Alle Personen und Handlungsteile aus 'Harry Potter' gehören Ms Rowling., alle originalen Charaktere gehören Hebe GB, ich bin nur für die deutsche Fassung verantwortlich.

Leliha

Kapitel vier

Ellen und Connor versuchten, den bewusstlosen Mann vom Fußboden auf das Bett zu hieven, aber seine Größe, verbunden mit seinem Gewicht, ließen ihn in der Mitte durchhängen wie eine riesige schwarze Banane. Ellen bückte sich, um die Füße des Mannes festzuhalten, während Connor sich abmühte, ihn in eine halbwegs aufrechte Position zu bringen. Sie musste zusehen, wie die beiden Männer den Kampf gegen die Schwerkraft verloren und im Zeitlupentempo unbeholfen auf das Bettlaken niedersanken. Dank seines schnellen Reaktionsvermögens dämpfte Connor die Kraft des Falles und schützte die Halsverletzungen so gut es ging. Außer Atem von den Anstrengungen und im vollen Bewusstsein der Lächerlichkeit seiner Lage (platt auf dem Rücken, einen halbtoten Mann auf sich) bekam Connor einen Lachanfall.

„Mensch Connor – wir bringen ihn um, wenn wir so weitermachen. Kannst du nicht einmal ernst sein? Beweg dich…"

Ellen kletterte auf die andere Seite des Mannes und drehte ihn beschützend herum, während Connor sich mit der Anmut einer neugeborenen Giraffe unter ihm herauswand. Er kicherte immer noch vor sich hin, Ellens zorniger Blick machte es nur noch schlimmer, er musste sich sehr zusammenreißen, bevor er sich beruhigen konnte.

„Krieg dich wieder ein, Elli. Ich bin keine von deinen kleinen Krankenschwesterchen, die du herumkommandieren kannst. Ich bin derjenige, den du um Hilfe gerufen hast, weißt du das noch? Es ist nichts passiert – unser kostbarer Patient ist in Ordnung."

Ellen warf ihm noch einen kurzen, wütenden Blick zu und zog es dann vor, ihn zu ignorieren. Der Mann brauchte ihre Aufmerksamkeit und sie würde keine Energie an nutzlose Kabbeleien verschwenden. Sie machte sich daran, die Gliedmaßen des Mannes wieder in eine richtige Ordnung zu bringen, und schob ihn, Connors Hilfe in Anspruch nehmend, auf das Bett und in eine bequeme Position.

„Wir müssen ihm die übrigen Kleider ausziehen", murmelte sie, halb zu sich selbst, halb als Aufforderung.

Connor hob eine bedeutungsvolle Augenbraue und grinste über Ellens wütenden Antwortblick.

„Was, zum Teufel, hat er überhaupt angehabt?" fragte er, während er anfing, die Manschetten der Überreste einer Art altertümlicher Jacke und eines Hemdes aufzuknöpfen. Der Vorderteil der Kleidungsstücke und die oberen Ärmel waren bereits weggeschnitten oder zerrissen; Ellens Werk, wie er vermutete, aber das Rückenteil und die unteren Ärmel bildeten immer noch eine Art Zwangsjacke.

Ellen stöhnte ungeduldig. „Schneide das verdammte Ding einfach auf, ja?"

Connor biss sich auf die Zunge, damit ihm keine Entgegnung herausrutschte, aber ihre pampige Art regte ihn derartig auf, dass er sich zu einem Hitlergruß hinreißen ließ, bevor er ihren Arztkoffer nach einem Skalpell durchsuchte.

„Warum hast du eigentlich deinen Notfallkoffer hier? Hast du mit …Verletzungen gerechnet?"

„Hör zu, ich verspreche dir, dich nachher über alle dämlichen Details aufzuklären. Kannst du jetzt bitte weitermachen und dem armen Kerl helfen?"

„Ich kann nur diese armselige Verbandsschere finden. Die schafft es nicht, hier durchzukommen. Wo ist das Skalpell?"

„Ich hab es wieder eingepackt, bevor wir gegangen sind. Es muss da drin sein…schau noch mal nach…"

Vor sich hin brummelnd packte Connor die Tasche, schüttelte sie und kippte den gesamten Inhalt auf den cremefarbenen Teppichboden. Schnell sortierte er alle Gegenstände, drehte sich dann mit einem „Was-hab-ich-dir-gesagt-Blick zu Ellen um.

„Es ist nicht da."

„Dann mach halt mit der Hose weiter", fuhr Ellen ihn an und rannte den Flur entlang, um kurz darauf mit der schweren Küchenschere wiederzukommen.

Eine Zeit lang waren sie wortlos damit beschäftigt, den Fremden auszuziehen. Ellen holte das Oberteil eines blauen, baumwollenen Männerschlafanzugs aus der Kommode unter dem Fenster. Sie fädelten den Tropf durch den Ärmel und manövrierten den Mann vorsichtig in den Schlafanzug; dabei registrierten sie eine Unzahl von Blutergüssen und alten Narben auf seinem ganzen Körper. Ellen vergewisserte sich, dass die Wunde am Hals die einzige akute Verletzung war und knöpfte dann den Schlafanzug zu und kontrollierte noch einmal den Verband.

„Du hast also immer noch Marks Klamotten", bemerkte Connor, „ich dachte, du hättest sie inzwischen weggegeben…ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie irgendeinen Erinnerungswert für dich haben."

„Nur die Schlafanzüge. Die habe ich mehr getragen als er. Der Rest ging an Oxfam."

„So, na ja. Er hatte immer schon Mühe, die Kleider anzubehalten."

Ellen wollte jetzt weder an ihn, noch an sie beide denken, deshalb scheuchte sie Connor mit gespieltem Missfallen weg und erarbeitete im Kopf einen Behandlungsplan als willkommene Ablenkung.

Connor besah sich das neue Aussehen des Fremden. Es stellte einen bizarren Gegensatz zu seiner früheren Ausstattung dar und wieder schaffte er es nicht, sich das Grinsen zu verkneifen.

„Denkst du, du kannst dich soweit zusammenreißen, dass du ihm einen Katheder legen kannst? Alles, was du dafür brauchst, hast du vorhin auf den Boden geschmissen – ich muss einfach mal für kleine Mädchen."

Ellen ging hinüber zum angrenzenden Badezimmer, kümmerte sich um ihr dringendes Bedürfnis und lehnte sich auf das Waschbecken. Sie betrachtete ihr total erschöpftes Gesicht im Spiegel, erschrak über ihre kränklichen, dunklen Ringe unter den blutunterlaufenen, grauen Augen und die müde Blässe. Die Reste der Wimperntusche des Vortages waren auf ihren deutlich hervortretenden Wangenkochen verschmiert und verliehen ihren feinen, elfenhaften Zügen einen müden und verhärmten Ausdruck. Sie wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser und trank ein paar Schlucke, trocknete sich ab und ging zurück ins Schlafzimmer, wo Connor dabei war, aus einem Drahtkleiderbügel einen provisorischen Kathederhalter zu fertigen.

„Du kannst dankbar dafür sein, dass ich bei den Pfadfindern war", murmelte er, während er seine Konstruktion am eisernen Bettrahmen befestigte.

„Ja, danke vielmals, MacGyver," entgegnete Ellen sarkastisch, erfreut darüber, dass sie sehen konnte, wie der Urin in den Beutel tröpfelte. Also arbeiteten zumindest die Nieren des Fremden im Moment normal.

„Sieh dir doch bitte noch einmal die Wunde mit mir zusammen an. An einigen Stellen wird das Gewebe schwarz und es sieht nekrotisch aus."

Vorsichtig brachte Ellen den Kopf des Mannes in die richtige Lage und entfernte den Verband.

Sofort war Connors Neugier auf die Verletzung erwacht, er zog die Nachttischlampe dichter heran, so dass er Einzelheiten unterscheiden konnte. Sein berufliches Interesse war geweckt.

„Was hat das noch mal verursacht?"

„Keine Ahnung, ich habe ihn lediglich mit dem klaffenden Loch im Hals gefunden."

„Ein Loch oder zwei?"

„Eins, glaube ich. Ich habe mich nur darauf konzentriert, es zu schließen."

„Für mich sieht es wie zwei aus und deine Handarbeitskünste sind noch ausbaufähig."

„Pass auf, ich übergebe ihn gerne an einen Schönheitschirurgen, wenn er überlebt – du Ekel."

Connor lächelte und freute sich darüber, dass er es nach wie vor schaffte, sie aufzuziehen.

„Das letzte Mal, dass ich so etwas gesehen habe, war in Indien. Dieselbe Art von abgestorbenem Gewebe mit zwei Einstichstellen und zerrissenen, ausgefranzten Rändern…"

„Und…?"

„Und….wo bist du da nur reingeraten?"

Connor sah Ellen erwartungsvoll an, mit der Absicht, seine Diagnose gegen einen Bericht über die Ereignisse des Abends einzutauschen.

Nur mit Mühe unterdrückte Ellen ihre Wut und Frustration, griff dann nach der Küchenschere und sagte in bewusst eisigem Ton.

„Wenn du mir nicht sagst, was das ist, verpasse ich dir die verpfuschteste Vasektomie, die du dir vorstellen kannst, das schwöre ich."

„Ach, Ellen, komm schon, beruhige dich. Leg die Schere hin. Wenn ich Recht habe, haben wir nur eine winzige Möglichkeit ihm zu helfen – und, um ehrlich zu sein, ich weiß nicht genau, wieso er nicht längst tot ist."

„Connor, ich schwöre…"

„Das letzte Mal, dass ich so etwas gesehen habe, war bei einer Autopsie in Neu Delhi – und der arme Kerl hatte als Abendessen einer Königskobra fungiert."

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Der Würgegriff erstickte Rons Schreie. Der Mann, der ihn umklammert hielt, war stark und dadurch im Vorteil, dass er nicht vom Kämpfen erschöpft war. Hilflos sah Ron zu, wie der andere Todesser Hermine auf Armeslänge von sich entfernt hielt und sie an ihrem Pferdeschwanz langsam um ihre Achse drehte. Ihren Versuchen, ihn zu schlagen, wich er problemlos aus, und bestrafte sie dafür, indem er ihr mit einem gelegentlichen Ruck noch mehr Haare ausriss. Genüsslich begutachtete er jede ihrer, von einem enganliegenden Muggelpullover und Jeans betonten Kurven; ihre ungehaltenen Forderungen, sie nicht zu berühren, ignorierte er, indem er sie an sich zog und mit seiner Hand in ihren rückwärtigen Hosenbund fuhr, eine Geste, die viel zu intim war, als es das Hervorholen ihres Zauberstabs gerechtfertigt hätte. Ron war bereits entwaffnet, und beide Zauberstäbe landeten in einer entfernten Ecke des Raums; dann stieß er Hermine heftig zurück, so dass ihr Kopf heftig auf dem Boden aufschlug und sie einer Gehirnerschütterung nahe war.

„Es passt genau, dass du jetzt auf der Erde liegst, zusammen mit dem, was von dem anderen Abschaum übrig geblieben ist", knurrte er voller Abscheu und Hermine stellte fest, dass sie mitten in Snapes Blut gelandet war. Vor Schreck war ihr jetzt alles egal und sie nahm den letzten Rest, der ihr an Überheblichkeit geblieben war, zusammen.

„Sie sind zu spät dran. Sie haben verloren. Voldemort ist tot. Na los, doch, töten Sie uns, es macht für den großen Ablauf der Dinge keinen Unterschied mehr. Es ist vorbei…"

„Du sagst nichts, wenn du nicht dazu aufgefordert wirst – verstanden?"

„Eh, sollte ich jetzt etwas sagen?"

„Keine Ahnung haben und frech sein. Also, Miss Granger – Sie sind doch Miss Granger, oder? – von Ihnen habe ich mehr erwartet. Sie müssten doch wissen, dass es nie vorbei ist. Der Dunkle Lord wird zurückkehren und siegen…"

Hermine grinste.

„Jetzt sind Sie es, die keine Ahnung haben. Mister…? Wir haben alle Horcruxe Ihres armseligen Lords vernichtet. Er ist am Ende. Ein für alle mal zerstört und euch Übriggebliebene werden die Auroren in ein paarTagen nach Askaban verfrachtet haben."

„Ruhe! Du wirst jetzt still sein."

Er drehte sich zu Ron um, und nach einem lässigen Schwenk des Zauberstabs erschien ein großer Schnitt auf Rons Wange, der aufgrund des Würgegriffs sofort heftig zu bluten begann.

„Jedesmal, wenn du mich enttäuschst, wird das wieder passieren. Aber Sie haben echt, es war unhöflich von uns, uns nicht vorzustellen. Dies ist mein Partner, Theran Gourd, und ich bin Xanthos Malfoy."

Hermines Augen wurden vor Überraschung groß, aber gleichzeitig schalt sie sich selber in Gedanken, weil ihr nicht automatisch die Vermutung gekommen war, dass der fiese Silberblonde mit seinem Größenwahn mit den Malfoys verwandt war.

„Sie scheinen noch nicht von uns gehört zu haben, aber ich vermute, dass mein lieber Vetter Lucius das gerne so gehabt hätte, er hat sich alle Mühe gegeben, den Lord davon zu überzeugen, dass ich ein Verräter sei. Ein Preis wurde auf meinen Kopf ausgesetzt und ich musste das Land verlassen. Theran spürte mich auf, aber sein ungeschicktes Vorgehen rief die albanischen Auroren auf den Plan und wir wurden beide gefangen genommen. Nachdem es mir gelungen war, Theran und die anderen Abgesandten des Dunklen Lords von meiner Loyalität zu überzeugen, arbeiteten wir zusammen an unserer Befreiung. Allerdings haben wir es nicht geschafft, rechtzeitig zu der Schlacht zu kommen, wie es aussieht…. Wie dem auch sei, unsere Treue ist beständig und der einzuschlagende Weg klar. Wir werden das Werk des Lords fortsetzen und seine Verräter bestrafen. Und damit wären wir beim Thema dieser kleinen Unterhaltung – diesem verräterischen Halbblut Severus Snape."

Hermine versuchte, die Situation zu verstehen, aber ihre taktischen Fähigkeiten waren durch Erschöpfung und Verletzung außer Gefecht gesetzt. Sie bezweifelte, dass die Kavallerie zur Rettung bereitstand, und die verrückten Todesser schienen auf Blutvergießen aus zu sein. Einen Moment lang dachte sie daran, aufzugeben, und senkte ihren Blick zu Boden, als sie in dem schwachen Licht, das durch den zerschlissenen Fensterbehang drang, neben dem echten Sessel etwas glitzerndes bemerkte. Sie wollte die Aufmerksamkeit nicht darauf lenken und blickte schnell hoch. Xanthos, der diese Bewegung als eine Bitte, sprechen zu dürfen interpretierte, ignorierte sie und begann von neuem.

„Sie müssen Snape besonders nahe gestanden haben, wenn sie von seinem Verschwinden so schwer getroffen sind, wie wir es gerade gesehen haben. Also…er mag sie jung und unerfahren, nicht wahr? Sich dazu noch an Schülerinnen und Schlammblütern zu vergehen…aber vielleicht ist das ein angemessenes Benehmen für die unteren Schichten."

Theran schnaubte zustimmend und für einen Moment ließ seine Konzentration nach und er lockerte seinen Griff etwas. Ron zwängte seinen Kopf aus der Umklammerung und biss mit all seiner verbliebenen Kraft in den Arm des Jägers. Die Mischung aus Knurren und Kreischen, die der gewichtige Todesser von sich gab, zog Xanthos' Aufmerksamkeit auf sich, und während beide damit beschäftigt waren, Ron unter Kontrolle zu bringen, warf Hermine sich zu dem Sessel, rutschte mit ausgestreckten Armen über den Boden in Richtung ihres Zauberstabs und hatte gerade noch Zeit, den erspähten Gegenstand in ihren Ärmel zu stecken, bevor Xanthos sie am Fußgelenk packte und zurück in ihre ursprüngliche Position zog.

„Ich schätze es überhaupt nicht, wenn meine Zeit mit sinnlosen Fluchtversuchen vergeudet wird," seufzte Xanthos verächtlich und nickte Theran zu, der daraufhin erst in die Rückseite von Rons Wade trat, damit dieser zu Boden ging, und anschließend auf sein linkes Knie, was den Raum mit einem scheußlichen Knacken erfüllte.

„Neiiiiiiin!" schrie Hermine, und übertönte damit gerade so den Schmerzensschrei Rons.

„Was habe ich gesagt von wegen nicht sprechen?" drohte Xanthos, lief mit zwei schnellen Schritten hinüber zu Hermine, packte sie an Haaren und Arm und schleifte sie quer durch den Raum zu Ron, wo er sie losließ und wütend hervorstieß:

„Ich kenne durchaus auch Gnade. Sie dürfen Mr Weasley ‚Auf Wiedersehen' sagen."

Entsetzen durchströmte Hermine, als sie seine Ansicht erkannte. Ron, abgelenkt durch die höllischen Schmerzen in seinem Bein merkte sie einen Moment später. Sie warf sich über Ron, ergriff in angstvoller Entschlossenheit seine Hände, suchte seine Augen und wollte ihm verzweifelt zu verstehen geben, dass er zwischen den Zeilen ihrer Worte lesen solle.

„Ron, wir sind Gryffindors. Wir hören niemals auf zu kämpfen."Und dann, als ihr mit Entsetzen gewahr wurde, dass dies vielleicht ihre letzte Worte waren, sprudelte sie heraus ‚Ich liebe dich', während Theran sie mit einer ‚Das-reicht-jetzt-Bewegung' auseinanderzog.

„Weasley weiß eindeutig nichts und ist deswegen bedeutungslos. Sie jedoch wissen vielleicht mehr, als Ihnen klar ist und ich bin sicher, wie werden es genießen, ihnen diese Informationen bis auf die letzte Unze aus der Nase zu ziehen. Theran, ich weiß, wie enttäuscht du jedesmal bist, wenn die Erregung der Jagd keine Befriedigung durch das Töten erfährt. Er gehört ganz allein dir…"

Xanthos lächelte und kniete dann hinter Hermione nieder; eine Hand fest in ihrem Haar vergraben, mit der anderen seinen Zauberstab an ihre Kehle haltend, zwang er sie dann, zuzusehen, wie Theran sich über Ron beugte, seine hässlichen großen Hände an seinem Hals in Position brachte, bereit, ihm das Leben herauszudrücken.

Trotz seiner körperlichen Qualen bemühte Ron sich um Konzentration, und als Therans tödlicher Griff fester wurde, packte er das Messer, das Hermine ihm während ihres Abschiednehmens heimlich zugesteckt hatte und zog es wütend über die Kehle seines Angreifers.

Xanthos knurrte vor Wut, warf Hermine zur Seite und schmettere Ron ein ‚Avada Kedavra!' entgegen. Ron war gedeckt durch Therans zusammensackenden Körper und benutzte seine letzten bewussten Momente, um Therans Zauberstab zu ergreifen und in Hermines Richtung zu werfen.

Mit ihren Überlebensinstinkten in voller Fahrt warf sie sich nach vorne zu ihrem durch die Luft fliegenden Zauberstab; die Arme ausgestreckt, fing sie ihn knapp mit den Fingerspitzen auf, während sie mit einer Rolle auf dem Boden aufkam. Atemlos griff sie ihren Zauberstab fester und drehte sich sofort auf den Rücken, instinktiv in Deckung gehend, als Xanthos' zweites ‚Avada' neben ihr einschlug, ihre linke Schulter nur um wenige Zentimeter verfehlend. Ohne zu zögern, ganz automatisch warf sie ein ‚Stupefy' zurück auf ihren Angreifer und beobachtete ihn grimmig, um sicherzugehen, dass sie auch getroffen hatte.

Und sie hatte. Xanthos fiel, sein großer, schlanker Körper klappte steif nach hinten und federte unmerklich, als er aufschlug.

Genau in diesem Moment schien die Hütte zu beben und eine gigantische Stimme ertönte.

„Was is'n hier los? Hermine?...Was is passiert?" fragte Hagrid, während er sich in den Raum zwängte.

Mühsam kam Hermine auf die Füße, stolperte auf Hagrid zu und klammerte sich haltsuchend an ihm fest.

„Hagrid…Merlin sei Dank…Todesser…hilf Ron", stammelte sie erschöpft.

„Ach, bloß nich…nich auch noch Ron. Nein, nein!" fing Hagrid an, als er neben Ron niederkniete und Therans Körper mit einem lässigen Schubs zur Seite beförderte.

Hermine schob seinen Arm aus dem Weg und brach zusammen, den Kopf auf Rons Oberkörper, immer wieder schluchzend, wie leid es ihr tue. Dann regte sie sich, das geliebte Gesicht in die Hände nehmend und, ohne sich um Hagrids Gegenwart zu kümmern, küsste sie ihn sanft, während eine einzige Träne von ihren Lippen zu den seinen rann.

Und auf einmal merkte sie, was los war. Seine Lippen waren warm. Sie legte ihren Kopf wieder auf seine Brust, um einen Herzschlag betend. Er war langsam und dünn, aber er war da. Sofort schlugen Schmerz und Erschöpfung in Hochstimmung um, sie sprang auf und strahlte den völlig verwirrten Hagrid an.

„Er lebt. Er lebt….Schnell, schnell. Wir müssen ihn zurück nach Hogwarts schaffen, jetzt gleich!"

Hagrid warf sich auf die Knie, hob Ron mit erstaunlicher Sanftheit vom Boden auf und legte ihn sich über die linke Schulter. „Recht hast du, Hermine. Lass mich nur machen…Am besten nehm' ich dich auch gleich mit, du siehst nich aus, als könnt'ste dich lange auf den Beinen halten."

Er machte Anstalten, Hermine an sich zu ziehen, aber sie stoppte ihn mit einer energischen Handbewegung.

„Warte – einen Moment. Ich will nicht, dass dieses Biest sich davonmacht. Incarcerus!"

Magische Fesseln schwebten durch den Raum und banden den immer noch reglosen Xanthos fest und sicher, so dass sie seinen Zauberstab an sich nehmen konnte.

„Lass ihn. Ich versprech dir, ich komm zurück und beschäftige mich mit ihm später. Versprochen…"

Dann führte Hagrid Hermine energisch nach draußen und hob sie sich genauso über die Schulter wie Ron.

„Wir sind gleich da – haltet ihr zwei euch einfach nur fest, OK?"

Damit machte sich ihr riesiger Freund auf den Weg zurück ins Schloss, so schnell es sein unförmiger, versehrter Körper schaffte.

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„Eine Riesenschlange?" Na klar doch! Ich bin jetzt nicht in der Stimmung für Scherze, Connor."

„Ich mache keine Scherze, Ellie, ich meine es ernst. Es sieht genau so aus wie bei dem Inder. Offenbar hatte er die Schlange aus dem Ei hochgepäppelt und konnte sie beschwören und alles. Dann erscheint eines Tages dieser Kerl auf dem Markt, wo er mit seiner Flöte zugange war, und erzählt ihm, dass die Schlange jetzt ihm gehört. Naja, das hat dem Inder nicht gepasst, aber die Schlange ist dem anderen Kerl einfach gefolgt, wie dem Rattenfänger von Hameln. Der Inder sieht seine Lohntüte die Straße entlang verschwinden, läuft ihnen nach, und das nächste, was die Leute auf dem Markt sahen, war, wie die riesige Schlange sich auf ihn stürzte und die massiven Fangzähne seinen Hals aufschlitzen."

Ellen dachte an die dunkle, unheimliche Hütte. Wahrscheinlich hätte sie die Schlange auch dann nicht bemerkt, wenn diese sich direkt neben ihr zusammengeringelt hätte. Der Gedanke ließ sie schaudern.

„Jedenfalls, was ich sagen wollte, alles, was du getan hast um den Gothictypen zu retten, könnte umsonst sein, wenn er Gift an Bord hat. Zu deinem Glück hast du einen weltbekannten Toxikologen in deinem Schlafzimmer und er wäre vielleicht in der Lage, dir zu helfen."

Ellen verdrehte die Augen. „Was musst du tun?"

„Lass mich eine Blutprobe nehmen, wenn er noch welches übrig hat, und es einen Labortest durchlaufen. Ich mache es selbst, alles ganz heimlich, und in ein paar Stunden sollte ich eine Antwort für dich haben. Wenn es so ist, wie ich vermute, habe ich fast alle Gegengifte, so dass ich dir etwas bringen kann – wenn wir es noch brauchen. Der hohe Blutverlust könnte sogar die Vergiftung begrenzt haben… alles hat sein Gutes…"

Ellen musste lächeln, Connor hatte eine allseits bekannte ‚halbvolles Glas-Einstellung' zum Leben und es war schwer, sich nicht davon anstecken zu lassen. Sie griff nach dem Unterarm des Fremden und legte die Aderpresse um seinen Bizeps, damit Connor seine Probe entnehmen konnte. Während sie seinen Unterarm auf der Suche nach einer Vene abklopfte, kamen sie nicht umhin, die verblassten Überreste einer hässlichen, großen Totenkopftätowierung zu bemerken. Connor überlegte, dass es wunderbar in seine begrenzte Kenntnis der Dreieinigkeit der Gothicszene passte – die Vorliebe für schwarz, die tödliche Blässe und furchteinflößende Tattoos. Ellen hingegen fand, dass alles andere an dem Mann auf eine gehobene Lebensart hinwies. Seine Kleidung sah teuer aus und gut geschneidert, seine Fingernägel waren gepflegt, wirkten schon fast manikürt, und, das offensichtlichste von allem, seine Stiefel waren handgefertigt. Er stellte für sie ein völliges Geheimnis dar.

Die Blutprobe sicher in seiner Tasche verstaut, ging Connor zur Tür.

„Schaffst du es ohne mich für eine Weile?" strahlte er.

„Ein paar Stunden sind gerade noch drin."

„OK – im Moment gibt es herzlich wenig, was du tun kannst. Du hast keine Ausrüstung und keine Hilfe. Es kommt jetzt ganz auf ihn an. Vielleicht solltest du versuchen, dich auszuruhen – du siehst aus wie der Tod auf Urlaub."

„Das sieht dir ähnlich, noch auf mir rumzuhacken, wenn ich ganz unten bin…" lachte Ellen.

„Hey, ich bin immer für dich da…" tönte er mit gespielt tiefer Stimme und wackelte mit den Augenbrauen.

Sie lächelte und scheuchte ihn aus der Wohnung – sah ihm nach bis zur Treppe. Er hielt inne, blickte zurück und, mit tiefen Gefühl, sagte einfach nur ‚immer', bevor er die Treppe hinunter stürmte.

Ellen ging zurück ins Schlafzimmer, Connors Einstellung verwirrte sie. Seit Gatwick hatte sie immer gedacht, dass sie Freundschaft füreinander empfanden – aber dieses eine Wort war mit so viel Verehrung gesagt worden, dass es eine ältere Erinnerung in ihr wachrief, eine Erinnerung an Liebe und Leidenschaft.

Sie beförderte ihre Schuhe in den Schrank und tappte zu dem Mann. Die Überreste ihrer Ausrüstung und weggeworfene Kleidungsfetzen waren überall verstreut. In dieser Unordnung konnte sie sich nicht ausruhen, obwohl eine erste Welle von Erschöpfungsübelkeit sie überrollte. Seufzend holte sie eine Mülltüte und ging müde durch das Zimmer, sammelte ihre Sachen zusammen und stopfte den Rest des Abfalls in die Tüte. Als sie den Stapel alter und zerrissener Kleidung darin verstaute, fiel ihr ein kurzer Holzstab vor die Füße. Sie bückte sich um ihn aufzuheben. Zuerst dachte sie, es sei ein Taktstock, aber er schien dafür zu schwer zu sein, und er hatte kunstvolle Schnitzereien an dem dickeren Griffende. Ihre Gedanken flogen zurück zu Brian.

„Völlig normal für einen Zauberer – meine Liebe…"

War das ein Zauberstab?

Sie ließ sämtliche Erinnerungen an die Nacht noch einmal vorüberziehen während sie weiter aufräumte. Es war alles so seltsam. Sie glaubte nicht an ‚Zauberei', aber sie konnte die Ereignisse anders nicht erklären. Ein weiterer Schub Übelkeit überkam sie und ihr wurde schwindlig. Sie ließ sich neben dem Fremden niedersinken und kontrollierte noch einmal den Tropf und seine Parameter. In Anbetracht des hohen Blutverlusts war sein Herzschlag war unglaublich langsam. Wenn sie seine Verletzungen nicht gesehen hätte, hätte sie glauben können, er läge in einem tiefen, ruhigen Schlaf,.

Das Schwindelgefühl kehrte zurück, und sie beschloss, sich an Connors Rat zu halten. Sie musste sich ausruhen. Sie drehte sich zu der freien Seite des Betts und legte sich auf die Decke, mit dem Gesicht zu dem Fremden, in der Hoffnung, es zu merken, wenn sich sein Zustand änderte, während sie schlief. Sie schloss die Augen und stellte sofort fest, dass sie sich Mühe geben musste, nicht einzuschlafen. Schlaf war keine gute Idee. Er könnte sterben und sie würde es nicht bemerken. Mit übermenschlicher Kraft zwang sie ihre Augen, sich zu öffnen und registrierte eine Sekunde später, dass die dunkelsten Augen, die sie jemals gesehen hatte, zu ihr zurückstarrten…

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