Ein grosses Merci an trina1992 und HP-Fan1989 - schön zu wissen, dass es euch gefällt!
Kapitellänge: Meist sind die Kapitel ca. 3 Word-Textseiten lang, dafür wird sich mein 1-Tages-Rhythmus hoffentlich noch eine Zeit lang halten.
HG/? Ich kann mich bisher nicht ganz entscheiden, ob es mehr SS oder doch SB oder vielleicht sogar RL wird - vielleicht alles zusammen? Nein, ich weiss es wirklich noch nicht... Auf keinen Fall RW oder HP! Versprochen! Und ich bin auch nicht so der Mensch für Slash.
„Also, Herms, ich finde, du könntest ruhig ein wenig mehr Bein zeigen."
„Ginny, ich bin es, hallo! Ich bin nicht Lavender. Ich stehe nicht drauf, wenn jeder meine Beine sehen kann und dann möglichst auch noch mein Hintern und meine Brüste. Ich will nicht nackt auf diesen Ball!"
In ihrem Kopf fügte Hermine noch ein ‚Ich will gar nicht auf diesen Ball' hinzu.
„Aber du hast doch eine tolle Figur, wieso willst du die nicht zeigen?"
Hermine schaute sich im Spiegel an. Im Moment trug sie noch ein furchtbar enges Ding, das man beim besten Willen nicht als Kleid bezeichnen konnte, da es knapp über ihrem Brustansatz begann und nur ein paar Zentimeter unter ihrem Po endete. Aber sie musste Ginny recht geben: Sie hatte wirklich keine schlechte Figur. Ihre Brüste waren zwar ziemlich klein, aber da sie auch sonst einen sehr schlanken Körper hatte, machte das gar nichts aus. Ihr Bauch war ziemlich flach, die letzen Reste von Babyspeck waren von ihrer Hüfte verschwunden und ihre Beine waren im Vergleich zum Rest ihres Körpers lang und eigentlich recht schlank. Wenn sie es sich recht überlegte, mochte sie, was sie da sah.
Wann hatte sie eigentlich zum letzten Mal in den Spiegel geschaut? Sie wusste es nicht so recht. Normalerweise war ihr ihr Aussehen ja auch egal, schliesslich war sie auch gar nicht auf der Suche nach einem Freund. Aber offensichtlich hatte sie sich getäuscht: Sie konnte die Frau in ihr nicht einfach so ignorieren.
„Findest du echt, Ginny?"
„Natürlich! Und glaub mir, alle Mädels beneiden dich um deinen Po, der ist aber auch einfach zu süss!"
Hermine errötete und Ginny lachte.
„Willst du mir echt sagen, dass du das nicht gemerkt hast bisher? Ron mag ja ein Loser sein, aber sein Frauengeschmack ist echt nicht der Schlechteste. Und auch Dean hat mich kürzlich gefragt, ob du eigentlich einen Freund hast."
Hermine zweifelte ernsthaft an Rons Geschmack, wenn er sich auf Lavender einliess, aber das konnte sie Ginny ja nicht sagen. Aber das Kompliment hatte sie verstanden. Nicht dass Dean eine grossartige Referenz gewesen wäre, aber offensichtlich hatte sie Potential. Sie freute sich irgendwie, war gleichzeitig aber etwas beschämt. Zum einen weil Ginny ihr so offen Komplimente machte, zum andern weil sie offensichtlich als Einzige bisher nicht bemerkt hatte, dass ihr Körper erwachsen geworden war.
Aber sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Ihre Einstellung zu gesellschaftliche Anlässen im Allgemeinen und zu diesem Weihnachtsball im Speziellen hatte sich nicht verändert. Ausser dass sie jetzt das Argument ‚Ich habe kein Kleid' nicht mehr bringen konnte, weil Ginny sich richtig ins Zeug gelegt, und bestimmt 20 ihrer normalen Anziehsachen in Kleider verwandelt hatte. Das hatte sie richtig drauf, das musste man ihr lassen. Nur lagen jetzt im ganzen Zimmer Ballkleider rum, die meisten tiefschwarz, einige in Gryffindor-Rot, in den verschiedensten Formen, Längen, mit und ohne Träger, mit kurzen und langen Ärmeln, asymmetrisch geschnitten, gerade, verrucht, elegant.
Hermine musste zugeben, dass sie etwas überfordert war und mit der Erkenntnis, dass sie ja ganz ansehnlich geworden war, konnte sie auch grad nicht so gut umgehen. Sie setzte sich auf ihr Bett und stützte ihren Kopf in die Hände.
„Aber Süsse, was ist denn los? Habe ich was Falsches gesagt?"
„Nein, nein, ist schon okay, ich bin nur etwas müde." Hermine schenkte ihrer besten Freundin ein kleines Lächeln.
„Können wir vielleicht morgen weitermachen? Ich kann echt nicht mehr."
„Aber der Ball ist doch schon übermorgen! Meinst du, das reicht?"
Hermine winkte ab. „Klar reicht das. Du scheinst einen absolut perfekten Kleiderzauber zu haben und zum Einkaufen ist es jetzt sowieso zu spät."
Ginny schaute sie etwas zweifelnd an, liess sich dann aber dazu bewegen aufzuhören.
„Aber du musst mir versprechen, dass ich dir übermorgen die Haare und dein Make-Up machen darf."
„Natürlich. Und ich möchte, dass du mir diesen Kleiderzauber beibringst!"
Ginny strahlte. „Werde ich!"
„Du bist die Beste, danke!" Sie umarmten sich und Ginny ging in ihren eigenen Schlafsaal.
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Nachdem Hermine die Kleider beiseite geräumt, sich die Zähne geputzt und das Licht gelöscht hatte, lag sie mit offenen Augen im Bett und starrte die Decke ihres Himmelbetts an. Sie war eine Frau. Natürlich, biologisch gesehen war es klar, dass sie sich mit 16 körperlich veränderte, aber dass ihr diese Veränderungen offensichtlich als Einzige entgangen waren, das beunruhigte sie doch irgendwie. Konnte es vielleicht sein, dass sie ihre Prioritäten nicht ganz richtig setzte? Sollte sie morgens eventuell doch etwas mehr in ihr Aussehen investieren als bloss eine Dusche? Ein kurzer Bändigungszauber über ihre Haare zu sprechen würde sie doch bestimmt nicht die Welt kosten, oder? Und eigentlich, wenn sie ehrlich war, könnte sie ihre Schulbluse auch eine Nummer kleiner tragen, als sie es tat, es wäre immer noch lange nicht zu eng.
Und mit dem Vorsatz, morgen nur mal so zum Spass ein paar Minuten früher aufzustehen, und sich um ihr Äusseres zu kümmern, schlief Hermine ein.
0o0
Als sich die Türen zur grossen Halle öffneten, schaute noch niemand auf. Doch als die Ersten realisierten, wer da gerade den Saal betreten hatte, ging das Tuscheln los: Hermine, die Freundin von Harry Potter, die mit den buschigen Haaren, ja genau, die, die sieht jetzt plötzlich ganz anders aus!
Hermine fand nicht, dass sie ganz anders aussah. Aber definitiv anders, ja.
Ihre Haare standen nicht mehr buschig und widerspenstig in alle Richtungen von ihrem Kopf ab, sondern fielen ihr in wirklich schönen Locken, die sogar erstaunlich lang waren, über die Schultern. Sie hatte sich nur leicht die Wimpern getuscht, aber der Effekt war fantastisch. Ihre Schulbluse lag ein wenig enger am Körper an und liess gerade so die Umrisse ihrer Brüste und Taille erahnen. Der Schulrock war immer noch gleich lang, aber statt dicker weisser Wollstrümpfe trug sie heute Kniesocken mit einer frechen rot-goldenen-Borte. Ihre Uniformjacke trug sie aufgeknöpft, damit man die Bluse sehen konnte und die Tasche hatte sie locker über der Schulter. Ausnahmsweise einmal hatte sie keine Bücher im Arm, sondern nur das Minimum einfach in ihre Tasche gesteckt.
Ginny registrierte all diese Veränderungen innerhalb von Sekundenbruchteilen. Sie war stolz auf sich. Offensichtlich hatte sie das Richtige getan, als sie ihrer Freundin mal gesagt hatte, dass sie schön war.
Hermine fühlte sich nicht ganz wohl in ihrer Haut, vor allem deswegen, weil sie sich der Blicke sehr wohl bewusst war, die ihr von allen Seiten zugeworfen wurden. Doch es war ein interessantes Gefühl. Ein nicht unangenehmes Gefühl, und auch kein völlig fremdes wenn sie ehrlich war: So hatte sie sich mit Victor gefühlt. Zumindest manchmal, aber definitiv beim Ball im vierten Jahr. Da hatten sie auch alle angeschaut, hatten sie bewundert. Und das taten sie jetzt auch. Interessant.
Und das wahrscheinlich Interessanteste war, dass nicht nur die Schüler sie ansahen. Nein, als sie so durch die Halle marschierte, konnte sie wunderbar die Blicke aller Lehrer aufnehmen. Dumbledore zwinkerte ihr hinter seiner Halbmondbrille hervor zu, McGonagall kniff die Augen zusammen, wie um sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um ihre Lieblingsschülerin handelte. Hagrid grinste und reckte verstohlen beide Daumen in die Höhe. Remus Lupin stiess ihn in die Seite und sagte etwas, was dem Halbriesen rote Wangen bescherte. Hermines Blick wanderte zur andern Seite des Tisches, wo Professor Sprout mit Madame Hooch tuschelte und Professor Trelawney grosse Augen machte. Und dann fing sie den Blick von Severus Snape auf. Er sass regungslos da und sah ihr direkt in die Augen. Seinen Blick konnte sie unmöglich deuten, nichts darin lesen. Er schien absolut gleichgültig, als würde er direkt durch sie hindurch sehen. Merkwürdig.
Hermine ging zu ihren Freunden und wurde sofort von Ginny umarmt.
„Du siehst super aus" flüsterte die Jüngere ihr ins Ohr. Hermine lächelte geschmeichelt.
Ron starrte Hermine an, als käme sie vom Mars.
„Was ist denn mit dir passiert?" fragte er.
„Ach weisst du, heute Morgen bin ich einfach in diesem Körper aufgewacht und dann habe ich gedacht, man muss halt nehmen, was man kriegt, ich bin nämlich gar nicht Hermine, sondern Lavender!"
Ron klappte der Mund auf. Harry fing an zu grinsen, weil er dank einem geflüsterten Update von Ginny anfing zu verstehen.
„Was? In echt? Lavender? Scheisse, aber… mit wem gehe ich denn jetzt zum Ball?"
Hermine, Harry und Ginny mussten so sehr lachen, dass ihnen die Tränen in die Augen traten. Ron schaute verdutzt vom einen zum andern und schnallte gar nichts. Erst auf dem Weg zu Geschichte der Zauberei hatte Harry sich soweit beruhigt, dass er seinem Freund erklären konnte, was so lustig war.
