Kapitel 4: Reise zur Schwarzen Allee

Harry rannte die Treppen runter um die Tür zu öffnen und seinen Retter zu begrüßen. Als er die Tür öffnete stand niemand geringerer als seine meistgehasster Lehrer, Professor Snape vor ihm. Ehe Harry irgendetwas sagen konnte, meinte Snape:

„Potter, Sie müssen mit mir kommen und keine Widerrede, wenn ich bitten darf. Professor Dumbledore hat mir den Auftrag gegeben Sie zu einem geheimen Ort zu bringen und Ihnen während dem Rest der Sommerferien Okklumantikunttericht zu geben."

„In Ordnung, ich hole nur schnell meine Sachen und begleite Sie dann". Harry dachte dass es besser sei keine Fragen zu stellen. Oben in seinem Zimmer fragte er sich ob wohl Snape oder die Dursleys schlimmer waren. Er entschied sich, dass er fürs erste die Nase voll von Muggeln hatte und es bevorzugte zurück in der Zaubererwelt zu sein, auch wenn es bedeutete die restliche Zeit mit Snape zu verbringen.

Harry begab sich wieder nach unten und schleppte all sein Zeug mit sich mit. Er sah Snape an, dessen Augen immer voller Hass waren wenn sie Harry sahen, und wunderte sich, wie sie wohl reisen würden. Mit einer schnellen Zauberstabbewegung ließ Snape Harrys Besen und Koffer verschwinden.

„Lassen Sie uns jetzt gehen Potter… und keine Fragen bis wir an einem geheimen und sicheren Ort angelangt sind!"

Harry, der gerade seinen Mund geöffnet hatte um etwas zu erwidern, schloss ihn schnell wieder und blieb still. Ein Streitgespräch mit Snape war das letzte was er im Moment gebrauchen konnte.

Plötzlich richtete Snape seinen Zauberstab auf Harry und ehe der Junge wusste wie ihm geschah, wurde er in einen Fuchs verwandelt. Snape verwandelte sich ebenfalls und beide rannten durch die offene Tür davon.

Harry wusste nicht welches Gefühl im Moment stärker war, Angst oder Spannung. Auch war das Bild von Snape der einen Zauberstab auf ihn richtete nicht gerade ermutigend. Harry war neugierig und wollte wissen wo sie hin gingen, also hatte er keine andere Wahl als seinem Zaubertränkelehrer zu folgen.

Während mehrerer Stunden rannte Snape vor Harry her. Es war ein sehr seltsames Gefühl auf vier Pfoten zu laufen und einem Fuchs zu folgen. Auf einmal machte Snape in einer Waldlichtung halt. Harry sah sich um und setzte sich. Snape verwandelte sich in seine menschliche Form zurück. Harry verwandelte er jedoch nicht sofort. Dieser wurde sehr wütend und wollte seinen Lehrer anbrüllen, doch es kam nur Gebell aus seinem Mut und keine verständlichen Worte. Snape nahm eine kleine Flasche aus seinem Umhang und befahl Harry den Inhalt zu trinken. Der Trank hatte einen ekelhaften Geruch, schmeckte jedoch nach nicht und Harry wurde wieder ein Mensch.

„So Potter… wir werden nicht zum Grimmauld Platz gehen, sondern zur Schwarzen Allee!"

„Also für mich hört dass nach einem Ort voller schwarzer Magier an."

„Sie haben tatsächlich recht", sagte Snape mit einem breiten Grinsen in seinem Gesicht. „Ja, dort gibt es wirklich viele Zauberer die die Schwarzen Künste mögen."

„Aber warum würde Dumbledore uns zu so einem gefährlichen Ort schicken?" Harry verstand nicht was vor sich ging.

Ein bösartiges Lächeln spiegelte sich in Snapes Augen: „Potter! Merken Sie denn nicht wie dumm Sie mir vorkommen? Was für eine dumme Frage! Der Dunkle Lord sucht nach Ihnen. Er wünscht sich nichts sehnlicher als Sie tot zu sehen und offensichtlich erwartet er nicht, dass Sie Ihre Zeit an einem Ort voller Schwarzer Zauberer verbringen. Am wenigstens wohl im Haus einer seiner Todesser."

Harry verstand. Dumbledore hatte einen sehr simplen Trick angewandt um Voldemort auf eine falsche Fährte zu locken. Während sich Harry fragte wie ihre Reise zu Schwarzen Allee wohl weitergehen würde, hatte Snape ein Abendessen für sie beide herbeigezaubert.

Nachdem sie gegessen hatten, verriet Snape Harry dass sie durch die Unterwelt reisen würden.

„Sir, was ist die Unterwelt?"

„Es ist ein geheimer Ort, der nur von Dunklen Magiern besucht und genutzt wird. Vor sehr langer Zeit wurde diese Welt gegründet, so dass wir ungestört reisen konnten ohne von Auroren gefunden zu werden. Ich werde Ihnen jetzt einen Umhang geben und bitte Sie Ihr Gesicht während der ganzen Reise verdeckt zu halten. Wenn irgendjemand Sie erkennt, sind wir beide in großer Gefahr."

Harry nahm den Umhang und tat wie Snape es ihm gesagt hatte.

„Aber Professor, wo befindet sich denn der Eingang?"

„Sie sitzen drauf."

Harry sprang erschrocken auf und bemerkte dass eine Falltür wie aus dem Nichts im Waldboden erschienen war. Snape öffnete sie und sie bemerkten eine Leiter die ins Dunkle hinunterführte. Snape war der erste der runter stieg, dicht gefolgt von Harry. Je tiefer sie kamen, desto wärmer wurde es. Sie kamen endlich unten an, doch Harry konnte seinen Augen kaum trauen bei dem was er da, zwanzig Meter unter der Erdoberfläche sah. Dumbledore hätte keinen gefährlicheren Weg auswählen können.

Dort war ein breiter Fluss, doch anstelle von Wasser floss glühend heiße, rotgelbe Lava im Flussbett. Auf diesem Fluss waren Boote und es war unmöglich zu sagen aus welchem Material sie gefertigt waren, denn normalerweise wären sie geschmolzen und im Fluss versunken. Diese Boote glitten jedoch sanft auf der Oberfläche als wäre der Fluss aus Wasser.

Harry und Snape nahmen in einem der Boote Platz das von einem buckligen Mann geführt wurde. Harry verhüllte sein Gesicht so gut wie möglich und wunderte sich ob der Bootsführer Mensch oder irgendeine andere Kreatur war. Der Mann erinnerte ihn sehr stark an einen Dementoren, jedoch ließen diese ihn frieren und traurig werden und hier unten war es unerträglich warm.

Auf beiden Seiten des Ufers und an der Decke sah Harry riesige Fledermäuse und andere unbeschreibbare Lebewesen. Der Bucklige sagte: „Ruhe jetzt! Wir wollen die Biester nicht aufwecken." Die Biester schienen von den Booten jedoch keine Notiz zu nehmen.

Plötzlich begann der Bootsführer wieder zu sprechen: „So meine Herren… Es würde mich sehr interessieren zu wissen wer Sie beide sind. Ich bin Gottfried und arbeite schon mein ganzes Leben hier unten. Dieser Ort gefällt mir sehr gut und ist wie ein Zuhause für mich."

„Wir wollen nicht erkannt werden. Wir sind auf einer geheimen Mission für den Dunklen Lord. Er will dass wir Harry Potter finden und ihn zu ihm bringen", obwohl Harry sein Gesicht nicht sah, erkannte er Snapes Stimme.

„Oh ja. Wir alle wollen Harry Potter tot sehen. Lassen Sie uns nur hoffen, dass er den Dunklen Lord nicht wieder zerstören wird."

Snape erwiderte: „Und jetzt seien Sie bitte still, wir möchten uns ausruhen!"

„Sicher mein Herr", meinte Gottfried und verstummte.

Harry war überrascht wie gut die Schwarzen Zauberer über Voldemorts Rückkehr und seinen Plan Harry umzubringen Bescheid wussten.

Die Zeit verging und auf einmal verschwand der glühendrote Fluss in schwarzem erstarrtem Gestein.

Harry und Snape stiegen aus dem Boot und gingen entlang am linken Ufer nebeneinander her. Sie mussten steinige Wege hinter sich bringen und es schien Ewigkeiten zu dauern, bis sie endlich ihrem Ziel näher kamen. Nach einigen Stunden endete der Weg und vor ihnen befand sich nichts anderes als eine schwarze, glatte Rutsche.

„Bereit für den letzten Teil der Reise, Potter?"

Harry nickte nur und wartete darauf, dass Snape ihm erklärte was zu tun war, doch alles was Snape tat war sich hinzusetzen und die Rutsche runterzurutschen. Ohne lange zu zögern tat Harry es seinem Professor gleich und folgte ihm. Die Rutsche war sehr hart und unbequem. Nach einigen Minuten schmerzte Harrys gesamter Körper. Die Rutsche hatte viele Kurven und Loopings.

Die Rutsche nahm ein plötzliches Ende auf das Harry nicht vorbereitet gewesen war und so landete er mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Er schmeckte Blut und wusste dass seine Nase blutete und dass seine Brille schon wieder kaputt war. Er holte seinen Zauberstab raus und murmelte „Reparo" und die Gläser wurden wieder ganz.

Snape nahm Harrys Umhang und mit einem groben Handgriff half er ihm wieder auf die Beine. Harry war verschwitzt und mit Dreck bedeckt. Er war sehr müde und freute sich schon sehnlichst auf das Ende ihrer Reise. Harry sah ein großes schwarzes Tor vor ihm. Snape berührte es sanft und das Tor öffnete sich. Sie gingen durch und kamen an eine breite schwarze Straße.

„Willkommen in der Schwarzen Allee Potter!"

Harry war über die plötzliche Freundlichkeit seines verhassten Lehrers erstaunt. Als Snape weiterging musste Harry laufen um mit ihm Schritt zu halten.

Nach einem kurzen Moment standen sie vor einem riesigen dunklen Haus. Snape klopfte an die Tür und niemand geringeres als Ron Weasley, Harrys bester Freund, erschien.

„Heya Harry!! Wie war deine Reise? Wieso bist du so dreckig? Bist du nicht per Portschlüssel hergekommen?"

„Eigentlich… nein. Wir sind durch die Unterwelt gekommen. Ich wusste nicht dass es einen anderen Weg hierher gibt!"

„Durch die Unterwelt? Cool, das musst du mir unbedingt erzählen!" sagte Ron aufgeregt.

„Moment mal…!"

Harry drehte sich zu Snape um und starrte ihn voller Wut an.

„Wieso sind WIR nicht per Portschlüssel hergekommen??"

„Oh, ich muss vergessen haben Ihnen zu sagen, dass es EINFACHERE Wege gibt um hierher zu kommen. Es tut mir ja SO furchtbar leid, dass Sie so eine schlimme Reise hatten, wenn ich doch nur die PORTSCHLÜSSEL nicht vergessen hätte! Aber egal, Sie haben doch auch nicht nach einem einfacheren Weg gefragt, oder? Ich schäme mich aber SO SEHR!", sagte Snape voller Sarkasmus und grinste zufrieden.