Kurz vor ihrer Abfahrt hatte Rose noch mit Dimitri telefoniert. Er würde ca. eine halbe Stunde später als sie losfahren, da Christian noch einen Kurs hatte. Aber sie hatten schon vereinbart, dass sie sich in der Turnhalle treffen würden. Wie sie das im Grunde immer taten. Nur heute, heute freute sie sich noch mehr als sonst darauf. Das war vielleicht mit ein Grund, warum sie nur so über die Straße flog, so dass sie sogar Lissa etwas beschwerte.
„Ich würde gerne in einem Stück ankommen", jammerte sie. Zumal Christian und Dimitri ja sowieso noch nicht da waren, wenn sie eintrafen. „Nun stell dich mal nicht so an", konterte Rose bei dem Jammern ihrer Freundin. „Wir kommen heil an. Versprochen. Ich bin doch eigentlich eine gute Fahrerin. Mich lässt ja nur niemand fahren.." Aber hier hatte sie die Herrschaft. Und die anderen durften mit ihrem Wagen hinter ihr her fahren.
Trotzdem konnte es ihr heute nicht schnell genug gehen. Sie war erst zufrieden, als sie endlich die Tore des Königshofes vor sich hatten. Endlich da, endlich daheim und endlich Dimitri, auch wenn das noch eine halbe Stunde dauern konnte. Aber sie kannte ihn und wusste das er mindestens genauso schnell fahren würde wie sie. Endlich machte man ihnen das Tor auf und sie konnte den Wagen auf dem großen Parkplatz abstellen. Nachdem sie ausgestiegen war, drückte sie nochmal Lissa an sich. „Danke dir für alles", flüsterte sie ihr zu. „Für dich doch immer", bekam sie als Antwort und dann trennten sich die beiden, nachdem Rose sie den anderen Wächtern sozusagen übergeben hatte.
Manchmal war sie sich nicht sicher, ob sie ihrer Freundin wirklich einen Gefallen getan hatte und sie sozusagen auf den Thron geschubst hatte. Aber Rose war sich auch sicher, Lissa würden einen großartigen Job machen.
Auf dem Weg zu ihrem kleinen Apartment grüßte sie ein paar Wächter und schloss dann ihre Tür auf. Die Kleider, beide in Hüllen hängte sie in den Schrank, schnappte sich ihre Sporttasche, stopfte Handtücher und Wasserflaschen hinein und zog sich selber rasch um.
Gut gelaunt ging sie dann rüber zur Turnhalle, um fest zustellen, dass keiner sie benutzten. Perfekt. Mit Schwung warf sie die Tasche in eine Ecke der Halle, wo sie nach einem schlittern liegen blieb. Mit einem kleinem Grinsen schaute sie in die Ecke und warf dann ihren Pullover einfach hinterher. War ja keiner da der mit ihr schimpfen konnte. Aber danach fing sie auch ernsthaft mit dem Training an, damit sie warm war, wenn Dimitri kam. Vielleicht bekam sie ja nochmal die Chance ihn auf den Rücken zu werfen. Sie brauchte dafür ja immer den Überraschungsmoment. Nach einigen Sprints stellte sie sich in die Mitte der Halle, um weiter mit ihren Dehnübungen zu machen.
Und diesmal behielt sie den Eingang im Auge, damit sie auch ja nicht verpasste, wann er um die Ecke kam. Gerade als sie sich was streckte hörte sie die Außentür und blickte auf ihre Uhr. Sie hatte sich getäuscht. Er war sogar noch schneller als sie gefahren.
Hatte sie eben noch cool gewirkt und wollte das auch ihm gegenüber beibehalten, so war das alles hinfällig als er zur Tür rein kam. Seine großen Schritte durchquerten die Halle, direkt auf sie zu. Und auch sie ging direkt auf ihn zu, nur um das letzten Stück Anlauf zu nehmen und direkt auf ihn zu zuspringen, ihre Beine um seine Hüfte gelegt, ihre Arme um seinen Hals und ihn freudig anlächelte.
Eine seiner Hände an ihrem Gesäß, die andere an ihrem Hinterkopf, zog er sie zu sich heran, um ihr einen langen Kuss zu schenken, wobei er immer noch weiter ging und sich am Ende gemeinsam auf die große Matte fallen zu lassen, die ganz hinten an der Wand lag. „Noch einen Tag länger und ich wäre gestorben", murmelte er, nachdem sie es endlich geschafft hatten den Kuss zu beenden. Mit zwei Fingern strich er ihr einige Locken aus dem Gesicht. „Du bist so schön." Er hob etwas den Kopf, nur um sie besser ansehen zu können. „Und du bist früh", entgegnete sie ihm lächelnd. „Neuen Geschwindigkeitsrekord gebrochen?"
„Für dich immer. Aber nein, wir waren brav. Wir sind nur was früher weg gekommen." Dimitri erhob sich von der Matte und zog Rose mit sich hoch. Kurz schaute er sich um, als überlegte er etwas. „Weißt du was? Im Moment brauche ich kein Training. Im Moment brauche ich nur dich." Und Rose verstand sehr gut was er damit meinte.
Nach dem einen Tag, wo sie so sehr verrückt gespielt hatte, hatte sie nur noch den Wunsch gehabt ihn in ihren Armen halten zu können. Und jetzt wollte sie auch nichts anderes. Und er auch nicht. Nicht mal, als sie ihre Tasche holte, lies er sie los. Stattdessen warf er sie über seine Schulter, und legte seinen freien Arm um ihre Taille. Gemeinsam gingen zu ihrem Apartment, ohne auch nur einen Menschen in ihrer Umgebung wahr zu nehmen.
Kaum waren sie in ihrer kleinen Wohnung, lies er einfach die Tasche fallen, hob Rose hoch und trug sie ins Schlafzimmer.
Erst sehr viel später lagen sie zufrieden und erschöpft im Bett. „Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich fand das gerade besser als jede Trainingsstunde." Rose hatte ihren Kopf auf sein Brust gelegt und Dimitri spielte mit einer ihr Haarlocken.
„Obwohl das bestimmt nicht die Art von Training ist, die uns fit halten sollte." Dimitri zuckte etwas mit einer Schulter.
„Seit dem Abend, wo du dein Shirt nach oben gezogen hast, habe ich nur noch daran gedacht." gab er ehrlich zu. „Wie gesagt, ich bin auch nur ein Mann."
„Und was für einer", murmelte Rose leise.
„Hmm?"
„Ach nichts", lachte sie, drehte sich um und rutschte etwas nach oben, damit sie seinen Mund erreichen konnte, auf den sie einen sanften Kuss hauchte. „Aber glaube mir, es war nicht leicht Lissas Neugierde zu umgehen. Denn sie wollte wissen, warum ich diesen Pullover ausgezogen hatte."
Kurz runzelte er die Stirn. „Na, um deinem Verlobten eine Freude zu machen. Ist doch gar nicht so schwer", grinste er dann frech.
„Dimitri", nur kam die Empörung längst nicht so raus, wie es geplant war.
„Nur ein Mann", flüsterte er als er sie nochmal zu sich herunterzog zu einem längeren Kuss.
Rose war gar nicht bewusst gewesen, wann sie eingeschlafen war. Allerdings hatte ein Klopfen sie wieder geweckt. Da Dimitri noch schlief, stand sie selber auf, zog ihr Shirt über den Kopf und schlüpfte auf dem Weg zur Tür in ihre Trainingshose. Sehr verwirrt blickte sie Eddie in die Augen, der vor ihrer Tür stand. „Was machst du hier?"
„Ich freue mich auch dich zu sehen." Keck grinste er und schlüpfte an ihr vorbei durch die Tür. „Hey, ich hab dich gar nicht rein gebeten."
Und noch ein freches Grinsen folgte. „Musst du auch nicht. Das kann ich auch allein." Kurz blickte er sich um. „Wo ist denn dein Verlobter?"
Ach die Nachricht hatte sie herumgesprochen. Interessant.
Rose deutete auf die Tür. „Schlafen. Blöder Menschlicher/Vampirrhythmus. Diese Wochenenden machen mich immer vollkommen verrückt."
Eddie stand immer noch vor ihr. „Was ist, bekomme ich nicht mal eine Umarmung von dir?" Verlegen blickte sie ihn an. „Klar doch. Ich bin nur immer noch verwirrt was du hier machst." Und mit diesen Worten nahm sie in den Arm und drückte ihn fest an sich. Es war nur eine freundschaftliche Umarmung. Aber genau in dem Moment kam Dimitri in den Raum, und jetzt war es Eddie, der verlegen wurde.
„Was sehen meine Augen da?" Dabei schlug Dimitri seinen strengsten Ton an. Doch nur einen Wimpernschlag später lächelte er und hielt Eddie seine Hand hin. „Hallo Wächter Castile. Schön dich zu sehen." Eddies entsetzten Blick wich einem Lächeln. „Hallo Wächter Belikov."
„Was verschafft uns die Ehre", fragte Rose Eddie nun neugierig. „Solltest du nicht bei jemand anders sein?"
Eddie nickte. „Sollte ich. Aber sie ist in Sicherheit. Und im Moment ist das, was hier passiert eindeutig wichtiger. Lissa hat mich noch gestern hergebeten, nachdem ihr zurück gekommen seid." Rose blickte ihn verwirrt an. „Gestern Abend war doch alles in Ordnung. Was ist denn passiert?"
Eddie seufzte. „Einige Moroi haben einen neuen perversen Plan ausgeheckt um ihr „Wächterproblem" in den Griff zu bekommen. Und das würde auch dich betreffen." Dabei deutete Castile auf Rose. „Und ich bin mir sicher, dass das weder dir, noch Belikov sehr gefallen wird." Eddie holte einmal tief Luft um dann weiter zu reden. „Sie wollen durchsetzten das jede Dhampirfrau mindestens ein Kind bekommt. Um so noch mehr Wächter zu bekommen."
Rose blickte verwirrt zu Dimitri und dann zu Eddie. „Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Wir sind doch kein Vieh mit dem man züchten kann." Ihr Freund zuckte mit den Schultern. „So argumentieren auch einige Moroi. Aber andere meinen, das man das ruhig verlangen kann, wenn damit ihr Schutz garantiert ist. Und danach sollen die Frauen, sobald es geht, als Wächter aktiv werden. Ihr Nachwuchs wird so früh wie möglich in Kindergärten und Schulen gesteckt, damit man direkt mit dem Training anfangen kam, so das sie mit 16 bereit sind ihre Pflichten zu übernehmen."
Rose wurde blass und lies sich dann auf das Sofa fallen. „Das können die nicht machen. Wir waren bisher bereit alles freiwillig zu machen. Aber das ist... Versklavung." Eddie nickte zustimmend. „Genau so sehen das einige andere auch. Und was bei den Dhampiren los ist, wenn das raus kommt, daran will ich gar nicht denken." Er drehte sich zu Dimitri. „Wie viel Schwestern hast du?"
„Drei", antwortete Dimitri zögernd.
„Und wie viel sind davon Wächter?"
„Keine. Aber was hat das..."
Eddie unterbrach ihn mitten im Satz. „Auch das soll es nicht mehr geben. Jeder Dhampir soll sozusagen Dienst leisten. Wenn nötig mit Zwang."
Einen Moment sagte keiner mehr ein Wort. Rose und Dimitri mussten über diese Informationen erstmal nachdenken und sie verdauen.
„Das gibt einen Aufstand", kam es zögerlich von Dimitri nach einer Weile.
Eddie nickte. „Und das nur im besten Fall. Im schlimmsten Fall gibt es einen Krieg. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein Dhampir dazu bereit ist."
„Das hieße ja, ich müsste weg von hier." Rose war endlich wieder eingefallen wie reden funktionierte. „Weg vom Hof, weg von Lissa... weg von dir", wobei sie Dimitri anschaute.
„Im schlimmsten Fall ja. Im besten suchst du dir einen hübschen Moroi, lässt dich schwängern und erfüllst so deine „Pflicht"." Wobei er das letzte Wort aussprach als wäre es giftig. „Und das alles haben ein paar Moroi ausgeheckt, als Lissa auf der Uni war und ihr gestern, als sie nach Hause gekommen ist, den Plan unter die Nase gehalten. Sie ist fast umgefallen, als sie das gesehen hat."
Stirnrunzelnd schaute Rose nun Eddie in die Augen. „Und was soll ich in der ganzen Sache unternehmen? Ich denke es hat einen Grund, warum du hier bei mir bist." Eddie lies sich auf den Sessel fallen und beugte sich zu den beiden vor. „Du Rose, sollst dafür sorgen das es nicht soweit kommt."
Okay, das war ein Schlag unter die Gürtellinie. Lissa hatte da aber ein großes Vertrauen in sie. „Und wie soll ich das machen? Ich bin doch wirklich die Letzte, die was dagegen unternehmen kann."
Und wieder fing Eddie an zu reden, um den Plan zu erklären. „Im Moment ist noch nichts geplant, was aggressiver wäre. Im Moment sind wir uns nur einig, dass du am Samstag eine Rede halten sollst, wenn dieser schwachsinnige Entwurf auf den Tisch kommt. Du bist ein Dhampir, du bist eine Heldin und du hast eindeutig die größte Klappe die ich kenne." Rose knurrte ein „Danke" rüber zu Eddie. „Warum ich und nicht du oder Dimitri."
„Ganz einfach. Einige Moroi misstrauen Dimitri immer noch. Nichts für ungut Belikov, aber sie bekommen einfach die Tatsache, dass du mal ein Strigoi warst nicht aus dem Kopf. Was mal wieder ein Beweis für die Engstirnigkeit dieser Gesellschaft ist. Und ich, ich bin ein Niemand. Wer sollte schon auf mich hören? Aber du bist jemand Rose. Sicher, dein Ruf ist manchmal etwas fragwürdig. Aber du stehst für deine Überzeugungen ein. Und riskierst auch mal was. Also bist du die Beste für diese Rede. Und wir anderen werden Überzeugungsarbeit der anderen Art leisten."
„Welche anderen?", fragte Rose ihn jetzt. Lissa konnte sich da in der Form nicht einmischen. Nicht als Königin. Also dann noch vielleicht Christian. Und Eddie.
„Adrian ist hier, mit Sydney. Christian natürlich. Deine Mutter ist auch schon hier und versucht den Leuten klar zu machen, dass es totaler Schwachsinn ist, was sie da vor haben. Sogar Mikhail und Sonya sind da. Wobei mir einfällt... Adrian fragt ob du heute Zeit hast für ein Abendessen. Sozusagen die alte Gang."
Rose nickte sprachlos. Das Abendessen mit ihren Eltern war ja erst übermorgen. „Also eine Rede halten. Ich kann sowas doch gar nicht." Verzweifelt schaute sie von einem zum anderen. „Und wie soll ich das überhaupt schaffen?"
„Na ja", meinte Eddie zögerlich. „Da kommen wir ins Spiel", und deutete auf sich und Dimitri. „Wir werden dir helfen eine Rede zu halten, die sich gewaschen hat."
„Ach ja?", meldete sich jetzt Dimitri zu Wort. „Interessant das ich von diesem Plan auch was erfahre."
„Sorry Leute, aber euch hat ja gestern Abend keiner mehr erreicht. Ich vermute mal ihr wart mit was anderem beschäftigt. Training vielleicht?" Dabei grinste er frech von einem zum anderen.
„So könnte man das nennen", setzte Dimitri ihm vollkommen ernst entgegen.
Rose sprang jetzt auf, ehe ihr Liebesleben noch mehr Gesprächsthema wurde. „Okay, ich brauche eine halbe Stunde für mich. Dimitri, du machst am besten Kaffee. So wie es aussieht kommt die nächsten Tage keiner mehr wirklich zum schlafen. Du...", mit dem Finger deutete sie auf Eddie. „Du sorgst dafür das wir hier ein Frühstück her bekommen."
„Aber... wie..."
„Das ist mir herzlichst egal. Und wehe, es sind keine Brownies dabei. Und ich geh unter die Dusche, damit ich einen klaren Kopf bekomme." Und noch ehe einer der beiden Männer was sagen konnte, war sie verschwunden. Denn so langsam wurden ihr die Konsequenzen klar, die aus dem ganzen Schlamassel entstehen konnten. Und ihr gefiel nicht eine einzige davon. Sie müsste von hier weg, Sie müsste Lissa verlassen, sie müsste Dimitri verlassen und sie müsste mit irgendeinen fremden Kerl schlafen, um sein Kind zu bekommen. Und wenn sie Pech hatte, dass ganze auch noch unter Zwang. Entweder durch Magie oder durch Bisse von Moroi, die sie benebelt machten.
Rose spürte die absolute Panik in sich aufsteigen. Das konnte doch keiner zulassen. Heiß lies sie das Wasser über ihr Haut laufen, bis es weh tat. Ein dicker Kloß bildete sich in ihrem Hals. Und sie konnte fühlen wie ihr sogar einige Tränen runter liefen, die sich direkt mit dem Wasser vermischten. Hier ging es nicht nur um ihre Zukunft, sondern um die aller Dhampire. Und genau der Gedanke brachte sie wieder zurück. Sie würde kämpfen. Mit allem was ihr zur Verfügung stand. Und sie würde niemals zulassen, dass sie und die ihren so behandelt wurden. Sie taten sowieso schon viel zu viel und stellten damit ihr Leben zurück.
Sie stellte das Wasser etwas kühler und wusch sich rasch die Haare und ihren restlichen Körper Ehe sie nach einem Handtuch tastete, das sich wie ein kleines Wunder in ihre Hand drückte. Rose schob sich die Haare aus dem Gesicht und erblickte Dimitri, wie er neben der Dusche stand.
„Alles in Ordnung?", fragte er sie leise.
„Nein Dimitri. Nichts ist in Ordnung. Das alles ist so falsch." Verständnisvoll nickte er. „Ich weiß. Aber ich wollte wissen, ob es dir gut geht."
Rose zuckte etwas mit den Schultern. „Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Im Moment geht mir soviel durch den Kopf."
Seine Hand legte sich unter ihr Kinn und hob ihren Kopf zu sich hoch. „Was immer passiert, Roza, ich werde bei dir sein. Und wenn es wirklich zu dem Schlimmsten kommen sollte, dann werde ich dich wegbringen. Irgendwohin, wo du in Sicherheit bist. Aber auf keinen Fall werde ich zulassen, das irgendjemand anderes dich in die Finger bekommt."
Sie schlang ihre Arme um seinen Körper und legte ihren Kopf an seine Brust. „Und was ist mit all den anderen?", fragte sie ihn. „Was passiert mit ihnen? Besonders, was passiert mit den Frauen?" Dimitri lächelte. „Du willst immer die ganze Welt retten. Aber das kannst du nicht Roza. Aber uns fällt was ein."
An seiner Brust bewegte sie leicht ihren Kopf, was wohl ein Kopfschütteln darstellen sollte. „Nein nicht immer. Manchmal wollte ich nur einen Menschen retten." Sie hob ihren Kopf und legte ihn weit in den Nacken, damit sie ihn ansehen konnte. „Und das war es wert." Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen, bis sie ihn knapp erreichen konnte um ihm einen langen Kuss zu geben. Und als er das letzte Stück zu ihr runter kam, verschmolzen ihre Lippen, um nur für einen Moment das wahren Leben zu vergessen.
Nach diesem Kuss strich er ihr zärtlich über ihre Unterlippe, ehe er sie ganz los lies. „Zieh dir besser was an, ehe Eddie kommt und du ihn in totale Verlegenheit stürzt. Und ich werde mir selber noch eine Dusche gönnen. Tee und Kaffee stehen schon auf dem Tisch, damit ihr gleich loslegen könnt." Er schenkte ihr noch ein kleines Lächeln und schob sie dann bestimmend aus dem Badezimmer.
Rose wickelte das zweite Handtuch, das sie gerade noch greifen konnte, um ihren Kopf, zog sich rasch eine Jeans und ein Top an, ehe sie die Haare trocken rubbelte und sie so, wie sie waren einfach nach oben band. Natürlich hatte sich doch eine widerspenstige Locke aus dem Knoten gelöst. Aber der schenkte sie jetzt keine Beachtung, da es sehr energisch an der Tür klopfte. Und davor stand Eddie mit einem Tablett in der Hand, das wirklich bis zum Rand beladen war. „Sehr gut", lobte sie ihren ehemaligen Klassenkameraden.
Gemeinsam schafften sie es in der kürzesten Zeit ihren kleinen Küchentisch mit Leckereien zu beladen. Und ganz am Ende holte Eddie noch einen Teller hervor, den er bisher vor Rose verborgen hatte. „Und ihre Brownies Madame." Dafür bekam er direkt nochmal eine Umarmung geschenkt. „Eddie, du bist immer noch der Beste."
„Ja", seufzte er. „Nur erkennen das viel zu wenige." Lachend stieß sie ihn in die Seite. „Mehr als du vielleicht ahnst." Rose sah, dass auf der Küchentheke schon Papier und Stift lagen. Dimitri hatte schon daran gedacht.
Aber erst brauchte sie was zu essen. Und eine Tasse Tee war auch von Nöten. So wie die Jungs ihren Kaffee hatten, so hatte sie ihren schwarzen Tee, der sie munter machte. In dem Moment kam auch Dimitri aus dem Badezimmer. Frisch rasiert, ähnlich wie sie in Schwarzer Jeans und einem Schwarzen Shirt, die feuchten Haare gekämmt und im Nacken zu einem kleinen Pferdeschwanz zusammengebunden.
Um zu seinem Stuhl zu gelangen, musste er an ihr vorbei und hauchte ihr einen kleinen Kuss auf ihre Haare, ehe er sich neben sie setzte und seine Hand auf ihrer Schulter ruhen lies. Inzwischen hatten sie keine Probleme mehr in der Gegenwart ihrer Freunde zu zeigen, dass sie zusammen gehörten.
„Zeig mal", forderte Eddie Rose auf einmal auf.
„Was soll ich dir zeigen?", fragte sie verständnislos.
„Na du willst mir doch nicht sagen, dass Dimitri dir keinen Ring geschenkt hat. Wenn er schon das ganze offiziell macht, dann bestimmt auch so, dass es jeder sehen kann." Dabei zwinkerte er Dimitri kurz zu.
Rose hob ihre Hand und präsentierte, nicht ohne einen gewissen Stolz, ihren Ring. Inzwischen fand sie den Gedanken gar nicht mehr so schrecklich. Und das Wort Heiraten hatte auch nicht mehr den grausamen Klang für sie. Obwohl sie immer noch auf dem Standpunkt stand, das sie damit etwas Zeit hatten.
Eddie nickte anerkennend. „Sehr schön. Passt genau zu dir. Nicht zu groß oder zu protzig. Und trotzdem zeigt er genau das was er soll."
„Ach und was soll er zeigen?", fragte Rose ihn mit leicht spöttischen Tonfall.
„Das ihr zusammengehört. Und das er dich liebt."
Rose Augen wurden für einen Moment größer. Sie kannte Eddie ja schon lange. Aber so …. tiefschürfend... hatte sie ihn noch nie gehört.
„Danke", sagte sie leise. Doch dann war klar, das sie sich um andere Dinge kümmern mussten. Und zuallererst um das Frühstück das auf dem Tisch stand.
Dabei diskutierten sie in welche Richtung die Rede gehen sollte. Immerhin mussten sie einen gewissen Ton von Anfang an treffen. Und das hieß auch, dass sie einen Rose Hathaway Ton treffen mussten. Rose griff nach einem Blatt und machte ein paar Notizen wie das ganze aufgebaut werden sollte.
Wozu gehörte, dass sie etwas über die Jahrhundertelange Beziehung zwischen Wächtern und Moroi reden musste, ehe sie dann zu den Ideen in der heutigen Zeit kommen würde. Und wie falsch sie waren.
Nachdem sie ihr Frühstück beendet hatten machten sie es sich wieder auf dem Sofa und dem Sessel gemütlich. Rose hatte sich ein Buch unter ihre Zettel gelegt, um besser schreiben zu können. Und Dimitri spielte mit der einzelnen Locke, während sie immer noch versuchten den richtigen Ton zu treffen. Sie durften nicht zu bestimmend wirken. Immerhin wollten sie ja mit dieser Rede die Moroi auf ihre Seite ziehen.
Am Ende hatten sie zu mindestens schon mal eine Art Rohfassung zusammen, die sie zwar noch nicht glücklich stimmte, aber immerhin schon mal ein Anfang war. Als es plötzlich an der Tür klopfte, zuckten alle drei zusammen. Rose war diejenige die aufstand um zu öffnen.
„Adrian." Sie freute sich wirklich ihn zu sehen. Sie hatten zwischendurch ihre Differenzen gehabt. Aber inzwischen hatte sich für beide das Leben geändert und das zum besseren. Bisher auf jeden Fall. Was jetzt wurde wusste ja noch keiner.
„Kleiner Dhampir. Schön dich zu sehen." Rose schaute an ihm vorbei. „Wo ist Sydney", fragte sie verwundert. „In unserem Zimmer, sich für nachher fertig machen."
Roses Augen wurden groß. „Ist es schon so spät?", fragte sie ihn erschrocken. Adrian nickte. „Ich wollte mal sehen wie es in der Krisenzentrale aussieht. Aber wenn ich euch so betrachte, dann noch nicht so gut."
Rose zuckte mit den Schultern, trat beiseite und lies Adrian ins Zimmer treten. „Ich bin kein Schriftsteller und auch kein Redenschreiber. Keiner von uns ist das. Ich glaube bald, dass ist Lissas kleine Rache, weil wir sie zur Königin gemacht haben." Gut, das hatte Lissa am Ende ganz allein geschafft. Aber sie hatte sie in die richtige Richtung geschubst.
Adrian nickte erst grüßend zu Eddie und dann zu Dimitri. Das Verhältnis zwischen ihnen beiden war immer noch etwas gespannt. Obwohl es schon viel besser geworden war. Aber so ganz konnte Adrian es immer noch nicht verkraften, dass er seine Freundin an diesen Typen verloren hatte, der jetzt auch noch ein Verwandter von ihm war. Und auch Dimitri war immer etwas distanziert, wenn es um Adrian ging.
„Jungs gebt euch die Hände und begrabt bitte ein für allemal das Kriegsbeil", seufzte Rose. „Inzwischen haben wir doch alle was wir wollen." Sie schaffte es tatsächlich mit diesen Worten, dass die beiden sich erhoben und einander die Hand reichten. Und Rose schickte ein innerliches Stoßgebet zum Himmel.
„Was habt ihr denn bis jetzt?", fragte Adrian neugierig. Er hatte die Zettel, die alle auf dem Tisch lagen, schon erspäht. Rose bot ihm einen Stuhl an und reichte ihm dann die grobe Fassung der Rede. Während Adrian las, saß die drei gespannt da und warteten auf sein Urteil. Die Stimmung war so gespannt, dass man sogar eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Doch als er am Ende angelangt war nickte er anerkennend. „Ihr drei seit ein gutes Team. Ein paar Dinge würde ich zwar noch ändern, aber im großen und ganzen..." Adrian reichte Rose die Blätter wieder zurück.
„Ich würde sagen ihr macht euch fertig, denn ich glaube ja nicht das ihr so gehen wollt", und deutete auf die drei, die doch in sehr legerer Kleidung da saßen. „Ich hatte mir da ein bisschen mehr erhofft. Und dann würde ich sagen, dass ihr schlafen geht. Und ich komme dann morgen früh gegen 6 hier vorbei. Die Sitzung ist um 10 Uhr. Bis dahin schaffen wir es doch das ganze in eine ordentliche Form zu pressen."
„Wann bist du so vernünftig geworden?", fragte Rose ihn lachend. „Du wirst doch nicht noch erwachsen?"
Adrian seufzte. „Ich glaube, ich muss das jetzt werden. Aber dazu mehr nachher. Hop, hop, ich will dich herausgeputzt sehen."
Rose begleiteten Adrian noch zur Tür und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. „Danke für deine Hilfe. Ich weiß das wirklich zu schätzen."
„Hey, ist doch klar. Immerhin steht hier viel mehr auf dem Spiel, als uns allen klar ist zur Zeit. Und außerdem weiß ich wie unangenehm du werden kannst, wenn du von ihm getrennt wirst." Dabei deutete er mit seinem Kopf auf Dimitri. „Und jetzt mach dich schön. Ich will dich strahlen sehen." Diese Worte kamen leise von ihm, so das nur sie sie hören konnte. Mit seinen Fingern strich er ihr sachte über die Wange. Und im Hintergrund räusperte sich Dimitri.
„Was? Du hast doch fast zu spät erkannt was für ein Schatz sie ist", und grinste frech zu ihm rüber.
„Dafür weiß ich es jetzt um so mehr zu schätzen."
„Touché. Und ich habe meine Liebe gefunden. Also bis gleich." Und damit zog Adrian endgültig ab. Kurz blickte sie ihrem Ex noch hinterher und setzte sich dann wieder zu Dimitri. „Er versucht es einfach immer wieder dich auf die Palme zu bringen. Und du fällst jedesmal drauf rein."
„Immerhin wart ihr mal zusammen. Und da sollte ich etwas auf der Hut sein. Auch wenn du dich für mich entschieden hast." Zusammen, das war das magische Wort. Den mehr war da nicht gewesen. Aber das hatte sie Dimitri nie erzählt. Er war der Einzige.
Jetzt erhob sich auch Eddie. „Ich mach mich dann auch mal fertig. Wir sehen uns ja gleich. Treffen wir uns in der Halle?", fragte er noch. Dann konnten sie gemeinsam zum Restaurant gehen. Rose und Dimitri nickten synchron. Und schon war Eddie weg.
Für einen Moment saß Rose noch da und las nochmal alles durch, was sie geschrieben hatte. „Ich glaube, ich kann das nicht", sagte sie leicht verzweifelt. „Wenn all diese Leute mich anstarren und darauf warten das ich was schlaues sage. Ich versage doch auf der ganzen Linie." Dimitri legte seinen Arm um ihre Schulter und zog sie so dicht an sich heran, dass sie ihren Kopf auf seine Schulter legen konnte.
„Du kannst das, dass weiß ich. Wenn es dir hilft, dann stelle ich mich so, dass du mich ansehen kannst. Und dann wirst du sie alle in Grund und Boden reden." Es war ja schön, dass wenigstens einer so ein Vertrauen in sie hatte. Sie selber war immer noch nicht überzeugt. Aber darüber konnte sie sich später noch den Kopf zerbrechen. „Ich glaube ich ziehe mich wirklich mal an. Und dann werde ich versuchen die hier zu entwirren", wobei sie ihre Hand an den Knoten legte der ihre Haare darstellen sollte. Doch bevor sie aufstand schenkte sie ihm noch einen letzten Kuss.
Erst dann stand sie auf, um ins Schlafzimmer zu gehen. Da sie sich das rote Kleid ja für morgen geholt hatte, entschied sie sich für das Schwarze. Und jetzt mach dich schön. Ich will dich strahlen sehen. Das waren Adrians Worte gewesen, die so typisch für ihn waren. Und genau das hatte sie jetzt vor. Wenn sie morgen schon untergehen würde, dann würde sie zumindest heute gut aussehen. Nein nicht nur gut, besser als gut.
Nach einem gewissen Kampf schaffte sie es auch ihre Haare zu entwirren, so dass sie ihr am Ende in sanften Wellen über den Rücken fielen. Erst dann zog sie die Sachen, die sie den ganzen Tag getragen hatte, aus. Zuerst schlüpfte sie in ihre Neue Unterwäsche die Lissa ihr ausgesucht hatte. Und sie konnte nur hoffen das Dimitri heute Abend keine Dummheiten machten, wenn sie an den Preis dachte, den ihre Freundin dafür bezahlt hatte. Danach zog sie das enge Kleid an. Ihre seitlichen Haare steckte sie locker mit zwei Klammern am Hinterkopf fest, so dass sie ihr nicht ins Gesicht fielen.
Die Kette mit dem Medaillon machte sie etwas länger, damit das Schmuckstück genau über ihrem Brustansatz lag. Etwas Wimperntusche, Kajal und Lipgloss vervollständigten das Bild. Und sie war mehr als zufrieden, was ihr da im Spiegel zulächelte. Ja so konnte man unter die Leute gehen. Mal sehen was ihr Freund von ihrer neuesten Errungenschaft hielt. Und noch gespannter war sie, was er morgen sagen würde zu dem Kleid.
Da sie so lange das Badezimmer blockiert hatte, war Dimitri dazu über gegangen sich im Schlafzimmer her zu richten. Als sie allerdings die Tür öffnete fing er an zu reden. „Gott sei dank, ich dachte schon, du wolltest dich da für immer verstecken." Doch dann warf er einen Blick auf sie und er starrte sie mit offenem Mund an. Dann besann er sich wieder. „Ich glaube, ich sollte dich für immer verstecken. Du siehst wunderschön aus."
Seine Komplimente freuten sie immer, aber sie machten sie auch etwas verlegen. Denn wenn Dimitri so was sagte, dann sagt er es nicht nur einfach so. Er meinte es vollkommen ernst. „Du siehst aber auch nicht übel aus", versuchte Rose von sich ab zu lenken. Er hatte inzwischen eine Schwarze Leinenhose und ein dunkelgraues Hemd an. Die Haare waren mit Hilfe seiner Hände nochmal gebändigt worden und im Nacken zusammen gebunden.
„Ich habe außerdem nur Anweisungen befolgt. Und mich herausgeputzt. Außerdem solltest du mal das Kleid für morgen sehen." Keck zwinkerte sie ihm zu.
„Ich glaube das will ich gar nicht. Wenn du schon so anfängst dann muss es noch besser als das hier aussehen", seufzte Dimitri. „Und ich will dich jetzt schon nicht mehr hier raus lassen."
Rose strahlte bei seinen Worten, ging mit einem wiegenden Gang auf ihn zu und dank der High Heels musste sie sich nicht mal mehr großartig strecken, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. „Wir kommen ja wieder zurück", flüsterte sie ihm zu.
