For all who asked for a translation: sorry, but there is no possibiliy for us to translate it.

Vorsicht! Romantikfaktor hoch 10!! Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

Um euch das Lesen zu erleichtern ( und weil wir nicht wissen, wie sich dieses Programm nach unseren Wünschen richtet ) hier eine kleine Zeichenerklärung:

~*~*~* = Flashback

~~~ = Liedtext folgt bzw. endet

*** = ( falls ihr es noch nicht bemerkt habt) bedeutet Absatz

Für unsere treuen Reviewer ( also euch, Dani und SpaceCowgirl ) macht weiter so, wir sind sehr zufrieden mit euch *dickesbussi*

Immer weiter so ( falls wir noch nicht darauf hingewiesen haben), ihr könnt aber gerne auch noch längere Reviews schreiben ( wir wollen euch ja nicht beschränken ^.^)

So, die Spannung hat ein Ende und endlich ( wow!) bekommt Edward seine wohlverdiente Ruhe nach all dem Stress beim Turnier... *evilgrin@spacecowgirl*





Chapter 4: Ich fühl wie du



„Was fällt ihnen ein?" empörte sich der Leibarzt und trat ein Schritt auf Kate zu. „Verlassen sie sofort diesen Raum!"

Die Angesprochene konnte den Blick nicht von Edward lösen. ‚Oh Gott, bitte...nicht...' Langsam ging sie auf das Bett zu, doch so schnell gab der Arzt nicht auf. Er vertrat ihr den Weg und ergriff sie unsanft am Oberarm.

„Hören sie schlecht? Raus! Ich muss mich um seine Majestät kümmern!"

„Ich muss wissen, wie es dem König geht." Wie aus einer Trance erwachend sah sie zu dem großen Mann auf, versuchte sich zu befreien, doch der Doktor hielt sie fest.

„Lassen sie die Lady los!"

Erschrocken sah sich Kate um. Es war Will, der ihr ins Zimmer gefolgt war und die Hand des Arztes von ihrem Arm löste. Seine Augen funkelten seltsam entschlossen als er den Leibarzt fixierte.

„Was geht sie das denn an. Sehen sie nicht, dass es ernst ist?" Dieser fühlte sich offensichtlich in seiner Ehre als Leibarzt verletzt und deutet bei diesen Worten zum Bett. ‚Ja, ich sehe es...'

„Die Königin schickt mich!" Kate hatte Tränen in den Augen. „Michelle macht sich solche Sorgen! Sie hatte einen Schwächeanfall!" Platzte es aus ihr heraus. Warum schmiss man ihr immer nur Knüppel zwischen die Beine! Sie wollte doch nur helfen!

„Michelle..." ein leises Flüstern.

„Majestät!" Kate sah zum Bett. Edward hatte die Augen geöffnet, den Kopf zu ihnen gedreht. Seine Stimme klang heißer, es machte ihm wohl noch Mühe zu sprechen. „Was ist mit...Michelle?" Stöhnend stützte er sich auf den Ellenbogen auf. Seine Hand wanderte zu seiner Wunde an der Stirn, doch wirklich realisieren schien er den Schmerz nicht, vielmehr war Sorge und Angst in seinen Augen zu lesen, als er Kate anblickte...

„Majestät!" Kate stieß den Leibarzt beiseite und kniete neben dem Bett nieder. „Ihr... sie hatte, ich meine sie verlor das Bewusstsein, als sie euch stürzen sah."

Das Gesicht des Königs drückte mit einem Male so reines, blankes Entsetzten aus, dass sie unwillkürlich zurückschreckte. Sie bereute ihre Worte zutiefst, doch hatte sie keine Wahl gehabt; er musste erfahren, wie es seiner Gemahlin ging. Es war wichtiger für ihn, als alles andere. Die Liebe zwischen ihm und Michelle war in den zwei Jahren gewachsen, bis sie ihr Leben ausmachte. Ebenso wie Michelle nicht in der Lage war, ohne Edward zu leben, so war es umgekehrt. Beide würden nur leben wollen mit der Gewissheit, dass der andere weiter an ihrer Seite war. Dass die Gedanken des einen stets dem anderen galten und dass sie das Paradies nur in den Armen der geliebten Person fanden, dass sie die vollkommene Liebe gefunden hatten...

Sie griff unwillkürlich nach der Hand des Königs. „Ein Wort über euren Gesundheitszustand würde ihr helfen, Majestät, das ist alles nach dem sie sich sehnt. Sie hat zwar das Bewusstsein wiedererlangt, doch nichts kann sie aus ihrer Verzweiflung retten. Sie liebt euch so sehr, dass das einzige was ihr helfen würde, eine Nachricht über eure Unversehrtheit ist... und ...deshalb..." sie kam ins Stocken. „Ihr fühlt doch auf die gleiche Weise wie sie, Majestät, bitte sagt mir, dass ich es Michelle sagen kann!" sie verneigte sich vor ihm und ließ seine Hand los. Leise flüsterte sie. „Es tut mir sehr leid, dass ich euch so entsetzt habe, doch ich dachte... es war das einzige, was ich für sie tun konnte. Ich ..." Sie wagte nicht aufzusehen, bis sie Edward leise Stimme vernahm.

„Es geht mir gut, Kate..." Er sah im Hintergrund den Leibarzt, der gerade zu einem Widerspruch ansetzen wollte und brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen. „Doch ihr braucht ihr nichts auszurichten." Edward setzte sich auf.

„Aber Majestät..." Kate sah erschrocken auf. Edward versuchte offensichtlich zu verbergen, dass er Schmerzen hatte. „Ihr müsst doch liegen bleiben." Sie sah den König entsetzt an.

„Ich muss zu ihr." Edward zeigte eine Entschlossenheit, die alle im Raum schweigen ließ. Gelähmt sahen sie zu, wie er sein Hemd, auf dem ebenfalls Blut zu sehen war, in die Hose steckte und versuchte aufzustehen. Doch offensichtlich doch noch benommen, gaben seine Knie nach. Kate machte einen schnellen Schritt zu ihm und half ihm das Gleichgewicht zu finden.

„Ihr solltet..." Doch sie brach ab, als Edward auf sie hinab sah. Sie fühlte, dass er zu ihr musste...sie beide brauchten sich jetzt.

„Ich muss zu Michelle...sofort. Bitte, Kate...Will, bringt mich zu ihr."

Schweigen beherrschte den Raum, als Kate langsam nickte.

„Natürlich, Majestät..."

Kate und Will wollten ihn in Richtung Türe begleiten, vorbei an dem immer noch vollkommen perplexen Leibarzt, doch Edward öffnete den Geheimgang hinter dem Bücherregal.

„Der Weg ist so viel kürzer."

„Wo er recht hat, hat er recht." Will zuckte mit den Schultern. „Vielleicht solltet ihr dennoch vorangehen..."

***

Sie gingen durch den dunklen, schmalen Gang; nur in unregelmäßigen Abständen steckten Fackeln in Eisenhaltern, manche waren schon verrostet. Anfangs, war der Geheimgang noch in einem tadellosen Zustand gewesen, doch nun fanden sich immer häufiger Spinnweben, Staub und Mäusekot.

„Na, hier könnte auch mal ne Putzkolonne durch." Will betrachtete etwas skeptisch ein herab baumelndes Spinnennetz, in dem sich eine kleine Fliege verfangen hatte.

Edward lächelte leicht gequält, beschloss dann nichts darauf zu antworten. Er beschleunigte seine Schritte noch einmal und blieb schließlich vor einer schmalen Holztür stehen. Kurz hielt er inne, um Atem zu holen, währenddessen presste er seine Rechte auf die Wunde an seiner Seite. Kate blickte besorgt zu ihm, fragte sich ob es richtig war, was sie dem König, durch ihre unbedachten Worte zugemutet hatte. Doch da stieß Edward schon die Türe auf und trat in das Gemach, in dem Michelle untergebracht war.

Er blieb stehen, sah sich im Zimmer um. Auf dem großen dunkelblauen Samtbett lag Michelle. Sie versank fast in dem überdimensionalen Bett, wirkte so klein und hilflos. Ihre einmal zusammengehaltenen Locken hatten sich gelöst und flossen über den weichen Stoff des Kissens und der Decke. So blass wie sie war, hob sie sich auf erschreckende Weise von der kräftigen Farbe ab, auf der sie lag. Eine Hand auf den Bauch gelegt, die andere neben ihrem Kopf, drückte ihre Haltung Anspannung aus. Sie hielt die Augen geschlossen, doch trotzdem flossen Tränen über ihre bereits nass glänzenden Wangen. Ihr Kopf lag nicht still, sie bewegte ihn scheinbar in Gedanken hin und her. ‚Was habe ich getan...wie konnte ich ihr das antun?' Edward fühlte, wie der Schmerz an seinem Herzen schlimmer wurde, als der, den die Wunde verursachte. Sie war so zerbrechlich und verletzbar...er hätte es wissen müssen. Wie konnte er ihr so weh tun? Er meinte einen Augenblick den Halt zu verlieren, doch er fing sich, presste sie die Hand auf seine Wunde. Langsam ging er näher zum Bett, wo seine Gemahlin, erschöpft von allem was passiert war, in einen unruhigen Schlaf gefallen war. Edward war fast am Bett angelangt, als Michelle leise Dinge murmelte. Er blieb stehen. ‚Warum habe ich ihr das angetan...Michelle...verzeih mir...' Es fühlte sich an, als würde ein Stachel in sein Herz gebohrt, sie so leiden zu sehen. Er wollte zu ihr, sie umarmen, ihr sagen, dass alles gut würde...sie festhalten.

„Edward..." Plötzlich ein Hauchen im Schlaf...einige Tränen mehr, die ihre Wange hinab und dann auf ihr Haar tropften. „Lass mich...nicht...allein..." Ein Schluchzen, während sie den Kopf verzweifelt hin und her warf. Diese Worte brachten ihn in die Realität zurück... ‚Sie muss aufwachen aus diesem Albtraum...'

„Michelle..." Seine Stimme war sanft und warm. Er setzte sich auf die Bettkante, den Schmerz in seiner Seite ignorierend. Sanft ergriff er ihre Hand, mit der anderen fuhr er ihr zärtlich durch das tränenfeuchte Haar.

Sie bewegte sich; griff unsicher nach seiner Hand. Doch sie war noch nicht erwacht, er bemerkte es an ihrem orientierungslosen Tasten. Zärtlich nahm er sie zwischen seine Hände; ihre Haut war eiskalt. „Michelle.." er beugte sich zu ihr und hauchte mit seinem warmen Atem einen Kuss auf ihre Stirn.

Ein leiser Seufzer, dann murmelte sie erneut seinen Namen. Doch sie klang ruhiger, auch ihre Bewegungen waren nicht mehr so hektisch und ruckartig. Die Qual, die auf ihrem Gesicht deutlich zu lesen war, ließ nach und ihre Züge entspannten sich. Langsam öffnete sie die Augen. Mit unsagbarer Freude und auch mit seliger Ungläubigkeit starrte sie ihn an. Die eben schon versiegten Tränen, rannen ihr wieder die Wangen hinab, ein Schluchzen voller Erleichterung entkam ihrer Kehle. Dann warf sie sich an seine Brust, vergrub das Gesicht an seiner Halsbeuge, während er immer wieder ihren Namen flüsterte.

„Michelle...glaub mir...Nie wieder werde ich dich so ängstigen, wenn ich es nicht verhindern kann...Michelle, ich liebe dich... Nie könnte ich ohne dich sein..." Er löste sie von seiner Brust und nahm ihr Gesicht in beide Hände. Wischte ihr die Tränen von den Wangen.

„Ich weiß, Majestät, ich sehe es in euren Augen..." sie erwiderte die Geste, umschloss sein Gesicht mit ihren hellen zarten Händen. „Habe ich euch nicht einmal gesagt, dass ihr keine Tränen meinetwegen vergießen solltet? Nun tut ihr es wieder..." sie lächelte traurig. Senkte den Kopf. „Ich hätte es nicht ertragen dich zu verlieren."

Edward nickte. „Genauso wenig, wie ich ohne dich leben könnte...Michelle, ich liebe dich."

Sie lächelte. „Eure Liebe gibt mir Kraft, sie ist meine Zukunft, mein Leben. Majestät, ich kann euch nichts anbieten außer der Erwiderung dieser Liebe."

Mit einer schnellen, aber sanften Bewegung zog er sie an sich. „Das genügt mir...das genügt mir vollkommen."





~~~

Er:

Ich fühl' wie du,

Ja es ist so weit

Für immer du

In alle Ewigkeit

Ich fühl' wie du

Und will dich fühlen

Ich hör' dir zu,

Auch ohne Worte

Kann ich dich Versteh' n

Du wirst seh' n

Denn bist du da

Geht die Sonne auf

Und ich geh wie auf Wolken

Oh - und werd' es immer tun

Ich fühl wie du

Ein Abenteuer

In mir brennt

Ein neues Feuer

Ich gebe zu,

Zärtlichkeit war vor dir nur ein Wort

Nicht mehr,

Ich mag dich sehr

Und bist du nicht da,

Hört mein Herz auf zu schlagen

Und wird es nie mehr tun

Sie:

Ich fühl' wie du,

Du bist mein Leben

Für immer du

Es wird niemals anders sein

Ich hör' dir zu

Auch ohne Worte kann ich dich versteh' n

Du wirst sehn

Denn bist du da

Beide:

Bricht der Himmel zusammen

Geht ein Sturm durch mein Blut

Steht die Erde in Flammen

UND WIRD ES IMMER TUN !!!

~~~



Sanft strich sie über seine Wange. Immer noch flossen Tränen der Freude und der Erleichterung, sie konnte sie nicht stoppen. Sie sahen sich tief in die Augen, wärmten sich in der Liebe, die darin geschrieben stand. Zögerlich, ganz langsam reckte sich Michelle zu ihm auf, schloss die Augen, bis sie ganz sanft mit ihren Lippen seinen Mund berührte. Erst war es nur zärtliche Berührung, bis sie sich schließlich leidenschaftlich küssten.

Als Will mit einem schiefen Grinsen zu Kate sah, bemerkte er erschrocken, dass dieser ebenfalls Tränen über die Wangen liefen, während sie das Königspaar beobachtete.

Sie beachtete seinen Blick nicht. Er würde ihre Reaktion wohl nicht verstehen können. Kate war so erleichtert. Das Bild, das sich ihr bot, ließ in ihrem Innern ein warmes Gefühl entstehen. Edward und Michelle brauchten sich wie du Luft zum Atmen...die Liebe des anderen, war der Grundstein ihres Lebens. Manchmal hatte sie sich schon gefragt, wie das alles begonnen hatte. Schließlich war es eine reine Vernunftehe gewesen. Vielleicht würde sie Michelle in einem richtigen Augenblick danach fragen. Kate wünschte sich so sehr eines Tages so empfinden zu dürfen.

Edward und Michelle schienen ganz im anderen versunken zu sein. Sie fühlte seine starken Hände auf ihrem Rücken, seine Nähe, seine Wärme...die Sicherheit. Langsam ließ sie ihren Kopf an seine Schulter sinken, hielt sich an ihm fest, spürte, wie seine große warme Hand über ihre Locken strichen, roch ihn, während sie ihr Gesicht in seine Halsbeuge grub. Sie fühlte sich auf einmal müde...sie wollte schlafen, in seinen Armen, hier und jetzt und all das schreckliche der letzten Stunden vergessen...

Als er spürte, wie ihr Atem langsamer wurde und ihre Bewegungen aufhörten, sah er zu Michelle. Sie hielt die Augen geschlossen, auf ihren Zügen lag tiefe Zufriedenheit und ein seliges Lächeln. ‚Sie ist so wunderschön...' Oft fragte er sich, wie es sein konnte, dass sie wirklich so empfand für ihn. Er hielt sie noch etwas fester, roch an ihrem Haar, an ihrer Stirn. Er wollte in ihrem Anblick versinken, sie niemals mehr loslassen...doch plötzlich bemerkte er den Lärm von draußen... ‚Sie wissen, was passiert ist...' Er musste sich seinem Volk zeigen. Das Turnier war abgebrochen, das Finale nicht beendet, der König verletzt worden, die Königin zusammengebrochen. ‚Adhemar...' Und plötzlich wurde er sich wieder seinen Pflichten bewusst. Noch einmal sah er zu Michelle...er hoffte, sie würde schlafen, als er sie sanft, wie ein Kind, in die Kissen zurücklegte, und leise aufstand. Doch kaum war die Nähe zwischen ihm und Michelle unterbrochen, wachte sie auf.

„Edward...was..."

„Ich muss mich dem Volk zeigen." Er lächelte bedauernd, als er ihr enttäuschtes Gesicht sah. Schnell setzte sie sich auf.

„Ich werde dich begleiten."

„Unmöglich, Michelle du brauchst Ruhe." Er streckte die Hand nach ihr aus um ihr eine Locke aus der Stirn zu streichen.

„Nein, ich gehöre an eure Seite, Majestät...an deine Seite...Edward...bitte..." Mit großen blauen Augen sah sie ihn an. Sie konnte jetzt nicht allein sein, sie wollte bei ihm bleiben. Traurig schüttelte er den Kopf und stand auf, doch in diesem Moment, fuhr ein stechender Schmerz durch seine Seite. Die Wunde, die er bereits verdrängt hatte, machte auf sich aufmerksam. Sein Gesicht verzog sich, er presste die Hand in seine Seite und krümmte sich.

„Edward!" Entsetzt fiel Michelles Blick auf das blutverschmierte Hemd ihres Geliebten. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass Edward verletzt war und dass auch ihr Kleid blutbefleckt war. Sie richtete sich auf, griff nach seiner Hand. „Zeig mir deine Wunde." In ihren Augen konnte er Angst erkennen, doch ihre Stimme war erstaunlich fest. Mit zitternden Fingern, die ihrem Tonfall Lüge straften, öffnete sie sein Hemd und schlug es zurück. Entsetzen breitete sich auf ihrem Gesicht aus, als sie die geschwollene Stelle betrachtete; es hatte sich ein großer Bluterguss gebildet. Sanft bedeutete sie ihm sich niederzulegen, was er ohne Widerspruch tat. Es tat so gut die Sorge und die Liebe in ihrem Blick zu sehen. Fragend sah sie ihn an, nachdem er genickt hatte, berührte sie zögernd, aber unendlich zart die Wunde mit ihren Lippen. Er zog die Luft ein, als er ihren Mund auf seiner Brust spürte, ihre kleinen Hände, die ihn sanft streichelten. ‚Wie damals...ihr erster Kuss...' damals, als er dies niemals für möglich gehalten hätte. Als es in seinem Leben nur ein verzehrende Sehnsucht gegeben hatte, einmal diesen Blick in ihren Augen zu sehen. Als sie aufblickte, sahen sie sich an. Jeder wusste, an was der andere dachte...damals, als da nichts war als eine unstillbare Sehnsucht.

***

„Hey, was soll das?" Will protestierte, als Kate schließlich die Türe hinter ihnen geschlossen hatten und sie auf dem wenig belebten Gang standen. Sie ließ seinen Ärmel los.

„Ich finde die beiden brauchen noch etwas Zeit allein." Kate verschränkte die Arme und sah sich im Gang um.

„Was soll das heißen „Zeit"? Da draußen ist die Hölle los! Der König muss sich seinem Volk zeigen, und..." Er verstummte, als er Kates funkelnde Augen sah.

„Ach, so weit ist es schon? Siehst du nicht, dass der König momentan außer Stande ist?" Wie konnte gerade er so reden. Gerade Will, der immer seinen Gefühlen gefolgt war. Sie wendete den Blick wieder in den leeren Gang, als sie seine leise Stimme vernahm.

„Hast ja recht, Kate...ich red schon wie einer von diesen Hochgestochenen..."

Zögernd sah sie zu ihm, und als sie seinen entschuldigenden Blick sah, fügte sie schnell hinzu:

„Naja...du hast ja auch recht. Er muss hinaus...aber geben wir ihnen eine viertel Stunde, ja?"

Will nickte und lehnte sich neben Kate an die Wand.

***

„Es sieht schlimm aus." Edward wollte gerade zu einen Widerspruch ansetzen, doch Michelle ließ es nicht soweit kommen. Sie hatte von der Wunde aufgesehen, blickte ihn von unten herauf an. „Wenn ich eure Majestät dort hinaus lasse," Sie deutete mit einer Kopfbewegung in Richtung Turnierplatz. „dann nur unter zwei Bedingungen."

„Gleich zwei..." Edward musste lächeln, strich ihr sanft über die Wange, während sie nickte.

„Du lässt dich vom Arzt richtig versorgen..."

Er nickte und wartete auf die zweite Bedingung. Michelle senkte den Kopf, so dass ihre Locken weich auf seine Brust fielen.

„...und du nimmst mich mit hinaus. Ich lass euch allein nicht gehen."

„Das ist Erpressung." Seufzend erhob sich Edward, die Hand immer noch auf seine Verletzung gedrückt. Er umfasste mit der anderen Hand Michelles Gesicht. „Mein Leibarzt wird mich versorgen. Nachdem wir uns dem Volk gezeigt haben, möchte ich, dass du dich wieder ausruhst." Nach einem Kuss auf ihre Stirn verließ er das Zimmer. An der Tür drehte er sich noch einmal um. „Soll ich dir jemanden schicken, der die ein neues Kleid bringt?"

Sie nickte. „Könntest du bitte..."

Er lächelte. „Ich weiss." Mit einem letzten Nicken verabschiedete er sich. Die Türe schloss sich hinter ihm.

Sie legte sich zurück, fühlte sich zwar noch etwas schwach, doch sie durfte gleich wieder bei Edward sein. Sie hatte ihn nicht erpressen wollen...es schien ihr jedoch die einzige Lösung. Es fröstelte sie und sie schlang sich die Arme um ihren Körper.

***

Das Schweigen war schier unerträglich geworden und Kate atmete auf, als der König aus der Tür trat.

„Sir William, folgt mir bitte. Meine Gemahlin und ich zeigen uns dem Volk."

Kate sah Edward fragend an. Michelle würde mitkommen? Ihr Blick blieb Edward nicht verborgen.

„Sie wird es euch erklären, Kate. Ihr sollt bitte zu ihr kommen. Ich lasse nach Mathilda schicken, damit sie Michelles Kleid und Frisur erneuert...und eure auch." Er lächelte. Er war seiner Gemahlin nicht böse. Es war ein Liebesbeweis, dass sie alles tun würde um bei ihm zu sein, doch trotzdem war er um ihren Gesundheitszustand besorgt.

„Natürlich Majestät." Kate errötete. Sie hatte ihre gelöste Frisur ganz vergessen. Gerade wollte sie das Zimmer betreten, als Edward noch meinte:

„Kate? Er stockte. „Bringt sie bitte vor dem Finale in ihre Gemächer. Sie wird heute abend sicher am Lagerfeuerbankett teilnehmen wollen und sollte sich vorher noch ausruhen. Ich glaube auf euch hört sie."

Kates Herz schlug schneller. Warum hatten alle solch ein Vertrauen in sie? Sie fühlte sich geehrt...war nicht gewillt dieses Vertrauen zu enttäuschen.

„Wenn ich zuviel von euch verlange, dann bitte sagt es. Ich würde es euch nicht übel nehmen. Ich hoffe das wisst ihr."

„Ich weiss." Sie lächelte. „Ich werde für Michelle sorgen."

Leise öffnete sie die Türe zu dem Gästezimmer in dem Michelle lag.

***

Lächelnd griff Michelle nach der Hand ihres Gemahls. Sie trug nun ein Kleid, ähnlich dem vorherigen im Schnitt, doch dieses Mal in einem zarten Blattgrün. Ihre goldenen Locken wurden von einem zierlichen Goldreif, der mit kleinen Smaragden besetzt war, zusammen gehalten. Edward betrachtete seine schöne Frau eine Weile, versuchte herauszufinden, ob es ihr gut ging und ob sie sich beruhigt hatte; gleichzeitig spürte er, dass sie ihn mit dem gleichen Blick, voller Sorge und Angst ansah.

Es war so, wie er es immer wollte; so, mit Liebe und Zärtlichkeit sollte sie ihn ansehen. Er wusste, dass er nie etwas anderes wollte . Dieses Gefühl, ihr Herz zu besitzen, war vollkommen. Es war das wertvollste, das es für ihn geben konnte. In diesem Moment wurde ihm wieder klar, dass ihm das ganze Königreich, die jubelnden Menschen vor dem Fenster, sein Volk, alles, dass ihm alles bedeutungslos war, wenn nicht Michelle an seiner Seite war. So war es gewesen, selbst als er ihrer Liebe nicht sicher gewesen war und mit unerträglicher Sicherheit wusste er, dass es immer so sein würde.

Ihr Lächeln erwidernd, nahm er ihre Hand, hielt sie ganz fest und trat mit ihr auf den Balkon.

***



Vicky erhob sich. Fast bedauernd sah sie sich noch einmal in dem komfortablen Ritterzelt um. ‚Hier ist es warm, es gibt gutes Essen...' naja, bevor sie hier war, hatte es Essen gegeben...und es war ein schützendes Dach. Roland war schon vor einigen Minuten gegangen. Er hatte ihre Wunde desinfiziert, und nun tat es fast nicht mehr weh.

„Ok Vicky..." flüsterte sie zu sich selbst. „...jetzt heisst's wieder zurück auf die Straße." Bedauernd zuckte sie mit den Schultern. Sie musste nur so unauffällig wie möglich aus diesem Zelt hier kommen. Vorsichtig zog sie den Vorhang am Eingang etwas zurück und spähte hinaus. Offensichtlich waren alle damit beschäftigt auf das Königspaar zu warten. Hier bei den Zelten war nichts los. Gerade als sie hinaustreten wollte, fiel ihr Blick auf ein schwarz-graues Zelt gegenüber. Der Eingang war geöffnet, gab freie Sicht auf das, was sich darin befand. Vickys Atem stockte: „Adhemar..." Sie bemerkte gar nicht, dass sie seinen Namen hauchte, war vollkommen gebannt von dem Bild, das sich ihr bot:

Der schwarze Ritter saß, offensichtlich völlig in Gedanken versunken, in einem schweren hohen Lehnstuhl. Er hatte sich weit nach hinten gelehnt, seine Beine gespreizt. In der einen Hand einen Kelch, hatte er seinen Kopf in die andere gestützt. Sein Blick ging ins Leere, er sah starr zur Decke , ohne wohl wirklich etwas zu sehen. Selbst jetzt, da er alleine war, schien er eine Mauer um sich errichtet zu haben, so dass es wohl niemand wagte ihm im Moment zu Nahe zu kommen. Vicky konnte den Blick nicht abwenden. Unwillkürlich fragte sie sich, wie solch helle glasklare Augen, wie die des Grafen, nur so dunkel und bedrohlich wirken konnten...wie ein Mensch nur solch eine Ausstrahlung haben konnte, so kalt und abweisend, dass man Angst bekam, nur weil man ihn ansah. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie ihn angestarrt hatte und schloss ihren Mund. Adhemar fuhr sich mit der Hand durch seine schwarzen Haare...die wilden Locken waren durcheinander. Der Siegelring prangte an seinem Finger, und als er den Kopf wieder in die Hand stützte, fiel ihr die Narbe über seinem Auge auf. ‚Verwundbar...also doch...' Nein, sie verdrängte diesen Gedanken. Er schien nicht verwundbar...nicht wirklich. Er war so weit entfernt von ihr, trotz der Tatsache, dass zwischen ihnen nur einige Meter lagen. Sie fühlte ihr Herz schlagen, so dass die Wunde am Ohr zu pochen begann. Sie sollte ihn hassen, für das was er ihr angetan hatte...für den Schmerz, aber vor allem für die Demütigung...doch sie konnte es nicht. Sie empfand kein Hass. Auch wenn sie es noch so sehr wollte, es gelang ihr nicht.

Das Pochen ihrer Wunde wurde unerträglich...Sie konnte den Blick nicht von ihm wenden, es war wie in einem Bann, und noch bevor sie wusste, was sie tat, verließ sie Will's Zelt, ging hinüber...zu ihm...zum schwarzen Ritter...zu...

„Adhemar...oh, Verzeihung, Mylord..." Mit einer schwungvollen Bewegung betrat sie das Zelt. Die Arme auf dem Rücken verschränkt, lächelte sie übertrieben freundlich. „War ja eine coole Aktion, den König vom Pferd zu stoßen! Das traut sich nun wirklich nicht jeder!"

„Ich schon." Nach einem anfänglichen Schrecken hatte er sich wieder gefangen. Jetzt sah er sie mit zusammen gekniffenen Augen an, in denen sowohl Geringschätzigkeit, aber auch Erstaunen, ja fast Bewunderung für ihre Dreistigkeit lagen. „Ich muss schon sagen, du traust dich ganz schön was."

Die nächste Bemerkung entglitt ihr bevor sie es überhaupt wusste. „Dann haben wir ja etwas gemeinsam." Ihr Erschrecken über ihre eigenen Worte verbarg sie hinter einem Lächeln.

Er folgte ihr mit seinem Blick, während sie um den Tisch ging. Obwohl er eine Unsicherheit feststellen konnte, machte sie einen unerschrockenen, ja frechen Eindruck. Ihre Angst war kaum zu spüren, da sie einfach tat, was ihr in den Sinn kam. Er begriff, dass er hier einen Menschen vor sich hatte, der immer seinen Gefühlen folgte. ‚Gefühle...' dachte er verächtlich.

„Ich glaube nicht, dass wir beide IRGENDETWAS gemeinsam haben." Das saß. Sie beobachtete, wie er sich erhob ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen um zu einem kleinen Tisch zu gehen und sich Wein nachzuschenken. Unsicher beobachtete sie seinen Rücken, seine breiten Schulter...jede Bewegung von ihm drückte Überheblichkeit und Arroganz aus. Die Unsicherheit drohte Überhand zu gewinnen. Was tat sie eigentlich hier? Sehnsüchtig sah sie zum Ausgang. Sie war so stolz auf ihre Schlagfertigkeit gewesen, doch er hatte sie mit solcher Gleichgültigkeit abblitzen lassen, dass sie Mühe hatte den Eindruck von Stärke aufrecht zu erhalten.

„Wie heisst du?" Seine Worte kamen plötzlich, während er sich langsam zu ihr umdrehte. Als er sie mit seinen kalten Augen ansah, fühlte sie, wie ihr Herz begann schneller zu schlagen.

„Vicky, das sollte ihnen doch bekannt sein." Trotz ihrer Verwirrung legte sie den Kopf schräg und stemmte ihre Hände in die Hüften, während sie ihn herausfordernd ansah. Sie wollte weg hier! Warum manövrierte sie sich immer selbst in Schwierigkeiten?

„Nein. So nennen SIE dich." Es klang verächtlich. „Ich will wissen, wie du wirklich heisst." Amüsiert lächelnd ging er langsam auf sie zu, genoß die Verwirrung in ihrem Gesicht, die ihm nicht verborgen blieb.

„Viktoria. Viktoria Stansford." Tapfer hielt sie seinem Blick stand.

Bemerkenswert, wie er fand. Das schafften nicht viele.

Als er schließlich direkt vor ihr stand, sah er einen qualvollen Augenblick auf sie hinab, bevor er nach ihrem Kinn griff...er war so groß...sie kam sich so winzig vor: Sie ging ihm nur knapp bis zu den Schultern.

„Wie alt bist du."

Sie meinte von seinen Augen durchbohrt zu werden, und sie hatte keine Chance seinem Blick auszuweichen. Also zog sie die Augenbrauen hoch und meinte mit Selbstverständnis:

„18 Jahre."

„Kind..." Wieder dieser verächtliche Tonfall. Mit einer plötzlichen Handbewegung ließ er sie los, so dass sie etwas taumelte. Langsam entfernte er sich von ihr.

„Ich bin kein Kind!" Sie hatte sich wieder gefangen, jetzt da er ihr den Rücken zudrehte, fühlte sie sich seltsam leicht; als wäre, mit seinem Blick auf ein riesiges Gewicht von ihr genommen worden, dass ihr auf der Brust gelegen und sie erdrückt hatte...ihr die Luft zum Atmen geraubt hatte. Sie war ein Nichts in seinen Augen und er hatte eine Art, die sie das auch spüren ließ. Seine Aura schüchterte sie ein. Erst als er den Blick von ihr nahm, fühlte sie wieder die Stärke ihm zu widersprechen.

„So?" Langsam drehte er sich um.

„Ich bin kein Kind..." sie wich seinem Blick aus und richtete ihren auf den zertretenen Rasen. „...jedenfalls nicht mehr..." Pause. „Vielleicht war ich es auch nie." Jetzt wagte sie es doch wieder aufzusehen. Ihr Herz schlug; eigentlich wusste sie nicht was sie hier tat. Doch sie hatte das Gefühl sie müsse ihm das sagen, selbst wenn es ihn nicht anging und es ihn – darüber hinaus – wahrscheinlich gar nicht interessierte. Es war auch nicht ein Versuch ihren Diebstahl zu rechtfertigen, sondern einfach...sie MUSSTE es ihm erzählen. „Wissen sie, wenn man auf Londons Straßen aufwächst, dann hat man keine Gelegenheit ‚Kind' zu sein." Ihre Augen funkelten.

Er sah sie an, sie fühlte seinen Blick auf ihr ruhen. Langsam sah sie auf. Was dachte er? Sie hatte keine Ahnung...was ging jetzt gerade in ihm vor? Doch sie sah nicht einmal die Geringschätzigkeit, die sie erwartet hatte...

„Man muss nicht in den Straßen von London aufwachsen um niemals Kind sein zu dürfen, glaub mir." Er wendete sich ab. Warum hatte er das gesagt? Seine Kindheit ging niemanden etwas an, und schon gar nicht diese kleine Diebin, doch unwillkürlich echoten in seinem Kopf ihre Worte. ‚Dann haben wir ja etwas gemeinsam.'

„Ihr habt recht." ‚Spricht er von sich?' Weshalb sollte er von seiner eigenen Kindheit sprechen? Und gerade zu ihr? Sie schüttelte leicht den Kopf. Der schwarze Ritter war kühl und unnahbar, es passte nicht zu ihm, dass er hier über seine eigenen Gefühle sprach. ‚Aber warum wendet er sich dann ab, als hätte er zuviel gesagt...oder als wolle er etwas verbergen?' Nachdenklich legte sie den Kopf schief während sie noch immer seinen Rücken betrachtete. ‚Warum spricht er nicht weiter?' Sie fragte sich warum sie so an ihm interessiert war... ‚Seine hellen Augen, die so finster wirken...warum...'

„Mylord, das Königspaar...oh, Verzeihung..." Germaine blieb irritiert stehen, als er Vicky bemerkte.

„Germaine? Was ist mit dem Königspaar?" Adhemar hatte sich umgedreht und während Vicky seine nun wieder so unnahbar eisige Person betrachtete, spürte sie ein seltsames Verkrampfen in ihrer Brust. ‚Der Moment ist vorbei...' Bedauern machte sich mit solcher Macht breit, dass sie Mühe hatte gleichgültig zu erscheinen.

„Nun, sie treten gleich vor das Volk...ihr solltet anwesend sein."

„Ja, ja." Ungeduldig wedelte er mit der Hand, dass sein Herold sich entfernen sollte. Nach einem kurzen Augenblick drehte er sich wieder zu Vicky um.

„Bevor du von hier verschwindest..." seine Worte hatten einen drohenden Unterton „...beantworte mir eine Frage."

„Klar, warum nicht?" Was bezweckte er denn nun mit diesem Spiel? Sie war gerade noch stolz darauf gewesen so eindeutig und cool geantwortet zu haben, doch sie fragte sich, ob das so klug gewesen war.

„Warum bist du hierher gekommen?"

Sie schluckte und versuchte zu vertuschen vor welche Probleme sie diese Frage stellte. Sie sah ihn direkt an, meinte ein verächtliches Funkeln in seinen Augen zu sehen. Was sollte sie antworten? Sie wusste es ja selbst nicht. ‚Was tue ich hier eigentlich? Gute Frage...'

„Ich..." noch immer suchte sie in ihrem Innern nach einer vernünftigen Antwort. „Ich weiss es nicht," gab sie schließlich zu. „Ich war...dann, als ich euch sah, bin ich eben in euer Zelt hinüber gegangen...aber eine richtige Antwort auf eure Frage habe ich nicht. Es schien mir einfach das richtige zu sein...jedenfalls in diesem Moment" Sie versucht ein schwaches Lächeln, während sie mit einer hilflosen, verlegenen Geste mit den Schultern zuckte. „Ich hoffe es reicht euch, was ich als Antwort zu bieten habe."

„Du kannst jetzt verschwinden."

Sie schluckte, getroffen von dem harten, kalten Tonfall, den er nun wieder aufgegriffen hatte. Doch dieses Mal siegte der Trotz in ihr. „Gut...Mylord, nachdem ich mich nicht verbeugt habe, als ich euch ‚gestört' habe, so werde ich das auch jetzt nicht tun." Sie wirbelte herum und marschierte aus dem Zelt.

Er sah ihr nach. Auf seinem Gesicht breitete sich ein, durchaus eher amüsiertes als verächtliches, Grinsen aus. ‚Bemerkenswertes Geschöpf...' Er versuchte seine Gedanken abzulenken, indem er nach Germaine rief.

***

„Nichts lag mir ferner als meinem Volke...euch, Sorgen zu bereiten, und ich kann euch versichern, dass ich nicht wieder an einem Turnier teilnehmen werde. Meine zukünftigen Aufgaben sind mir sehr wohl bewusst." Edward fühlte, wie Michelle sanft seine Hand drückte, als er diese Worte sprach. Nach einem Augenblick fast vollkommener Stille brach das Volk in „Hochrufe" und Jubel aus.

***

„Ich schlage vor, du gehst zurück in die Gemächer. Du bist noch immer ziemlich bleich." Er nahm ihre Hand und zog sie an seine Lippen. „Ruh dich aus vor dem Bankett heute abend."

Sie nickte und musste auf Grund der offenkundigen Sorge in seinem Blick lächeln. Dann stand sie auf und verneigte sich kurz vor ihm.

„Ich hoffe, mir bleibt nach diesem Turnier noch etwas Zeit um dich zu sehen." Er küsste ihre Hand, die er nicht losgelassen hatte.

„Ich werde warten." Sie nickte ihrem Gemahl nach einmal zu, dann wandte sie sich an Kate. „Begleitet ihr mich? Aber ihr werdet wohl das Turnier zu Ende..." Als sie Kate's hektisches Kopfschütteln sah, kicherte sie.

„Ich begleite euch gerne, Majestät."

***

In den langen Gängen des Schlosses herrschte Ruhe, nur von fern hörte man die Musik, die Menge, das Turnier.

Kate sah zu der Königin. Sie hatte den Blick gesenkt...es gab selten Situationen in denen Michelle geradeaus blickte, wurde Kate plötzlich klar. ‚Der Blick gesenkt...unterwürfig...ergeben...' Ein Diener öffnete ihnen die Tür zu ihrem Gemach und die beiden Frauen traten ein.

„Danke, dass du bei mir bleibst, Kate." Lächelnd setzte sich Michelle auf die Bettkante." Ich fürchte, dass ich nicht schlafen kann...ich bin froh, eure Gesellschaft zu haben."

Kate lächelte Michelle an und ließ sich auf dem Stuhl neben dem Bett nieder.

„Aber da ich es Edward versprochen habe, werde ich mich wenigstens hinlegen." Seufzend ließ sie sich in die Kissen sinken. Kate meine wieder dieses selige Glänzen in Michelles Augen zu sehen, als sie an den König dachte.

„Ihr würdet alles für ihn tun." Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Ich liebe ihn."

„'Ich liebe ihn'" wiederholte Kate. „Ich finde das sind drei seltsame Worte. Sie sagen alles und nichts, habend tausend verschiedene Bedeutungen und Interpretationen...Für euch bedeuten sie die Welt, das sehe ich in euren Augen, ich höre es in eurer Stimme und fühle es, wenn ihr mit eurem Gemahl zusammen seid. Aber wie könnt ihr das? Ich meine, wie könnt ihr durch diese drei Worte alles begründen, was ihr tut, sagt...denkt? Das könnte ich nicht. Dennoch bewundere ich euch dafür. Ihr seid sehr stark in eurem Vertrauen, in eurem Glauben an die Liebe..." Ihre Stimme wurde nach und nach leiser. „Ihr benutzt diese Worte und meint es ernst...das, das ist...Ich meine, ich habe diese Worte schon gesagt, oft...aber habe ich jemals etwas dabei empfunden, frage ich mich? Es war immer eine Art Pflicht ‚Ich liebe dich' zu sagen und zu gehorchen; es wurde von mir erwartet dies zu tun, darum tat ich es – nicht weil ich es wollte." Kate blickte wieder zu Michelle; in ihren Augen stand deutlich Traurigkeit und Verzweiflung, obwohl ihre Stimme verbittert aber auch trotzig klang... „Majestät?"

Sanft griff die Königin nach ihrer Hand.

„Warum liebt ihr Edward? Es war doch eine arrangierte Hochzeit, wie könnt ihr ihn denn lieben, obwohl ihr ihn doch ‚lieben' müsst? Wie ist das? Sagt es mir...bitte! Ihr müsst es mir sagen...weil...weil ich es nicht konnte."

Ihr Blick hatte beinahe etwas flehendes, während sie sich von ihrem Stuhl erhob und sich vor dem Bett der Königin niederließ.

„Denkst du, ich hätte es mir erträumen lassen?" Michelle lächelte auf Kate hinab, drückte ihre Hand. „Als ich nach England kam, gab es nur die Pflicht. Ich tat wie mir geheißen wurde...ich sollte den zukünftigen König von England heiraten..." Sie senkte den Blick. „Zu dem Zeitpunkt, als ich das erfuhr, hatte ich jede Hoffnung auf Glück aufgegeben.. Es gab für mich niemals einen anderen Weg als zu gehorchen." Sie sah zu Kate, blickte sie unsicher an. Sie war sich nicht sicher, ob sie sie vielleicht langweilte...sie hatte niemals jemanden ihre Geschichte erzählt. Doch in den Augen ihrer Freundin lag solch offenkundiges Interesse, dass sie jeden Zweifel abstreifte und fortfuhr.

„Mein Vater hatte mich ‚verkauft'...das, auf das man mich 17 Jahre vorbereitet hatte, sollte nun wahr werden. Ich war auf dem Weg in eine unbekannte, traurige Zukunft, doch ich nahm es hin...wie eben alles. Doch dann...dann stand ich dem Prinzen gegenüber. Er war freundlich und zuvorkommend zu mir...doch die Angst...blieb. Er war nichts als mein arrangierter zukünftiger Gemahl...

*~*~*~*~*~*

Sie hatte keine Ahnung, was sie erwarten würde, wenn sie in England ankommen würde. Da man ihr bereits als kleines Kind bedeutet hatte, sie müsse den englischen Thronfolger heiraten, um das bestehende Bündnis zu festigen, hatte sie sich nie eine andere Zukunft ausgemalt, als an der Seite des schwarzen Prinzen. Sicher, als Kind hatte sie auch geträumt, von

einem schönen jungen Mann, der kommen würde und sie auf seinem Pferd mitnehmen würde – weg, vom väterlichen Hof, von ihrem Schicksal. Doch mit jeden Jahr, das verging, so vergingen auch ihre Wünsche. Der junge Mann, mit seinem Pferd kam nicht, sie ritt nicht mit ihm und verliebte sich nicht auf den ersten Blick in ihn. Irgendwann war auch der letzte Funke Hoffnung und Traum verlöscht – der Realität gewichen. Sie würde nach England fahre, wo sie mit dem Kronprinzen Edward vermählt würde.

Hier steht sie nun, an der Reling des Schiffes und blickt auf das Meer hinaus – sieht die gischtgekrönten Wellen und auch nicht. Sie hat keine Vorstellung von ihrer Zukunft mehr, sie weiss nichts über den Prinzen und über das Land, das sie erwartet. Es ist ihr egal, wie kann sie denn je dort glücklich sein? Doch das spielt keine Rolle, sie hat ihre Pflicht zu erfüllen, nicht ‚glücklich zu sein'! Wenn es dem Frieden diente, dann war es nicht umsonst. Dieser Gedanke tröstet sie, während sie den Blick auf die englische Küste richtet, die noch im Nebel liegt, wie ihre Zukunft.

To be continued...