4.Echte Gefühle?
Auf dem Weg zur Verwandlung blickte Hermine sie eindeutig misstrauisch an. Ginny blieb stehen. „Was ist denn?", fragte sie ungeduldig. „Das frage ich Dich. Irgendwas ist doch mit dir. Du bist total nervös und siehst dich andauernd so komisch um…wirst du verfolgt?" Sie gingen weiter. „Nein, nein.", Ginny schüttelte eilig den Kopf. „Sag´s mir doch! Irgendwas wegen letzter Nacht? Du hast mir immer noch nicht erzählt, was Neville von dir wollte." Ginny wurde rot, und natürlich entging das Hermine nicht. Sie seufzte. „Na schön, Neville hat mich gefragt, ob ich mit ihm ausgehen will." Sie ging schneller. „Warte doch!", rief Hermine. „Neville hat…und was hast du gesagt?" „Ja.", antwortete Ginny, ohne sich umzudrehen. „Das heißt…ihr seit jetzt Freund und Freundin?", fragte Hermine zögernd. Ginny zuckte mit den Schultern. „Wahrscheihnlich." „Das klingt ja seht begeistert!", meinte Hermine.
Ja, das tut es, dachte Ginny. Ich weiß nicht, warum es mich plötzlich stört, mit Neville…zusammenzusein. Aber es stört mich ganz offensichtlich. Vielleicht sollte ich hingehen und es ihm sagen… Aber sie wusste, dass sie dafür zu feige war.
Sie betraten das Klassenzimmer und Ginny verbannte alle Gedanken, die nichts mit dem Unterricht zu tun hatten, in den hintersten Winkel ihres Kopfes. Sie setzte sich neben Lavender und konzentrierte sich auf das, was Professor Mc Gonagall sagte.
„Guten Morgen, Klasse. Bevor wir mit dem Unterricht beginnen, habe ich als eure Hausleiterin noch eine Ankündigung zu machen. Das nächste Hogsmade-Wochenende, also nächste Woche, fällt diesmal aus."
Ginny fiel ein Stein vom Herzen. Ja, sie konnte es sich ruhig zugestehen : Sie war froh, dass sie nicht mit Neville dort hinmusste. Denn dann hätte sie ihm was vorspielen müssen, und das wollte sie ihm auf keinen Fall antun. Sie meinte es ernst mit dem, was sie gesagt hat. Sie fand ihn nett.
Mc Gonagall redete weiter. „Natürlich wird es nicht ersatzlos gestrichen, es gibt eine andere Veranstaltung, an der ihr hoffentlich zahlreich teilnehmt-nein, Ron, es ist kein Winterball oder ähnliches.
Nund denn,", sie räusperte sich und blickte die Klasse prüfend an. „Auf dem zugefrorenen See findet ein Rennen statt." Sofort entstand verwirrtes Gemurmel. Man sollte auf dem See um die Wette rennen, auf dem Eis?!
„ Ihr werdet zu zweit-oder alleine, obwohl mir zu zweit natürlich lieber ist- in Kutschen über den See fahren, die von euren Patronuszaubern gezogen werden. Es ist natürlich etwas schwierig auf dem Eis, aber darin besteht ja die Kunst.", schloss sie spitz. Diese Information nahm die Klasse wohlwollender auf. Ein Kutschenrennen auf dem See war schließlich mal was Neues. „Professor, darf ich mit Dean fahren?", fragte Colin begeistert. „Oh, ich fürchte, das geht nicht, mein Lieber. Es ist schließlich nicht nur zum Vergnügen. Es geht darum, Jungen und Mädchen einander näher zu bringen." Lavender begann neben Ginny laut los zu giggeln. Genervt wandte sie sich ab. Gab es denn gar nichts anderes als Jungs mehr? „Also doch Weihnachtsball….", murmelte Ron hinter ihr düster. Hermine warf Ginny einen bezeichnenden Blick zu und blickte dann in Nevilles Richtung.
Ach du Schande, dachte Ginny erschrocken. Da habe ich mein Problem ja wieder. Nein, nein, es geht wirklich nicht, ich will nicht mit Neville…Er grinste sie vom anderen Ende des Klassenraums an.
Betrübt starrte sie auf das Buch vor ihr. Sie folgte dem Unterricht mehr schlecht als recht, und als endlich Schluss war eilte sie so schnell aus dem Raum, dass Neville keine Chance hatte, mit ihr zu reden.
Sie wusste selber, wie gemein das war, doch auf die Schnelle fiel ihr einfach nichts besseres ein. Sie beschloss, nächstes Wochenende krank zu sein. Dann musste sie nirgends mitmachen und konnte irgendwann ohne schlechtes Gewissen mit Neville reden.
Die Tage vergingen, und bald redeten alle nur noch von dem beforstehenden Rennen. „Und, hat Neville dich schon gefragt?", fragte Hermine sie aufgeregt. „Was? Oh, nein, hat er nicht…", erwiederte Ginny zerstreut. „Wird aber langsam mal Zeit!", sie überlegte. „Er meint, dass er dich kaum noch zu Gesicht kriegt und einfach keinen passenden Moment findet." „Das hat er dir gesagt?", fragte Ginny verblüfft.
„Ja, ja,", Hermine nickte eifrig. „Vielleicht solltest du ihm einfach eine passende Gelegenheit bieten, was meinst du?" Ginny schaute Hermine mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck an und schwieg.
„Oh. Willst du überhaupt, dass…?" fragte Hermine, langsam begreifend. Ginny schwieg weiter. „Aha. Ich weiß zwar nicht, was du plötzlich gegen ihn hast,aber-." „Ich hab´nichts gegen ihn! Es ist nur…", sie brach ab und schwieg wieder.
„Gibt es vielleicht irgendeinen Jungen, mit dem du gerne das Rennen fahren würdest?", fragte Hermine erstaunlich sanft.
Ja, dachte Ginny, genau das war hier die Frage. Und sie wusste es einfach nicht. Jedesmal, wenn sie ihn sah, seine Stimme hörte…da dachte sie manchmal…Und doch wusste sie, was für ein Mensch er war. Arrogant.
Egoistisch.
Gemein.
Fies.
Aber kannte sie ihn deshalb wirklich? Vielleicht war er gar nicht so, wer weiß? Doch das führte nur zu einer weiteren Frage: Wollte sie es wirklich wissen? Wollte sie ihn kennen lernen, wissen, wie er war, eventuell mit ihm Spaß haben? Wollte sie wissen, wer sich hinter den traumhaften, sturmgrauen, wunderschön funkelnden Augen verbarg?
Die Frage war erschreckend leicht. Und die Antwort noch viel schlimmer.
Ja.
Ja, sie wollte ihn kennen lernen, jeden Tag in diese Augen blicken, jeden Tag seine Hände bewundern, sich immer und immer wieder an seiner ganzen zauberhaften Gestalt erfreuen und sie einfach betrachten.
Natürlich würde es nicht leicht werden. Vielleicht mochte er sie gar nicht. Sie wusste auch nicht, wie sie in seiner Gegenwart auch nur einen halbwegs vernünftigen Satz zustande bringen sollte, geschweige denn ein ganzes Gespräch. Auch Harry und Hermine würden darüber nicht sehr erfreut sein, Ron würde sie gleich vierteilen. Sie beschloss, das erstmal für sich zu behalten.
Also,das war´s mal wieder. Freue mich über Rewievs!
