Erstmal möchte ich Euch Mariacharly und mellon1984 herzlich für die Reviews danken!
Ich habe mich riesig darüber gefreut, als Neuling so schnell Feed-back zu bekommen. Das spornt mich enorm an und ich hoffe, Euch beide und natürlich auch alle anderen, die noch dazustoßen, nicht zu enttäuschen...
mellon: Schön, dass Dir dieses Kapitel so gefallen hat. Gerade mit diesem hatte ich so meine Schwierigkeiten, da ich nicht wollte, dass es zu schnulzig wird.
Ich drück Euch!
Sirendipity
WARNUNG! Dieses Kapitel ist nichts für Bambi-Liebhaben!
Remus
Lasset alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr hier eintretet. (Dante)
Remus Lupin, der Freund von Sirius und Harrys Vater, James, hatte die Hochzeitsfeier noch vor Mitternacht verlassen und eilte, nach dem er am Rande des Hogwarts-Geländes appariert war, auf den verbotenen Wald zu. Er spürte die heran nahende Verwandlung, die nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele veränderte.
In ihrer Hogwards-Zeit waren James und Sirius, die Animagi waren, diejenigen, die Remus während er verwandelt war, daran hinderten, seinen Verlangen nachzukommen. Seit Jahren war er jedoch auf sich alleine gestellt. Die Feier war so schön, dass er es beinahe verpasst hatte, rechtzeitig aufzubrechen.
‚Ich muss es noch zur Hütte schaffen' dachte er bei sich. Er hoffte, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, damit er niemanden gefährden konnte.
Die aufkeimende Energie strömte in alle seine Fasern. Es war Vollmond und er spürte, wie das Monster mit aller Macht von ihm Besitz ergriff. Sein Bewusstsein wehrte sich dagegen, in den Hintergrund gedrängt zu werden. In der Hoffnung so lange wie möglich bei Verstand zu bleiben rezitierte er verzweifelt Zauberformeln aus Lehrbüchern in alphabetischer Reihenfolge und Trankrezepte.
‚Accio... Alohomora... Amnesia... Avis... Deletrius... Diffindo... Dissendium...'
‚2 Gramm Süßholz, fein zermahlen... eine Messerspitze Kreuzkümmel... 3 Tropfen Extrakt von der Galle ungeborener Lämmer...'
Schwer atmend bahnte er sich seinen Weg durch das Dickicht.
‚Den Zauberstab immer fest in der führenden Hand, nicht zu fest; die Handgelenke locker... zur Übung machen wir mit dem Zauberstab in der Hand kreisende Bewegungen...'
Irgendwann spürte er, wie ein Dornenzweig, den er zur Seite gedrückt hatte, in sein Gesicht zurückschlug. Er schmeckte Blut auf seinen Lippen und die Gier nach frischen, warmen Fleisch wurde immer größer. Sinnlos sich dagegen zu wehren. Der reißende Schmerz, der in alle seine Glieder fuhr, entlockte ihm einen markerschütternden Schrei. Er krümmte sich in seiner Pein, wimmerte. Sein Rücken beugte sich, er kroch auf allen Vieren und stöhnte auf. Es war zu spät.
Der Wehrwolf reckte sich dem Vollmond entgegen und stieß einen animalisches Geheul aus. In der Ferne antwortete ein Rudel Wölfe und dann setzte er sich in Bewegung und lief in Richtung des naheliegenden Waldes. Er hatte den Schweiß eines Rehs aufgenommen. Aufgeregt schnüffelte er der Spur nach und beschleunigte das Tempo. Die frische Spur deutete ihm, dass seine Beute nicht mehr fern war. Da! An einer mondbeschienenen Lichtung, stand es und äste. Der Wehrwolf duckte sich. ‚War die Windrichtung günstig?' fragte er sich. Das Reh blickte immer wieder verängstigt auf, um dann wieder nervös weiter zu fressen. Vorsichtig und lautlos tastete sich der Wehrwolf immer näher an das Reh heran. Es war noch jung und unerfahren. Als er überzeugt war, nahe genug an seiner Beute dran zu sein, schlug er mit einem Satz zu. Zu Tode erschrocken, zuckte das Reh zusammen und setzte zur Flucht an. Jedoch, es war zu spät. Der Wehrwolf schlug seine Pranken in die Flanke des Rehs, um es zu Fall zu bringen. Gerade noch rappelte es sich auf, um wieder durch die Pfoten des Wehrwolfes festgehalten zu werden. Es fiel hin. Es blökte in Todesangst. Dann schlug der Wehrwolf seine Maul in die Eingeweide des Rehs und begann, es bei lebendigem Leib auszuweiden. Das Reh gab keinen Laut mehr von sich. Es beobachtete keuchend, wie der Wehrwolf sich an ihm labte, bis schließlich seine Kraft nachließ und es seinen Kopf nach unter senken ließ. Es war tot. Der Wehrwolf ließ von ihm ab und trottete seiner Wege. Er war satt, seine Gier nach Blut gestillt.
Remus kam wieder zu Bewusstsein. Seine Glieder schmerzten und ihm war kalt. Er hatte keine Ahnung, wie lange er so da lag. Es dämmerte bereits. Er rappelte sich auf und sah sich an. Er war nackt und blutverschmiert. Langsam richtete er sich auf und lief immer tiefer in den verbotenen Wald.
Atemlos kam er an einer verfallenen Holzhütte an. Sie war nur eine Bruchbude, aber gut versteckt und seit langer Zeit nicht mehr benutzt worden. Remus hatte sie vor kurzem entdeckt und zu seiner Zuflucht gewählt. Nur dieses mal war er zu spät dran.
Remus hatte in der Hütte einige nützliche Dinge gebunkert. Da bei jeder Verwandlung alle Kleidungsstücke zerfetzt wurden, brauchte er immer wieder Nachschub. Remus war nicht reich und so besorgte er sich seine Kleidung billig auf Flohmärkten und aus Altkleidersammlungen. Sie waren abgetragen und schäbig, aber teure Sachen hätten sich sowieso nicht gelohnt.
In der Hütte stand auch eine alte Truhe, die einige Fläschchen Contra-Lupus-Zaubertrank enthielt. Merlin sei Dank, hatte Severus ausreichend Vorrat für ihn gebraut, bevor er flüchtete. Remus verzog sein Gesicht bei dem Gedanken, dass Snape den alten Schulleiter kaltblütig getötet hatte. ‚Severus, was zu Teufel hatte Dich geritten? Habe ich mich so täuschen lassen?' Er vermied es daran zu denken, was sein wird, wenn sein Vorrat aufgebraucht ist, denn auch dieser geht irgendwann zur neige.
Er betrachtete seinen Körper. Überall getrocknetes Blut. Es könnte von einem Tier stammen... oder einem Menschen. Remus konnte sich niemals an die Zeiten, in der er verwandelt war, erinnern, aber er wusste, wozu Wehrwölfe fähig waren. An den folgenden Tagen studierte er ausführlich den Tagespropheten und hoffte, keine Nachricht über einen grausam verstümmelten Leichnam oder eine Vermisstenanzeige zu finden. Da jedoch fast täglich von Todesfällen berichtet wurde, war sich Remus nicht sicher ob nicht der ein oder andere auf seine Kappe ging.
Remus griff sich ein zerschlissenes und vergilbtes Handtuch und ging vor die Hütte. Draußen stand eine Regentonne und er begann, sich das Blut vom Körper zu waschen. Als er fertig war ging er zurück in die Hütte und zog die bereitgelegte Kleidung an. Danach verließ er wieder die Hütte und begab sich nach Hogwarts. In weniger als einer Stunde würde der Unterricht beginnen. (A/N: McGonnagal hatte Remus, trotz des Widerstandes des Elternbeirates, wieder als DADA-Lehrer eingestellt.)
„Guten Morgen, Ladies und Gentlemen. Bitte setzen Sie sich." begrüßte Remus die Schüler.
„Guten Morgen, Professor Lupin."
Es dauerte noch eine Weile, bis alle Schüler ihren Platz eingenommen hatten.
„Ich hoffe, Sie alle haben die Abwehrzauber geübt. Mr. Finnigan, bitte nennen Sie einen geeigneten Abwehrzauber gegen einen Crucio und erläutern Sie die Wirkung."
Seamus blätterte in seinen Notizen und begann: „Zum einen kann gegen einen Crucio ein Schildzauber angewandt werden. Der Protego erzeugt ein Kraftfeld zwischen dem Angreifer und dem Angegriffenen, der den Fluch ablenkt."
„Gut, Mr. Finnigan. Aber was ist, wenn Ihre Freunde ganz in der Nähe stehen? Die könnten doch den Crucio stattdessen abbekommen. Ich hoffe doch nicht, dass die das mit einkalkuliert haben."
„Nein, Professor." Seamus blätterte wieder in seiner Mappe.
„Haben Sie noch einen Vorschlag, Mr. Finnigan? Was halten Sie davon, den Schildzauber mit einem weiteren zu kombinieren?"
„Geht das?" Seamus blickte seinem Hauslehrer fragend an.
„Selbstverständlich", Remus blickte in die Klasse.
„Wenn Sie die schwierigen Abwehrzauber noch nicht sicher beherrschen – und ich rate Ihnen dringend davon ab, sie zu nutzen, bevor das der Fall ist – können Sie mehrere – die sich sicher beherrschen – kombinieren. Wer hat einen Vorschlag, welcher Abwehrzauber Mr. Finnigans Freunde vor dem abgelenkten Crucio schützen könnte?"
Remus Blick streifte durch die Runde. „Ja, Ms. Brown?"
„Ein Circulum-Zauber?", sagte Christina Brown unsicher.
„Gute Idee, Miss Brown. Was bewirkt dieser Zauber?"
„Er kreist den Crucius-Fluch ein und umschließt ihn, so dass er nicht mehr schaden kann."
„Sehr gut, Miss Brown. 10 Punkte für Hufflepuff. Noch weitere Vorschläge?"
Langsam regte sich die Klasse und mehrere Hände schnellten nach oben. Es kamen noch einige gute und weniger gute Vorschläge, doch Remus lobte und ermunterte jeden. Er stellte keinen Schüler, der eine falsche Antwort gab, bloß, sondern half ihnen, selbst auf die richtige Lösung zu kommen. Er verteilte für korrekte Ergebnisses großzügig Hauspunkte – sogar Slytherin bekamen welche ab. Der Unterricht gestaltete sich lebhaft und Zeit verging wie im Flug.
Kurz vor Ende des Unterrichts, rief er noch in die Klasse: „Das war heute eine ausgezeichnete Unterrichtsstunde, ich bin sehr zufrieden mit Euch! Wir haben viel erarbeitet, so dass es für heute keine Hausaufgaben gibt. Ich empfehle aber jedem, sich die Fluchkombinationen gut einzuprägen. Ihr werden nie wissen, ob Ihr sie noch brauchen."
„Und gebt bitte noch Eure Aufsätze nach vorne, bevor Ihr geht." Lärmend verabschiedete sich die Schüler und verließen das Klassenzimmer.
Als der Raum annähernd leer war, saß Remus noch eine Weile nachdenklich an seinem Schreibtisch. Dann packte er seine Unterlagen und die zu korrigierenden Aufsätze in die Tasche und machte er sich auf in den Speisesaal.
