Harry saß an seinem Schreibtisch und schrieb zerstreut eine Aufstellungstabelle für die nächste Woche. Er war dabei so in Gedanken versunken, dass er sich auch nicht darüber wunderte, dass die Schriftzüge auf dem Pergament, was er vor sich hatte, nicht schwarz, sondern beige waren. Dies lag daran, dass er seine Feder andauernd in die vor ihm stehende Tasse Kaffee tunkte, statt in das Tintenfass.
Ebenfalls bemerkte er nicht, dass Stephen ihn von der anderen Seite des Schreibtisches kritisch betrachtete. „Sag mal, Harry, kann es sein, dass du ein klein wenig unkonzentriert bist? Nur so ein winzig kleines bisschen?"
„Mhm..." machte Harry. Stephen setzte nach. „Harrylein, kaufst du mir einen Elefanten?" „Mmh-hm..." nickte Harry. „Einen rosa Elefanten?" „Mhh-hm..."
Stephen schüttelte den Kopf und sagte, „Junge, Junge, den hat's aber erwischt..." und machte sich auf den Weg zum Kaffeeautomaten, da er keine Lust hatte, sich welchen zu kochen. Wie von Zauberhand (haha...) erschien ein Becher Kaffee, den er sich fast über seinen Umhang kippte, als Ginny zur Tür herein kam. Stephen grinste sie an. „Oh, hi Ginny, welch ein Glanz in unserer staubigen Höhle..." sagte er ziemlich laut und schielte zu Harry rüber.
Dieser versuchte schnell, seinen kalten, nach Tinte schmeckenden Kaffee zu trinken, um sein plötzlich hochrotes Gesicht hinter der Tasse zu verbergen, wobei er sich prompt verschluckte und ein Kaffee Sprühregen sehr dekorativ über Hemd und Schreibtisch verteilte.
„Hallo Harry," sagte Ginny lässig und lächelte ihn an. „H-hi..." sagte dieser, warf dem sich vor Lachen schüttelnden Stephen einen giftigen Blick zu und wischte hastig über Hemd und Schreibtisch.
„Heute Abend schon was vor?"
Harry fasste es nicht... Er saß da wie ein Trottel, von oben bis unten voll mit Kaffee, den Geschmack von Tinte im Mund, die Brille schief und sie fragte ihn, ob er heute Abend schon was vorhatte?
„Tja, ähm... Eigentlich... Nein."
„Gut! Hättest du Lust, mich heute Abend zu meiner Tante zu begleiten? Sie ist furchtbar alt und schrullig, alleine halt' ich das nicht aus... Wir könnten später noch nach Hogsmeade apparieren und in die Drei Besen gehen. Das heißt... Wenn du Lust hast..."
„Oh- ja, klar, ich meine, nun... Warum nicht?"
„Schön, treffen wir uns um 19 Uhr vor dem Tropfenden Kessel? Wir können von da zu ihr apparieren."
„Ja, gut, ich werde da sein."
„Okay, bis später, Harry."
Damit verschwand sie aus dem Büro und Harry starrte ihr nach. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte sagte er ohne seinen Blick von der Tür abzuwenden, „wenn ich auch nur ein Wort höre, Stephen, nur ein einziges..."
Stephen hob abwehrend die Hände und verschwand kichernd in Richtung Herrentoilette.
„Oh, Harry, da bist du ja schon," begrüßte Ginny Harry pünktlich um 19 Uhr vor dem Tropfenden Kessel. „Wartest du schon lange?" „Och, gerade erst 5 Minuten," log Harry, der sich tatsächlich bereits seit 20 Minuten hier herumtrieb.
„Nun, dann lass uns reingehen, Tante Sophie wartet bestimmt schon auf uns. Ach, und wunder' dich über nichts, Harry- sie ist ein bisschen schrullig, weißt du? Hat seit Jahrzehnten einen komischen alten Diener und tote Freunde, mit denen sie dauernd spricht..."
Das erinnerte Harry ein wenig an seinen kleinen Ausflug mit Bubi, jedoch hütete er sich, das laut zu sagen...
Beide betraten den Tropfenden Kessel und apparierten von dort aus zu Ginnys seltsamer Tante.
Sekunden später standen sie in einem geräumigen Esszimmer mit einem uralten, massiven Holztisch, an dem 7 Stühle standen. Tante Sophie saß rechts vor Kopf und sah ihre Nichte und deren Begleitung erfreut an.
„Oooh, da bist du ja schon, meine Liebe. Wie war noch mal der Name des entzückenden jungen Mannes? Ich weiß, du hast es mir gesagt, aber mein Gedächtnis lässt wohl langsam ein wenig nach..."
„Hallo, Tante Sophie, das ist Harry. Harry Potter."
„Komisch, der Name kommt mir bekannt vor- aber woher?"
Harry schritt ein, bevor er den ganzen Abend über Dinge reden musste, über die er gar nicht reden wollte. „Guten Abend, Ma'm. Ich war mal ein ganz passabler Quidditch Spieler, vielleicht daher..."
„Ja, das ist möglich... Setzt euch doch, setzt euch- bitte beide vor Kopf, der Tisch ist breit genug, ich erwarte noch Gäste, die ihre Stammplätze haben."
Ginny warf Harry einen ‚Jetzt-weißt-du-was-ich-meine' Blick zu und setze sich mit ihm auf die zugewiesenen Plätze.
„James?" rief Tante Sophie und ein steinalter Mann mit anscheinend angeschlagener Hüfte watschelte in den Raum.
„Ja, Miss Sophie?" erkundigte er sich höflich.
„Den Wein, bitte, James."
„Jawohl, Miss Sophie," sagte der Bedienstete und schritt so würdevoll wie möglich auf eine Anrichte neben dem Kamin zu, wobei er über den Tigerkopf eines am Boden liegenden Felles stolperte. Blitzschnell schwang Harry seinen Zauberstab und verhinderte so, dass der Greis fiel.
„Oh, sehr freundlich von Ihnen, Sir," sagte dieser und holte den Wein.
Nach einem weiteren beinahe Sturz, bei dem ein Teil des Weines in der Karaffe auf dem Boden landete schenkte er mit gewichtiger Geste und Stimme den Wein ein.
„Miss Sophie..."
Zu seinem Erstaunen sah Harry, dass er auch Wein an den vier leeren Plätzen einschenkte, wobei er würdevoll die Namen Mr. Winterbottom, General Schneider. Sir Toby und Mr. Pommeroy nannte, ehe er auch Ginny und Harry einschenkte…
Ginny grinste ihn nur wissend an.
James machte sich auf den Weg zurück, wobei ihm wieder der Tigerkopf im Wege war...
Harry sah es schon kommen, stand auf und sagte, „Das haben wir gleich-" Er richtete seinen Zauberstab auf den Tiger und murmelte eine kurze Formel...
Die Ereignisse überschlugen sich... Der Tiger sprang auf, James ließ die Kanne fallen, Tante Sophie griff sich ans Herz und fiel vor Schreck nach hinten- was ein krachen verursachte, welches wiederum den Tiger erschreckte, der sich jedoch nicht ans Herz griff, sondern stattdessen auf Ginny zusprang.
„Pertificus Totales!" rief Harry und der Tiger lag regungslos am Boden, zusammengeklappt wie ein Schweizer Taschenmesser.
„Harry! Was-"
„Habe was verwechselt, sorry... Der Kopf sollte flacher werden..."
James kniete unterdessen neben Miss Sophie und fächelte ihr Luft zu, bis sie schließlich die Augen aufschlug.
„Was... AUA!"
„Ist dir was passiert, Tante Sophie?" fragte Ginny und trat zu ihr.
„Ich glaube, ich habe mir den Arm gebrochen, nichts weiter..."
Harry meinte, ein verschwörerisches blinzeln zu sehen, welches sie ihrer Nichte zuwarf, war sich jedoch nicht wirklich sicher.
„James- wir müssen ins St. Mugos apparieren, ich glaube, ich erhole mich dort ein bis zwei Tage. Schließlich bin ich schon alt!"
„Aber Tante Sophie..."
„Nichts aber, mein Kind- und ihr esst alles auf, schließlich habe ich ein Abendessen für 7 Personen vorbereiten lassen!"
„Warum auch immer..." murmelte Ginny, half ihr aber auf und an James' Arm gehängt verschwanden beide, während Harry und Ginny allein zurückblieben.
Da der Tisch nun gedeckt war ließ sich Ginny auf den nächstbesten Stuhl fallen und trank ihr Glas Wein auf ex, während Harry den verunglückten Fußvorleger in Form eines Tigers verschwinden ließ.
„Ein Mohnbrötchen, Harry?"
„Ähm, nein danke..."
„Aber ich dachte, du LIEBST Mohnbrötchen..."
„Ja, schon... Aber mein Zahnfleisch..."
„Äh, ach so... Ein Pudding vielleicht? Oder ein wenig von-"
Ginny brach ab, als 4 Geister hereinschwebten und sich an den vier Plätzen an den Seiten des Tisches niederließen.
„Wo ist Miss Sophie? Sie ist sonst immer hier," sagte einer von ihnen nahezu vorwurfsvoll.
„Sie ist heute verhindert," antwortete Ginny. „Darf ich fragen, wer Sie sind?"
„Oh, wie unhöflich von mir- Sie müssen Miss Weasley sein, Ihre Tante hat uns ja schon so viel von Ihnen erzählt... Ich bin Sir Toby und dies," er stellte die anderen Herren vor, „sind Mr. Winterbottom, General Schneider und Mr. Pommeroy. Nun ja- grüßen Sie sie von uns. Wir werden ihr später unsere Aufwartung machen."
Und damit verschwanden sie so schnell, wie sie gekommen waren.
„Meine Güte..." murmelte Harry und auch Ginny saß noch mit offenen Mund da. „Wow- ich habe die noch nie vorher gesehen..." sagte sie. „Hab sie ehrlich gesagt immer für eine Spinnerei gehalten. Na ja, warum nicht- unterhält sie sich eben mit Geistern, das haben wir in Hogwarts oft genug getan."
Damit war das Thema für sie abgeschlossen und sie aß das von Harry verschmähte Mohnbrötchen weiter.
Das war allerdings auch alles, was sie aß, während Harry sich bemühte, von allem, was seinem Zahnfleisch keinen Schaden zufügen würde zu essen, ganz dem Wunsch Tante Sophies entsprechend.
„Warum isst du den nichts?" fragte er verwundert.
Sie seufzte theatralisch und sah an sich herunter. „Warum muss ausgerechnet ich diese fiesen kleinen Speckröllchen haben..."
„Das sind keine Speckröllchen!" sagte Harry im Brustton der Überzeugung. „Du siehst entzückend aus- noch ein Schnittchen, Schneewittchen?" fragte er charmant grinsend und schob ihr den Teller mit den belegten Broten hin.
Ginny lachte und griff sich ein Salamibrot.
„Du bist unmöglich..."
„Nein, bin ich nicht- ich versteh's nur nicht... Egal, was man sagt, es kann nur verkehrt sein... Ich meine, nehmen wir das typische Beispiel. Sie fragt ‚Findest du mich dick?' worauf er, wenn er nicht gerade lebensmüde ist, natürlich antwortet ‚Nein!'. Und sie wieder ‚Wirklich nicht?' Und er ‚Nein, wirklich nicht!' Aber damit ist sie immer noch nicht zufrieden und fragt ‚Du findest also nicht, dass ich zugenommen habe?' Er wieder ‚Nein!' ‚Auch nicht ein ganz kleines bisschen!' Ihm wird es zu bunt und er sagt ‚Na gut, vielleicht ein ganz kleines bisschen' worauf sie dann losheult, sich filmreif den Handrücken vor die Stirn schlägt und heult „DU LIEBST MICH NICHT MEHR...' Ich meine, das soll einer verstehen... Oder nimm das Badezimmer einer Frau... Lauter Tiegelchen und Töpfchen- für trockene Haut, für fettige Haut, für MISCHHAUT... Ich meine, hast du schon mal 'nen Mann mit MISCHHAUT gesehen? Stell dir mal folgenden Dialog auf 'ner Baustelle vor: ‚Ey, Manni, Manni komm ma im Wagen, Manni, wir müssen reden... Manni... Du has' MISCHHAUT... Et ist nich' wegen mir, aber die Jungs reden schon...' "
(Anm.: Das ist geklaut von Jürgen von der Lippe)
Ginny verschluckte sich vor Lachen an ihrem Wein, den sie gerade versuchte zu sich zu nehmen.
„Harry- an dir ist wirklich ein Komiker verloren gegangen... Lass uns in die Drei Besen verschwinden, ich brauche jetzt ein Butterbier!"
