Krachend fielen Harry, Ron und Hermine auf den noch taufrischen Rasen. Endlich dachte Harry, der Fuchsbau war für ihn schon ein zweites Zuhause geworden auch wenn es nicht an Hogwarts heranreichen konnte. Bei den Gedanken an Hogwarts ergriff ihn eine Trauer. Er würde das prachtvolle Schloss vielleicht nie wieder sehen, denn die Suche nach den Horkruxen würde sich als schwierig, wenn nicht gar unmöglich herausstellen, wenn man bedenkt, dass selbst Dumbledore fast ein Jahr gebraucht hatte um das Versteck des Medaillons zu finden.
"Harry, kommst du?"
Hermines Stimme riss Harry aus seinen Gedanken. Er war der einzige,
der auf dem Boden saß und in Gedanken verloren in die Gegend
geschaut hatte.
"Oh ja natürlich.", antwortete
Harry zerstreut, stand auf und klopfte sich den Dreck von der viel zu
weiten Hose, die einmal in Dudleys Besitz gewesen war.
"Ich
werde dann mal gehen, Molly, Potter denk dran: Immer wachsam!",
knurrte Moody und ging zum anderen Ende des Gartens.
"Jo, wir
werden dann auch mal gehen.", sagte Fred (oder George) und
gingen ebenfalls mit schnellen schritten zum Gartentor.
Nachdem
sich auch Kingsley und die anderen Auroren auf den Weg gemacht
hatten, begab sich die kleine Gruppe, bestehend aus: Mr. und Mrs.
Weasley, Remus, Tonks, Hermine und natürlich Harry in die Küche,
was wohl daran lag, dass Molly wieder einmal gemeint hatte, dass
Harry viel zu dünn sei und dringend etwas essen solle.
Als
sie die Küche betraten saß ein Mädchen mit roten
Harren, über ihren Tee gebeugt, und guckte Gedankenverloren an
die gegenüberliegende Wand.
"Morgen Ginny, schon wach?",
fragte ihre Mutter. Erschrocken drehte sie sich um.
Harry wollte
gerade zur einer Begrüßung ansetzen, als sich Ginny erhob
und zurück in ihr Zimmer rannte. Harry war sich sicher kurz
einen Schluchzer gehört zu haben.
"Ich weiß
nicht, was mit ihr los ist. "meinte Mrs. Weasley kopfschüttelnd.
Seit sie hier ist, isst sie kaum etwas und sperrt sich immer in ihr
Zimmer ein und weint."
Harry senkte seinen Blick. Das Ginny
weint hatte er mit seiner Entscheidung auf keinen Fall erreichen
wollen. Er hatte sie nur vor Lord Voldemort und seinen Gefolgsleuten
beschützen wollen.
Als Harry wieder auf
blickte sah er wie Hermine ihn mitleidig ansah und Richtung Treppe
nickte. Harry erwiderte das Nicken und mit der Ausrede, dass er kurz
seinen Koffer hochbringen wollte, verschwand er auch schon aus der
Küche.
Vor Ginnys Tür angelangt zögerte er kurz,
raffte seinen ganzen Mut zusammen ordnete kurz seine Worte und
klopfte sachte gegen die Tür.
Es dauerte einige Sekunden bis
die verweinte Stimme von Ginny sagte: "Ich habe keinen Hunger
Mum."
"Ginny ich bins mach bitte auf."
"Was
willst du?", fragte Ginny mit wütender Stimme.
Harry,
der im ersten Moment überrascht war, antwortete: "Mit dir
reden." Im nächsten Moment wurde ein Schlüssel im
Schloss herumgedreht und vor Harry stand eine Ginny mit roten Augen.
„Darf ich reinkommen?", fragte Harry und Ginny trat zur
Seite.
"Echt Harry du bist so ein Lügner.", fing
Ginny an als sie sich auf das Bett setzten.
"Ich...Was...Ich
bin was?", fragte Harry völlig verdattert.
"Du
meintest wir können uns nicht sehen weil es für mich zu
gefährlich sei und dann kommst du einfach hier hin."
"Aber
ich dachte du hast verstanden."
"Ja ich habe dich
verstanden aber du mich nicht es ist mir egal wie gefährlich es
ist und ob Voldemort mich tötet oder nicht! Ich will nur mit dir
zusammen sein.," schrie Ginny mit sich überschlagender
Stimme.
"Ginny hör mir zu ich will sich nur schützen,
weil ich Angst um dich hab. Voldemort zerstört meine Welt
Schritt für Schritt. Erst meine Eltern, dann Sirius und nun auch
Dumbledore. Wenn dir oder jemand anderem was geschieht könnte
ich es mir nie verzeihen. Ich könnte es nicht ertragen wenn ich
auf deiner Beerdigung oder der von Ron oder Hermine sein müsste,
nur weil ich mit dir zusammen war.", schloss Harry traurig ab
und blickte Ginny an.
Ginny nickte zögerlich bis sie wieder
ihre Stimme erhob: "Aber es gibt noch ein kleines Problem Snape
und Malfoy wissen von uns."
Harry nickte, ja es stimmte die
beiden wussten von den Gefühlen die Harry für Ginny hegte
und er war sich sicher das zumindest Draco alles was er wusste über
die beiden ausgeplaudert hatte, um einer Folterung oder gar dem Tod
zu entgehen. Denn eins wusste Harry. Lord Voldemort verzeiht nicht so
leicht und toleriert keine Fehler.
Nach einem weiteren Gespräch
mit Ginny beschlossen sie ihre Beziehung erst mal offiziell auf Eis
zu legen, um so den Dunklen Lord zu täuschen.
Am nächsten
Tag erwartete Harry erst einmal eine große Überraschung,
die schon früh am Morgen begann, als Harry aufwachte und nicht
wie üblich der schnarchende Ron neben ihm lag.
So beschloss
er erstmal zu duschen, um seine restlichen Lebensgeister zu
wecken.
Nachdem er sich angezogen hatte und verzweifelt versucht
hatte seine Haare zu bändigen, begab er sich in die Küche,
wo ihn eine weitere Überraschung erwartete. Der gesamte Orden
des Phönix und natürlich die Weasleys standen in der Küche,
über ihnen prangte das Schild: „Happy Birthday Harry" oder
„Endlich siebzehn" und hinter der Gruppe ächzte der Tisch
bereits unter den vielen Geschenken und leckeren Speisen.
Nach dem
jeder ihm gratuliert hatte, meinte Fred: "So und jetzt lasst ihn
mal seine Geschenke auspacken."
Harry grinste und ging zu
dem Haufen an Präsenten. Das erste Paket war von Remus und
Tonks, die ihm eine neue Quidditchausrüstung schenkten, auch
wenn er diese wohl nie benutzen würde. da er nicht nach Hogwarts
zurückkehren würde. Von Fred und George bekam er ein
Sortiment von Scherzartikeln, von Hermine, wie sollte es anders sein,
ein Buch mit dem Titel: „Methoden um den Geist zu verschließen."
Von Ron eine riesige Packung Bertibotts Bohnen und von Mr. und
Mrs. Weasley ein Sortiment Süssigkeiten.
Nun waren nur noch
zwei Päckchen übrig. Das eine von Ginny und auf dem anderen
stand der schlichte Satz: „Mach dieses Paket nur auf wenn du
alleine bist!"
Harry beschloss sich daran zu halten und öffnete
das Geschenk von Ginny. Heraus fiel eine goldene Kette deren Anhänger
ein großer Rubin war. Auf der Karte stand:
Lieber
Harry
Alles Gute zum Geburtstag.
Du fragst dich sicher was das
für eine Kette ist.
Das ist die Kette der Liebenden, wenn
zwei Leute sich wirklich lieben dann kann jeder der beiden den
anderen spüren, nur durch das berühren der Kette.
Ich
besitze das Gegenstück.
Ginny
Harry packte das
Geschenk der unbekannten Person in seine Tasche und bedankte sich
erstmal ganz herzlich bei allen. Bei Ginny blieb er stehen überlegte
kurz und küsste sie dann zärtlich.
Es schien als
explodierte ein Feuerwerk in Harry. Er hatte lange drauf gewartet
wieder die Lippen von Ginny zu küssen, auch wenn er wusste das
dies wohl der letzte Kuss für eine lange Zeit war.
"Arthur,
Percy kommt wieder mit dem Minister.", sagte Mrs. Weasley
plötzlich und schaute aus dem Fenster. Ruckartig löste sich
Harry von Ginny und schon stapfte Rufus Scrimgeour, der
Zaubereiminister, und Percy Weasley in den Fuchsbau.
Rufus
Scrimgeour schien älter und kränklicher als beim letzten
Treffen, das Harry mit ihm hatte.
"Guten Tag,", begrüßte
er die Anwesenden mit einem gezwungen Lächeln, "Ah Harry
erstmal meine Glückwünsche. Endlich sind sie volljährig
was?"
"Was wollen sie Scrimgeour?" erwiderte Harry
schroff.
"Du solltest nicht..."fing Percy an wurde
jedoch von Scrimgeour unterbrochen: "Gut, gut kommen wir gleich
zur Sache. Könnte ich dich kurz unter vier Augen
sprechen?"
Harry zog eine Augenbraue hoch. Das war nicht der
Rufus Scrimgeour, den er vor einem halben Jahr kennengelernt hatte.
Trotzdem nickte Harry und fügte noch hinzu: "Wenn meine
Freunde mitkönnen."
Der Minister guckte kurz Ron,
Hermine und Ginny an, dann sprach er: "Wenn du ihnen
vertraust."
"Das tue ich voll und ganz.",
antwortete Harry und die fünf machten sich auf den Weg in das
Wohnzimmer. Dort setzten sie sich auf die gemütliche Couch und
der Minister begann ohne Umschweife zu erzählen: "Also
Harry, ich will ganz ehrlich mit dir sein. Letzten Jahr hatten wir
die Situation noch halbwegs unter Kontrolle, aber jetzt, seitdem
Dumbledore verstorben ist, denkt Voldemort, dass er sich alles
erlauben kann." Scrimgeour ignorierte Rons zucken genauso wie
Harry, der jetzt fragte: "Aber im Tagespropheten, steht doch..."
"Bei Merlin! Das Ministerium hat noch nie so viel Druck auf
den Tagespropheten geübt wie jetzt. Das was im Propheten steht
ist nur ein Bruchteil dessen, was wirklich passiert. Täglich
passieren Angriffe mit mehreren duzend Toten. Inferi wurden
vereinzelt gesichtet. Sogar schon in Frankreich und Deutschland sind
erste Tote zu beklagen, alle durch die Hand von Lord Voldemort. Noch
vor zwei Tagen gab es einen Angriff auf Hogsmeade mit Dementoren,
Todessern und Werwölfen, die durch einen Trank sich nun auch
verwandeln können, wenn kein Vollmond scheint. Drei Zauberer und
zwei Hexen wurden von Dementoren geküsst, vier weitere wurden
von Todessern getötet und drei von einem Werwolf gebissen.
Die
Auroren verweigern ihren Dienst entweder werden sie persönlich
umgebracht oder ihren Familien. Das ist auch der Grund, weshalb so
viele auf Voldemorts Seite überlaufen? Sie haben Angst davor
ihre Familien zu verlieren." Er schwieg einen Moment, um die
düsteren Worte sacken zu lassen.
"Während unser
Widerstand immer schwächer wird, gewinnt Voldemort stündlich
an Macht.", schloss Harry den Vortrag des Ministers.
"So
ist es."
"Darf ich fragen wie viele Tote es bisher
gab?", fragte Ginny die bleich geworden war, genauso wie Hermine
und Ron. Nur Harry hatte noch Farbe im Gesicht, während er
innerlich bereits einen Entschluss gefasst hatte.
"Wen Sie es
unbedingt wissen wollen, wir rechnen mit ungefähr 320 Opfern
gesamt und die Zahl steigt täglich an.", erklärte
der Minister mit Trauer in der Stimme. Ginny zog pfeifend Luft ein,
während Rons Gesicht einen Stich ins Grüne bekam. Hermine
schloss die Augen und sah zu Boden, den Tränen nahe.
"Um
es kurz zu sagen, wir sind nah dran den Krieg zu verlieren, bevor
dieser überhaupt richtig angefangen hat."
"Was
wollen sie von mir?", fragte Harry nun und schaute den Minister
an.
"Ich möchte, dass du der Zaubererwelt Mut machst,
damit das Ministerium alles wieder in den Griff bekommen kann, damit
wir wieder anfangen zu kämpfen.", antwortete Scrimgeour und
Harry schüttelte grinsend den Kopf: "Schon lustig,",
fing er an, "wie unsere Politik funktioniert, der Minister hält
einen Menschen fest, der hundert prozentig kein Todesser ist, wir
haben bereits über 300 Opfer und haben noch keinen echten
Todesser gefasst. Ich soll lügen um Mut zu machen."
"Wie
ich sehe haben sie ihre Meinung nicht geändert, Mr. Potter.",
sagte Scrimgeour schroff.
"In keinster Weise.",
antwortete Harry.
"Nun gut lassen sie sich gesagt sein sie
sind die letzte Hoffnung für die gesamte Zaubererwelt. Auf
Wiedersehen Mr. Potter Ms. Granger, Ms und Mr. Weasley.",
verabschiedete sich der Minister und verschwand.
"Ich hab
Angst, Harry.", sagte Ginny und fiel Harry um den Hals.
"Ich
auch, aber das hat mir eben gezeigt, was ich tun muss. Ich werde
nicht nach Hogwarts zurückkehren. Meine Aufgabe ist es, nach den
Horkruxen zu suchen und schließlich Voldemort persönlich."
"Harry, dass kann nicht dein ernst sein?", sagte
Hermine aufgebracht.
"Ähmm...was sind Horkruxe?",
fragte Ginny.
"Oh.", machte Ron. "Ach vergiss das
Wort einfach wieder, ok?"
"Ich will wissen was das
heißt.", brauste Ginny auf.
"Aufhören ihr
beiden!", rief Harry und erzählte Harry von der Höhle,
wie Dumbledore von den Horkruxen erfahren hatte und, was für
Harry am schwierigsten war, über die Prophezeiung.
Am Abend
lag Harry noch lange wach uns schaute sich wie fast jede Nacht den
falschen Horkrux an, bis ihm einfiel dass er noch das Paket von der
unbekannten Person nicht geöffnet hatte.
Er versicherte sich,
dass Ron tief und fest schlief und öffnete das Paket.
Darin
lagen zwei Briefe, zwei Ringe, eine Halskette und ein weiteres Paket,
das gerade auf die Fingerspitze passte.
Zunächst einmal nahm
er den obersten Brief heraus. In einer verschlungenen Schrift stand
auf dem Umschlag:
An Harry James
Potter
An seinem 17.Geburtstag
Von Albus Dumbledore
Harry öffnete den Brief und las:
Lieber Harry
Wenn
du das hier ließt hoffe ich, dass ich noch am leben bin wenn
nicht dann erstmal Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
Ich
habe dieses Paket kurz nach deiner Geburt von deinem Vater und deiner
Mutter bekommen und du solltest es an deinem 17.Geburtstag
öffnen.
Damit habe ich meine Pflicht erfüllt.
Weiterhin
einen schönen Geburtstag.
Albus Dumbledore
Eine
innere Erregung erfasste Harry. Waren das Gegenstände von seinen
Eltern?
Schnell nahm er den zweiten Brief heraus. Was darauf stand
ließ sein Herz schneller schlagen:
An Harry Potter
An
seinem 17.Geburtstag
Von Lily und James
Lieber
Harry
Hallo Schatz! Lord Voldemort hat unglücklicherweise von
der Prophezeiung erfahren und kennt ihren ungefähren Wortlaut.
Vielleicht wählt er den anderen Jungen Neville Longbottom aus,
der am gleichen Tag wie du Geburtstag hat, aber da Voldemort uns
kennt, wird er wohl oder übel hinter dir her sein. Oft sind wir
nun schon dem Dunklen entkommen, oft, zu oft haben wir ihm die Stirn
geboten und sind wieder entkommen. Vielleicht schaffen wir es ihm zu
entkommen, ein allerletztes Mal. Sollte das schlimmste geschehen, was
ich nicht auszusprechen wage, sollst du wissen, dass wir dich lieben
Harry. Wir lieben dich über alles und es ist schrecklich, dass
du in so einer dunklen Zeit geboren wurdest, mit einer solch schweren
Bürde. Wir hoffen, dass du das lesen wirst und weist, dass wir
ganz stolz auf dich sind.
So haben dein Vater und ich uns
überlegt dir ein Andenken zu hinterlassen, dass sich auch in
diesem Paket befindet.
Die Ringe, sind unsere
Eheringe, die du einmal selbst für deine Herzensdame nehmen
sollst mit einem Zauber lässt sich der Text ändern.
Zu
der Kette: Sie hat eine besondere Fähigkeit. Sie kann dich in
einem Kampf schützen und dir neuen Mut geben, solltest du von
Feinden umringt deine Zuversicht verlieren.
In dem weiteren Paket,
das wie du bestimmt schon erkannt hast verkleinert ist, (war die Idee
deines Vaters, er wollte sich ein Spaß erlauben pah) ist der
alte Umhang des Phönixordens. Außerdem ist eine Weste aus
Drachenhaut dabei die dich ebenfalls beschützt.
Und nun merk
dir eins, auch wenn wir tot, sind wir werden immer bei dir sein und
zwar in deinem Herzen, verliere nie den Mut und die Hoffnung, denn
Hoffnung gibt es immer, sie wartet nur darauf gefunden zu werden.
In
ewiger Liebe Lily und James
P.S. Herzlichen
Glückwunsch zum Geburtstag mein Sohn.
Eine Träne löste sich von seinem Augenlied und bahnte sich ihren Weg Harrys Wange hinunter. Mit einem leisen Geräusch landete sie auf dem Pergament des Briefes und hinterließ einen dunklen Fleck. Geistesabwesend versuchte er sie abzuwischen. Langsam fuhr er sich dann mit den Händen über das Gesicht und wischte sich die Augen trocken. Dann nahm Harry das kleine Paket heraus, zog seinen Zauberstab und sprach in die Nacht hinein: "Engorgio." Schon vergrößerte sich das Paket auf seine ursprüngliche Größe.
Harry öffnete es mit
zittrigen Händen und zog einen Schwarzen Umhang heraus. Eine
goldener Phönix war auf den samtigen Stoff gestickt. Als
nächstes zog Harry eine Weste heraus, die wie eine kugelsichere
Weste aussah, welche die Muggelpolizisten benutzten.
Nachdem er
den Umhang und den Drachenhautpanzer in seinem Koffer verstaut hatte,
fiel er in ein unruhigen Schlaf.
