A/N: Ich hoffe, euch gefällt die Geschichte soweit. Bald treffen die beiden Welten auch aufeinander! Ick würde mir sehr über ein paar Reviews freuen ;) Daaaanke!
Read & Review! :)
Kapitel 4 – Ein Quaffel zu weit
Harry Potter war sich sicher, dass es auf der ganzen weiten Welt nichts Besseres gab als zu Fliegen. Auf einem Besen natürlich. Er schoss über die dunklen Wellen und weißen Strände hinweg, die salzige Luft in seinen Haaren, Augen und Lungen. Er hatte die Hütte so schnell er konnte verlassen und nicht mal so lange gewartet, bis sich Sirius in seine eigene Form zurückverwandelt hatte. Er hatte nicht zugehört, als die Weasleys darüber sprachen noch schnell ein Quidditch-Spiel vor dem Abendessen zu veranstalten. Nein, er hatte sich seinen Besen geschnappt und war hinaus in die Nacht gelaufen.
Dieser ganze Sommer war schrecklich gewesen.
Vielleicht lag es ja an ihm oder an der Pubertät, oder sonst was, aber seit geraumer Zeit war er sehr wechsellaunig gewesen. Er war fast immer auf 180, bereit die nächstbeste Person anzubrüllen, obwohl sie nichts falsch gemacht hatte. Bis letzten Juni war er, bis auf ein, zwei Ausnahmen hier und da, mehr oder weniger entspannt gewesen. Er hatte es ja sogar geschafft cool zu bleiben, als er in seinem ersten Schuljahr Quirrel gegenübertrat. Diese letzten beiden Monate aber waren eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle gewesen, von Selbstbemitleidung, bis hin zur Wut auf alles und jeden. Nichts half ihm dabei sich besser zu fühlen, noch nicht einmal seine zwei besten Freunde. (Jedenfalls glaubte er nicht, dass die beiden anzubrüllen, als ein freudiges Wiedersehen einzustufen war.)
Aber jetzt hier, das Fliegen in der kühlen Nachtluft, sich beinahe schwerelos zu fühlen … das war wirklich befreiend!
Und er lachte und lachte in die dunkle Nacht hinaus, hörte, wie seine Stimme vom Wind über den Ozean getragen wurde. Für einen Moment fragte er sich, ob Leute in England, allen voran Voldemort, hören konnten, dass er endlich wieder Spaß hatte.
„Hey, Potter!"
Harry fühlte sich merkwürdigerweise an Draco erinnert und dreht sich schnell um, sein Lachen verklang. Eine Person kam auf ihn zugerast, aber da sein Feuerblitz schneller als die meisten Besen war, wusste er, dass die Person ihn nicht einholen konnte. Also verlangsamte er sein Tempo und ließ das rothaarige Mädchen näher an sich herankommen.
Ginny grinste breit. „Kräftige Lunge hast du da."
Er dankte jedem Gott, den es geben mochte, dass es dunkel war und sie nicht sehen konnte, wie er rot wurde. „Ja … danke."
Sie flogen für eine Weile ohne etwas zu sagen, beide starrten die hellen silbernen Sterne an, die sich in dem dunklen Meer spiegelten.
Harry hatte gedacht, dass er lieber alleine gewesen wäre, zumindest war er vor ein paar Minuten noch sehr glücklich gewesen hier alleine zu fliegen, doch es machte ihm irgendwie gar nichts aus, dass Ginny jetzt da war. Es war nicht schwer sich mit ihr wohlzufühlen.
„Also", sagte sich nach einer Weile, „was hältst du davon?"
„Wovon?"
Sie sah ihn langsam an. Das Weiße in ihren Augen leuchtete in der Dunkelheit und Harry wandte seinen Blick nicht ab. „Von dem Drachen, den du gesehen hast."
Seine Hände fingen leicht zu zittern an und er dankte Gott – noch einmal – für die Dunkelheit. „Ich habe nicht – "
„Doch hast du. Ich habe genau deinen Gesichtsausdruck im Auto gesehen, Harry, und ich habe dich erst ein oder zweimal so erschrocken gesehen."
„Ich habe keine Angst vor Drachen. Du erinnerst dich noch, dass ich letztes Jahr gegen einen gekämpft habe?!"
Ginny grinste und Harry schaute wieder auf das Wasser unter ihnen. „Wenn ich mich recht erinnere, gab es damals gar keinen Kampf." Ehe er reagieren konnte, lachte sie und stieß seinen Besen leicht mit ihrem Bein an. „Wenn du mich fragst, bist du vor dem Drachen weggeflogen."
„Bin ich nicht – okay, gut." Er rollte mit den Augen. „Vielleicht hattest du ja eine großartige Idee an dem Drachen vorbeizukommen und dir das Ei zu schnappen, ich habe das Beste aus der Situation gemacht."
„Ich hatte in der Tat ein paar Ideen", sagte sie spielerisch, aber ihre Stimme schlug nun wieder einen ernsten Ton an. „Aber wechsel nicht das Thema. Du hast einen Drachen gesehen, dort bei der Erdbeerfarm, nicht wahr?"
Er ließ sich mit seiner Antwort Zeit.
Wie sie so unter dem wolkenlosen Nachthimmel entlang flogen, war es schwer sich vorzustellen, dass er tatsächlich einen riesigen, Feuer spuckenden Drachen gesehen hatte, der eine einfache Pinie bewachte. Es war eigentlich sogar recht einfach, alles Schlimme, das je passiert war, zu vergessen. Er schaute für einen Moment auf die endlosen Wellen, bevor er sich wieder Ginny zuwandte. Sie sah ernst aus, wahrscheinlich tat er das auch, ihre feuerroten Haare tanzten im Wind. Eine Minute lang fiel es ihm schwer seine Stimme zu finden, dann schluckte er kräftig und sprach: „Ja."
Sie wandte ihr Gesicht ab. Ihre braunen Augen sahen beinahe Schwarz aus. „Wollen wir uns das noch mal angucken?"
Seine erste Reaktion war: Bist du noch ganz dicht? Aber dann erinnerte er sich, dass er es hier mit dem jüngsten der Weasley-Kinder zu tun hatte. Natürlich war es für sie wie ein angeborener Instinkt noch näher heranzugehen, wenn sie einen Drachen sah. „Ich würde das schon irgendwie wollen,", gab er zögernd zu, „aber wir sollen uns doch nicht auffällig benehmen. Ich schätze mal, dass ‚einen Drachen besuchen' nicht auf Lupins Liste für angebrachte Aktivitäten steht."
Sie kicherte und sah wieder weg. „Wollen wir zurück zur Hütte fliegen und noch Quidditch spielen? Ich hab den anderen versprochen, dass ich dich hole."
„Ich bin doch kein Hund!"
„Nein, das ist schon Sirius!"
Ihre Blicke kreuzten sich, sie blieben für einen Moment ruhig und dann fingen sie beide zur selben Zeit an zu lachen. Ihre Stimmen wurden weit über die finsteren Wellen getragen.
„Schön, dass du auch kommen konntest, Blitznarbe."
„Nenn mich nicht so!", knurrte Harry einen lachenden George an, während er am Strand landete. Ginny landete sanft neben ihm, aber schlug ganz aus Versehen ihrem großen Bruder ihren Besenstil ins Gesicht. Sie duckte sich, bevor George sich rächen konnte, lachte Harry groß an und ging hinüber zu Hermine.
„Lasst uns endlich anfangen", sagte Ron eifrig, und warf den Quaffel ein paar Mal in die Luft. „Zuerst aufwärmen?"
Hermine sah von Charlies Besen, den sie sich für den Urlaub ausgeliehen hatte, auf. „Ich weiß, ich habe das schon gesagt, aber ich glaube wirklich, dass wir Professor Lupins Rat folgen und ins Bett gehen sollten. Wir müssen uns an die Zeitumstellung gewöhnen."
„Wir müssen ja keinen Jetlag haben, Hermine", antwortete Ron. „Wir haben doch alle im Flugzeug geschlafen und wir sind verdammt noch mal endlich in Amerika!"
„Pass auf, was du sagst!", sagte Fred in einem Ton, der schon beinahe dem seiner Mutter ähnelte. Harry musste sich ein Lachen verkneifen.
„Also,", sagte Ron, nachdem er Fred böse anguckt hatte, „es wird doch eh nicht wirklich funktionieren, wenn wir jetzt schlafen gehen, oder? Und das Beste was wir dagegen machen können, ist uns auszupowern und dann können wir ins Bett gehen und schlafen, oder sehe ich das falsch? Demnach ist Quidditch das Beste, was wir jetzt gerade tun könnten."
„Deine Logik ist ein wenig verquer, aber ja, lasst uns spielen."
Sie fingen mit einer Aufwärmrunde an, die Harry allzu sehr an die Trainingseinheiten mit seinem früheren Quidditch Kapitän Oliver Wood erinnerte. Plötzlich wollte er sehr gerne zurück nach Hogwarts. Auch die Anweisungen, die die Zwillinge ihnen gaben, waren genau dieselben Wörter, die Wood auch benutzt hätte und das ließ sein Heimweh nicht gerade kleiner werden.
Harry nahm sich zusammen und spielte mit und nach einer Weile vergaß er seine anstehende Anhörung und alles andere. Er lachte genauso heftig wie alle anderen, als Hermine Ron den Quaffel versehentlich direkt auf die Nase warf.
Ron erholte sich schnell, doch blieb ab jetzt lieber außer Reichweite, wenn Hermine den Quaffel in ihrem Besitz hatte und das Aufwärmen ging weiter. Harry warf den Quaffel zu Fred, der gab ab an Ginny und sie warf zurück zu Harry, der einen Looping machen musste, um ihn zu fangen, doch er konnte ihn in der gleichen Bewegung an Hermine weitergeben. Ginny flüsterte ‚Angeber' und Harry grinste nur frech.
Nach einer halben Stunde Aufwärmen fingen sie das richtige Spiel an. Fred und Hermine waren in Harrys Team und Ginny betrachtete ihn von oben bis unten mit solch einem schelmischen Blick, dass Harry leicht nervös wurde.
Obwohl Ginny besser war, als er erwartet hatte, - später sollte sich herausstellen, dass sie häufig alleine mit einem Besen eines ihrer Brüder geübt hatte, da sie eines Tages Profispielerin werden wollte – war Harrys Team am Gewinnen. Sie hatten drei Pfosten mit den Ringen in den Sand gemalt, was bedeutete, dass sie ziemlich tief fliegen mussten, was wiederum einiges an Präzision verlangte, wenn sich nicht in den Sand stürzen wollten. (Etwas, das Hermine ständig passierte, aber es schien sie nicht großartig zu stören.)
Es war alles gut, bis Fred mitten im Spiel Harry entgegenbrüllte: „Potter! Pass auf!"
Harry hob seinen Kopf und duckte sich.
Fred hatte den Quaffel ein wenig zu energisch zu Harry geworfen, sodass, wenn er nicht die schnellen Reflexe eines Suchers gehabt hätte, er von seinem Besen geworfen worden wäre. So schoss der Quaffel an ihm vorbei, hinein in den nahe gelegenen Wald. Er hatte solch eine Geschwindigkeit drauf, dass Harry sich fragte, ob er jemals landen würde.
„Oh, tut mir leid – "
Freds Entschuldigung verlor sich in dem Rauschen des Windes, als Harry hinter dem Quaffel herraste. Er wusste, dass er, dank Sirius Geschenk, der schnellste sein würde und wenn sie den Ball jetzt verlören, dann wäre er für immer weg. Es war zu dunkel, um nach ihm zu suchen und wer wusste schon, wo er landen würde.
Also flog er dem Quaffel einfach direkt hinterher und versuchte ihn einzuholen. Er ignorierte die großen Bäume hinter sich, er ignorierte die kalte, schneidende Seeluft: Er fühlt sich, als wäre er wieder in einem richtigen Quidditch-Spiel, dieses Mal nur auf der Jagd nach einem größeren Ball und nicht dem Schnatz.
Er hatte es fast geschafft.
Harry lehnte sich nach vorne und kniff seine Augen zusammen.
Nur noch ein paar Zentimeter.
Er streckte seinen Arm aus, seine Fingerspitzen berührten fast den Quaffel. Nur noch einen Zentimeter …
BÄÄM!
Der Baum war aus dem Nichts gekommen.
Harry schrie vor Schreck und Schmerz, versuchte sich an etwas festzuhalten. Überall waren Äste, schlugen ihm die Brille von der Nase, schnitten in seine Arme, Beine und Wangen, blieben in seinen Haaren hängen und zogen fast den Feuerblitz unter seinen Beinen hervor.
Und plötzlich hörte der Schmerz auf.
Er stöhnte. Er war auf dem Boden gelandet – endlich! Auf dem kalten Boden, sein Besen war noch zwischen seinen Beinen und den Quaffel hielt er fest in seiner rechten Hand. Er hatte seine Brille verloren und konnte seinen Zauberstab nicht in seiner Tasche spüren, aber er war noch am Leben. Das war doch wenigstens etwas. „Großartig", murmelte er und versuchte wieder auf die Beine zu kommen. „Großartige Flugkünste, echt."
Er schielte umher. Anscheinend war er in eine riesige Pinie gerast und das war weder an ihm, noch an dem Baum spurlos vorübergegangen. Überall lagen zerbrochene Äste, Pinienzapfen und – nadeln und er war sich sicher, dass er ein paar Zweige in seinem Haar hatte.
Dankbar, dass es keine Zeugen gab, begann er nach seiner Brille zu suchen. Er tastete umher und fand sie recht schnell. Sie war nicht zerbrochen, aber leicht verbogen, aber das konnten sein Patenonkel oder Lupin bestimmt wieder hinbiegen. Sogar sein Zauberstab lag nicht weit von ihm entfernt auf dem Boden.
Er bemerkte erst, dass er nicht alleine war, als er seine Brille wieder aufsetzte.
Da waren zehn, vielleicht sogar elf, Teenager in seinem Alter und sie alle starrten ihn mit offenen Mündern an. Und sie waren absolut nicht normal.
Nicht, dass er was darüber sagen konnte, was normal sein bedeutete und was nicht, schließlich war er ein Zauberer, der in diesem Moment einen Besen in der einen und seinen Zauberstand in der anderen Hand hielt, aber er fragte sich, ob er irgendwie durch die Zeit gereist war. Sie alle trugen Rüstungen, die ihm entweder griechisch oder auch römisch vorkamen, mit Umhängen und allem, was dazugehörte. Einige von ihnen waren sogar mit Schwertern und Pfeil und Bogen bewaffnet; und alle Waffen waren auf seinen Kopf gerichtet. Sie waren vielleicht Teenager, aber sie sahen kampflustig aus, als ob sie bereit wären, ihn umzubringen, wenn er es nur versuchen würde, dem, anscheinend sehr wichtigen, Baum, Schaden zuzufügen.
„Ähm", fragte er und senkte dabei langsam den Besenstil, aber nicht seinen Zauberstab, „wer seid ihr?"
Eine Jung trat vor.
Und Harry schwankte. Es war, als würde er in einen Spiegel gucken. Der schlaksige, aber doch muskulöse Typ sah genauso aus wie er. Er hatte die gleichen schwarzen, strubbeligen Haare, die gleichen berechnenden, grünen Augen, zumindest schien das so im Mondlicht, und sogar die Art und Weise wie der Junge stand und ging erinnerte ihn an … nun ja, an sich selbst. Der Junge war vielleicht ein oder zwei Jahre älter und ein bisschen größer, aber ansonsten sah er wie eine perfekte Kopie aus.
„Ich bin Perseus Jackson", sagte der Junge langsam, die Spitze seines merkwürdig geformten bronzefarbenen Schwertes immer noch auf Harrys Gesicht gerichtet, „aber die entscheidende Frage ist doch eher: Wer zum Hades bist du?!"
