Tear me apart – Fortsetzung
Kapitel 4
Freunde
Snape war fort. Hermine hatte sich immer davor gefürchtet, dass das passieren würde, seitdem ihr bewusst geworden war, dass sie mehr für ihren Professor empfand, als sie eigentlich wollte.
Es war nicht ihre Schuld gewesen, dass alles so gekommen war, schließlich hatte sie das Heiratsgesetz des Ministeriums in eine abstruse Situation gezwungen, die vollkommen unangebracht war, zumindest für das Verhältnis zwischen einem Lehrer und seiner Schülerin. Das Einzige was sie sich vorwerfen konnte, war nur, dass sie versucht hatte, das Beste aus der Situation zu machen, was gehörig schief gegangen war. Doch nun hatten sie über Umwege zueinander gefunden und gelernt, sich aufeinander einzulassen. Es war eine schwere Zeit gewesen, aber letztendlich hatten sie es überstanden.
Jetzt, der Krieg stand unmittelbar vor dem Ausbruch, war der Moment der Wahrheit gekommen. Hermine war alleine mit ihren Ängsten und ihren Sorgen. Sie musste Entscheidungen treffen. Es gab Dinge, die sie zu tun hatte, Dinge, die sie von ihrem Schmerz ablenken sollten, sofern das überhaupt möglich war.
Abwesend stand sie im Bad und schmiedete Pläne. Als sie sich jedoch vor dem Spiegel hin und her drehte und ihren weichen, angreifbaren Körper darin sah, verließ sie der Mut. Das magische Tattoo auf ihrer Haut, das ihr etwas über Snapes Verbleib verraten sollte, war nur noch schwach zu erkennen.
Sie fröstelte. Wie würde sie das, was ihr bevor stand, nur ohne ihn meistern können? Er hatte ihr immer Kraft gegeben. Alleine durch seine unbeugsame Haltung und die Stärke, die in seinem Blick lag. Nach allem, was sie zusammen erlebt hatten, war Snape immer noch ein Wunder für sie, das sie womöglich nie verstehen würde. Er war voller Passion und Leidenschaft und hatte ihr in den letzten Wochen so viel Liebe und Respekt entgegen gebracht, dass sie gar nicht wusste, ob sie das überhaupt verdiente. Vermutlich würde er immer ein Mysterium bleiben. Doch er war es wert, ihre Liebe zu besitzen. Vor allem aber war er es wert, dass sie an ihn glaubte.
Hermine legte die Hand auf ihren Bauch. Wie sollte sie ohne ihn die Schwangerschaft und die Geburt ihres gemeinsamen Kindes überstehen? Sie brauchte Hilfe und hoffte inständig, dass sie diese auch finden würde.
Traurig biss sie sich auf die ohnehin schon geschundene Lippe und schmeckte Blut. Vor ihr lagen einige Herausforderungen, die sie überwältigen musste; sie hatte ihre Freunde und den Schulleiter aufzusuchen und einige elementare Botschaften zu überbringen. Die Frage, die sich ihr nun stellte, war nur, ob sie es schaffen würde, sie auch richtig zu vermitteln.
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„Wow, du bist tatsächlich schwanger", stellte Ginny klar. „Von Snape."
Sichtlich belämmert ließ sie sich neben Hermine auf das Sofa sinken und legte den Arm um sie. Sie war irrsinnig aufgeregt, als sie Hermine in den Kerkern besuchte und davon erfuhr.
Hermine unterdrückte ein Grinsen und nickte.
„Ich weiß, das ist ganz schön verrückt."
„Allerdings." Sie zog die Stirn kraus. „Und? Wie geht es jetzt weiter?"
Hermine zuckte mit den Schultern. „Wenn ich das nur wüsste. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ausgerechnet mir mal so etwas passieren würde."
„Kann ich mir vorstellen. Wie hat er denn darauf reagiert? Oder weiß er etwa noch gar nichts von seinem Glück?"
Hermine winkte ab. „Severus hat es inzwischen weitaus besser aufgenommen, als ich dachte. Genau genommen hat er es sogar vor mir gewusst."
„Was? Wie das denn?"
Sie seufzte. „Er ist nicht blöd, Ginny. Wahrscheinlich ist er sogar der klügste Zauberer den ich kenne, mal abgesehen von Dumbledore."
„Schon. Aber wie hat er es herausgefunden?"
Hermine schüttelte den Kopf. „Er war ganz schön durch den Wind und faselte irgendwas von alter Magie. Doch da wir ohnehin schon genug Probleme hatten, habe ich nicht weiter nachgehakt."
„Alter Magie?"
Sie nickte. „Weißt du, als wir damals meine Eltern besucht haben, ist etwas Seltsames zwischen uns passiert. Ich habe mich regelrecht auf ihn gestürzt ..."
Ginny rollte mit den Augen. „Als ob das was Neues wäre, Hermine."
Sie funkelte Ginny an, ohne näher darauf einzugehen. „Na ja, jedenfalls haben wir in dem Bett, das Dumbledore mir geschenkt hat, miteinander geschlafen. Und da hat es gefunkt."
„Gefunkt?"
„Ja. Magie eben."
„Aha."
Hermine seufzte und legte ihre Finger in den Schoß.
„Ich weiß selbst, dass ich mich hätte zurückhalten sollen, okay? Aber was soll man da machen? Ich bin absolut scharf auf ihn."
„Ja, das ist mir nicht entgangen. Die Blicke, die du ihm während des Unterrichts zuwirfst, sind eindeutig."
Hermine schluckte. „Tatsächlich?"
Sie nickte wortlos.
„Wie dem auch sei", warf Hermine schnell ein, „er ist auch nicht ganz unschuldig daran, dass das passiert ist."
„Nein. Sicher nicht. Aber du hast dich nicht gerade bemüht, ihm fernzubleiben."
„Was soll das jetzt wieder heißen?"
Ginny legte den Kopf schief. „Komm schon, Mione. Wir reden hier über Snape. Du weißt, dass ich mir wirklich Mühe gebe, dich und eure Situation zu verstehen. Aber ein Kind zu bekommen ist wirklich keine Kleinigkeit. Ich meine, versteh das nicht falsch, ich finde Kinder toll, aber in Hinsicht auf das was Snape so durchmacht, ist der Zeitpunkt nicht gerade sehr günstig."
Hermine senkte bedrückt den Blick. „Ich weiß zu schätzen, dass du ihn in Schutz nehmen willst. Und das ganze wäre nicht passiert, wenn ich ihn nicht angelogen hätte."
Ginny blinzelte. „Wie meinst du das?"
„Ich habe dir doch erzählt, dass ich alles tun würde, um ihn davon abzubringen, sich aufzugeben. Und das habe ich auch gemacht."
„Oh."
„Ja."
„Du meinst ..."
„Genau. Als ich vorgetäuscht habe, Schwanger zu sein, ist ihm nichts Besseres eingefallen, als mich tatsächlich zu schwängern."
„In dem Bett, das Dumbledore dir zur Hochzeit geschenkt hat."
Sie nickte.
„Das – das ist wirklich schräg", stammelte Ginny unbeholfen.
„Hmmm. Soviel zur Magie, richtig?"
„Richtig."
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Dass sie so frei mit Ginny reden konnte, erleichterte Hermine die Situation ungemein. Schwieriger wurde es da schon bei Harry und Ron. Mit einem mulmigen Gefühl betrat sie den Gemeinschaftsraum der Gryffindors - nicht ohne Grund, wie sie bald feststellen sollte, denn das Gespräch, das sie mit ihren Freunden suchte, verlief nicht so, wie sie es geplant hatte.
„Wann hast du nur angefangen, diesen Kerl zu mögen?", fragte Harry ungläubig.
Er klang beinahe so, als wäre er beleidigt, dass sie ihre Freizeit fast nur noch in den Kerkern bei Snape verbrachte. Sie konnte es ihm nicht einmal verübeln, nachdem sie sich so lange schon so rar gemacht hatte.
„Ich – ich weiß es nicht, Harry", stammelte sie unbeholfen. „Ich kann es dir nicht genau erklären. Es ist einfach passiert. Wir hatten jede Menge Differenzen, aber das ist jetzt anders. Ich verstehe ihn, zumindest einen Teil von ihm. Er hat mich an sich heran gelassen und ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann."
Ron rollte mit den Augen, als er das hörte. Dennoch schien er sich immer noch ganz gut im Griff zu haben. Anders als Harry, der eindeutig wütend war.
„Verdammt, Hermine! Weißt du überhaupt, von wem du da redest? Es ist Snape! Er hat uns jahrelang das Leben zur Hölle gemacht. Weißt du denn nicht mehr, was er alles zu dir gesagt hat? Du kannst ihm nicht vertrauen!"
„Nein, Harry!", zischte sie bissig zurück. „Du irrst dich. Und zwar gewaltig! Ich liebe ihn. Und es wird Zeit, dass du das endlich begreifst."
Er warf ihr einen finsteren Blick zu. „Du kannst ihn nicht lieben!"
„Als ob du das beurteilen könntest ..."
„Es geht um Snape, Hermine. Er ist einfach … anders. Man kann ihm nicht trauen, also, was erwartest du da von mir?"
Sie blinzelte ihn mit Tränen in den Augen an. „Er würde alles für mich tun, wenn er nur die Wahl hätte. Aber die hat er nicht, weil sie ihn sonst töten würden."
Er schüttelte den Kopf. „Das ist mir gleich. Ich will nichts davon hören."
Sie zog die Nase hoch. „Das solltest du aber. Voldemort ist auf dem Vormarsch. Er wird seine Armee auf Hogwarts loslassen …"
Endlich hatte sie seine Aufmerksamkeit erregt. „Was? Hat er dir das etwa gesagt? Was weißt du noch darüber? Wir müssen es sofort Dumbledore erzählen …"
Sie schüttelte ihre wilde Mähne und hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Er weiß es. Dumbledore weiß es."
Harry legte die Stirn in Falten. „Trotzdem müssen wir ihn warnen. Wenn Snape seine Finger im Spiel hat, kann nichts Gutes dabei heraus kommen ..."
Hermine riss wütend die Augen auf. „Hast du denn nicht zugehört? Er weiß was vor sich geht, Harry. Mach endlich die Augen auf! Dumbledore hat Severus über all die Jahre hinweg nur benutzt."
„Ich kann nicht glauben, wie du ihn verteidigst, Hermine. Er war ein Todesser und wenn man einmal ein Todesser ist, ist man für immer einer. Du kannst nicht einfach damit aufhören. Sie würden jeden töten, der sie verrät."
„Genau darum geht es ja. Er spioniert für Dumbledore, aber Voldemort denkt, dass er auf seiner Seite ist."
„Das kannst du nicht wissen! Wahrscheinlich macht er uns allen nur was vor."
Sie seufzte. „Warum hasst du ihn nur so sehr?"
Er zuckte mit den Schultern. „Er ist Snape. Genügt dir das nicht mehr als Antwort? Du warst immer derselben Meinung. Hast du denn vergessen, wie er uns behandelt hat?"
„Das mag ja sein, Harry, aber jetzt hat sich alles geändert. Sei doch mal ehrlich, was weißt du schon über ihn, außer den Dingen, die du dir über ihn zusammengereimt hast?"
„Ich muss nichts über ihn wissen, um festzustellen, dass er ein Arsch ist."
Hermine atmete tief ein, um sich zu sammeln. Sie wusste, dass sie so nicht weiter kommen würde.
„Ich brauche ihn, Harry", sagte sie schließlich. „Severus ist mein Mann, ob es dir nun passt, oder nicht. Du hattest genug Zeit, dich damit abzufinden. Sieh den Tatsachen ins Auge. Dumbledore benutzt ihn, um an Informationen über Voldemort ran zu kommen. Unser Schulleiter ist nicht der Mann, für den du ihn hältst. Er ist kalkulierend und wenn es um Hogwarts geht, kennt er keine Gnade. Er würde jeden von uns opfern, um diesen Krieg gegen Voldemort zu gewinnen. Aber ich kann das nicht zulassen. Ich trage meinem Mann gegenüber eine Verantwortung. Außerdem fürchte ich, Voldemort wird ihn töten wird, sobald er seiner überdrüssig ist. Und das muss ich verhindern."
„Umso besser für uns", murmelte Harry verhalten dazwischen, „dann müssen wir uns nicht die Hände schmutzig machen …"
Hermine starrte ihn an. Sie wollte nicht glauben, was sie da soeben gehört hatte.
„Was sagst du da? Harry! Weißt du, was du mir damit antust? Ich brauche ihn! Wir alle brauchen ihn. Er hat dein Leben gerettet, öfter als du es dir vorstellen kannst. Jeden Tag hat er riskiert umzukommen, um Dumbledore Informationen zu beschaffen, die er brauchte ..."
„Das glaubst du doch nur, weil du mit ihm schläfst!", rief Harry verbittert dazwischen. „Vermutlich hat er dich irgendwie unter Drogen gesetzt, damit du ihm das abnimmst ..."
Entrüstet stemmte Hermine die Hände in die Hüften und schnaubte. „Harry, du bist mein Freund! Denk in Zukunft gefälligst darüber nach, was du mir damit antust, bevor du so etwas über ihn sagst. Andernfalls sind wir die längste Zeit Freunde gewesen."
Harry rollte mit den Augen, entgegnete aber nichts darauf und so fuhr sie fort.
„Severus würde mich nie mit Absicht verletzen. Niemals! Hörst du?"
„Was macht dich da so sicher?"
„Weil ich weiß, dass er mich liebt."
Sie musste nicht lange überlegen, um die Gelegenheit zu nutzen, das vorzutragen, was ihr auf dem Herzen lag. Es passierte viel schneller, als sie gedacht hätte.
„Und weil ich ein Kind in mir trage."
Plötzlich kam Aufruhr in die kleine Runde. „Was?"
Hermine wusste nicht, wer von beiden zuerst gesprochen hatte, doch weder Harry, noch Ron waren auf das vorbereitet, was sie ihnen gesagt hatte. Sie senkte den Blick und grub ihre Fingernägel nervös in die Oberschenkel.
„Von wem?", fragte Ron verdattert.
Sie seufzte. „Was glaubst du denn?"
„Dieses Schwein! Was hat er dir nur angetan?", rief Harry wütend und ballte die Hände zu Fäusten. „Ich bringe ihn um!"
Er wollte aufstehen, doch Ron hielt ihn am Kragen zurück. „Harry, lass sie wenigstens ausreden", sagte er mahnend und packte ihn noch fester, als er im Begriff war, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen.
Hermine wischte sich eine Träne aus dem Auge. Sie wusste, dass Harry es nur gut meinte, auch dann, wenn er vollkommen auf dem Holzweg war.
„Das wirst du nicht tun", entgegnete sie traurig. „Du brauchst auch gar nicht nach ihm suchen, er ist nämlich nicht da."
Ron starrte sie sprachlos an und kämpfte immer noch damit, Harry auf seinem Platz zu halten.
„Er hat dich geschwängert und dann sitzen lassen?", fragte er baff und ließ schließlich von Harry ab.
Sie rollte mit den Augen. „Nein, du Idiot! Er hatte keine andere Wahl, er musste fort."
„Das verstehe ich nicht", murmelte Ron nachdenklich, während Harry seine Schuluniform in Ordnung brachte.
„Ich sagte euch bereits, dass er sein Leben für uns alle riskiert. Jeden Tag, ohne zu wissen, was ihn erwartet."
„Also ist es wirklich wahr?", fragte Harry mit hochrotem Kopf. „Du bekommst ein Kind von … Snape?"
Sie nickte. „Ja.
Ron pfiff durch die Zähne. „Wow."
Harry rieb sich immer noch angesäuert die Knöchel.
„Ich kann es einfach nicht glauben. Du heiratest Snape und jetzt bist du von ihm schwanger. Tut mir leid, Hermine, aber das ist eindeutig zu viel. Das passt einfach nicht zu dir ... Bitte entschuldige mich …"
Mit wackeligen Beinen stand er auf und wollte gehen. Nur Ron blieb bei ihr sitzen. Sein Gesicht wirkte ganz grün.
„Das ist echt heftig, Mione."
Sie ignorierte ihn mit den Augen rollend und wandte sich schnell an Harry, bevor er entwischen konnte.
„Warte! Du kannst mich jetzt nicht einfach hier sitzen lassen, ohne dass wir das geklärt haben, Harry! Weißt du denn nicht, dass ich deine Hilfe wirklich brauche? Meinst du, es ist mir leicht gefallen, hier her zu kommen und dich um Hilfe zu bitten, obwohl ich weiß, wie sehr du ihn hasst? Aber ich habe keine andere Wahl. Ich kann das nicht alleine durchstehen!" Sie senkte die Stimme und plapperte gedankenverloren weiter. „Ich habe Angst. Ich möchte nicht, dass ihm etwas zustößt, obwohl ich weiß, dass es fast unumgänglich ist. Er glaubt fest, dass er in diesem Krieg sterben wird. Und das zerreißt mich! Wir alle hatten ihm gegenüber nichts als Vorurteile. Denk nach, Harry! Er hatte nie eine Chance, weil niemand von uns ihm je eine gegeben hat. Aber ich brauche ihn. Ich möchte nicht, dass sein Sohn ohne seinen Vater aufwächst!"
Ron starrte sprachlos zwischen ihnen umher. Harry aber stand einfach nur da und hatte die Augen geschlossen, während er sie anhörte.
Endlich lockerten sich seine Fäuste und er streckte die Finger.
„Einen Sohn? Ihr werdet einen Sohn haben? … Du und Snape?"
Sie nickte, den Blick auf ihre zitternden Hände gesenkt.
„Das ist verrückt", murmelte er leise. „Das ist wirklich verrückt!"
Hermine lächelte gequält. „Ich weiß. Aber ich liebe ihn so sehr, dass es kaum eine Rolle zu spielen scheint. Und er liebt mich. Das musst du mir glauben."
Ihre Augen hatte etwas Wehmütiges in ihrem Inneren, als sie sie zum Fenster gleiten ließ und hinaus blickte, als würde sie hoffen, ihn dort zu sehen.
„Severus hatte nie eine Chance, Harry. Jetzt endlich bekommt er sie. Er hatte eine furchtbare Kindheit. Niemand kann sich auch nur ansatzweise das vorstellen, was er durchmachen musste."
„Die hatte ich auch, Hermine", entgegnete er eisig. „Ich bin ebenfalls ohne meine Eltern aufgewachsen, wenn du dich erinnerst."
Sie schüttelte den Kopf. „Aber deine Eltern haben dich von Anfang an geliebt. Er hingegen hatte niemanden. Er wurde immer nur gehasst. Sein Vater war grausam zu ihm und seine Mutter war nicht in der Lage, ihn vor ihm zu beschützen. Im Gegenteil! Sein ganzes Leben war er auf sich allein gestellt, ohne jemanden zu haben, der ihm je etwas gegeben hat. Keine Fürsorge, kein Verständnis, nichts." Sie schluckte traurig. „Vermutlich würde er dich dafür umbringen wollen, dass ich dir das sage, aber ich möchte, dass du versuchst, ihn zu verstehen, weil du mein Freund bist. Er hat Gründe dafür, dass er so verschlossen und verbohrt war ..."
Harry räusperte sich. „Er ist verbohrt, Hermine. Ganz gleich, was auch immer du in ihm siehst, er ist einfach anders."
„Weil er es sein muss. Er hat keine Wahl, glaub mir. Aber er ist nicht immer so. Nicht in meiner Gegenwart. Er ist so fürsorglich und zärtlich, dass …"
Ron würgte plötzlich. „Jetzt mach aber mal halblang! Ich glaube, das reicht, findest du nicht? Wir müssen das alles erst mal verdauen, Hermine, bevor du uns mit weiteren Details fütterst."
Sie blinzelte unsicher zwischen ihnen umher. „Ja, wahrscheinlich. Ich möchte nur sichergehen, dass ihr versteht, wie sehr ich ihn liebe."
Harry schüttelte den Kopf. „Verlang das nicht von mir, Hermine. Ich kann ihn nicht leiden, ganz egal, was du über ihn sagst."
Ron nickte zustimmend. „Harry hat recht. Wir können nicht einfach vergessen was er getan hat. Ich habe dir letztes Mal nur geholfen, weil es mir um dich ging."
Hermine legte ihm die Hand auf den Arm und sah ihn eindringlich an. „Und das weiß ich zu schätzen, Ron. Wirklich."
Er lächelte mit hochroten Wangen. „Wenn du mich brauchst, werde ich für dich da sein, Mione. Immer. Aber erwarte nicht, dass ich das für ihn tue."
Harry stöhnte auf und zerwuschelte sich mit den Fingern die Haare. „Ich bin derselben Meinung. Wenn ich euch helfe, dann nur deinetwegen." Nachdenklich schüttelte er den Kopf. „Ich hoffe inständig, der Kleine gerät nach dir, sonst tut er mir jetzt schon leid ..."
Hermine schluckte ihre Tränen hinunter, stürzte nach vorne und fiel ihm um den Hals.
„Oh, Harry! Danke!"
Er klopfte ihr zaghaft mit der Hand auf den Rücken. „Snape also?"
Sie nickte. „Ja, Snape. Für immer."
