Der Hausverwalter hatte die gesamte Zeit am Flughafen gewartet

Der Hausverwalter hatte die gesamte Zeit am Flughafen gewartet. Immernoch musste er an die seltsamen Bilder denken, die ihm seit gestern im Kopf herum spukten. Ein blonder Mann mit einem entsetzten Gesichtsausdruck, ein pinkhaariger, junger Mann, nicht das der Blonde sehr viel älter wirkte, und ein Sofa. Aber in der Luft! So was konnte es nicht geben!
Aber was ihm am meisten zugesetzt hatte, war ein gewisser Blick gewesen. Er hatte sich zwar nichts anmerken lassen, aber dieser Blick hatte ihn am ganzen Körper zittern lassen. Seine Nackenhaare hatten sich aufgestellt und er wäre am liebsten zur Tür raus gerannt, um nie wieder etwas mit der Person zu tun, zu haben, die diesen Blick in seine Richtung geworfen hatte. Zu dumm nur, dass diese Person Herrn Yuki gewesen war. So konnte er sich nur innerlich freuen, dass dieser in der nächsten Dreiviertelstunde abreisen würde.

Und da kam er auch schon. Natürlich hatte er sich ein normales Taxi genommen, um nicht zu sehr aufzufallen. Aber trotzdem konnte man, wenn man Herrn Yuki einigermaßen kannte, ihn in jeder Stadt ausfindig machen. Seine Art schien die Taxen, die er benutzte förmlich zu verfärben.
Um diese Färbung allerdings zu sehen, musste man einen Blick, eine Geste oder ein Wort aus seinem Mund gehört oder gesehen haben.

Das gemeinte Taxi fuhr die Auffahrt zu den Parkplätzen des Flughafens hoch. Und wirklich. Zwei Minuten später stiegen drei, dem Verwalter mehr oder weniger wohl bekannte Personen aus.
Der blonde Schriftsteller, der pinkhaarige Junge, oder dochlieber Mann? Na ja egal. Auf jedenfall stieg auch dieses Mädchen aus, welches bei der Ankunft von Herrn Yuki nicht dabei gewesen war.

Yuki wollte möglichst kein Aufsehen erregen. Vor gut einer Woche hatte in England ein wichtiger Buchkongress statt gefunden und der Tatsache, dass einige Leute die restliche Woche genutzt haben könnten, um England ein bisschen zu erkunden, war er sich wohl bewusst. Ganz im Gegenteil zu Shuichi. Der war überglücklich wieder zurück nach Tokyo, seiner Musik, Hiro und NG zu kommen und schien sich über die Gefahr, erkannt zu werden, keine Gedanken zu machen.

Und da war ja auch noch diese verfressene, kleine Nervensäge! Das sie noch nie einen Flughafen von innen gesehen hatte, geschweige denn ein Flugzeug konnte man an ihren Augen ablesen.
Yuki erinnerte sich noch genau an die Augen, welche er bei ihrem ersten Zusammentreffen gesehen hatte. Wie hatte er sie noch gleich beschrieben?.

Sie strahlten eine gewisse Zuversicht aus, doch diese wurde durch Hoffnungslosigkeit und dem Wissen einer unendlichen Qual stark getrübt.

Jetzt strahlten die selben nussbraunen Augen eher Erwahrtung und Neugier aus.

Der Schriftsteller schüttelte den Kopf um diese Gedanken endlich los zu werden.
Ohne den Verwalter eines Blickes zu würdigen, riß er selbigem die Tickets aus der Hand und ging weiter in Richtung Gepäckabgabe. Shuichi und Chino warfen sich einen verdutzden Blick zu, entschieden aber jeder für sich, dass dieses Verhalten Yukis völlig normal war und gingen mit einem „Gomen nasai." weiter.

Zwei Koffer mit den Namen Shindou Shuichi und Uesugi Eiri wurden mit Hilfe des Sängers auf das Fließband geworfen und sofort ging der Schriftsteller ohne ein Wort weiter. Ein Angestellter jedoch hielt ihn auf. „Bitte geben sie ihr ganzes Gepäck ab!" Langsam wurde es Yuki zu bunt. „Wenn sie mich nicht sofort durch lassen, ruf ich die Polzei!", nachdem er diese Worte gesagt hatte, bereute er sie auch schon wieder. Nicht weil es ihm vielleicht leid tat. Nein. Aber er wollte doch eigentlich schnell nach Japan und in seine Wohnung zurück. Nicht schlimm genug, dass ausgerechnet hier ein Buchkongress stattgefunden hatte und seine neusten Bücher zum Verkauf angeboten wurden. Jetzt wurde er nicht nur von einem fernsehsüchtigen Schutzengel, sondern auch noch von einem störenden Angestellten aufgehalten! Langsam reichte es ja wohl! Was hatte er getan, um sich solche Strafen einzuhandeln? Und vorallem! Wer war dafür verantwortlich?
„Bitte Sir, sie können diese CD- Sammlung unmölich als Handgepäck mitnehmen!", der ´Mann zeigte auf einen riesigen Karton, den Shuichi mit Chinos Hilfe gerade mal so tragen konnte.

Oh, nein! Die hatte er ja ganz vergessen! „Shuichi leg die CDs auf das Fließband!", ohne seinen Augen den verwunderten Ausdruck zunehmen, legte Shu die Sammlung auf das Band. „Nun gehen sie mir aber aus dem Weg!", der Angestellte schaute Yuki nur ein wenig erschrocken an, bevor er zur Seite sprang und alle durch ließ. Chino hatte den genervten Gesichtsausdruck auf Yukis Gesicht gesehen und wollte ihn wieder ein wenig glücklich stimmen. Mit einem kleinen Schlenker ihres Arms und ein wenig Konzentrazion, tat sie etwas, was der Angestellte niemals vergessen würde und was der Grund zur verspäteten Abreise des ungeduldigen Schriftstellers führen sollte. Sie folgte ihrer Lieblingsbeschäftigung und ließ einen Gegenstand schweben. Welchen war ihr recht egal. Das es sich dabei um den Koffer von Shuichi handelte auch. So ging es aber nicht allen.

Die Flughafenpolizei, die gerufen wurde, nachdem ein Passagier gehört hatte, dass ein Mann ohnmächtig geworden wäre, gehörte zu solchen Leuten.
Der Romanautor hätte den Beamten am liebsten seinen Ausweis unter die Nase gehalten und ihnen gesagt, dass er auf der Rückreise sei und nicht belästigt werden wolle, aber das konnte er Shuichi nicht an tun. Sollten sie diesen fragen woher Chino kam, konnte sein Geliebter in ernsthafte Schwierigkeiten kommen. Die würden ihn doch glatt wegen Kinderschmugel anzeigen. Obwohl viele Leute sagten, sie wären Schwulen gegenüber tolerant, gab es immernoch genug Vorurteile.
So musste sich der preisgekönte Romanautor von der Polizei in ein Nebenzimmer bringenlassen.

„Also", ein Polizist baute sich breitbeinig vor Yuki auf, „wie lautet ihr Name und was können sie mir über dieses Ereignis erzählen?" Shuichi und Chino versteckten sich schüchtern hinter dem Schriftsteller. Wenn der Polizist rausbekäme, dass Yuki und Shu ein Paar waren, würde dieser sich natürlich sofort fragen, wer Chino war. Eigentlich hatte Shuichi kein Problem Menschen der Öffentlichkeit zu sagen, das er mit dem blonden Schriftsteller zusammen war, aber dieses Mal ...
„Was geht sie mein Name an? Ich möchte sofort wieder gehen!", auch der Romanautor schien die brennzlige Situation bewusst zu sein. Er wollte sich vor den Polizisten bloß nicht verplappern, wenn er so richtig sauer war, konnte er allerdings für nichts mehr garantieren. Ein zweiter Blaumann zog sein Funkgerät und sagte: „Tower?" „Ja, hier Abflugtower S19!" „Bitte halten sie den Flug A17 nach Tokyo City auf, der in 10 Minuten abfliegen soll!" „So",der erste Polizist grinste, „Also? Wir können sie auch in Handschellen abführen und ins Gefängnis stecken!"

Es ist zwar eine gängige Methode der Polizei, Leute unter Druck zu setzen, aber man sollte sich immer bewusst sein, dass es ein Unterschied ist, ob man einen erwachsenen Mensch, oder einem zu klein geratenen Schutzengel unter Druck setzt.

Die zweite Kategorie verträgt das nicht ganz so gut wie die erste.

Zwei aufblitzenden Augenpaare waren das letzte was die Polizisten sahen, bevor sie sich laut gackernt auf dem Boden wieder fanden. Chino starrte sie mit einem Gesichtausdruck an, der Yuki an ein Kind erinnerte, dem man das liebste Spielzeug wegnehmen will.
„Verschwinden wir besser!", Shuichi hatte recht. Wie lange dieser Zauber hielt war fragwürdig. Immerhin würde Chino sich bald verwandeln.
Den Gedanken daran verdrängte Yuki allerdings erfolgreich.

Schnell schnappte er sich das Funkgerät und sprach laut und mit verstellter Stimme : „Tower?" „ Ja, hier Abflugtower S19!" „Sagen sie dem Piloten vom Flug A19 nach Tokyo City er soll die Maschine schon mal heiß laufen lassen! Gleich kommen noch die drei letzten Passagiere an Bord!" „Habe verstanden! Freuen uns auf die drei!" Mit einem Knacks war die Verbindung unterbrochen.
Ohne die gackerden, nach imaginären Würmern pickenden Polizisten weiter zu beachten, rannten sie zu ihrem Flugzeug. Den Bus hatten sie ja leider verpasst.

Und wirklich. Fünfzehn Minuten später drehten die Propeler des Flugzeug und es startete in Richtung Japan.

Die drei lezten Passagiere setzten sich auf ihre Plätze. Erste Klasse natürlich. Bis auf sie saß nur ein älteres Ehepaar im Abteil.
Chino war so aufgeregt, dass sie während der ersten halben Stunde nur auf Shuichi einplapperte.
Dieser versuchte anfangs ihre Fragen zu beantworten, aber irdendwann verstrickte er sich in den Vokalen und Wörter, sodass er nur noch irgendwelche Satzstücke daher redete. Chino bemerkte nicht einmal Shuichis Versuche ihr zu antworten.

Der Mann, welcher ihr gegenüber saß, schaute von Minute zu Minute wütender.
Irgendwann platzte ihm dann doch der Kragen: „Können sie denen nicht sagen, dass sie ruhig sein sollen? Sie stören!" Yuki sah ihn desinteressiert an. Was ging ihn dieser alte Mann an?
„Was die beiden machen, geht mich nichts an." „Unternehmen sie doch was!" „Wieso?"
„Weil ihre Geschwister.." „Falsch." „Ihre Geschwister.." Falsch." „Was fällt ihnen ein immer falsch zu sagen? Haben sie gefälligst Respekt!" „Sie sind nicht meine Geschwister!", dieser Mann hatte keine Ahnung! Immer diese intoleranten...
Er durfte sich von denen nicht provozieren lassen. Der Mann wollte es wissen? Na gut dann würde er es ihm sagen. Er würde sich an dem Gesicht das dieser machen würde weiden.
„Darf ich ihnen meinen Geliebten vorstellen? Shindou Shuichi!", mit diesen Worten schnappte sich Yuki ein Handgelenk von Shuichi und zog ihn eng an sich. Der Mann starrte die beiden entsetzt an.
Nachdem Yuki die Handgelenke von Shu wieder losgelassen hatte, schwiegen alle.

Nach ungefähr einer Stunde begann ein Liebesfilm. Chino und Shuichi heulten um die Wette, während der kritische Schriftsteller versuchte ein wenig Schlaf zu finden. Er hatte in den Ferien nicht gerade viel geschafft und er musste sein Buch in drei Wochen fertig haben, da kontte er sich nicht so einen unrealistischen Quatsch ansehen.

Nach einigen Stunden, setzt das Flugzeug zur Landung an. Wie immer kommen die üblichen Anweisungen ' Verhalten sie sich ruhig , bleiben sie auf ihren Sitze und schnallen sie sich an.'

Yuki, der in Gedanken schon ein Taxi bestellt und die Rufnummer durchgeht, wird allerdings noch etwas unsanft aus seinem Halbschlaf gerufen: „Wir haben eine Meldung für einen gewissen Yuki Eiri erhalten. Ein Seguchi Thoma möchte, dass sie sich kein Taxi nehmen, sondern in seine Limosine, die vor dem Flughafengebäude steht, steigen.

Natürlich ging jetzt ein gemurmel durch das Abtei der anderen Passagiere. Yuki Eiri, der berühmte Schriftsteller war an Bord!

Nachdem das Flugzeug gelandet war, versuchten Yuki, Shuichi und Chino unbemerkt zu entkommen. Zum Glück sah sie niemand!
Als sie am Ausgang ankamen stand da wirklich eine schwarze Limosine. Der Fahrer hielt eine Tür auf. Als alle drei eingestiegen waren, fuhr die Limo sofort los. Nicht zu spät. Schon war eine aufgeregte Menge im anmarsch.
Chino sah sich in der Limo erst einmal um. In so einem Auto war sie noch nie gefahren.
Ein hellblonder, junge Mann sah sein Gegenüber aufmerksam an. Wechselte dann kurz in Richtung Chino und wieder zurück. „Schön das du wieder in Japan bist Eiri. Wer ist den das kleine Mädchen?"