Hier kommen Kapitel 4 und 5 und am Ende von Kapitel 5 taucht auch zum ersten Mal unser mysteriöser Mensch auf ;)
Leider habe ich ab nun wegen akutem Zeitmangel keine Beta mehr, die kommenden Kapitel wurden nicht Korrektur gelesen, aber ich hoffe, es geht trotzdem. Wenn sich jemand berufen fühlt... Ich würde mich freuen.
Disclaimer: Harry Potter gehört nicht mir, sondern J.K. Rowlings
Kapitel 4
Sie brauchte noch ein paar Tage, um sich auf ihren sogenannten Urlaub einzurichten. Da Hermine noch nie in Devon, geschweige denn in Bideford gewesen war und es in diesem Teil Englands auch keine magische Gemeinde gab, die an das Floh-Netzwerk angeschlossen war, blieb ihr nichts weiter übrig als mit dem Zug zu reisen, denn ein Ritt auf dem Besen kam schon mal gar nicht in Betracht. So war sie gleich am nächsten Morgen nach dem Besuch bei Minerva nach Muggel-London aufgebrochen, um sich ein Zugticket nach Bideford zu bestellen.
Ihr Chef Mr. McAllister nahm ihren Urlaubsantrag mit Genugtuung entgegen und und bewilligte die vier Wochen Urlaub ohne zu zögern. Hermine erzählte ihm, sie plane einen Urlaub am Meer, erwähnte aber nicht, wo genau sie hin wollte oder was genau sie dort vorhatte zu tun. Sie spielte kurz mit dem Gedanken Harry einzuweihen, entschied sich dann aber dagegen. Sie hatte ihm und Ginny nur von ihrem Entschluss berichtet endlich einmal Urlaub zu machen und für ein paar Wochen ans Meer zu fahren. Er würde sich nur vergeblich Hoffnung machen oder sie gleich für verrückt erklären. Hermine lächelte bei dem Gedanken, sie hielt sich ja selbst für verrückt, ein kleines bisschen zumindest.
Und so stürzte sie sich eine knappe Woche später in das quirlige Gewimmel von Victoria Station.
Es hatte definitiv seine Vorteile eine Hexe zu sein, dachte Hermine, als sie eine Familie mit zwei Kindern und mindestens einem halben Dutzend Koffern von der Größe eines Wandschrankes beobachtete, wie sie versuchten eilig ihren Weg durch die Menschenmassen zu finden ohne ihre Gepäckstücke oder eines der Kinder zu verlieren. Ihr auf die Größe einer handlichen Tragetasche zusammengeschrumpftes Gepäck behinderte sie kaum, als sie sich durch die Menge zu ihrem Zug drängte.
Gut gelaunt zwängte sie sich an Mitreisenden vorbei durch die Gänge der Waggons und fand schließlich einen Platz am Fenster. Zufrieden ließ sie sich hinein plumsen, nachdem sie ihre Tasche im Gepäcknetz untergebracht hatte. Es hatte definitiv seine Vorteile eine Hexe zu sein, aber apparieren oder Reisen mit Hilfe des Floh-Netzwerks oder einem Portschlüssel war irgendwie nicht dasselbe, die Aufregung, das schöne Gefühl einfach nur unterwegs zu sein, fehlte. Die Zeit zwischen Abreise und Ankunft ließ einfach mehr Zeit, um sich auf das Bevorstehende einzustimmen.
Entspannt schaute Hermine aus dem Fenster und beobachtete, wie die urbane Bebauung zuerst weitläufigen Vorstadtsiedlungen und schließlich dem offenen Land wich und langsam, aber sicher lullte die Wärme des Spätsommers und das wechselnde Spiel von Licht und Schatten der Bäume entlang der Gleise sie ein.
Sie wachte erst wieder auf, als eine Durchsage die nahe Ankunft in Bristol ankündigte, wo sie umsteigen musste.
Zum Glück musste sie nicht lange auf ihren Anschlusszug warten, eine kleine Bimmelbahn, die die Ortschaften und kleineren Städte an der Nordküste Devons abklapperte.
Ein Großteil der Felder, die an dem Zug vorbeizogen, waren bereits abgeerntet und große Kugeln aus Stroh lagen wie Murmeln über die Landschaft verteilt, kleine Mauern aus Stein und manchmal auch niedrige Hecken trennten Wiesen und Felder von einander. Von ab und an konnte Hermine das Meer in der Ferne aufblitzen sehen. Falls das Foto tatsächlich Snape zeigte, so hatte er sich mit Sicherheit nicht die schlechteste Ecke von England ausgesucht, um sich zu verbergen.
'Ja was, wenn es sich tatsächlich um Snape handelte', durchfuhr es Hermine.
Die ganze Woche hindurch hatte sie sich eingeredet, wie albern ihr Vorhaben eigentlich war, dass das Foto im Tagespropheten unmöglich Snape zeigen konnte und sie nur nach Bideford fuhr, um dort Urlaub zu machen, den sie sich laut ihrer Freunde auch dringend nötig hatte. Die ganze Woche hindurch hatte sie nicht gewagt, darüber nachzudenken, was passieren würde, sollte sie tatsächlich Snape begegnen. Wie würde er reagieren, wenn sie ihm erzählte, dass alle Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen worden waren, ja dass man ihm quasi posthum für seine Beteiligung am Fall Voldemorts den Orden des Merlin erster Klasse verliehen hatte? Was, wenn sie ihm erzählte, dass er zurück konnte? Würde er mit zurück kommen?
Glaubte sie denn wirklich, dass sie ihren alten Tränkemeister finden würde? Hermine horchte in sich hinein und forschte das erste Mal ernsthaft nach einer Antwort auf diese Frage, die sie bis zu diesem Zeitpunkt aus ihrem aktiven Bewusstsein verdrängt hatte. Nein, war die Antwort. Nein, sie glaubte nicht daran, Snape in Bideford, oder irgendwo anders auf dieser Welt, zu finden. Trotzdem würde sie nach dem Mann auf dem Bild suchen, einfach so, weil sie es sich vorgenommen hatte.
Mit einem Grinsen im Gesicht mahlte Hermine sich aus, was sie tun würde, wenn sie diesen Fremden denn tatsächlich finden sollte. Sie würde ihn vielleicht zum Kaffee einladen, in genau das Bistro, in dem das Foto entstanden war. Vielleicht würde sie ihm erzählen, dass sie sein Bild in einer Zeitung gesehen hätte und dass es in ihr den Wunsch geweckt hätte, Devon und Cornwall zu besuchen. Vielleicht würde er sogar lachen oder zumindest lächeln und sie würde ihn irritiert anschauen und vielleicht, nur vielleicht, würde sie ihm erzählen, dass sie einmal jemanden gekannt hatte, der ein bisschen so ausgesehen hatte wie er, nur dass sie diesen Jemand niemals hatte lächeln sehen.
