Hallöchen,

heut mal etwas früher, da ich ansonsten vor lauter Familienfeierlichkeiten nicht dazu kommen werde zu posten, aber ich schätze mal, ihr seid nicht allzu böse deswegen, oder?? :-) Dafür habe ich mir mal die Zeit für ausführliche Reviewantworten genommen:

Schokoladia – Jaaa, diese Story geht wirklich gut voran, was daran liegt, dass sie schon fertig ist und ich nur noch posten muss – hihi. Ich weiß, es ist noch etwas viel Geplänkel in den ersten Kapiteln, das lässt sich aber für die kommenden einfach nicht vermeiden, sonst könnte man nicht nachvollziehen, warum wer wie reagiert. Aber keine Sorge, bald kriegst du wahrscheinlich mehr Action, als du haben wolltest.

Leni4888 – Ach, Harrys Sicth der Dinge kommt schon nicht zu kurz, versprochen. Aber ich mag es einfach nicht, wenn der Blickwinkel von Kapitel zu Kapitel wechselt, das stört finde ich etwas, wenn man die Hauptperson wirklich 'kennenlernen' will.

Muse – Vielen Dank, ich gebe mir immer Mühe an meinem Ausdruck zu arbeiten.

Zissy – Süße, keine Sorge, es kommen auch noch wesentlich längere Kapitel.

Schon gut, schon gut, ich hör ja schon auf *g*.

Viel Spaß und bis nächste Woche

Eure Cassie

Chapter III - Schatten am Horizont

Never again will I fall to you!

Never!

(Never again - Kelly Clarkson)

Draco

Wie nicht anders zu erwarten, war ich todmüde, als mein Wecker zwei Stunden später unbarmherzig verkündete, dass ich in der Klinik erwartet wurde. Noch halb im Delirium fiel ich praktisch aus dem Bett und ein weiteres lautes Schrillen bescherte mir fast einen Herzinfarkt. Ich brauchte einige lange Sekunden bevor mein benebeltes Hirn begriff, was da klingelte.

Telefon.

Muggeldings.

Hört auf infernalischen Lärm zu machen, wenn man abhebt!

Anrufer anschnauzen!

Also tappte ich so schnell es meine wackeligen Knie zuließen in die Diele, diesmal ohne gegen den Türrahmen zu laufen und fauchte ein unfreundliches "WAS IST?" in den Hörer.

"Da schreibe ich schon extra auf die Flasche, dass du sie nicht anrühren sollst und was passiert? Kannst du neuerdings nicht mehr lesen, Malfoy?"

"Blaise.", antwortete ich wenig begeistert. Telefonate mit Blaise waren ohnehin schon anstrengend, mit einem ausgewachsenen Kater zu solch unmenschlicher Stunde waren sie tödlich.

"Ja, in meiner ganzen Pracht. Was ist los mit dir?" Blaise Stimme klang blechern durch die Leitung. Ich schloss müde die Augen, lehnte mich mit der Stirn an die Wand und beschloss, dass ich nicht die Kraft hatte zu lügen.

"Potter.", sagte ich einfach.

Es dauerte eine Weile bis Blaise reagierte, allerdings blieb die erwartete Standpauke aus. "Oh, Draco.", antwortete er seufzend, einen leisen Hauch von Bedauern in der Stimme.

"Sorry.", meinte ich unsinnigerweise, als ob ich etwas dafür könnte, dass er wieder da war. Er und das altbekannte sehnsüchtige Ziehen in meiner Brust. Merlin, was dröhnte mir der Schädel.

"Was ist passiert?", wollte Blaise wissen.

"Ah, Blaise, nicht jetzt. Mein Hirn ist nach dem verdammten Whiskey noch immer Flubberwurmfutter und ich bin todmüde..."

"Und ich wette, du siehst noch viel beschissener aus, als du dich fühlst…" Ich sah ihn praktisch vor mir, den Telefonhörer locker zwischen Schulter und Ohr geklemmt mit diesem schadenfrohen Grinsen im Gesicht, welches so typisch für Blaise war.

"Besten Dank für deine qualifizierten Bemerkungen Zabini!", knurrte ich nicht wirklich böse, stützte mich mit einer Hand an der Wand ab, um das Zimmer endlich davon abzuhalten sich weiter zu drehen.

"Immer wieder gern, Darling. Was meinst du, wann du wieder fit genug für einen Pokerabend unter Männern bist?"

"Mit dir? In diesem Jahrtausend nicht mehr."

"Prima, also abgemacht. Wir sehen uns nächstes Wochenende, diesen Samstag kann ich nicht, du weißt, Ma, Geburtstag, schreckliche Familienfeiern." Dann wurde seine Stimme unvermittelt ernst. "Ich komme früher, ich denke, du hast mir was zu erzählen."

"Nein." Ich seufzte schwer. "Eigentlich gibt es da nichts zu erzählen."

"Genau, deshalb höre ich seit Jahren den Namen Potter aus deinem Mund und du klingst, als hättest du Rosmertas Butterbiervorrat des letzten Monats gekippt. Das kommt mir leider nur allzu bekannt vor…"

Ich stöhnte. "Er ist verheiratet. Mit der kleinen Weasley. Nichts zu erzählen. Hab ihn im Krankenhaus getroffen. Wird Vater."

"Aha. Stenographische Ausdrucksweise, kommt mir ebenfalls bekannt vor. Nimm endlich 'nen Ausnüchterungstrank, du Hirn, oder willst du an der Arbeit noch jemanden umbringen?"

"Würde ich ja gern, leider labert mich so ein beschissener Besserwisser schon seit Minuten zu und ich werd ihn einfach nicht los."

Blaise lachte und verabschiedete sich mit einem für meinen Geschmack viel zu gut gelaunten "Bis Samstag."

Unsinnigerweise nickte ich den Telefonhörer an, bevor ich auflegte. War eigentlich egal, was ich sagte, Blaise würde hier auftauchen selbst wenn ich Zeter und Mordio schrie. Was wollte ich noch… richtig. Ausnüchterungstrank oder Toilette. Sollte mich schnellstens entscheiden.

Trank.

SCHNELL!!!

Während ich meinen Magen mit äußerster Willenskraft dazu zwang den Feuerwhiskey drin zu behalten, wankte in Richtung der Küche, riss die Tür zu meinem Zaubertrankschrank auf, wühlte unkoordiniert in den Phiolen bis ich endlich in den Händen hielt, was ich suchte. Ich entkorkte die kleine Phiole mit den Zähnen und würgte den Ausnüchterungstrank hinunter.

Den Kopf noch im Nacken wartete ich bis die Wirkung endlich einsetzte. Severus, ich liebe dich, dachte ich zufrieden, sobald mein Magen sich beruhigt hatte und meine Kopfschmerzen verschwanden. Gut, Ausnüchterungstränke waren nicht unbedingt das, was Severus mir vorrangig hatte beibringen wollen, aber es war ein netter kleiner Nebeneffekt.

Nachdem ich mich nun doch wesentlich besser fühlte, machte ich mir Kaffee, schlang in einem Anflug von Todessehnsucht eine Schüssel Haferschleim hinunter und ging duschen.

Ich kam sogar pünktlich im Krankenhaus an, was mir als ein kleines Wunder erschien. Kaum war ich in Sichtweite von Doras Schreibtisch, erhob sie sich eilig, drückte mir im Sekundentakt Kaffee, Akten und Telefonnotizen in die Hand, erinnerte mich daran, dass meine Assistenzärzte schon auf mich warteten und dass der Chefarzt mich sprechen wollte.

So wie der Tag begonnen hatte, ging es nahtlos weiter. Hatte ich zwischen den Visiten, den Laborkontrollen und diversen Gesprächen mit meinem Ärztenachwuchs, dem Chefhexer und Geldgebern für meine Forschungen, für etwa zwei Sekunden das Gefühl verschnaufen zu können, tauchte Dora aus dem Nichts mit einer neuen Tasse Kaffee und weiteren Zetteln auf.

Unglücklich war ich nicht darüber, dass sie mich so auf Trab hielt. Meine Gedanken waren endlich wieder da, wo sie sein sollten. Nicht bei Harry Potter.

So ging der Tag schnell vorbei und ehe ich richtig wusste, wie mir geschah, hexte ich das Licht hinter mir aus und trat ein weiteres Mal in die Londoner Nacht hinaus.

Ich war schon fast an meiner Wohnung, als mein Handy klingelte. Ich blieb vor der Tür stehen und ging ran. Es war Roger. Ich lud ihn ohne lange nachzudenken zum Essen ein und er stimmte überrascht aber freudig zu.

Ich beschloss endlich wieder zu meiner normalen Routine zurückzukehren und nahm den Fahrstuhl ins Loft. Wesentlich entspannter als in den letzten Tagen kam ich an, mit einem Wink meines Zauberstabes öffnete ich die Tür, hängte meinen Umhang auf und ging ins Bad. Eine weitere meiner Marotten, es kam selten vor, dass ich mir nicht zuerst eine Dusche genehmigte, wenn ich aus dem Hospital kam. Es war wohl meine Art die Arbeit hinter mir zu lassen.

Nach einer kurzen aber erfrischenden Dusche, zog ich Jeans und Shirt an, überlegte währenddessen was ich kochen wollte, wenn ich mir schon unplanmäßig Besuch einlud.

Roger klingelte als ich gerade die Zutaten für einen Salat aus dem Kühlschrank holte. Ich machte mir nicht die Mühe zur Tür zu gehen und rief ihm stattdessen ein lautes "Komm rein." zu. Er kam in die Küche, ich schaute auf und lächelte. Er sah verflucht gut aus in einem lässigen Hemd und Cargohosen und ich zweifelte an meinem Entschluss die Beziehung mit ihm nicht richtig fest werden zu lassen.

Roger war durchaus das, was man als gute Partie hätte bezeichnen können. Sicher, er war ein lausiger Zauberer, wusste meistens nicht einmal mehr, wo er seinen Zauberstab zuletzt verstaut hatte und lebte wie ein Muggel. Nichtsdestotrotz hatte er haufenweise Geld, was ich als angenehm empfand. Es ersparte uns leidige Ich-zahle-nein-heute-bin-ich-dran-Diskussionen. Hinzu kam das Aussehen eines Unterwäschemodels. Er war durchtrainiert und hatte ein beeindruckendes Sixpack vorzuweisen, von seiner intimen Ausstattung ganz zu schweigen. War ich selbst mit meinen 1,85 m schon nicht klein, Roger überragte mich um mindestens 20 cm.

Einzig seine Art mir alles Recht machen zu wollen verhinderte, dass ich mich auf eine feste Beziehung mit ihm einließ. Er tat, was ich wollte und diese Unterwürfigkeit war sein einziger Makel. Meistens empfand ich sie als angenehm, zuweilen trieb es mich an den Rand eines Tobsuchtsanfalles. Nun, ich hatte ihn in seine Schranken gewiesen und wusste, dass er sich daran halten würde.

Entspannt wie lange nicht mehr schnippelten wir einträchtig den Salat zurecht, entschieden uns für Pasta und Roger kredenzte seine Chili-Tomaten-Sauce mit einem Hauch Basilikum. Mit einer Flasche trockenen Rotweins verzogen wir uns samt Pasta und Salat auf mein Sofa. Roger hatte Muggelfilme mitgebracht, großzügig überließ ich ihm die Entscheidung, welchen Film er sehen wollte.

Wir aßen, tranken, schauten fern und unterhielten uns. Ich berichtete in groben Zügen wie weit ich mit meiner Arbeit gekommen war, er erzählte von einem seiner genialen Deals, der ihn um einige hunderttausend Dollar reicher gemacht hatte.

Irgendwann in der Mitte des Films legte er den Kopf in meinen Schoß, angelte gleichzeitig nach der Weinflasche, nur um enttäuscht festzustellen, dass sie leer war.

"Ich werd jetzt auf keinen Fall aufstehen.", kommentierte er entschlossen und stellte die leere Flasche unter einigen Verrenkungen zurück auf den Tisch.

"Tja, wenn du ein Zauberer wärst, könntest du ja einfach eine Neue herhexen.", neckte ich ihn mit einem kleinen bösartigen Unterton. Er wusste, dass ich nicht verstand, wieso er sich so wenig aus der Zauberei machte. Sicher, auch ich genoss mittlerweile einige Muggelangewohnheiten, doch die Zauberei hätte ich niemals aufgegeben.

"Sehr witzig.", antwortete er und piekte mir nicht gerade zimperlich in die Seite.

"Autsch.", protestierte ich, versuchte zeitgleich seinem Finger zu entkommen und meinen Rotwein nicht über die Couch zu kippen.

Kommentarlos klaute er mir mein Glas und schließlich war doch ich es, der eine neue Flasche besorgte. Mit einem einfachen "Accio!" ließ ich die Flasche direkt in meine Hand schweben, bedachte Roger mit einem süffisanten Blick mit hochgezogenen Augenbrauen und füllte mein Glas wieder auf.

Er sagte nichts dazu, drehte nur den Kopf zu mir und betrachtete den Reißverschluss meiner Jeans mit einem so intensiven Blick, dass mir heiß wurde.

"Neue Hose?", fragte er und grinste verrucht zu mir hoch. Mein Puls schoss nach oben und unwillkürlich leckte ich mir die Lippen, konnte mein Glas gar nicht schnell genug auf dem Fußboden abstellen.

"Nein.", sagte ich nur, hielt seinen Blick fest. Ich wusste, was das plötzliche dunkler Werden seiner Augen zu bedeuten hatte. Dennoch keuchte ich erschrocken auf, als er meine Jeans öffnete und seine Hand ohne Zögern hineingleiten ließ.

Roger brauchte nur Sekunden, bis ich meinen Kopf mit geschlossenen Augen auf die Rückenlehne sinken ließ und die lustvolle Erregung genoss, welche seine Lippen mir bescherten.

Die folgende Nacht war kurz, anstrengend und sehr befriedigend. Erst in den frühen Morgenstunden schliefen wir erschöpft ein und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich den kompletten Samstag einfach durchgeschlafen.

Leider war Roger jedoch einer jener unerträglichen Zeitgenossen, die selbst nach einer kurzen Nacht spätestens um 8 Uhr singend und pfeifend aus dem Bett sprangen und vor Energie kaum zu bändigen waren.

Im Gegensatz zu mir, mein Gehirn brauchte schon immer mindestens eine halbe Stunde Warmlaufzeit, bevor ich ansatzweise zu rationellem Denken oder komplizierten Handlungen wie Augen öffnen fähig war.

Roger war somit für die morgendliche Verpflegung zuständig, joggte zum Bäcker, joggte zurück, nutzte die Treppen zu meinem Loft für eine weitere Trainingseinheit, dieser Freak! Nichtsdestotrotz kochte er phantastischen Kaffee.

Die Morgendusche war zeitraubend, was daran lag, dass wir sie zusammen nahmen und ich so meine Schwierigkeiten damit hatte, meine Hände oberhalb von Rogers Gürtellinie zu lassen. Wir frühstückten erst gegen 10 Uhr.

Den Rest des Wochenendes verbrachten wir gemeinsam. In Ägypten beim Tauchen. Ein weiterer unbestreitbarer Vorteil von uns Zauberern. Ich liebte diese Kurztrips und ich liebte Ägypten. Nirgends sonst war die Unterwasserwelt derart einzigartig. Später trafen wir in der Hotelanlage noch einige Landsleute und ließen uns zu einer freundschafltichen Partie Rugby überreden.

Ich hatte eine unbestreitbare schöne Zeit mit Roger, der sich meine Worte offenbar zu Herzen genommen hatte. Und das Beste daran war, dass ich nicht ein einziges Mal an Harry Potter dachte.

Sonntagabend kam viel zu schnell und nachdem Roger die Nacht nicht mit mir verbringen wollte, da er schon in aller Frühe Termine hatte, apparierte ich am späten Abend zurück in mein Loft. Eigentlich war es mir nur Recht, dass Roger heute Nacht nicht hier verbringen würde, ich war einfach zu sehr ein Einzelgänger, als dass ich es länger als ein paar Tage permanent mit jemandem aushielt.

Ich ließ mein Gepäck mit einem einfachen Wasch- und Trockenzauber versehen wieder im Schrank verschwinden und überflog die Überschriften des Tagespropheten. Die Zeitungen landeten jedoch recht schnell im Müll. Während meiner Abwesenheit hatte sich in der Zaubererwelt nichts Interessantes ereignet.

Nach einem herzhaften Gähnen beschloss ich, dass der Rest der Wochenendpost Zeit bis zum nächsten Morgen hatte, zog meine Schuhe aus, in welchen ich noch einen Rest Wüstensand entdeckte und ging ins Schlafzimmer.

Auch meinem Bett verpasste ich einen Reinigungszauber, bevor ich mich endgültig auszog und unter die Decke schlüpfte. Ich war angenehm schläfrig, eine wohltuende Mattigkeit durchzog meine Muskeln. Das war einer der Gründe, warum ich Tauchen so liebte, es machte mich müde, aber diese Müdigkeit war so befriedigend und wohltuend, dass es die reinste Erholung war.

Ich schlief schnell ein in dieser Nacht, träumte einen zusammenhanglosen Mix von Bildern von Wüstensand, exotischen Fischschwärmen und Reihen von Reagenzgläsern. Nun, meine Arbeit ließ mich selten völlig los.

Am nächsten Morgen wachte ich erholt und zufrieden auf, ein Zustand, der mir höchst selten vergönnt war und so genoss ich die ersten zarten Sonnenstrahlen und drehte mich noch einmal um.

Leider war es damit auch schon vorbei mit meinem erholten Zustand tiefsten Friedens, denn ich schlief tatsächlich noch einmal ein. Und wurde einige Zeit später recht unsanft aus dem Schlummer gerissen, als Dora urplötzlich neben meinem Bett apparierte, lautstark über die heutigen jungen Leute und ihre durchzechten Nächte schimpfte, während sie mir die Bettdecke weghexte. Dass ich noch immer nichts außer meiner Haut trug, schien sie nicht weiter zu stören.

Ich brauchte einige Sekunden bevor ich begriff, dass ich verschlafen hatte, meine Assistenzärzte im Hospital Löcher in den Teppich liefen und meiner Sekretärin den letzten Nerv raubten.

Nach einem dezenten Hinweis an Dora sie möge sich doch bitte umdrehen, ich hätte nichts an, teilte sie mir unbeeindruckt mit, dass ich mich nicht so anstellen sollte. Sie hatte fünf Söhne großgezogen und wusste wie ein nackter Kerl aussah. Entnervt fügte ich mich also in meine Schicksal, schlüpfte eilig aus dem Bett und sah zu, dass ich in Richtung Badezimmer verschwand.

"Netter Hintern, Doc!", rief Dora mir lachend hinterher und ich wurde tatsächlich rot. Nach einer Katzenwäsche rief ich frische Anziehsachen per Accio herbei. Ich wollte wirklich nicht noch einmal im entblößten Zustand an Dora vorbei, sie erinnerte mich an meine Mutter und selbst die hatte mich zum letzten Mal nackt gesehen, da war ich zwölf. Und das war mir heute noch peinlich!

Wir apparierten schließlich Seit-an-Seit in meinem Büro, wo meine Assistenzärzte tatsächlich schon händeringend auf mich warteten. Ich verlangte mittelschwer genervt nach einem Kaffee, man sollte doch annehmen, dass ein halbes Dutzend erwachsener Menschen, die immerhin schon ein Medizinstudium hinter sich gebracht hatten, ein gewisses Maß an selbstständigem Arbeiten beherrschten. Nun, das war wohl etwas, was ich ihnen noch beibringen musste.

Dora brachte mir meinen Kaffee, setzte mich über den heutigen Terminplan in Kenntnis und ich stellte zu meinem Unmut fest, dass ich eine geschlagene Stunde hinter meinem Zeitplan herhinkte. Meine Assistenzärzte trieb ich wie eine Herde Schafe vor mir her und eilte hinaus. Dora fragte mich durch die zufallende Tür, ob sie einen Besprechungstermin für den Nachmittag annehmen könnte. Ich rief ein "Wenn es sein muss!" zurück und verbrannte mir die Zunge am heißen Kaffee.

Die Visite lief schnell und problemlos, was mir einen Großteil meiner verlorenen Zeit zurückbrachte. Wesentlich entspannter konnten wir uns an die Laborarbeit machen. Wir verabreichten den Trank einigen Versuchsmäusen und ich ließ meine Lehrlinge allein mit der Aufgabe alle Reaktionen der Mäuse genauestens zu protokollieren. Eigentlich war diese Arbeit reine Zeitverschwendung, denn ich wusste, dass der Trank außer einer leichten Übelkeit keine Nebenwirkungen hervorrief. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich meine Assistenzärzte vom Hals haben müsste. Es war nicht mein bester Tag.

Das Mittagessen nahm ich in der Kantine ein, unterhielt mich mit einigen Kollegen, lachte über den neuesten Klatsch und lauschte den Gruselgeschichten der Pathologen, die sich mit einem neu eingelieferten Haufen Inferi beschäftigen mussten. Ich machte mir eine kurze Notiz auf dem Rand einer Serviette, beschloss Severus zu kontaktieren. Eventuell wäre es ja möglich einen Trank zu finden, der den Inferi endlich zu ihrer verdienten Ruhe verhalf. Mich wunderte es sowieso, wo diese bedauernswerten Kreaturen überhaupt noch herkamen. Scheinbar hatte Voldemort in dieser Hinsicht ein Lager für die Zukunft angelegt.

Mein Pieper lenkte mich von diesen Gedanken ab. Schnell riss ich das Stück der Serviette ab, entschuldigte mich bei meinen Kollegen und eilte ins Labor. Eine der Mäuse war gestorben und diese Tatsache bereitete mir den Rest des Tages erhebliche Magenschmerzen. Eigentlich hatte ich das Mittel schon mehrfach getestet und nie war etwas passiert.

Nach einigen recht ungehaltenen Verwünschungen machte ich mich unter den Argusaugen meiner jungen Assistenten daran die Maus zu sezieren.

Die Zeit verstrich schneller, wie immer, wenn ich im Labor arbeitete und ich schaute erschrocken auf, als mein Pieper erneut erklang. Dora erinnerte mich an meinen Besprechungstermin. Ich brauchte einen Moment um mich daran zu erinnern, dass sie mich ja am Morgen zwischen Tür und Angel danach gefragt hatte.

Es passte mir überhaupt nicht, denn ich hatte noch immer nicht herausgefunden, woran die Maus verendet war. Da ich aber auch nicht wusste, wer mich da so dringend sprechen wollte, blieb mir nichts anderes übrig als die restliche Sektion einem meiner Assistenten zu überlassen.

Ich trat in die Desinfektionsschleuse, brachte das übliche Ritual hinter mich, welches die Sicherheitsvorkehrungen von mir verlangten, schlüpfte in meinen normalen weißen Arztumhang und hastete die Treppen hinunter, meinem Büro entgegen.

Dora, die gute Seele, erwartete mich schon mit dem obligatorischen Kaffeebecher in der Hand. Was würde ich nur ohne mein heiß geliebtes Koffein machen? Wahrscheinlich endlich mal wieder vernünftig schlafen, dachte ich und lächelte.

"Er ist schon da.", sagte Dora und nahm etwas schwerfällig wieder hinter ihrem Schreibtisch Platz.

"Wer denn eigentlich?", erkundigte ich mich zwischen zwei vorsichtigen Schlucken, darum bemüht, mir nicht ein weiteres Mal den Gaumen zu verbrennen.

"Na, der hübsche Kerl von neulich. Sie wissen schon, Doc…", sie lächelte mich breit an und wackelte mit ihren beeindruckenden Augenbrauen. Ich dagegen stand wirklich auf dem Schlauch. Dora kannte Roger und den nannte sie immer nur den Gladiator. Aber welcher hübsche Kerl hatte sich denn sonst in letzter Zeit in mein Büro verirrt? Unseren Chefhexer meinte sie wohl eher nicht, denn der war untersetzt, hatte eine Halbglatze und war außerdem ein ziemliches Arschloch.

Dora hatte endlich ein Einsehen mit mir und wurde deutlicher. "Doc, also wirklich! Schwarze Haare, wahnsinnig auffällige grüne Augen…"

Ich verbrannte mir die Zunge und verschluckte mich. "Potter?", brachte ich krächzend hervor, sobald ich wieder in der Lage war etwas Luft in meine Lungen zu bekommen. Ihr Lächeln wurde so breit, dass ich ihre vergoldeten Backenzähne sehen konnte. Sie nickte.

"Scheiße.", sagte ich und Dora schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund. Es gab wenige Dinge, die sie mehr hasste als die Verwendung solcher Kraftausdrücke und normalerweise achtete ich ohnehin darauf mich gewählter auszudrücken. In diesem speziellen Fall war es mir weder möglich meinen Unmut anders auszudrücken, noch wollte ich es.

Ich stellte den halb getrunkenen Kaffee auf Dora Schreibtisch und räusperte mich. Warum schon wieder er? Er wurde doch bald Vater, hatte er denn wirklich nichts besseres zu tun als mir schon wieder auf den Geist zu gehen? Dora musterte mich eindringlich mit hochgezogenen Augenbrauen, als ich abwesend meinen Umhang glattstrich und geräuschvoll durchatmete bevor ich die Tür zu meinem Büro öffnete.

Harry stand vor dem großen Panoramafenster und sah hinaus. Er drehte sich zu mir herum, als er das leise Schaben der Tür über den Teppich hörte. Mein erster Gedanke war, dass er zuwenig schlief und verflucht blass aussah.

Nichtsdestotrotz schoss mein Puls in die Höhe, sobald er mich mit diesem verhuschten Lächeln begrüßte, was er immer zustande brachte, wenn er mit den Gedanken eigentlich ganz woanders war. "Guten Tag, Draco."

"Hallo.", murmelte ich griesgrämig und schritt hocherhobenen Hauptes auf meinen Schreibtisch zu, hauptsächlich um mir nicht anmerken zu lassen, dass mein Herz verdächtig schnell pochte. Ich setzte mich umständlich in meinen Stuhl, schob Papiere und Post auf meinem Tisch umher um mich zu sammeln. Nach einigen Sekunden gab ich auf, lehnte mich zurück und sah ihn an.

Er hatte seine Position nicht verändert.

"Was willst du schon wieder?", ich klang unfreundlich und darüber war ich froh. Er brauchte nicht zu wissen, dass er mich noch immer durcheinander brachte.

"Dich um etwas bitten.", antwortete er zu meiner Verwunderung. Ich schwieg und schaute ihn fragend an.

Er ließ sich Zeit mit der Antwort, sah ein letztes Mal aus dem Fenster und kam dann zu mir herüber. Er betrachtete einen meiner Besucherstühle so ernsthaft, als überlege er, ob er es riskieren könnte sich zu setzen ohne dass das Möbel unter ihm zusammenbrechen würde.

"Der ist stabil, also setz dich.", meinte ich nach einigen Augenblicken genervt. Er machte mich wahnsinnig mit dieser Herumdruckserei. Eventuell war es aber auch mehr die Tatsache, dass ich unbedingt wissen wollte, was genau er schon wieder hier machte. Jahrelang bekam ich ihn überhaupt nicht zu Gesicht und plötzlich war er ständig präsent.

Gleichzeitig schalt ich mich einen Idioten. Was bitte erwartete ich denn? Dass er mir sagte, er könnte unsere Nacht damals nicht vergessen und wolle nun doch mit mir zusammensein? Ich erschrak über meine Gedankengänge so sehr, dass ich erneut auf meine Post starrte. Wollte ich das denn? Wollte ich allen ernstes einen weiteren Versuch mit ihm? Was war mit Roger? Was war mit meinem ganzen verfluchten bisherigen Leben? Ich war doch nicht wirklich so verrückt wegen einer einzigen Nacht…oder doch?

"Hör zu, Draco.", begann er und ich hörte die Unsicherheit in seiner Stimme. "Das ist für mich wirklich nicht leicht."

Mein Herz setzte einen Schlag aus und ich hob den Blick. Er starrte noch immer den Stuhl an, knetete seine Finger und runzelte angestrengt die Stirn, als koste es ihn tatsächlich Überwindung die Worte zu formulieren.

"Es geht im Ginny."

Ich erstarrte.

Ginny? Ich presste die Lippen aufeinander, darum bemüht ihn nicht sehen zu lassen, was für ein kompletter Idiot ich war. Natürlich. Ginny! Seine SCHEISS-EHEFRAU!!!! Die altbekannte Wut auf ihn brannte erneut in meinem Magen und ich schluckte, wild entschlossen ihn zumindest ausreden zu lassen, bevor ich ihn zum Teufel jagte. Ein für Allemal!

"Sie… etwas stimmt mit dem Baby nicht.", fuhr er fort, stockte, schien zu bemerken, dass seine Hände ineinander verkrampft waren und löste seine Finger. Er senkte die Arme, ließ sie einige Sekunden nutzlos an seinen Seiten baumeln, um erneut die Hände ineinander zu schieben.

Seine Hilflosigkeit und offensichtliche Verzweiflung half mir, zumindest ansatzweise zu meiner Professionalität zurückzufinden. "Setz dich.", sagte ich erneut, verwundert darüber, wie neutral meine Stimme klang.

Endlich ließ er sich auf dem Stuhl nieder.

"Sie… also, am Wochenende meinte Ginny, dass das Baby sich weniger bewegen würde als sonst."

"Das ist nichts Ungewöhnliches…"

Er unterbrach mich mit einem eckigen Kopfschütteln. "Das dachten wir ja auch, aber es wurde nicht besser und so kamen wir gestern her. Sie haben einige Untersuchungen gemacht und, na ja, sie wissen noch nichts genaues, aber irgendetwas ist nicht so, wie es sein sollte."

"Ich bin kein Gynäkologe.", warf ich ein.

Harry hob den Kopf und schaute mir ins Gesicht. Meine Wut verflog. Er hatte Angst. Eine Emotion, die ich noch niemals bei ihm gesehen hatte und es verwirrte mich.

"Bitte, Draco, ich weiß, dass du dich teilweise mit Pränataldiagnostik auskennst… könntest du dir nicht Ginnys Daten ansehen?"

Nun war ich es, der den Blick senkte. Es war wohl Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet er mich darum bat, seine Frau zu behandeln. Und sein ungeborenes Baby. Dies war der Moment in welchem ich unwiderruflich begriff, dass es keine Zukunft für uns gab, es nie gegeben hatte.

Harry hatte sich schon damals entschieden. Gegen mich. Für ein Leben mit einer Frau. Es war nicht so, dass ich ein Recht hatte ihm böse zu sein, immerhin hatten sogar Blaise und ich herumexperimentiert und heute würde ich sagen, dass Blaise absolut heterosexuell ist. Aber bei Harry schaffte ich es einfach nicht Herz und Verstand auf einen Nenner zu bringen. Damals nicht und heute leider genauso wenig.

"Wer behandelt sie?" Ich brachte die Worte 'deine Frau' nicht über die Lippen.

"Pamela Whiterton."

"Dann brauchst du keine zweite Meinung. Sie ist super, eine der besten Ärztinnen in diesem Land."

Harry schwieg. Vielleicht ahnte er, warum ich mich sträubte. Normalerweise wäre es kein großer Akt mir die Akten kommen zu lassen um einen Blick hineinzuwerfen. Normalerweise, leider reagierte ich auf Harry nie normal.

Andererseits war ich Arzt und wenn mich jemand um eine zweite Meinung bat, hatte ich kein Problem damit diesem Wunsch nachzukommen. Es brachte mir nicht immer Sympathien unter meinen Kollegen ein, aber letzten Endes war für uns Ärzte der Wunsch des Patienten maßgeblich.

Harry erhob sich und ich schaute auf. "Hör zu, Draco, ich weiß, dass ist für uns beide nicht leicht…"

"Nein.", unterbrach ich ihn. "Nein, das weißt du nicht." Ich stand ebenfalls auf, sah auf ihn herunter und die Wut war urplötzlich wieder da. Mir war klar, dass dieser Moment der absolut unpassendste war um die Kontrolle zu verlieren, aber… selbst ich war im Endeffekt nur ein Mensch.

"Du kommst nach all den Jahren hier rein, tust als wären wir die besten Freunde, dann machst du mich an, warum ich deinen Brief nicht gelesen habe… und verdammte Scheiße, Harry! WAS SOLL DAS?" Ich atmete heftig aus, ballte die Hände zu Fäusten und stützte mich auf der Tischplatte ab, nicht sicher, woher dieser plötzliche Ausbruch kam.

"Draco…" Er schaute mich an, einen Ausdruck in den Augen, den ich nicht zu deuten wusste. "Du… wir… ich hatte einfach Angst, damals…"

"Angst?" Ich lachte freudlos. "Wovor zum Teufel hattest du Angst? Davor, dass die Welt erfährt, dass ihr Held sich von Kerlen ficken lässt?"

"Ich war verdammt nochmal erst 18 Jahre alt!" fuhr er mich an.

"Nun, ich auch, also was soll der Mist?"

"Aber auf dich hat nie die halbe Zaubererwelt geschaut, nur darauf wartend einen Skandal ans Licht zu zerren! Weißt du eigentlich wie schwer es für mich war immer in der Öffentlichkeit zu stehen? Ich wollte nie diese Aufmerksamkeit! Du weißt, was die Kimmkorn allein beim Trimagischen Turnier über mich geschrieben hat, es wäre doch alles noch viel schlimmer gewesen, wenn rausgekommen wäre, dass ich…"

Er unterbrach sich und ging mit schnellen Schritten wieder zum Fenster, starrte mit zusammengekniffenen Lippen hinaus.

"Wenn was?", fragte ich kalt, nicht bereit ihn jetzt davonkommen zu lassen. Es war meine Chance die Dämonen der Vergangenheit endlich ans Licht zu zerren um sie dann hinter mir zu lassen. Ich wollte diese Sache endlich klären.

Er schluckte bevor er den Kopf gerade soweit drehte, dass er mich über die Schulter ansehen konnte. Seine Augen waren dunkel vor Emotionen. "Wenn herausgekommen wäre, dass ich ausgerechnet… in den Sohn von Voldemorts rechter Hand verknallt war."

Mir entgleisten die Gesichtszüge und ich starrte ihn an. Ungläubig. Fassungslos.

"Was denkst du hätte die Kimmkorn oder irgendein anderer Klatschreporter gemacht? Sie hätten mich in der Luft zerrissen und das hätte ich nicht ertragen. Nicht bei all dem Druck, den ich sowieso schon hatte…"

Er wandte sich wieder dem Fenster zu, seine Stimme klang merkwürdig dumpf, als seine Gedanken in weitere Ferne schweiften. "Ich wollte es dir erklären, deswegen der Brief. Ich wollte dir erklären warum ich einfach verschwunden war ohne ein Wort zu sagen, aber… aber als ich sah, wie du den Brief verbrannt hast ohne ihn zu lesen, dachte ich, dass du bereust was geschehen ist. Oder schlimmer noch, dass du es rumerzählen würdest oder mich einfach noch mehr hassen würdest als vorher…"

Mir wurde bewusst, dass ich ihn noch immer mit offenem Mund anstarrte und ich schloss ihn schnell, schluckte trocken, während ich versuchte zu verstehen, was er mir da eben offenbart hatte.

"Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe. Damals wie heute. Das wollte ich nie. Ich wusste schlicht nicht, was ich tun sollte und um ehrlich zu sein… ich weiß es noch immer nicht."

Harry drehte sich nun wieder herum, schaute mich schweigend an und ich war noch immer zu keiner Reaktion fähig. Das Schweigen zwischen uns hielt an, während wir uns stumm in die Augen sahen. Allmählich begann ich zu ahnen was falsch gelaufen war und es zog mir den Boden unter den Füßen fort.

Ein leises Klopfen an meiner Tür brachte die Normalität zurück, Harry wandte sich schnell wieder seinem Fenster zu, ich schüttelte den Kopf, räusperte mich leise und murmelte ein halbherziges "Herein."

Thatcher Tyrell, der Klinikchef von St. Mungos steckte den Kopf durch die Tür, erkannte Harry und ein breites dienstbeflissenes Lächeln erschien in seinem feisten Gesicht. "Mr. Potter."

Harry lächelte zurück und mir wurde mit einemmal bewusst, dass er immer in der Öffentlichkeit stehen würde, ganz egal worum es ging. Er war Harry Potter. Der Held. Voldemorts Bezwinger. Und ich begann zu verstehen, wovor er solche Angst gehabt hatte.

Mein Chef überhäufte ihn mit allerlei Gunstbekundungen, bot an ihm die Klinik zu zeigen und ging mir schon nach kurzer Zeit heftig auf die Nerven.

Nach weiteren endlosen Minuten in denen mein Chef sich in Bauchpinseln meines Ex-Lovers übte, fiel ihm anscheinend endlich ein, dass Harry wohl nicht ohne Grund in meinem Büro herumstand.

"Oh, es tut mir leid, ich habe Sie bei ihrem Gespräch mit Mr. Malfoy unterbrochen…"

"Nein, schon gut, wir waren fertig." antwortete Harry gezwungen höflich, schüttelte Thatcher noch einmal die Hand und wandte sich zur Tür.

Ich brachte es einfach nicht fertig ihn aufzuhalten und so fiel die Tür sanft hinter ihm ins Schloss. Er hatte mich nicht einmal mehr angeschaut.

"Was wollte Mr. Potter denn von Ihnen?" erkundigte mein Boss sich neugierig, ich konnte die Galleonenstapel praktisch in seinen Augen klingeln sehen. Wahrscheinlich hoffte er, dass Harrys Anwesenheit der Klinik ordentlich Profit bringen würde. Nun, damit war ich nicht einverstanden.

"Nur ein persönlicher Besuch, Thatcher, wir waren im selben Jahrgang in Hogwarts.", ließ ich ihn kühl wissen. Sein erfreutes Lächeln erstarb, machte der üblichen miesepetrigen Miene Platz.

"Nun, das ist schön für Sie, Doktor. Wie weit sind Sie mit Ihren Forschungen?"

"Genausoweit wie gestern um diese Zeit, denn Wunder passieren bekanntlich nicht über Nacht. Wie ich sagte, Thatcher, ich werde es sie umgehend wissen lassen, wenn es etwas mitzuteilen gibt."

Er setzte zu einer Antwort an, überlegte es sich jedoch im letzten Moment noch anders, wünschte mir einen schönen Abend und verschwand. Himmel, wie mir dieser Kerl auf die Nerven ging, der einzige Wermutstropfen bei meiner Arbeit in Hogwarts. Sicher, die Klinik war auf Publicity und Geldspenden angewiesen wie jede andere, trotzdem konnte er kaum von mir erwarten, dass ich ihm Neuentwicklungen am laufenden Band lieferte.

"Was wollte der Alte schon wieder?"

Ich schrak zusammen. Doras massige Gestalt stand plötzlich vor mir. Ich hatte sie nicht hereinkommen hören.

"Das Übliche.", seufzte ich "Ergebnisse oder Wunder."

"Der Mann ist einfach nur geldgeil. Furchtbar. Wissen Sie, womit er meine letzte Anfrage auf eine Gehaltserhöhung abgelehnt hat?" Dora legte mir einen weiteren Stapel Post auf den Tisch.

"Nein, womit?", fragte ich abwesend.

"Er meinte es wäre nicht seine schuld, wenn Damenmode in XXL so teuer sei."

"Bitte was?" Ich glaubte mich verhört zu haben, Dora grinste nur und zuckte mit den Schultern. "Wundert Sie das etwa, Doc? Bevor er Ihnen die Stelle angeboten hat, hat er wahrscheinlich wochenlang rumgerechnet wo er ihr Gehalt sparen kann."

"Mistkerl.", schimpfte ich und meinte es auch so. Dora lachte und ich bewunderte sie einmal mehr für ihre Gelassenheit. "Es kommt alles so, wie es kommen soll, Doc. Alles, Sie werden sehen."

Mit dieser kryptischen Aussage verabschiedete Dora sich in den Feierabend. Ich starrte noch eine ganze Weile auf die geschlossene Tür und versuchte die letzte Stunde irgendwie zu verdauen. Mein Pieper machte mir jedoch recht schnell klar, dass ich keine Zeit für Grübeleien hatte, denn so wie es aussah, hatten meine Assistenzärzte die Maus komplett zerlegt und den Grund für den unerwarteten Tod gefunden.

Nach einem letzten Blick auf meinen Schreibtisch und die sich häufenden Papiere dachte ich, dass eine Nachtschicht wohl nicht die schlechteste Idee wäre. Schlafen würde ich heute nicht können. Wieder nicht.

Nach dem dritten eindringlichen Piepen stellte ich den Pieper aus und machte mich auf den Weg ins Labor.

Nun, wenigstens dort erwartete mich eine freudige Nachricht. Die Maus war nicht wegen meines Trankes gestorben, welch ein Glück, sondern schlicht und einfach an altersbedingtem Herzversagen. Meine Tränke hatten das arme Tier weit über seine natürliche Lebensdauer am Leben erhalten, wie ich nach einem konkreten Blick in meine Unterlagen feststellte.

Welch eine Erleichterung. Ich schickte meine freudenstrahlenden Assistenzärzte nach Hause, nachdem sie mir das Versprechen abgenommen hatten, dass ich ihnen morgen eine ähnliche knifflige Aufgabe stellen würde. Noch hatte ich keine Ahnung wie genau ich das anstellen wollte, doch damit wollte ich mich frühestens nach der Morgenvisite beschäftigen.

In einem Anflug von Sentimentalität flickte ich den kleinen Mausekörper wieder zusammen, bettete ihn in ein mit Sägemehl ausgestreutes Kästchen und begrub sie im Park des Hospitals. Gleich unter einer der großen Weiden, welche ich von meinem Büro aus sehen konnte. Die Maus hatte der Klinik große Dienste erwiesen, also würde sie hier auch ihre letzte Ruhe finden.

Ich kam mir dumm vor, als ich unter der Weide stand und mit bloßen Händen Erde auf das kleine Grab häufte. Wahrscheinlich waren die Ereignisse des Tages einfach ein Bißchen zuviel auf einmal, worüber ich nachzudenken hatte.

Einige Minuten blieb ich noch im Park stehen, blickte auf das kleine Häufchen frischer Erde und versuchte Ruhe zu finden. Doch alles woran ich denken konnte, waren Harrys Worte. Wäre es denn tatsächlich anders gekommen, wenn ich seinen Brief gelesen hätte? Mir fiel auf, dass er mir nicht wirklich gesagt hatte, was er geschrieben hatte. Ich stritt mit mir, ob ich ihn irgendwann danach fragen sollte, kam nach einigen Minuten, in denen mein verräterisches Herz zu stolpern begann aber zu dem Ergebnis, dass es besser wäre, wenn ich es nicht wüsste.

So oder so, es war vorbei.

Ich drückte ein letztes Mal die Erde auf dem Mäusegrab fest, klopfte mir die Hände ab und ging zurück in mein Büro. Die Schreibarbeit erledigte sich leider nicht von allein.

Mitternacht lag einmal mehr in weiter Ferne, als ich endlich den letzten Ordner schloss und mir müde über die Augen fuhr. Ich hexte meinen Arztumhang zurück in den Schrank, ließ statt dessen meinen normalen Regenumhang erscheinen und löschte das Licht hinter mir.

Mein Handy meldete sich im selben Moment, als ich in den Fahrstuhl trat. Es war Roger. Ich meldete mich und fragte, warum er so spät noch wach wäre, er hörte sofort wie erschlagen ich war und wollte schon wieder auflegen, doch ich widersprach und fragte ihn, ob er nicht noch vorbeikommen wollte. Er zögerte, was mich wunderte. Er hakte nach, ob ich mir sicher sei und ich musste grinsen.

"Du musst nicht, ich dachte nur, dass es schön wäre, dich nach so einem beschissenen Tag zu sehen.", antwortete ich, genau wissend, dass er nun nicht mehr ablehnen würde. Natürlich behielt ich Recht, dazu kannte ich Roger mittlerweile einfach zu gut.

Angesichts seines Besuches verzichtete ich auf den Fußmarsch nach Hause und apparierte vor meiner Haustür. Roger erschien nur Sekunden nach mir und ich hielt ihm die Apartmenttür auf. Offenbar hatte ich am Telefon fertiger geklungen als ich dachte, denn normalerweise apparierte Roger nicht! Was bei seinen Zauberkünsten auch besser war! Heute war ich froh darüber, dass er dieses Risiko in Kauf genommen hatte und küsste ihn zur Begrüßung.

Interessanterweise stellte ich im nächsten Moment fest, dass er unter seinem Reiseumhang nichts außer einer locker sitzenden Pyjamahose trug. Nun, letzten Endes schafften wir es nicht mehr bis ins Schlafzimmer bevor er mich gründlich von meinen Grübeleien ablenkte.

Tbc…

Read and Review, please.

Coming up next: Auf Messers Schneide

Sooo, ich werde versuchen an Heiligabend noch ein Chap hochzuladen, quasi als Weihnachtsgeschenk.

lg