Silvester in Hogwarts
Am nächsten Morgen, die Bewohner des Grimmauldplatzes und ihre Gäste saßen gerade beim Frühstück und gaben sich gegenseitig ihre Geschenke, schwebte ein Uhu elegant auf die Fensterbank der Küche.
Ron stand auf und öffnete das Fenster. Der Vogel hielt ihm ein Bein hin, an dem mit einem roten Lederbändchen ein Briefumschlag aus dickem Pergament befestigt war. Ron erlöste den Uhu von seiner Last, der sofort wieder weg flog und nahm den Umschlag an sich.
„Er trägt das Wappen von Hogwarts!", rief der junge, rothaarige Mann aus.
Alle am Tisch sahen überrascht auf. „Vielleicht ist es, weil Ginny nicht zur Schule geht," gab Mr. Weasley zu bedenken.
„Das würde denen aber sehr zeitig auffallen," erwiderte Bill.
Ron hatte unterdessen den Brief geöffnet und ein Blatt Pergament hervor gezogen.
„Sie laden uns ein!" Rons Stimme klang ernsthaft schockiert.
„Warum laden sie uns denn ein?",fragte Ginny irritiert. „Es gibt einen Silvesterball, zu dem alle ehemaligen Schüler eingeladen werden, die kommen möchten," erklärte Ron. „Am 31. Dezember um neun Uhr geht' s los."
„Alle ehemaligen Schüler?",fragte Ms Weasley. „Aber das betrifft ja uns alle. Bis auf Fleur natürlich." „Ich denke, das wird schon in Ordnung gehen, Mum," sagte George zu seiner Mutter. „Sie ist immerhin Bills Frau."
„Wollen wir dahin gehen?", fragte Hermine.
„Also, ich würde schon gerne," antwortete Bill. „Ich auch," stimmte ihm Ron zu. „Außerdem schreiben sie noch, dass die Feierlichkeit, aufgrund der Ereignisse in vergangenen Sommer nicht in der großen Halle stattfinden wird, da diese nun als Gedenkstätte für die Gefallenen dient."
„Das hört sich ziemlich gruslich an," sagte Ginny, der überhaupt nicht danach zumute war, wieder nach Hogwarts zurückzukehren, selbst wenn es nur für einen Abend war.
„Ich finde es makaber," Arthur Weasley runzelte die Stirn. „Wie soll man sich das denn bitte vorstellen? Die ganze große Halle voller Grabsteine?"
Ginny wurde bei diesen Worten schlecht und sie befürchtete schon ihr Frühstück noch einmal essen zu müssen. „Auf irgendeine Weise müssen sie doch an den Tag erinnern," sagte Hermine nun. „Sicher hätte es eine bessere Lösung gegeben, aber für mich klingt es auch eher so, als wäre das ohnehin nur eine vorübergehende Lösung."
„Ich glaube, schaden kann es nicht, wenn wir mal wieder nach Hogwarts gehen. Wir haben doch für den Abend sowieso noch nichts geplant gehabt, oder?", fragte George. „Nein, haben wir nicht," sagte Hermine. „Sind denn alle einverstanden damit, dass wir hingehen?" „Von mir aus gerne," antwortete Sirius. Arthur, Molly und George stimmten ebenfalls zu und Ginny sagte schließlich ebenfalls ja, da sie genauso wenig Lust hatte, an Silvester alleine hier rum zu hocken. Natürlich hätte sie auch zu der Silvesterfeier vom Theater gehen können, aber nachdem sie an die letzte Party denken musste, war ihr Hogwarts dann doch noch lieber.
Die nächste Woche bis Silvester verging relativ ereignislos. Ginny und Sirius vermieden jeglichen Körper- und Blickkontakt,auch wenn Ginny klar war, dass das nicht ewig so weitergehen konnte. Irgendwann musste sie mit Sirius über das, was an Heiligabend geschehen ist reden. Nur wie sie das anstellen sollte, wusste sie noch nicht so genau.
An dem Nachmittag vor der Silvesterfeier saß Hermine auf Ginnys Bett und lies sich von ihr schminken.
„Wieso kannst du das eigentlich so gut, Ginny?", fragte Hermine ihre beste Freundin. Ginny zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Es macht mir eben einfach Spaß. Also mache ich es. Meistens schminke ich die Leute einfach so, wie ich es für da Beste halte und dann finden sie es auch schön."
„Das stimmt allerdings," gab Hermine ihr als Antwort. „Sag mal, Gin. Wieso redest du nicht mehr mit Sirius? AU!" Ginny war von der Frage so überrascht gewesen, dass sie Hermine versehentlich mit dem Kajalstift ins Auge gestochen hatte. „Oh, das tut mir Leid Hermine. Warte, ich geb dir ein Taschentuch, dein Auge tränt." Ginny beschwor ein Taschentuch herauf und reicht es Hermine, die es vorsichtig unter ihr Auge legte, damit die Schminke nicht verwischte. „Du hast meine Frage noch nicht beantwortet." Hermine blieb hartnäckig.
„Was denn für eine Frage?"
„Warum du nicht mehr mit Sirius redest."
„Wie kommst du darauf, dass ich nicht mehr mit Sirius rede? Natürlich rede ich noch mit Sirius." Ginny fing an übertrieben hektisch in ihrem Schminkkästchen rumzuwühlen. „Erklär mich nicht für blöd, Ginny Weasley! Seit Weihnachten gehen du und Sirius euch ständig aus dem Weg. Das fällt mittlerweile sogar Ron auf und der hat normalerweise kein Gespür für solche Dinge."
„Da ist nichts Hermine. Mach dir mal nicht unnötig wegen irgendwas Sorgen," versuchte Ginny ihre Freundin zu beschwichtigen. „Aber Hermine lies nicht locker. „Ich glaube nicht, dass ich mir unnötig Sorgen mache. Du konntest Sirius immer gut leiden und jetzt schaust ihm nicht mal mehr in die Augen! Was ist nur mit euch los?" Hermine wurde jetzt ziemlich wütend und auch Ginnys Stimme klang gereizt. „Wieso mischst du dich da überhaupt ein, Hermine? Denkst du nicht, dass du da ein klein wenig übertreibst? Ich bin eine erwachsene Frau und komme ganz gut alleine mit meinen Problemen zurecht!"
„Also gibt es ein Problem," stellte Hermine fest und Ginny verfluchte sich für ihre Wortwahl.
„Nein gibt es nicht. Ich bin fertig, wir müssen dann auch langsam los, es ist gleich um neun. Bestimmt warten schon alle auf uns." Ginny packte ihre Schminksachen weg und stand auf um den Raum zu verlassen. „Warte, Ginny," hielt Hermine sie zurück. „Du hast Recht. Es geht mich nichts an. Tut mir Leid. Aber du kannst nicht vor mir verheimlichen, dass irgendetwas vorgefallen ist."
„Schon gut," antwortete Ginny nur und lief den Flur entlang und die Treppen hinunter, in den Eingangsbereich, wo bereits alle anderen standen und auf die zwei Frauen warteten.
„Können wir jetzt endlich los?", fragte Ron ungeduldig. „Die Feier hat schon vor fünf Minuten angefangen und wir haben uns noch nicht mal auf den Weg gemacht. Was treibt ihr da oben die ganze Zeit. Lest ihr euch gegenseitig eure Tagebücher vor?" „Lass mal gut sein, Ron," sagte Ginny zu ihrem Bruder. „Es sähe noch viel blöder aus, wenn wir auf die Minute genau pünktlich sind, als wenn wir mal ein paar Minuten zu spät kommen."
"Wie auch immer," warf jetzt Arthur ein. „Das hier ist unser Portschlüssel." Er zeigte auf eine löchrige Strumpfhose, die vor seinen Füßen auf dem Boden lag. „Sind alle soweit?" „Das sollen wir anfassen?" George betrachtete angeekelt die Strumpfhose. „Woher sollen wir wissen, wer die vorher angehabt hat?" „Jetzt hab dich mal nicht so, George," sagte Ginny genervt. „Wir werden uns schon keine tödlichen Krankheiten einfangen!"
Einen Kreis bildend stellten sich alle um das heruntergekommen aussehende Kleidungsstück und Arthur zählte bis drei. Auf drei griffen alle nach der Strumpfhose und wurden augenblicklich in einen Strudel aus Farben gezogen. Ginny klammerte sich an die Strumpfhose und war überrascht, dass diese nicht in Stücke zerrissen wurde. Kurz bevor sie glaubte zu ersticken, landete sie hart auf dem Boden und viel hin. Sie landete direkt auf Sirius, der vor ihr zu Boden gefallen war und rollte sich schnell von ihm herunter. Noch etwas benommen blieb sie auf dem Gras liegen, bevor sie sich langsam aufsetzte. Sirius reichte ihr seine Hand, um ihr auf die Beine zu helfen und Ginny ergriff sie dankbar. Das war ihre erste Berührung seit Weihnachten. Sirius zog sie hoch und einen Moment standen sie sehr dicht beieinander, dann wandte Sirius sich von ihr ab und lief den anderen hinterher, die sich bereits auf den Weg zum Schloss gemacht hatten.
Ginny blickte sich um. Sie standen auf den Ländereien von Hogwarts in der Nähe von Hagrids Hütte, in der jedoch kein Licht brannte. Ginny richtete ihren Blick auf das Schloss, in dem sie sechs Jahre lang, wenn keine Ferien waren gelebt hatte. Früher hatte sie sich hier wohl gefühlt. Jetzt wurde ihr flau im Magen, bei dem majestätischem Anblick der Schule. Und doch schaffte sie es irgendwie ihre Beine zum Laufen zu animieren und folgte den anderen den Hügel hinauf, der mit Fackeln beleuchtet war. Der Abend war klar und kalt und der Himmel wolkenlos. Obwohl sie sich ihren schwarzen Kurzmantel über das Abendkleid gezogen hatte, fror sie bereits jetzt.
Die kleine Menschengruppe trat durch das Schlossportal und fanden sich in der vertrauten Eingangshalle von Hogwarts wieder. Vereinzelt standen einige Gruppen von Menschen in Abendkleidung, die sich unterhielten. Die meisten davon waren Ginny völlig unbekannt. Einige erkannte Ginny als die Eltern von ehemaligen Klassenkameraden, die sie hier natürlich nicht treffen würde, da sie ja noch zur Schule gingen.
Der Raum, in dem gefeiert wurde befand sich in den Kerkern. Was Ginny im ersten Moment sehr seltsam vor kam, da die Kerker nun beim besten Willen kein Ort waren, an denen man sich gerne aufhielt, geschweige denn ein fest feierte. Doch als sie die Stufen zum Keller herabstieg, wurde sie von einer angenehmen Wärme empfangen. Überall an den Wänden hingen Fackeln, die ein romantisches Licht und angenehme Temperaturen schufen. Rechts neben der Treppe war eine Art Tresen aufgebaut hinter dem eine junge Hexe saß und einen ziemlich gelangweilten Blick aufgesetzt hatte. Hinter ihr waren jede Menge Kleiderständer aufgereiht an denen hunderte von Jacken hingen. Die Weasleys, Sirius und Hermine gaben ihre Jacken an der Garderobe ab und gingen durch die Tür an der gegenüber gelegenen Wand die, soweit Ginny wusste, vorher nicht da gewesen war.
Die Gruppe betrat einen riesigen, ebenfalls mit vielen Fackeln und schwebenden Kerzen beleuchteten Raum. Überall standen Tische, mit weißen Tischtüchern und Kerzenständern bedeckt. In der Mitte des Saals war eine große Tanzfläche mit Marmorfliesen gelegen, auf der bereits vereinzelt einige Paare zu der Musik eines Orchesters tanzten. Offenbar hatten sie die Ansprache von Professor McGonnegall, die jetzt Schulleiterin von Hogwarts war verpasst, worüber Ginny sehr froh war.
George gesellte sich an die Seite seiner Schwester und hakte sich bei ihr unter. „Fühlst du dich hier genauso fehl am Platz wie ich?" „Ja, ich denke schon. Es sieht so aus, als wären hier nur Leute, die schon seit Ewigkeiten aus der Schule raus sind und unbedingt wieder mal nach Hogwarts wollten. Ich sehe kein einziges Gesicht, das mir auch nur im Mindesten bekannt vorkommt, bis auf die der Lehrer natürlich."
„Kannst du irgendwo Hagrid sehen?", fragte George.
„Nein. Ich frag mich wo er steckt. In seiner Hütte brannte kein Licht, also muss er irgendwo hier sein."
Alle zusammen setzten sie sich an einen Tisch nahe der Tanzfläche und automatisch füllten sich ihre Gläser mit Wein und auf dem Tisch erschien ein Korb mit Brot und eine Käseplatte.
Fleur und Bill waren schon wenige Minuten später auf der Tanzfläche verschwunden und Arthur und Molly hatten einige alte Schulfreunde wiedererkannt mit denen sie sich jetzt angeregt unterhielten. Hermine nippte mürrisch an ihrem Wein, weil Ron natürlich kein Interesse daran hatte zu tanzen.
Sirius und George unterhielten sich über die Wirkungsweise von Kotzkapseln, die George vor einer Ewigkeit mit Fred zusammen entwickelt hatte und wie lustig es doch wäre, wenn man jedem Gast eine in den Wein schmuggeln könnte. Nach einer Ewigkeit, wie es Ginny vor kam setzten sich ihre Eltern wieder an den Tisch und sofort fingen sie einen Streit an, da Arthur genauso einen Elan zum Tanzen zeigte, wie sein Sohn Ron. Schließlich wandte Molly sich wütend von ihrem Ehemann ab und ihr Blick viel auf Sirius. „Würdest du es vielleicht für möglich halten, bei einer Tanzveranstaltung zu tanzen?"
„Wenn es dich glücklich macht, Molly und wenn dein Mann nichts dagegen hat," antwortete Sirius lächelnd. Arthur winkte nur mit der Hand als Zeichen, dass er nichts dagegen hatte und so verschwanden Sirius und Molly auf der Tanzfläche. Ginny ertappte sich bei dem Gedanken, wie gerne sie doch jetzt mit Sirius tanzen würde, verdrängte ihn aber schnell wieder.
Da George nun keinen Gesprächspartner mehr hatte, außer Ron, der nur noch ziemlich mürrisch an seinem Weinglas hing und sehr knappe Antworten gab, forderte George seine kleine Schwester zum Tanzen auf. Ginny ergriff seinen Arm und tanzte mit ihrem Bruder zwei Titel zusammen. Dann sah sie, wie Molly jetzt doch mit Arthur und d Hermine mit Ron tanzte. Wie die zwei Frauen es fertig gebracht haben ihre Männer zu dieser aufopferungsvollen Tat zu bewegen, war Ginny ein Rätsel. Wahrscheinlich nur durch die Androhung schwerster, physischer Gewalt. Ginny beobachtete über Georges Schulter hinweg wie Hermine sich eng an Ron schmiegte, während er sich größte Mühe gab, ihr nicht auf die Füße zu treten. Weiter hinten auf der Tanzfläche konnte Ginny Bill und Fleur erkennen, die gekonnt und elegant über das Marmor schwebten, als hätten sie in ihrem ganzen Leben noch nichts anderes getan.
„George," sprach sie ihren Bruder an. „Könnten wir mal ne Pause machen? Ich will mich ein bisschen frische Luft schnappen gehen."
„Alles klar, soll ich mitkommen?"
„Nein, nein. Ich denke, ich bekomm das alleine hin," antwortete Ginny, überrascht über die Fürsorge ihres älteren Bruders.
George wandte sich zum Gehen und sprach kurze Zeit später eine Frau an, die zu den wenigen jungen Menschen im Raum gehörte.
Ginny verließ den Saal und ging durch die Eingangshalle hinaus vor die Tür. Sie lehnte sich gegen die Schlossmauer, machte die Augen zu und sog die kalte Nachtluft in die Lungen. Sie öffnete die Augen wieder und blickte in den Himmel. Keine einzige Wolke verdeckte die Sterne, deren Anblick Ginnys Puls, der im Saal gerade rapide aufwärts geschossen war, wieder normalisierte. Eine kalte Priese fuhr ihr durchs Haar und über die Haut und jagte ihr eine Gänsehaut über den ganzen Körper, da sie natürlich nicht daran gedacht hat, sich ihren Mantel aus der Garderobe geben zu lassen. Reingehen wollte sie jedoch trotzdem nicht.
„Deine Kleidung ist nicht unbedingt zweckmäßig für dieses Wetter," ertönte plötzlich eine Stimme neben Ginny. Erschrocken wandte sie den Kopf und sah Sirius, der an ihrer Seite stand. „Was machst du denn hier?", fragte Ginny. Sirius Kommentar nicht beachtend. „Frische Luft schnappen. Das selbe wie du, nehme ich an."
„Ja," antwortete Ginny und blickte zu Boden. Ihre Gänsehaut wurde noch schlimmer, ob das an der Kälte oder an Sirius Anwesenheit lag, wusste sie nicht genau.
„Hier. Zieh das an." Sirius reichte ihr sein Jackett. „Behalte es, sonst wird dir nur noch kalt," antwortete Ginny. Doch Sirius lächelte sie nur an und drückte ihr da Kleidungsstück in die Hand, welches jetzt doch dankbar an nahm und überzog. Das Jackett war unheimlich warm, als hätte es über dem Feuer gehangen. Sirius lehnte sich neben Ginny an die Mauer und blickte über die Ländereien.
„Sirius, an Weihnachten da . . . ," begann Ginny, aber Sirius unterbrach sie. „Was ich da getan habe, tut mir Leid. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Wenn ich dich bedrängt habe, dann möchte ich mich dafür entschuldigen." Sirius blickte jetzt auf seine Füße. Das hatte Ginny eigentlich nicht beabsichtigt. Gerade eben wollte sie sich entschuldigen. Was sollte Sirius denn bitte Leid tun? Sie traf doch die ganze Schuld!
„Sirius, dir muss gar nichts Leid tun. Ich habe doch provoziert, was da passiert ist."
„Aber ich hätte in der Lage sein sollen, zu verhindern, was passiert ist. Nur war ich das nicht."
„Und wenn ich gar nicht gewollt hätte, dass du es verhinderst?" Ginny biss sich auf die Lippen. Wann lernte sie endlich zu denken bevor sie redete?
„Hat es dir gefallen?", fragte Sirius, so leise, dass sie ihn kaum verstehen konnte.
„Dir?"
„Ja."
„Mir auch."
Ein paar Minuten lang sahen die beiden sich nur in die Augen. Dann trat Sirius einen Schritt näher an Ginny und legte ihr eine Hand auf die Wange. „Du weißt, dass ich viel zu alt für dich bin, ja?"
„Alles ist relativ."
„Ich bin achtunddreißig, Ginny."
„Und ich bin siebzehn, also gibt es keinen Grund für dich, dir wegen irgendetwas Sorgen zu machen."
Sirius lachte und senkte den Blick.
„Wenn das jemand raus findet, kommen wir in Teufels Küche."
„Bis jetzt ist noch nicht viel passiert, was jemand raus finden könnte."
Da legte Sirius Ginny seine Hand, die bis jetzt auf ihrer Wange geruht hatte auf die Schulter und die andere auf ihre Hüfte. Nun zog er sie zu sich heran und senkte sanft seine Lippen auf ihren Mund. Ginny schlang ihre Arme um Sirius Körper und öffnete ihre Lippen um seiner Zunge Einlass zu Gewähren. Kleine Stromstöße durchzuckten Ginnys Körper und trotz Sirius wärmendem Jackett bekam sie wieder eine Gänsehaut. Als sie den Kuss schließlich beendet hatten, rangen beide nach Atem. Sirius nahm Ginnys Hand und führte sie zum Eingangsportal. Zu ihrem Glück fanden sie die Eingangshalle leer vor. „Willst du zurück zu den anderen?", fragte er sie.
„Nein,"antwortete Ginny, womit jede Frage beantwortet war, die sie in Sirius Blick lesen konnte. Also führte er sie weiter und blieb vor einem Wandteppich direkt in der Eingangshalle stehen. Er schob ihn beiseite und zum Vorschein kam ein dunkler Geheimgang, den Ginny noch nicht kannte. „Woher kennst du den?", fragte Ginny, als sie den Gang betraten. „Hast du vergessen, wer damals diejenigen waren, die die Karte der Rumtreiber gezeichnet haben?", antwortete Sirius und grinste sie an.
„Ach, ja," sagte Ginny. Natürlich hatte sie das nicht vergessen, aber an diesen Geheimgang konnte sie sich trotzdem nicht erinner. Wahrscheinlich kannte einfach nur niemand auf der Welt Hogwarts so gut, wie Sirius Black.
„Hier ist es. Ein Glück ist der Gang nicht eingestürzt." Sirius zog seinen Zauberstab hervor und sagte „Lumos" und Ginny sah, dass sie vor einer kleinen Holztür standen. Sirius öffnete die Tür und sie betraten einen kleinen Raum, in dem sich nichts weiter befand als ein paar leere Regale und ein alter Barhocker. „Was zur Hölle ist das für ein Zimmer?", fragte Ginny
„Ich habe keine Ahnung für was er mal genutzt wurde, aber er war schon so eingerichtet als wir ihn damals entdeckten. Wir haben uns hier selten aufgehalten, weil der Gang ins Nichts führt und hier außer diesem Zimmer nichts ist.
Ginny betrat den Raum und Sirius folgte ihr. Er legte seinen Zauberstab auf eines der Regale und nahm Ginnys Hände. Wieder küsste er sie so sanft und zurückhaltend wie vorhin. Nach nur wenigen Augenblicken löste er seinen Mund wieder von ihrem und sah ihr ernst in die Augen. „Wenn dir das zu weit geht, dann sag es und wir gehen zurück in den Saal."
„Geht in Ordnung," sagte Ginny und legte ihre Arme um seine Hüften. Erst küssten sie sich langsam und behutsam, dann immer stärker und begieriger. Ginny lies ihre Hände nun auf Sirius Brust gleiten und öffnete seine Hemdknöpfe. Als sie fertig war, streifte sie ihm das Kleidungsstück von den Schultern und betrachtete seinen schlanken, muskulösen Oberkörper. Ginny zuckte Plötzlich zusammen, als sie Sirius Hände auf ihrer nackten Haut spürte, ihr war gar nicht aufgefallen, dass er ihr sein Jackett und die Träger ihres Kleides von den Schultern gezogen hatte und sie jetzt ebenfalls oben ohne vor ihm stand.
Sirius bemerkte ihre Reaktion und lies sie sofort los. „Wollen wir aufhören," fragte er sie, aber Ginny schüttelte den Kopf und vergrub ihr Gesicht in seiner warmen Schulter. Sirius schlang seine Arme um sie und streichelte ihr zärtlich über den Rücken.
Nach einer Weile hob Ginny ihren Kopf und stellte sich auf die Zehenspitzen um Sirius zu küssen. Er hob sie hoch und setzte sie auf den Barhocker. Ginny schlang die Beine um Sirius Hüfte. Dieser stützte sich auf dem Hocker links und rechts von Ginny ab und küsste über ihre Schultern. Mit jedem Kuss spürte sie Sirius Atem und erzitterte leicht. Ginny lies ihre Hände an seinem Oberkörper hinab gleiten und befühle seinen Unterleib. Sirius stöhnte unter dieser Berührung auf und spannte jeden Muskel im Körper an. Jetzt richtete er sich wieder auf und blickte Ginny in die Augen, bevor er ihr wieder mit einem leidenschaftlichen Kuss den Atem nahm. Sirius schob den unteren Teil ihres Kleides noch ein Stück weiter nach oben und schmiegte sich enger an sie heran.
Doch mit einem mal fühlte Ginny sich an die Nacht in dem kleinen Pub in London erinnert und musste daran denken, wie sehr sie das alles danach bereut hatte. Das hier lief genauso ab. Sie wollte ihr erstes Mal mit Sirius nicht an einem solchen Ort erleben, dafür war er ihr einfach zu wertvoll. Als sie spürte, wie Sirius sich an ihrer Unterwäsche zu schaffen machte, musste sie die Sache beenden, bevor es kein Zurück mehr gab.
„Hör bitte auf," flüsterte sie in sein Ohr. Sirius zog scharf die Luft ein, hielt aber sofort still und richtete sich auf. Er half Ginny sich gerade hinzusetzen und lehnte sich mit dem Rücken gegen die kalte Steinmauer. „Nicht so. Nicht an diesem Ort. Es tut mir Leid, Sirius."
Sirius kam auf sie zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Entschuldige dich nicht," sagte er leise zu ihr. „Kluge Entscheidung." Mit diesen Worten drehte er sich um und hob sein Hemd und sein Jackett vom Boden auf. Er klopfte den Staub aus und zog sich wieder an. Unterdessen brachte Ginny ihr Kleid und die Haare wieder in Ordnung und ging auf Sirius zu. Sie stellte sich wieder auf die Zehenspitzen und legte ihre Arme um seinen Hals. „Überall, nur nicht hier,"sagte sie leise. Er gab ihr den letzten leidenschaftlichen Kuss für diesen Abend, dann nahm er seinen Zauberstab und leuchtete den Weg zurück durch den Tunnel. Vor dem Wandteppich hielt an und schob ihn ein Stück zur Seite um zu sehen, ob die Luft rein ist. Es befand sich niemand in der Eingangshalle, also zog er Ginny hinter sich her auf die Treppe zu, die zu den Kerkern führte.
Ginny trat vor Sirius in den Saal, der sich schon mächtig geleert hatte und sie gingen nebeneinander, aber mit einem Schritt Abstand zwischen sich zu dem Tisch an dem Molly, Arthur, Hermine, Ron und George saßen. Bill und Fleur glitten noch immer über die Tanzfläche.
„Wo wart ihr denn die ganze Zeit?", fragte Ron die Ankömmlinge. „Ihr habt die Jahreswende verpasst!"
„Wir waren ne Runde auf den Ländereien spazieren und Sirius hat mir ein paar Geheimgänge gezeigt, die ich noch nicht kannte," erklärte Ginny ihre Abwesenheit.
„Tut uns Leid, wenn wir euch haben warten lassen," fügte Sirius noch an.
„Jetzt seid ihr ja da," sagte Arthur. „Ich geh Bill und Fleur holen, dann können wir gehen." Mr Weasley verschwand in Richtung Tanzfläche.
„Geheimgänge?" Georges Stimme klang neugierig. „Aber Ginny kennt doch die Karte der Rumtreiber. Gibt es etwa welche, die da nicht drauf sind?"
„Zwei haben wir erst kurz vor unserem Abschluss entdeckt. Da hatten wir keine Zeit mehr sie noch zu ergänzen, aber die führen alle beide nirgendwohin."
George sah ziemlich enttäuscht aus, weil er gehofft hatte noch irgendwelche Geheimnisse von Hogwarts zu erfahren.
Ginny spürte Hermines Blick auf sich ruhen und gab sich die größte Mühe so zu tun, als würde sie es nicht bemerken und sich völlig auf George zu konzentrieren.
In diesem Moment kamen Arthur, Bill und Fleur an den Tisch und die Gruppe machte sich wieder auf den Weg zum Grimmauldplatz.
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