Just One Yesterday
Samstag Morgen war das erste was alle Schüler von Hogwarts sahen die Einladung. Sie war einfach überall: Auf Facebook, Auf Zetteln an den Türen zu den Schlafsälen, auf jedem Teller beim Frühstück, an jeder Tür der Klos, sogar im Treppenhaus am Geländer hing sie.
The Marauders
haben endlich einen Plattenvertrag!
Das muss gefeiert werden!
Wo? Im Silver-Club in Hogsmeade
Wann? Heute Abend ab 19:30
Für Getränke ist gesorgt. Kommt reichlich und bringt Freunde mit!
James&Sirius&Remus&Peter
Noch ehe ich richtig wach war, wusste ich wo Alice und ich heute Abend hin gehen würden.
»Ich geh da nicht hin Lily! Da besaufen sich nur alle, warst du schonmal auf so einer Party? Es ist schlimm dort!«, rief Alice entsetzt aus, als ich ihr von meiner Absicht erzählte, dorthin zu gehen. »Und überhaupt, du magst James doch gar nicht mehr. Was willst du dann auf seiner Party?«
»Die Party ist nicht nur von James!«, antwortete ich beleidigt »Remus zum Beispiel find ich echt nett!«
»Nein Lily! Du kannst dich nicht in jeden Jungen auf Hogwarts verlieben nur weil er gut aussieht und in einer Band spielt.«, warf Alice mir bei meinen Worten vor. Ich sah sie ungläubig an.
»So hab ich das doch überhaupt nicht gemeint! Ich bin kein Stück in irgendwen verliebt!«
Es war 10 Uhr Morgens und wir saßen im Schlafsaal. Clarisse und Megan waren im Bad.
Alice sah mich nun an, als glaube sie mir kein Wort.
»Natürlich nicht Lily. Deshalb bist du auch so sauer gewesen, dass Megan und James geknutscht haben als du ein Date mit ihm hattest.«
»Ich kenne ihn doch kaum.«, verteidigte ich mich erbost »Alles was ich über ihn weiß ist, dass er verdamt gut aussieht und toll singen kann!«
»Manchen Menschen reicht das um sich zu verlieben.«
»So bin ich aber nicht! Ich achte nicht auf so blöde Äußerlichkeiten.«, rief ich beleidigt. »Und ich werde zu dieser Party gehen. Egal was du machst! Ich will nicht als blöde Streberin dastehen die keinen Spaß haben kann. Kannst mich ja gerne alleine lassen, oder vielleicht geht Severus ja mit.«
Alice seufzte und schnappte sich ihr Hand.
»Na schön. Ich werde Frank überreden dass wir mitkommen.«, sagte sie und begann auf ihrem Handy zu tippen.
Zufrieden nahm ich ihre Einverständniserklärung zur Kenntnis.
Den Vormittag verbrachte ich mit Severus in Hogsmeade. Wir Frühstückten im Eberkopf und lachten viel, vermieden aber das Thema was ansonsten alle beschäftigte: Die Party der Marauder.
Ich weiß nicht wieso ich Severus nicht fragte ob er mitkommen wollte, aber irgendetwas hielt mich davon ab. Und er selbst sprach das Thema auch nicht an.
»Weist du denn schon wen du für Kunst zeichnest?«, wollte ich von ihm wissen, als wir uns auf eine Parkbank setzten, die am Weg in Richtung Hogwarts stand. Heute war das Wetter schön, der Himmel war blau und die Sonne schien.
»Nein.«, antwortete er »Ich habe keine Ahnung.«
»Da geht's dir wie mir.«, ehrlich erleichtert darüber, dass ich nicht die einzige war die keine Ahnung hatte, lächelte ich ihn an. »Vielleicht zeichne ich einfach mich selbst.«
Wir lachten. Es tat gut jemanden zu haben mit dem man einfach so lachen konnte, in der Sonne sitzen und den freien Tag genießen.
Obwohl ich eigentlich noch so viel zu tun gehabt hätte. Neben Kunst verlangten sowohl der Chemie-, als auch der Geschichtslehrer bis nächste Woche einen Aufsatz von uns. Aber ich hatte beschlossen mir darüber heute keine Gedanken zu machen.
»Nein ernsthaft, am liebsten würde ich einfach meine Eltern zeichnen...«, beschwerte ich mich weiter über die nervenaufreibende Kunstaufgabe.
»Kann ich verstehen, wenn man so neu ist ist die Aufgabe bestimmt nicht leicht... Kommen deine Eltern Morgen?«, deshalb mochte ich Severus so sehr. Er verstand mich einfach, stimmte mir zu und stellte meine Gedanken nur selten in Frage, aber trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, als würde er alles nur nachplappern. Er hatte schlicht und einfach die selben Ansichten wie ich.
»Jap. Und meine Schwester auch. Was ist mit deinen Eltern?«, ich versuchte nicht allzu unbegeistert zu wirken, bei dem Gedanken an den Besuchstag, aber Severus durchblickte mich natürlich.
»Magst du deine Schwester nicht?«, fragte er erstaunt, ohne auf meine Frage einzugehen.
»Sagen wir es so, ich hasse sie nicht direkt, aber Einzelkind zu sein hätte durchaus seine Vorteile.«, ich grinste ihn frech an. Er lachte.
»Naja, kann ganz schön langweilig werden wenn du immer nur dich selbst zum spielen hast und beide Eltern keine Zeit für dich haben...«, er klang noch nicht einmal besonders niedergeschlagen, viel mehr als erzähle er die tragische Geschichte eines anderen.
»Was arbeiten denn deine Eltern?«
»Meine Mum ist Model und reist ständig durch die Welt und mein Dad arbeitet bei Tesco an der Kasse.«, er sah mich nicht an als er antwortete und ich vermutete stark, dass er nicht gerne über das Thema sprach. Trotzdem war ich zu neugierig um ihn einfach in Ruhe zu lassen.
»Aber verdient deine Mutter nicht genug Geld, damit dein Vater das Arbeiten sein lassen kann?«, ich war wirklich erstaunt. Wie kam es, dass der Vater von einem der Kinder an der teuersten Schule Groß Britanniens in einem Supermarkt an der Kasse stand?
»Es ist kompliziert.«, antwortete Severus lediglich und signalisierte mir damit mehr als deutlich, dass er nichts weiter dazu sagen wird.
»Aber sie kommen Morgen doch, oder?«, fragte ich trotzdem nochmal nach. Er seufzte und sah mich ernst an.
»Hör zu Lily. Meine Eltern haben verdammt viel um die Ohren, sie können es sich nicht leisten alle vier Wochen hier vorbei zu schauen. Meine Mum ist in Paris und hat ein Shooting und mein Dad arbeitet Sonntags manchmal im Lager. Außerdem ist es nicht so, als ob das irgendwie komisch wäre. Du wirst Morgen sehen, dass nur die wenigsten Besuch von ihren Eltern bekommen. Meistens seid es nur ihr Stipendanten deren Eltern sich die Zeit nehmen, wo sie das Geld her haben weiß ich allerdings auch nicht.«, er klang gereizt und seine Worte verletzten mich. Ich ließ mir jedoch nichts anmerken, hatte ich es doch selbst provoziert.
»Entschuldigung, das wusste ich nicht.«, murmelte ich kleinlaut.
Anscheinend gab es eine Menge über die Welt der Reichen, das ich erst noch lernen musste.
Die Zeit die wir brauchten um nach Hogwarts zurück zu gehen verlief schweigend. Mir war es unangenehm, dass ich Severus darauf angesprochen hatte und ich musste ehrlich sein, ein klein wenig verletzte mich auch, was er gesagt hatte.
Als wir in Hogwarts ankamen, blieb mir jedoch keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen, denn Alice rannte mir auf dem Parkplatz entgegen.
»Lily! Da bist du ja! Ich hab eine Überraschung für dich!«, rief sie, schnappte mich und war schon im Begriff wieder davon zu rennen. Ich schaffte es grade so, Severus ein »Wir sehen uns Später!«, zuzurufen, bevor mich Alice einen Gang entlang zog, den ich noch nie zuvor betreten hatte.
»Was ist denn los Alice?«, fragte ich nachdem ich mich von ihr befreit hatte und einfach so neben ihr her hetzte.
»Ich habe DIE Idee wegen der Party nachher!«, erklärte sie mir voller Begeisterung ohne wirklich irgendwas zu erklären.
»Okay? Verrätst du mir auch was?«
»Du siehst es doch gleich! Jetzt sei mal nicht so ungeduldig!«, rief Alice ungeduldig aus.
Tatsächlich waren wir keine fünf Meter Weiter am Ziel angelangt. Hinter einer kleinen Holztür die einsam am Ende des Gangs lag, befand sich ein gut vier mal vier Meter großer Raum.
Ich staunte nicht schlecht als ich die mengen an Kleidern sah die hier an Kleiderstangen aufbewahrt wurden. Es war wie in einem Modegeschäft, nur das eben nichts doppelt hier hing.
»Und ich dachte, Clarisse und Megan hätten viele Kleider.«, sagte ich erstaunt. Alice lachte.
»Willkommen in meinem Privaten Kleiderschrank!«
»Wieso hast du einen eigenen Raum für deine Kleider?«, fragte ich verwirrt und begann mich umzusehen. Alice hatte hier wirklich alle Sorten von Kleidern. Bodenlange in dunklen Farben und kurze in hell. Mit und ohne Glitzer, hoch geknöpft oder so viel Ausschnitt dass ich definitiv nicht genug Brust dafür hatte mit meinem B-Körbchen.
»Das haben alle Oberstufenschüler die Modedesign machen wollen.«, antwortete Alice mir, als wäre es das normalste der Welt.
»Ach.«
Als wir Alices persönliche Kleiderkammer wieder verließen, trug ich ein wunderschönes, kurzes Kleid. Es war weiß und betonte durch den eng anliegenden Rock wunderbar meine langen Beine. Dass ich Obenrum nicht so viel hatte, sah man dank des ziemlich lockeren Oberteils nicht.
Alice trug im Kontrast zu mir schwarz. Das Kleid war ziemlich gegenseitig zu meinem. Es war oben eng geschnitten und fiel in langen wogen schwarzer Seite bis auf den Boden.
»Dazu holen wir uns noch schöne Pumps aus dem Schlafsaal und dann fehlen nur noch Haare und Make Up und wir sind fertig!«, verkündete Alice fröhlich, während wir mit unseren normalen Klamotten in den Armen und Sneakern an den Füßen durch das Schloss liefen.
»Und Abendessen?«, fragte ich und wie zur Bestätigung knurrte auch mein Magen.
»Gibts heute nicht!«, verkündete Alice gut gelaunt.
Letztendlich verbrachten wir knapp 2 Stunden damit unsere Haare und unser Make Up zu machen und sahen am Ende beinahe so aus wie vorher. Meine Haare waren wieder offen, nachdem alle Hochsteckfrisuren nur dazu geführt hatten dass ich unzufrieden war und über Kopfschmerzen klagte. Alice hatte mir ein paar Locken in die Haare gemacht und sich selbst nur an Haargel bedient ehe sie mit ihrer eigenen Frisur fertig war.
Das Make Up war dann schon aufwendiger. Zuerst hatten wir uns beide Smokey Eyes gemacht, doch ich sah damit aus wie ein Racheengel, also hatten wir uns wieder abgeschminkt. Als nächstes hatte Alice mir aufwendig verschiedenste zu meinen Haaren passende Lidschatten aufgetragen und einen wunderschönen Lidstrich gezogen.
Als ich versuchte irgendetwas schönes bei Alice hinzubekommen, kamen am Ende nur Smokey Eyes heraus, allerdings unbeabsichtigt.
Alice schminkte sich wieder ab nur um ihre Augen so zu schminken wie meine, das auch wieder zu entfernen und am Ende sich doch für Smokey Eyes zu entscheiden.
Schließlich war es schon 19:30 Uhr als wir endlich fertig waren und Clarisse und Megan schon seit einer halben Stunde aus dem Schlafsaal.
»Scheiße Alice!«, rief ich erschrocken als ich auf mein Handy sah »Die Party fängt an! Wir werden zu spät kommen!«
Doch Alice lachte mich nur aus. »Die wichtigen Gäste kommen immer zu Spät.«, erklärte sie mir.
Dafür, dass Alice solche Partys nicht mochte, machte es ihr doch ganz schön viel Spaß sich vorher schick zu machen. Ich persönlich wäre dort auch in Jeans und T-Shirt aufgekreuzt, aber laut Alice ginge das ja gar nicht.
In der Eingangshalle trafen wir auf Frank. Meine Füße taten jetzt schon weh, obwohl die weißen Pumps die ich von Alice hatte ''nur'' 10 cm Absatz hatten. Wenigstens hatte Frank ein Auto und wollte keinen Alkohol trinken, da hatten wir eine Mitfahrgelegenheit.
Der Silver-Club lag ziemlich Zentral an der Hauptstraße, war mir zuvor jedoch nie aufgefallen. Lag vermutlich daran, dass er nur Nachts geöffnet hatte.
Wir kamen eine halbe Stunde zu spät, die Musik dröhnte uns schon von weitem entgegen. Es war die typische Club-Musik, die ich eigentlich gar nicht leiden konnte. Electro, Dubstep, House... Ich hatte keine Ahnung worum es sich genau handelte. Die Musik war so untypisch für die Marauder, so anders als die Musik die sie selbst produzierten, dass ich mich einige Sekunden fragte ob wir richtig waren. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand der einen so guten Musikgeschmack hatte, auf einer Party solchen Misst spielen würde.
Der Silver Club machte seinem Namen alle Ehre. Der Innenraum war komplett Silbern. Die Wände waren mit Metall beschlagen, die Türgriffe silbern, der Boden schwarz.
Alice hatte nicht gelogen, als sie gesagt hatte, dass alle so aufgestylt sein würden. Ich sah niemanden der einfach in Jeans und T-Shirt da war, die Mädchen sahen noch aufreizender gestylt aus als im Alltag oder am Präsentationsabend. Was mir sofort auffiel, war die große Zahl an Jugendlichen die Anwesend war. Ganz offensichtlich waren hier nicht nur Hogwartsschüer sondern auch einige Dorfeinwohner und vermutlich auch Freunde von eigenen die von weiter her kamen.
Die Türsteher winkten uns einfach durch als wir den Club betraten. Drinnen folgte ich Alice zu der Bar, an der sich auch Peter und Remus aufhielten.
»Alice! Lily! Schön dass ihr auch da seid!«, begrüßte uns Peter überschwänglich und umarmte uns. Ich merkte ihm sofort an, dass er schon eine ganze Menge Alkohol intus hatte.
»Ja, freut uns auch...«, erwiderte Alice und schob Peter angeekelt von sich. Ich machte mir innerlich eine Notiz sie darauf anzusprechen, warum sie Peter nicht mochte, sobald sich eine Gelegenheit dazu ergab.
»Entschuldigt, Peter verträgt einfach nichts.«, entschuldigte sich Remus für das Verhalten sienes Kumpels.
»Schon okay.«, ich lächelte ihn gutherzig an. War doch wirklich nichts dabei. »Übrigens nochmal herzlichen Glückwunsch zum Plattenvertrag!«, ich wollte noch ein bissiges Kommentar über die Musik die grade lief hinzufügen, aber ich verkniff es mir lieber. Ich war mir nicht mal sicher ob Remus mich verstehen würde. Bei der lauten Musik musste jedes Gespräch sowieso schon brüllend gehalten werden.
Alice drückte mir irgendwann ein Getränk in die Hand, ich glaubte es handele sich um Vodka-Lemon, aber sicher war ich mir nicht.
Alice verabschiedete sich irgendwann mit Frank um in der Menge zu verschwinden und zu tanzen. Ich blieb an der Bar zurück. Zuerst versuchte ich mit Remus zu reden, doch es war einfach zu laut. Irgendwann verabschiedete er sich von mir um Peter aufs Klo zu begleiten.
Nur kurz darauf kam ein Typ zu mir, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er hatte Hellblonde Haare, die kunstvoll von seinem Kopf ab standen, dunkle Augen in der Farbe von Zartbitterschokolade, die in starkem Kontrast zu seinen Haaren standen und mich sofort in seinen Bann zogen. Er war ungefähr einen Kopf größer als ich, unter seinem schwarzen T-Shirt zeichneten sich deutlich die Muskeln ab die er, vermutlich von viel Training, besaß und seine Zähne strahlten weiß als er mich angrinste.
»Noch was trinken?«, fragte er mich und reichte mir ohne meine Antwort abzuwarten ein weiteres Glas Vodka-Lemon. Ich nahm es dankend entgegen.
»Wo kommst du her?«, wollte ich wissen, mir ziemlich sicher, dass er nicht auf Hogwarts war.
»London. Sirius hat mich eingeladen!«, er grinste wieder und erinnerte mich auf gruselige Art und Weise an James.
»Cool. Ich bin übrigens Lily!«, sagte ich und streckte ihm auffordernd meine Hand hin. Er schüttelte sie.
»Sehr erfreut Lily. Ich bin Luke.«
»Lass uns tanzen!«, erklärte ich ihm in einem Anfall von überschwänglichem Bewegungstrank. Ich kippte den restlichen Inhalt meines Glases (Noch beinahe ganz voll) hinunter und begab mich mit ihm auf die Tanzfläche. Ich merkte dass ich bereits gut angetrunken war, Alkohol vertrug ich leider keinen.
Auf der Tanzfläche, die so voll war dass man sich kaum frei bewegen konnte, versuchte ich mich der Musik hin zu geben.
Die Zeit verging. Ich verlor Luke aus den Augen und holte mir noch einen Drink. Immerhin waren sie heute auf Kosten der Marauder.
Als ich mein Getränk – viel zu schnell – geleert hatte erblickte ich ein Vertrautes Gesicht in der Menge: James.
Er tanzte grade mit einem Mädchen aus einer unteren Jahrgangsstufe, sie war mir schon des öfteren auf den Fluren begegnet.
Betrunken wie ich war machte ich mich auf den Weg zu ihnen. Ich tanzte James gekonnt an, was die jüngere Blondine beleidigt reisaus nehmen lies. Tz, man muss doch um das kämpfen was man will!
»Du schuldest mir noch einen Tanz!«, erklärte ich James.
»Wieso?«, fragte er, schien jedoch nicht allzu abgeneigt.
»Anstelle des Dates!«, verkündete ich.
Dann waren wir erst mal beide still und tanzten einfach. Irgendwann legte ich meine Arme um seinen Nacken. Nur ein kleines Stimmchen irgendwo im hintersten Winkel meines Kopfes fragte sich was zur Hölle ich hier grade tat. Doch dieses Stimmchen wurde von dem seltsam aufregenden Prickeln unterbrochen das mich durchfuhr, als James seine Hände auf meine Hüften legte.
Ab da setzte mein Erinnerungsvermögen aus. Am nächsten Tag konnte ich mich nur noch an ein paar Bilder erinnern:
Ich sah in James Augen. Diese wunderschönen Vollmilschschokoladen-Augen und verlor mich selbst darin. Der Moment schien ewig anzudauern. Wir waren immer noch im Silver-Club. Ich hatte keine Ahnung wie lange wir schon tanzten, mittlerweile eng umschlungen. Ich wollte dass der Moment für immer andauerte.
Und dann wie aus dem nichts lagen unsere Lippen aufeinander und wir küssten uns. James Lippen waren ein wenig rau und schmeckten nach Honig und Alkohol. Ich liebte es.
Zuerst war der Kuss vorsichtig, fast zärtlich, aber er wurde immer drängender und heftiger.
Als nächstes befanden wir uns draußen auf der Hauptstraße vor dem Club. Ich lehnte an der Wand des Gebäudes und säße längst auf dem Boden wenn James mich nicht halten würde. In der Hand hielt ich einen weiteren Vodka-Lemon den ich in Rekordzeit drank, wohl wegen des heftigen Durstes vom stundenlangen Tanzen.
Ich wollte James wieder küssen, aber er drehte sich lachend weg, deutete auf das Glas in meiner Hand.
»Erst trinkst du leer.«, ordnete er an. Das Glas war bereits fast leer und ich hatte keinen Durst mehr, also begnügte ich mich damit James Hals zu küssen. Als das immer noch nicht wirkte begann ich ''Blow Me One Last Kiss'' von P!nk zu singen.
Irgendwann gab James nach und küsste mich. Vermutlich lag das auch an meinem nicht grade schönen Gesang. Das Glas fiel klirrend zu Boden, och es interessierte keinen von uns.
Die nächste Szene an die ich mich erinnern konnte, fand wieder im Club statt. Wir tanzten. Über James Schulter sah ich blonde Haare und erkannte Luke. Er sah sauer und verletzt aus, aber ich verstand nicht wieso. Als ich meinen Blick wieder James zuwandte, waren alle Sorgen Vergangenheit.
Irgendwann kam Alice und erzählte mir, dass sie und Frank zum Schloss zurück fuhren. Ich sagte ihr, dass ich bei James bliebe. Ich glaube sie war selber zu betrunken um zu merken wie viel ich getrunken hatte.
Ab da wusste ich gar nichts mehr. Ich bin mir nicht mal sicher ob die Reihenfolge der anderen Bilder stimmt. Ich kann auch nicht mehr sagen wie ich ins Bett kam. Ich weiß nur dass ich am nächsten Morgen mit höllischen Kopfschmerzen sicher in meinem Bett erwachte. Alles was vorher passiert war war aus meinem Kopf verschwunden.
Das Aufstehen war die reinste Qual, aber wenigstens litt ich nicht alleine. Alice stöhnte lauthals über Kopfschmerzen und Megan und Clarisse verkündeten den ganzen Tag im Bett zu bleiben.
Allein der Gedanke, dass meine Eltern und Petunia heute kommen würden, brachte mich dazu aufzustehen.
Im Bad sprang ich zuerst einmal unter die Dusche um die Überreste der letzten Nacht von mir zu waschen. Ich ließ alles Revue passiere, oder zumindest das, an was ich mich erinnerte. Es passte mir gar nicht, das ich vermutlich James würde fragen müssen was genau in der Zeit passiert war, an die ich mich nicht erinnern konnte.
Irgendwie schaffte ich es, dass ich ganz passabel aussah. Es war bereits Zeit zum Mittagessen als ich in die Große Halle hinunter ging, den Vormittag hatte ich verschlafen. Es schien spät geworden zu sein.
Mittagessen bedeutete auch, dass meine Familie kommen würde.
Bereits in der Eingangshalle fiel mir auf, dass es voller war als sonst. Reiche Eltern liefen in schicken Klamotten umher und redeten oft eher halbherzig mit ihren Kindern. Ich sah mich um, doch konnte meine Eltern nirgends entdecken.
Stattdessen sah ich James. Am liebsten hätte ich mich umgedreht und wäre davon gerannt, aber ich wollte nicht zu kindisch rüber kommen, also lief ich einfach an ihm vorbei und murmelte mit hochrotem Kopf »Morgen.«
In dem Moment passierten einige Dinge gleichzeitig. Zum einen betrat meine Familie das Schloss. Dass jeder erkannte zu wem sie gehörten war ohne Zweifel klar. Meine roten Haare hatte ich von meiner Mutter geerbt und meine Eltern trugen beide keine Designer Klamotten. Nur Petunia hätte vielleicht mit den Hogwartsschülern mithalten können.
Das Kleid welches sie trug war rosa farben und so knapp, dass ich fast einen Brechreiz bekam. Ihre Schuhe waren definitiv Höher als die, welche ich am Abend vorher getragen hatte und ihre strohblonden Haaren sahen ausnahmsweise einmal gut aus. Ich vermutete, dass sie sich extra schick gemacht hatte um hier nicht weiter aufzufallen...
Im selben Moment wie meine Eltern die Eingangshalle betraten, zog mich James am Handgelenk zu sich.
»Guten Morgen Schatz!«, er grinste mich frech an und ehe ich's mir versah lagen seine Lippen auf meinen.
Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. Ich wusste überhaupt nicht was das ganze sollte. Ich wusste einfach gar nichts. Also erwiederte ich den Kuss.
Es war anders in in nüchternem Zustand zu küssen, irgendwie... besser! Er schmeckte nicht so sehr nach Alkohol, irgendwie frischer. Ein bisschen nach Minze und Zitrone.
Genießerisch schloss ich die Augen.
»Lily Schätchen!«, unterbrach die fröhliche Stimme meiner Mutter uns. Wir fuhren erschrocken auseinander. Ich versuchte so viel Abstand wie möglich zwischen James und mich zu bringen, doch er hielt meine Hand fest.
»Hey Mum...«, sagte ich lahm zur Begrüßung »Hey Dad. Hey Petunia...«, ich zwang mir ein Lächeln ab.
»Wer ist denn dein Freund? Du hast gar nicht erzählt, dass du einen Freund hast! Oh ich bin ja so froh, dass es dir hier gut geht!«, plapperte meine Mutter munter weiter, während Petunia mich mit Blicken zu erdolchen drohte.
»Er... ich... wir...«, versuchte ich meinen Eltern zu erklären, dass James Potter ganz gewiss NICHT mein Freund war, aber vergeblich.
»Freud mich sie kennen zu lernen Mrs Evans. Ich bin James Potter!«, stellte sich James einfach so vor »Lilys Freund wie sie sich vielleicht denken.«
Oh Erdboden tu dich auf! Dachte ich und flehte zu Gott, dass er irgendetwas unternehmen würde was diesem Wahnsinn ein Ende bereiten könnte.
Ich stieß James sauer den Ellbogen in die Seite, aber die Entzückten Blicke meiner Eltern konnte ich einfach nicht zerstören indem ich ihnen sagte, dass er log. Und außerdem sah Petunia aus, als hätte man Weihnachten abgesagt. Dieser Blick lies sogar für einige Zeit meine Kopfschmerzen verschwinden. Und außerdem, wer wusste schon was Gestern Abend noch vorgefallen war? Vielleicht war ich ja wirklich mit James zusammen und wusste es nur nicht mehr?
»Schön!«, rief ich etwas zu laut und zügelte dann meine Stimme »Jetzt wo wir uns alle kennen, können wir ja etwas essen...?«, eigentlich wollte ich mich nur hinsetzen. Hunger hatte ich sowieso keinen und Appetit schon mal gar nicht.
»Eine sehr gute Idee! Wo gibt es hier denn was zu Essen?«, rief meine Mutter aufgeregt. Ich deutete müde auf die Türen zur großen Halle.
»Da. Sucht ihr euch schon mal einen Tisch? Ich würde gerne nochmal ein Wort mit James reden.«,
Meine Mutter sah aus, als habe ich ihr verkündet dass sie Oma werden würde und sie sich darüber freute. Ganz offensichtlich, dachte sie, wir wollten da weiter machen, wo sie uns unterbrochen hatten. Petunia schien das Gleich zu denken. Ihr Blick sprach jedenfalls dafür. Es war der typische ''Ich töte dich du miese Schlampe! Immer bekommst du die heißen Typen und ich muss weiterhin mit Walross-Vernon ausgehen!''-Blick.
'Walross-Vernon'' war ihr Freund und mit Sicherheit bald Verlobter. Es war das einzige Männliche Wesen was jemals Interesse an ihr gezeigt hatte und das auch nur, weil sie beide sonst niemand anderen abbekommen hätten.
Jedenfalls schienen sie alle zu denken, dass ich Zeit wollte um mit James rumzumachen. Mein Vater warf James einen Blick zu, der wohl sagte »Schwängerst du Lily bist du ein toter Mann!«, und dann verschwanden sie endlich in der großen Halle.
Ich drehte mich zu James um und zog abrupt meine Hand aus seiner.
»Okay. Was ist Gestern passiert?«, rückte ich direkt mit meinem Anliegen raus.
Er sah mich provokant grinsend an. Seine Schokoladen Augen brannten sich in meine Smaragdfarbenen.
»Ich weiß es nicht.«, beinahe, aber nur beinahe, glaubte ich ihm.
»Lügner.«
Wir sahen uns weiter in die Augen. Standen da, mit verschränkten Armen und ineinander verhakten Blicken. Keiner wollte zuerst weg schauen.
»Beweis es.«
»Werde ich«
Wir starrten weiter.
»Ey alter, was geht denn bei euch?«, zeitgleich drehten wir uns zu der Stimme um die gesprochen hatte. Sirius Black lief Kopfschüttelnd an uns vorbei.
»Blickduell, noch nie davon gehört?«, antwortete ich gereizt.
James nahm meine Hand, es sollte wohl beruhigend wirken.
»Ich denke wir sollten deine Eltern nicht noch länger warten lassen, nicht wahr Honey?«
Ich hasste es, dass er mich Honey nannte. Den Namen fand ich furchtbar. Zur Antwort knirschte ich nur mit den Zähnen und zog ihn gezwungenermaßen hinter mir her.
»Wieso denn so schlecht gelaunt heute?«, wollte er in auffällig interssiertem Plauderton wissen. Natürlich war der Ton nur gespielt und es interessierte ihn nicht, oder er wusste es bereits.
»Kopfschmerzen.«, antwortete ich knapp, während ich die große Halle mit meinen Augen nach den Feuerroten Haaren meiner Mutter abscannte.
»So schlimm? Soll ich dir eine Tablette besorgen?«, abrupt hielt ich inne, blieb stehen und drehte mich zu James um. Er war nur wenige Zentimeter von mir entfernt. Ich musste meinen Kopf in den Nacken legen um ihm in die Augen sehen zu können.
»Du kannst auch einfach deine Klappe halten, das wirkt Wunder gegen Kopfschmerzen!«, sagte ich in gereiztem Tonfall.
»Lily hier trüben!«, rief in dem Moment meine Mutter und rettete mich so, vor einer Schlagfertigen Antwort von James, nicht jedoch vor dem was er jetzt tat.
Er küsste mich.
Mit voller Absicht vor den Augen meiner Eltern.
Ich schob ihn unsanft von mir, obwohl mein ganzer Körper nach mehr schrie.
»Nicht hier.«, sagte ich nur knapp mit einem Kopfnicken in die Richtung aus der die Stimme meiner Mutter gekommen war.
Das Essen verlief gut. Zumindest soweit ich das beurteilen konnte. James neben mir aß Gott Sei Dank ganz normal, obwohl ich mir sicher war, dass das Essen so wenig an ihn ging wie an mich. Es kostete mich eine Menge Überwindungskraft mehr als nur einen Salat mit Fettfreier Joghurtsoße zu essen. Es war beängstigend wie sehr ich mich den Lebensstandarts hier schon angepasst hatte, aber ich konnte mir nicht die Blöße geben plötzlich die selben Essgewohnheiten zu haben wie Petunia. Früher hatte ich sie ausgelacht und nicht verstanden wie man auf leckere Pommes verzichten konnte. Aber jetzt, nach nur 3 Wochen, fiel es mir zunehmend schwerer mich daran zu Erinnern weshalb ich dieses vor Fett triefende Essen so lecker gefunden hatte.
Ich fand mich selbst abscheulich für diese Gedanken und vor allem dafür, dass ich mich doch so sehr angepasst hatte, aber das spielte alles nur eine winzige Nebenrolle.
James verstand sich – leider – ausgezeichnet mit meinen Eltern. Sie waren alle beide hin und weg und total begeistert davon, dass James Musiker war.
Man sollte meinen, wenigstens mein Vater wolle seine jüngste, unschuldige Tochter vor dem großen, bösen James beschützen... Doch nichts! Stattdessen fragte er ihn über die Marauder aus.
»Wie soll denn euer erstes Album heißen? Habt ihr überhaupt schon eins in Planung... Ich mein wenn ihr letzte Woche erst die Zusage für den Plattenvertrag bekommen habt?«, ich gebe es ja zu, mich interessierten die Fragen die mein Dad stellte auch, aber er hatte trotzdem kein Recht so einverstanden damit zu sein, dass James mein Freund war.
»Wir haben tatsächlich bereits ein Album in Produktion.«, James lehnte sich zurück und legte wie Selbstverständlich einen Arm um meine Schulter und nahm in die andere Hand meine Hand. Ich hasste ihn dafür und gleichzeitig gefiel es mir auch irgendwie »Der Name ist noch ein Geheimnis, aber ihnen verrate ich ihn natürlich.«, jetzt lehnte er sich wieder nach vorne, nahm den Arm von meiner Schulter, ließ aber meine Hand nicht los. »I solemly Swear That I'm Up To No Good.«, flüsterte er. Petunia hing die ganze Zeit wie gebannt an seinen Lippen. Ich hätte sie am liebsten geköpft, und nur um ihr zu zeigen, dass James ganz und gar nicht ihre Liga war, lehnte ich mich ein Stückchen mehr zu ihm und platzierte meinen Kopf auf seiner Schulter. Musste sie ja nicht wissen, dass er eigentlich auch nicht meine Liga war.
»Oh ich würde euch so gerne einmal Live spielen sehen!«, rief meine Mutter entzückt aus. James lehnte sich derweil wieder zurück und legte erneut einen Arm um mich. Ich schämte mich beinahe dafür, dass wir so kuschelnd hier saßen und meinen Eltern etwas vorspielten.
»Ihr bekommt natürlich VIP Karten für das erste Konzert außerhalb von Hogwarts.«, versprach ihnen James. Er war so verdammt gut gelaunt, dass i rgendein kleiner, verrückter Teil von mir sogar dankbar war. Dank ihm musste ich weniger reden, was wegen der Kopfschmerzen ziemlich gut war.
Gegen Nachmittag schlug James vor nach Hogsmeade zu fahren.
Meine Eltern waren hellauf begeistert von der Idee und so saßen Petunia, James und ich nur kurze Zeit später auf dem Rücksitz unseres Minis.
Hinterher war ich erstaunt und erleichtert darüber, wie Problemlos alles verlaufen war. Wie einfach es war mit James und wie leicht meine Eltern unsere Geschichte glaubten. Gott sei Dank wollte keiner von ihnen wissen, wie wir denn zusammen gekommen waren, denn dann hätten wir vermutlich ein echtes Problem gehabt.
Zum Abendessen gingen wir in die drei Besen und James bestand darauf uns alle einzuladen. In Anbetracht der Tatsache, dass die Preise ungeheuer hoch waren, nahmen sogar meine Eltern dankend an.
Und schließlich sah ich sie in ihrem cremefarbenen Auto wieder davon fahren.
Kaum war das Auto außer Sichtweite drehte ich mich auch schon wutentbrannt zu James um. Wir standen auf dem Parkplatz vor dem Schloss. Es war bereits dunkel, nur eine Straßenlaterne erleuchtete den Platz wo wir standen. Weit und briet waren sonst keine Schüler zu sehen.
»Was fällt dir eigentlich ein? Tust du einfach so, als wärest du mein Freund! Geht's noch!«, dass ich eventuell wichtige Teile von Gestern Abend vergessen haben könnte, verdrängte ich dabei komplett aus meinem Gehirn.
»Wow! Moment!«, rief James erschrocken und hob abwehrend die Hände »Du bist doch diejenige die sich Gestern an mich rangeschmissen hat und mich dauernd küssen wollte«
»Und ich wette du hast die Situation eiskalt ausgenutzt! Ich kann mich nicht erinnern von dir zurückgestoßen worden zu sein!«, ich ließ mir einfach nicht anmerken wie peinlich mir das war. Wenn ich eines nicht sein wollte, dann aufdringlich.
»Wer würde schon widerstehen wenn so ein heißes Mädchen wie du sich an einen ran macht?«
»Jeder verantwortungsbewusste Kerl!«, es war mir so was von egal, dass er mir ein verstecktes Kompliment gegeben hatte. Ich war einfach nur sauer.
»Und mal abgesehen davon, rechtfertigt das noch lange nicht, warum du meine Eltern angelogen hast!«
»du hast mitgemacht!«
»Glaubst du ernsthaft die hätten mir geglaubt, wenn ich ihnen erzählt hätte, dass wir nicht zusammen sind? Nachdem sie gesehen haben wie du mich geküsst hast... wieso hast du das überhaupt getan? Das hast du doch mit Absicht gemacht!«, ich redete mich immer weiter in Rage und James musste meine Hände nehmen um mich zu beruhigen. Nach dem ich den ganzen Tag in seiner nähe verbracht hatte, viel es mir nchtmal unangenehm auf. Es beruhigte mich sogar etwas.
»Ich wollte wissen ob du Nüchtern genauso gut küsst wie wenn du betrunken bist.«, James grinste mich mit diesem berühmtem ''Marauder Grinsen'', wie Alice es nennen würde, an.
»Und was war das Ergebnis deiner tollen Studie?«, fragte ich mit vor Sarkasmus triefender Stimme.
»Dass du nüchtern noch tausendmal besser küsst.«, er lächelte mich an und lehnte sich gefährlich weit zu mir. Beinahe hätte ich ihm geantwortet, dass er nüchtern auch viel besser Küsse, aber ich war noch zu sauer.
»Gute Kostprobe für das, was du in Zukunft nicht haben wirst!«, zischte ich ihm entgegen, befreite in einer eleganten Bewegung meine Hände und trat einen Schritt zurück um wieder einen gewissen Abstand zwischen uns zu bringen.
»Werden wir ja noch sehen!«, antwortete er mir mit einem für meinen Geschmack viel zu selbstüberzeugten Grinsen im Gesicht. »Gehst du mit mir nächstes Wochenende nach Hogsmeade?«
»In denen Träumen!«, antwortete ich aufgebracht.
»Och komm schon Lily! Bitte!«, bettelte er und sah mich mit einem Blick an, der wohl so manches Mädchenherz zum schmelzen gebracht hätte. Nicht aber meines.
»Halt. Deine. Fresse. Potter.«, betonte ich jedes Wort einzeln »Ich werde niemals mit dir ausgehen! Nicht in Tausend Jahren! Du hattest deine Chance und hast sie verkackt! Selbst Schuld!«
»Gestern Abend sah das aber ganz anders aus.«, James grinste mich jetzt anzüglich an. Er verstand wohl einfach nicht wann ein Nein ein Nein war.
»Gestern Abend war ich betrunken! Wenn ich betrunken bin mache ich Fehler!«, antwortete ich gereizt.
»Entschuldige Prinzesschen! Wusste ja nicht dass du so eine Bitch bist wie alle andern hier! Ich hätte dich echt anders eingeschätzt. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich dich gleich abblitzen lassen oder zumindest flachgelegt!«, James sah mich abwertend an und drehte sich dann ohne ein weiteres Wort um und verschwand in der Dunkelheit. Kurz darauf sah ich wie die Tür des Schlosses geöffnet und wieder geschlossen wurde.
Ich blieb sprachlos zurück. Seine Worte verletzten mich mehr als ich jemals zugeben würde. James hatte mir grade gesagt, dass ich kein Stückchen besser war als Megan. Nicht wörtlich zwar, aber ich wusste, dass das gemeint war. Ich hatte mich Gestern Abend tatsächlich wie das größte Flittchen der Welt aufgeführt. Vermutlich hatte mich Gestern niemand von den regulären Hogwartsschülern unterscheiden können. Ich war eine von vielen gewesen. Einfach ein weiteres Mädchen auf James Potters Liste. Ein weiteres Mädchen ohne Bedeutung. Und ich hatte mich grade selbst dazu gemacht.
Um mich vom Wochenende und vor allem von James abzulenken nutzte ich Montag jede freie Minute um mein Bild weiter zu zeichnen. Alice und Severus nahmen langsam Gestalt an und sahen an sich betrachtet auch echt gut aus, aber ich war nicht zufrieden. Mein Bild spiegelte in keinster Weise den Charakter der zwei wieder, obwohl dies doch der Sinn der ganzen Aufgabe war.
Dienstag im Kunst Unterricht begannen wir damit Proportionen von Tieren durchzunehmen. Es war ziemlich verwirrend sich das ganze merken zu müssen, wo man doch grade an einem Projekt arbeitete, bei dem es darum ging, Menschen zu zeichnen.
Ich ging James nach wie vor aus dem Weg, doch es fiel mir nicht schwer. Er schien mich ebenso zu meiden. Unangenehm waren lediglich die Blicke, die die Marauder mir bisweilen zuwarfen. Mit Megan und Clarisse redete ich auch sonst kaum. Wir kamen mittlerweile wieder einigermaßen miteinander aus, aber so wie ganz am Anfang des Schuljahres wurde es nicht mehr. Ich misstraute beiden.
Mittwoch war der Höhepunkte meines Tiefpunktes.
Es fing schon damit an, dass ich aufstand und Alice im Bad traf. An sich noch nicht schlimm oder ungewöhnlich, aber sie fragte mich was los sei.
»Was ist denn in letzter Zeit los mit dir Lily? Du redest kaum, isst viel zu viel und ich sehe ganz genau, dass du James immer wieder Sehnsüchtige Blicke zuwirfst! Erzähl doch mal was da am Wochenende gelaufen ist! Frank hat behauptet er habe euch in der Großen Halle sitzen sehen.«
In einem Punkt hatte Alice recht. Ich aß wieder normal. Für Alice war das natürlich viel zu viel, aber für mich war es völlig normal. Ich hatte es nicht lange durchgehalten mich nur von fettfreiem, kalorienarmen Salat zu ernähren. Mir wurde schwindelig von zu wenig Essen und Kopfweh bekam ich auch noch. Wenn ich dann sowieso schlecht drauf war, aß ich eben wieder mehr.
In einem anderen Punkt hatte Alice vermutlich auch Recht: Dass Frank uns gesehen hatte. Alice selbst war am Besuchertag bereits Morgens mit ihren Eltern nach Hogsmeade gefahren, während Frank in Hogwarts seine Eltern getroffen hatte.
»Nichts.«, antwortete ich Alice allerdings schlecht gelaunt. Ich wollte nicht darüber reden, wollte nicht zugeben wie ich mich bei der Party benommen hatte und wollte erst recht nicht erzählen, dass meine Eltern dachten, ich wäre mit James zusammen.
»Nichts ist was anderes, aber bestimmt nicht das was am Wochenende passiert ist!«, sagte Alice und verschränkte ihre Arme.
Seufzend gab ich nach. Alice war leider die einzige richtige Freundin die ich auf Hogwarts hatte und der ich so etwas erzählen konnte. Severus schien mir seit Sonntag aus dem Weg zu gehen. Ich hatte die unbestimmte Vermutung, dass er James und mich gesehen hatte und etwas falsches dachte.
Ich erzählte Alice alles was vorgefallen war, achtete aber darauf mich nicht ganz so schrecklich dastehen zu lassen.
Am Ende schwieg Alice und sah mich etwas komisch an.
»Du solltest James vergessen. Er spielt mit deinen Gefühlen und will nichts weiter als seinen Spaß, Sex und eine menge Küsse.«, sagte sie schließlich und wandte sich dem Waschbecken zu um Zähne zu putzen.
»Danke, soweit war ich auch schon.«, antwortete ich etwas patzig.
Weil ich so lange geredet hatte musste ich auf eine Dusche verzichten. Meine Haare sahen so schlimm aus, dass ich mich für einen Zopf entschied. In meinem Kleiderschrank fand ich keine Klamotten mit denen ich zufrieden war. Irgendwann beschloss sich einfach eine schwarze Skinny-Jeans zu tragen und ein viel zu großes Fall Out Boy Shirt, welches ebenfalls schwarz war. Dazu noch meine Lederjacke und perfekt war das ''Achtung ich habe so schlechte Laune dass ich nur schwarz trage was meine Seele perfekt widerspiegelt'' – Outfit.
Auf dem Weg durch den Gemeinschaftsraum drehte ich mich grade zu Alice um als ich in eine Person lief. James.
»Pass doch auf wenn du läufst!«, zickte er mich unfreundlich an.
»Kannst doch auch selber aufpassen, es muss nicht immer alle Welt dem großartigen James Potter Platz machen!«, zickte ich genervt zurück und beeilte mich dann abzuhauen und zum Frühstück zu gehen.
»Boah, er ist wirklich so was von nervig.«, sagte ich an Alice gewandt und hörte die Erwiderung von James schon gar nicht mehr.
Beim Frühstück waren die Schokoflocken komplett leer und frische Vollmilch gab es auch keine mehr.
In der ersten Unterrichtsstunde – Literatur – brachte Professor Trelawney mich schließlich dazu, vor meinem Leben zu kapitulieren.
Professor Trelawney ist eine etwas verschrobene Bestseller-Autorin. Sie hat blonde, wilde Locken, eine runde Brille mit dicken Gläsern und kleidet sich etwas Alternativ. Man sieht ihr sofort an, dass sie von der Natur ziemlich begeistert ist.
»Ich habe aufregende Neuigkeiten für euch!«, rief sie mit ihrer rauen, zittrigen Stimme. »Das erste Projekt für ie 12. Klasse Literatur steht an!«, während sie sprach, lief sie nach vorne zu dem Pult in der ersten Reihe an dem Sirius und James saßen. »Ich bin mir sicher, dass sie alle die Aufgabe mit größtem Geschick meistern werden!«, sie tätschelte James Kopf. Ich hätte ja beinahe gelacht, aber so dachte ich nur, dass es ihm recht geschehe. »In fünf Wochen«, erklärte die Professorin und ging nun dazu über auch Sirius' Kopf zu tätscheln. Gleichzeitig fuhr ein Gefühl der Erleichterung durch meinen Körper. Fünf Wochen waren eine Lange Zeit. »In fünf Wochen werden wir einen Poetry-Slam veranstalten!«
Ein stöhnen ging durch die Klasse. Nicht nur dass wir etwas schrieben und vortragen müssten, nein! Ganz Hogwarts würde unser Werk hinterher auch noch bewerten.
»Ich bin so was von aufgeschmissen.«, murmelte Alice neben mir und ich nickte zustimmend. Eine Kurzgeschichte, ein Gedicht oder meinetwegen auch ein ganzes Buch hätte ich mit dem größten Vergnügen geschrieben. Ich hätte es sogar vorgetragen. Aber mir dann antun zu müssen, dass ich wahrscheinlich bei einem Wettbewerb raus flog, noch ehe er richtig angefangen hatte und das sowieso nur weil mich keiner kannte oder mochte. Nein, darauf hatte ich nun wirklich keine Lust!
Chemie bei Professor Slughorn war im Gegensatz zu Literatur dann sogar richtig entspannend. Wir mussten nichts anderes tun als irgendwelche chemischen Formeln von der Tafel abzuschreiben.
Handarbeit – die letzten beiden Stunden Mittwochs – hingegen war Stress pur.
Professor Conners ging mit uns das Programm für Freitag durch, erklärte uns wie wir als Model laufen müssten und besprach welche Musik und welches Licht bei unseren Kleidern sein würde. Es fiel mir schwer mich darauf zu konzentrieren. Am Ende sagte ich einfach dass ich weißes Licht wollte, einfach nur damit die Professorin mich nicht weiter nervte.
Beim Mittagessen überredeten Alice und ich Frank, dass er uns wegen des Poetry Slams helfen sollte. Er lies sich dazu überreden uns ein Gedicht zu schreiben. Als Dankeschön knutschte Alice ihn erst einmal zehn Minuten ab, während ich meine Spaghetti aß.
Nach dem Mittagessen verzog ich mich in die Bibliothek und lernte für den Biologietest den uns Professor Sprout am Dienstag angekündigt hatte. Eigentlich lernte ich nur um nichts anderes tun zu müssen.
Donnerstag ging es ein bisschen besser. Ich zwang mich nicht nur das triste Schwarz zu tragen und zog ein rotes Top an. Der Unterricht bis Nachmittags lenkte mich auch einigermaßen von allen Problemen die die Welt mir auftrug ab, und erinnerte mich daran weshalb ich in Hogwarts war: Um künstlerisch etwas zu lernen.
Der Freitag wurde dann wieder stressiger. Bereits in der ersten Stunde wurden wir gezwungen den Ablauf für den Abend zu proben. Mein einziger Trost war, dass sich die Frage was ich am Abend tragen würde klärte: Mein eigenes Kleid.
Ich möchte euch eigentlich nicht wirklich die Überraschung nehmen wie mein Kleid aussah, aber vermutlich würdet ihr anders nicht verstehen weshalb mich James auslachte als er mich bei der Probe erblickte und weshalb ich auch nicht wirklich glücklich darüber war, dass ich das Kleid tragen musste.
Ich war kreativ gewesen beim entwerfen, aber schön war es dadurch nicht. Das Kleid war komplett Pink, hatte nur einen Träger (auf der rechten Seite) und so knapp, dass es nicht mehr schön war. Meine eigentliche Idee war es gewesen ein Ballett Tütü darzustellen, aber ich war wohl zu müde gewesen um daran zu denken, dass solche Balletanzüge, eben immer eine Hose eingenäht hatten. Dankenswerterweise erlaubte Professor Connor mir, eine enge, kurze Sporthose darunter zu ziehen, aber trotzdem sah man noch viel zu viel meiner Beine. Der Po wurde wenigstens von dem Schleier verdeckt, den mein supergeniales Hirn sich ausgedacht hatte.
Aber nicht nur James lachte mich aus, als ich mit dem knallpinken Kleid aus der Umkleide kam. Eigentlich der gesamte Jahrgang – inklusive Alice – lachte. Ich hätte ja auch gelacht, wenn ich nicht so furchtbar mies drauf gewesen wäre und es mir gewaltig gegen den Strich ging, dass James am allerlautesten lachte. Vielleicht kam es mir auch nur so vor.
»Das Kleid war für jemand Blondes gedacht!«, zischte ich sauer meine Mitschüler an, aber es half nicht viel.
Am Abend wären wir als erstes dran, damit die Kleider noch eine Überraschung blieben für die Zuschauer. Wir versammelten uns auch direkt hinter der Bühne, essen könnten wir auch noch danach.
Alle Schüler, egal welchen Alters, die einen Auftritt hatten, bekamen eine Nummer zugeteilt. In dem Raum hinter der Bühne befanden sich gut 30 oder 40 Stylingtische, solche mit Spiegel, Licht und allem Möglichen Make Up und Frisier-Zeug. Es sah aus wie aus einem Film. Die Sitzplätze waren durchnummeriert und wir durften uns zu dem mit unserer Nummer setzen. Dann kamen extra für den Präsentationsabend engagierte Stylingleute und machten unser Make Up und unsere Haare.
Es war ein total ungewohntes Gefühl für mich, aber irgendwie war es gut.
Das Make Up welches ich schließlich trug fand ich scheußlich und es passte zu dem Kleid, aber ich hatte die Stylistin die sich um mich kümmerte, überzeugen können meine Haare offen zu lassen und keine Perücke aufzuziehen. Wenn ich mir den Schlamassel mit einem Pinken Kleid schon eingebrockt hatte, dann würde ich es auch so gut wie möglich als ich selbst durchstehen. Und was war schon dabei Pink zu roten Haaren zu tragen? Ich trug doch auch sonst Rot um zu provozieren.
Wir hatten zwar vorher geübt wie wir auf einem Laufsteg laufen sollten, doch ich war trotzdem furchtbar nervös. Die Schuhe ie Professor Connors mir gegeben hatte, waren weiße Pumps mit bestimmt 5 cm Plateau und dann nochmal 12 cm Absatz. Insgesamt war ich fast 20 cm größer als sonst, aber mit niedrigeren Absätzen wäre ich zu klein und würde nicht als Model durchgehen...
Ich war zwar nervös, aber mehr aus Angst mich vor meinen Mitschülern zu blamieren. Alice war nervös, aber weil sie unbedingt entdeckt werden wollte. Sie und noch vier andere Mädchen würden zweimal auf den Laufsteg müssen. Das große Finale bestand aus den fünf Mädchen und drei Jungs, die Handarbeit als ihr Hauptfach gewählt hatten.
Alice sah in meinen Augen tatsächlich umwerfend aus. Ihr erstes Kleid war ziemlich schlicht. Schneeweis, Bodenlang, eng anliegend und eine lange Schleppe.
»Du siehst umwerfend aus Alice!«, rief ich, als sie aus der Umkleide kam und sich an ihren Stylingtisch neben mich setzte.
»Danke Lily.«, sagte sie und lief rot an. Sie war wirklich nervös wenn sie nicht einmal die Zeit hatte mehr zu sagen, oder ein blödes Kommentar zu meinem Kleid abzugeben.
»Ich bin mir sicher irgendwer da draußen denkt genauso und erkundigt sich direkt nach der Show danach wer das Mädchen in dem bezaubernden Kleid war!«
Alice lachte bei meinen Worten, war aber zu nervös um mir zu antworten. Ich gab es auf ein Gespräch anfangen zu wollen und übte lieber noch einmal in meinen Schuhen zu laufen. Sobald diese ganze Show zu Ende wäre, würde ich meine Chucks anziehen!
Ich war die dritte die Laufen musste. Nachdem Professor Dumbledore ein paar Worte geredet hatte, liefen erst eine Slytherin und ein Ravenclaw über den Laufsteg. Dann kam ich.
Das Licht blendete mich als ich den Laufsteg betrat und wie von Professor Connors angeordnet, kurz stehen blieb. Dann lief ich wie von selbst den Laufsteg entlang. Meine Gedanken waren besessen davon, wie sehr meine Füße schmerzten und ich schaute vermutlich böser drein, als wir sollten. Lachen durften wir zwar auch nicht, aber ich war mir sicher, dass mein Blick jemanden getötet hätte, wenn das möglich gewesen wäre.
Kurz bevor ich wieder sicher hinter der Bühne und dem Laufsteg war, kam der nächste auf den Laufsteg. Ich hatte nicht wirklich zugehört als Professor Connors die Liste vorgelesen hatte, nach meinem Namen hatte ich abgeschaltet und als ich darauf gewartet hatte raus zu müssen stand bloß Alice hinter mir, mit der Bemerkung irgendwer würde noch fehlen.
Jetzt wusste ich wer gefehlt hatte: James Potter.
James trug einen Maßgeschneiderten Anzug. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er den selbst entworfen und genäht hatte, aber er tat zumindest so. Der Anblick von James im Anzug, erinnerte mich an meinen ersten Tag hier. Als ich James auf dem Parkplatz getroffen hatte. Die erste Person von Hogwarts mit der ich geredet hatte. Ich muss gestehen, dass ich damals dachte, dass die Jungs hier alle immer im Anzug herum liefen, doch James hatte meistens Jeans und T-shirt, manchmal auch ein Hemd an.
Und jetzt trug er einen Anzug und lächelte so umwerfend. Das Licht wechselte von weiß und hell – was ich mir ausgesucht hatte – zu einem dunkleren Rot. Es betonte seine Augen und ließ James verboten erotisch wirken.
Ich merkte wie ich rot anlief, meinen Blick beschämt nach unten wandte und stolperte.
Ich hatte total vergessen, dass ich mich noch immer auf dem Laufsteg befand.
Erschreckend schnell kam mir der Boden immer näher. Ich schrie auf streckte meine Hände aus um mich abzufangen. Fluchend zog ich einfach meine Schuhe aus und rappelte mich wieder hoch, ignorierte die lauten Lacher die aus dem Publikum kamen und rannte hinter die Bühne.
Professor Connors rief mir irgendetwas hinterher, aber ich schloss mich in der Umkleide ein.
Tränen begannen mir über mein glühendes Gesicht zu laufen. Ich schluchzte laut auf.
Nichts auf Hogwarts lief so, wie ich es gerne gewollt hätte. Es erschien mir, als sei es unmöglich man selbst zu bleiben, umgeben von solch einem Reichtum. Alle erwarteten Perfektion, der kleinste Fehltritt war verboten.
Ich hörte wie Menschen die Umkleide betraten, hörte Alice mit irgendeinem Mädchen aus Ravenclaw lachen. Wusste sie zogen sich grade um für ihren zweiten Auftritt. Keiner nahm Notiz von mir.
Am liebsten hätte ich noch lauter geweint, als mir klar wurde, dass es Alice nicht interessierte, dass ich weinte. Aber ich rief mich selbst zur Ordnung. Dieser Tag war wichtig für Alice, es war ihre Chance der Welt zu zeigen was sie drauf hatte. Natalie Spinnet wurde bei genau dem selben Projekt vor einem Jahr auch entdeckt und ich wusste wie viel Alice daran lag, dass sie ebenfalls entdeckt werden würde.
Irgendwann wurde es wieder ruhiger in den Umkleideräumen und ich wagte mich aus meiner Kabine. Ich wusste ich hatte zwei Möglichkeiten wie ich weiter machen konnte: entweder ich nahm die Rolle der Außenseiter-Lily an und wäre der Tollpatsch und Trottel der Klasse, oder ich würde mich anpassen. Und ich entschied mich in diesem Moment für letzteres.
Ich würde versuchen ein Leben der Reichen und Eingebildeten zu führen, nur dass ich weder das eine noch das andere war. Und ich würde direkt jetzt damit beginnen.
Entschlossen durchsuchte ich den Kleiderständer mit gespendeten Kleidern, der in einer verstaubten Ecke der Umkleide stand. Alice hatte mir erklärt, dass ich mich da jederzeit bedienen dürfte, es allerdings nur wenige schöne Kleider gab.
Mein pinkes Kleid hängte ich dazu. Dafür nahm ich mir ein kurzes, schwarzes Kleid heraus das ich fand und zog es an. Es passte nicht perfekt, es war ein kleines bisschen zu groß – was mich erstaunte – aber es war besser als Pink.
Zurück in dem großen Raum hinter der Bühne, herrschte so viel Trubel, dass keiner meinen Wechsel bemerkt hatte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich grade mal zehn Minuten weg gewesen war und die Modenschau noch in vollem Gange war. Ich setzte mich wieder an meinen Tisch und begann mich abzuschminken. Die Stylisten waren mittlerweile alle vor der Bühne um die Show zu sehen, oder damit beschäftigt diejenigen zu schminken, die erneut auf die Bühne müssten. Ich schminkte mcih also selbst. Am liebsten hätte ich Smokey Eyes gemacht, doch ich wollte mich nun anpassen und verzichtete darauf. Stattdessen nahm ich einen sanften Lidschatten, der eigentlich nur Glitzer war und ansonsten die Farbe meiner Haut hatte und dazu zog ich mir einen dicken Lidstrich. Meine Lippen bekamen einen dunkelroten Ton und dann war ich fertig.
Eigentlich hätte ich am Ende der Show nochmal auf die Bühne gemusst, aber ich schlich mich aus dem Raum – nicht ohne mir noch ein paar schwarze Pumps aus Professor Connors Schuhkammer für Auftritte zu klauen – und begab mich unauffällig vor die Bühne und an den gewohnten Tisch der Gryffndor 12. Klässler beim Präsentationsabend.
Grade lief Sirius Black in stinknormalen Klamotten über die Bühne (Eine Jeans und ein Hemd mit offener Krawatte). Professor Connors hatten ihn dafür schon ziemlich angemeckert, schließlich stammten die Klamotten offensichtlich nicht von ihm, also er hatte sie nicht selbst gemacht.
»Wissen sie, ich bin so begeistert von Lacoste, da musste ich einfach deren Label mit in meinen Entwurf einbauen!«, hatte er gesagt als Professor Connors die Markenzeichen bemerkt hatte.
Unwillkürlich musste ich grinsen als ich darüber nachdachte. Die Marauder waren Chaoten und James mit Sicherheit der größte Idiot auf Erden, aber irgendwie waren sie auch alle ganz okay.
Alice war die letzte die wieder auf die Bühne kam. Ich hatte ihr zweites Kleid zuvor nicht gesehen und beinahe hätte ich sie nicht erkannt. Sie trug eine schwarze Langhaarperücke und das Kleid... ich sag nur wow! Es schimmerte in allen grün, türkis und blau Tönen. Das Oberteil bestand aus einem Trägerlosen Korsett in schillerndem Dunkelgrün-blau-türkis. Es erinnerte mich an die Schuppen einer Meerjungfrau. Der Rock bestand aus mehreren Lagen Tüll, war vorne kürzer und wurde hinten länger.
Ihre Beine und Arme hatte sie mit Bodypainting angemalt. Es war ein wunderschönes Fischschuppenmuster in Türkis und Grün mit Goldenen Akzenten und jeder Menge Glitzer. Die Schuhe die sie trug waren durchsichtig, es sah aus als schwebe Alice über die Bühne.
Ich war stark beeindruckt.
Ganz Hogwarts war stark beeindruckt und sie bekam den lautesten Applaus von allen!
Hinterher fand mich James zuerst. Er kam als einziges an unseren Tisch und sah mich gant verdutzt an. Ich hätte beinahe losgelacht, aber da es sich um ihn handelte zog ich nur eine Augenbraue hoch.
»Was glotzt du so Potter?«
»Nichts, ich wollte nur... ich mein die anderen... du...«, jetzt fiel es mir schwerer nicht zu lachen. James Potter stotterte. Dass ich das erleben darf!
»Du wolltest nur was?«, fragte ich und war ein kleines bisschen stolz auf mich, dass meine Stimme gereizter klang als beabsichtigt.
»Die anderen suchen dich!«, antwortete er kühl und scheinbar wieder gefasst »Man hat mir erzählt u warst abgelenkt von meinem Anblick und seist gestolpert.«
»So? Sagt man das? Ich habe das anders in Erinnerung.«, gab ich kühl zurück bevor ich mein Handy aus meinem Ausschnitt fischte. Dabei lies ich James keine Sekunde aus den Augen und genoss es richtig, dass sein Blick auf meine Brüste abschweifte. Oh wie schön konnte es sein ein Mädchen zu sein und wie praktisch war es doch manchmal, dass ein Kleid keine Taschen hatte. Aber nur selten. Die meiste Zeit hasste ich es. Eigentlich hasste ich es auch jetzt, aber jede Tat von James die mich darin bestätigte, dass er nur ein notgeiler Typ war fühlte sich grade gut an.
»Glotzt nicht auf meine Titten, oder hast du noch nie welche gesehen?«, zickte ich und musste innerlich grinsen als ich eine Nachricht an Alice tippte, dass alles okay sei und ich am Tisch saß und sie ruhig aufhören konnten zu suchen. James hatte mich ja gefunden.
»Ach halts Maul.«, giftete James mich an und jetzt grinste ich wirklich, sagte aber nichts. Es verschaffte mir große Freude diesmal diejenige zu sein die James eins ausgewischt hatte und nicht umgekehrt.
Den restlichen Abend vermied ich Gespräche mit irgendwem. Ich hatte keine Lust darauf, erklären zu müssen weshalb ich ein anderes Kleid trug. War es denn nicht offensichtlich dass mein Kleid total schlimm war? Megan und Clarisse hatten wenigstens Kleider die schön aussahen und Alice sah in ihrem Meerjungfrauen Putfit sowieso umwerfend aus.
Obwohl ich James noch immer für all das Vergangene hasste, genoss ich den Auftritt der Marauder wie immer. Absolutes Highlight war in meinen Augen, dass sie den Song ''Just One Yesterday'' spielten. Es fühlte sich an, als habe James ihn mit Absicht ausgesucht. Irgendwie erinnerte er mich an die Party vergangenen Samstag. Der Text beschrieb wie unfair James mich behandelt hatte, mich betrunken gemacht, mir Hoffnung gegeben und mich dann hatte fallen lassen. Und der Refrain betonte genau das was ich mir eigentlich wünschte, und wofür ich jeden weiteren Tag eintauschen würde: Noch einmal ''Gestern'' zu erleben, noch einmal auf der Party sein, noch einmal mit James zusammen. Und das für immer.
Vorschau: Und im nächsten Kapitel erhält Lily eine längst fällige Entschuldigung.
