The Next Day
"Wach auf, Moony!", schrie Sirius während er die Vorhänge von Remus´ Himmelbett schwungvoll aufriss.
Remus starrte Sirius an. "Padfoot, warum um Himmels Willen, bist du um -", er warf einen Blick auf die Uhr auf seinem Nachttisch, "sechs Uhr morgens schon munter? Außerdem ist Samstag!"
Erstens will ich unbedingt die neuen Kleiderschränke der Slytherins sehen und zweitens, also eigentlich erstens, weil wir das noch vorher machen müssen, will ich unserem süßen kleinen Schulsprecher einen kleinen Streich spielen."
Remus lächelte leicht. "Was hast du dir da ungefähr vorgestellt?"
"Eine eiskalte Dusche.", sagte Sirius trocken, aber man konnte sein berühmtes Grinsen sehen, dass er immer bei der Vorstellung von Streichen aufsetzte.
"Hast du noch immer den Tarnumhang?"
"Yup"
"Hast du schon versucht Wormtail aufzuwecken?"
"Jaah, aber ich will einfach nicht mitgehen."
Fünfzehn Minuten später waren Sirius und Remus unter James' Tarnumhang auf dem Weg zu James. Mit sich trugen sie einen Eimer mit eisig kaltem Wasser. Leise schlichen sie in den Gemeinschaftsraum der Schulsprecher (James hatte ihnen am ersten Tag nach der Ankunft in Hogwarts das Passwort verraten).
Sirius und Remus schlichen in die Richtung von James Zimmer. Remus versuchte die Tür zu öffnen, sie war aber verschlossen. Aber Sirius, der wie die meisten Jungs nicht verstand, dass man eine Tür verschloss, dass niemand hereinkam, nahm seinen Zauberstab und flüsterte leise: „Alohomora".
Sie schoben die Tür langsam auf ...
Das Erste, was den Beiden auffiel, war, dass auf dem Boden Klamotten herum lagen. Darunter auch ein BH, der eindeutig nicht James gehörte ... Und das war nicht das einzige Seltsame ...
Neben James lag ein bestimmtes rothaariges Mädchen, das ihnen sehr bekannt vorkam. Beide wirkten irgendwie nackt, bis auf die Decke, die glücklicherweise die wichtigsten Dinge verdeckte.
Zuerst dachte Sirius, dass er halluzinierte. Das kann unmöglich Lily sein, das geht einfach nicht, dachte er verwirrt, aber es gab nicht zu rütteln, das Mädchen, das da seelenruhig neben James lag, war eindeutig Lily Evans.
Sirius schloss leise die Tür hinter sich, doch James wurde trotzdem wach.
"Hast du das gehört?", fragte er Lily und starrte auf die Tür.
"Nein.", antwortete sie schlaftrunken.
Aber James wandte den Blick nicht von der Tür. Lily drehte sich auf die rechte Seite um James besser sehen zu können und zeigte den zwei unsichtbaren Maraudern ihren jetzt abgedeckten Rücken. Für ein paar Minuten sahen sie sich nur in die Augen.
"Ich hasse diesen Satz, aber ich muss es einfach sage: Ich glaube wir müssen über letzte Nacht reden.", sagte James.
"Ja ... du hast Recht ... Also was willst du machen?", antwortete Lily.
"Ich will nicht, dass das nur ein One Night Stand war ... Ich empfinde mehr für dich ... aber es jedem zu erzählen wird schwer werden."
Sirius musste sich beherrschen um nicht laut zu schnauben. Wenn Sirius es nicht eben mit eigenen Augen gesehen hätte, dann hätte er James wohl nie im Leben geglaubt, dass er und Lily zusammen waren.
"Vielleicht ... vielleicht sollten wir etwas warten bevor wir es jedem erzählen.", sagte Lily ihre Worte sorgfältig abwägend. "Ich meine, wir hatten beide schon ziemlich öffentlich ausgeführte Beziehungen und die sind gescheitert. Wir könnten ein Geheimnis sein."
Als James nichts sagte, fügte Lily hinzu: "Ich weiß, es wird nicht einfach sein unseren Freunden nichts zu erzählen, aber wir können es ihnen ja erzählen, wenn wir uns sicher sind, dass es etwas ernstes ist."
James nickte. "Okay", antwortete er und gab Lily einen Kuss.
Plötzlich klopfte jemand energisch an die Türe. Alle vier sprangen vor Schreck.
"Potter, sind sie da drinnen?", hörten sie die Stimme von Professor McGonagall.
"Ich komme sofort.", sagte James überrascht.
"Was will sie hier!", wisperte Lily mit weit aufgerissenen Augen.
"Wichtiger ist jetzt – was tun wir?", erwiderte James sarkastisch.
Lily blickte sich panisch im Raum um. "Zieh dir was an, gib mir meine Klamotten und zieh die Vorhänge zu."
James tat schnell, was Lily vorgeschlagen hatte; er zog sich so schnell es ging sein Gewand an, warf Lily ihres zu und schloss die schweren Vorhänge des Himmelbettes. Dann öffnete er die Tür und sah Professor McGonagall an.
"Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte er sie und bemühte sich nicht genervt oder aufgeregt zu wirken.
"Ich will mit Ihnen und Miss Evans in meinem Büro sprechen. Wissen Sie wo sie ist?"
James bemühte sich unschuldig auszusehen. "Vielleicht in der Bibliothek?"
"Wie schon gesagt, ich möchte Sie beide sprechen. Finden Sie Miss Evans und kommen Sie in etwa einer Stunde zu mir!"
"Sicher."
Professor McGonagall nickte James zu und wandte sich zum Gehen. Er hielt vor Spannung die Luft an und hoffte, dass sie jetzt wirklich verschwinden würde. Glücklicherweise ging sie ohne noch ein weiteres Wort zu sagen.
James schloss die Tür und ging zurück zu seinem Bett, noch immer ohne die leiseste Ahnung, dass zwei seiner besten Freunde unter seinem Tarnumhang nur einen Meter von ihm entfernt standen. Er zog die Vorhänge zur Seite und erblickte eine vollständig angezogene Lily, die mit erleichterter Miene auf seinem Bett saß. Sie rutschte vom Bett und legte ihre Hände um seine Hüfte.
"Ich gehe mich duschen und komme dann in den Gemeinschaftsraum.", wisperte Lily in James' Ohr.
"Okay." Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sanft ihre weichen Lippen. Sirius konnte noch immer nicht fassen, was da vor sich ging.
Als Lily James' Zimmer verließ folgten Sirius und Remus ihr leise. Kaum war sie in ihrem eigenen Zimmer verschwunden, krochen Sirius und Remus aus dem Portraitloch hinter dem Bildnis der Prinzessin und Remus ließ mit einem Wink seines Zauberstabes das Wasser verschwinden.
Sie zogen den Tarnumhang aus und stapften ohne ein weiteres Wort in Richtung des Raumes der Wünsche.
Die Marauder hatten diesen Raum in ihrem vierten Jahr entdeckt, als sie des Nachts wieder einmal das Schloss unsicher gemacht hatten. Und da sie wussten, dass ihn außer ihnen niemand, vermutlich nicht einmal Dumbledore, kannte, hatten sie ihn für ihre heimlichen Animagi-Verwandlungsstunden genützt.
Remus schloss die Tür hinter ihnen und sah einen ziemlich verwirrt dreinblickenden Sirius ratlos an.
"Was ist letzte Nacht passiert? Ich meine, wir alle wissen, dass James Lily toll findet, wann hat er das auch nicht getan, aber was verdammt noch mal hat Lily geraucht, dass sie mit James ins Bett steigt?"
Wenn Remus nicht selbst so verwirrt gewesen wäre, hätte er Sirus verzweifelten Ausbruch lustig finden können.
Ich weiß ... ich kann es selber kaum glauben. Aber wir könne auch nichts zu ihm sagen.", sagte Remus vernünftig.
"Glaubst du es war sein Ernst, es niemandem zu erzählen ... nicht einmal uns?", fragte Sirius.
"Naja, James hält immer sein Wort ..."
Für ein paar Minuten dachten sie beide nach.
"Also was sollen wir tun?", fragte Sirius mit verzweifelter Stimme.
"Da gibt's nichts was wir tun können. James und Lily sollten besser nicht wissen, dass wir sie eben beobachtet haben ... Wenn sie es uns erzählen sollten, müssen wir so tun, als ob wir von nichts wüssten."
Lily und James betraten unterdessen Professor McGonagall's Büro, wo sie die Professorin hinter dem Schreibtisch sitzend vorfanden.
"Setzen Sie sich. Das wird nicht lange dauern – Ich weiß, dass Sie vermutlich möglichst schnell nach Hogsmeade gehen möchten." Sie lächelte die Beiden an, die sich setzten.
"Professor Dumbledore möchte, dass ich Sie Beide frage, ob Sie bereit wären, einen Ball für die Schüler ab dem vierten Jahrgang zu organisieren. Er würde in der letzten Nacht dieses Semesters stattfinden. Einen Tag vor den Weihnachtsferien. Wären Sie einverstanden? Die Vertrauensschüler würden Ihnen natürlich zur Seite stehen."
"Warum fragt uns Professor Dumbledore nicht persönlich?", fragte James neugierig.
Professor McGonagall wählte ihre Worte sorgfältig. "Er wird heute im Zaubereiministerium gebraucht."
James ahnte, dass er keine genauere Auskunft bekommen würde und wandte sich nun an Lily. "Was denkst du?"
"Ein Ball würde die Freundschaften unter den Häusern pflegen, was uns bis jetzt nicht wirklich gelungen ist. Ich würde sagen, machen wir es. ", sagte Lily ohne zu zögern.
"Einverstanden."
Die nächsten Minuten erklärte ihnen Professor McGonagall die Dingen die sie unbedingt organisieren mussten. Professor Dumbledore würde sich um den groben Aufbau kümmern, aber es sah so aus, als ob sie den Rest selbst gestalten durften.
Lily und James stießen in der Großen Halle auf ihre Freund um zu Frühstücken. Gerade lachten alle über etwas, das Sirius gesagt hatte.
"Was ist los?", fragte James Sirius. Irgendetwas an seinem Lächeln mit dem er James bedachte, war seltsam.
"Die verdammte Slytherins haben ihre Umhänge wieder gerichtet, bevor wir es sehen konnten.", fand dieser schnell einen Vorwand, wieso er so komisch schaute.
"Was habt ihr mit ihren Umhängen gemacht?", fragte Lily.
"Wir haben sie neon pink eingefärbt.", antwortet Sirius. Sofort mussten wieder alle lachen.
Nachdem James und Lily zu essen begonnen hatten, versuchte Sirius ihnen ihr süßes Geheimnis zu entlocken.
"Warum kommt ihr heute erst so spät runter?"
James dachte schnell nach, was er jetzt sagen könnte, aber Lily schaltete zuerst: "McGonagall wollte mit uns sprechen."
"Worüber denn?", bohrte Sirius weiter.
"Wir werden einen Ball für die Nacht vor den Weihnachtsferien organisieren.", antwortete Lily cool.
James warf einen Blick auf seine Uhr. "Wir sollten besser mal nach Hogsmeade gehen."
Sie standen auf und gingen alle gemeinsam ins Dorf. Als sie es erreichte, gingen die Jungs zielstrebig in Richtung Zonko, während die Mädels einkaufen gingen.
Alice, Dorcas und Elizabeth redeten und lachten miteinander (wie immer), aber Lily hörte nicht einmal zu. Alles woran sie denken konnte, war die letzte Nacht. Sie konnte den Gedanken an James zarte Küsse nicht aus ihrem Kopf kriegen. Natürlich wunderten sich die Anderen bald, warum Lily so still war.
"Bist du okay, Lils? Du sagst ja gar nichts.", sagte Elizabeth, ihre Stimme klang besorgt.
"Oh," sagte Lily, aus ihren Gedanken gerissen, "Mir geht es gut ... ich habe letzte Nacht nur nicht allzu viel geschlafen." Na bitte, dachte sie, das war keine komplette lüge.
"Na James, ist gestern Abend noch irgendwas interessantes passiert?" Sirius hätte Peter für diese Frage küssen können.
Remus und Sirius hatten sich entschlossen Peter nichts davon zu erzählen, was sie heute Morgen gesehen hatten.
"Nicht wirklich ... unser Kontrollgang war echt langweilig.", erwiderte James, auch wenn er seinen Freunden gerne die Wahrheit erzählt hätte.
"Und danach?", bedrängte Sirius und fing einen warnenden Blick von Remus auf.
"Nichts. Wir sind zu Bett gegangen."
Zu Mittag trafen sich die zwei Gruppen wieder in den Drei Besen. Sie lachten und quatschten. Vom nächsten Quidditchspiel (Gryffindor vs. Slytherin) angefangen, bis zu dem Schrecken, den Lord Voldemort im Land verbreitete. Mehr als einmal trafen sich Lilys und James´ Augen zu einem verliebten Blick.
Aber sie mussten vorsichtig sein ... Noch wollten sie die Katze ja nicht aus dem Sack lassen ...
