„Und worauf sollte das hinauslaufen?"
Lucius machte eine vage Geste. „Das sind Dinge, die ein Gentleman nicht ausspricht."
Narzissa schnaubte. „Natürlich. Und dennoch denkt er offenbar an nichts anderes."
Lucius lachte. „Welcher Mann tut das nicht?"
Narzissa hatte keine Ahnung, was andere Männer so dachten, doch Lucius wirkte einfach bedrohlich auf sie, wenn er so sprach.
„Ich möchte gehen." sagte sie mit fester Stimme.
„Vielleicht später. Ich habe dir noch nicht erlaubt zu gehen."
„Ich brauche deine Erlaubnis nicht."
„Aber sie ist dir wichtig."
Narzissa raffte das letzte bisschen Mut zusammen, das sie aufbringen konnte und erhob sich. „Es ist genug, Lucius. Du hattest deine Chance und ich möchte mich nicht noch einmal mit dir treffen. Auf wiedersehen."
Sein Lachen trieb sie schneller als gewollt aus dem Gewächshaus.
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Beim Frühstück wirkte Narzissa eigentümlich leer und auch auf ihre Hausaufgaben konnte sie sich heute nicht konzentrieren. Was war gestern nur geschehen? Wie hatte sie sich überhaupt darauf einlassen können, mit ihm zu gehen? Sie wusste doch wie er war und er hatte sie nicht enttäuscht, er war selbstsicher wie eh und je gewesen und am Schluss hatte er sie schlichtweg ausgelacht. Das nagte an ihr, denn ihr Abgang hätte um einiges Selbstsicherer sein können, doch Lucius schaffte es immer, Dinge zu sagen, die sie nervös machten. Ein furchtbarer Mensch. Sie war wirklich froh, dass sie nach den Prüfungen nach Bedford Hall zurückkehren würde, dem Sommersitz der Blacks.
Sie hatte sich ebenfalls geweigert, Celeste über ihr Treffen Auskunft zu geben und nun war Celeste ziemlich böse auf sie und Narzissa musste den Tag alleine verbringen. Das fiel ihr gar nicht so leicht, denn sie fürchtete immer wieder, dass Lucius sich ihr anschließen würde, doch dieser verhielt sich nun noch seltsamer als vorher, denn er schenkte ihr nicht einen Blick. Als sie ihn auf dem Flur grüßte, da erwiderte er den Gruß nicht und als sie sichtbar alleine in der Bibliothek gesessen hatte, da hatte er auf dem Absatz kehrt gemacht. Eigentlich war das zwar ein Grund zu jubeln, aber Narzissa verstand dieses Verhalten einfach nicht.
So saß sie nun ziemlich verunsichert im Schatten der Bäume und grübelte über ihren Verwandlungsunterlagen stumpf vor sich hin.
Celeste kam schließlich zu ihr rüber gelaufen und Narzissa war dankbar dafür, dass ihre Freundin am Ende doch noch zurück gekommen war.
„Also schön, reden wir eben nicht darüber, sag mir nur ob ihr euch noch mal trefft."
„Nein. Eher sterbe ich."
„Habt ihr euch...?", doch Narzissa schnitt ihr das Wort ab. „Um Himmels Willen, nein."
„Hat er es versucht?"
„Nein."
„Aber dann war das ja ein ganz schön langweiliges Treffen. So ein paar Küsse machen das ganze viel spannender." lachte Celeste.
„Spannender? Ich würde es ekliger nennen. Lucius Malfoy ist so ziemlich der letzte Mann den ich küssen werde."
„Dann hast du ja jetzt freie Bahn für Plan B." rief Celeste begeistert.
„Plan B?"
„Wir hatten doch abgemacht, dass du mit einem Gryffindor ausgehst, wenn Lucius dir nicht gefällt."
„Na so weit kommt es noch." grollte Narzissa und tippte sich an die Stirn.
„Aber Frank Longbottom mag dich ziemlich gern."
„Ich habe nie mehr als vier Worte mit ihm gewechselt."
„Deine Eltern wären begeistert, wenn du mit ihm ausgehst. Immerhin ist er ein Reinblüter, wenn auch in Gryffindor." überlegte Celeste immer noch mit Eifer.
„Ich fände es viel besser, wenn ich auch von ihm begeistert wäre. Komm schon, Frank Longbottom ist nun wahrlich keine tolle Partie."
„Ach, Zissy es ist so schwierig einen Mann für dich zu finden." seufzte die Freundin.
„Ich finde mir einfach selbst einen." murrte Narzissa und klappte ihre Bücher zusammen. Mit Celeste an ihrer Seite konnte sie das Lernen für heute sowieso vergessen.
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Narzissa hatte das Quidditchspiel vollkommen vergessen, um so überraschter war sie, als Celeste sie sehr früh weckte und einen Schal in der Farbe der Slytherins schwenkte.
„Los komm, wir müssen unsere Mannschaft unterstützen."
„Aber doch nicht so früh." nuschelte sie in ihr Kissen und hätte alles dafür gegeben, noch eine Weile weiter zu schlafen, doch Celeste zerrte an ihrer Decke.
„Ich will bessere Plätze als beim letzten Mal. Ich möchte sehen, wie wir Ravenclaw den Hintern versohlen."
„Na schön." murrte Narzissa und schlurfte betont langsam ins Badezimmer. Quidditch. Da gab es viel zu viel Lucius. Mittlerweile war sie zornig auf ihn. Erst bekniete er sie um ein Date und dann ignorierte er sie? Das konnte er mit seinen anderen albernen Hühnern machen, aber nicht mit Narzissa Black. Sie würde sich von ihm nicht aus der Bahn werfen lassen, oh nein. Er würde sie beim nächsten Mal gar nicht ignorieren können.
Narzissa riss die Türen ihres Kleiderschranks auf. Er wollte ein Kleid? Bitte, dann sollte er es bekommen. Und sie würde ihn den ganzen Tag ignorieren. Vielleicht merkte er dann, wie verrückt sein Verhalten war.
Celeste staunte nicht schlecht, als Narzissa in dem grünen Kleid aus dem Badezimmer trat.
„Steht dir gut." sagte sie anerkennend, als Narzissa sich noch den silbern grünen Schal um den Hals schlang.
„Soll es auch." antwortete Narzissa. Ihr Kampfgeist war jetzt geweckt.
„Lass mich raten... es ist für..." kichernd verstaute Celeste ihren Zauberstab in ihrer Manteltasche, traute sich aber trotzdem nicht den Namen auszusprechen, denn sie wusste, wie zickig Narzissa auf diese Anspielungen reagierte.
„Ja, es ist für Lucius." sagte Narzissa jedoch, sehr zu Celestes Verwunderung.
„Bist du krank?" fragte sie besorgt.
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An diesem wunderbar wolkenlosen Tag hatte sich die ganze Schule auf dem Quidditchfeld versammelt und Narzissa stand mit Celeste in der ersten Reihe und feuerte die Slytherins an. Es stand schon nach kurzer Zeit siebzig zu zehn für Slytherin und ihre Hausgenossen machten sich jetzt schon keine Gedanken mehr um den Ausgang des Spiels, zu eindeutig war die grüne Überlegenheit.
Und Narzissa musste zugeben, dass Lucius der Quidditchumhang ausnehmend gut stand. Jetzt verstand sie ein wenig besser, was die anderen Mädchen an den Quidditchspielern fanden, denn die Uniform ließ jeden der jungen Männer größer wirken und eine würdevollere Haltung einnehmen. Warum das so war, das konnte sie zwar nicht erklären, aber es machte ihr Spaß zuzusehen.
