Der Pfad des Vergessens

Disclaimer: Leider besitze ich keinerlei Rechte an Ranma ½. Diese gehören meines Wissens der großen Rumiko Takahashi. Mit meiner Geschichte versuche ich kein Geld zu verdienen. Reicht es eigentlich auch, wenn ich diesen Absatz nur ein einziges Mal schreibe?

Vollkommen emotionslos wendete Akane langsam den Blick von ihrem Verlobten ab und starrte wenige Sekunden lang regungslos in den leuchtend roten Abendhimmel, der in der Vergangenheit so verlässlich ihre Sorgen, ihren Kummer von ihr zu nehmen vermocht hatte. Doch dieses eine Mal schien er sie nicht zu verstehen, schien nur gutmütig auf sie herabzulächeln, schien nur das zu sein, was er war: ein fast wolkenloser Himmel.

Ihr Kopf war leer, leer, bis auf seine Worte aus längst vergangenen Tagen, die sie heimsuchten, in ihr spuckten und pochten, dass sie Kopfschmerzen bekam. Noch spürte sie kein Gefühle, keine Wut, keine Angst, keine Trauer, keinen Schmerz, da sie sich gegenseitig ausspielten, doch je mehr Worte sie vernahm, je mehr sie über ihn nachdachte, desto stärker wurde ihre Wut.

Als die Gefühle in ihr zu toben begannen wie ein Sturm, fing auch ihre Unterlippe an zu zittern, dann zu beben. Um sich nichts anmerken zu lassen, drückte sie ihre Augen fest zu, biss sich auf ihre Lippen und ballte ihre Hände zu Fäusten. Danach drehte sie sich hastig um und marschierte steifen Schrittes an den festlich gekleideten Menschen vorbei zum Ausgang des Dorfes. Was auch immer sie fühlen mochte, was auch immer sie zu tun gedachte, so wusste sie doch, dass sie, anders als ihre früheren Rivalen, niemals den glücklichsten Tag im Leben ihres Ranmas zerstören konnte, weil sie ihn liebte. Doch als sie an der wunderschönen, makellosen, wohl geformten Braut vorbeischritt, musste Akane sie ein letztes Mal mit all der Wut und Verachtung anfunkeln, die sie aufbringen konnte, obwohl diese sie weiterhin nur vollkommen verständnislos anblickte.

Trotz ihrer grenzenlosen Wut verlangsamte sie ihre Schritte unmerklich, darauf hoffend, dass der sturköpfige Mann ihr etwas zurufen würde. Doch anstelle der erhofften Worte, spürte sie lediglich einen kleinen Luftzug und senkte ihren Blick auf den Boden, bis sie geradewegs gegen eine Person lief. Wütend hob sie ihre Hand und versuchte, den Menschen wegzuschieben, doch er bewegte sich nicht.

„Was ist denn jetzt schon wieder?", fluchte sie leise, blickte auf und in dieselben sanften, blauen Augen, in die sie schon so oft geblickte hatte. „Ranma..."

„Akane..."

Für einen kleinen, nicht enden wollenden Moment, der für die jungen Kampfsportler länger als die Ewigkeit, doch nicht länger als ein paar Sekunden dauerte, schauten sie sich an, verloren sich in des anderen Augen, sprachen all die Dinge aus, die sie sich immer hatten sagen wollen, aber redeten nicht. Derselbe junge Mann, dieselben blauen Augen zwinkerten ihr nun schelmisch zu; als ihre Wut deswegen langsam verebbte und sie ihm zulächeln wollte, wusste sie, dass sie, wenn sie die Hochzeit nicht doch noch unterbrechen wollte, ohne Verzögerung gehen musste.

„M-meinen Glückwunsch", presste sie atemlos hervor, während sie ihren Blick langsam von seinen Augen hinfort riss. „Ich hoffe, ihr werdet glücklich."

„Glücklich? Glückwunsch?" Ranma starrte sie verdutzt an und kratzte sich mit seiner rechten Hand am Hinterkopf. „Wovon redest du da?"

„Wovon ich rede?" Die junge Frau flüsterte zuerst, doch mit jedem Wort wurde nicht nur ihre Wut von neuem entfacht, sondern auch ihre Stimmt lauter. „Wozu werde ich dir wohl gratulieren? Zu deiner Hochzeit, du Westentaschencasanova!"

„Hochzeit", rief der angesprochene Mann laut aus und lachte. „Akane, das ist nicht so..."

„Wie ich denke vielleicht? Weißt du eigentlich, wie oft ich diesen Satz schon von dir gehört habe? Und ich habe im Moment überhaupt keine Lust, deine Ausreden zu hören", fauchte sie ihn fuchsteufelswild an und versuchte ihn erneut mit ihrer ganzen Kraft wegzuschieben, doch er bewegte sich nicht. Stattdessen legte er seine Hände auf ihre Schultern, um sie daran zu hindern, einfach wegzulaufen.

„Jetzt hör' mir mal zu", sprach er so laut er konnte ohne zu schreien, um das leise Gemurmel und Getuschel der Gäste zu übertönen.

Diese betrachteten mittlerweile interessiert das Geschehen, dessen sie zufällige Zeuge geworden waren, obwohl die meisten Personen die Sprache, in denen das hitzige Gespräch geführt wurde, nicht verstehen konnten. So wurde wild über das Thema des Streites spekuliert oder bei Freunden, die jene Sprache sprachen, nachgefragt, warum ein Ältester mit einer fremden Frau redete. Dieser Aufruhr alarmierte wiederum den verbleibenden Torwächter, der eilig herbeigeeilt kam, nur um von dem streitenden Ältesten mit einer gereizten Handbewegung schroff wieder auf seinen Platz beordert zu werden. Währenddessen blickte Shampoo achselzuckend zu ihrem Ehemann, um ihm zu bedeuten, dass auch sie nicht verstand.

„Shampoo soll heute zu einer Ältesten gemacht werden. Darum die Zeremonie!"

„Ja, natürlich, hätte ich mir auch denken können", schnaubte Akane verächtlich. „Und was ist dann mit dem Ring an ihrem Finger?"

„Der ist nicht von mir", antwortete Ranma leise und blickte kurz in den Himmel, während seine Hände langsam von ihren Schultern auf ihre Oberarme wanderten. „Oder hast du einen Ring an meinem Finger gesehen?"

Die junge Frau schüttelte heftig den Kopf und hoffte inständig, dass sie mit ihrer ersten Annahme falsch gelegen war. Und trotz der Hoffnung, die in jeder Faser ihres Wesens eine angenehme Wärme ausbreitete, konnte sie ihre Wut nicht zurückdrängen. Vorsichtig griff sie das Gewand des jungen Mannes und hielt sich daran fest, um ihn nicht zu schlagen.

„Du bist ein Idiot", flüsterte sie ihm zu.

„Und du ein Machoweib", sagte er lächelnd und blickte wieder zu ihr. „Kannst du dich noch an den Tag erinnern, an dem ich aus China zurückkam und wir uns im Bad getroffen haben?"

„Ja", nickte Akane und hielt sich fester an seinem Gewand fest. „Nur dass heute alles genau umgekehrt ist."

„Stimmt", sagte er leise und schloss langsam und schüchtern seine Arme um sie. Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Keiner der beiden bewegte sich. Akane klammerte sich an sein Gewand, während Ranma ihren Körper sanft gegen den seinen presste. Wie eine Seifenblase zerplatzte ihre Wut bei der leichtesten Berührung mit ihrem Verlobten. Es war ihr egal, dass sie dreckige, zerlumpte Kleidung trug, dass sie sich irgendwo in China befand, weit entfernt von ihrer Familie, dass sie die Schule verlassen hatte und alles, was sie besaß.

„Entschuldige", sagte sie leise zu ihm, nachdem er sie losgelassen hatte. „Meine Dummheit..."

„Macht doch nichts", antwortete er mit einem arroganten Lächeln und spürte kurz darauf einen leichten Schlag auf den Hinterkopf.

„Den hast du verdient, Saotome", sagte Mousse in seiner Muttersprache und grinste ihm zu. „Sag', willst du uns gar nicht sagen, woher du sie kennst?"

„Später vielleicht. Wir haben die Feier schon viel zu lange gestört und deine Frau soll heute noch eine Älteste werden", sprach er zu dem jungen Waffenmeister und drehte sich anschließend wieder zu Akane herum, die sich ein müdes Gähnen nicht unterdrücken konnte. „Müde? Mousse wird dir zeigen, wo ich im Moment lebe und ich verspreche dir, ich komme gleich nach, wenn das hier aus ist."

Die junge Frau nickte kurz, nahm ihren Reiserucksack, den sie beim Anblick ihres Verlobten hatte fallen lassen, wieder in die Hand und ließ sich von dem bekannten Torwächter hochrotem Gesichtes an den Reihen der Gäste vorbeiführen, die sie neugierigen Blickes beobachteten. Beschämt starrte sie nur auf den Boden und nuschelte Entschuldigung um Entschuldigung.

Währenddessen nahm Ranma seinen Platz auf dem Altar wieder ein. Zügig und mit lauter Stimme entschuldigte er sich für den Zwischenfall, sodass sich die aufgeregte Stimmung bald legte und die Feier fortgeführt werden konnte. Aber trotz seines Versprechens an Akane, möglichst bald zu kommen, dauerte die Zeremonie und die anschließenden Festlichkeiten bis tief in die Nacht.

„Shampoo, kann ich dich kurz alleine sprechen?", fragte Ranma flüsternd, nachdem alle Dorfbewohner die neue Älteste ihres Stammes beglückwünscht und beschenkt und Speise und Trank sie gestärkt hatten.

Die junge Frau zwinkerte ihm fröhlich zu, entschuldigte sich bei den anderen drei Ältesten und stand auf. Stillschweigend liefen die beiden Kampfsportler nebeneinander her. Während Ranma nervös mit seinen Händen spielte, verschränkte Shampoo ihre Arme ruhig hinter ihrem Rücken und blickte in den sternenbesetzten Himmel. An Rande des Dorfes angekommen, blieb der junge Mann plötzlich stehen und atmete tief durch.

„Also, Shampoo, zuerst möchte ich dir gratulieren", sagte er. „Und dir mein kleines Geschenk geben."

„Danke, Ranma", antwortete die Älteste mit einem strahlenden Lächeln. „Aber ein Geschenk kann ich von dir unmöglich annehmen! Ohne dein Training, ohne deine Anweisungen beim Kampf, hätte ich Tia niemals besiegen können und es hätte wahrscheinlich noch sehr, sehr lange gedauert, bis ich eine Älteste hätte werden können. Also muss ich mich eigentlich bei dir bedanken!"

Doch Ranma schüttelte nur den Kopf: „Und trotzdem ist es Sitte, dir ein Geschenk zu überreichen. Shampoo, mein Geschenk ist kein Gegenstand, den du aufstellen kannst, denn mein Geschenk besteht aus zwei Versprechen: erstens verspreche ich dir, bei allen Entscheidungen an deiner Seite zu stehen und dir immer zu helfen, weil du mir geholfen hast; und zweitens verspreche ich dir einen Wunsch zu erfüllen, wenn die Zeit dafür gekommen ist."

„Danke nochmals, Ranma", nickte sie ernst. „Ich weiß dein Geschenk zu schätzen und ich werde es gerne einlösen, wenn die Zeit gekommen ist. Aber nicht alleine dafür hast du mich hierhin gebeten, oder?"

„Nein, nicht alleine dafür", gab er zu. „Ich wollte dich um etwas bitten, Shampoo. Ich werde noch so lange hier bleiben, bis Cologne zurückkommt und vielleicht bleibt Akane auch hier."

„Und du möchtest, dass ich sie in unserer Sprache und in der Kampfkunst unterrichte?" Shampoo beendete den Satz für den jungen Mann, der nur nickte. „Gut, ich mache es, aber ich erwarte dafür, dass du mir die Wahrheit sagst. Nicht, warum du gegen meine Urgroßmutter kämpfen willst. Nein, sag' nichts, warum sonst wolltest du hier auf sie warten und hast die Ältesten gebeten, dir neue Techniken beizubringen, eine Bitte, die sie dir morgen genehmigen werden? Nein, ich will wissen, was hier wirklich los ist!"

Traurig lächelnd setzte sich der junge Mann auf den dreckigen Boden und blickte besorgt die Sterne an, die ihm aufmunternd anfunkelten. Er hatte gehofft, dass er um diese Fragen herumkommen hätte können und nun wusste er nicht, was er ihr antworten sollte. Angestrengt rieb er sich die Augen und sah, wie sich Shampoo ihm gegenüber niederließ.

„Was soll ich dir sagen, Shampoo?"

„Sag mir, woher du Akane kennst", sagte sie und fuhr sich mit den Händen durch den Kopf. „Ranma, verdammt, ich war so lange in Japan und ich kann mich nicht erinnern, warum ich dort war! Und dann treffe ich dich und habe das Gefühl, dass wir uns schon längst kennen würden, aber ich kann mich nicht an dich erinnern. Und jetzt ist auch noch Akane hier! Ich habe sie in Japan fast jeden Tag gesehen, habe mich mit ihr gestritten, weiß aber nicht warum. Aber eine Sache weiß ich: sie ist wegen dir hier und sie hätte gedacht, dass wir beide heiraten würden. Warum?"

„Ich könnte dir alles erzählen", begann er. „Aber wenn ich es mache, weißt du, warum ich auf Cologne warte. Und das kann ich nicht. Genügt es dir, wenn ich dir sage, dass Akane und ich verlobt sind und sie deswegen heute hier war?"

„Es, es ist ein Anfang", antwortete sie und stand wieder auf. „Gut, ich werde sie unterrichten, aber glaube nicht, dass ich ihr nicht dieselben Fragen stellen werde und dass du damit wegkommst. Spätestens, wenn Urgroßmutter wieder da ist, werde ich es erfahren."

„Und noch etwas", sagte Shampoo grinsend, nachdem er aufgestanden war und genickt hatte. „Meinen Glückwunsch zu eurer Verlobung. Hier hast du ein Versprechen von mir: morgen wird es der ganze Stamm wissen."

Kopfschüttelnd und dennoch bei dem Gedanken errötend lief Ranma, nachdem sich die beiden Ältesten mit einem hastigen ‚Gute Nacht!' verabschiedet hatten, zu seiner Hütte. Während des kurzen Weges dachte er lange darüber nach, was Akane ihm wohl zu sagen habe und warum sie ihm gefolgt war. Als er schließlich seine Hütte erreichte und nach kurzem Zögern diese auch betrat, stellte er verwundert fest, dass die junge Frau das Licht hatte brennen lassen, doch tief schlafend auf seinem Bett lag. Lächelnd deckte er sie zu, zog sich um, schaltete das Licht aus, legte sich auf die Couch und schlief mit einem Lächeln und dem tröstlichen Gedanken an seine schlafende Verlobte ein.

Geweckt durch das beharrliche Prasseln der zahlreichen Regentropfen gegen die Scheiben der Fenster, brummte er verschlafen und öffnete langsam seine Augen, die er jedoch augenblicklich wieder schloss, als ihm das strahlende Sonnenlicht für wenige Sekunden das Augenlicht zu nehmen schien. Nach einem herzhaften Gähnen und ausgiebigem Strecken rieb sich der junge Mann den verbleibenden Schlaf aus den Augen und erhob sich aus seinem warmen Bett. Er hatte das seltene, seltsame Gefühl, dass die Tage für ihn nun schöner sein würden, obwohl er nicht wusste, warum dies so sein sollte. Äußert träge, aber dennoch grinsend, stand er auf und zog sich auf dem Weg zum Bad sein Oberteil aus, das er anschließend achtlos in die Ecke warf. Dann öffnete er die Badezimmertüre. Und plötzlich erstarrte er wie ein Reh im Scheinwerferlicht, als er seiner Verlobten, die nur ein Handtuch trug, in der Türe begegnete.

„E-es is-ist nicht so, wie du denkst", stammelte er verlegen und versuchte seine Augen von ihr abzuwenden, nachdem er die junge Frau wenige Momente lang verdutzt, aber interessiert betrachtet hatte. „Ich kann das erklä---"

„Perverser!", unterbrach Akane ihn wütend fauchend mit einer schallenden Ohrfeige, während ihr Blut erbarmungslos in ihre Wangen gepumpt wurde, sodass diese stark erröteten und sie zu einer zweiten Ohrfeige ausholte. „Verschwinde!"

Doch bevor die junge Frau ihre Armbewegung, die in einem zweiten, lauteren Klatschen geendet hätte, vollenden konnte, wurde die Haustüre nach einem leisen, schüchternen Klopfen geöffnet. Vorsichtig schob Shampoo ihren Kopf durch den kleinen Spalt und blickte fragend in die Richtung des Bettes. Nachdem sie allerdings festgestellt hatte, dass dieses leer war, richtete sie ihren Blick nach einigen suchenden Momenten auf die beiden Erwachsenen, die sie erschrocken anstarrten.

„Oh! Oooh! Ooooh! Ich wollte euch nicht stören, tut mir schrecklich Leid! Ich komme einfach später noch einmal vorbei, wenn ihr, wie soll ich sagen, fertig seid", entschuldigte sich die junge Amazone mit einem wissenden Grinsen und einem angedeuteten Augenzwinkern bei Ranma und fügte mit einem neckenden Gesichtsausdruck, für Akane verständlich, hinzu: „Shampoo nicht weiter stören bei Wiedersehen!"

„Super!", seufzte sie dem jungen Mann zu, der sich bei Shampoos Worten rasch umgedreht hatte. „Das geht ja toll los. Was hat sie zu dir gesagt?"

„Nichts", antwortete er langsam, um die Peinlichkeit der beiden unangenehmen Situation zu überspielen. „Warum bist du eigentlich hier, Akane?"

„Warum?", wiederholte sie lächelnd, während sie sich ein zweites, kleineres Handtuch nahm, das sie sich anschließend um ihre nassen Haare wickelte. „Weil ich dich doch nicht ganz alleine um die halbe Welt reisen lassen kann. Du schaffst es schließlich immer, in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten!"

„Du hast gut reden.", sagte er leise und fügte hoffend hinzu: „Heißt das, na du weißt schon? Dass du, ich meine, dass du hier bleibst?"

„Wenn du möchtest..."

Mit einem strahlenden Lächeln trat der junge Kampfsportler zu den drei verbleibenden Ältesten auf eine freigelegte Fläche außerhalb des Dorfes. Nachdenklich abwägend und ihn betrachtend warteten sie, bis er sich in ihrer Mitte befand, bevor die älteste Frau ihre Stimme erhob.

„Die Demonstration deiner Macht gegen eine unserer Ältesten war ... beeindruckend", sprach die Älteste Mia mit einer durchdringenden, autoritären Stimme. „Und nach reichlichem Nachdenken sind wir zu dem Entschluss gekommen, deiner Bitte Folge zu leisten. Wir werden dir drei unserer mächtigsten Techniken beibringen und sollte es sich herausstellen, dass dein Potential größer ist als wir angenommen haben, dann werden wir versuchen, dir zwei weitere Techniken beizubringen, die seit über eintausend Jahren keine Amazone mehr gemeistert hat."

„Ich fühle mich geehrt", antwortete Ranma mit einer leichten Verbeugung. „Und möchte euch meinen Dank aussprechen."

„Es ist nett, dass du unsere Formalitäten einzuhalten versuchst", sagte Mia lächelnd und gebot ihm, sich aufzurichten. „Wir würden uns allerdings freuen, wenn du in deinem üblichen Ton mit uns sprechen würdest. Außerdem möchten wir dich als Gegenleistung für unser Wissen um einen Gefallen bitten. Du wirst, wie wir nach dem unübersehbaren Erscheinen deiner Verlobten annehmen, nicht für den Rest deines Lebens hier leben wollen. Da wir jedoch Krieger wie dich in unseren Reihen brauchen, möchten wir dich bitten, nicht zu vergessen, welche Pflicht du hier als Ältester zu erfüllen hast. Wenn wir dich rufen, deinen Beistand benötigen, dann erwarten wir, dass du so schnell wie möglich hier eintriffst."

„Natürlich", nickte Ranma zufrieden.

„Dann lasst uns beginnen", meinte die Älteste und klatschte fröhlich in die Hände. Sogleich trat Lian, die zweite Älteste, einen Schritt vor. Sie war eine anmutige, junge Frau von atemberaubender Schönheit, die in der Blüte ihrer Jugend stand. Ihre braunen Augen lächelten ihm aufmunternd zu, während die roten, sinnlichen Lippen ihn charmant anblickten. Ihr volles, hellbraunes Haar hing lose an ihrem wunderschönen Körper herab und bedeckte ihren Arm bis zum Ellebogen. Ohne Zögern bat sie ihn zum Angriff.

Ranma schloss die geringe Distanz zwischen sich und der jungen Frau ohne weitere Vorwarnung und versuchte sie mit zwei schnellen, dumpfen Stößen seiner Handfläche aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch Lian war schneller, als er angenommen hatte. Geschickt wich sie den beiden Stößen und auch den folgenden Schlägen aus, ohne sich jedoch einen Vorteil zu verschaffen, um selbst anzugreifen. Das in einer Spirale verlaufende Ausweichen der Amazone kam dem Kampfsportler seltsam bekannt vor. Seine Aura flackerte gefährlich, als sich die beiden Kämpfer Schritt um Schritt mit einer ungeheueren Geschwindigkeit dem Ende der Spirale näherten. Inmitten einer Offensivbewegung Ranmas blieb die Amazone plötzlich mit einem breiten Grinsen im Gesicht stehen und holte zu einem Schlag aus. Zu weit vorwärtsgebeugt, konnte er den schnellen Schlag nicht mehr abblocken.

„Das soll ein Schlag gewesen sein?" Lächelnd beobachtete der junge Kämpfer wie das Grinsen aus dem Gesicht der Amazone wich, als er nicht hoch in die Luft gerissen wurde, wie es geplant war, sondern lässig vor ihr stand. „Immer das Gerede von den starken, stolzen Amazonen und nichts dahinter. Pah!"

Eine gewaltige Flamme der Wut loderte in den Augen der Amazone, als sie die spöttischen Worte des Kampfsportlers vernahm. Ohne Überlegung griff sie ihn mit ihrer ganzen Kraft an. Ein lauter Kampfschrei entwich ihren Lippen, während ihre Faust zielsicher auf das Gesicht ihres Widersachers zuraste. Dieser wich dem Schlag jedoch mit einem arroganten Grinsen aus, indem er seinen Körper leicht nach hinten beugte.

„Du bist von der heißen Luft meiner Aura umgeben und lässt dich in der Mitte der Spirale zu einem Angriff provozieren?", fragte er leise, beugte sich wieder nach vorne, holte dabei zu einem leichten Schlag aus, der im Magen der Amazone landete und beobachtete, wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich. „Keine Angst, ich fange dich schon auf..."

Die beiden verbleibenden Ältesten betrachteten amüsiert den Wirbelsturm, der nun über dem leeren Feld wütete und in dessen Mitte sie den jungen Kampfsportler vermuteten. Doch als sich der durch die Luftströme heraufgewirbelte Sand langsam wieder legte, erblickten Mia und Ai staunend die Silhouette einer deutlichen größeren Person als Lian. Lachend trat diese aus der Mitte der Staubwolke heraus und blickte in den Wirbelsturm.

„Bleiben also noch zwei Techniken", sagte er leise. „Womit machen wir weiter?"

Unterdessen saß Akane an einem großen, hölzernen Tisch und blickte angestrengt auf die auf einem weißen Papier fein säuberlich aufgeschriebenen Schriftzeichen. Eifrig und unermüdlich versuchte die junge Frau die fremde Sprache so schnell wie nur irgend möglich zu lernen, nachdem sie ihrem Verlobten versprochen hatte bei ihm zu bleiben. Doch als der Wirbelsturm in weiter Ferne entfesselt wurde, massierte sie sich ihre Schläfen ausgiebig mit ihren Fingerspitzen, da ihre Gedanken abzuschweifen versuchten. Zwar langsam, doch deutlich erinnerte sie ihr Kopf an den nackten Oberkörper des jungen Mannes...

„Verdammt noch mal, Ranma!", flüsterte sie leise, während sie vergeblich versuchte, sich an die letzten beiden Schriftzeichen zu erinnern. „Ich versuche zu lernen! Hättest du den blöden Drachen nicht später erwecken können?!"

Noch bevor die junge Frau aber ihre Gedanken maßregeln konnte, landete eine zweite junge Frau mit einem ohrenbetäubenden Knallen ganz in der Nähe des Tisches. Der aufgewirbelte Staub bildete eine undurchdringliche, hellbraune Wolke, die vom Wind des Wirbelsturmes auf Akane und ihre Lehrerin, Shampoo, geblasen wurde. Von dem plötzlichen Staubangriff überrascht, sprangen die beiden Erwachsenen hastig von ihren Stühlen, um Schutz zu suchen, waren jedoch zu langsam. Heftig hustend und sich den Sand aus den Augen wischend, blieben sie inmitten der Wolke stehen, bis diese an ihnen vorübergezogen war.

„Geht es hier immer so zu?", fragte Akane, nachdem sie wieder sehen konnte.

„Nein, eigentlich nicht", antwortete Shampoo langsam und blickte verwirrt auf die stöhnend am Rücken liegende Frau. „A-Ai, bist du das?"

„Wer denn sonst?", stöhnte die junge Älteste leise und streckte ihren Arm nach oben. „Könntest du mir vielleicht beim Aufstehen behilflich sein, Shampoo? Ich glaube, ich schaffe das heute nicht mehr alleine."

Shampoo eilte besorgt zu der besiegten Amazone, half ihr auf und stützte die vor Erschöpfung schwankende junge Frau. Blass im Gesicht streifte sie ihr Haar mit einer zitternden Hand aus dem Gesicht und lehnte sich dankbar an Shampoo.

„Wie ist das denn passiert?", fragte die neueste Älteste und führte die Amazone langsam zu ihrem Haus.

„Ranma...", flüsterte sie angestrengt und fuhr nach dem fragenden Blick ihrer Kollegin ebenso leise fort: „Wir gedachten, ihm die Technik des Himmelsdrachens zu lehren, doch stattdessen hat er sie gegen Lian angewandt und nun hat er auch mich besiegt, als ich ihm vorführen sollte, wie man die Kampfaura seines Gegners nutzt, um ihn hart zu treffen und ihn in die Luft zu schleudern ohne selbst Kraft zu verbrauchen."

„Das kann doch unmöglich wahr sein! So schnell kann niemand... außer...", begann Shampoo erstaunt und wandte sich zu ihrer neuen Schülerin um. „Akane, Ranma kennen Seele auf Eis?"

„Ja..."

Der Tag neigte sich dem Ende zu, als sich Ranma und Akane im wunderschönen, roten Leuchten der Abendsonne vor ihrer Hütte trafen. Angeregt über die letzten Monate redend aßen die beiden Kampfsportler gemeinsam zu Abend und legten sich schließlich, nachdem die funkelnden Sterne bereits ihren Platz am Firmament eingenommen hatten, schlafen.

Und so wurden aus den sonnigen Tagen langsam Wochen und Monate. Während sich das Wetter im Verlaufe des Jahres drastisch änderte und die ersten Bäume ihr Laub abwarfen, bevor schließlich eines wolkenbehangenen Tages Schneeflocken wie weißer Puderzucker vom Himmel fielen, änderte sich das Training von Ranma und Akane kaum. Die junge Frau lernte morgens die neue Sprache und übte sich bis zum späten Abend unter Shampoos Anleitungen in der Kampfeskunst, wohingegen sich der junge Mann in der ersten Woche unter erbarmungslosem Training die Bruchstellentechnik gemäß Mias Anweisungen erarbeitete.

Als er diese schließlich gemeistert hatte, gingen die Ältesten zu noch härterem Training über, in dem sie ihm beizubringen versuchten, nur mithilfe seiner Aura die geringste Spannung des Wassers auszunützen und zu verstärken, um auf ihr schließlich stehen zu können, eine Technik, die seit Menschengedenken kein Kampfsportler mehr vollzogen hatte und sich ihr zu bemächtigen Ranma genauso lange bedurfte wie er brauchte, um sich an den Kampf gegen drei Älteste gleichzeitig zu gewöhnen, der ihn regelmäßig so sehr auslaugte, dass er vollkommen erschöpft und triefend nass ohne einen Ton zu Akane und ohne Abendessen auf die Couch, seinem neuen Bett, fiel und sofort einschlief.

In dieser Zeit hatten die beiden kaum Zeit füreinander. Nach dem harten Training blieben den beiden nur die gemeinsamen Abendstunden, in denen sie sich immer besser kennen lernten. So erzählten sich die beiden von ihren jeweiligen Fortschritten des Tages und unterhielten sich lange Stunden bis in die tiefe Nacht hinein über ihre Vergangenheit und Kindheit. Mit dem Wissen um die Erziehung des anderen begannen die beiden langsam zu verstehen, warum der andere so war, wie er war. Zu dieser Zeit entstand ungewollt ein neues Band zwischen den Erwachsenen, das sie immer weiter zusammen wachsen ließ und ohne es selbst zu bemerken, doch für alle sichtbar, begannen Ranma und Akane in der Gegenwart des anderen stets zu lächeln. Und auch ihre Auren zeugten von der Festigung des Bandes, denn sie leuchteten für diejenigen wenigen, die sie zu sehen vermochten, stets strahlend, wenn sie beieinander waren, doch verblassten merklich, wenn sie alleine zu sehen waren... und so verging das Jahr, bis eines Tages ein aufgeregter Schrei, der dem tosenden Donnern einer Kanonenkugel glich, die morgendliche Ruhe im Dorf schlagartig zeriss.

„Akane!", unterbrach der junge Mann eines wolkigen Wintertages den Unterricht von Akane mit lauten Rufen, noch bevor er zu sehen war. „Ich hab's! Ich kann es endlich! Akane!"

Während sich die angesprochene Frau noch behäbig aus ihrem Stuhl hievte und verwirrt umherblickte, sprang der Kampfsportler, der wie üblich sein rotes Hemd trug, bereits mit einem breiten, arroganten Grinsen im Gesicht auf sie zu. Seine großen, leichtfüßigen Schritte führten ihn direkt in eine schlammige Pfütze am Boden, in der er aber zu Shampoos und Akanes Erstaunen nicht versank. Ranma stand vielmehr kurze Zeit auf dem dreckigen Wasser, bevor er die Konzentration verlor und mit beiden Füßen auf dem Boden der Pfütze landete.

„W-wie hast du das gemacht?", fragte seine Verlobte, deren Bewegungen sich schlagartig vom trägen, verschlafenen Stolpern zu einem lebhaften Springen veränderten, aufgeregt und lief so schnell sie konnte zu ihm.

Indessen blieb der junge Mann, dessen Lippen, so hatte es den Anschein, zu einem permanenten Lächeln verzogen waren, in dem kalten, dreckigen Wasser stehen, das sich am weichen Stoff seiner Hose langsam voll sog. Ganz im Gegensatz zu seinem ruhigen Körper blitzten seine Augen vor überschwänglicher Freude und seine Aura flackerte wild und unbändig auf: sein ganzes Wesen zeugte von seiner Freude. Und noch bevor Akane ihn erreichen konnte, trat er aus der Pfütze auf sie zu und empfing sie in seinen offenen Armen.

„Ist doch egal wie!", flüsterte er ihr mit bebender Stimme ins Ohr. „Wichtig ist nur, dass ich endlich Cologne herausfordern kann!"

„Stimmt", antwortete sie, die Berührung viel zu sehr genießend, um ihm zu widersprechen. „Aber später erzählst du's mir schon, oder?"

„Klar", stimmte er ihrem Vorschlag zu und blickte kurz in den wolkenbehangenen Himmel, in dem er zu seiner völligen Überraschung für wenige Sekunden einen hellen Stern neckisch aufblitzen sah, den er aber nach seinem Verschwinden als Einbildung abzutun versuchte. „Ich finde, wir sollten das feiern! Wir essen woanders, nicht zu Hause, sondern irgendwo! Im Nachbardorf gibt es ein kleines Restaurant! Was hältst du davon?"

„Huh?", sagte sie verdutzt und löste sich aus seinen Armen, die sie in dieser bitterkalten Zeit besser zu wärmen vermochten als jede Jacke, als jede Heizung. Mit ihren großen, haselnussbraunen Augen schaute sie direkt, fragend, bittend, auffordernd, hoffend, ängstlich, doch freudig in die seinen. „Fragst du? Ich meine, willst du? Ich meine, na ja, wie, nein, was, nein, fragstdumichaus?"

Ranma blickte sie, da er ihren schnellen, verwirrenden Gedanken zuerst nicht folgen konnte, nur leicht verdutzt an. Doch als er sich ihr letztes, schnell genuscheltes Wort zusammen gereimt hatte, erröteten seine Wangen und er versuchte, ihrem Blick auszuweichen.

„Na ja, ich meine...."

„Ja!", mischte sich Shampoo rufend ein, nachdem sie das Geschehen zunächst mit einem amüsierten Lächeln, mit zunehmender Dauer aber mit einem entnervten Stöhnen betrachtet hatte, und schob den Ältesten mit einem Augenrollen hinweg. „Das ist ja nicht mit anzusehen! Ja, Akane, er fragt dich aus! Und jetzt verschwinde, wir müssen trainieren!"

„So, wo waren wir stehen geblieben?", fragte die Amazone lächelnd, nachdem sie den Kampfsportler verabschiedet hatte.

„Shampoo, hast du vielleicht etwas zum Anziehen für mich?", antwortete die junge Frau leise auf die Frage ihrer Lehrerin.

„Natürlich", sagte sie und schenkte der freudig lächelnden Schülerin ein Augenzwinkern. „Jetzt weiß ich es wieder! Wir wollten deine Balance verbessern..."

„Shampoo!"

„Ist ja schon gut. Dann besteht unser heutiges Training eben darin, dir etwas passendes zum Anziehen zu finden!"

Als der Abend schließlich gekommen war und Ranma Akane bei Shampoo abholen wollte, zupfte die junge Frau gerade nervös an ihrem Kleid herum und betrachtete ihre vom Lippenstift rubinrot glänzenden Lippen und ihre auffällig gestalteten Wimpern argwöhnisch im Spiegel, während die Amazone mit einem stolzen Lächeln hinter ihr stand.

„Ist das hier nicht zu kurz?", fragte sie die Amazone und zupfte weiterhin an ihrem Kleid, das noch über ihrem Knie endete. „Und draußen ist es auch nicht wirklich warm! Und was, wenn er das gar nicht mag?", fügte sie in wild gestikulierendem Ton hinzu.

„Keine Angst", beruhigte Shampoo sie. „Das ist nicht zu kurz und Ranma wird es sicherlich gefallen. Und zu kalt wird dir auch nicht werden. Erstens hast du ja noch einen Mantel drüber und zweitens seid ihr nicht lange draußen. Ihr müsst vielleicht fünfhundert Meter laufen. Warum bist du denn eigentlich so nervös? Es ist ja nicht so, als ob das euere erste Verabredung ist! Ihr seid schließlich verlobt!"

Als Akane gerade zu neuerlichen, sorgenvollen Vorwürfen kommen wollte, klopfte es sanft an der Türe und Shampoo, die Akanes Nervosität nicht länger ertragen konnte, öffnete ihre Haustüre mit einem schnellen, eleganten Handgriff. Dort stand der junge Älteste in einem hellblauen, langärmligen Hemd, das die Farbe seiner blauen Augen auf eine süße Art und Weise unterstrich und zur Geltung brachte und einer seiner üblichen, schwarzen Hosen.

„Wow", sagte er unbedacht, als er die junge Frau in ihrem kurzen Kleid, das ihre vom Training wohl geformte Figur betonte, sah. „Ich meine..."

„Danke, Ranma", unterbrach sie ihn verlegen und blickte auf den Boden. „Wollen wir?"

Der junge Mann nickte. Ungemütlich schweigend schlenderten die beiden den Weg zum Nachbardorf, bevor sie schließlich bemerkten, dass man trotz einer Verabredung normal miteinander reden konnte und sie, wie an einem normalen Abend, miteinander plauderten und lachten, bis sie das Restaurant erreichten. Dort angekommen nahmen sie ihre Plätze ein und aßen zu Abend. Ganz plötzlich ertönte leise Musik und ein anderes Pärchen stand auf und ging auf die Tanzfläche, wo sie eng umschlungen langsam tanzten.

Sehnsüchtig blickte Akane auf das tanzende Pärchen und versuchte Ranma zu vermitteln, dass auch sie gerne tanzen würde, indem sie ihm wiederholt aufmunternd zublinzelte. Als sie aber bemerkte, dass er nicht verstand, bedeutete sie ihm mit einer Kopfbewegung, sich kurz umzudrehen.

„Schau nur", sagte sie ihm schüchtern lächelnd, als er das Paar erblickte. „Das Tanzen muss wirklich schön sein..."

„Hmm", antwortete der junge Mann, der sich nach dem kurzen Blick wieder zu seiner Verlobten herumdrehte und nur Augen für sie hatte, weshalb er ihre Worte nicht verstand.

„Wie kann man nur so schwer von Begriff sein?", meinte sie errötend, nachdem sie eine weitere Minute auf seine Aufforderung gewartet hatte. „Fragst du mich jetzt oder nicht?"

„Oh, ach so!", sagte er verlegen und stand auf, während er ihr die Hand reichte. „Ich bin zwar nicht besonders gut, aber willst du mit mir tanzen?"

Schüchtern lächelnd nahm sie seine Hand und stand auf. Gemeinsam, Hand in Hand, gingen sie auf die Tanzfläche. Langsam legte Ranma seine Hände auf ihre Hüften und Akane, die ihr Lächeln nie verloren hatte, umschloss seinen Nacken mit ihren Händen. Als sie so da standen, blickten sich die beiden Kampfsportler tief in ihre lächelnden Augen. Ohne Worte, doch übereinstimmend, neigten sie sich ineinander und für wenige, freudvolle Momente berührten sich ihre Lippen.

„Akane?"

Hastig lösten sich die beiden wieder und starrten erschreckt und verlegen zugleich auf die Personen an der Türe: „Dad, Nabiki, Kasumi, Herr Saotome?", fragte Akane erstaunt, ließ aber die Hand ihres Verlobten nicht los. „Was macht ihr denn hier?"

„Was wir hier machen?", antwortete Nabiki mit einem schelmischen Grinsen. „Wir machen hier Urlaub und was du hier machst, das brauchen wir ja nicht zu fragen, oder?"

„Nabiki!", sagte Kasumi streng und blickte dann freundlich zu ihrer kleinen Schwester. „Warum sagst du uns nicht einfach, was du hier machst?"

„Ich, danke, Kasumi", sagte die junge Frau errötend und deutete mit ihrer freien Hand auf Ranma. „Ich, na ja, ich denke, ich lebe hier mit meinem Verlobten, Ranma..."

„Was?", fragte ihr Vater erstaunt und blickte den jungen Kampfsportler genau an. „Was hast du mit meinem kleinen Baby gemacht?"

„N-nichts, Herr Tendo!"

„Warum seid ihr dann verlobt?", fragte er und blickte seine Tochter entschuldigend an. „Akane, du kannst ihn nicht heiraten!"

„Ich kann", antwortete der junge Mann entschlossen noch bevor Akane etwas sagen konnte. „Ich kann und ich werde, Herr Tendo, denn ich, ich l-l-l-liebe sie!"

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