„Gib mir das sofort zurück, Potter!", hallte der Ruf über das Gelände. Es war ein warmer Vormittag, deshalb verbrachten die Schüler der sechsten Stufe die Freistunde hier draußen.
„Was denn Schniefelus? Hast du etwas verloren?" James sah den Slytherin herausfordernd an.
„Du verstehst mich schon...", zischte Severus ihn an.
„Weißt du was? Du kannst es haben … aber du musst es dir schon selbst aus dem See fischen ...", rief James und holte weit aus. Mit einem lauten Platschen landete der begehrte Gegenstand im kühlen Wasser.
Genau an dieser Stelle tauchte prustend ein Kopf aus dem Wasser auf.
„Hey, was soll denn das? Man wirft keine Gegenstände in bewohnte Gewässer." Die Jungs sahen staunend in die Wellen.
„Midlander?", fragte James perplex.
„Potter? Ist ja typisch, entsorgst du immer dein Zeug im See?", rief das Mädchen schimpfend und rieb sich den Kopf.
„Hat er dich wirklich getroffen?", fragte Sirius ungläubig.
„Na was meinst du denn? Dadurch ist meine Atemblase geplatzt."
„Was machst du eigentlich hier draußen? Müsstest du nicht im Unterricht sein?" Sie grinste.
„Eigentlich schon Remus. Strafarbeiten von Professor Wilard, hab seinen Unterricht gestört."
„Und nun musst du hier schwimmen, oder was?"
„Oh Mann, Sirius. Wilard lässt sie eindeutig Seegras ernten.", murmelte Remus und gab seinem Kumpel einen Stoß in die Rippen.
„Genau. Seegras, Tang und Algen...ich sollte weiter machen. Willst du das wiederhaben, Pot... Hey, ist das eine Drachenschuppe? Du scheinst zu viel Geld zu haben, Potter, wenn du so etwas wegwirfst.", rief Raffaela und zögerte. Sie bemerkte den Blick von Remus, der zu einem Baum in der Nähe wanderte. Dort stand ein Slytherin und als sie die Augen zusammen kniff, erkannte sie ihn. „Ich verstehe … dass du einfach nicht klüger wirst, Potter.", rief sie und wandte sich Severus zu. „Hey...ich glaube, du hast da etwas verloren, fang!" Überrascht fing er die Drachenschuppe auf und sah sie irritiert an. Einen Augenblick später war Raffaela verschwunden, wahrscheinlich wieder auf der Suche nach Seegras. Kopfschüttelnd sahen die Gryffindors über den See und dann Severus nach, der eilig in Richtung Schloss verschwand.

Die Gryffindors betraten als letzte das Zaubertränkeklassenzimmer und stießen sich gegenseitig an, als sie Severus beim Professor entdeckten. Er sah nicht wirklich erfreut aus. Sie hatten nicht bemerkt, dass Raffaela hinter ihnen ging. Sie blieb im Türrahmen stehen und wartete kurz ab.
„Tut mir leid, Mr. Snape...ich kann ihnen erst erlauben, diesen Trank zu brauen, wenn sie alle Zutaten zusammen haben, es ist schließlich ihr ganz eigener Trank."
„Aber mir fehlt doch nur noch das Horn eines Einhorns...", hörte sie Severus murmeln. Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe.
„Was willst du denn brauen, Snape?", rief Sirius gehässig.
„Bestimmt einen Verschönerungstrank...", kicherte Peter. Also wenn Severus mit Blicken hätte töten können, wäre Peter in diesem Moment tot zu Boden gesunken.
„Nein, einen Klugheitstrank, damit ihr auch die Chance habt, den Abschluss zu schaffen." Raffaela konnte ihr Kichern nicht unterdrücken und erregte so die Aufmerksamkeit des Professors.
„Miss Midlander?"
„Ich habe Ihre Zutaten, Sir!"
„Sehr gut, stellen sie es hier ab. Ich hoffe sie merken es sich, von nun an meinen Unterricht nicht mehr zu stören.", bemerkte er.
„Habe ich doch eigentlich nicht...", entfuhr es Raffaela unbedacht.
„Wie bitte?"
„Eigentlich habe ich Marie nur gesagt, sie solle dazuschreiben, wie oft man rühren muss...das ist bei dem Schlaftrank sehr wichtig.", erklärte sie kleinlaut.
„Weshalb haben Sie das nicht gesagt?" Professor Wilard schüttelte ungläubig den Kopf, als sie nur die Schultern hob. „Gut, dann bleibt es bei der Verwarnung, dafür dass Sie anderen helfen wollten, kann ich Ihnen keine Punkte abziehen. Besorgen Sie sich die Aufzeichnungen Ihrer Mitschüler."
„Danke, ich kenne das Rezept bereits, mein Dad hat es einmal wöchentlich gebraut.", bemerkte Raffaela und wollte schon gehen.
„Dann muss Ihr Vater aber mächtige Schlafprobleme haben." Der Professor runzelte die Stirn, als sie bitter lachte.
„Mein Dad hatte einen Laden für Kräuter und Tränke."
„Oh, in Hogsmead? Waren Sie deshalb so oft im Schloss?"
„Nein, ich habe hier gewohnt, bei meiner Tante. Unser Laden war in Penterton, auf der anderen Seite des Waldes..."
„Oh, denn kenne ich...ich war einmal dort, bevor..." Er stockte, erst jetzt verstehend, wen er hier vor sich hatte. „ Nun sollten Sie aber gehen, sonst müssen Sie erklären, warum Sie zu spät zu Ihrer nächsten Stunde erscheinen.", erklärte er, das Thema wechselnd. „Ach und trocknen Sie Ihr Haar, sonst werden Sie noch krank."
„Das vertrage ich schon...wenn ich sie trocken zaubere, sehe ich aus, als hätte ich in die Steckdose gegriffen..." Damit fiel die Tür hinter ihr ins Schloss.
„Steckdose?", fragte Sirius flüsternd.
„Erkläre ich dir später mal.", murmelte Lily und wandte sich dem Professor zu.

„Miss Midlander, Sie sind zu spät." Raffaela zog den Kopf ein, als Minerva sie enttäuscht ansah.
„Es tut mir leid, Professor. Ich kann es erklären."
„Gut, nach dem Unterricht, jetzt fangen Sie an, versuchen Sie dieses Streichholz in eine Nadel zu verwandeln." Sie nickte langsam und zückte ihren Zauberstab.
„Also Raffaela, du wolltest etwas erklären?", fragte ihre Tante, als sie allein im Klassenzimmer zurückgeblieben waren. Minerva schmunzelte zum Ende hin leicht.
„Hat er dir Punkte abgezogen?"
„Nein, er hat meine Erklärung mit einbezogen."
„Vielleicht sollte ich mal mit dem Professor reden." Raffaela sah ihre Tante verständnislos an.
„Wieso denn? Es ist doch nichts passiert. Ich habe nichts verpasst und der kleine Ausflug in den See, der war erfrischend."
„Na wenn du meinst. Jetzt aber los, du hast Geschichte, oder?" Raffaela flitzte durch die Gänge, auch wenn es eigentlich verboten war, aber so erreichte sie das Klassenzimmer rechtzeitig zu Unterrichtsbeginn.

Raffaela wich eilig einigen Schülern aus und steuerte die große Halle an, ihr Magen grummelte schon.
„Miss Midlander?" Sie blieb wie angewurzelt stehen und sah sich um. An der Treppe zum Kerker stand Professor Wilard und winkte sie zu sich.
„Professor?" Unsicher beobachtete sie die vielen Slytherins, die sich an ihnen vorbei drängten.
„Ich habe mit Ihrer Tante gesprochen..." Raffaela seufzte leise. „Sie erzählte mir, dass Sie schon früher Ihrem Vater über die Schulter sehen durften."
„Ja, er hat mir die ersten Tränke beigebracht."
„Sie durften auch selbstständig brauen?", fragte der Professor sanft. Raffaela nickte.
„Die einfachen Tränke, bei den schwierigen durfte ich nur assistieren."
„Wenn Sie so viel Spaß an Zaubertränken haben, wie wäre es, wenn Sie sich ein paar Extrapunkte verdienen?", fragte er nachdenklich.
„Ich...wie?"
„Sagen wir, einen Aufsatz zum Schlaftrank? Zubereitung, Wirkung, was Ihnen dazu einfällt... 30 Zoll Pergament sind Minimum." Raffaela nickte langsam.
„In Ordnung, Sir. Bis wann?"
„Wie Sie Zeit haben, im Laufe der Woche."
„Prima, jetzt muss ich aber los, sonst verhungere ich gleich, Sir." Raffaela verabschiedete sich und lief zu ihrem Platz, wo sie von dunklen Augen beobachtet ihren Teller belud.

Sie saß spät am Abend über den Büchern in der Bibliothek, sie war eine der letzten, die die Bibliothekshexe hinaus scheuchte. Doch sie ging noch lange nicht zu Bett. Die Ruhe im Gemeinschaftsraum war gerade richtig, um zu schreiben. Die Turmuhr schlug gerade Mitternacht, als Raffaela gähnend die Feder weglegte und das Pergament zusammen rollte.
„Fertig...", murmelte sie und packte ihre Sachen zusammen, bevor sie wenig später müde in ihr Bett kroch.
Sie erschien ziemlich spät und noch immer müde zum Frühstück. Zum ersten Mal in ihrem Leben griff sie freiwillig nach dem Kaffee. Raffaela verzog angewidert das Gesicht, aber der Kaffee weckte ihre Lebensgeister und sie fühlte sich bereit für den Unterricht. Nach der Zauberkunststunde, war es Zeit fürs Mittagessen. Raffaela war spät dran, Professor Flitwick hatte sie aufgehalten. Er hatte ihre Unsicherheit bei der Levitation bemerkt und zeigte ihr den Zauber noch einmal genauer. Sie betrat gerade die Eingangshalle und hielt inne. Da war er und sie konnte ihm helfen. Sie hatte das, was er brauchte. Und irgendwie war sie ihm ja etwas schuldig geblieben.
„Hey du..." Das war ihre Stimme schneller gewesen, als ihr Mut. Raffaela zuckte zusammen, als Severus sie kühl ansah.
„Was?"
„Ich … ich glaube, du kannst das hier besser gebrauchen, als ich." Sie reichte ihm ein längliches Päckchen und wandte sich ab. Raffaela hörte, wie er die Verpackung löste und dann scharf einatmete.
„Wieso...wieso gibst du mir das?" Sie schmunzelte und hob die Schultern.
„Du brauchst es, ich bin dir etwas schuldig. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich immer noch im Wald." Severus schüttelte ungläubig den Kopf. „Außerdem kenne ich jemanden, der einen Intelligenztrank gut gebrauchen könnte.", erklärte sie ernst und blinzelte ihm lächelnd zu. Er konnte ein belustigtes Schnauben nicht unterdrücken und Raffaela staunte nicht schlecht darüber, was sie sich natürlich nicht anmerken ließ. „Viel Erfolg für deinen Trank."

Raffaela hatte lange geklopft, aber Professor Wilard schien nicht da zu sein. Resigniert machte sie sich auf den Rückweg. Sie erreichte gerade den Fuß der Treppe, als sie die Stimme des Professors vernahm, deshalb wartete sie.
„Miss Midlander, was tun Sie denn hier unten?", fragte er überrascht.
„Ich wollte zu Ihnen. Aber ich will Ihr Gespräch nicht stören, Sir.", murmelte Raffaela, als sie Severus hinter dem Professor entdeckte.
„Einen Moment habe ich für Sie. – Gehen Sie schon vor, Mr. Snape.", bat er ruhig.
„Es geht ganz schnell, ich wollte Ihnen nur meinen Aufsatz geben, Sir!" Raffaela reichte ihm die Pergamentrolle.
„Schon fertig? Da bin ich aber gespannt. Genießen Sie Ihren Nachmittag."
„Danke Professor." Raffaela nickte Severus zu und lief dann die Treppen hinauf. Sie verließ das Schloss und ging ein Stück, bevor sie sich zum Lernen in den Schatten zurückzog.

Professor Wilard überließ Severus seiner Arbeit und machte sich seinerseits an die Arbeit, das Korrigieren von Schulaufgaben. Immer wieder wanderte sein Blick zu Raffaelas Aufsatz. Irgendwann siegte seine Neugier und er rollte das Pergament auf. Ein überraschter Laut entfuhr ihm, als sich ihm ein zweites Pergament offenbarte. Mit einem Schmunzeln begann er zu lesen. Er bemerkte nicht, wie Severus ihn beobachtete und verwundert das Minenspiel des Professors registrierte.
Der Professor schüttelte den Kopf, als er nach dem zweiten Pergament griff. Nicht darauf achtend, dass eine weitere Person anwesend war, murmelte er für sich selbst:
„Das nenne ich mal einen Aufsatz, herrlich." Er fuhr aus seinen Gedanken, als es leise an der Tür klopfte. Es war Lily Evans, die um Hilfe bei einem Problem bei den Hausaufgaben bat. Es war schnell behoben und Lily war gerade dabei, das Klassenzimmer zu verlassen, als der Professor sie aufhielt.
„Miss Evans, Sie kennen doch sicher Raffaela Midlander, Erstklässlerin in Gryffindor?"
„Ja Sir.", irritiert sah Lily kurz zu Severus.
„Wären Sie so nett, sie zu suchen und zu mir zu schicken?", bat der Professor freundlich. Lily nickte langsam.
„Das kann aber einen Moment dauern, ich weiß nicht, wo sie sich aufhält."
„Das ist vollkommen in Ordnung."
„Schau beim Quidditchfeld nach, dort lernt sie meistens." Sie musterte Severus verwundert.
„Okay...", murmelte sie, unsicher, ob sie seinem Rat folgen sollte.

Raffaela sah langsam auf, als ein Schatten auf ihr Pergament fiel. Es war Lily, wie sie eine Gryffindor, die sie verwirrt ansah.
„Was ist los?", fragte Raffaela schließlich leicht genervt. Lily schüttelte den Kopf und überlegte.
„Ähm...ach ja, Professor Wilard schickt mich, du sollst zu ihm kommen."
„Oh, hat er gesagt, warum?", fragte Raffaela unsicher und raffte ihre Sachen zusammen.
„Nein, hat er nicht."
„Okay, danke..." Sie lief eilig davon.

Raffaela holte tief Luft, dann klopfte sie an die Tür des Zaubertränkeklassenzimmers und trat ein.
„Sie haben nach mir geschickt, Professor?", fragte sie, als er sie nachdenklich ansah.
„Ja, kommen Sie nur herein. Es geht um Ihre Extraaufgabe." Raffaela schluckte trocken. „Also, ganz ehrlich, das hier nenne ich mal einen Aufsatz."
„Oh...also, wenn Sie mir sagen, was ich falsch gemacht habe..."
„Falsch?", unterbrach der Professor sie. „Nichts, er ist perfekt. Das muss ich leider zugeben. Es scheint, als haben Sie viel Spaß daran. Am brauen, wie am schreiben. Es würde mir eine wahre Freude machen, wenn Sie das auch bei den anderen Zaubertränken weiter führen könnten. Schreiben Sie darüber, für ein paar Extrapunkte.", erklärte er schmunzelnd.
„Oh, es würde mir Spaß machen, Sir."
„Prima. Ach, wenn Sie Lust haben...holen Sie den Schlaftrank nach, jetzt. Ach ja, wie kommen Sie darauf, dass Einhornhaar den Trank verbessert?", fragte er und wies auf ihren letzten Satz am Ende des zweiten Pergaments.
„Das ist nicht meine Idee, Sir. Dad hat das herausgefunden, er braute ihn seit ein paar Wochen auf diese Weise..."
„Davon habe ich noch nie gehört, hat er es nicht gemeldet? Was bewirkt es?"
„Es war noch in der Testphase. Dad kam nicht dazu, es anzumelden.", murmelte Raffaela und senkte kurz den Kopf. „Mit Einhornhaar wirkt es nicht so schwer … ich meine … Wenn man den normalen Trank einnimmt, dann fühlt man sich am nächsten Morgen so zerschlagen. Mit dem Einhornhaar fühlt man sich erfrischt und ausgeruht."
„Oh wirklich? Das würde ich gern einmal ausprobieren. Aber zuerst brauche ich einen normalen Schlaftrank von Ihnen. Wollen Sie?"
„Sehr gern."

„Hey Lily, was ist los?" Remus stand mit ein paar Zweitklässlerinnen im Eingangsbereich und kam seiner Tätigkeit als Vertrauensschüler nach. Als sie noch immer irritiert an ihm vorüber ging.
„Ach...nichts, Remus.", murmelte sie.
„Nun, sag schon."
„Ach, ich sollte Gonnis Nichte zu Wilard schicken."
„Bestimmt wegen ihrer Strafarbeit.", bemerkte Remus grinsend.
„Ich weiß nicht, aber als ich sie beim Quidditchfeld gefunden habe, war sie nicht allein.", murmelte Lily nachdenklich.
„Oho, wer war denn bei ihr?"
„Nicht wer, was..."
„Oh, du hast also ihren Hund gesehen? Ich dachte schon, ich bilde ihn mir ein. Eigentlich sind Hunde ja nicht erlaubt, aber vielleicht, weil sie Gonnis Nichte ist...", murmelte Remus. Er registrierte überrascht, dass eine Erstklässlerin den Kopf schüttelte.
„Er ist nicht echt und es ist auch kein Hund...", murmelte sie. Er sah das Mädchen verständnislos an. „Silver ist ein weißer Wolf. Raffaela hat ihn erfunden, als sie im Wald war. Sie hat mal erzählt, dass die Einhörner nicht immer bei ihr waren. Wenn sie an Orte gingen, wo Menschen nicht hingehen sollten. Da hat sie sich Silver ausgedacht, um nicht alleine zu sein. Raffaela meinte, sie hatte sich zu Tode erschrocken, als er plötzlich sichtbar wurde. Er geht mit ihr spazieren, oder leistet ihr Gesellschaft. Manchmal schläft er im Mädchenschlafzimmer, am Fußende von Raffaelas Bett, aber Morgens ist er meist wieder fort.", erzählte sie.
„Er ist also nur eine Illusion? Wahnsinn..." Lily sah Remus mit großen Augen an. Sie wussten beide, dass dafür viel Magie nötig war, schließlich sah ihn nicht nur Raffaela allein, der Wolf war auch für andere sichtbar.

Severus war eigentlich genügend mit seinem eigenen Trank beschäftigt und doch wanderte sein Blick hin und wieder zu Raffaela hinüber. Sie schien wirklich mit Spaß dabei zu sein und irgendwie war auch schon eine Art Routine in ihrem Tun zu erkennen. Er sah ihr Zusammenzucken, als es laut an die Tür pochte, was ihm nichts ausmachte. Es war Dumbledore, der einen Moment später eintrat und verwundert schaute, als er die beiden Schüler entdeckte.
„Strafarbeiten?", fragte er den Professor leise.
„Nein, Extraaufgaben. Mr. Snape versuchte sich an seinem ersten ganz eigenen Trank. Und Miss Midlander beweist mir, dass sie etwas von Zaubertränken versteht, zumindest von den einfachen Tränken.", erklärte Professor Wilard fröhlich.
„Aha, hat sie denn Talent?"
„Oh ja, wenn sie sich anstrengt und nichts dazwischen kommt, dann kann sie so gut werden … wie Mr. Snape, der ja, wie Sie wissen, im Augenblick mein begabtester Schüler ist." Albus schmunzelte.
„Was sollte denn dazwischen kommen?"
„Zum Beispiel die Liebe, da ändern sich die Interessen der jungen Frauen meistens. Aber eines weiß ich, ich freue mich jetzt schon auf ihr erstes Exposé für den ersten eigenen Trank. Ich kann Ihnen diesen Aufsatz hier sehr empfehlen." Wilard reichte ihm die Pergamente.
„Sir!" Raffaela meldete sich leise zu Wort.
„Miss Midlander?" Er sah sie fragend an.
„Ich habe den geforderten Trank beendet, Sir."
„Oh..." Professor Wilard brauchte einen Moment. „Füllen Sie eine Phiole davon ab, bitte. Haben Sie noch genügend Zeit um die verbesserte Version? Dann nur zu.", bat er, als Raffaela nickte.
„Dazu bräuchte ich aber Einhornhaar, Sir."
„Das finden Sie dort im Lager, drittes Board."

Raffaela schmunzelte, als sie Severus Blick begegnete. Er schien gerade eine Braupause einzulegen. Sein Trank brodelte leise vor sich hin. Sie schnitt das Einhornhaar grob in Stücke und ließ sie dann vorsichtig in den Trank fallen. Sie musste nur drei Mal umrühren, dann wartete sie. Sie sah kurz zu den Professoren, bevor sie sich Severus zu wandte.
„Erschrick nicht..." Sie kam nicht mehr dazu, mehr zu sagen. Professor Wilard hatte ihr Flüstern bemerkt.
„Fertig, Miss Midlander?"
„Nein Sir, ich wollte ihn nur warnen. Der Trank macht Geräusche, wenn er sich verändert, bevor er fertig ist.", erklärte Raffaela ruhig. Sie trat von ihrem Kessel zurück und zog den Kopf ein, als ein erstes Rauschen erklang. Es schwoll an, bis es sich in einem hellen Pfiff entlud. Doch das war nicht das einzig Ungewöhnliche, leicht rosa Blasen stiegen aus dem Kessel auf und aus dem ehemals silbernen Trank war ein violetter geworden.
„Danke, für die Vorwarnung..." Raffaela grinste, während sie eine Phiole mit dem Trank füllte.
„Lassen Sie den Rest im Kessel, den fülle ich dann ab. Wenn es wirklich besser wirkt, gebe ich ihn an die Medihexe weiter.", erklärte Professor Wilard. Er sah gerade in Severus Kessel. „Wie läuft es bei Ihnen, Mr. Snape?"
„Alles wie geplant, Sir.", murmelte dieser, während Raffaela das Klassenzimmer verließ.

Raffaela fühlte sich recht wohl in Hogwarts, sie hatte Freunde gefunden und das Lernen machte ihr viel Freude. Nur Nachts, wenn sie nicht schlafen konnte, dann kehrten die Erinnerungen an ihre Eltern in einer Stärke zurück, wie es kaum zu ertragen war. Es tat beinahe körperlich weh, so sehr vermisste Raffaela sie.

Sie wälzte sich leise aus ihrem Bett und warf sich ihren Umhang über. Sich vorsichtig umsehend schlich sie durch die verwaisten Gänge aus dem Schloss. Weiß und unberührt lag der Schnee über dem Gelände, als Raffaela ihren Weg in Richtung des verbotenen Waldes einschlug.
Minerva war auf dem Weg zurück in ihre Gemächer, sie hatte heute die Nachtwache von Professor Wilard übernommen. Sie durchquerte gerade die Eingangshalle, als sie einen Schatten bemerkte.
„Kommen Sie sofort hervor!", rief sie und der Junge gehorchte. „Mr. Snape, was tun Sie um diese Zeit außerhalb Ihres Bettes?" Severus antwortete nicht und Minerva wurde ärgerlich. „Sie riskieren gerade die Hauspunkte Slytherins, bedenken Sie das."
„Ja, Professor." Sie schüttelte den Kopf.
„Gehen Sie zu Bett, Mr. Snape!" Er zögerte, bevor er zur Kerkertreppe trat. Doch als er die erste Stufe hinabstieg, hielt er inne.
„Ich möchte nicht als Petze gelten... aber vielleicht sollten Sie nach Ihrer Nichte sehen... sie ist schon ziemlich lange dort draußen." Minerva sah ihn entsetzt an und wandte sich zum Portal. Gerade als sie die große Tür erreichte, wurde sie von außen aufgestoßen.
„Ela..." Raffaela sah ihre Tante erschrocken an. Sie zitterte am ganzen Körper vor Kälte, ihre Lippen hatten bereits einen bläulichen Ton angenommen.
„Tante Minerva..." Minerva ließ eine Decke erscheinen und wickelte ihre Nichte fest darin ein. Sanft wischte sie Raffaela die Tränen vom Gesicht.
„Was hast du denn da draußen gewollt?"
„Heute... es ist... vor einem Jahr... ich wollte doch nur... näher bei ihnen sein.", schluchzte sie leise, als Minerva sie in die Arme nahm.
„Ach Kleines, du hättest zu mir kommen sollen. Komm, du zitterst ja. Du musst dich aufwärmen." Raffaela folgte ihrer Tante langsam mit zitternden Beinen. Sie bekam nicht mit, wie Minerva dem Jungen im Schatten dankbar zu nickte.

Minerva sah Raffaela entgeistert an.
„Du willst was?" Raffaela war gerade 15 geworden und würde bald ihr viertes Jahr in Hogwarts beenden.
„Ich werde dieses Jahr nicht in Hogwarts bleiben. Ich verbringe die Ferien in der Muggelwelt. Professor Dumbledore weiß Bescheid.
„Aber warum gerade jetzt? Es ist gefährlich da draußen, du hast doch auch schon vom dunklen Lord gehört."
„Ja und du weißt, dass ich denke, dass er Mom und Dad auf dem Gewissen hat. Ich werde es trotzdem durchziehen. Kein anderer Schüler darf während der Ferien in Hogwarts bleiben, warum ich? Bitte, versteh mich, Tante Minerva." Raffaela sah sie bittend an, bevor sie das Büro ihrer Tante verließ und zum Abendessen ging.

„Was ist los, Minerva?" Albus hatte bemerkt, wie ihr Blick besorgt auf Raffaela ruhte.
„Sie will die Ferien in der Muggelwelt verbringen...", murmelte Minerva.
„Ich weiß. Sie hat eine Unterkunft in einem Waisenhaus gefunden.", erzählte er.
„Ein Waisenhaus?"
„Ja, sie möchte den Kindern helfen, die wie sie ihre Eltern verloren haben. Schwester Aurelia hat sich nach Raffaelas Anfrage mit mir in Verbindung gesetzt. Sie würde sich sehr über Raffaelas Hilfe freuen und sie gern über die Ferien bei sich aufnehmen. Aber, wenn Sie etwas dagegen haben?" Albus schmunzelte, als Minerva den Kopf schüttelte.
„Nein, wenn Ela es wirklich will..."
„Es ist richtig, dass Sie ihrer Nichte die Möglichkeit geben, ihren eigenen Weg zu gehen, Minerva.", versuchte er ihr gut zu zu sprechen.