Draco
Als Draco nach diesem langen Tag endlich seine elegant eingerichtete Wohnung in London betrat, atmete er tief durch.
Die Wohnung hatte er sich zugelegt, als er die Ausbildung im Ministerium angefangen hatte. Das war ein guter Grund gewesen, nicht mehr jeden Tag auf den Landsitz der Malfoys zurückkehren zu müssen und dort auf seine jammernde Mutter zu treffen, die sich ständig weinerlich darüber beklagte, wie sehr ihr doch sein Vater fehlte und wie unähnlich Draco ihm doch war.
Bei dem Gedanken dachte er verbittert an Serena. Sie, genau wie alle anderen, war der Meinung, dass er seinem Vater immer ähnlicher wurde und hätte ihre letzte Galleone darauf verwettet, dass er irgendwann mal in der Zelle neben Lucius landen würde. Seine Mutter hingegen sah das total anders. Sie liebte ihn, ja, aber sie hielt ihn auch für unfähig das Oberhaupt der Malfoy Familie würdig zu vertreten. Erstens war da die Kleinigkeit, dass er sich immer geweigert hatte den Todessern beizutreten. Draco konnte sich noch gut daran erinnern, dass er sich immer haarsträubendere Geschichten hatte ausdenken müssen, um Voldemort zu entkommen. Zweitens war er nicht der Beste seines Jahrgangs geworden. Wenn er hinter Harry Potter zweiter geworden wäre, dem Held der Zaubererwelt, dann wäre das noch entschuldbar gewesen. Aber hinter Hermine Granger, einem Schlammblut, dass aus einer völlig unmagischen Familie stammte…Nein, das war unverzeihlich gewesen… Draco schnaubte, als er daran dachte. Aber schließlich hätte er ja auch niemandem erzählen können, dass er nicht sooo gut war, was seine magischen Fähigkeiten betraf. Er war ein Reinblüter und ein Malfoy und das verpflichtete dazu auch ein guter Zauberer zu sein.
Dann tauchte wieder die eine Frage in seinem Kopf auf: Wollte er überhaupt wie sein Vater werden? Leute manipulieren und benutzen? Erschreckend traf ihn die Erkenntnis, dass er das ja schon all die Jahre gemacht hatte. Serena, Crabbe und Goyle… Er hatte sie immer rumkommandiert und sie hatten getan, was er sagte. War das Freundschaft? Bestimmt nicht. Nach der Sache heute wurde ihm klar, dass Serena sich seine Spielchen nicht mehr länger gefallen ließ… und konnte er es ihr verübeln? Nein, eigentlich nicht. Aber wie sollte er sich auch wie ein Freund verhalten, wenn er nie gelernt und erfahren hatte, was es bedeutete einen wahren Freund zu haben und auch einer zu sein. Sein Vater war nämlich nicht gerade ein gutes Vorbild gewesen, was den Kontakt und Umgang mit Mitmenschen anging.
Seufzend setzte er sich in sein Arbeitszimmer und erinnerte sich daran, dass sein Vater ihn zusätzlich auch noch zum Quidditch spielen gezwungen hatte, als er ihn in seinem zweiten Jahr in die Mannschaft eingekauft hatte. Aber hätte er seinem Vater erzählen können, dass es ihm so verdammt schwerfiel vernünftig zu zaubern und dass er schon ständig nachts lernte um einigermaßen mithalten zu können? Nein, natürlich nicht… Eigentlich hatte Draco ja schon genug damit zu kämpfen gehabt akzeptable schulische Leistungen zu erbringen, aber da Harry Potter ja Quidditch spielte, musste Draco ja auch… und hierbei verlor er auch noch immer gegen Harry, der einfach der bessere Sucher war.
Kein Wunder, dass ich Harry hasse, ging ihm durch den Kopf und er dachte an sein jetziges Leben. Mit Müh und Not hatte er es geschafft in Hogwarts den zweitbesten Abschluss zu schaffen. Das letzte Jahr vor den Prüfungen hatte er kaum noch geschlafen, denn immer wenn er mal nicht beim Quidditchtraining war oder Hausaufgaben machte, hatte er zusätzliche Lernstunden einlegen müssen. Das einzige Fach, das ihm leicht fiel, war Zaubertränke. Er war Snapes Liebling gewesen und Zaubertränke hatten auch zum Glück nicht allzu viel mit zaubern zu tun. Hier war es nur darauf angekommen die Zutaten richtig zusammen zu mischen und es stellte sich heraus, dass Draco dafür ein gewisses Talent besaß.
Und nun machte er eine Ausbildung in der Abteilung magisches Recht. Zum Glück musste er da auch nicht viel zaubern und Gott sei dank hatte natürlich niemand in der Familie von ihm verlangt, dass er Auror werden sollte.
Aber ein bisschen beneidete er Harry und Alex schon darum, denn die Aurorabteilung war die beste im ganzen Ministerium. Sein Vater konnte ein Lied davon singen, grinste Draco in sich hinein und seine Gedanken schweiften wieder ab zu Alex. Oft hatte er sie heimlich beim Zaubern beobachtet und ihre Eleganz dabei bewundert. Ihr brauchte man nur den Zauberspruch zu sagen und die Bewegung des Zauberstabes zu erklären und schon bekam sie es hin.
Das erinnerte ihn an Harry und Serena. Er wurde das Gefühl nicht los, dass zwischen den beiden irgendetwas lief und das machte ihn wütend. Serena war die einzige Person, der er sich wenigstens ein bisschen anvertrauen konnte und nun machte Harry ihm das auch noch kaputt…
Er saß einfach nur so da und grübelte. Sollte er vielleicht einfach mal bei Serena auftauchen und sie zusammen mit Harry überraschen? Nein, das würde sie ihm nie verzeihen und irgendwie wollte er das ja auch nicht. Er sah ein, dass er sich wohl bei ihr entschuldigen musste und vielleicht war das ja auch ein Schritt in die richtige Richtung, nicht so zu werden wie sein Vater.
Dann fiel ihm die Abmachung wieder ein, die er mit Alex hatte. Er musste nett sein zu Harry und allen Gryffindors. Es wunderte ihn, dass er sich sogar daran gehalten hatte, als er auf Harry getroffen war. War es nun wirklich schon so weit, dass er sich an eine Abmachung hielt, die er mit einer Gryffindor getroffen hatte?
Scheinbar, seufzte er und überlegte, was er nun tun sollte.
Am nächsten Tag fiel ihm siedend heiß ein, dass er vielleicht mal herausfinden sollte, ob Alex Harry von ihrem Kuss erzählt hatte. Denn wenn er es wusste, war es sehr wahrscheinlich, dass Harry es Serena erzählen würde und die wiederum könnte es Snape erzählen und der… Draco wollte lieber gar nicht daran denken, was alles passieren könnte…
Also schnappte er sich einen Stift, ein Stück Pergament und dachte kurz nach. Er würde Alex eine Eulenpost schicken um mehr zu erfahren und das war zusätzlich eine gute Gelegenheit um seine Langeweile zu bekämpfen, denn es war Samstagnachmittag und er hatte nicht wirklich etwas Sinnvolles zu tun. Er rief seine Eule, band ihr den Brief am Fuß fest und schickte sie los.
Grinsend stellte er fest, dass er so auch einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen konnte: Sich verbal mit Alex zu bekriegen…
Alex
Puh, war das ein Tag gewesen. Samstag in der Winkelgasse einzukaufen konnte einen echt schaffen. Als ich endlich zu Hause ankam, machte ich zuerst Feuer im Kamin und setze dann heißes Wasser auf. Draußen war es verdammt kalt, denn es wurde langsam Winter und heute Morgen hatte es auch noch angefangen in Strömen zu regnen.
Ich wollte es mir gerade mit einer Tasse Tee vor dem Fernseher auf meiner Couch bequem machen- ja ich gehörte zu den wenigen Zauberern, die so ein Muggelgerät besaßen und auch ständig nutzten-, als plötzlich eine Eule vor den großen Glastüren saß, die nach draußen auf meine Terrasse führten. Ich ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Die Eule kam mir nicht bekannt vor und auch mein Schäferhund Jerry betrachtete argwöhnisch das tropfnasse Geschöpf, das nun in die Wohnung kam. Jerry war ein ungewöhnliches Haustier für einen Zauberer, aber ich hatte mir als Kind schon immer einen Hund gewünscht und verstand nicht, wie manche Zauberer sich Kröten oder ähnliches als Haustier halten konnten. Die Eulen waren ja noch verständlich, denn sie waren praktisch… aber Kröten? Ich bitte euch… Keine Chance… und ne Schlange wäre für mich auch nur in Frage gekommen, wenn ich hätte parseln können so wie Harry.
Mein Uhu Quickie, der nebenan auf seinem Ast im Wintergarten saß, blinzelte kurz zu uns herüber und steckte dann demonstrativ seinen Kopf wieder ins Gefieder, als ob er sagen wollte: Wag es ja nicht, mich mit einem Brief in diesen Regen loszuschicken.
Ich nahm der Eule den Brief ab, gab ihr einen Eulenkeks und sie setzte sich auf einen Ast, den ich für Quickie neben dem Kamin aufgestellt hatte.
Dann nahm ich auf der Couch Platz und las.
Hey Parker,
ich wollte nur hören, ob du die Situation im Ministerium schon verkraftet hast.
Das war verdammt merkwürdig von dir, mich zu küssen…
DM
Ich schnappte nach Luft, als ich die Notiz gelesen hatte. Ich hatte keine Ahnung, dass er für die zwei Sätze eine halbe Stunde lang überlegt hatte, aber der Brief und die Eule kamen doch tatsächlich von Malfoy… und wie konnte er es wagen, so etwas zu schreiben.
Ich wollte den Zettel schon in den Kamin werfen, aber seine Eule sah mich durchdringend an.
„Laß mich raten? Draco hat dir aufgetragen nur zurückzukehren, wenn du eine Nachricht von mir mitbekommst."
Die Eule trat von einem Fuß auf den anderen, was so viel wie Ja bedeutete.
„Na gut, dann bekommt er seine Antwort… und wieso nenn ich ihn schon wieder Draco?"
Seufzend setzte ich mich hin, suchte einen Stift und kritzelte auf die Rückseite seiner Nachricht. Den Zettel gab ich dann wieder seiner Eule mit und es tat mir richtig Leid, das arme Tier wieder durch den Regen zu schicken.
Draco
Draco trommelte ungeduldig mit den Fingern auf seinem Schreibtisch herum und erwartete die Rückkehr seiner Eule. Als diese kam, konnte er es kaum erwarten Alex Antwort zu lesen und als erstes fiel ihm auf, dass sie kein neues Papier genommen hatte, sondern nur auf die Rückseite seiner Nachricht geschrieben hatte…
Was fällt dir ein, Malfoy?
Erstens habe nicht ich dich geküsst sondern du mich… damit das mal klar ist…
Und zweitens, was willst du wirklich von mir?
Alex
Grinsend schnappte er sich ein neues Stück Pergament, schrieb und schickte seine Eule wieder zurück…
Alex
Nach kurzer Zeit tauchte Dracos Eule erneut bei mir auf und ich war gespannt darauf, was er mir jetzt mitzuteilen hatte.
Na na, Parker, also wirklich…
Ist es so abwegig, dass ich mich nach deinem Befinden erkundige?
Ich hab nun mal eine solche Wirkung auf Frauen… du brauchst das jetzt gar nicht zu leugnen…
Außerdem: Ich dachte, du wärst reich. Wieso nimmst du dann kein neues Stück Pergament, wenn du mir antwortest?
In ehrlicher Besorgnis, Draco
„Spinner!" murmelte ich, als ich wieder auf die Rückseite schrieb.
Draco
Kurze Zeit später las Draco:
Für dich vergeude ich kein Stück meines teuren Pergaments, klar?
Und was willst du jetzt wirklich? Mich mit deinen Nachrichten nerven, weil du Langeweile hast, oder was?
Die ziemlich genervte Alex
Das macht wirklich zu viel Spaß, dachte er, als er zurück schrieb…
Alex
Der gibt wohl keine Ruhe, dachte ich, als ich den nächsten Brief erhielt…
Liebste Alex,
na wenn du das so siehst…
Dann erzähl ich eben jedem, dass du voll auf mich abfährst, es aber nicht zugeben willst.
P.S.: Scheinst ja doch nicht so reich zu sein, denn dann wäre dir das Pergament wohl egal, oder?
Der garantiert reichere Draco
„Schade, dass ich ihn über das Papier nicht verhexen kann!" kommentierte ich seine letzte Nachricht.
Draco
Er freute sich förmlich auf ihre bissigen Antworten und war etwas enttäuscht über die neue Nachricht.
Du Spinner! Hast du zu viel getrunken?
Ich bin nicht deine Liebste und es ist mir völlig egal, was du erzählst. Einem Malfoy glaubt sowieso keiner mehr…
Ach ja und ich werde nicht noch einmal auf eine von deinen Nachrichten antworten, nur weil du dir die Zeit vertreiben willst und keine Freunde hast mit denen du reden oder dich treffen kannst…
Also lass mich in Ruhe !
Und wer hier reicher ist, werden wir schon noch sehen, Alex
„Wir werden ja sehen, ob du noch mal zurück schreibst", meinte er dann, als er seine neue Nachricht verfasste.
Alex
Ich wartete, ob er aufgab, aber ich täuschte mich und schnappte mir interessiert seine Antwort. Aber dort stand nur:
Oh Alex, deine Kommentare brechen mir das Herz!
Ich konnte nicht anders und griff wieder zum Stift.
Draco
„Ich wusste es", freute er sich, als seine Eule wieder zurückkam und eine Nachricht ablieferte.
Kann ich mir nicht vorstellen…Ohne Herztransplantation hast du doch gar keins!
Er grinste. Oh ja, das machte Spaß und er wusste genau welche Knöpfe er bei ihr drücken musste, um eine Reaktion zu erhalten.
Alex
Natürlich bekam ich wieder eine Antwort.
Ich dachte, du wolltest nicht mehr zurück schreiben?
Hast also scheinbar auch Langeweile, oder? Wo sind denn deine Freunde heute Abend?
Potter… und Weasley…
Am liebsten hätte ich zurück geschrieben: Harry und Serena haben ein Date, du Blödmann! Aber ich wollte die beiden nicht in Teufels Küche bringen. Also versuchte ich etwas anderes…
Draco
Das ist ja richtig amüsant, dachte Draco, als er die nächste Antwort las
Mir ist nicht langweilig und ich bin bestimmt nicht darauf angewiesen, dass ein gestörter Slytherin mich mit Briefen nervt, um mir die Zeit zu vertreiben…
Und meine Freunde gehen dich gar nichts an…
Und diese Schreiberei wird mir jetzt auch zu blöd…
Alex, die garantiert nicht so einsam ist, wie du
Alex
„Das wird ja immer besser", entfuhr es mir, als ich die neueste Nachricht bekam.
Wer betont, dass er nicht einsam ist, ist einsam…
Und dass die Schreiberei dir zu blöd wird, heißt das, dass du mich zu dir einlädst, damit wir uns unterhalten können?
Voller Vorfreude, Draco
Darauf schrieb ich nichts zurück. Der spinnt doch total, dachte ich nur, als plötzlich noch ein Brief von ihm ankam.
Da du nicht darauf antwortest, werte ich das mal als JA…
Also bis gleich… Ich komm dann vorbei…
Kannst ja schon mal Tee kochen, Draco
Draco
Draco überlegte, ob er seine Drohung wahr machen und sie wirklich besuchen sollte, als doch noch eine Antwort eintraf:
Ja, genau. Dann mach das mal… falls du mich überhaupt findest…
Mein Kamin ist nämlich nicht ans Flohnetzwerk angeschlossen…
Freu mich jetzt schon bei der Vorstellung, dass du vollkommen durchnässt durch London irrst, Alex
Draco schnaubte. Bitte, wenn sie es so wollte. Natürlich konnte er sie finden und so holte er seinen Reiseumhang.
Natürlich nicht, ohne noch eine Nachricht zu schicken.
Alex
Draco konnte es natürlich nicht dabei belassen und antwortete noch mal.
Da kannst du Gift drauf nehmen, dass ich dich finde…
Wart's ab, wir sehen uns gleich…
Draco, der sich schon auf den Weg macht
„Idiot", murmelte ich nur und schrieb ein letztes Mal zurück.
Draco
Auf dem Weg zur Tür las er die letzte Nachricht von Alex:
Nein Danke !
Absolut letzte Nachricht von mir, Alex
Alex
Ich konnte mir kaum vorstellen, dass er wirklich versuchen würde meine Wohnung zu finden…und schon gar nicht bei diesem Wetter…
Als auch keine Nachricht mehr von ihm kam, war ich mir sicher, dass er es aufgegeben hatte, mich zu belästigen und entschied mich mir ein schönes, heißes Bad einzulassen…
Serena
Als ich am nächsten Morgen erwachte, war es noch dunkel draußen. Also noch nicht Zeit zum Aufstehen. Ich schloss meine Augen wieder und musste an den letzten Abend denken.
Es war so schön gewesen Harry so nah bei mir zu haben, sich in seine Arme zu kuscheln und vor allem ihn zu küssen. Doch irgendwann musste ich wohl eingeschlafen sein, denn ich konnte mich gar nicht daran erinnern, wann er gegangen war.
Plötzlich spürte ich eine Bewegung an meiner Seite und ich drehte mich um. Wahrscheinlich war Mordor wieder mal in mein Bett gekrochen. Doch ich staunte nicht schlecht, als ich statt Mordor einen verwuschelten braunen Haarschopf neben mir entdeckte.
„Harry?"
Verschlafen blinzelte er mich an.
„Du bist schon wach?" nuschelte er und riskierte einen Blick aus dem Fenster, dann ließ er sich stöhnend wieder in die Kissen fallen. „Es ist noch stockdunkel draußen und du bist schon wach? Und das an einem Samstag."
„Wie Samstag? Ach du Scheiße, ja, wir haben Samstag. Weißt du was das heißt?"
„Ich nehme an du wirst es mir gleich sagen", gähnte er und zog sich die Decke höher.
„Das heißt, heute ist kein Unterricht und ich brauche nicht aufstehen!"
„Kluges Mädchen", spöttelte er gutmütig und brachte ein schwaches Grinsen zustande.
„Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, wie? Und das am frühen Morgen! Na warte..." Mit einem Ruck zog ich ihm die Decke weg und musste lachen, als er sich kerzengerade aufrichtete.
„Hui, ist das kalt... Was denn?" meinte er dann unschuldig, als er meinen komischen Blick bemerkte. „Hätte ich etwa in meinen Sachen schlafen sollen?"
„Nö, ich frage mich nur gerade, was das „Tornado" auf deiner Boxershorts zu bedeuten hat..." Nur mit Mühe konnte ich ein Lachen unterdrücken, denn Harry sah mich erst irritiert an und wurde dann rot, als er die Bedeutung meiner Worte verstand.
„Äh, du weißt doch bestimmt, dass ich mal bei den London Tornados gespielt habe..." versuchte er sich in einer Erklärung.
„Und?"
„Das hier ist einer der Promotionartikel, mit denen wir geradezu überhäuft wurden..."
„Klar."
„Doch, wir mussten diese Dinger tragen und... Hey, du willst mich ja nur veräppeln", beschwerte er sich, als ich mein Lachen nun nicht mehr unterdrücken konnte. „Pass nur auf, ich kann auch anders."
„Ach...ja?" brachte ich zwischen zwei Lachern hervor.
Ohne viel Mühe drückte er mich in die Kissen und begann mich auszukitzeln.
„Oh, nein, bitte! Gnade!" Ich versuchte von ihm wegzukommen, doch er war stärker.
„Ich kenne keine Gnade!" Er setzte eine unheilvolle Mine auf und brachte mich dadurch noch mehr zum lachen.
„Harry!" quietschte ich und sah ihn flehend an. „Bitte, bitte, bitte, aufhören! Ich kann nicht mehr und ich mach auch alles was du willst."
„Hm, das muß ich mir noch überlegen."
„Na gut, du hast es nicht anders gewollt..." Ich versuchte das Kitzeln so gut wie möglich zu ignorieren und machte meine Arme frei. Dann zog ich Harry näher zu mir herunter und küsste ihn.
Augenblicklich hörte er auf mich zu kitzeln und erwiderte den Kuss.
Nach einer Weile lagen wir aneinandergekuschelt unter der Decke.
„Das war aber gemein von dir", brummte er und küsste sanft meinen Nacken.
„Wieso? Ich habe nur mit meinen eigenen Waffen gekämpft..."
„Hm, wenn du diese Waffen öfter einsetzt, dann verliere ich sogar freiwillig."
„Harry?"
„Ja?"
„Ich bin froh, dass du gestern Abend nicht gegangen bist."
„Mhmm."
„Musst du heute eigentlich arbeiten?"
„Na ja, wie wir vorhin so schön festgestellt haben: Es ist Samstag, also nein."
Etwas später machte ich mich aus seiner Umarmung los und setzte mich auf.
„Wie wäre es mit Frühstück?"
„Gute Idee, ich hab einen Mordshunger."
Ich langte nach meinem Zauberstab, den ich immer neben dem Bett liegen hatte, und keine Minute später stand vor uns ein schönes Frühstück.
„Sag mal, weißt du warum Malfoy sich plötzlich so komisch benimmt?" fragte Harry unvermittelt zwischen zwei Bissen.
„Wie kommst du denn jetzt darauf?"
„Ich hab ihm gestern, bevor ich zu dir gekommen bin, in der Lobby getroffen. Und er hat mich nicht beleidigt, obwohl er es liebend gern getan hätte. Aber irgendwas hat ihn davon abgehalten. Komisch."
„Na, das klingt ja mal so gar nicht nach Draco. Aber was soll's, mir egal."
„Ich dachte ihr seid befreundet?"
„Dachte ich auch, bis gestern. Da hat er mir die Freundschaft gekündigt. Na ja, auch egal, jetzt bin ich ihn wenigstens los."
Harry nahm mein Gesicht in seine Hände und zwang mich ihm in die Augen zu sehen.
„Es ist dir nicht egal", stellte er dann fest.
„Weißt du, im Prinzip ist er nicht anders als sein Vater. Oder zumindest wird er ihm immer ähnlicher. Er hat Goyle, Crabbe und mich immer rumkommandiert, genau wie sein Vater es mit seinen Leuten gemacht hat. An manchen Tagen denke ich, oder vielmehr habe ich die Hoffnung, dass Draco doch nicht so wird wie Lucius. Manchmal kann er nämlich echt nett sein, wenn er will. Doch dann fällt er immer wieder in alte Muster und ich habe Zweifel, ob ihm unsere Freundschaft überhaupt was bedeutet. Und langsam glaube ich, dass das nicht der Fall ist. Anstatt sich für mich zu freuen, wirft er mir vor, dass ich mich mit dir gut verstehe. Ich will gar nicht wissen, wie er reagiert, wenn er das hier erfährt. Und das verstehe ich nicht. Wir kennen uns nun schon so lange und trotzdem reicht ein Wort mit der „falschen" Person, dass er sich abwendet."
„Er hat es nicht anders kennengelernt", ergriff Harry für Draco Partei und ich sah ihn überrascht an. Offensichtlich war er selbst davon überrascht, dass er Partei für seinen ärgsten Gegner ergriff.
„Dann soll er sich anders verhalten", blieb ich bei meinem Standpunkt. „Er hasst es, wenn ich ihn mit seinem Vater vergleiche und sagt immer, er wäre nicht so. Dann soll er es aber auch bitteschön zeigen, dass er nicht so ist."
„Vielleicht entschuldigt er sich ja bei dir."
„Draco? Niemals, dazu ist er viel zu stolz."
„Was machen wir denn heute schönes?" wechselte Harry das Thema und ich sah ihn dankbar an.
„Keine Ahnung."
Er stand auf und trat ans Fenster. Als er wieder zurück kam grinste er mich an.
„Aber ich."
„Da bin ich ja mal gespannt."
„Na ja, draußen regnet es in Strömen und es sieht kalt aus. Ich wäre dafür, wir bleiben im Bett."
„Keine schlechte Idee. Aber, werden dich deine Freunde nicht vermissen", fiel mir dann ein.
„Nein, aber wenn es dich beruhigt, kann ich Alex ja einen kurzen Brief schreiben."
Er zauberte einen Stift und Pergament herbei und kritzelte ein paar Zeilen für Alex, dann sah er sich suchend um.
„Oh, Mist. Hedwig ist ja bei mir zu Hause."
„Ich leihe dir Mordor", bot ich ihm an.
Als Mordor seinen Namen hörte lugte er unter seinem Flügel hervor.
„Mordor, mein Großer, ich habe Arbeit für dich."
Sofort kam er heruntergesegelt und sah von mir zu Harry.
„Harry hat einen Brief für Alex, aber seine Eule ist nicht hier. Du musst also einspringen", erklärte ich der Fledermaus.
Mordor entfuhr ein Seufzer, als er aus dem Fenster sah. Moment mal? Hatte Mordor tatsächlich geseufzt? Nein. Das hatte ich mir bestimmt nur eingebildet.
Doch auch Harry sah Mordor leicht irritiert an. Dieser schnappte sich schnell Harrys Brief und flatterte davon, hinaus in den Regen.
„Habe ich mir das eben nur eingebildet oder hat deine Fledermaus einen Seufzer von sich gegeben?"
„Also hast du es auch gehört?"
„Merkwürdiges Tier."
Harry zog die Stirn kraus und schüttelte den Kopf.
„In der Tat", stimmte ich ihm zu und erzählte ihm, dass Mordor sich eigentlich nie wie eine richtige Fledermaus verhalten hatte.
„Mir kam er manchmal ziemlich menschlich vor und in letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl, dass er genau versteht, was ich sage."
„Da steckt aber kein Animagus dahinter, oder?" Harry hatte noch lebhaft Rons Ratte Krätze vor Augen, die sich am Ende als Animagus entpuppt hatte.
„Nein, das glaube ich nicht. Er war noch relativ jung, als er zu uns kam. Und er ist seitdem noch ordentlich gewachsen. Nein, er ist schon eine echte Fledermaus. Aber eben irgendwie anders als die anderen."
„Wir werden schon herausfinden, was dahinter steckt", versprach er mir. „Und wenn wir ihn fragen müssen."
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass er dir antworten wird?"
„Nicht wirklich."
Eine Weile grübelten wir beide noch über die Fledermaus nach und als wir einsahen, dass es sowieso zu nichts führen würde, verkrochen wir uns wieder unter die Decke.
Es war schon Nachmittag, als es plötzlich an der Tür klopfte.
„Erwartest du Besuch?" fragte Harry verwundert.
„Nicht dass ich wüsste."
Es klopfte wieder und danach ertönte eine wohlbekannte Stimme.
„Rena, bist du da? Ich bins, Draco!"
„Oh mein Gott, Draco! Was will der denn hier?"
„Vielleicht will er sich ja bei dir entschuldigen."
„Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen."
„Dann find's heraus und rede mit ihm."
Unschlüssig sah ich Harry an.
„Na schön."
Ich stand auf und ging nach draußen. Harry folgte mir und blieb in der Tür zum Schlafzimmer stehen.
„Meinst du, es ist gut, wenn er dich hier sieht?" fragte ich zweifelnd.
„Irgendwann bekommt er es eh heraus."
„Ja, du hast Recht."
Dann öffnete ich die Tür.
Ich staunte nicht schlecht, als ich Draco sah. Er trug einen Reiseumhang, war völlig durchnässt und wirkte ziemlich genervt.
„Wie siehst du denn aus?" Entfuhr es mir sofort.
„Das ist ne lange Geschichte, Rena. Ne ziemlich lange sogar und im Moment hab ich leider keine Zeit sie dir zu erzählen. Darf ich reinkommen?"
Ich nickte nur und trat zur Seite. Harry stand immer noch in der Tür und ich war gespannt auf Dracos Reaktion. Es wunderte mich ziemlich, dass er ganz ruhig blieb. Scheinbar hatte er so etwas in der Art schon geahnt.
„Ah, Potter...Das hab ich mir doch fast gedacht..."
Harry beobachtete Draco argwöhnisch und war bereit sofort seinen Zauberstab zu benutzen, sollte Draco doch etwas vorhaben.
„Malfoy...", erwiderte Harry dann nur mit einem Nicken.
„Weißt du, Draco", meldete ich mich nun zu Wort, „Harry und ich wollten gerade..."
„Keine Angst, Rena", unterbrach Draco mich, „ich wollte auch nicht lange stören... Eigentlich brauche ich nur eine Auskunft von Harry..."
„Von Harry?" fragte ich erstaunt und Draco nickte.
Harry war davon nicht gerade begeistert.
„Was willst du, Malfoy?"
Draco sah ihn abschätzend an und schien mit sich zu kämpfen. Ich befürchtete schon, dass er wieder etwas Beleidigendes von sich geben würde um Harry zu provozieren, aber das tat er merkwürdigerweise nicht.
„Ich habe einen Vorschlag, Potter: Wie wäre es, wenn wir den Teil, wo wir uns beleidigen und beschimpfen, diesmal überspringen und sofort zum Wesentlichen kommen?"
Harry und ich sahen uns irritiert an.
„Und was wäre dieses Wesentliche?" wollte Harry wissen.
„Sag mir, wo Alex wohnt."
Ich war sprachlos. Harry nicht.
„Wie bitte?"
„Ich muss wissen, wo Alex wohnt."
„Und wozu? Willst du sie verhexen oder gar umbringen? Alex hat ihr Haus nicht umsonst mit verschiedensten Zaubern geschützt. Sie ist nicht sehr leicht zu finden, weil sie nämlich keine Lust hat auf unliebsame Gäste... so wie dich."
„Das weiß ich, Potter", gab Draco nun genervt zurück. „Was glaubst du, warum ich so nass bin?"
Wir sahen Draco nur an und er gab sich selbst eine Antwort.
„Weil ich seit zweieinhalb Stunden durch London irre... und zwar meiner Eule hinterher, die eigentlich wissen sollte, wo Alex wohnt. Allerdings stellte sich diese Methode als sinnlos heraus... und draußen regnet es in Strömen und es ist verdammt kalt. Das ist ein Notfall oder glaubst du, ich würde dich sonst um Hilfe bitten? Eher würde ich mir meine Zunge abbeißen..."
„Dann mach das doch bitte, Malfoy... Denn dann müssten wir nicht mehr deine Beleidigungen und blöden Kommentare ertragen."
Harry begann zu grinsen. Scheinbar gefiel es ihm, dass Draco etwas von ihm wollte und nun bitten musste.
„So einfach ist ihr Haus eben nicht zu finden...", fügte er dann noch hinzu.
„Das habe ich auch gemerkt, Potter! Also wo wohnt sie jetzt?"
„Als wenn ich dir das einfach so verraten würde. Sie ist schließlich meine Freundin und ich will bestimmt nicht, dass du ihr etwas antust..."
Draco seufzte frustriert. Scheinbar hatte er mit diesen Verdächtigungen gerechnet und nun wandte er sich an mich.
„Rena, würdest du Harry bitte sagen, dass ich anders auftrete und aussehe, wenn ich etwas negatives plane."
Ich musterte Draco und dachte kurz nach. Irgendwo hatte er Recht: Wenn er etwas vorhatte, trat er wirklich anders auf und man sah es ihm an, dass nichts Gutes folgen würde. Andererseits... wie gut kannte ich Draco denn eigentlich? Die letzten Tage hatte er sich verdammt merkwürdig verhalten und ich wurde auch so einfach nicht schlau aus ihm. Das einzige worauf man sich bei ihm immer verlassen konnte, war, dass er nichts ohne Hintergedanken tat oder ohne daraus eine Vorteil für sich zu gewinnen. Aber was wollte er dann bei Alex? Früher war mir irgendwann einmal aufgefallen, dass er sie beobachtet hatte, aber ich hatte mir nie etwas dabei gedacht. War das nun vielleicht doch wichtig?
So oder so, ich entschied mich, dafür meinem Urteil zu trauen, dass er nichts im Schilde führte.
Etwas genervt von der ganzen Situation wandte ich mich an Harry.
„Harry, wenn Draco etwas vorhat, sieht er anders aus..."
„Danke, Rena."
Draco sah erst mich Zustimmung erheischend an dann erwartungsvoll zu Harry.
Der wiederum wirkte unentschlossen und sah mich Hilfe suchend an.
Ich zuckte nur mit den Schultern und warf ihm dann einen Blick zu, der ihm sagen sollte: Sag es ihm und wir haben unsere Ruhe.
„Na gut", gab Harry sich dann geschlagen. „Eichenallee 72. Aber was willst du eigentlich von Alex?"
Draco wollte aber nicht mit der Sprache rausrücken.
„Danke... aber das geht nur mich was an. Haltet ihr euch raus aus meinen Angelegenheiten, dann halte ich mich raus aus euren..."
So was von Draco zu hören überraschte mich ziemlich und auch, dass er jetzt einen schnellen Abgang machte. Auf dem Weg zur Tür drehte er sich noch mal zu mir um.
„Und Rena... es tut mir Leid, wie ich mich verhalten habe. Komm doch Morgen Nachmittag auf eine Kaffee vorbei und wir können in Ruhe reden..."
Damit war er auch schon verschwunden und halbwegs entgeistert sah ich Harry an, der nun zu mir rüber kam.
„Was ist denn mit dem los?"
„Keine Ahnung. Frag mich was Leichteres. Und ich dachte, ich hätte schon alle Gesichter des Draco Malfoy gesehen... Ich hoffe nur, Alex ist dir nicht böse."
Harry zog mich in seine Arme.
„Die kommt schon mit ihm klar. Meinst du, jemand hat ihn verhext?"
„Glaubst du vielleicht Alex hat was damit zu tun?"
„Nein, dass kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Wenn so etwas rauskäme, würde sie ihren Job verlieren."
„Mmh, da hast du wohl Recht."
Ich entschloss mich, nicht weiter darüber nachzudenken, obwohl es mich schon sehr verblüfft hatte, dass gerade Draco sich bei mir entschuldigt hatte. Allerdings wollte ich mir den schönen Tag mit Harry nicht durch solche Gedanken verderben und lassen und vielleicht würde Draco mir Morgen ja auch eine gute Erklärung für sein Verhalten liefern...
Alex
Hach, tat das gut. Entspannt lag ich mit einem guten Buch in meiner Badewanne, hatte die Stereoanlage voll aufgedreht, die mich jetzt mit guter Rockmusik berieselte und Draco hatte ich schon fast wieder vergessen.
Deswegen hörte ich auch die Türklingel nicht…
Draco
Draco stand endlich vor Alex Haustür- jedenfalls hoffte, er dass Harry ihm die richtige Adresse gegeben hatte- und war immer noch total genervt. Warum musste es gerade jetzt so schütten und kalt sein? Das einzige, was ihn aufmunterte, war die Vorstellung von Alex Gesicht, das sie ziehen würde, wenn sie ihm die Tür öffnete. Allerdings passierte das nicht…auch nicht nach dem dritten Mal Sturmklingeln und Malfoy fluchte. Von drinnen konnte er laute Musik hören und verzog das Gesicht. Was hörte sie da nur?
Na ja, auf jeden Fall musste sie zu Hause sein und deswegen entschloß er sich es durch den Garten zu versuchen…
Alex
Als ich völlig entspannt aus der Wanne kam, zog ich mir erst mal meinen dunkelblauen Hausanzug an und wollte es mir auf der Couch gemütlich machen. Aber schon auf dem Weg vom Badezimmer ins Wohnzimmer hörte ich Jerry laut bellen. Normalerweise war er immer ganz ruhig und es war ungewöhnlich ihn so kläffen zu hören. Scheinbar war er im Garten und ich entschloss mich nachzusehen, was ihn so aufregte.
Ich schnappte mir also meinen Schirm und ging auf die Terrasse. Da es mittlerweile schon fast dunkel war, konnte ich kaum etwas erkennen und folgte Jerrys Gebell. Ich beugte mich also über das Geländer, welches meine Terrasse von dem etwas tiefer gelegenen Garten trennte und traute meinen Augen kaum.
Draco Malfoy lag ungefähr zwei Meter fünfzig unter mir in meinem Blumenbeet und Jerry stand vor ihm und knurrte und bellte ihn an. Dann sprang Malfoy auf und zog seinen Zauberstab.
„Malfoy?"
Der Angesprochene sah zu mir auf.
„Du willst doch wohl nicht gerade meinen Hund verhexen, oder?"
„Dann sag dem Biest, er soll mich in Ruhe lassen!"
Draco schien wirklich Angst vor Jerry zu haben und wich ein paar Schritte zurück.
„Jerry, aus!" Jerry sah nun ebenfalls zu mir und hörte auf zu bellen. Allerdings knurrte er Malfoy immer noch zähnefletschend an. Der steckte nun seinen Zauberstab weg und versuchte die Blumenerde von seinem Umhang abzuklopfen. Jedoch mit wenig Erfolg. Mir fiel auf, dass Draco total durchnässt und dreckig war und mir kam nur eine Frage in den Sinn:
„Malfoy, was machst du hier?"
Genervt sah er mich an.
„Na was wohl? Ich hab doch gesagt, ich würde dich finden…"
„Und was machst du in meinem Blumenbeet?"
„Da du mir die Tür nicht geöffnet hast, dachte ich, ich versuchs mal durch den Garten…"
„Wolltest du bei mir einbrechen?"
„Nein…", erwiderte er gedehnt. „Aber ich bin davon ausgegangen, dass du mein Klingeln nicht hörst, weil deine schreckliche Musik so laut war und daher wollte ich nur sehen, ob du nicht doch da bist…"
„Schreckliche Musik?" gab ich empört zurück. „Das war Rock. Stevie Nicks, du Banause…"
„Völlig egal. Aber ich wollte gerade über den Zaun klettern, um auf die Terrasse zu gelangen, als dein Hund mich angegriffen hat und rückwärts mit mir im Beet gelandet ist…"
„Gut gemacht, Jerry", meinte ich grinsend. „Das hätte ich ja nur zu gerne gesehen…"
„Gut?" fragte Malfoy gereizt. „Was ist daran bitte schön gut?"
„Na, er hat dich für einen Einbrecher gehalten und mich beschützt. Dafür muß ich ihn doch belohnen. Übrigens was willst du jetzt eigentlich hier?"
„Keine Ahnung", gab er zu, „aber wie wäre es, wenn du mich erst mal rein bittest…"
„Du tickst wohl nicht mehr ganz sauber, Malfoy! Wieso sollte ich das tun?"
„Weil es hier draußen nass ist… und kalt… und du bist eine Gryffindor, die den Leuten helfen muß." Er grinste und sah irgendwie niedlich aus, wie er so im Regen dastand.
„Dir muß ich aber nicht helfen, denn du hast selbst eine Wohnung…"
„Können wir das bitte drinnen weiterdiskutieren, Parker. Ich irre schon fast drei Stunden durch London und ich friere!" Zitternd trat er von einem Bein auf das andere.
„Ha!" Entfuhr es mir. „Dann bist du also wirklich tropfnass durch London geirrt… und wie hast du jetzt mein Haus gefunden? Zufall war das sicher nicht, oder?"
„Parker! Bitte!" Flehend sah er mich an.
„Ich weiß selbst nicht, was ich hier tue… aber na gut. Komm rein."
Ich zeigte ihm den Weg, der seitlich zu einem Törchen auf die Terrasse führte und machte ihm auf. Jerry kam ebenfalls, aber rein ließ ich ihn erst, nachdem er sich einmal draußen trocken geschüttelt hatte.
Malfoy beobachtete ihn dabei und ihm fiel auf, dass er selbst alles nass tropfte.
„Vielleicht sollte ich das auch mal probieren", schlug er grinsend vor, aber ich holte meinen Zauberstab und mit einem kurzen Spruch waren seine Sachen wieder trocken und auch halbwegs sauber.
„Den Spruch muß ich mir merken", meinte er bewundernd und rieb sich seine Hände. „Hast du vielleicht auch noch einen, damit meine Arme Beine wieder durchblutet werden und mir warm wird?"
„Ehrlich gesagt: Nein."
„Da hört dann scheinbar die gryffindorsche Genialität auf, was?" spöttelte er und ich warf ihm einen schmählichen Blick zu.
„Aber ich habe heißen Tee", führte ich dann meinen Satz zu Ende.
Ich ging in die Küche und als ich mit zwei Tassen wiederkam, hatte Draco schon seinen Umhang abgelegt und es sich auf der Couch bequem gemacht.
„Nettes Haus", meinte er dann anerkennend. Scheinbar hatte er sich etwas umgesehen und konnte nicht mehr leugnen, dass ich ebenfalls nicht gerade arm war.
Ich reichte ihm die Tasse und fand mich in einer Zwickmühle wieder. Wo sollte ich mich hinsetzen? Jerry hatte es sich demonstrativ auf dem Sessel bequem gemacht, was er eigentlich nicht durfte und schon gar nicht, wenn er feuchtes Fell hatte. Allerdings wenn ich ihn jetzt da runterscheuchte, würde Draco wahrscheinlich nur denken, es wäre mir zu unangenehm mich neben ihn auf die Couch zu setzen. Was für eine Situation… hatten Jerry und Draco sich gegen mich verbündet? Was soll's, dachte ich dann und seufzend setzte ich mich zu Draco.
Dieser drehte sich zu mir und sah mich an.
„Und?"
Verwirrt sah ich ihn an.
„Was und?"
Er erwiderte nichts.
„Na schön", machte ich dann den Anfang und konnte immer noch nicht glauben, dass ich mit Draco Malfoy auf meiner Couch saß und Tee trank.
„Ich will zwei Dinge wissen. Erstens: Wie hast du mein Haus gefunden? Das ist nämlich durch alle möglichen Zauber geschützt… und zweitens: Was willst du hier?"
Draco seufzte, drehte sich wieder zu mir und legte entspannt einen Arm auf die Lehne.
„Also zu erstens: Ich hab Harry gefragt und zu zweitens: Hast du jemand von der Sache im Ministerium erzählt?"
Irritiert sah ich ihn an.
„Du hast Harry gefragt? Oh… lass mich raten, er war bei Serena… Er hatte mir nämlich einen Brief geschickt, den so eine komische Fledermaus gebracht hat…"
„Das war Rena's Fledermaus Mordor."
„Du hast ihm doch nichts angetan, oder?"
Draco verdrehte die Augen.
„Bin ich wirklich so schlimm, dass ihr alle so von mir denkt? Keine Sorge, Harry geht's gut. Aber hast du ihm davon erzählt?"
„Bitte? Was?" Dann verstand ich, was er meine. „Ach so… Nein, natürlich nicht! Denkst du etwa ich gehe damit hausieren?"
„Nein, aber ich dachte, ihr Gryffindors erzählt euch immer alles sofort brühwarm…"
„Bist du deswegen herkommen? Dann kann ich dich beruhigen. Von mir wird es bestimmt niemand erfahren!"
Draco erwiderte nichts, sondern sah mich nur an.
„Jetzt weißt du es ja…aufgewärmt bist du jetzt auch…dann kannst du ja jetzt wieder gehen."
Erstaunt beobachtete er mich, wie ich aufstand und grinste breit, als ich ihm meine Hand hinstreckte.
„Danke für den Besuch und auf Wiedersehen!"
Er machte aber keine Anstalten dazu aufzustehen oder zu gehen, sondern lachte nur.
„Na na, wo bleiben denn da die Gryffindor Manieren? Das ist aber sehr unhöflich…"
„Hey", verteidigte ich mich, „ich habe dich nicht eingeladen und trotzdem habe ich dir Tee angeboten und dich an meinem Kamin aufwärmen lassen. Eigentlich wollte ich einen gemütlichen Abend verbringen. Also wer ist hier unhöflich?"
„Na gut", meinte er dann und stand auf. „Eine Sache wäre da aber noch…"
„Und die wäre?"
Er trat ganz dicht vor mich und ich musste zu ihm aufsehen.
„Ist etwas schwierig zu erklären…"
Wir kamen uns immer näher, bis unsere Lippen sich berührten und zu einem innigen Kuss verschmolzen. Er zog mich an sich und ich kraulte ihm im Nacken, so wie ich es auch schon im Ministerium hatte tun wollen. Es war wundervoll seinen warmen athletischen Körper zu spüren und seufzend gab ich auf. Ich musste der Wahrheit ins Auge sehen: Ich konnte diesem Mann einfach nicht widerstehen…
Als ich am nächsten Tag wach wurde, traf es mich wie ein Schlag und ich saß senkrecht im Bett. War das gestern Abend real gewesen? Hatte ich Draco Malfoy geküsst und hatte ich auch mit ihm…? Neben mir regte sich etwas unter der Decke und ein zerzauster, blonder Kopf kam zum Vorschein.
Ich hörte ein genuscheltes „guten Morgen" und ließ mich rücklings wieder aufs Kopfkissen fallen.
„Was isn los?" murmelte jemand neben mir und ich sah ihn an.
„Was los ist? Ich hab mich erschrocken…"
„Vor mir?" fragte Draco, der auf dem Bauch lag und es sich mit seinen Armen unter dem Kopfkissen bequem machte.
„Ja und auch vor mir selbst. Findest du das nicht merkwürdig, neben mir aufzuwachen."
Erst jetzt bekam ich eine richtige Reaktion von ihm. Er öffnete seine Augen und tat so, als würde er erschrocken vor mir zurückweichen.
„Du hast Recht", meinte er dann. „Ich hab mich auch erschrocken… aber das liegt wohl eher an deinem Gryffindor-Pyjama…Rot und Gold… Was für Farben…"
„Idiot", murmelte ich. „Als wenn deine Slytherin-Boxershorts so viel besser wären, Malfoy…"
Er zog sich die Decke bis zum Kopf und ich konnte nicht leugnen, dass er verschlafen wie er war, unheimlich niedlich aussah. Seine blonden Haare hingen ihm völlig wirr ins Gesicht und verliehen ihm ein fast verwegenes Aussehen.
„Oh", meinte er dann grinsend, „sprechen wir uns wieder mit Nachnamen an? Ich dachte, die Phase hätten wir überwunden…Alex…"
Ich war völlig durcheinander.
„Ja… ich meine: Nein… Was? Also ich meine: Nein, Draco… Gott ist das verwirrend…Ich glaub, ich brauch erst mal einen Kaffee. Dobby…!"
Dobby, mein Hauself und Mädchen für alles, erschien sofort.
„Wie kann Dobby Miss dienen?"
„Ich brauche dringend einen starken Kaffee." Dann stieß ich Draco an.
„Hey, willst du auch was?"
Er sah auf und als er Dobby erkannte, saß er plötzlich senkrecht im Bett.
„Was macht der denn hier?"
Ich sah Dobby an, der selbst eine Antwort geben wollte.
„Dobby arbeitet für Miss. Sie hat ihn aus Hogwarts mitgenommen und Dobby ist jetzt sehr glücklich."
„Glücklich?" Empörte sich Draco. „Du bist nur ein Hauself und hast nicht glücklich zu sein. Du verräterischer, kleiner …"
„Draco!" unterbrach ich seine Beschimpfungen. „Vielleicht hätte ich dir sagen sollen, dass ich Dobby bei mir aufgenommen habe, nachdem er keine Lust mehr hatte in Hogwarts zu bleiben", seufzte ich dann.
Dobby war ursprünglich ein Hauself der Familie Malfoy gewesen, bis er von Harry mit einem Trick befreit wurde. Draco hegte deswegen scheinbar immer noch einen Groll in sich…
Dobby hatte nach seine Befreiung erste einige Jahre in Hogwarts gearbeitet, aber dann wollte er doch mal in die große Stadt, wie er London nannte.
Dobby sah Draco böse an. Mittlerweile hatte er keine Angst mehr vor einem Malfoy.
„Dobby niemand mehr dienen muß. Dobby verdient jetzt sogar Geld für seine Dienste", verkündete er dann stolz und Draco schnaubte.
„Du bezahlst ihn auch noch?"
„Natürlich. So ein Hauself ist wirklich unbezahlbar."
„Und wo war er gestern Abend?" wollte Draco dann wissen.
„Gestern war sein freier Tag…"
Stöhnend ließ sich Draco aufs Kissen fallen.
„Ich glaub's nicht…"
Ich wandte mich wieder an Dobby.
„Würdest du mir bitte einen starken Kaffee bringen? Und du?" Ich schüttelte Draco. „Willst du jetzt auch was?"
„Dobby wird Miss ihren Kaffee bringen, aber Dobby wird keinem Malfoy mehr dienen", kam Dobby ihm mit seiner Antwort zuvor.
Empört sah ich den Hauself an und wies ihn zurecht.
„Dobby! Mister Malfoy ist unser Gast und ich wünsche, dass er genauso zuvorkommend behandelt wird, wie alle anderen Gäste auch."
„Danke", meinte Draco dann noch schnippisch, „ich will sowieso nichts. Eh ich mir von dem was bringen lasse, geh ich lieber selbst in die Küche…"
Dobby hatte aber auch noch etwas zu sagen.
„Harry Potter wird sicher nicht begeistert sein, wenn er erfährt, dass Mister Malfoy hier war…"
„Dobby…!" ermahnte ich ihn gedehnt. „Deswegen wird Harry auch erst mal nichts davon erfahren, klar?"
Dobby verschwand und Draco legte einen Arm um mich.
"Wie kannst du diesem Wicht nur Arbeit geben?"
„Weiß nicht", meinte ich grinsend, als ich mich an Draco kuschelte. „Muss wohl daran liegen, dass ich eine Gryffindor bin… schließlich lasse ich ja sogar eine Slytherin in meinem Bett schlafen…"
„Apropos…Wie spät ist es eigentlich?" Draco drehte sich um und ich sah auf meine Uhr.
„Oh… schon bald nach eins."
„Eins? Du meinst, ein Uhr nachmittags?"
Ich nickte.
„Genau."
„Oh Mann…" Draco sprang plötzlich auf, suchte seine Sachen zusammen und begann sich anzuziehen.
Verwirrt sah ich ihn an und er lieferte eine Erklärung.
„Ich hab völlig vergessen, dass Rena heute Nachmittag vorbeikommen wollte. Ich wollte mich bei ihr für mein Verhalten entschuldigen…"
„Oh, wie nobel von dir", feixte ich und er sah mich an.
„Mach dich ruhig über mich lustig…"
Als er fertig war, kam er noch mal zu mir ins Bett und gab mir einen langen Kuss.
„Es tut mir Leid, aber ich muß los. Wie wäre es, wenn wir heute Abend ausgehen. Ich lad dich zum Essen ein."
„Du willst dich wirklich mit mir in der Öffentlichkeit zeigen? Mit mir? Einer Gryffindor? Ganz zu schweigen davon, wie mein Image darunter leiden wird, wenn ich mit einem Slytherin gesehen werde… Ist das dein Ernst?" fragte ich irritiert und er verstand.
„Ja, darüber können wir ja dann nachher noch diskutieren." Er stand auf und warf sich seinen Umhang über.
„Ich kann aber heute Abend nicht so lange. Harry und ich haben Nachtdienst in Askaban… und würde es dich arg stören, wenn ich schon in meiner Uniform komme?"
Wer Wachdienst hatte, musste nämlich eine Uniform tragen.
„Nein nein, ist schon okay. Sagen wir, ich hol dich um sieben ab, in Ordnung?"
„Ja, alles klar. Bis nachher dann!" Und damit war Draco verschwunden.
„Und weg ist er", meinte ich zu Dobby, der mir meinen Kaffee brachte. Dobby wollte schon etwas sagen, aber als er meinen Blick bemerkte, ließ er es lieber.
Also verbrachte ich einen ruhigen Nachmittag, bis es Zeit für mich wurde, mich umzuziehen.
Harry traf ich immer um elf vor den Toren von Askaban. Draco und ich hatten also fast vier Stunden für uns…
