Kapitel 4: Leere deinen Geist
Die Reaktion auf die neue, legale DA waar überwältigend. Harry dachte, dass die halbe Schule entweder ihn, Hermine oder Ron über den Beitritt angesprochen hatte. Harry begann sich zu fragen, ob einer der Klassenräume überhaupt ausreichen würde. Sie sollten nicht den Raum der Wünsche für solche Dinge nutzen, wie McGonagall ihn Anfang des Jahres gewarnt hatte. Leute aus allen Jahrgängen und Häusern wollten der DA beitreten, obwohl Hermine Ron gesagt hatte, er solle aufhören den Slytherins mitzuteilen, dass sie nicht mitmachen dürften. Also, das war ein Streit gewesen. Ron sagte, man könne den Slytherins nicht trauen, wenn sie etwas tun wollten, was nicht so ganz mit den Regeln übereinstimmte und Hermine sagte, es sei gegen die Regeln, einem Haus den Zugang zu einem Schülerclub zu verweigern, und dass die DA nur geschlossen werde, wenn Ron dies weiterhin den Leuten erzählen würde. Harry fragte sich, ob die Beliebtheit der DA mehr mit der Tatsache zu tun hatte, dass Voldemort eine wachsende Bedrohung war oder mit der Tatsache, dass die neue VgdDK Lehrerin allgemein als eine Nulpe betrachtet wurde. Harry war sich nicht ganz sicher, was Voldemort dieser Tage tat, denn Hermine – die zu erraten schien, dass ihn diese Stories beunruhigten – wandte große Anstrengung auf, den Tagespropheten und Harry voneinander fernzuhalten.
Harry war außerdem der Quidditchkapitän. Er wollte es eigentlich nicht, irgendwie hatte er über den Sommer sein Interesse an Quidditch verloren, etwa zu der Zeit, als er begann zu ritzen, doch nicht genug, um das Team zu verlassen, so viel jedoch, dass er kein Kapitän sein wollte. Doch jeder im Team war der Meinung gewesen, Harry sei die einzig passende Möglichkeit und so hatte er es widerwillig akzeptiert. Er hatte das Gefühl, er gebe keinen sehr guten Kapitän ab, er war einfach nicht am Organisieren interessiert (er überließ die Organisation der DA Hermine) und er mochte es nicht Leute herumzukommandieren. Im Moment tat er alles, was seine Teamkameraden ihm vorschlugen.
Am Beginn der dritten Schulwoche, nachdem er es so lang wie möglich herausgezögert hatte, musste Harry schließlich zu seiner ersten Okklumentikstunde gehen. Er fragte sich, ob Dumbledore Snape erzählt hatte, dass er tatsächlich um Snape als Lehrer gebeten hatte. Harry stand für einen langen Moment außerhalb von Snapes Büro, bevor er tief durchatmete und eintrat. Das würde hart werden, besonders nach dem, was im letzten Jahr geschehen war.
Harry fand Snape an seinem Schreibtisch sitzend, wo er Aufsätze korrigierte und offensichtlich nicht erfreut war, von dem was er dort sah. Harry ging weiter und blieb abwartend vor dem Schreibtisch stehen.
„Sir?", sagte er, als Snape nicht ein Anzeichen dafür gab, dass er wusste, dass Harry da war.
„Ich sehe Sie, Potter", fauchte Snape und wandte sich wieder seinen Aufsätzen zu. Er korrigierte das Papier quälend langsam und als er fertig war, sah er endlich auf.
„Müssen Sie mich wie ein Fisch anstarren, Potter?"
Harry kämpfte darum, respektvoll zu bleiben. Es käme nicht so gut, auf dem falschen Fuß anzufangen. Nicht, dass es einen „richtigen" Fuß gäbe bei Snape. „Ich bin wegen meiner Okklumentikstunde hier, Sir", sagte er.
„Das weiß ich, Potter!", fauchte Snape erneut. „Noch einmal hat das Schicksal entschieden, mich mit Ihrer Anwesenheit zu verfluchen. Der Schulleiter ist fest entschlossen, dass Sie Okklumentik lernen, und ich kann sicherlich verstehen weshalb, obwohl es scheint, dass Sie ein hoffnungsloser Fall sind."
„Ich schätze Dumbledore hat ihm nicht gesagt, dass ich ihn als Lehrer wollte. Nun, wenigstens etwas Gutes."
„Haben Sie den Sommer über geübt?"
„Was?" Harry fuhr aus seinen Gedanken auf. „Uh, ja, sicher. Nun, ein bisschen."
Snape sah ihn zweifelnd an.
„Naja, niemand hat mir gesagt, den Sommer über zu trainieren, ich schätze, ich dachte, dass ich es nicht tun muss."
„Ist das so?", höhnte Snape. „Dann sagen Sie mir Mr. Potter, dachten Sie, dass Voldemort plötzlich verschwinden würde? Dass Ihre Verbindung mit ihm sich in Luft auflöst? Man würde meinen, dass Sie wenigstens nach den Ereignissen im letzten Jahr in der Ministeriumsabteilung endlich den Ernst der Situation begriffen hätten, aber offensichtlich erreicht Sie überhaupt nichts." Snape lächelte grausam.
„Wie kann er es wagen, mich an Sirius zu erinnern!"
„Wollen Sie mich heute etwas lehren, oder lediglich unhöflich sein, Sir?", grollte Harry durch zusammengebissene Zähne.
Snape grinste ihn an. „Fünf Punkte Abzug von Gryffindor, Potter. Nun, ich vermute, dass ich wenigstens versuchen muss, Sie zu unterrichten, doch lassen Sie mich vorher noch etwas betonen", Snapes Augen verengten sich, während er sprach. „MEINE persönlichen Besitztümer und Erinnerungen sind ALLEIN MEINE, und ich versichere Ihnen, dass, sollten Sie erneut in meine Privatsphäre eindringen, Sie es bedauern werden."
Snape wartete einen Augenblick, als warte er auf Harrys Antwort. Als Harry nichts entgegnete, seufzte er tief und begann endlich mit der Lektion. „Leeren Sie Ihren Geist, Potter", sagte er in gelangweilten, genervten Ton, als wüsste er, dass es sinnlos sei.
Harry blinzelte. Er sollte schon wieder damit anfangen? Trotz allem was Snape vorher gesagt hatte, Harry hatte dieses Jahr sehr viel mehr Interesse daran, Okklumentik zu lernen, selbst wenn er keine Lust auf Stunden mit Snape hatte. Er wusste, dass dies nicht funktionieren würde. Letztes Jahr hatte Snape darauf bestanden, dass Harry seinen Geist leere, ohne ihm je zu sagen, wie er vorgehen sollte.
„Sir?", fragte Harry. „Das ist eine Sache, die ich nicht verstehe. Sie sagen ständig „den Geist leeren", aber ich weiß nicht, wie das das geht. Gibt es keine Art von Technik, die Sie mir beibringen können oder so?"
Snape schien hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch Harry auszuschimpfen oder die höfliche Frage zu beantworten. Er wählte eine Kombination aus beiden. „Nun Potter, ich würde denken, dass es für Sie leicht genug sein, den Geist zu leeren." Harry sah ihn lediglich an. Snape seufzte. „Es ist unterschiedlich für die Menschen. Es gibt nicht einen Weg, um dies zu tun und ich bin kein Experte für Methoden der Meditation. Ich bin ziemlich sicher, dass die Art, wie ich meinen Geist leere ineffektiv für Sie wäre, Mr. Potter. Mir wurde gesagt, dass die meisten Menschen einfach die ganzen Sorgen des Tages vergessen und sich entspannen."
„Nun, das hilft nicht viel. Das ist, was ich vorher tat."
„Okay", sagte Harry laut.
„Gut, dann leeren Sie Ihren Geist", wiederholte Snape. Harry versuchte es. „Legilimens!"
Nach einer anstrengenden Okklumentikstunde, die nicht anders als gewöhnlich war, ging Harry hoch, um sich auszuruhen und im Gryffindorgemeinschaftsraum abzuhängen, nur um von Hermine genervt zu werden, weil er Verteidigung geschwänzt hatte.
„Hermine, sie sagte, dass wir nicht kommen brauchen und ich habe bloß eine Stunde verpasst!", fauchte Harry schließlich wütend.
„Ich weiß Harry, aber du wirst einen Verteidigungsclub leiten, meinst du nicht, dass du ein gutes Beispiel geben solltest -"
„Was bin ich? Der verdammte Schulleiter? Nebenbei, jeder hat den Unterricht versäumt."
„Nicht jeder", argumentierte Hermine, „ich bin in allen Stunden gewesen. Auch ein paar Ravenclaws. Und viele der Jungen kommen recht oft -"
„In der Hoffung Adeles Roben zu sehen", schnitt Harry ihr das Wort ab.
„Harry, ich denke wirklich du solltest -"
„IN ORDNUNG Hermine! Um Himmels Willen, ich bedaure den Mann, der dich heiratet, du bist eine solche Nervensäge! Es ist nicht so, als hätte ich irgendetwas verpasst." Das war sicher wahr. Adeles Stunden waren entweder zu leicht oder zu sinnlos oder beides gewesen, so wie sie am ersten Tag versprochen hatte.
„Nun, wenn du heute nicht in der Stimmung bist -", fing Hermine an, als ein diskretes Hüsteln an Harrys Seite sie stoppte.
Harry wandte sich um und fand sich Aug in Aug mit Caydon Snape wieder. Neben ihm stand ein kleines blondes Mädchen, mit einer großen Brille und riesigen Büchern im Arm.
„Du bist Harry Potter?", fragte der Junge.
„Uh, yeah. Der bin ich", antwortete Harry.
„Ich bin Caydon Snape, ich möchte der DA beitreten", sagte er. „Und du solltest wissen, dass, laut Hogwarts Verhaltenskodex Artikel II, Absatz 3, Zeile 14", er nahm das Buch und blätterte bis zu dieser Seite, während er sprach und las dann: „es keinem Schüler verweigert werden kann, Mitglied in einer Schülerorganisation, Club oder Aktivität zu werden, aus irgendeinem anderen Grund als Alter, Jahr oder Fähigkeiten."
„Es steht alles in diesem Verhaltenskodex", fügte das Mädchen ungehalten hinzu.
„Whoa, whoa", sagte Harry, „kommt mir nicht gesetzlich, Kinder." Beide Kinder starrten ihn an. „Okay, vielleicht sollte ich sie nicht Kinder nennen. Ich mochte es definitiv nicht, Kind genannt zu werden."
„Wieso denkt ihr, dass ich euch nicht eintreten lasse. Ich habe nie gesagt, dass ihr nicht beitreten dürft", fügte Harry hinzu.
Caydon und das Mädchen sahen sich an. „Nun, wir fragten gestern deinen Freund, weißt du, den mit den roten Haaren, ob ich beitreten dürfte und er sagte, du nimmst keine Erstklässler. Aber ich wusste, dass du es tust, weil ein paar Jungen aus meinem Zimmer schon dabei sind."
„Oh Mist", dachte Harry, während Hermine neben ihm vor Wut kochte. Er konnte Rons Gründe nachvollziehen, wenn sie wieder einmal etwas nicht ganz legales taten, brauchten sie sicher nicht Snapes Kind dabei. Aber sie konnten die DA auch nicht zu einem kleinen exklusiven Club mit ihren Freunden machen, das würde sie auch nur in Schwierigkeiten bringen, außerdem musste jeder wissen, wie er sich vor den Dunklen Künsten schützen konnte.
„Uh, ja. Ron hat etwas missverstanden. Von jetzt an, wenn ihr etwas über die DA wissen wollt, fragt ihr entweder mich oder das Mädchen hier, ihr Name ist Hermine. Wir sind diejenigen, die die DA richtig leiten", sagte Harry.
Caydon sah ihn misstrauisch an. „Er ließ andere Leute zu, es schien, als helfe er, es zu organisieren."
„Nun, uh, ja, irgendwie schon. Aber er ist nicht wirklich verantwortlich."
„Und er ist ein Idiot", murmelte Hermine zwischen den Zähnen.
„Also, okay", meinte Caydon strahlend, „oh, das ist meine Freundin Lydia Deetle, sie möchte auch mitmachen." Er zeigte zu dem Mädchen an seiner Seite und dann wandte er sich abrupt ab und ging fort.
„Warte … Snape!", rief ihm Harry hinterher.
Caydon sah ihn seltsam an. „Ja?"
„Für deinen Vater ist es in Ordnung, wenn du das hier tust, ja?" Harry konnte sich nicht vorstellen, dass Snape glücklich war, dass sein Sohn einer Organisation beitrat, die geführt und unterrichtet wurde von Harry Potter.
„Müssen die anderen Schüler ihre Eltern um Erlaubnis fragen, wenn sie einem Schulclub beitreten?"
„Hm, nun, nein. Ich möchte nur nicht, dass er wütend auf mich wird oder so."
Hermine schnaubte. „Weil ihr ja sonst auch so gut miteinander auskommt", flüsterte sie, sodass Caydon sie nicht hören konnte.
Und das erste Mal zeigte Caydon ein kleines Lächeln. „ich habe mit ihm gesprochen. Er sagte, er denkt, dass ich fähig bin zu wählen, wie ich meine Freizeit verbringe." Caydon und Lydia Deetle lächelten beide und vermieden es sich anzusehen. Harry gewann den Eindruck, dass dies nicht alles war, was Snape zu der Angelegenheit gesagt hatte.
„Nun, bis dann", murmelte Harry, unfähig etwas anderes zu sagen.
„Komm schon Lydia", sagte Caydon und ging davon. Lydia hob das große Verhaltenscodex Buch auf und eilte ihm hinterher.
Als sie weg waren, schüttelte Hermine ihren Kopf. „Ich bringe Ron um", sagte sie.
„Hermine, er wollte bloß helfen", meinte Harry.
„Harry! Er hat bereits einer Gruppe Slytherins gesagt, sie dürften nicht mitmachen. Wie lange glaubst du, dass Snape sich das gefallen lässt, bevor er sich offiziell beschwert!" Hermine stürmte davon, um Ron zu suchen.
„Nun, wenigstens belästigt sie MICH nicht länger."
Wie sich herausstellte, war es nicht Snape, um den sie sich sorgen mussten, dass er der DA feindlich gesonnen war. Am nächsten Tag wurde Harry ins Büro des Schulleiters gerufen, wo er, zu seiner Überraschung, einen sehr amüsierten Dumbledore, eine sehr verärgerte McGonagall und eine sehr tränenreiche Adele vorfand.
„Worum geht's?", fragte Harry verwirrt.
„Setz dich Harry", der Schulleiter schien sich das Lachen zu verbeißen. Harry setzte sich neben Adele. „Es scheint, als lege Adele hier eine offizielle Beschwerde gegen deine Verteidigungsgruppe ein."
„Was? Warum? Wir haben noch nicht einmal angefangen!"
Dumbledore sah Adele erwartungsvoll an, seine Augen blinzelten wie verrückt. Adele schien so von Tränen bedroht zu sein, dass es einen Moment brauchte, bis sie antwortete. „Oh – oh", heulte sie, „ich dachte, Sie mögen mich, Harry. Ich dachte, Sie halten mich für eine gute Lehrerin. Und dann starten Sie hinter meinem Rücken diesen kleinen Club …"
„Wa – was? Nein, wir hatten die Idee mit der DA bereits letztes Jahr, bevor Adele überhaupt kam. Sie wissen das, Professor Dumbledore."
„Direktor, das ist lächerlich", warf Professor McGonagall ein, „Adele hat nicht einmal eine berechtigte Beschwerde. Sie ist nur wütend, weil sie denkt, dass diese Gruppe eine Bedrohung ihrer Lehrfähigkeit darstellt." Während McGonagall sprach, heulte Adele laut zu diesen Worten auf.
„I – ist das die Art, wie sie all Ihre neuen Lehrer behandeln?", fragte sie. „Sie w – würden so etwa nie in Beauxbaton gestatten."
Professor McGonagalls Lippen wurden schmal. Professor Dumbledore versuchte Adele zu beruhigen. „Nun, nun, mein liebes Mädchen. Ich bin sicher, dass Harry Sie auf keinen Fall beleidigen wollte. Sicher können wir diese Angelegenheit regeln."
„Der Verhaltenscodex besagt, dass jede Gruppe mit mehr als 30 Mitgliedern einen Berater der Einrichtung haben muss. Ich bestehe auf die Erlaubnis dieser Berater zu sein." Harry war überrascht, dass Adele den Verhaltenscodex kannte.
„Ich werde sie beraten", sagte Professor McGonagall, die offensichtlich keine hohe Meinung von Adele hatte. Adele starrte sie an.
„Gut, dann ist ja alles gelöst", sagte Dumbledore strahlend, als hätten sie gerade eine wunderbare Vereinbarung getroffen, und ignorierte die Tatsache, dass sich zwei seiner Professoren anschauten, als wollten sie sich köpfen.
„Aber -", fing Adele an.
„Ich glaube, dass es das Beste wäre, das alles Professor McGonagall zu überlassen, Adele", sagte Dumbledore freundlich. „Immerhin ist sie die stellvertretende Schulleiterin und so wäre es gut -"
„Oh, in Ordnung", schnappte Adele, im Wissen, dass sie geschlagen war. Sie heulte nicht länger, sondern stand lediglich auf und rauschte aus dem Zimmer.
Der Schulleiter gluckste. „Dieser alte Verrückte", dachte Harry, „er hat das wirklich genossen."
„Harry", sagte der Direktor dann, „musst du nicht gleich im Unterricht sein?"
Er sah aus, als wüsste er, was Harry gedacht hatte und amüsiere sich darüber. Harry fragte sich, ob der alte Mann Okklumentik bei ihm angewendet hatte. Rasch stand er auf, nickte Professor McGonagall zu und eilte hinaus, um rechtzeitig zu Zauberkunst zu kommen.
An diesem Abend entschloss sich Harry Okklumentik zu üben. Nicht das halbherzige Versuchen, das er das letzte Jahr über betrieben hatte, sondern er versuchte wirklich den Dreh herauszufinden. Es war so viel wichtiger geworden nach … Sirius.
Harry legte sich auf sein Bett und sah die Zimmerdecke aus Stein an. „Mal sehen, was sagt Snape immer bei der Lektion …? Oh ja „leere den Geist". Nun, das hilft nicht viel. Das versuche ich doch die ganze Zeit. Was noch? „Sich von allen Emotionen lösen …"", Harry überlegte eine Minute. „Wann habe ich die wenigsten Emotionen?" Die Antwort kam schnell, ein süßes, sanftes Flüstern in seinem Geist. „Wenn du ritzt …"
Harry schnappte nach Luft. „N-nein. Das kann nicht die Lösung sein." Doch als Harry so auf dem Bett lag, wurde es deutlicher und deutlicher. „Bevor ich ritze … bin ich ein Meer von verwirrenden Gefühlen. Während ich ritze, fühle ich etwas und bin glücklich, den Schmerz zu spüren. Doch danach … bin ich so ruhig, so erleichtert, dass ich nichts und alles fühle. Und dann, wenn alle Gefühle aus mir heraus sind, dann kann ich anfangen neue, bessere zu fühlen. Ich kann wieder anfangen mich lebendig und glücklich zu fühlen."
Harry rollte herum und zog abwesend seinen Ärmel zurück um seine Arme anzusehen. „Also alles, was ich jetzt tun muss, ist einen Weg finden, um dieses Gefühl hervorzurufen. Als ich lernte, den Patronus heraufzubeschwören, musste ich angenehme Erinnerungen wachrufen. Vielleicht brauche ich hierfür ebenfalls eine Erinnerung. Nein, keine Erinnerung, eher ein inneres Bild."
Harry schloss seine Augen und stellte sich große Schnitte an seinen Armen vor. Er dachte an kleine Bäche von Blut, die seine Arme herabrannen. Lupins Stimme, als er den Patronus erlernte, drang zu ihm. „Das ist nicht stark genug …"
Er stellte sich Voldemort, Cedrics Tod, Sirius Tod, Zeitungsartikel über Zeitungsartikel von Morden durch Voldemort vor. „Das ist nicht gut. Es füllt mich mit MEHR Emotionen: Ärger, Verzweiflung, Schuld."
Frustriert rollte Harry erneut herum und presste sein Gesicht in sein Kssen. „Ich habe es fast …"
Plötzlich erinnerte sich Harry an einen Traum, den er mehrere Monate zuvor gehabt hatte, nachdem er mit dem Ritzen angefanen hatte – er hatte ihn schon beinahe vergessen, außer einem vagen Bild und einem unguten Gefühl, doch jetzt kam er in aller Deutlichkeit zurück. Er stand in der Mitte eines großen leeren Zimmers, von dem er das seltsame Gefühl hatte, es zu kennen. Alles war schwarz und weiß, doch Licht strömte durch zwei Fenster an der einen Seite und das pure Weiß der Wände machte alles sehr hell. Harry hatte das schreckliche Gefühl, dass sich etwas Böses näherte, dann den Eindruck, dass das Böse mit ihm, in ihm war. Eine quälende Sekunde lang senkte er seinen Kopf leicht nach unten und streckte seine Arme aus, Handflächen nach oben. Seine Arme waren glatt und weiß, so wie sie nie wieder sein würden. Harry berührte die weiche, sanfte Haut seines rechten Armes mit zitternden Fingern.
Blut begann aus seinem Arm zu rinnen, viel mehr Blut, als wenn er sich ritzte. Das Blut war die einzige Farbe im Raum. Es floss beide Arme hinab, entlang seinen Händen, wurde zu einer Pfütze zu seinen Füßen. Er weinte rote Tränen, sehr viel dunkler als echtes Blut. Auch die Wände weinten, große schwarze Ströme, die aussahen, als liefe Tinte auf ihn zu. Harry sah fasziniert zu der Pfütze mit seinem Blut. Er starrte mehr und mehr. Das Rot wurde zu Schwarz und die Dunkelheit war schließlich das einzige, was er noch sah. Der Alptraum war vorüber. Harry fühlte nichts.
Sobald Harry Snapes Büro betrat, zielte Snape mit seinem Zauberstab auf Harry. „Legil - "
„Warten Sie! Professor Snape!"
Snape stoppte und warf ihm einen sehr irritierten Blick zu.
„Meinen Sie, dass Sie mir ein paar Sekunden lassen könnten, bevor Sie den Spruch äußern? Ich muss nachdenken."
Snape zog ein höhnisches Gesicht. „Glauben Sie, dass der Dunkle Lord Ihnen ein „paar Sekunden" geben wird, Potter?"
„Nein", sagte Harry, „ich möchte nur etwas ausprobieren."
„In Ordnung Potter", sagte Snape mit genervter Stimme, „ich zähle bis zehn und dann sage ich den Spruch." Snape begann langsam zu zählen. „Eins … zwei … drei … v- "
„Moment, Moment", unterbrach Harry. Snape starrte ihn an. „Ich kann so nicht denken, wenn Sie das tun. Es lenkt ab. Zählen Sie einfach schweigend und sagen dann den Spruch."
„Natürlich Potter", meinte Snape sarkastisch. „Möchten Sie noch etwas? Ein bequemer Stuhl und etwas Räucherwerk?"
„Bitte machen Sie es, Sir", sagte Harry. Was sollte er tun, wenn Snape nicht zustimmte? Er glaubte nicht, dass er jemals schnell und ohne Ablenkung Okklumentik lernen würde, wenn er es nicht zuerst so versuchte.
„Oh, schon gut", meinte Snape. „Zehn Sekunden und nicht eine mehr. Start jetzt!"
Harry erinnerte sich an die Blutpfützen aus seinem Traum. Er sah hindurch. „Das ist mein Blut. Mein Leben." Bald war er vom Nichts umgeben, ohne jede Emotion. Er hörte nicht das Wort „Legilimens", doch er fühlte eine äußere Macht, die ihren Weg in seinen Geist erzwingen wollte, suchte und suchte, doch nichts fand. Bald schon schob Harry die Macht aus seinem Geist. Er schob und schob, geradewegs in Snapes eigenen Geist. Leicht schwebte er duch Snapes Erinnerungen. Er sah dieselben, die er letztes Jahr gesehen hatte – Snapes Vater, der seine Mutter anschrie, nur war dieses Mal alles deutlicher.
„Du bist ein Nichts! Ein Nichts, verstehst du mich, du Hure?", schrie er. Dann schlug er die Frau wieder und wieder, bis sie weinend zu Boden fiel. Snape, der nicht älter als fünf sein konnte, hatte sich weinend in die Ecke gedrückt. Harry fühlte, wie ihn jemand herausdrängte. Er wurde in seinen eigenen Körper zurückgedrängt, und fand Snape, der ihn mit verengten Augen anstarrte.
„Ich dachte, ich sagte Ihnen, sich aus meinen Erinnerungen herauszuhalten, Potter", flüsterte er gefährlich.
„Ich wollte nicht, Sir – ich nur…"
„Warum taten Sie das?"
„Was?", fragte Harry verwirrt.
„Was! Du Idiot! Wie bist du in meinen Kopf eingedrungen, ohne auch nur eine Silbe zu äußern? Das ist ziemlich schwierig, nur die begabtesten Legilimentiker sind dazu in der Lage! Und du hast sicherlich kein Gespür für dieses Fach zuvor bewiesen!"
„Oh, nun, ich wollte nicht -"
„Sie wollen nie, oder Potter? Dinge stoßen Ihnen einfach zu. Sie haben keine Kontrolle über Ihre Magie, Ihre Diaziplin insgesamt …", Snape pausierte, während er Harry beleidigte, als fiele ihm plötzlich etwas ein.
„Welche Technik wandten Sie an, um Ihren Geist zu leeren?"
„Was? Warum fragen Sie?", meinte Harry ausweichend.
„Weil Sie einen sehr ungewöhnlichen Gesichtsausdruck hatten, während Sie sich vorbereiteten, Potter. Und Sie sagten, dass Sie etwas „versuchen" wollten."
„Oh, hm, es war wirklich nichts. Ich hab nur versucht mich mehr zu entspannen."
„Ich verstehe", meinte Snape nicht überzeugt. „Mr. Potter, Sie sollten sich bewusst sein, dass einige Formen der Okklumentik, obwohl höchst effektiv, nicht von der Mehrheit der Zauberer genutzt werden, weil sie als ungesund für den seelischen Zustand erachtet und im Allgemeinen an der Grenze zu den Dunklen Künsten betrachtet werden."
Harry vermied Snapes Augen. „Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen. Wenn Sie sagen, ich solle meinen Geist leeren, dachte ich immer, ich solle mich konzentrieren oder so", sagte er etwas ärgerlich.
„Ich bin nicht für Ihre idiotischen Annahmen zuständig, Potter."
„Welche Methode verwenden Sie, um Iheren Geist zu leeren, Sir?"
„Das geht Sie nichts an. Legilimens!"
