Zusammenfassung: Ron wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und muß sich entscheiden. Doch wird er auch die Konsequenzen ertragen können?
Hinweis: SLASH Wenn ihr nicht wisst, was das ist oder es nicht mögt - dann weg hier!
Disclaimer: Alle Personen etc. aus dem HP-Universum gehören JKR - mir leider nur die künstlerische Freiheit schnüff
(Obwohl ich - wenn ich könnte - Draco für immer ans Bett fesseln würde ggg)
Ich werde mich bemühen, jede Verwendung anderer Literatur (orig oder ff) entsprechend zu kennzeichnen. Sollte mir allerdings mal etwas durch die Lappen gehen, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich dies dann nachholen kann.
Für ihre Kommentare und ihren kritischen Blick ein riesiges Dankeschön an meine Beta-Leserin Visiongirl76.
Allen Reviewern gebührt natürlich auch mein herzlichster Dank.
Wenn Dich die Vergangenheit einholt...
Kapitel 4 - Richtungswechsel
Er hatte das zerknüllte Stück Pergament in seinen Händen bestimmt tausendmal gelesen und jedes Mal steigerte sich seine Wut noch mehr. 'Wie kann er es nur wagen, meine Loyalität zu hinterfragen?' Wenn man es genau nahm, hatte Lucius zwar Recht, doch trotzdem ärgerte sich Draco über das Verhalten seines Vaters.
Draco war gerade in Rumänien angekommen und hatte sich ein Zimmer in einem der Städtchen nahe dem Austragungsort für die Quidditch-Weltmeisterschaft genommen. In einer Schlucht am Fuße des Pietrosu[1], wo Transsylvanien und die Karpaten ineinander übergehen, herrschte jetzt reges Treiben. Vorbereitungen aller Art wurden getroffen, um die nach und nach eintreffenden Zuschauer, Spieler und Persönlichkeiten willkommen zu heißen. Er hatte wirklich Glück gehabt, noch ein Zimmer in einem der etwas besseren Unterkünfte bekommen zu haben.
'Was man hier eben so besser nennen kann,' spottete Draco innerlich voller Verachtung. Er war bei weitem besseres gewöhnt als eine schummrige Kammer mit nicht mehr als den nötigsten Gegenständen. Aber er hatte mittlerweile auch schon schlimmere Übernachtungsmöglichkeiten gehabt. 'Wenigstens ist es hier einigermaßen sauber und ich habe mein eigenes Bad.'
Nicht weit von seiner momentanen Bleibe entfernt, jenseits der Bicaz-Klamm, lag das Drachen-Reservat am Lacul Rosu[2]. Draco konnte nicht verstehen, wieso das Internationale Quidditch-Komitee es zuließ, eine Weltmeisterschaft in der Nähe von so vielen Drachen auszurichten. Sie wurden zwar ständig bewacht, doch es konnte immer mal einer der Drache entwischen. Zudem gab es ja auch immer noch einige frei lebende Tiere in den Bergen.
Für Draco war diese kurze Reichweite allerdings mehr als angenehm. So konnte er sich neben seiner sich selbst auferlegten Pflicht auch noch ein wenig seinem Lieblingssport widmen. Allerdings bezweifelt er, dass er allzu viel Freude daran haben würde, wenn man den Worten seines Vaters glauben durfte...
Lucius... Sein Uhu hatte ihn vor gut einer halben Stunde erreicht. Draco schlenderte gerade eine der Strassen entlang, um sich ein genaueres Bild von seiner Umgebung zu machen, als der Vogel seines Vaters auf ihn hinabgestürzt war. Alle Leute um ihn herum erschraken und sahen Draco mit großen Augen an, als dieser mit lautem Gekreische umflattert wurde.
Das allein genügte, um Draco's Stimmung erheblich zu verschlechtern. Er hatte eigentlich vorgehabt, sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Schließlich war der Ruf der Malfoy-Familie nicht nur in England und Schottland berüchtigt. Selbst hier, in dieser entlegenen Gegend, konnte es immer jemanden geben, der ihn erkennen würde, vor allem bei so internationaler Gesellschaft. Was für ein heilloses Durcheinander das geben würde, wenn man ihn verdächtigen würde, etwas im Schilde zu führen. 'Bin doch schließlich nicht mein Vater!' Draco müsste mit Sicherheit so einiges erklären, wozu er jedoch im Moment absolut noch nicht bereit zu war. Das Ministerium würde bestimmt wissen wollen, was er, dessen Vater Voldemort's rechte Hand war, bei der Weltmeisterschaft zu suchen hatte. Höchstwahrscheinlich würden sie ihn für einen Vorboten halten, der die Lage auskundschaften sollte. Draco schüttelte den Kopf. 'Wie lächerlich. Aber es ist einfach noch nicht die Zeit dafür, meine Rolle in diesem Krieg offen zu legen.'
Also packte er den Vogel und strebte geradewegs auf seine Unterkunft zu. Sein Gastwirt murmelte etwas unverständliches, als er den immer noch mit den Flügeln schlagenden Raubvogel sah, ließ Draco jedoch ansonsten in Ruhe. Auf seinem Zimmer angekommen, nahm er dem Uhu den Brief vom Fuß und setzte ihn auf den Sims des offenen Fensters. Jetzt endlich hatte er die Privatsphäre und Ruhe, die Nachricht seines Vaters zu lesen. 'Dämlicher Vogel!' dachte Draco mit einem gehässigen Blick auf das Tier, bevor er sich dem Schriftstück zuwandte.
Im Großen und Ganzen besagte die Nachricht seines Vaters, dass er es nicht wünsche, so viele Tage kein Sterbenswörtchen von ihm zu hören. Und dass Draco sich bewusst machen sollte, wem er verpflichtet sei.
Draco schnaubte nur. 'Als ob er wüsste, was es bedeutet, ein Spion zu sein.'
Er nahm sich ein Stück Pergament aus der Schublade des Schreibtisches, der in seinem Zimmer stand, und begann eine Nachricht für seinen Vater zu schreiben.
Vater,
ich würde es bevorzugen, wenn Du mich nicht mehr kontaktieren würdest. Eine Eule von Dir ist bei meiner Arbeit nicht besonders hilfreich. Deine 'väterliche' Fürsorge ist hier wirklich nicht angebracht.
Vielleicht folgst Du einfach mal Seinem Beispiel und schenkst mir ein wenig Vertrauen.
Eventuell werde ich mir Dein kleines 'Feuerwerk' ansehen. Ansonsten sollte unsere Kontaktaufnahme so gering wie möglich gehalten werden.
Draco
Er wusste, dass sein Vater mal wieder toben würde, wenn er Draco's Antwort erhalten hatte. Doch es war ihm mittlerweile egal. Lucius musste langsam lernen, dass sein Sohn auf seinen eigenen Füßen stehen konnte und nicht mehr in seinem Schatten stand. Lucius hatte kein Recht dazu, ihn herumzukommandieren. Voldemort hatte seine Bedingungen akzeptiert. Warum konnte es sein Vater nicht?
Aber bald würde er sich um diese Dinge keine Gedanken mehr machen müssen. Er war seinem Ziel so nah... Wenn er den schwarzen Diamanten erst einmal hatte, würde er seinem Vater zeigen, wie sehr er ihn hasste. Ihn und seine Todesser, die nichts anderes waren, als Stiefellecker eines Möchtegern-Allmächtigen.
Draco musste mehrmals tief durchatmen, bis er sich innerlich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Er hatte nicht bemerkt, dass seine rechte Hand sich zu einer Faust geballt hatte und seine Fingernägel die Haut seiner Handfläche durchbrachen. Ein einzelner Blutstropfen fiel auf den Holzfußboden in seinem Zimmer.
Sein Vater schaffte es immer wieder, Draco's Hülle zu durchbrechen und sein Innerstes zu durchwühlen. Wie einfach das für Lucius war, merkte Draco immer dann, wenn er mitten in der Nacht schweißgebadet aufwachte, weil er die Erinnerungen aus seiner Vergangenheit nie ganz loswurde. Und jedes Wort von seinem Vater war wie ein scharfes Messer, das versuchte, die so sorgsam errichtete Hülle Draco's wieder zu zerstören. Es wurde endgültig Zeit, dass dies alles aufhörte. Der letzte Schritt zu seiner vollständigen Freiheit war vielleicht nur einen Besenwurf von ihm entfernt und er verschwendete seine kostbare Zeit mit Gedanken an seinen Erzeuger.
Draco überflog noch einmal die Worte und rollte dann das Pergament zusammen. Der Uhu seines Vaters hatte gewartet. Anscheinend erwartete Lucius seine umgehende Reaktion. Draco's Mundwinkel zuckten belustigt, als er überlegte, die Nachricht erst später abzuschicken, nur um seinen Vater noch ein wenig mehr zu verärgern. Doch schließlich entschied er sich dagegen, da eine Verzögerung nicht in seinen Plan passte. Er wollte noch vor dem ersten Spiel der Weltmeisterschaft das Reservat besuchen und Erkundigungen einholen. Das könnte ihm einen entscheidenden Vorteil bringen.
Er band die Schriftrolle an das Bein des Uhus und schaute diesem nach, wie er langsam in der Wolkendecke verschwand. Draco war froh, dass der Vogel seines Vaters gewartet hatte, somit brauchte er seinen eigenen Silberfalken nicht losschicken. Er würde ihn wahrscheinlich noch für Dringenderes benötigen, als eine belanglose Nachricht zu seinem Vater zu schicken.
Als wenn er gewusst hätte, dass Draco gerade an ihn dachte, tauchte Alrakis[3] zwischen einigen Felsformationen auf. Er näherte sich mit extremer Schnelligkeit, um dann scharf abzubremsen und sanft auf Draco's ausgestrecktem Arm zu landen. In seinem Schnabel befand sich eine Eidechse, die er sich wohl als Zwischenmahlzeit ausgesucht hatte. Draco stricht dem Falken besinnlich über das weiche Federkleid und setzte ihn auf eine große Holzstange neben der Eingangstür zu seinem Zimmer. Alrakis begann, seine Beute stückchenweise zu zerreißen und Draco beschloss, dass er ihn während dieser Prozedur lieber allein ließe. Er hatte sowieso noch einiges zu erledigen...
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Es war schon später Vormittag, als Ron sich endlich bequemte, aus dem Bett zu steigen. Er war zwar schon seit einiger Zeit wach, doch er hatte noch ein wenig seinen Gedanken nachgehangen und war noch einmal alle Punkte für die Quidditch-Weltmeisterschaft durchgegangen. Er war zwar gut vorbereitet, trotzdem machten ihn die Verantwortung und das in ihn gesetzte Vertrauen etwas nervös.
Desweiteren wünschte er sich, dass das bevorstehende Gespräch mit Hermine schon vorbei wäre. Er hatte wirklich keine Lust auf lange Diskussionen, wusste jedoch, dass es genau darauf hinauslaufen würde. Jedes mal wenn er daran dachte, verkrampfte sich sein Magen und ihm wurde speiübel.
Irgendwie schienen alle Gedanken momentan einen negativen Beigeschmack zu haben, also versuchte Ron, seinen Kopf von diesen unangenehmen Gedanken zu befreien und einfach noch etwas zu entspannen. Das war schließlich etwas, was er in den nächsten Wochen nicht so häufig machen konnte.
Ron schlief wieder ein und als er aufwachte war es schon weit nach 11 Uhr. Ron sah erschrocken auf die Uhr. 'Wann wollte Hermine wieder hier sein? Um 12 Uhr?' Mit einem lauten Stöhnen ließ sich Ron wieder in die Kissen zurückfallen. Vorbei war es mit seiner Ruhe. Er gab sich einen innerlichen Ruck und schlurfte Richtung Badezimmer...
Als Ron nach einer guten halben Stunde in die Küche ging, um sich Frühstück zu machen, bemerkte er nicht, dass jemand auf einem der Stühle saß und ihn beobachtete.
Als er sich schließlich umdrehte, fiel ihm vor Schreck der Becher Kaffee aus der Hand.
"Hermine!" schrie Ron. "Bei den Gründern, warum musst Du mich so erschrecken?" Fluchend suchte er nach seinem Zauberstab, bis ihm einfiel, dass er diesen auf dem kleinen Tisch im Schlafzimmer hatte liegen lassen. Frustriert schnappte er sich einen Lappen und begann, den verschütteten Kaffee aufzuwischen und die Scherben vom Boden einzusammeln.
Hermine antwortete jedoch nicht. Als er wieder vom Boden aufblickte, bemerkte Ron, dass sie ziemlich blass aussah. "Ist irgendetwas passiert?" Nun war er doch ein wenig besorgt.
"Es... es kam in den Muggel-Nachrichten. Eine... Explosion... in einem Pariser Vorort. Laut dem Nachrichtensprecher geht man von einer defekten Gas-Leitung aus... Aber als ich die Bilder sah... wusste ich sofort... dass dies das Werk der Todesser war..." Die ganze Zeit sprach sie mit gesenkter Stimme und schaute dabei aus dem Fenster, hinaus auf die Bäume, die langsam aber stetig ihre Blätter verloren. "Ich kenne den Ort... Ich habe dort nach Hogwarts ein halbes Jahr verbracht, um einfach mal auszuspannen und etwas anderes zu sehen... Erinnerst Du Dich?" Als sie Ron nicken sah, fuhr sie fort. "Es leben dort Muggel und Zauberer zusammen... Man hat sich dort miteinander verständigt und akzeptiert den anderen..."
"Was ist passiert?" fragte Ron. Eigentlich gehörten Angriffe der Todesser zu ihrem Tagesgeschäft. Es war nichts neues, auch wenn es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden war. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum Hermine so aufgebracht war.
"Sie haben die Schule in die Luft gesprengt, Ron!" Hermine war aufgestanden und schrie ihn an. "Die SCHULE! Fast alle Kinder waren dort!" Die Tränen liefen ihr in Strömen über das Gesicht.
Ron wusste nicht, was er antworten sollte. Auf der einen Seite war er geschockt über die Nachricht, andererseits befanden sie sich im Krieg. Aber für ihn enthielten Hermines Erläuterungen allerdings noch eine weitere wichtige Information: Es ging wieder los! Wochenlang hatte sich auf beiden Seiten fast nichts getan und jetzt plötzlich dieser Angriff. Was würde das für die Weltmeisterschaft bedeuten? Innerlich fing Ron an, die Pläne für die Wachposten zu verändern, um eventuellen Angriffen aufgrund von Insider-Informationen zuvorzukommen. Automatisch war er in seinen Strategen-Modus gefallen.
Hermine bemerkte seine nachdenklichen Gesichtszüge und stutzte. "Hast Du mir überhaupt zugehört?" kreischte sie.
Ron schrak aus seinen Gedanken und starrte sie mit großen Augen an. "Natürlich habe ich Dir zugehört."
"Dann sag mir bitte, warum Du diesen Blick aufgesetzt hast, als würdest Du ganz weit weg sein." Ihre Stimme hatte einen gefährlichen Unterton angenommen, den sie immer hatte, wenn ihr etwas nicht passte. "Ich kenne Dich, Ron Weasley, also raus mit der Sprache!"
"Ich..." Ron kannte diesen Blick in Hermine's Augen, nur allzu oft hatte er ihn in letzter Zeit gesehen, immer wenn sie sich stritten. "Ich dachte nur an die Konsequenzen für die Weltmeisterschaft." Ron schluckte. Er wusste, dass dieses Thema Hermine zur Weißglut treiben konnte.
"WAS? Ich erzähle Dir hier von einem schrecklichen Angriff auf dutzende von Kindern und Du denkst an Quidditch? Das ist ja nicht zu fassen. So etwas Unsensibles wie Dich habe ich ja noch nie erlebt."
Jetzt reichte es Ron. Er war ja schon einiges von Hermine gewöhnt, aber irgendwann platzte auch ihm der Kragen. "Würdest Du mal wieder von Deinem hohen Ross herunterkommen? Ich habe keine Ahnung, was Dich als Miss Taktvoll qualifiziert, aber jetzt gehst Du entschieden zu weit. Schließlich habe ich in Rumänien für die Sicherheit zu sorgen."
"Du und Deine verdammte Weltmeisterschaft. Seit Wochen dreht sich alles nur noch darum. Es gibt auch noch andere Dinge im Leben, Ron!"
"Und das sagt gerade diejenige, die kaum noch zu Hause ist und am liebsten 36 Stunden am Tag arbeiten würde." Der verachtende Ton in Ron's Stimme war nicht zu überhören und Hermine's Augen zeigten, wie sehr er sie getroffen hatte.
"Das ist nicht fair..." wisperte sie. "Du weißt, dass sich mich in Herausforderungen verbeiße. Ich kann doch keine mir anvertraute Aufgabe einfach ablehnen oder ignorieren."
"Aber ich soll das, ja? Was zum Teufel denkst Du Dir eigentlich? Das ich das alles zu meinem Vergnügen mache? Auch ich habe meinen Platz und meine Pflichten, Hermine, nicht nur Du." Hermine's schuldbewusster Blick verriet ihm, dass er Recht hatte. "Ich kann es einfach nicht fassen." Er ließ sich auf einen der Stühle fallen und raufte sich die Haare.
"Es tut mir leid," flüsterte Hermine. " Ich hatte nicht gedacht, dass..."
"Ja genau," unterbrach sie Ron ziemlich schroff, " Du denkst immer nur an Dich. Alles andere ist nicht so wichtig und unter Deiner Würde und kommt erst viel, viel später." Ron atmete tief durch. 'Jetzt oder nie!'
"Aber weißt Du was, Hermine? Ich habe keine Lust mehr auf Deine Spielchen. Dein ewiges Genörgel geht mir dermaßen auf die Nerven, dass ich es nicht länger aushalte."
So langsam schien Hermine zu begreifen, was Ron ihr da sagen wollte. Mit großen erschrockenen Augen sah sie ihn an. "Was...?"
"Du hast richtig verstanden. Wenn ich wieder aus Rumänien zurück bin, bist Du hier verschwunden." Ron merkte, dass es ihm gut tat, das Gefühlte auch einmal gegenüber Hermine auszusprechen. Sein Puls schien wieder etwas ruhiger zu schlagen und so atmete er einmal tief durch und fuhr wesentlich gefasster fort. "Hermine, hast Du denn nicht gemerkt, dass es zwischen uns nicht mehr funktioniert? Die ganzen letzten Wochen haben wir uns nur noch gestritten. Das ist doch keine Beziehung!"
"Aber..." Nervös blinzelte sie Ron an und versuchte, das eben Gehörte richtig einzuordnen. "Aber... Ich dachte... Warum?"
"Wir haben uns einfach auseinander gelebt, Hermine. Es ist mir nicht leicht gefallen, das einzusehen, doch es hat keinen Zweck, so weiterzumachen wie bisher."
Langsam und fast unmerklich nickte Hermine. "Vielleicht hast Du Recht. Natürlich habe ich es auch gemerkt, aber irgendwie hatte ich noch immer die Hoffnung, alles würde sich wieder einrenken." Ein tiefer Seufzer entwich ihren Lippen und Ron konnte sehen, wie sich ein Gedanke in ihr breit machte. Ihr fragender Blick schien ihn zu durchbohren. "Oder gibt es da etwas, was Du mir verheimlichst?"
Ron schien wie vom Blitz getroffen. 'Es kann nicht sein, dass sie etwas davon weiß. Es ist schon viel zu lange her.'
"Wie... Wie kommst Du denn darauf?" Er versuchte verzweifelt, seine plötzliche Unsicherheit zu verbergen. "Alles was uns beide betrifft, habe ich Dir gesagt." 'Zumindest ist das nicht gelogen...'
Ron musste schwer schlucken, als er in Hermine's Blick sah, dass sie ihm nicht glaubte. "Es wäre schön, wenn Du wenigstens ehrlich zu mir wärst."
Seine Gedanken rasten wie wild. 'Konnte es sein, dass sie wirklich dachte, ich würde sie betrügen? Das ICH zu so was fähig sein könnte?' Ron versuchte, ruhig zu bleiben. Wieso musste sie immer ihm die Schuld geben? Warum konnte sie nicht einmal auch ihre eigenen Fehler eingestehen?
"Ich glaube es ist besser, Du gehst jetzt."
"Aber Du hast gesagt..." Hermine war verwirrt über den plötzlichen Sinneswandel.
"Und jetzt habe ich es mir eben anders überlegt. Pack Deine Sachen und geh, bevor ich etwas tue oder sage, was ich später bereuen könnte." Ron ging an ihr vorbei aus der Küche. Ihm war der Appetit vergangen. Und auf nüchternen Magen war er ungenießbar.
"Bis heute Abend bist Du hier verschwunden." war das letzte, was Hermine von ihm hörte, bevor er die Haustür hinter sich zuschlug.
Ron machte einen kleinen Spaziergang bis zum Park zwei Blocks weiter. Dort setzte er sich auf eine der Parkbänke und genoss die klare Herbstluft. Mittlerweile hatte sich sein Gemütszustand wieder ein wenig gelegt.
'Warum bringt sie mich immer wieder zur Weißglut?'
Er hatte nicht beabsichtigt, so grob zu Hermine zu sein. Er wollte mit ihr in aller Ruhe über die ganze Sache reden und ihr wirklich ein paar Tage Zeit geben, sich eine neue Wohnung zu suchen. Aber sie hatte mal wieder diesen Punkt in ihm gefunden. Sie wusste genau, wie sie ihn bis zum Äußersten reizen konnte. Auch wenn es manchmal nicht beabsichtigt war.
Doch diese Unterstellung war einfach zu viel gewesen. Er war doch schließlich nicht derjenige gewesen, der...
'STOP! Das ist alles längst abgehakt. Beruhig' Dich und konzentriere Dich auf Deine bevorstehende Aufgabe.'
Ron beschloss, seine Gedanken ein wenig abzulenken und den Nachmittag in Muggel-London zu verbringen. Es gab dort immer so herrlich viel zu sehen und seine Stimmung würde sich dort bestimmt wieder aufhellen. Vielleicht würde er auch einfach nur ins Kino gehen, mittlerweile hatte er an dieser Einrichtung einen großen Gefallen gefunden.
Mit einem letzten Seufzer stand Ron wieder von der Bank auf und apparierte in eine der Nebengassen unweit vom Piccadilly Circus.
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Das Kreischen und Fauchen war schon meilenweit zu hören gewesen, doch erst jetzt konnte Draco den Ursprung erkennen. Das Drachen-Reservat war gut gesichert und er konnte nur durch die Bäume, hinter denen er sich versteckt hielt, erkennen, was dort vor sich ging.
Der Weg durch die Bizac-Klamm war einfacher gewesen, als erwartet. Draco hatte zwar ein paar Steinschlägen ausweichen müssen, aber ansonsten war der Flug ohne weitere Zwischenfälle vorübergegangen. Als er dann am Lacul Rosu angekommen war, wusste er erst nicht, wo er nach dem Reservat suchen sollte, bis er am gegenüberliegenden Ufer einen kleinen Tumult bemerkte.
Wären nicht die Schreie gewesen, hätte Draco wahrscheinlich gar nicht weiter darauf geachtet, doch als er näher hingeschaut hatte, sah er, dass die Bäume sich irgendwie unnatürlich bewegten. Es schien fast, als würden sie durchgeschüttelt werden. Gerade in dem Moment, wo sich Draco fragte, was dort wohl vor sich ging, kam ein Rumänisches Langhorn zum Vorschein. Direkt hinter ihm ein Dutzend Zauberer, die verzweifelt versuchten, den Drachen in ihre Gewalt zu bekommen. Anscheinend hatten sie gehofft, ihn durch das Treiben an den See, einkesseln zu können.
Doch der Drache schlug mit seinem Schwanz wild um sich, so dass es den Zauberern nicht gelang, näher an ihn ranzukommen. Jegliche Chancen, den Drachen zu besänftigen, sei es durch Köder oder Beruhigungszauber, und ihn friedfertig ins Lager zu bringen, waren somit verflogen. Zu guter Letzt schien den Hütern nichts weiter übrig zu bleiben, als den Drachen zu betäuben. Ein lautes "Stupefy!", gleichzeitig gesprochen, brachte den Koloss zu Fall, so dass der Boden im Umkreis von einer Meile erzitterte.
Draco beschloss, den Zauberern heimlich zu folgen. Er hoffte, dass sie ihn direkt zu ihrem Camp führen würden. Vielleicht würde er dann noch etwas erfahren, was ihm hilfreich sein könnte.
Die Zauberer hatten ihn direkt zum Reservat geführt. Allerdings war dieses durch jede Menge Schutzzauber gesichert, so dass kein Unbefugter in das Lager kommen konnte. Auf diese Weise konnten die Drachen zudem nicht fliehen. Somit blieb Draco also nichts anderes übrig, als sich außerhalb der Barrieren zu verstecken und abzuwarten, ob sich etwas tun würde.
Wie es der Zufall wollte, sah er nach einer kurzen Weile etwas, das seine Aufmerksamkeit erregte. Zwischen den Häusern im Lager sah Draco plötzlich etwas, was er schon seit langem nicht mehr gesehen hatte. Rote Haare, so grell, dass er sie in jeder Menge sofort hätte herausfinden können, lenkten seinen Blick auf die Gestalt im Halbschatten.
'Das kann nicht sein. Er kann es nicht sein. Was würde er hier wollen?'
Doch dann fiel Draco ein, dass Ron ihm einmal erzählt hatte, dass einer seiner Brüder Hüter in diesem Reservat sei. Und da die Weasleys allesamt bekannt waren für ihre roten Haare, konnte man sie leicht verwechseln, wenn man sie, wie Draco, nur aus der Ferne und im Dunkeln sah.
Die Gestalt trat aus dem Halbschatten heraus und Draco bemerkte, dass er Recht gehabt hatte. Es war nicht Ron.
Er hatte vor Schreck den Atem angehalten und erst jetzt bemerkte er den Mangel an Sauerstoff. Laut atmete Draco aus und zog wieder frische Luft in seine Lungen. 'Wie war noch der Name? Charlie?'
Draco überlegte gerade, ob es eine gute Idee wäre, Ron's Bruder direkt zu fragen, ob er etwas von einem für diese Gegend ungewöhnlichen Drachen wüsste, als ein weiterer Schrei ihn aus seinen Gedanken riss. Sein Blick folgte der unwillkommenen Unterbrechung und er bemerkte einen kleinen Zauberer, der hektisch Richtung Lagereingang rannte.
"Charlie! Ein Unfall! Charlie!"
Draco beobachtete, wie Ron's Bruder dem Zauberer entgegen rannte, als er seinen Namen hörte. Nur ein paar Meter von ihm entfernt kamen beide zum Stehen, so dass Draco ihr Gespräch mit anhören konnte.
"Was ist Barney? Was ist passiert?"
"In der Schlucht..." Der Atem von Charlie's Gegenüber kam in kurzen, heftigen Stößen, als wäre er mehrere Kilometer gerannt. "Am Fuße des...Eddie... Höhle... Feuer..."
Charlie legte eine Hand auf die Schulter des Mannes, den er um mindestens 2 Kopflängen überragte. "Barney, beruhige Dich, tief durchatmen. Ich versteh' Dich nicht ganz. Welche Höhle meinst Du?"
Plötzlich sprudelte alles aus Barney heraus, als ob jemand den Stöpsel bei ihm gezogen hätte. "Eddie und ich... wir haben die Alarmzauber kontrolliert... als sich plötzlich Steine in der Wand lösten... Er, er konnte sich nicht halten... stürzte ein paar Meter in eine Spalte... er lebte noch, als ich losflug, um Hilfe zu holen..."
"BARNEY! WO?" Die Besorgnis in Charlie's Stimme war nicht zu überhören.
Panik stieg in den Augen des kleinen Zauberers auf. "Die Höhle an der Drachensenke..."
Als Charlie hörte, wo der Unfall stattgefunden hatte, wirkte er wie versteinert. "Das Opalauge..."
Draco sah, wie Barney zur Bestätigung nickte, doch er konnte dem Gesagten nicht so recht folgen? 'Opalauge?'
"Verdammt! Wir müssen Eddie da rausholen. Ruf das Rettungsteam zusammen, Barney. Ich flieg voraus." Charlie schien sich wieder gefangen zu haben, denn noch während er dem anderen Zauberer Anweisungen gab rannte er zu einem Schuppen und kam mit einem Besen wieder. "Wir müssen das Opalauge ruhig stellen. Solange es in der Senke haust, ist es zu gefährlich. Aber während der Brutzeit können wir es auch nicht wegschaffen."
Und schon war Charlie zwischen den hohen Tannen rund um das Lager verschwunden. Der kleine Zauberer rannte verzweifelt hin und her und rief nach den verschiedensten Leuten, die wohl zum üblichen Rettungsteam gehörten.
Während Draco die Hektik im Reservat verfolgte, begann er so langsam zu begreifen, was er da soeben gehört hatte.
'Opalauge! Natürlich! Das Antipodische Opalauge... Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen...?'
Draco sah, dass sich eine kleine Truppe von 6 Zauberern gesammelt hatte und er beschloss, ihnen in sicherem Abstand hinterher zu fliegen. Er musste wissen, wo diese Drachensenke war...[1] Berg in Rumänien
[2] Lacul Rosu – Roter See (Rumänien)
[3] Alrakis - µ Dra, Stern im Sternbild Drache
Anmerkungen: Als Alrakis' Zwischenmahlzeit hatte ich erst ein junges Kaninchen vorgesehen. Aber es ist Visiongirl76 zu verdanken, dass es dann doch etwas anderes geworden ist. ;-) Sie ist völlig vernarrt in diese Tiere und hat mich sehr überzeugend umgestimmt. Wollte mir ja schließlich nicht ihren Zorn aufhalsen... :-D
So, das war's mal wieder. Ich hoffe, ich hab Euch das Warten nicht allzu schwer gemacht. ;-) Und bitte das Reviewn nicht vergessen.
