Visitkarte - das was du hier liest, wurde teilweise bereits vor über einem Jahr geschrieben. Mazi betat bereits drüber und glaub mir, sie macht das hervorragend. Es wäre sonst noch schlimmer mit den Sätzen und Formulierungen, die meist ich verbreche.
Zu der Zeitdifferenz. hier ein Kommentar von Mazi, dem ich mich nur anschließen kann.
Das ist schon ziemlich AU, was wir hier schreiben... sicherlich an die Bücher angelehnt, aber nicht wirklich danach gehend Und von mir - wir lassen den Canon wenn möglich einfließen ... aber es ist eben eine AU Story mit Canonelementen und nicht umgedreht. Aber das schrieben wir auch schon irgendwann mal in Teil 1.
An alle die ein Review hinterlassen haben. Vielen lieben Dank, es hat uns sehr gefreut. - Morti
Kapitel 4 – Die erste Nacht
Daniel Portune hatte es einfach nicht bis zum nächsten Morgen ausgehalten und so war er noch in der Nacht aus dem Gemeinschaftsraum geschlichen. Wobei ‚geschlichen' nicht wirklich das richtige Wort war, da mindestens die Hälfte der noch wachen Slytherinschüler es mitbekommen, aber nichts dazu gesagt hatten, dass er sich trotz der bereits längst vergangenen Sperrstunde für Erstklässler, außerhalb des Slytherin Gebietes aufgehalten hatte. War dieses Verhalten doch immerhin eines wahren Slytherin würden – solange man sich nicht erwischen ließ.
Daniel hatte dank der Studien, die er zusammen mit seinen Eltern bereits vor seinem Eintreffen in Hogwarts begonnen hatte – insbesondere über das Schulgebäude selbst – nur wenige Probleme, in die Eulerei zu finden. Dort griff er sich eine der wenigen Eulen, welche die Nacht nicht mit der Jagd verbrachten, befestigte den Brief an ihrem Bein und schickte sie zu seinen Eltern nach Portune Manor.
Der Rückweg in den Kerker sollte sich dann aber als nicht ganz so einfach erweisen, wäre er doch beinahe der Katze des Hausmeisters über den Weg gelaufen. Doch konnte er sie glücklicherweise einen Gang entfernt gegen irgend etwas Fauchen hören und so war Daniel hastig in einen anderen Seitenweg abgebogen.
Danach war es regelrecht wie verhext und der Erstklässler fand einfach keinen Weg mehr zurück in die Kerker. Im Gegenteil, er kam, dank der sich immer wieder bewegenden Treppen, immer höher hinauf und wollte die wandernden Treppen schon laut verfluchen, als er plötzlich Stimmen hörte. Gerade noch Rechtzeitig konnte er sich in eine der in den oberen Stockwerken befindlichen Nischen quetschen, welche von roten Vorhängen geschützt waren.
Mit klopfendem Herzen und nur mühsam ruhig gehaltenem Atem lauschte Daniel den näher kommenden Schritten.
Er wollte schon erleichtert aufatmen, als die Schritte ebenso plötzlich, wie sie begonnen hatten, wieder verstummten und eine helle Stimme, nur wenige Meter von ihm entfernt rief: "Phönixfeder!"
Ein leises Knirschen ertönte, die Schritte erklangen erneut und gingen weiter, einige Stimmen, die zuvor nicht da gewesen waren, schallten durch den Gang und wurden durch das bereits zuvor erklungene Knirschen wieder abgeschnitten.
Daniel blieb eine weitere halbe Stunde fast regungslos und mit klopfendem Herzen in dem Erkerfenster stehen, ehe er sich traute, den Weg zurück anzutreten. Mit Hilfe der ihm diesmal gut gesonnenen Treppen gelangte er schließlich auf einem zwar etwas längeren, aber dafür unentdeckten Weg zurück in die Slytherin Gemeinschaftsräume.
Der Einzige, der noch wach war, schien der wohl nur selten aus seinen Büchern herausschauende Ronaldo Lestrange zu sein und dieser erweckte nicht den Eindruck, als hätte er überhaupt bemerkt, dass Daniel wieder zurück gekommen war. So schlich sich der Elfjährige schließlich zurück in das Zimmer, das er mit Tiyo teilen musste und blieb, nachdem er die Türe behutsam hinter sich geschlossen hatte, unschlüssig mitten im Zimmer stehen.
Er hatte die ganze Zeit, während er im Erker stand, quasi nichts anderes getan, als nachzudenken und war schließlich zu einem Entschluss gekommen, der, wie er mit nicht geringem Kummer in seinem Innersten erkannte, wohl der einzige Weg war, die nächsten Jahre mehr zu tun, als in seinem Rücken drohende Flüche zu befürchten.
Langsam trat er an seinen Koffer heran und zog seinen bisher noch unausgepackten Zauberstab aus dem im Koffer verborgenen Geheimfach hervor. Wenige Schritte später stand er am Bett des Aurorenjungen und richtete seinen Zauberstab auf dessen schlafende Gestalt.
Regungslos verharrte er – wartete auf das Erwachen des Schlafenden – den Spruch, den ihm sein Pa vor Schulbeginn beigebracht hatte, jederzeit bereit auszusprechen.
Es war Made, der als erstes wach wurde, weil ihn ein nicht passender Windstoß um die Ohren gezischt war. Verschlafen hob der Kleine den Kopf und schnupperte erst in die Dunkelheit, ehe er mit einem erschrockenen Aufquieken die dastehende Person bemerkte. Nun fragte man sich, was ein Hogwarts Schüler mit einer Ratte wollte. Wozu war sie gut? Sie hatte bei weitem nicht den praktischen Nutzen einer Eule, die Briefe brachte, aber als Alarmanlage war eine Ratte doch sehr gut zu gebrauchen.
Made kletterte in Windeseile über Tiyo weg und weckte diesen, als er über das Gesicht des Jungen kletterte und dessen Nase als praktische Stufe nutzte. "Made", fauchte Tiyo und öffnete die Augen, sah dann Daniel an seinem Bett stehen. "Was machst du denn da...?", fragte der Junge schlaftrunken, ehe er bemerkte, dass der Andere einen Zauberstab auf ihn gerichtet hielt.
So fest hielt Daniel Portune seinen Zauberstab, dass die Knöchel an seinen Händen selbst in der Dunkelheit der Nacht noch weiß hervorstachen. Doch konnte auch ein noch so fester Griff das Zittern seiner den Zauberstab haltenden Hand nicht verbergen.
"Es gibt drei Flüche, die von den Schwachen und denen, die einfach zu viel Angst davor haben, sie anzuwenden, als die Unverzeihlichen bezeichnet werden.", begann Daniel leise, aber im Gegensatz zu seiner zitternden Hand mit fester und überzeugter Stimme zu sprechen. "Der erste bringt den Verfluchten Frieden, der zweite Schmerz und der dritte die Befreiung von allem Leid."
Es dauerte eine Weile, bis Tiyo begriffen hatte, was Daniel da grad gesagt hatte. Dann setzte er sich richtig auf und starrte den Blonden an. "Sag mal, willst du mich irgendwie verarschen, oder so? Nimm den verdammten Zauberstab runter!"
Daniel hatte doch nicht etwa vor, irgendeinen dieser Flüche auszusprechen? "Du hast doch wohl nicht vor, Imperio, Crucio oder Avada Kedavra zu sagen, oder? Nimm diesen verdammten Zauberstab runter!!" Tiyo bekam leichte Panik und sie stieg von Minute zu Minute an. Made kroch auf seine Schulter und schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte, denn er war am Fauchen.
"Zuerst den Frieden.", meinte der blonde Erstklässler und konzentrierte sich mit angespanntem Gesicht, dabei jedoch sein Gegenüber nicht aus den Augen lassend. Mit einem leichten Schlenker richtete Daniel seinen Zauberstab auf die davon huschen wollende Ratte und ein leise gemurmeltes "Imperio!" später, tapste das Tier wieder zurück und mit glasigen Augen auf Daniel zu.
"Made!", keuchte Tiyo und nahm sein Haustier in die Hände, sah Daniel daraufhin giftig an. "Nimm ihn von meiner Ratte runter!", forderte er ihn bissig auf und war drauf und dran aufzustehen und dem Jungen den Zauberstab zu entreißen. Tiyo hatte seinen eigenen noch nicht ausgepackt und deshalb konnte er auch nicht auf diesen zurückgreifen.
"Crucio!", flüsterte Daniel nur, auf das Bitten des Aurorenjungen nicht eingehend, kaum eine Spur lauter, als er zuvor den ersten der Unverzeihlichen beschworen hatte. Mit ausdrucksloser Miene sah er zu, wie sich die Ratte quiekend zu winden begann.
"Schmerz …", meinte er nach einigen sich schier endlos in die Länge ziehenden Sekunden nur, "ist etwas, das man zufügen will. Man muss wollen, dass der Verfluchte leidet, dass es ihn innerlich schier zerreist und in den Wahnsinn treibt."
Die ganze Zeit während er mit tonloser Stimme erklärte, was hinter dem zweiten der Unverzeihlichen steckte, hielt er selbigen weiter aufrecht und beendete ihn auch nicht, als eines der Augen der Ratte regelrecht aus seiner Höhle sprang und Blut aus dessen weit und kaum mehr zu einem Quieken fähigem Maul trat.
"HÖR AUF DAMIT!!!", schrie Tiyo, außerstande sich irgendwie zu regen. Die Tränen standen ihm bereits in den Augen. Er besaß Made zwar erst seit einigen Monaten, aber die Ratte gehörte ihm und niemand hatte das Recht, ihm sein Haustier zu nehmen. "Du darfst diese Flüche nicht sprechen!" Tiyo verstand auch nicht, wie Daniel es schaffte diese Flüche überhaupt anzuwenden. "...ganz ruhig, Made... ganz ruhig...", flüsterte er immer wieder beruhigend auf das Tier ein.
Daniel trat langsam zurück, so dass Tiyo an seinen Koffer gelangen konnte, den Fluch allerdings weiter aufrechterhaltend und die nur noch schwach zuckende Ratte betrachtend. "Na los – hohl deinen Zauberstab!", fuhr er den auf seine Ratte einflüsternden Jungen scharf an.
Tiyo knurrte vor Wut und setzte Made behutsam auf dem Bett ab. "Keine Angst, mein Kleiner...", murmelte er. "Das kriegt er zurück."
Mit langsamen Schritten ging er zum Koffer und suchte seinen Zauberstab, den er kurze Zeit später auch fand und, schnell ausgepackt, richtete er das Stück Holz auf Daniel. "Das wird dir verdammt Leid tun!!", fauchte er und sprach sogleich ein "Expelliarmus" und das mit soviel Entschlossenheit in der Stimme, dass Daniel rücklings zu Boden geworfen wurde. Auch sein Dad hatte bereits mit ihm verschiedene Zauber geübt.
Daniel, der nicht wirklich damit gerechnet hatte, dass der Andere derart schnell und entschlossen reagieren würde, spürte noch, wie er von dem Zauber Tiyos getroffen ein ganzes Stück nach hinten geschleudert wurde und ihm sein Zauberstab aus der Hand flutschte. Doch hatte er sich schnell wieder im Griff und nach einem schnellen Hechtsprung hielt er das glatte Holz wieder in der Hand. Abermals sprach Daniel – sich langsam wieder aufrappelnd - den zweiten der Unverzeihlichen auf die erschlafft daliegende Ratte, der, als er vom Spruch des anderen getroffen worden war, erloschen war.
Erneut quiekte die Ratte im Griff des Folterfluches, jedoch bei weitem nicht mehr so laut wie zuvor.
Den Blick fest auf das Ziel seines Spruches gerichtet haltend, zischte der Slytherin leise und mit vor Anstrengung zitternder Stimme: "Und jetzt – befreie sie – oder willst du weiter zusehen? Denn ich - werde - nicht - aufhören - bis du den - letzten der - Drei - auf sie - gesprochen - hast!"
"Ich werde gar nichts tun, zumindest nicht meine Ratte töten!!", fauchte Tiyo und sprach "Rictusempra" auf Daniel, der nun das Gefühl haben dürfte, als wenn ihm jemand einige starke Hiebe in die Magengegend gegeben hatte. "Nimm den Fluch von Made!!"
Vor Schmerz aufkeuchend klappte Daniel, kaum dass er wieder auf seinen Beinen gestanden hatte, von dem erneut auf ihn gesprochenen Fluch zusammen. Das Gefühl als hätte er einen Quaffel in den Bauch gerammt bekommen, ließ ihm die Tränen in die Augen steigen und sich leicht zusammenkrümmen.
Dennoch gelang es ihm irgendwie, den Fluch weiter aufrecht zu halten, auch wenn ihm der Schweiß nun deutlich sichtbar in die Augen tropfte und er seine zweite Hand zu Hilfe nehmen musste, um den Zauberstab zumindest einigermaßen ruhig auf das Ziel gerichtet zu halten.
Fest biss er sich auf die Lippen, so dass er sein eigenes Blut schmeckte. Er wusste, dass er diesen Fluch nicht mehr viel länger würde aufrecht erhalten können. Bisher hatte er immer nur an Spinnen geübt und eine Ratte war da doch etwas anderes – größer – und daher schwerer zu beeinflussen. Nur das Bewusstsein, dass er den Plan, den er während seiner Wartezeit im Erkerfenster heute Nacht gefasst hatte, einfach ausführen musste, um so seine Familie zu schützen, hielt ihn überhaupt noch dazu in der Lage, zu tun, was einfach getan werden musste.
Tränen der Verzweiflung liefen ihm übers Gesicht und Daniel merkte nicht einmal, wie er immer stärker zu zittern begann. Es musste doch einfach einen Weg geben, den Anderen dazu zu bringen! Hätte dieser das seinem Haustier angetan – hätte er denn eines besessen – hätte er schon längst reagiert und es von seinen Schmerzen erlöst.
War der Andere wirklich derart abgebrüht? Lag ihm denn rein gar nichts an seinem Haustier, dass er es weiter unter dem schlimmsten aller Folterflüche leiden sehen konnte?
"Tu es doch endlich!", schluchzte Daniel mit verzweifelter, flehender Stimme hervor, mit aller ihm noch verbliebener und schnell schwindender Kraft seinen Zauberstab und den Fluch weiter auf die Ratte gerichtet haltend.
"Ich kann ihn aber nicht töten...", fauchte Tiyo und begann mittlerweile selbst zu zittern. Made war doch das einzige, was er unter diesem Haufen von Slytherin hatte. Das konnte er nicht tun. Wenn Daniel einfach den Fluch von dem Tier nehmen würde, dann könnte man die Ratte doch noch retten. Tiyo konnte sein Haustier doch nicht töten...?
Mit einem kurzen Blick sah er zu Made und musste schmerzlich feststellen, dass dieser sich wirklich nur noch quälte. Tiyo schluckte schwer, schloss die Augen und richtete den Zauberstab dann auf Made, ehe er "Avada Kedavra" murmelte und Made daraufhin unter einem lauten Quieken aufhörte zu zucken und tot war.
Erleichtert aufschluchzend merkte Daniel, dass der Cruciatus Fluch mit dem Tod des Tieres in sich zusammen fiel. Nicht auch nur einen Moment länger fähig seinen Zauberstab zu halten, ließ er ihn fallen und sackte selbst nur wenige Atemzüge später ebenso zu Boden.
Tränen liefen ihm ungehemmt über die Wangen, als er – den Blick nun endlich von dem toten Nager lösend – zu dem Aurorenjungen aufblickte und ein leises "Danke…" flüsterte.
Nun war es Tiyo, dem die Tränen in die Augen stiegen. Er hatte schließlich grad seinen einzigen Freund getötet. "Wie konntest du das nur von mir verlangen...", wimmerte er und sah Daniel dann wutentbrannt an.
Daniel brauchte einige Minuten, ehe er sich wieder soweit gefasst hatte, um flüsternd eine Antwort geben zu können: "Jetzt werden sie die Wahl des Hutes nicht mehr anzweifeln…"
Entgeistert sah Tiyo den anderen an. "Deshalb? NUR DESHALB SOLLTE ICH MEINEN FREUND TÖTEN?" Er glaubte sich verhört zu haben. Das konnte doch einfach nicht wahr sein.
"NATÜRLICH NICHT ‚NUR' DESHALB!", schrie Daniel, dem nun auch die Nerven durchgingen, zitternd zurück, während ihm weiter Tränen über das blasse Gesicht liefen. "Es geht um Schutz – verstehst du denn nicht? Was ist schon eine Ratte im Vergleich einer – meiner Familie? Was hast du denn geglaubt, was ich dir versucht habe zu erklären? Sie werden uns zwingen ‚Ihm' zu dienen, wenn sie ein Mittel dazu haben und DU BIST DIESES MITTEL GEWESEN!"
Verwirrt sah Tiyo Daniel an. "Warum sollte ich das Mittel gewesen sein?", wollte er wissen, da er es wohl immer noch nicht verstanden hatte.
Daniels Augen verdrehten sich deutlich himmelwärts, doch antwortete er trotzdem: "Neutral – bedeutet am Simpelsten erklärt, sich von beiden Seiten fern zu halten. Sich beider zu bedienen und keiner anzuschließen. Niemals Partei ergreifen und wenn, dann nie und unter gar keinen Umständen, auch nur den Anschein zu erwecken, man würde mit Schlammblütern, Weißmagiern oder am schlimmsten, Auroren gemeinsame Sache machen!"
"Ich werde es dir trotzdem nicht verzeihen. Ich kann doch nichts dazu, dass deine Familie so krank ist!" Tiyo war sauer. Er hatte auch keine Lust sich auf irgendwelche Kompromisse einzulassen. Er legte sich hin, mit dem Rücken zu Daniel, und wollte nicht mehr mit diesem reden.
Daniel Portune schnaubte leise. "Es ist mir reichlich egal, ob du mir verzeihst oder nicht. Darauf kann ich verzichten. Aber es ist mir nicht egal, dass ich zumindest alles getan habe, um meine Familie und nebenbei bemerkt, auch dich zu beschützen, vor Dingen, an deren Existenz du hier offenbar immer noch nicht glauben magst!"
"Welche Dinge...?", meinte Tiyo murmelnd, blieb aber so daliegen, dass er Daniel nicht ansehen musste.
Auch Daniel stand schließlich vom Boden auf und zog sich in die relative Sicherheit seines Bettes zurück, als er antwortete: "Dass Seine Diener nicht nur außerhalb dieser Mauern zu finden sind."
"Meinst du das im Ernst?" Nun drehte Tiyo sich doch wieder um und sah Daniel überrascht an. "Ich meine, ich konnte es mir denken. Aber..." Es verschlug ihm regelrecht die Sprache.
Nachdrücklich nickte Daniel, bestätigte dann aber auch noch mit einem zusätzlichen "Auf jeden Fall!", da er sich nicht sicher war, ob der andere die Geste in der Dunkelheit gesehen hatte.
"Aber..." Tiyo setzte sich auf und hatte einen aufgeregten Tonfall. "Aber... weiß Dumbledore nicht davon? Ich meine, das ist doch eine Gefahr, für jeden von uns!" Dass er sich grad mit einem Slytherin darüber unterhielt, ignorierte Tiyo. Immerhin hatte Daniel ja gesagt, dass seine Familie neutral war.
"Man möchte meinen, dass der Schuldirektor davon weiß, aber… vielleicht handelt er aus den selben Gründen nicht, aus denen auch du und alle anderen Nicht-Slytherin an die unantastbare Sicherheit von Hogwarts glauben wollen.", erwiderte Daniel bedächtig, "einfach weil man es bisher niemandem wirklich nachweisen konnte."
"Das ist unsinnig!" An Schlaf war bei Tiyo nun gar nicht mehr zu denken. Zu sehr kreisten seine Gedanken um dieses Thema. Auch wenn er nicht glaubte, dass er irgendetwas daran ändern konnte, aber irgendwas musste doch getan werden. Zu sehr standen doch so viele Leben auf dem Spiel, wenn sich Todesser unter ihnen befanden und vielleicht auch noch ihre Kraft verstärkten. Der Gedanke war grausam.
Tiyo hatte häufig gehört, wie sich seine Eltern darüber unterhielten, dass sie es nicht fassen konnten, dass es immer mehr Todesser gab. Er hatte soviel mitbekommen, auch wie sie immer wieder für gute Arbeit gelobt wurden und er hatte sich vorgenommen genauso zu werden. Also, musste man doch irgendwas tun können...? Total in Gedanken versunken schwieg er.
Daniel, der den Kommentar falsch verstand, gab etwas schärfer als beabsichtigt zurück: "Das ist kein Unsinn. Oder woher glaubst du, kommen die ganzen neuen Rekruten, wenn nicht jemand Ihn über geeignete Kandidaten informiert hätte? Nur rein aus den loyalen Familien kann sich der enorme Machtzuwachs nicht erklären."
Allein der Gedanke daran ließ eine Gänsehaut auf Tiyos Armen hervortreten. "Verdammt...", murrte er und sah vor sich auf den Boden. Wir stecken alle so dermaßen tief in der Scheiße..., dachte Tiyo und sah dann wieder zu Daniel. "Hm... reden bringt uns auch nicht weiter, oder? Vielleicht sollten wir jetzt schlafen? Morgen beginnt schließlich der Unterricht..."
"Da hast du wohl recht … aber überleg dir schon einmal, wie du Nott zeigen kannst, was der letzte ausgesprochene Zauber von dir war. Denn sonst war das Ganze hier umsonst.", erwiderte Daniel, wobei er ein Gähnen nun kaum mehr unterdrücken konnte.
Tiyo seufzte. Mit einem kurzen Blick sah er zu Made, der mit zusammen gekrampften Körper immer noch auf dem Bett lag. Am liebsten würde er das Geschehen in dieser Nacht vergessen und eigentlich hoffte er immer noch, dass das alles nur ein böser Traum war. Aber er wusste eh, dass dem nicht so war.
Ohne irgendetwas weiteres zu sagen, nahm Tiyo die Ratte in die Hand und steckte sie in einen kleinen Pappkarton, wo er vorher noch Sachen drin gehabt hatte. Dann legte er sich hin und schloss die Augen, um hoffentlich bald in einen traumlosen Schlaf zu fallen.
Auch Daniel machte sich schnell bettfertig und nur wenige Minuten später war er ebenfalls, mit dem sicheren Bewusstsein, alles ihm mögliche getan zu haben, um seine Familie zu schützen, eingeschlafen.
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TBC
