Dies war bisher das schwierigste Kapitel, dass ich je geschrieben habe, denke ich. Aber ich hoffe, es ist mir einigermaßen geglückt, die Akteure richtig darzustellen.
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Euch schöne Pfingsten!
4. Kapitel: Tanz der Schmetterlinge
Das Orchester spielte zum nächsten Tanz auf, gerade als der Kanzler seine Partnerin auf die Tanzfläche führte. Es war schon etwas her, seitdem er zum letzten Mal getanzt hatte, aber er bereute nicht etwa die junge Frau gefragt zu haben. Warum hatte er sie nicht auffordern sollen? Sie hatte ihm bereitwillig den Tanz geschenkt.
Er legte seine Arme in Position auf ihrem Rücken und nahm ihren Arm auf. Als Mann übernahm er die Führung, lenkte sie durch die anderen tanzenden Paare und bestimmte Richtung und Figuren. Seine Hand lag direkt auf ihrem Rücken. Auf nackter Haut. Ihre Haut war warm und weich, wie Samt und Seide.
Padme zwang sich nicht zusammen zu zucken, als er in Tanzposition ging. Seine Berührung war vorsichtig, fast schon zärtlich. Und als sie tanzten und er sie führte, war es beinahe so, als würde er sie streicheln. Padme wusste natürlich, dass dem nicht so war. Sein ‚Streicheln' kam durch die Reibung ihrer beiden Bewegungen zustande.
Und dennoch fühlt es sich gut an. Er wird mir nie wieder so nahe sein wie jetzt in diesem Augenblick…
Sie konnte seine Körperwärme trotz Kleidung wahrnehmen; die Haut seiner Hand war weich, ungewöhnlich weich, aber angenehm. Sie hatte das Gefühl, sich ganz in seine Arme fallen lassen zu können, gleichfalls wagte sie dies aber nicht. Er würde es nicht verstehen, nicht einordnen können. Es würde aufdringlich und respektlos erscheinen und somit die gute Beziehung zwischen ihnen zerstören, die gerade erst wieder nach langen Jahren aufzublühen schien.
Und obwohl sie sich mehr wünschte, war sie zufrieden, in ihm zumindest einen Freund gefunden zu haben. Eine richtige Beziehung mit allem, was dazu gehörte, schien mehr denn je utopisch.
Sie trennten kaum mehr als ein paar Zentimeter voneinander. Er zog sie während des Tanzens enger an sich heran. Padme konnte einen feinen Hauch seines Parfüms oder Aftershaves riechen; und er roch angenehm, fast schon verführerisch für sie. Bestimmte humanoide Spezies, wie die Falleen, konnten sexuelle Pheromone bilden, Lockstoffe, um Weibchen anzulocken. Bei Menschen, so glaubte Padme einst gelesen zu haben, gab es das auch, allerdings nur minder ausgeprägt.
Es trifft zu…es trifft tatsächlich zu! Er riecht gut für mich. Ich muss Acht geben, mich nicht an ihn anzulehnen, mich nicht zu verraten…
„Ihr seid so still, Padme? Ist etwas nicht in Ordnung?"
„Doch, alles in Ordnung. Das gleiche könnte ich Euch fragen, Palpatine", antwortete sie geschickt und verwandelte die Frage in eine Gegenfrage.
Er musste leise lachen: „Wisst Ihr, Ihr amüsiert mich. Wir eiern jetzt seit etwa einer halben Stunde durch diverse Konversationen…"
„…und kommen auf keinen grünen Zweig." Padme fiel in sein Lachen ein.
„Wie könnte ich würde Euch Euren Start hier im Senat erleichtern? Nun, darüber zerbreche ich mir bereits den Kopf, seitdem ich von Eurer Ernennung weiß."
Padme sah hoch und in seine blauen Augen: „Jetzt wirklich?"
„Natürlich", versicherte er ihr mit fester Stimme, „Ihr seid gerade 20 Jahre alt. Es gibt Männer, auch im Senat, Milady, die gerade junge Frauen als leichte Beute ansehen. Fragt einmal Senatorin Mothma! Ich schätze, sie wird Euch die eine oder andere bittere Anekdote vortragen können."
„Oh."
„Und das würde ich Euch gerne ersparen, es ist Eurer unwürdig", flüsterte er, sein Gesicht wurde Ernst, fast schon besorgt. Wie ein Vater, der sich um seine heranwachsende Tochter sorgte.
Padme fielen in der Tat bereits zwei mehr oder weniger plumpe Annäherungsversuche ein, die sie im Senat hatte erleben dürfen. Zumeist von reichen Emporkömmlingen, die sich Macht und Einfluss erhofften; und eine gute Partie noch oben drauf.
„Macht Euch bitte keine Sorgen um mich, ich passe auf mich auf", versicherte sie ihm, „Ich weiß mich schon gegen Avancen zu wehren."
„Dennoch, Ihr müsst verstehen, ich fühle mich Euch gegenüber verpflichtet; mir liegt sehr viel an Euch, ich möchte nicht, dass man Euch irgendwie verletzt."
Padme schluckte: „Euch liegt etwas an mir?"
„Aber natürlich, Padme!", kam es sofort, „Ich kenne Euch, seit dem Tag, an dem ihr zur Königin gekrönt worden seit. Wir haben damals lange Gespräche geführt und auch in den folgenden Jahren. Ihr seid mir damals bereits ans Herz gewachsen und Ihr seid es natürlich auch jetzt noch."
Er strich ihr mit dem Handrücken in einer zärtlichen Geste über ihre Wange. Das schüttete Öl ins Feuer. Padmes Herz raste folglich. Denn er hatte eindeutig ihre Wange gestreichelt! Und sie dabei mit einem warmen Lächeln angeblickt.
„Mir liegt auch sehr viel an Euch…und Eurer Freundschaft", brachte Padme leise unter heftigem Schlucken heraus. Sie versuchte, nicht vor Scham rot anzulaufen.
„Ihr könnt jeder Zeit zu mir kommen, Padme, egal wann und mit was! Und ich mache dieses Angebot nicht einfach so, ich meine es ehrlich."
"Danke, ich weiß es zu schätzen." Sie positionierte ihren Arm um seine Schulter erneut, um noch enger bei ihm zu sein. Ohne dass es ihm auffallen würde.
Das Orchester begann einen langsamen Song zu spielen. Unweigerlich rückten alle Paare näher zueinander hin, somit auch sie beide. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, seine Hände wanderten vom Rücken hinab zu ihrer schmalen Taille. Fast Körper an Körper, weniger als ein Zentimeter trennte sie noch, tanzten sie über die Fläche.
Padme fragte sich, ob sie ihm nicht vielleicht doch zu nah war. Aber würde er nicht dann versuchen, irgendwie Abstand zwischen sie zu bringen, wenn es ihm in einer Art und Weise unangenehm wäre? Stattdessen aber lächelte er und schien sich wohl zu fühlen in ihrer Gegenwart.
Schade, dass er wohl eher väterliche Gefühle für mich hegt, als die Gefühle, die ich eindeutig für ihn hege.
„Wenn ich so in die Runde blicke, entdecke ich den einen oder anderen guten…nun…Kandidaten, der Euch bestimmt gerne den Hof machen würde", zog er sie plötzlich auf, mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Padme blickte in sein Gesicht und sah den Schabernack in seinen Augen glitzern. Sie beschloss, es ihm gleich zu tun und die Empörte zu spielen.
„Wollt Ihr mich etwa verkuppeln? Ihr, der mich vor ein paar Minuten noch vor den Herren hier gewarnt hat?"
„Auf gar keinen Fall versuche ich Euch zu verkuppeln, Milady, aber ich könnte Euch den einen oder anderen vorstellen."
„Untersteht Euch!"
Ich stehe doch vor demjenigen, von dem ich mir wünschte, er mache mir den Hof! Wieso siehst du das denn nicht? Bitte, öffne die Augen!
„Ah? Sollte es da vielleicht jemanden in Eurem Leben geben?", forschte er nach. Padmes etwas erschrocken geöffnete Augen verrieten ihm, dass dem so war. „Also ja!"
„Ja." Padme seufzte. Sie wandte den Blick ab von ihm. Sie befürchtete, seinen eindringlichen blauen Augen nicht standhalten zu können und im entscheidenden Moment schwach zu werden. Möglicherweise würde er die Wahrheit in ihren Augen lesen können.
„Kenne ich ihn? Ist es jemand aus dem Senat?"
Er war in der Tat neugierig. Padme Amidala, die oft schüchtern wirkte, hatte also rasch jemanden gefunden, der ihr die notwendige Aufmerksamkeit schenkte. Das war nicht gut! Es stand seinen Plänen im Wege. Gut, Anakin war erst 16, noch viel zu jung. Aber aus den Schwärmereien, die er sich stets über die Senatorin hatte anhören müssen, obwohl der Junge sie seit Jahren nicht gesehen hatte, geschweige denn Kontakt zu ihr besaß, folgerte er, dass Anakin Skywalker Padme liebte. Sie war sein Engel. Genau, so nannte er sie: Engel.
Er würde Anakins Nebenbuhler irgendwann ausschalten. Möglichst bald, bevor sie zu sehr Gefallen fand an…wem auch immer.
„Ja, Ihr kennt ihn", gab Padme seufzend zu.
Du siehst ihn jeden Tag! Im Spiegel…
„Oh? So schweigsam?"
"Ich halte es für besser so."
„Und er?", bohrte der Kanzler nach. Er schien unbedingt wissen zu wollen, von wem sie sprach.
Padme seufzte, biss sich auf die Unterlippe. Sie schwieg.
„Er weiß es nicht?", flüsterte Palpatine mit staunenden Augen, „nicht wahr? Er weiß es nicht!"
Padme nickte beschämt. Es war besser so, wenn sie ihm nichts sagte. Oder irgendeinen Namen nannte.
„Ihr solltet es ihm sagen, beichten, Padme."
„Ich weiß, dass er meine Gefühle nicht erwidern wird. Ich kann's ihm nicht sagen."
„Ist er verheiratet? Oder in festen Händen?"
„Nein,…nein. Darf ich Euch eine Frage stellen?"
„Natürlich, Padme."
„Eine private Frage?"
Er wirkte amüsiert: „Nun…, ja."
„Ward Ihr schon mal verliebt, Palpatine? Richtig verliebt?"
Palpatine starrte in den Saal hinein, er schien nachzudenken. Schließlich seufzte er.
„Nein", gab er zu, fast schon betrübt, „Ich habe die Liebe meines Lebens noch nicht gefunden, und ich schätze, ich bin jetzt bereits zu alt dafür. Ich war stets zu beschäftigt, um mich zu verlieben."
„Ihr ward nie verliebt, Sir? Nie? Und Eure…nun, Ihr hattet doch Beziehungen zu Frauen,…oder etwa nicht?"
Sie wollte, nein, sie konnte nicht glauben, dass der Kanzler sein ganzes Leben ohne Liebe zugebracht hatte. Niemand verliebte sich nie in seinem Leben. Das war absolut unmöglich!
„Oh, Padme, meine kleine Padme…", er lächelte traurig, strich über ihre Wange, „Die Beziehungen, die ich führte, waren meist kurz und unglücklich. Natürlich dachte ich, ich könnte mich verliebt haben, und sicher waren da schon Gefühle mit im Spiel, aber…nun, es sollte einfach nicht sein. Ich bin kein Romantiker; den Glauben an die Liebe habe ich schon vor Jahren begraben müssen."
„Das klingt hoffnungslos in meinen Ohren", flüsterte sie.
„Ich bin Realist geworden."
„Ihr ward nie verheiratet, nie verlobt…?"
„Nein…", er seufzte traurig, „Bitte, Padme, fragt nicht weiter."
Padme sah Traurigkeit in seinen Augen. Sie schien einen wunden Punkt bei ihm getroffen haben. Sie erinnerte sich dunkel, dass Palpatine sonst nie über Privatangelegenheiten sprach. Schon gar nicht über sein Privatleben!
„Es tut mir leid; ich wollte Euch gewiss nicht zu Nahe treten", entschuldigte sich Padme schnell. Sie legte eine Hand auf die Stelle seiner Brust, unter der sein Herz lag. Sie spürte es heftig schlagen. Er war aufgeregt; wie sie.
„Nein, nein", wehrte er vorsichtig lächelnd ab, „Ihr seid mir nicht zu nahe getreten. Ich war ja damit einverstanden. Außerdem bin ich Euch mit meinen Fragen wohl eher etwas zu nahe getreten."
Padme strich noch immer über seine Brust; ganz behutsam. Sie hatte das Gefühl, ihn irgendwie trösten zu müssen.
„Wieso? Weil Ihr mir ein paar Fragen gestellt habt? Nein, auch Ihr seid mir nicht zu nahe getreten", versicherte sie ihm mit einem beruhigend warmen Lächeln.
„Dann bin ich beruhigt!", er nahm ihre Hand von seiner Brust und gab ihrem Handrücken einen sanften Kuss. Seine Lippen waren samtweich. Padme bekam fast weiche Knie und war froh, dass er sie hielt.
Ich benehme mich wie ein pubertierendes Gör'! Und ich stapfe zudem noch auf seinen Gefühlen herum. Kein Wunder, dass er nicht gern über sein Privatleben spricht!
„Dennoch, Padme, gestattet mir, es wieder gut zu machen", bat er sie eindringlich. Er hielt noch immer ihre Hand, die er gerade noch so sanft geküsst hatte, „Ich möchte Euch gerne zum Tee einladen."
Eine Einladung…
Ihr Mund öffnete sich mit Erstaunen, dann merkte sie ihr Nicken: „Ich nehme Eure Einladung gerne an."
„Wunderbar", er strahlte, „wie passt es Euch am Sonntag gegen 1600?"
„Sonntag klingt gut."
Ist das jetzt ein Date? Eine richtige Verabredung? Was man wirklich unter Date oder Verabredung versteht?
Er schien zufrieden: „Damit habt Ihr gerade mein Wochenende gerettet, Milady."
„Habe ich?", fragte sie etwas verwundert.
„Allerdings, das versichere Euch. Außerdem versprach ich Euch doch neulich, Euch den Garten zu zeigen."
„Ich erinnere mich", sie lächelte. Der Abend schien sich nun doch noch zum Guten zu entwickeln. Sie tanzte mit dem Mann, den sie verehrte, und hatte nun sogar eine Verabredung mit ihm. Auf seine Anfrage hin. Besser konnte es doch gar nicht laufen!
Bilde dir bloß nichts ein! Nur weil er dich eingeladen hat, heißt das nicht, dass er etwas für dich empfindet. Oder deine Gefühle jemals erwidern wird. Er hat sich nur mit dir verabredet, um eure Freundschaft zu pflegen! Leider aber sät er bei dir damit falsche Hoffnungen.
„Seit Ihr hungrig, Milady? Wir könnten uns etwas vom Büfett holen und uns einen ruhigeren Ort suchen, um unser Gespräch fort zu führen."
Padme willigte ein. In der Tat spürte sie eine Spur eines knurrenden Magens. Seine Idee war gut. Sie würden nicht den ganzen Abend auf der Tanzfläche verbringen können; das würde die Anwesenden dazu animieren, über sie zu Tratschen oder Gerüchte in die Welt zu setzen.
