Huhu,
so, hier kommt mit einiger Verspätung das vierte Chap!
Meine Beta hatte einige Probleme mit ihrem PC, aber die haben sich mittlerweile - soweit ich weiß - wieder geklärt. Vielen Dank an Snapes kleine Fledermaus:-)
auch vielen Dank für die lieben Kommis!
viel Spaß beim Lesen:
Parallel Lines
Part 4
Es war Februar in seinem ersten Jahr, als Harry zu ihm kam, zurückblieb, nachdem der Rest der Klasse den Raum verlassen hatte. Harrys Trank war perfekt gewesen, so wusste er, dass der Junge nicht darüber mit ihm sprechen wollte. Severus hatte Harry in den vergangenen Monaten, auf Dumbledores Befehl hin, im Auge behalten, aber er hätte es so oder so getan. Er traute Quirrell nicht so weit, wie er ihn hexen konnte und er hatte bemerkt, dass der Verteidigungs-Professor ein übertriebenes Maß an Interesse an Harry zeigte.
Er hatte am Anfang befürchtet, dass Harry Schwierigkeiten haben würde, sich nach dem Desaster mit der Einteilung einzuleben, aber die Gryffindors schienen ihn als einen der ihren aufgenommen zu haben. Erstaunlicherweise kamen auch die Slytherins immer noch sehr gut mit ihm aus. Zu Severus' Überraschung, kam es nun sehr häufig vor, dass die Gryffindors und Slytherins in seinem Unterricht zusammenarbeiteten und ihm fiel auch auf, dass sie auch außerhalb des Unterrichts miteinander klarkamen.
Dumbledore schien diese neue Einheit zwischen den beiden Häusern, die normalerweise erbitterte Feinde waren, nicht gutzuheißen, aber Severus fand es ziemlich erfrischend. Sein Unterricht war so viel leichter, wenn die zwei Häuser nicht aktiv versuchten, sich zu verhexen. Weniger Kopfschmerzen und Stress auf diese Weise.
Nicht sicher, warum die Gryffindors und Slytherins plötzlich miteinander zurechtkamen, sah Severus eines Nachts Harry, wie er sich in die Kerker schlich. Er war kurz davor, ihn zu maßregeln und Punkte dafür abzuziehen, dass er nach Ausgangssperre noch auf den Gängen war, als die Tür zum Slytherin-Gemeinschaftsraum geöffnet wurde und Draco Malfoy zusammen mit, wie es schien, allen Slytherin-Erstklässlern hinaustrat und sie Harry anlächelten.
Neugierig entschied er sich stattdessen dafür, ihnen zu folgen und fand sich in einem Gang im vierten Stock wieder, vor einer Tür, von der sich Severus sicher war, dass sie vorher noch nicht da gewesen war. Die Schüler folgten Harry hinein und Severus verbarg sich in den Schatten, sich wünschend, er hätte den Weitblick gehabt, einen Unsichtbarkeits-Trank mitzunehmen. Aber wie hätte er auch wissen sollen, dass er hier enden würde, ein paar Schüler im Raum der Wünsche ausspionierend?
Wären die Schüler älter gewesen, hätte er wohl eine Art von romantischem Stelldichein erwartet, aber als er ein Ohr an die Tür presste, konnte er hören, was dort vor sich ging. Harry erzählte ihnen Geschichten und von der Stille der Anderen her zu urteilen, hingen sie an jedem seiner Worte. Der Junge war ein geborener Geschichtenerzähler, belebte seine Erzählungen mit verschiedenen Stimmen für verschiedene Charaktere und Severus konnte sich beinahe die Gesten vorstellen, die Harry beim sprechen machte.
Er hatte vor sich hin gelächelt und war wieder in seine Gemächer gegangen, in dieser Nacht keine Punkte abziehend.
Er drehte sich nun zu dem Junge um, der an seinem Schreibtisch stand. Harry war blasser und dünner, als noch am Anfang des Schuljahres, aber Severus wusste, dass Harry aß. Dunkelviolette Schatten unter seinen Augen deuteten auf zu wenig Schlaf hin. Es war, als wäre der Junge völlig erschöpft, aber von was?
„Harry? Du wolltest mit mir sprechen?"
„Ja, Sir. Ich wollte Sie etwas über meine Narbe fragen. Meine Fluchnarbe. Ist es normal, dass sie schmerzt?"
„Was meinst du genau mit 'schmerzt', Harry?"
„Es tut manchmal weh, so als würde sie brennen, aber wenn ich sie berühre, fühlt sie sich kalt an. Manchmal habe ich Albträume und wenn ich aufwache, blutet sie und ich fühle mich krank."
„Warst du deshalb schon bei Madam Pomfrey, Harry?"
„Ja, Professor. Sie wusste nicht, warum das so ist und hat gesagt, ich solle Sie fragen."
„Hat sie das, ja?" Er würde wohl ein ernstes Wort mit der Matrone reden müssen. Seine eigene Narbe war etwas, über dass er nicht sprechen wollte, besonders nicht mit Schülern und schon gar nicht mit diesem.
„Wann passiert es denn, Harry? Gibt es irgendein Muster, wann die Narbe schmerzt?"
„Nein, Sir, nicht wirklich. Es passiert einfach manchmal."
„Was ist mit den Albträumen, Harry? Was geschieht in ihnen?"
Harry schüttelte den Kopf. „Ich kann mich nicht wirklich an die Träume erinnern, Sir. Ich wache einfach auf und fühle mich wund und krank."
„Wund? Durch die Schmerzen in der Narbe?"
„Das auch, aber es sind meine Muskeln, die schmerzen, so als ob ich für eine lange Zeit gerannt wäre oder so und meine Beine sind ganz zittrig. Manchmal kann ich mich auch nicht bewegen, wenn ich aufwache und das macht mir Angst, Professor. Es fühlt sich so an, als könnte ich nicht atmen."
Severus konnte nicht glauben, was er da hörte. Harry beschrieb exakt die Nachwirkungen eines Cruciatus-Fluches, ein Fluch, von dem der Junge noch nicht einmal wusste, dass er existierte. Dennoch hatte er ihn irgendwie in seinen Träumen erlebt. Wer tat das? Wer sprach den Fluch auf den Jungen, wenn er schlief? War Voldemort etwa im Aufstieg begriffen? Jetzt schon?
Er ging hinüber zu seinem Vorratsschrank und entnahm diesem einen Traumlos-Trank. „Harry, ich möchte, dass du davon heute Nacht zwei Tropfen nimmst, sodass du keine Albträume hast. Ich weiß nicht, was mit deiner Narbe los ist, Harry, aber ich werde mit dem Schulleiter darüber sprechen. Vielleicht kann er ein wenig Licht in die Sache bringen."
„Dankeschön, Sir." lächelte Harry, als er sich trollte, um mit seinen Freunden, sowohl Gryffindor, als auch Slytherin, zu Mittag zu essen.
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„Zitronenbonbon, Severus?" fragte Albus und hielt ihm die Schüssel hin.
„Nein, danke, Albus." Gott, scheinbar war alles, was der Schulleiter in diesen Tagen wollte, ihn mit Tee oder Süßigkeiten zu bearbeiten und er hatte weder Toleranz für das eine, noch für das andere. Das die Narbe des Jungen schmerzte, war wichtig, da war er sich sicher, aber wieder einmal hatte Dumbledore seine Befürchtungen hinuntergespielt.
„Ich denke, dass du überreagierst, Severus. Jedes Kind hat ab und zu Albträumen und alte Narben schmerzen nun mal öfter."
„Das ist anders, Schulleiter! Der Junge wird in seinem Schlaf verflucht!" Severus stand auf und stampfte aufgeregt im Büro hin und her. Warum nahm niemand die Gefahr ernst? „Ich denke, es ist Zeit, den Orden wieder zusammenzurufen." sagte Severus. „Er kommt zurück."
„Wirklich, Severus, ich habe nicht gewusst, dass du so melodramatisch sein kannst. Der Junge hat ein paar Albträume und plötzlich ist es der tote Dunkle Lord, der ihn in seinem Schlaf verflucht. Der Orden wurde aufgelöst, nachdem Harry Voldemort vor zehn Jahren besiegt hatte, wir werden ihn nicht wieder brauchen. Voldemort wird nicht zurückkehren, da kann ich dich beruhigen."
„Ich wünschte, ich hätte deine Zuversicht, Albus. Aber ich vermute, du hast Recht."
Merlin, wie hatte er es nicht früher erkennen können? Severus schirmte schnell seine Gedanken ab, er wusste aus erster Hand von Dumbledores Okklumentik-Fähigkeiten. „Gute Nacht, Direktor."
„Gute Nacht, Severus." Dumbledore drehte sich wieder zu seinen Süßigkeiten um und wühlte ein wenig in den Pergamenten, die auf seinem Schreibtisch lagen, als Severus die Treppe hinunter und zu seinem Bestimmungsort ging. Das Schloss war ruhig, die Schüler lagen alle in ihren Betten, oder sollten es zumindest, aber er als Professor konnte so lange durch die Gänge wandern, wie er wollte und Filch konnte rein gar nichts dagegen tun. Scheußlicher Mann. Severus hatte ihn bereits verabscheut, als sie gemeinsam zur Schule gingen, Filch war ein paar Jahre über ihm gewesen und hatte Freude daran gehabt, die jüngeren Schüler zu terrorisieren, wann immer er konnte.
Wie konnte der Schulleiter so naiv sein?Der Mann wurde senil, da war sich Severus fast schon sicher. Voldemort war nicht vollständig vernichtet, denn wenn er es wäre, würde weder Harrys noch seine eigene Narbe schmerzen. Wenn Dumbledore nicht dazu bereit war, etwas zu tun, um Harry zu schützen und ihn darauf vorzubereiten, was kommen würde, dann würde er es halt tun.
Dumbledore wusste nicht, dass Severus alles über die Prophezeiung von Sibyll Trelawney wusste, aber die Wahrsage-Professorin hatte ihm bei einer seltenen Gelegenheit alles darüber offenbart, als sie zu einer Weihnachtsparty der Lehrer gegangen und betrunken gewesen war. Er hatte damals nicht die Bedeutsamkeit dieser Informationen verstanden, doch nun tat er es.
Der Dunkle Lord würde wiederkehren und Harry war der Einzige, der ihn besiegen konnte. Dumbledore wusste dies, er war derjenige, der Sibylls Prophezeiung zuerst gehört hatte, als warum war er so versessen darauf, die Fakten zu ignorieren?
Als Severus die Treppe erreichte, die zu den Kerkern hinunter führte, griff jemand nach seinem Arm. Er wirbelte herum, Zauberstab draußen und starrte in das ziemlich blasse Gesicht von Minerva McGonagall, die so aussah, als würde sie erwarten, gleich verhext zu werden.
„Minerva! Was tust du hier?"
„Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht kurz mit dir sprechen könnte, Severus? Es geht um den jungen Harry."
„Ist er in Ordnung?" fragte Severus automatisch.
„Im Moment schon. Können wir bitte in deine Räume gehen?"
„Nun gut." Severus stieg die Stufen hinunter, Minerva folgte dicht hinter ihm. Er wisperte sein Passwort dem Portrait zu, welches vor dem Eingang zu seinen Räumen hing und fühlte, wie die Schutzzauber sich auflösten. Er hielt seiner Kollegin die Tür offen, sodass sie ihm voran hinein gehen konnte. Minerva sah sich mit einer Art überraschter Ehrfurcht in dem großen Wohnzimmer um. Seine Räume waren schlicht, bleiche cremefarbene Wände mit dunklen Holzmöbeln und einem Ledersofa im Raum verteilt.
„Was hast du erwartet? Krüge mit Schafsköpfen?"
„Vielleicht." gab Minerva zu, ging zum Kamin und rieb ihre Hände aneinander, als wolle sie sich wärmen. Severus sprach schnell einen Zauber, um das Feuer anzufachen. „Severus, hast du in letzter Zeit etwas merkwürdiges am Schulleiter bemerkt?"
„Merkwürdig? Auf welche Weise? Er war schon immer ein wenig exzentrisch."
„Ich weiß, aber ich denke, es ist mehr als das. Manchmal vergisst er Dinge oder hält jemanden für jemand anderen, als wenn er in einer Erinnerung von vor ein paar Jahren feststecken würde. Ich habe versucht, mit ihm über Harry zu reden, ich bin wirklich besorgt wegen ihm, Severus. Die anderen Jungen erzählten mir, dass er jede Nacht schreiend aufwacht und Madam Pomfrey denkt, er leidet unter dem Cruciatus Fluch. Ich habe dem Schulleiter davon erzählt, aber er glaubt nicht, dass irgendwas daran seltsam ist!"
„Ich weiß. Ich hatte das gleiche Problem heute Nacht. Er nimmt gar nichts davon ernst. Die Stelle, an der mein Mal ist, schmerzt, Minerva. Ich denke nicht, dass er wirklich verschwunden ist. Ich habe Harry heute ein wenig Traumlos-Trank gegeben, sodass er heute Nacht wenigstens keine Albträume haben wird."
„Severus, das sind nicht nur Albträume. Das sind Visionen. Harry Sieht in seinem Schlaf."
Was? Warum hatte Harry ihm nichts davon erzählt?
„Er hat mir gesagt, er kann sich nicht an seine Träume erinnern."
„Kann er auch nicht. Der Direktor hat Legilimentik bei ihm angewandt, um herauszufinden über was er träumt. Er bestand sogar darauf, dass er es wissen muss."
„Was?! Er hat Gedankenmagie an einem elfjährigen Jungen benutzt? Das Gehirn ist in diesem Alter viel zu empfindlich für diese Art von Einmischung! Harry könnte davon wahnsinnig werden!"
„Ich weiß, Severus, das ist der Grund warum ich hier bin. Dem Schulleiter darf es nicht erlaubt werden, so weiterzumachen. Ich befürchte, eines Tages wird er zu weit vordringen und Harry hat keinen Schutz davor. Albus weiß nicht, was er tut, Severus, Harrys Verstand könnte soweit geschädigt werden, dass er nicht wieder repariert werden kann. Er muss Okklumentik lernen."
„Das ist beinahe genauso schlimm, Minerva! Du kannst nicht ernsthaft vorschlagen, dass ich einem Elfjährigen Okklumentik beibringen?"
„Das ist genau das, was ich vorschlage, Severus. Du kennst die Prophezeiung? Wonach Harry der Eine ist?"
Severus nickte.
„Ich möchte, dass du ihm Okklumentik beibringst und auch alles andere, was er wissen muss, Severus. Alles." betonte sie.
Hatte sie ihn gerade darum gebeten, wovon er dachte, dass sie es hatte? Er sollte einem der Schüler Dunkle Magie beibringen?
„Gott, Minerva. Wie ist es dazu gekommen? Er ist ein Kind, er ist nicht bereit dazu, das Schicksal der Zauberwelt auf seinen Schultern zu tragen."
„Ob er bereit ist oder nicht, Severus. Es ist sein Schicksal und ganz egal was wir tun, er kann dem nicht entgehen. Alles was wir tun können, ist ihn darauf vorzubereiten."
so, das wars!
Hoffe auf viele Kommis.
lg,
wölfin
