersten Ermittlungen ergaben, war
Greyback dabei, einen Muggeljungen zu beißen, als ein Fremder
auftauchte und den Gesuchten stellte. Wie Greyback genau ums Leben
kam, war von unseren Mitarbeitern nicht zu eruieren. Doch dieser
Reporter fragt sich, warum der Verbrecher Greyback nicht schon früher
von den Kräften des Ministeriums der Gerechtigkeit zugeführt
wurde? Noch zwei weitere Leichen wurden, ebenfalls nach einem
Tipp, im Westen des Landes entdeckt. Beide wiesen das dunkle Mal auf
und es war nicht zu erfahren, wie die beiden ums Leben kamen. Der
Sprecher des Ministeriums lehnte Informationen auf die Identität
der beiden Zauberer, in Hinblick auf die laufende Untersuchung, ab.
"Greyback!" knurrte Remus guttural und seine Augen nahmen einen fast goldenen Ton an.
"Das war doch der, der dich...?" verstummte Molly besorgt.
"Ja, genau der. Wer immer ihn erledigt hat, er wird meinen ewigen Dank haben. Der Schweinehund drehte besonders gerne schutzlose Kinder in Werwölfe. Und er genoss es auch noch." lehnte sich Remus zurück und versuchte sich zu beruhigen. Langsam trat ein Lächeln auf seine Lippen und er wirkte als wäre ein Teil seiner Last abgefallen. Es war gut, dass dieser Bastard endlich tot war.
"Ich frage mich, ob zwischen Greyback und den Tod der zwei Todesser ein Zusammenhang besteht?" murmelte Molly nachdenklich.
"Möglich. Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren. Doch ich frage mich, wer die beiden waren. Hmm, vielleicht weiß Albus näheres?" überlegte Remus. Weitere Gedanken gingen ihn durch den Kopf. Greybacks Tod würde die Rekrutierung der Werwölfe für Voldemort unglaublich erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen. Es war hauptsächlich Fenrir Greyback, der den Großteil der britischen Werwölfe mit eiserner Faust beherrschte oder beherrscht hatte, korrigierte sich Remus. Er war ein wirklich mächtiger Alphawolf und ihn zu töten, war sicher kein leichtes Spiel gewesen. Dazu der Tod zweier Todesser... es war kein guter Tag für den dunklen Lord, jedoch für die Seite des Lichtes war es ein Tag des Sieges.
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Auch Tharan McBane las an diesem Morgen aufmerksam die Zeitung und sein Lächeln wirkte genauso zufrieden, wie das eines gewissen Werwolfes.
"Es fängt also an. Gut gemacht, Kiddo." murmelte er.
Er hatte Silver seit dem Tag, an dem er ihm das Schwert gab, nicht mehr gesehen. Der silberhaarige Junge war zum Essen geblieben und Tharan hatte für ihn einen Termin bei einem Waffenhändler ausgemacht. Der Schmied hatte ein paar wirklich gute Kontakte zur Londoner Unterwelt, da er regelmäßig alte Waffen erwarb und auch verkaufte. Einige seiner Messer wurden auch von gewissen Kreisen benutzt und er hatte sich einen guten Ruf als Hersteller erstklassiger Stichwaffen erworben. Nicht, dass er das dem Jungen auf die Nase binden würde.
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Das Blutmassaker im Lagerhaus, wie es die englische Presse nannte, fand so gut wie keine Beachtung in der Zaubererwelt. Was interessierten sie neun tote Muggel? Auch der Orden des Phönix oder Voldemorts Todessern, entging dieser Bericht. Der Tagesprophet brachte andere Schlagzeilen, die viel erschütternder in den Augen der Zauberer und Hexen waren. Wieder hatte es eine junge Muggelstämmige Hexe und ihre Familie erwischt. Ein Bericht auf der Vorderseite zeigte das dunkle Zeichen über einem kleinen Cottage.
Furcht breitete sich durch das Land aus und Rufe wurden laut, Cornelius Fudge abzusetzen.
Der Minister für Magie wusste, dass seine politische Karriere nur noch an einem seidenen Faden hing. Umso erleichterter war er, als ihm an nächsten Morgen Amelie Bones den Fund von Greybacks Leiche meldete. Endlich ein kleines Erfolgserlebnis, dass die Massen etwas beruhigen würde. Der Fund von zwei toten Todessern am Tag darauf, gab ihm weiteren Auftrieb. Bis ihm Bones die Namen verriet.
"Abraham Carver? Aber das kann unmöglich sein." fing er an zu schwitzen.
"Warum nicht, Minister?" fragte Bones kühl.
"Er ist ein ehrenwertes Mitglied des Zaubergarmots und würde niemals solche Gräueltaten begehen." empörte sich Fudge.
"Die Beweise sprechen etwas anderes, Cornelius. Der Mann war ein Scheusal." wurde Bones' Stimme noch kühler. Sie hatte persönlich die Beweise gesichtet und hatte alles an Selbstbeherrschung zusammen raffen müssen, als sie Carvers Erinnerungen in einem Justizdenkarium überprüfte. Scheusal, war ein viel zu schwaches Wort, um zu beschreiben, was sie hatte sehen müssen. Für Amelia Bones spielte es keine Rolle ob die Opfer Muggel waren oder nicht. Überhaupt keine Rolle. Es waren in erster Linie Menschen die zu gelitten hatten. Kinder, die gefoltert, vergewaltigt und auf die grausamste Art und Weise ermordet wurden.
"Ich verbiete, dass die Namen an die Presse freigegeben werden. Haben sie mich verstanden, Madame Bones?" wurde er wütend.
"Es wird vermerkt werden." hob sie herausfordernd das Kinn.
"Wie darf ich das verstehen?" kniff Fudge die Augen zusammen.
"So wie ich es sagte. Guten Tag, Minister." ließ sie ihn stehen.
Cornelius Fudge kochte vor Wut. Niemand ließ ihn einfach so stehen. Auch nicht die Direktorin der magischen Strafverfolgungsbehörde. Es war zu dumm, dass er Bones nicht einfach vor die Tür setzen konnte. Die Direktoren der vier wichtigsten Abteilungen wurden vom Zaubergarmot eingesetzt und auch entlassen. Der Minister konnte natürlich Empfehlungen aussprechen und so, ab und zu einen seiner Leute platzieren. Er würde bei der nächsten Versammlung diese aufmüpfige Hexe abservieren.
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In einem kleinen Landgut, in der unmittelbaren Nähe zu Little Hangleton, wurde ebenfalls der Tägliche Prophet gelesen. Es war Wurmschwanz, der seinem Meister die Zeitung bringen musste, und er war dementsprechend nervös. Seine Nervosität war nicht unbegründet, denn der dunkle Lord verlor schnell seine Beherrschung.
Tom Marvolo Riddle, der selbst ernannte dunkle Lord Voldemort und unter den Zauberern und Hexen der Welt besser bekannt als Du-weißt-schon-wer, zischte vor Wut als er die Schlagzeile las. Greybacks Tod war ein Rückschlag und wenn der Werwolf jetzt vor ihm stehen würde, dann hätte dieser unermesslichen Schmerz zu erleiden. Er hatte diesem Tier verboten auf die Jagd zu gehen und sein Ungehorsam resultierte nun in dessen Tod und somit als Ärgernis für den dunklen Lord.
"Wie sind die Namen meiner ermordeten Anhänger, Wurmschwanz?" fragte er den unscheinbaren, untersetzten Mann gefährlich ruhig.
"W... wir wissen es noch nicht, Meister." zitterte die Ratte.
"Deine Nützlichkeit beginnt merklich zu schwinden, Wurmschwanz. Ich dulde keine Inkompetenz. Also frage ich dich noch einmal. Wer waren sie?" zischte Voldemort. Seine roten Augen versprachen Schmerz und Tod.
Peter Pettigrew schluckte und entschloss sich, seine Vermutungen preiszugeben. Er wusste, dass er so oder so bestraft werden würde.
"Abraham Carver und Stuart Garson, mein Lord. Es ist die einzig logische Erklärung." kauerte er zu Füßen seines Meisters.
Voldemort verlor für eine Sekunde die Beherrschung und Magie brach aus ihm hervor. Sein Zauberstab rutschte in seine rechte Hand und deutete auf Pettigrew. Die Ratte zitterte und senkte den Kopf und wartete auf den Schmerz. Doch er kam nicht. So schnell Voldemort seine Beherrschung verloren hatte, so schnell hatte er sich auch wieder gefasst. Er würde die Ratte später bestrafen, doch jetzt hatte dieser einen Auftrag zu erfüllen. Es war wichtig zu erfahren, ob die Auroren von seinen Plänen wussten. Carver war ein Mitglied seines inneren Kreises und war eingeweiht gewesen.
"Setze dich mit unseren Leuten im Ministerium in Verbindung und besorge mir alle Details über Carver und Garsons Tod. Alles. Und Wurmschwanz... enttäusche mich nicht." befahl der dunkle Lord.
"Nein, mein Lord. Danke, mein Lord." versicherte ihm Pettigrew hastig.
"Worauf wartest du?" zischte Voldemort.
Pettigrew schluckte und hastete aus Voldemorts 'Thronsaal'. Zum wiederholten Male verfluchte er sich für seine Schwäche und dafür, dass er immer den Boten für schlechte Neuigkeiten spielen musste. Es war einfach nicht fair. Schließlich war er es gewesen, der unbedingte Treue zu seinem Meister gezeigt und zu dessen Wiederauferstehung verholfen hatte. Der Verräter seufzte unmerklich und apparierte nach London.
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Im Hauptquartier des Ordens des Phönix wusste man inzwischen ebenfalls die Identität der Todesser. Albus Dumbledore hatte eine Sitzung einberufen und die wichtigsten Mitglieder des Ordens waren erschienen.
"Carver und Garson also." nickte Remus grimmig.
"Kein Verlust die beiden. Wirklich nicht!" knurrte Mad-Eye Moody.
"Waren die beiden Mitglieder des inneren Zirkels?" wandte sich Hestia Jones an Severus Snape. Der Trankmeister hatte sich bisher zurück gehalten.
"Nur der dunkle Lord weiß, wer die Mitglieder des inneren Zirkels sind." schnarrte Snape kalt.
"Das ist wohl wahr, Severus. Aber du wirst doch sicherlich Verdachtsmomente haben?" bemerkte Minerva McGonegall. Die Hauslehrerin der Gryffindors war inzwischen wieder voll hergestellt.
"Ich liefere nur Fakten." erwiderte der Trankmeister kühl. Der Tod von Carver und Garson hatte den ansonsten stets gefassten Mann erschüttert.
"Was wissen wir über den Tod der beiden?" wandte sich Albus an seinen alten Freund Alastor Moody.
"Vielleicht sollten erst die Kids den Raum verlassen." brummte Mad-Eye und starrte mit seinem künstlichen blauen Auge auf die Weasleyzwillinge.
"Kids?" hob Fred die Augenbrauen und sah über seine Schulter.
"Ich sehe keine Kids." murrte George.
"Ist es so schlecht?" hielt sich Molly erschrocken die Hand vor dem Mund. "Dann solltet ihr vielleicht besser gehen, Jungs." schlug sie vor.
"Vergiss es Mom. Wir bleiben." blieb Fred hart.
"Sie sind Mitglieder und erwachsen und es ist ihre Entscheidung." sagte Albus moderat.
"Es kann doch sicherlich nicht so schlecht sein?" wunderte sich Remus.
"Hängt davon ab, Lupin." meinte Kingsley Shacklebolt.
"Die beiden wurden sauber umgelegt, das ist es auch nicht. Nein, was sie vorhatten und anscheinend etliche Male bereits vollzogen haben, ist das was mir schlecht aufstößt." knurrte Moody.
"Berichte Alastor." forderte ihn Dumbledore auf.
Mad-Eye nickte und fing an zu berichten. Er hielt seine Stimme ruhig und sachlich und listete nur die Tatsachen auf:
Zwei Auroren, Dawlish und Hancock, apparierten zu den angegebenen Koordinaten. Es war ein kleines Haus, am Rande einer Muggelortschaft. Lokalitäten, die die erfahrenen Auroren nur zu gut als Ziele der Todesser erkannten. Dawlish und Hancock waren Veteranen des ersten Krieges und erwarteten instinktiv auch hier ein zerstörtes Heim und jede Menge Opfer zu entdecken. Doch was sie fanden, waren zwei tote Todesser und ein unversehrtes Muggelhaus. Vorsichtig kamen sie näher und sicherten das Anwesen. Die Bewohner waren anscheinend betäubt worden aber unversehrt. Eine fünfköpfige Familie. Vater, Mutter und drei Töchter im Alter von 5 bis 10 Jahren. Nachdem sie das Haus gesichert hatten, untersuchten sie die beiden Toten.
Die Identifizierung war einfach. Die Todesursache hingegen, war etwas kniffliger zu bestimmen.
"Und was habt ihr herausgefunden?" unterbrach Mundungus Fletscher an dieser Stelle, Mad-Eyes Bericht.
"Wenn du mich nicht unterbrochen hättest, dann wüsstest du es bereits." grollte der alte Auror. "Beide wurden erschossen. Je zwei Schüsse in den Hinterkopf. Die Art und Weise, in der Muggel Leute hinrichten."
"Eine Muggelwaffe? Was war es für eine?" rief Arthur neugierig.
Severus Snape stöhnte innerlich. Das würde dem dunklen Lord sicher nicht gefallen, was wiederum in Schmerz für ihn resultieren würde.
"Es waren Muggel, die die beiden erwischt haben?" wunderte sich Fred.
"Nein. Sie wurden auf Muggelart getötet, aber getan hat das ein Zauberer oder Hexe. Carver und Garson wurden... verhört, bevor sie hingerichtet wurden." erklärte Moody.
"Du meinst gefoltert und ermordet, mein Freund." verbesserte ihn Albus.
"Nein, ich meine hingerichtet. Wenn es nicht schon bereits geschehen wäre, würde ich mich sofort freiwillig melden, die beiden Dreckskerle umzulegen. Und ich würde keine Sekunde zögern, Albus. Die beiden haben es verdient." hielt Moody dagegen. Kingsley, Tonks und Jones, die drei Auroren nickten zustimmend. Sie wussten die Fakten.
"Carver und Garson hatten ein kleines Hobby. Sie überfielen bevorzugt Familien mit Töchtern. Kleinen Töchtern. Muss ich mehr ins Detail gehen?" knirschte Moody.
"Merlin!" seufzte Albus erschüttert und winkte ab.
"Zwei Schüsse in den Hinterkopf? Die beiden sind zu leicht gestorben." sagte Fred voller Abscheu.
"Ich stimme dem zu." knurrte Remus.
"Ich ebenfalls." überraschte Molly alle.
"Ich habe nicht gesagt, dass sie leicht gestorben sind." lächelte Moody grausam.
"Alastor!" mahnte Albus.
"Lass hören, Mad-Eye!" beugte sich Molly vor.
"Beide wurden entmannt." klang der alte Auror richtig zufrieden.
"Ich wusste gar nicht, dass es Kastrationsflüche gibt. Ich dachte, sie gehören ins Reich der Legenden." wunderte sich George.
"Wir sollten daran arbeiten, Bruder mein." grinste Fred.
"Kinder!" seufzte Albus missbilligend.
"Oh, ich habe nicht von Kastration gesprochen, sondern von Entmannung. Es war gute, alte Messerarbeit. Blutig und effektiv. Da war ein Künstler am Werk." versicherte Moody.
Für gut fünf Sekunden herrschte tiefes Schweigen.
"Messerarbeit?" wurde Fred blass.
"Also doch Muggel?" kniff Snape die Augen zusammen.
"Keineswegs. Dagegen spricht die Tatsache, dass die Kollegen Gedächtnisfäden fanden. Als Beweis für ihre Schuld." erklärte Kingsley.
"Da scheint uns jemand die Arbeit abnehmen zu wollen." bemerkte Moody mit einem fast unmerklichen Lächeln.
"Greyback wurde mit Messern getötet?" warf Remus neugierig ein.
"Nein, kein Messer. Vermutlich mit einem Schwert. Enthauptet, um genau zu sein. Wer immer es tat, er wusste was er machte." erwiderte Kingsley.
"Das ist Besorgnis erregend. Keineswegs benötigen wir einen Vigilanten der ungehindert mordet." war Albus besorgt und vergaß dabei völlig, dass er selbst der Führer einer Vigilantengruppe war.
"Er tut wenigstens was." murmelte George.
"Mord ist nie eine Lösung." sagte Albus ruhig.
"Ansichtssache." knurrte Moody, der Pragmatiker.
Der Rest der Sitzung ging schnell vorbei. Es wurde vereinbart, dass jeder die Augen aufhielt und mit dieser Vereinbarung löste Albus die Sitzung auf. Er war froh, dass das Thema Harry Potter nicht zur Sprache gekommen war. Selbst Severus wusste nichts davon und er wollte es noch ein wenig so halten. So lange Tom den Jungen bei seinen Verwandten vermutete, so lange würde er sich zurückhalten.
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Lord Voldemort wusste inzwischen die Details und saß nachdenklich auf seinem Thron. Carver und Garsons Tod war vermutlich nur ein Zufall und die Auroren wussten nichts von seinen unmittelbaren Plänen. Gut so. Gut. Keineswegs war dies die Arbeit des Ordens gewesen. Dazu waren Dumbledores Leute einfach zu... unbedarft. Voldemort lächelte abschätzig. Dumbledore war der einzige, vor dem er sich in Acht nehmen musste, doch auch dieses Problem gedachte er zu beseitigen. Der Balg von Lucius war genau der Richtige für diese Aufgabe. Gleichzeitig würde diese Idee den Lord der Malfoyfamilie strafen, denn der junge Draco würde dies bestimmt nicht überleben. Das war die Strafe für Lucius' Unfähigkeit.
Potter selbst, war keine unmittelbare Bedrohung. Ja, der Junge war stark aber zu mäßig ausgebildet, um eine Gefahr darzustellen. Zu Schade, dass er selbst im Ministerium hatte eingreifen müssen. Er hätte es vorgezogen, seine Anwesenheit noch ein weiteres Jahr zu verschleiern, um seine Machtbasis auszubauen. Der Narr Fudge hatte ihm direkt in die Hände gespielt, als er ihn verleugnete. Noch war Tom zu schwach, um das Ministerium zu übernehmen, aber hoffte, dass es in einem Jahr soweit war.
Voldemort entließ das Thema und beschloss seine Leute etwas fester an die Kandare zu nehmen. Eigenmächtigkeiten wie die von Garson und Carver würden nicht mehr erlaubt werden, außer sie baten vorher um seine Genehmigung. Dass die beiden Männer sich mit Muggelkindern vergnügen wollten, störte den dunklen Lord nicht eine Sekunde. Muggel waren minderwertig und zählten daher nicht. Außerdem würden solche Taten die Angst vor seinen Leuten nur erhöhen. Ein böses Lächeln zierte Toms schmale Lippen und die wenigen Todesser, die sich zu diesem Zeitpunkt im 'Thronsaal' aufhielten, schauderten vor Angst.
Was immer ihr Meister plante, es würde Angst und Schrecken verbreiten.
TBC...
A/N: Das waren die Reaktionen von anderen Schauplätzen. Was wird in Askaban geschehen? Wird Fudge, Amelia Bones abservieren? Was ist mit Harry? Dies und noch mehr, in den kommenden Kapiteln. Wenn man diese Geschichte nicht verbannt, natürlich. Bis morgen oder übermorgen,
Marius
