Zuvor bei „Mein fester Freund":
„Ja.", antwortete Potter. „Aber ich hatte gehofft du würdest sagen, dass du mich wild abknutschen würdest."
Daraufhin rammte ich ihm meinen Ellbogen in den Unterleib und schaute mich nach ein paar Flubberwürmern um.
Kapitel 4
Ein Überraschendes Bündnis
James. James. James. James. James. James. James.
Ich wiederholte den Namen immer und immer wieder in Gedanken. Egal, wie oft ich ihn sagte, ich konnte nicht umhin ihn stattdessen Potter nennen zu wollen. Es war purer Instinkt, der auf Jahren von Erfahrung aufbaute. Und außerdem sollte man Jungs, die einem elfjährigen Mädchen am Valentinstag einen schleimigen hüpfenden Frosch schenkten, weil er angeblich zu ihren Augen passte immer mit Nachnamen ansprechen.
Typische feste Freundinnen jedoch hielten sich nicht an diese Ideologie. Sie nannten ihre festen Freunde bei ihrem Vornamen. Sie wollten nicht vor Schmerz das Gesicht verzerren, wenn sie daran dachten mit ihrem Freund Zeit zu verbringen, ganz besonders wenn Berührungen im Spiel waren. Verdammt, die meisten Mädchen mochten sogar ihren festen Freund.
Vielleicht hatte ich einfach nicht das Zeug dazu, eine feste Freundin zu sein. Ich muss zugeben, ich hatte nicht unbedingt eine Menge Erfahrung. Ich war mit drei Jungen zusammen gewesen und mit keinem von ihnen besonders lange. Tyler Shepherd und ich hatten eine Vorschulbeziehung gehabt. Dann eines Tages gab ihm ein Junge aus unserer Klasse eine Actionfigur und er wollte nicht mehr meine klebrige, mit Erdnussbutter beschmierte Hand halten. Mit der Zeit kam ich über den Herzschmerz hinweg und die Wunden meiner ersten Liebe begannen zu heilen. Schließlich kam ich in der dritten Klasse mit David Price zusammen. Er konnte zwar schneller laufen als alle anderen in meiner Klasse, aber nachdem wir beschlossen hatten ein Paar zu sein, sprach er nicht einmal mehr mit mir. Das tat meinem noch angeschlagen Herzen gar nicht gut und ich entschied, dass er zu „eklig" für mich war. Von diesem Tag an schwor ich mir mit keinem mehr Jungen auszugehen.
Dann bekam ich natürlich meinen Brief. Ich erfuhr, dass die merkwürdigen Dinge, die ich tun konnte, wie Sofas schweben oder Bleistifte in Petunia's Gesicht fliegen zu lassen, eigentlich Magie waren. Die Beziehung zu meiner Schwester ging endgültig in die Brüche und ich änderte meine Adresse. Zu Beginn konzentrierte ich mich völlig auf die Schularbeiten. Ich hatte mich darauf versteift Petunia zu zeigen, dass ich eine verdammt gute Hexe war. Als jedoch meine Hormone anfingen verrückt zu spielen, entschloss ich mich Jungs und ihren widerlichen Bakterien noch eine Chance zu geben. Außerdem würde ich mit einem magischen Jungen zusammen sein. Naiv wie ich war, überzeugte ich mich selbst davon, dass diesmal alles anders sein würde.
Xavier Finn war ein erfahrener Siebtklässler aus Ravenclaw und ich war damals nur eine kleine armselige Viertklässlerin. Er war ein Vertrauensschüler mit welligen blonden Haaren und süßen Grübchen. Ich schwärmte fast drei Monate lang heimlich für ihn bevor ich die Chance hatte mit ihm zu reden. Er fragte mich ob ich meine Tasche woanders hinstellen könne, damit er sich zu mir an den Tisch in der Bibliothek setzen konnte, da alle anderen Tische bereits besetzt waren und ich nickte. Ich hielt es für die romantischste Frage auf der ganzen weiten Welt. Merlin, ich war echt blöd.
Einige Wochen später, hatten wir so etwas wie eine Routine entwickelt. Er setzte sich neben mich und ich tat so als würde ich Hausaufgaben erledigen, die ich bereits vollendet hatte und warf ihm dabei verstohlen Blicke zu. Dann endlich fragte er mich, ob ich mit ihm nach Hogsmeade gehen wolle. Ich war so baff, dass er mich fragte, dass das „Ja" aus mir heraussprudelte bevor er seine Frage beendet hatte. Da ihn das in seinen Fähigkeiten nur zu bestärken schien, trafen seine Lippen die meinen und ich erlebte meinen ersten sehr unbeholfenen Kuss. Ich wusste nicht was ich mit meinen Händen tun sollte, ich konnte mich nicht entsinnen was ich zu Abend gegessen hatte und ob mein Mund schlecht schmecken würde oder nicht, und ich zog mich so schnell ich konnte zurück als ich seine Zunge an meinen Lippen spürte. Um das ganze noch schlimmer zu machen, hatte ich meine Augen vor Schreck während des ganzen Vorgangs nicht geschlossen, es waren zwei Sekunden reinste Qual. Ich starrte ihn einfach nur an während er an meinem Mund mit einem erfahrenen Ausdruck auf dem Gesicht saugte, bis er dann von mir abließ. Kaum zu erwähnen, dass wir als Paar nicht lange durchhielten. Ungefähr eine Woche nach dem Ausflug in Hogsmeade, landete er im Krankenflügel, aufgrund eines Angriffes einer mysteriösen schlagenden Topfpflanze, der sein gutes Aussehen zerstörte. Er zuckte immer zusammen, wenn er die Rumtreiber sah und wechselte die Richtung, wenn er Potter näher als fünf Meter kam.
Verdammt!
James. Es sollte doch nicht so schwer sein sich daran zu erinnern. Als er mich küsste hatte ich schließlich keine Probleme gehabt die Augen zu schließen.
Nein! Daran sollte ich gar nicht denken. Böse, sehr schlimme, widerliche Gedanken. Aus, Lily! Hör auf an Potter zu denken!
James. James. James. James. James. James. James.
Und das war der Anfang von Tag zwei.
Ich wiederholte mein Mantra immer noch gedanklich, als ich, nachdem ich geduscht hatte, in Jeans-Shorts und T-Shirt schlüpfte. Ich stellte sicher, dass ich präsentabel aussah, bevor ich die Treppe runter und in die Küche ging. Das gestrige Fiasko wollte ich wirklich nicht noch einmal erleben.
„Guten Morgen, Lily.", begrüßte mich meine Mum erfreut.
Ich sah mich in der Küche um. Kein Potter. Scheiße, kein James. Huh! Wen interessieren schon Namen? Was zählte, war, dass er nicht hier war!
„Hi, Mum!", begrüßte ich sie enthusiastisch.
„Oh, sie ist endlich wach.", vernahm ich eine allzu bekannte Stimme.
Ich verzog leicht das Gesicht, drehte mich um und erblickte meinen festen Freund im weißen T-Shirt und gestreiften Baumwoll-Pyjamahosen, die ihm zu tief auf den Hüften hingen, um keine lustvollen Gedanken bei mir auszulösen. Er hielt eine Flasche Orangensaft wie eine Trophäe in seinen Händen.
„Ich habe noch eine Flasche in der Garage gefunden, Mrs. Evans.", berichtete er meiner Mum in einem zuckersüßen Ton. „Ich will ja nicht, dass Lily auf ihre Nährstoffe verzichten muss.", fügte er hinzu, als er mir entgegenkam um mich zu begrüßen. Er schlang seine Arme um mich bevor ich noch protestieren konnte und umarmte mich kurz. Als er mich wieder losließ, verharrten seine Lippen einen Moment zu lange auf meinem Nacken. Er schenkte mir ein Lächeln und küsste mich flüchtig auf den Mund.
In Gedanken machte ich mir eine Notiz stärkere Pfefferminz-Zahnpasta zu kaufen.
„Guten Morgen, Schlafmütze.", begrüßte er mich mit einem Lächeln.
„Hi, Po-James.", verbesserte ich mich schnell selbst.
Meine Mutter lachte aufgrund meines Versprechers. „Was war das Lily. Eine Art Kosename?"
Ich grinste und zeigte dabei meine Zähne. Das könnte wirklich interessant werden. „Ja.", antwortete ich mit Begeisterung. „James und ich haben alle möglichen Arten von Kosenamen füreinander, nicht wahr, mein Honigkuchen?"
„Klar, Zuckerschnecke.", antwortete er verschmitzt.
„Bärchen.", erwiderte ich.
„Schatzilein.", war seine rasche Antwort.
„Sahneschnittchen.", entgegnete ich.
„Süße Maus.", forderte er mich mit einem Zwinkern heraus.
„Jamesielein.", feuerte ich zurück.
„Liebling.", erwiderte er und schlang seine Arme um meine Hüften.
Manchmal wenn ich mich mit James Potter stritt oder mit ihm diskutierte machte das wirklich Spaß. Ich liebte es mich geistig mit jemandem zu duellieren. Es war immer interessant und ich verlor auch nie die Lust daran. Außerdem war Potter, nein, James ein würdiger Gegner. Er war schlagfertig und was ihm an Intellekt fehlte machte er mit unangemessenem Körperkontakt wett, wofür die Hand die sich langsam in Richtung meines Hinterns bewegte der Beweis war. Ich lächelte ihn gezwungen an und zwickte ihn dann in den Arm. Er zuckte leicht zusammen und ich musste mir das Lachen verkneifen. Mum war zum Glück damit beschäftigt den Inhalt des Kühlschranks zu beäugen und bekam daher nichts außer unserem gespielten Liebesgeplänkel mit. Sie seufzte laut und drehte sich zu uns um.
„Sieht so aus, als müsste ich schon wieder zum Supermarkt.", bemerkte sie ohne große Begeisterung. „Ich hab das Gefühl ich bin rund um die Uhr dort. Ich könnte mir auch gleich ein Zimmer nehmen. Ob ich es wohl in die Obst- und Gemüse-Abteilung schaffen würde?"
Ich seufzte laut. „Tut mir leid, Mum. Ich glaube du musst dich erst zu Obst und Gemüse hocharbeiten. Du wirst wahrscheinlich in der Abteilung für Papierprodukte anfangen müssen."
„Da geht mein Traum dahin. Ich werde mich wohl damit abfinden müssen nur Ehefrau und Mutter zu sein.", seufzte sie dramatisch.
„Oh, welch Horror.", erwiderte ich tonlos.
„James, würdest du mich für eine schreckliche Mutter halten, wenn ich heute einfach faul wäre und nichts kochen würde? Ich dachte daran Pizza zu bestellen."
P-p-p-James lachte und lächelte sie liebevoll an. „Glauben sie mir Mrs. Evans, bei Ihnen zu essen ist der reinste Luxus. Ich war schon lange nicht mehr so gut genährt. Meine Eltern sind beide nicht sehr häuslich und ich bezweifle sogar, dass die Hauselfen in Hogwarts ein so gutes Steak machen können wie Sie. Sie verdienen einen freien Abend."
Ich rollte mit den Augen. Warum küsste er nicht gleich ihre Füße? Oh, ja vielleicht waren seine Lippen immer noch an ihrem-
„Lily?"
Ich blinzelte. „Ähm, ja klar, Mum. Das ist in Ordnung.", antwortete ich abwesend.
„Bestens. Dann haben du und James etwas zu tun wenn ich und dein Vater seine Schwester besuchen gehen."
Ich nickte und tat so als wüsste ich worüber sie sprach. Ich hatte die Kunst perfektioniert so auszusehen als würde ich aufmerksam zuhören, während ich geistig gar nicht da war. Professor Slughorn bemerkte das nie. Leider führte das zu vielen Einladungen zu seinem Slug Club. Pott-James schien ihr allerdings auch keine Aufmerksamkeit zu schenken. Er war damit beschäftigt mich anzusehen. Sein Grinsen sagte mir, dass er wusste, dass ich nicht wirklich zuhörte. Blöder fester Freund, der mich zu gut kennt.
„Also sieht es so aus als blieben wir heute alle zu Hause.", sagte meine Mum weiter.
Ich sah zu ihr auf und schenkte ihr endlich Aufmerksamkeit. Ich konnte zu Hause bleiben? Merlin, du liebst mich also doch! Ah, ich konnte es mir schon bildlich vorstellen. Ich hätte endlich die Gelegenheit den ganzen Tag auf meinem Bett zu sitzen ohne, dass mich jemand stört oder mir jemand sagt, dass ich faul sei, oder dass jemand irgendetwas von mir wollte. Ich könnte das interessante Buch über Zauberkunst, dass ich letzte Woche begonnen hatte zu lesen, zu Ende lesen. Vielleicht könnte ich auch eine Liste der Dinge machen, die ich für das nächste Schuljahr benötigte. Es gäbe nur mich, mein Zimmer und Callie. Oh, ich sollte ihren Käfig auch mal wieder sauber machen…
„Ich sag Petunia, sie soll Vernon heute einladen. Ich möchte nicht, dass du und James heute alleine seid und nichts zu tun habt."
Verflucht noch mal. Natürlich musste meine Mum mir diesen einen Tag des Dahinvegetierens verweigern, weil sie befürchtete, wenn sie mich und meinen festen Freund alleine ließe würden wir Sex haben. Das wird nicht passieren, Mum! Ich lasse dieses bestimmte Körperteil von Potter nicht auch nur in die Nähe eines meiner Körperteile kommen. Potters Hosen bleiben zu. Scheiße! James Hosen. Merlin, Lily, hör auf seine Hosen anzustarren!
Mit hochrotem Gesicht wandte ich schnell den Blick ab. Potte-James grinste mich an und wippte auf den Fußballen selbstzufrieden zurück. Blödmann.
Ich versuchte es mir nicht anmerken zu lassen. Natürlich war ich verdammt enttäuscht, aber ich wollte nicht, dass meine Mutter das bemerkte. Sie würde vielleicht denken, es wäre weil ich nicht so viel Zeit mit meinem festen Freund auf sexuelle Weise verbringen konnte. Kotz.
„Okay.", stimmte ich mit einem Seufzer zu. Ich hätte auch einfach eine weiße Fahne schwenken können, denn, Merlin, dass war eine Niederlage.
Meine Mum sah mich sehr verwundert an.
„Was?", fragte ich unsicher.
„Nichts. Gar nichts.", erwiderte sie und seufzte. „Normalerweise bekommst du allerdings einen Wutanfall, wenn ich auch nur vorschlage, dass du mehr als fünf Minuten mit deiner Schwester verbringen sollst.
Natürlich! Während meines Mega-Ausrasters wegen der Vorstellung von Geschlechtsverkehr zwischen mir und der Spaßbremse neben mir, hatte ich total vergessen, dass ich meine Schwester verabscheute. Dieser ganze Schwindel machte meiner inneren Psyche so langsam echt zu schaffen. Ich wünschte ich könnte genau jetzt mit Hestia in meinem Bett herumlungern…
„Ja, ich liebe es einfach mit Petunia und Vernon etwas zu unternehmen.", lautete meine nicht besonders überzeugende Erklärung. Meine Stimme klang so angeekelt, dass niemand auch nur darüber nachdenken würde, mir Veritaserum einzuflößen.
Mum, allerdings war so erfreut zu hören, dass Petunia und ich bereit wären gemeinsam kum-bay-yah zu singen und uns gegenseitig die Haare zu flechten, während wir uns über den angeblichen Sex unterhielten, den wir mit unseren besseren oder weniger besseren Hälfte hatten oder definitiv nicht hatten, dass sie meine lustlose Intonation nicht bemerkte. Mit ein paar Abschiedsworten und einem flüchtigen macht's gut, verschwand sie aus der Tür, um irgendetwas zu erledigen, an das ich mich schon nicht mehr erinnern konnte.
Potter, nein, James drehte sich zu mir um, als wir beide sicher waren, dass sie wirklich weg waren und fing an zu kichern. Er stütze sich auf einem Küchenstuhl ab und durch den Kragen seines weißen Shirts hatte ich einen guten Blick auf den Oberkörper, den ich bereits gestern zu Gesicht bekommen hatte. In Gedanken versuchte ich mir die Haut etwas weiter südlich vorzustellen und musste schwer schlucken. Ich schüttelte den Kopf und widmete meine Aufmerksamkeit wieder seinem ewig grinsenden Gesicht.
„Ich kann mich nicht entscheiden ob ich weinen oder applaudieren soll. Das war entweder die schlechteste schauspielerische Vorstellung, die ich je gesehen habe oder Sarkasmus in seiner unverhülltesten Form. Sag es mir, Lily, wie eng ist diese heilige Beziehung zwischen dir, Petunia und dem Walross?"
Mit dem bewussten Ziel mehr Distanz zwischen uns zu bringen, jetzt, da niemand mehr da war, dem etwas vorgespielt werden musste, sank ich auf einen Stuhl und ließ meinen Kopf auf den Küchentisch knallen. Ich stöhnte und blickte hinauf in sein amüsiertes Gesicht. „Wie viel muss ich dir bezahlen, damit du das Gesagte vergisst?", fragte ich voller Verzweiflung.
Er prustete und schenkte mir ein schiefes Grinsen, das sehr attraktiv war, oder auch nicht. „Du besitzt nicht genug Galleonen."
„Ugh.", beklagte ich mich lautstark.
Pot-t-t-James lachte leise in sich hinein. „Hör zu. Ich mach dir einen Vorschlag. Ich verschwinde für ein paar Stunden und du kannst machen was auch immer du willst. Danach komme ich wieder und fungiere als Puffer zwischen dir und dem teuflischen Paar."
Ich lächelte breit. Zum ersten Mal in Tagen wusste ich das Verhalten einer Person wirklich zu schätzen. Was mich allerdings noch mehr überraschte war, das die Person die mich so zum lächeln brachte, genau der Junge war, der auch einmal einen meiner Slips gestohlen hatte und sie dann seinen Freunden gezeigt hatte.
Potte-nein, James war von meiner Reaktion überrascht. Streicht das, das war die Untertreibung des Jahres. Er war vollkommen verdutzt. Bei Merlin, ich schwöre, dass seine Hand zu seinen Haaren flog, nur um zu überprüfen, ob sie noch da waren. „Irre ich mich, oder hab ich tatsächlich etwas richtig gemacht?", fragte er mich.
Ich rollte mit den Augen. „Es gibt für alles ein erstes Mal, Po-James.", erwiderte ich.
„Geh, versteck dich in deinem Zimmer und spiel mit deiner James Potter Voodoo Puppe. Wir sehen uns später, Liebling."
Ich erinnerte ihn daran, dass er mich unter keinen Umständen noch einmal Liebling nennen sollte, es sei denn er fände Gefallen an einer Kastration, die in seinem Fall nicht besonders schmerzvoll wäre, da es ja nicht sonderlich viel zu tun gäbe. Danach tat ich genau das, was er mir geraten hatte. Allerdings hatte ich keine Voodoo Puppe. Vielleicht würde ich Hestia fragen, ob sie mir eine zu Weihnachten macht.
Ich hörte also meine neueste Muggel-Platte, während ich meinen Kleiderschrank aufräumte und dabei bemerken musste, dass ich viel zu viele Schuhe hatte, die nicht mal alle in den Schrank passten. Danach fiel ich in mein Bett und schlief ein. Es war einfach herrlich.
Das Aufwachen war nur immer der Teil, der am wenigsten Spaß machte. Wenn Schlaf wie Sex wäre, stünde das Aufwachen für eine Schwangerschaft mit neun Monaten mit extremen Stimmungsschwankungen und dem Bedürfnis alle fünf Minuten pinkeln zu müssen. Merlin, es war Scheiße ein Mädchen zu sein.
„Lily, steh auf, deine Schwester ist hier."
"Nein.", maulte ich und verrenkte meinen Körper so, dass ich alle Geräusche ausblenden konnte.
„Lily, bitte, Liebling, du musst aufstehen. Der Freund deiner Schwester könnte versuchen mich aufzuessen.", die Stimme beendete den Satz mit einem leichten Lachen am Ende. Ich kannte diese Stimme. Potter. Verdammt. Ich bin zu müde um mich daran zu erinnern, dass wir zusammen sind.
„Geh weg.", befahl ich ihm.
„Komm schon, Liebling.", lockte er mich und strich sanft mit seinem Daumen über meine Wange.
„Warum bist du überhaupt hier?", grummelte ich verärgert.
„Ich tue so als wäre ich dein fester Freund", flüsterte er mir zu.
„Nein.", stöhnte ich während ich mich umher wälzte um ihm zu entkommen und schlug seine Hand weg. „Warum gehst du nicht zu dir nach Hause oder zu einem von deinen blöden Rumtreiber-Kumpels?"
Seine Hände ließen von mir ab und er war für einen Moment still, so als ob er über etwas sehr Wichtiges nachdachte.
„Lily.", sagte er mit einem etwas gezwungenen Lachen. „Wenn du jetzt nicht sofort aufstehst, werde ich deine Sachen durchwühlen und du wirst mich nicht daran hindern können etwas Persönliches oder Privates oder auch Peinliches zu entdecken.", drohte er mir.
Ich öffnete die Augen und sprang aus dem Bett. Ich fühlte mich auf einmal total energiegeladen. P-James lehnte an meinem Bett und wirkte sehr amüsiert. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen.
„Schade, dass du so schnell aufgestanden bist. Ich hatte gehofft du hast hier irgendwo ein Tagebuch rumliegen.", sagte Pot-t-t-James, der wieder ganz er selbst war und ließ seinen Blick durch den Raum wandern.
Merlin sei Dank, hatte ich gerade aufgeräumt und musste in nächster Zeit auch keine Wäsche machen. Ich weiß nicht was ich tun würde, wenn Potter noch einmal meinen BH sehen würde.
„Liebes Tagebuch.", begann er in einer hohen mädchenhaften Stimme. „Heute habe ich zwanzig O's für alle meine Hausaufgaben bekommen und Potter hat mich noch fünf Mal gefragt, ob ich mit ihm ausgehe. Ich hab natürlich nein gesagt. Aber nur weil ich allen anderen beweisen will, dass ich ihn nicht mag, obwohl ich ihn und seinen göttlichen Körper in Wirklichkeit über alles liebe."
„Sollte ich das etwa sein?", fragte ich in vollkommen schockiert und setzte mich wieder auf mein Bett.
„Also klang es vertraut?", gab er mit einem schiefen Grinsen zurück. Er setzte sich neben mich und ich rutschte rüber um ihm auszuweichen.
Ich verschränkte fest meine Arme und rollte mit den Augen. „In deinen kranken perversen Träumen, Potter."
„Oh.", versicherte er mir, während er an einem Kissen herum zupfte. „In meinem Unterbewusstsein sitzen wir normalerweise nicht rum und lesen.", er beendete den Satz mit einem anzüglichen Grinsen. Merlin, dieses Grinsen schenkte er mir wirklich oft. Entweder hatte er ein Problem mit dem Lächeln, vielleicht war es auch nur eine nervöse Macke oder er hatte einfach eine sehr kranke Vorstellung. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allen drei Dingen. Ah, Hör auf mich so anzulächeln Potter, ähm, James!
Ich war zu angewidert, um seinen Kommentar überhaupt mit einer Antwort zu würdigen. „Meine Schwester ist hier?", fragte ich, schnappte ihm das Kissen aus den Händen und legte es zurück an seinen Platz auf dem Bett.
„Ja, sie und Vernon sind hier. Sollen wir runtergehen und dem drohenden Unheil ins Auge blicken?"
Was würde James feste Freundin tun? Ich seufzte und schnappte mir seine Hand. „Na ja, ich kann ja wohl kaum den ganzen Tag mit dir im Bett verbringen.", antwortete ich ihm. Ich bemerkte sogleich die Doppeldeutigkeit meiner Worte und lief hochrot an. Super gemacht, Lily.
„Verdammt.", hörte ich ihn leise stöhnen, während er mich bedauernd ansah.
Ich widerstand dem Drang unter seinem Blick zusammenzuzucken. Es dauerte nur einen kurzen Moment an, aber mir kam es länger vor. Nichtsdestotrotz riss er sich dann zusammen und begleitete mich nach unten. Als wir in der Küche ankamen waren Petunia und Vernon bereits da.
„Lass uns ein wenig Spaß haben.", zischte mir P-p-p-James ins Ohr.
Ahh, ich kannte diesen Gesichtsausdruck. Das letzte Mal als in seinen Augen dieser Übermut aufgeblitzt war, war die ganze große Halle mit grünem, unlösbarem Schleim bedeckt. Scheinbar sollte es irgendetwas Negatives über die Slytherins aussagen, die Gryffindor zuvor in einem Quidditchspiel geschlagen hatten. Merlin sei dank hatten wir sie im Finale besiegt. Ich wollte mir kaum vorstellen was die Rumtreiber sonst angestellt hätten.
Es war ja wohl klar, dass mich Potters Gesichtsausdruck nicht dazu veranlasste vor Freude umherzuspringen und zu singen. Ich seufzte müde und wunderte mich abwesend, ob das hier etwas mit Karma zu tun hatte. Ich folgte Potter-ähm-ähm- James Blick, der auf das Walross gerichtet war. Na ja, solange ich an Karma dachte...
„In Ordnung.", zischte ich in Potters, scheiße, James Ohr. „Wir dürfen ihn allerdings nicht körperlich verletzen.
Sein Grinsen wurde breiter. „Wirklich, Lily?", flüsterte er mir zu, während er meine Hand mit seinem Daumen streichelte. „Wofür hältst du mich, einen Amateur? Ich bin viel kreativer.", sagte er, bevor er mir kokett zuzwinkerte. Dann küsste er mich flüchtig, da Leute in der Nähe waren, und er wusste, dass ich nichts dagegen tun konnte.
Blöder Idiot.
Es war komisch, dass ich mich willentlich dazu bereit erklärte etwas gemeinsam mit Potter zu machen. Es diente allerdings nur einem einzigen Zweck: meine Schwester zu ärgern. Sicherlich, war daran nichts falsch?
„Also, Vinod.", begann James laut.
„Vernon.", korrigierte ihn Vernon mit einem Grunzen. Er sah heute mal wieder unglaublich normal aus. Seine blonden Haare waren perfekt gescheitelt und sein Gesicht strahlte rot vor Missfallen.
„Ah, mein Fehler.", entschuldigte sich Pott-James in einem unbekümmerten Ton. Seine Gelassenheit erinnerte mich daran, wie er jemanden mit voller Absicht verhexte und dann mit Professor McGonagall flirtete, um dem Nachsitzen zu entkommen. „Das muss mir entfallen sein. Das ist wirklich komisch nicht war, Liebling, wo du doch immer in den höchsten Tönen über ihn sprichst. Du hast sogar einen Spitznamen für ihn, nicht wahr, Lily?"
Im Stillen verfluchte ich den Gott, der auf die Idee kam Siebzehnjährige Jungs zu erschaffen. Ich stieß Potter in den Unterleib und versuchte ihm nonverbal dazu zu bringen den Mund zu halten. Ich sah zu Petunia rüber und es schien als wäre sie drauf und dran ihre Zunge zu verschlucken. Ich weiß, Tuney, Potter hat auch mein Leben ruiniert. Jedoch nahm mein Unglück täglich seinen Lauf. Ah, zur Hölle. Warum konnte ich mich nicht daran erinnern ihn James zu nennen? Was würde James feste Freundin tun? Was würde James feste Freundin tun?
Ich lachte leise. „Ja, manchmal, nenne ich dich, ähm…", mir fiel nichts ein. Komm schon, Lily, denk! „Bohrer.", erfand ich aus unerfindlichen Gründen. „Weil du mit Bohrern arbeitest."
Po-po-James starrte mich ungläubig an. Dann traf es mich wie ein Schlag. Oh, Merlin. Das klang so falsch. Bitte sag mir, dass ich das nicht gerade wirklich gesagt hatte. Das war verstörend auf nicht nur eine Weise. Warum hatte ich ihn nicht gleich Rammler oder Sir-Nagelt-sehr-viel genannt?
P-James hustete und ich konnte das Lachen hören, dass er kaum zu unterdrücken vermochte. „Also, V- Man, wie lange trägst du schon diesen Schnurrbart?"
Vernon's Gesicht nahm die interessante Farbe von Kotze an und Petunia sah aus, als würde sie einen Doppelmord in Erwägung ziehen. Wenn es nicht Petunia gewesen wäre, hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt.
Vernon, dessen richtigen Namen ich wohl doch noch verwenden konnte, knurrte eine Antwort in einer sehr würdevollen und wichtigtuerischen Art und Weise. Merlin, es handelte sich doch nur um ein bisschen Gesichtsbehaarung. Man könnte meinen er hätte ein Wundermittel oberhalb seiner Oberlippe gefunden.
„Ich hab mal darüber nachgedacht mir einen wachsen zu lassen.", erwiderte James. Ich sah ihn an und rollte mit den Augen. Ich bezweifelte stark, dass er überhaupt genug Testosteron hatte um sich einen wachsen zu lassen. „ Aber Zauberer bevorzugen Bärte. Ich nehme an Schnurrbärte sind eher eine Muggel Sache."
„Muggel?", wiederholte Vernon beleidigt.
„Oh, stimmt, die Terminologie ist dir wohl unbekannt. Muggel bedeutet, dass du nicht magisch bist.", teilte ihm Potte-James mit.
„Nein, das bin ich verdammt noch mal nicht.", versicherte ihm Vernon trotzig.
„Ahh, das ist okay, Kumpel. Ich bin mir sicher Bohrer machen auch Spaß.", antwortete Potte-James. Seine Stimme hatte einen Klang von höflicher Gleichgültigkeit, aber anhand seiner glitzernden Augen hinter seinen Brillengläsern wusste ich, dass ihm das viel zu viel Spaß machte.
„Vernon ist sehr erfolgreich.", erklärte Petunia hochmütig. „Erst vor kurzem wurde er zum Assistenten des Abteilungsleiters ernannt. In ein paar Jahren hat er wahrscheinlich schon sein eigenes Eckbüro."
Merlin, für meine Schwester war alles ein Wettbewerb. Sie musste die schönsten Klamotten, die schönsten Haare und die angesagtesten Freunde haben. Zum Teufel, jetzt versuchte sie sogar den besseren festen Freund zu haben. Pott-James mag zwar so nervig sein wie, nun ja Petunia, aber immerhin war er besser als das Walross.
„Das ist wundervoll, Tuney.", bemerkte ich dumpf. Dann lächelte ich Po-James warm an und er schlang seine Arme um mich und küsste meine Schläfe. Ich unterdrückte den Drang eine Grimasse zu ziehen. Was würde James feste Freundin tun? Oooh! „Wusstet ihr, dass James einmal einen Jungen in einen Teewärmer verwandelt hat? Das war sehr beeindruckend. Ich denke er würde euch beiden auch eine Demonstration geben. Wie lautet der Zauberspruch noch gleich?", fragte ich und wandte mich Po-James zu. „Ah, ja richtig.", redete ich weiter ohne auf seine Antwort zu warten. „Bibidi-bopidi-boo."
Potter sah mich an, als wäre ich verrückt geworden. Ich lächelte ihn an, um ihm zu bedeuten mitzuspielen. Petunia wusste rein gar nichts über Magie, deshalb war es besser die Märchen aus unserer Kindheit als Vorlage zu benutzen. So würde sie mehr Angst bekommen, als wenn ich einen realen Zauberspruch genommen hätte.
„Lily.", Petunia's Stimme klang bedrohlich.
„Oh, tut mir Leid, Tuney, ich vergaß. Du magst ja keine Magie, nicht wahr?"
Okay, das war kleinlich und ich ließ mich damit auf ihr Niveau hinab. Es war nicht richtig. Es war kindisch. Aber verdammt, es fühlte sich gut an.
Petunia lächelte mich auf ihre unheimliche Art an. Es war eine Grimasse, die einem eine Gänsehaut bescherte. Ihre Blicke sahen aus als wolle sie mich mit vielen kleinen, spitzen, heißen Dolchen ermorden und sie zeigte dabei ihre gebleichten weißen Zähne. Sie packte meinen Arm und rammte ihre Nägel in meine Haut.
„Aua!", schrie ich. Merlin ich glaubte zu bluten.
„Entschuldigt uns für eine Sekunde.", sagte Petunia in einer scheinbar ruhigen Stimme, die mich an jeden einzelnen Horrorfilm erinnerte den ich je gesehen hatte.
Ich versuchte sie abzuschütteln, aber mit der lächerlichen Kraft, die sie in ihrem Oberkörper hatte bugsierte sie mich ins Badezimmer und schloss die Tür hinter uns.
„Was glaubst du was du da tust?", wollte sie wissen.
„Ähm, ich bin mir nicht sicher.", antwortete ich ehrlich, na ja vielleicht schwindelte ich auch ein wenig. „Musst du pinkeln, oder was? Denn wenn dem so ist, wäre ich gerne woanders."
„Du weißt worum es geht, also spiel hier nicht die Dumme, Lily.", sagte Petunia und wedelte mit ihren perfekt manikürten Fingern vor meinem Gesicht herum. „Du weißt, dass ich es hasse, wenn du über unnatürliche Dinge sprichst. Warum musst du es auch noch vor meinem festen Freund erwähnen? Du wirst ihn in die Flucht schlagen. Er wird etwas aus sich machen und er wird sich um mich kümmern, nicht so wie deine Freak Show. Warum kannst du dich nicht für mich freuen, warum musst du versuchen ihn davonzujagen? Kannst du denn nicht verstehen, dass ich lieber mit ihm zusammen bin, als mit Freaks wie euch in Verbindung gebracht zu werden?"
Ich verdrängte die Feuchtigkeit in meinen Augen. „Hörst du dir eigentlich selbst zu, Tuney? Wie kannst du so etwas zu mir sagen? Ich bin deine Schwester!"
Sie rümpfte die Nase. „Tja, nun, man kann sich seine Familie nicht aussuchen."
Ich schlug mit den Händen auf das Waschbecken. „Anscheinend.", erwiderte ich.
„Stell mich jetzt nicht als die Böse hin, Lily. Du warst schon immer neidisch auf mich. Darum hast du doch überhaupt deinen festen Freund mitgebracht. Du willst James nur benutzen, um Vernon schlecht dastehen zu lassen. Nun, das wird dir nicht gelingen."
„Ja klar, weil das Walross ein richtiger Gentleman ist! Wenigstens bedeute ich James genug, dass er meine Familie toleriert."
„Ich wusste du nennst ihn hinter meinem Rücken so!", rief Petunia anklagend.
„Nun, zumindest ist es besser als jemandem ins Gesicht zu sagen, dass er ein Freak sei.", erwiderte ich erbost.
„Tja, es ist nun mal die Wahrheit.", sagte sie überzeugt.
„Weißt du was, Petunia?", gab ich laut zurück. „ Wenn dich meine Existenz so sehr stört, warum heiratest du nicht gleich Vernon Dursley. Dann kannst du vergessen, dass du überhaupt je mit mir verwandt gewesen bist!"
Ich öffnete die Tür, verließ das Badezimmer und knallte die Tür hinter mir zu. Dann stürmte ich zurück in die Küche, riss den Gefrierschrank auf und schnappte mir das erste fettmachende Lebensmittel, das ich finden konnte. Danach packte ich Potter am Kragen seines Shirts und stürmte raus, wobei ich Vernon und Petunia starrend zurückließ.
„Merlin, ich kann sie nicht ausstehen!". Ich schäumte vor Wut, als ich auf der Veranda auf und ab lief. „sie macht mich so wütend. Warum ist sie so besessen von dem was andere über sie denken? Wenn ein Fashion Magazin schreiben würde Magie sei total in, käme sie mir nichts dir nichts zu mir zurückgekrochen. Nicht, das ich sie brauchen würde. Ich mag sie nicht. Sie will mich nicht, nun gut, ich will sie auch nicht. Ich brauche sie nicht. Sie war noch nie eine gute große Schwester. Ich musste immer die Verantwortungsbewusste sein. Sie wollte nie irgendetwas mit mir zu tun haben. Merlin, sie ist unmöglich!"
„Atme, Lily.", drängte mich Potter, ahh, Scheiße James.
„Und ich sag dir noch was. Ich werd mich nicht bei ihr entschuldigen. Ich habe nichts falsch gemacht."
„Das hast du sicher nicht.", versicherte er mir in einem beruhigenden Ton, packte meine Schultern und zwang mich, mich neben ihn auf die Bank zu setzen.
„Ich kann kaum glauben, dass ich mit ihr verwandt sein soll. Ich habe ein viel ruhigeres Temperament und bin auch toleranter als sie."
Potter-James lachte leise.
„Was?", fragte ich ihn.
„Nichts.", versicherte er mir. Er lächelte mich an und schob meine Haare die mir ins Gesicht gefallen waren hinter mein Ohr. „Weißt du, Mädchen sind verdammt kompliziert, ganz besonders die Evans Frauen. Wenn Kerle miteinander konkurrieren, dann vergleichen sie ganz einfach die Länge ihrer Zauberstäbe."
Ich lachte lauthals und ungewollt begann ich mich abzuregen. Seine Hand, die in Kreisen über meine Schulter fuhr, half nicht gerade dabei, wütend zu bleiben.
„Ich meine es ernst.", redete Pot-James weiter. „Wann auch immer einer meiner Kumpel und ich einen Streit haben, hol ich einfach meine elf Zoll Mahagoni raus.", er zwinkerte mir zu und grinste mich schelmisch an, während er seinen Zauberstab zog und ein Paar rote Funken versprühte.
„Du bist bescheuert.", teilte ich ihm mit und musste widerwillig lachen.
„Willst du etwas hören, dass noch absurder ist?", flüsterte er mir zu und steckte seinen Zauberstab wieder in die Tasche seiner Jeans.
„Was?", fragte ich.
„Das Walross hat noch nicht einmal einen Zauberstab.", gab er freudig zurück.
Ich begann wie verrückt zu kichern, ebenso wie er und wir konnten kaum noch an uns halten. Potter, ähm, James hielt sich die Seite und reichte mir eins von den Schokoeis am Stiel, die ich blind ausgesucht hatte. Dankbar nahm ich das Dessert an und öffnete die Verpackung. Ich schwelgte in der köstlichen Schokoladigkeit.
„Mmmhh.", machte ich. „Ich hab keinen mehr davon gegessen seit ich und Petunia Kinder waren."
„Habt ihr früher euren Sommer zusammen verbracht?", fragte er mich und nahm sich auch ein Schokoeis.
„Sie war meine beste Freundin.", erwiderte ich traurig. „Wir haben all unsere gemeinsamen Sommer damit verbracht Spiele zu spielen. Sie durfte immer die hübsche Prinzessin sein und ich musste den Frosch oder die böse Stiefschwester spielen. War klar, dass wir uns immer stritten. Aber es war nicht so wie es heute ist. Es war einfach ganz normal.", ich lachte humorlos bei dem Wort normal. „Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der Welt Schwestern gibt, die sich nicht streiten."
„Ganz besonders, wenn es Evans Frauen sind.", fügte Potter, nein James hinzu.
Ich lachte. „Ja, ganz besonders dann.", stimmte ich ihm zu.
„Und jetzt streitet ihr euch über viel kompliziertere Dinge.", stellte er fest.
„Ja.", antworte ich. „Die Wände in unserem Haus sind dünn, nicht wahr?"
„Ja.", gab er verlegen zu. „Danke, dass du mich verteidigt hast.", bedankte sich Potter in einem neckenden Tonfall.
Ich zuckte mit den Schultern. „Was würde James feste Freundin tun?"
„Aha!", rief er aus. „Ich wusste es würde funktionieren."
„Ja, ja, ja.", grummelte ich. „Das eine Mal ist dir tatsächlich was Kluges eingefallen."
„Das eine Mal?", fragte er gespielt empört. „ Ich weiß nicht, ob du jemals in China gewesen bist, aber vorhin hab ich paar gute Treffer bei dem Walross gelandet."
„Oh, Merlin.", brachte ich zwischen lachen heraus. „Ich wusste nicht was zuerst passieren würde: Platzt Petunia der Schädel oder reißt sich Vernon den Schnurrbart aus."
„Ich setze mein Geld auf den V-Man.", teilte mir Po-James mit und versuchte dabei angestrengt ernst zu wirken.
Ich lachte und lutschte weiter an meinem Schokoeis. Ah, das schmeckte wirklich großartig. Ich leckte über die Seite, damit mir die Schokolade nicht auf die Finger tropfte.
„Ahh.", stöhnte Potte-James und schloss die Augen. Er klang als hätte er Schmerzen.
„Was ist los?"
„Könntest du bitte damit aufhören, Lily. Sonst wird mein Problem immer größer."
„Oh.", war meine einfache Antwort. Dann verstand ich die Bedeutung seiner Worte. „Oh!", rief ich mit großen Augen. „Widerlich!", schrie ich und schlug seinen Arm.
„Du bist doch die, die da drüben fröhlich vor sich hin schlürft."
„Es ist ein Schokoeis.", beharrte ich.
„Für mich sieht es wie Mahagoni aus.", erwiderte er mit einem anzüglichen Grinsen.
Vor Ekel schlug ich mir mit der Hand gegen die Stirn. „Du hast gerade eine meiner Kindheitserinnerungen zerstört.", teilte ich ihm mit. Ich wollte dabei erzürnt klingen, aber traurigerweise klang ich eher amüsiert.
„Entschuldige, Liebling.", sagte er und lehnte sich rüber um mir einen Kuss auf die Wange zu geben. „ Du hast gerade jegliche Art von Eis am Stiel für mich ruiniert. Wahrscheinlich auch Bananen und Würstchen."
„Tja, das geschieht dir recht.", ließ ich ihn wissen.
Er lachte und zog mich näher an sich heran. Ich rollte mit den Augen. Verfluchter, Hormongesteuerter Idiot.
„Pizza!", vernahm ich das Rufen meiner Mutter.
Pott-James sprang mit einer Begeisterung auf, die in mir den Drang erweckte zu lachen. Er schnappte sich meine Hand, zog mich ebenfalls auf die Beine und wir gingen zusammen rein.
„Schnell.", zischte ich ihm ins Ohr, als wir in Richtung Küche gingen. „Kannst du Pizza irgendwie mit deinen kranken Gedanken vermiesen?"
Potter, der Junge der auch unter dem Namen James bekannt war, zerwuschelte meine Haare mit seinen Fingern. „Gib mir zehn Minuten.", lautete seine Antwort.
Nach dem Abendessen, konnte ich immer noch beruhigt Pizza essen. Salami, Würstchen und alle Gedanken daran standen ab sofort nicht mehr auf dem Speiseplan.
Das Abendessen verlief ziemlich angespannt. Es ist komisch, wie eine Familie, so eine offensichtliche Spannung mit Small Talk ignorieren kann. Meine Eltern redeten über das neue Einkaufszentrum, dass am anderen Ende der Stadt eröffnet werden sollte, Vernon und Pot-James hatten anscheinend einen „Wer kann mehr Pizza essen Wettbewerb" ausgetragen, den überraschenderweise James gewonnen hatte und Petunia versuchte ihr Bestes meine Anwesenheit gegenüber von ihr zu ignorieren. Als sie sich allerdings nicht über die Transfette beschwerte oder das Fett mit einer Serviette abwischte, um die Pizza anschließend in exakt fünf Zentimeter große Rechtecke zu zerteilen, wusste ich, dass sie innerlich vor Wut kochte. Und weil ich niemals lügen würde, machte mich diese Tatsache unglaublich fröhlich.
Mein Dad umarmte mich noch bevor ich zu Bett ging.
„Gute Nacht, Lils.", sagte er liebevoll und lehnte sich hinab um mir einen Kuss auf den Kopf zu drücken.
„Gute Nacht, Daddy.", gab ich mit einem Lächeln zurück.
Er zögerte ein wenig bevor er mich aus seiner Umarmung entließ.
„Lils, stimmt irgendetwas nicht zwischen dir und Petunia? Ihr schient verärgert beim Abendessen."
Ihm musste aber auch alles auffallen.
„Nur das Übliche.", erwiderte ich mit einem Achselzucken.
„Ahh, Schwestern.", sagte er und schüttelte dabei den Kopf. „Ich sehe meine nur ein paar Mal im Jahr und das reicht schon um mich auf die Palme zu bringen."
Ich lachte. „Wie geht es Tante Charlotte?"
Dad rollte mit den Augen. „Wir haben uns heute zumindest nicht darüber gestritten wer den besseren Freund hat.", teilte er mir mit einem Lachen mit.
Er begann nur noch mehr zu lachen. „Entschuldige, Lils. Das war mit Sicherheit nicht das was vorgefallen ist.", er machte eine Pause um meine Reaktion abzuwarten. „Könntest du trotzdem deinem alten Herrn einen Gefallen tun und wieder mit Puppen spielen so wie früher? Ich glaube meine Nerven als Vater vertragen nicht noch mehr."
Ich lächelte traurig. „Du weißt, dass du immer noch der wichtigste Mann in meinem Leben bist.", sagte ich ihm ernst.
Er lächelte zurück und küsste meine Stirn. „Das ist gut zu wissen, mein kleines Mädchen. Träum was Schönes, Lils.", sagte er.
„Gute Nacht, Daddy.", antwortete ich und ging auf mein Zimmer.
Ich lag eine Weile lang in meinem Bett bis es Zeit für das mitternächtliche Treffen draußen mit Po-t-t-James wurde.
„Okay.", fragte ich langsam. „Lass mich das noch einmal klar stellen. Du, James Potter, sammelst Löffel?"
Sein Gesicht, das durch das Mondlicht etwas verzerrt wirkte wurde hochrot. „Ja und, du sammelst Einhorn-Figuren!", verteidigte er sich.
„Woher weißt du das?", fragte ich ihn misstrauisch.
„Dein ganzes Zimmer ist voll davon.", erklärte er das Offensichtliche. „Und ich sammele keine Löffel, Ich kaufe sie für meine Mum. Sie hat eine Vitrine, in der sie Löffel von all den Plätzen, die sie jemals besucht hat aufbewahrt."
„Deine Mum?", fragte ich. „Was-?"
„Du hast mir nie gesagt, was deine Eltern beruflich machen, Lily.", unterbrach er mich hastig. „Ich hab fast ganze drei Tage hier verbracht und weiß noch immer nicht besonders viel über sie."
„Nun.", sagte ich. „ Mein Dad ist Ingenieur. Im Grunde genommen entwirft und entwickelt er neue Sachen."
„Das hört sich interessant an.", sagte Potter.
„Ja.", stimmte ich ihm zu. „Die meiste Zeit tüftelt er in seinem Büro herum und ruft meine Mutter heimlich an. Die beiden sind immer noch hoffnungslos verliebt.", sagte ich und rollte dabei mit den Augen.
„Und freut sich deine Mutter über die Anrufe?"
„Ich glaube im Sommer freut sie sich sehr darüber. Sie unterrichtet die zweite Klasse an der Grundschule in der Nähe, deshalb wird es für sie wahrscheinlich ein bisschen langweilig, wenn Ferien sind und keine kleinen Kinder herumtoben."
„Ahh, ich wünschte ich hätte damals mit mehr Kindern in meinem Alter herumtoben können."
„Du hast jetzt immer noch den gleichen Reifegrad.", erinnerte ich ihn.
Er streckte mir die Zunge raus und zerwuschelte dann seine Haare. „Nein, ich hab nur ziemlich viel verpasst. Ich hab nie wirklich mit Kindern in meinem Alter gesprochen bis ich nach Hogwarts kam. Ich hab keine Geschwister."
„Ich kann dir versichern, so toll ist das nicht."
Er lachte. „Fast als wäre man nur knapp einem Fluch entronnen."
„Ganz besonders, wenn ich an Petunia denke.", murmelte ich.
„Du beschwerst dich über sie, aber ich weiß dass du sie liebst.", sagte er.
„Ja, ja.", erwiderte ich mit wenig Begeisterung. „Jetzt zu dir, du hast mir noch nicht wirklich etwas über deine Familie erzählt. Vermissen dich deine Eltern denn nicht? Ich kann mir noch nicht einmal ausmalen, was meine Eltern tun würden, wenn ich einfach so für drei Tage verschwinden würde. Ich glaube mein Vater hätte bereits das Sondereinsatzkommando benachrichtigt. Interessiert es sie nicht, dass du hier bist? Was ist mit deinen Freunden?"
Potte-James hörte auf vor und zurück zu schwingen und drehte sich zu mir. Er nahm einen tiefen Atemzug und lenkte sich selbst ab indem er sein Haar zerwuschelte. „Meine Eltern sind Auroren, Lily. Meine Mum und mein Dad haben sich in Hogwarts kennengelernt, und seitdem sind sie auch zusammen. Seit ich noch klein war mussten sie für Monate am Stück auf geheime Missionen gehen. Die Zeiten werden dunkler und vor ein paar Tagen bekamen sie den Auftrag für eine weitere Mission.", er machte eine Pause und blickte auf den Boden unter der Schaukel auf der er saß. Er räusperte sich bevor er weitersprach. „ Ich mag es nicht wenn sie auf Missionen gehen. Es ist eigentlich kaum zu ertragen. Ich mache mir immer Sorgen ob sie wieder heil nach Hause kommen, oder ob sie überhaupt wieder kommen. Es ist schrecklich. Ich hasse es."
„Warum verbringst du nicht ein wenig Zeit bei deinen Großeltern?"
Er lächelte leicht gequält. „Meine Eltern sind schon etwas älter. Ihre Eltern starben als ich noch ein Baby war."
„Und bei deinen Freunden?", schlug ich vor.
„Sirius ist grad ziemlich beschäftigt mit seinen eigenen Familienproblemen.", drückte er sich gewählt aus und rutschte dabei unangenehm berührt hin und her. „Peter ist in Frankreich und Remus kann im Sommer nicht wirklich Gäste empfangen. Ich musste mich ablenken und ein wenig Spaß haben. Also entschied ich die einzige Person zu besuchen, die ich sonst noch sehen wollte."
„Du bist mich besuchen gekommen.", wurde mir klar.
„Ja, deshalb bin ich hier, Lily.", bestätigte er. „Ich wollte dich sehen."
Seine haselnussbraunen Augen starrten mit einer brennenden Intensität in meine Augen. Es gab so viele unausgesprochene Fragen auf die ich eine Antwort haben wollte, aber ich wusste er würde mir heute Abend keine Antworten darauf geben.
„Natürlich.", sprach er weiter und sprang von der Schaukel auf, „hatte dieser Ausflug den kleinen Bonus, dass ich von Blödmann zu festem Freund befördert wurde.
Ich sprang ebenfalls von meiner Schaukel auf und lachte leise, als ich ihm in Richtung Haus folgte. „Du bist und bleibst ein ewiger Optimist, James."
Er blieb plötzlich stehen und auf seinem Gesicht breitete sich ein unglaublich breites Grinsen aus.
„Du hast daran gedacht mich James zu nennen!", gratulierte er mir, umarmte mich fest und hob mich hoch.
Ich lächelte zurück. „Sieht ganz so aus."
Vielen Dank für die lieben Reviews.
