Böse Mädchen weinen nicht,

verzweifeln nicht!

Sie tun alles für dich!

Eisbrecher "Böse Mädchen"


Chapter 4

Bellatrix schien heut in Höchstform zu sein. Mit einem kreischenden Lachen jagte sie einen Fluch nach dem anderen auf Severus. Dieser lag am Boden und versuchte sie, so gut es ging, abzuwehren. Sie würde ihn nicht töten, das war die Anweisung des Meisters, aber ihren Spaß wollte sie trotzdem haben. Ein Schnitt, dass Felicitas mit ihrem Diptam nicht weit kommen würde. Severus unterdrückte die Schmerzenslaute, die aus seinem Mund dringen wollten. Seine Umwelt nahm er nur noch verschwommen wahr. Er versuchte sich bei Bewusstsein zu halten um zu wissen was mit ihm geschah. Wehren würde er sich trotzdem nicht mehr können. Liz, wie er sie in seinen Gedanken heimlich nannte, würde heut alle Hände voll zu tun haben um ihn wieder zu heilen. Der Gedanke an sie und dass er bald wieder ihre Berührungen spüren konnte, ließen ihn irgendwie durchhalten und nur mit diesen Gedanken schaffte er es in seine Räume.

Lizzy war noch wach, als ihre Kette das Signal gab, dass sie sich erneut in die Räume von Snape begeben musste. Wie würde sie ihn heut vorfinden? Die letzten Male waren schlimmer als sonst. Oder kam es ihr nur so vor, weil sie Snape immer mehr mochte und ihr seine Verletzungen selbst weh taten, obwohl sie sie nur sehen musste? Egal was es war, die Angst vor dem was sie erwarten würde, schnürte ihr die Kehle zu. Am liebsten wäre sie wieder in ihr Bett gekrochen, hätte sich die Bettdecke über den Kopf gezogen und sich so vor der ganzen Welt versteckt. Doch das wäre feige und Slytherins waren keine Feiglinge. Also machte sie sich mit schweißnassen, aber eiskalten Händen zu Snapes Räumen auf.

Er war bei Bewusstsein, als sie ankam, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis er in die Ohnmacht gleiten würde. Und Lizzy hätte sich fast mit in diese Ohnmacht begeben. Ja, sie hatte recht, es wurde immer schlimmer. Sie fragte sich wohin das führen und wie lang das alles noch gehen sollte. Mit dem Verschließen ihrer Gefühle versuchte sie alles auszublenden um sie auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Es fiel ihr sehr schwer. Ihr Kiefer schmerzte vom Zusammenpressen und ihre Augen brannten von den Tränen, die sie mühsam zurückhielt. Sie wollte gerade ihren gewohnten Ablauf beginnen, da flüsterte er ihren Namen. Lizzy kniete sich neben ihn. „Rote Viole… Wunde verschließen… Diptam wirkungslos…" Erst jetzt sah Lizzy die klaffende Wunde über Snapes Rücken. Sie begann zu zittern. Eine solche Wunde hatte sie noch nie geheilt, sie konnte den Zauber nur theoretisch. Ihre Beine wurden weich und nur mit Mühe hielt sie sich auf ihnen. Als erstes die Viole, versuchte sie sich einen Ablauf zurecht zu legen, bevor sie noch verrückt wurde. Ein tiefer Atemzug und sie begann ihre Arbeit. Sie flößte Snape den Trank ein, doch er schien ihn nicht auf die Beine bringen zu wollen. „Tut mir leid, Professor, aber heut werde ich sie wohl entkleiden müssen." Da er keine Regung von sich gab, entfernte sie mit einem Zauber die Kleidung von Snapes Oberkörper. Der Anblick der Wunde erzeugte wieder ein Zittern bei Lizzy.

Was, wenn der Zauber schief geht? Ich hab das doch noch nie gemacht. Verzweiflung und Panik versuchten sich in ihr breit zu machen. Doch vor ihr regte sich nun Snape ein wenig und um ihm unnötige Schmerzen zu ersparen, holte sie tief Luft, brachte ihre zitternde Hand ein wenig zur Ruhe und schloss mit einem Zauber die Wunde. Sie hätte vor Freude springen wollen, als sie sah, dass die Wunde sich schloss und zu einer langen, dicken Narbe wurde. Einen kurzen Moment sah sie sich die Narbe an und überlegte, ob die Anderen auf die gleiche Weise entstanden waren. Nun, womöglich würde sie es nie rausfinden, trotzdem verspürte sie die Hoffnung, eines Tages die ganze Geschichte erzählt zu bekommen. Anschließend holte sie die üblichen Sachen um sich um die kleineren Wunden zu kümmern. Als sie wieder kam, saß Snape schon leicht aufrecht. Die Erleichterung zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen. Der Trank schien langsam zu wirken. Aber er sah furchtbar aus. Das Haar wirr durcheinander, Ringe unter den Augen und schwach. Aber er war wieder bei Bewusstsein und saß, das war die Hauptsache. Der Rest ließ sich leicht mit einem Kamm und Schlaf beseitigen. „Sie haben viel Blut verloren, Professor." Er nickte nur. Entschlossen fuhr Lizzy fort: „Morgen werde ich mich um den Blutbildenden Trank kümmern." Vorsichtig tupfte sie wieder Diptam auf die kleineren Wunden. Severus war an diesem Abend zu schwach um sich zusammennehmen zu können und so kam immer wieder ein Keuchen von ihm als sie mit der Essenz auf seine Wunden kam.

Als sie damit fertig war, stand sie nicht wie sonst auf, sondern strich mit dem Finger über die frische Narbe, die sich gebildet hatte. „Allein dafür sollte man ihn umbringen" stieß sie empört hervor. Über Snapes Lippen huschte ein leichtes Lächeln. Ihr Sarkasmus amüsierte ihn und Gefühle die er nicht genau benennen konnte, stiegen in ihm auf. Dankbarkeit? Ja, er war ihr sehr dankbar, obwohl er dies niemandem gegenüber zugeben würde. Aber noch etwas anderes spürte er, etwas wofür er keinen Namen fand.

Sie war dazu übergegangen jede Narbe mit dem Finger zu erkunden, dabei schüttelte sie immer wieder mit dem Kopf. Severus bewegte sich nicht. Noch nie hatte eine Frau ihn so lang einfach nur berührt. Sicher, er hatte einige Frauen gehabt, aber meist musste er sie bezahlen oder sie waren nur am Akt an sich interessiert, der nicht einen Funken Zärtlichkeit enthielt. Schnell und hart musste es sein. Bisher hatte er auch nichts vermisst. Ihm war schon vor Lilys Tod klar gewesen, dass ihm etwas so reines wie die Liebe zwischen zwei Menschen nie passieren würde. Und nun saß sie hinter ihm und führte einfach nur diese eine Bewegung aus und er vergaß die Welt um sich herum.

Lizzy rührte in ihrem Kessel, in dem sie den Blutbildenden Trank sorgfältig herstellte. Snape hatte recht, das Brauen fiel ihr leicht und mit ein bisschen Konzentration fielen die Tränke auch gut aus. Professor Snape…

Lizzys Gedanken wanderten zu den letzten Wochen. Das Verhältnis der beiden im Unterricht war wie immer, sie gab sich neuerdings mehr Mühe, aber sonst war alles beim Alten. Abends jedoch hatte sich die Stimmung grundlegend geändert. Nachdem Snape nach seinen Treffen wieder hergestellt war, blieben sie noch eine Weile zusammen sitzen und unterhielten sich. Meist ging es um Bücher oder Tränke. Lizzy interessierte sich zunehmend für das Fach und hatte allerlei Fragen. Sie war positiv überrascht, dass er ihr soviel erklärte. Manchmal kam es sogar vor, dass er mit ihr ins Labor ging und ihr demonstrierte was sie wissen wollte oder er zeigte ihr, wie sie manches besser machen konnte. Das waren Nächte, in denen Lizzy wenig Schlaf bekam und doch würde sie um nichts in der Welt tauschen wollen, denn in dieser Zeit sah sie seine Maske fallen und den Menschen Severus hervortreten. Wenn er mit seinen Händen Zutaten vorbereitete, entspannte sich sein Gesicht, er wurde ganz ruhig und seine Stimme verlor diese Kälte. Sie betrachtete ihn ganz genau und speicherte jedes Bild in ihrem Gedächtnis ab. Sie spürte seine Verbundenheit mit diesem Fach und Lizzy fragte sich nicht nur einmal, ob sie jemals diese Ebene beim Brauen betreten würde.

Der Trank war fast fertig, musste nur noch ein wenig ziehen. Ihre Gedanken wanderten zur vorhergehenden Nacht. Diese Verletzung war der Gipfel. Wütend drehte sie sich zum Fenster. Es hatte angefangen zu schneien und Lizzy versuchte sich beim Anblick der leise fallenden Flocken zu beruhigen. Ihre Nägel gruben sich in ihre Handflächen, so sehr ballte sie die Faust. Immer wieder schob sich der Anblick seines Rückens vor ihr geistiges Auge und vorbei war es mit der Ruhe. Aufgrund ihrer Wut ging ihre Atmung schneller und sie hätte gern irgendwo dagegengetreten oder geschlagen.

Wie krank musste man sein um einem Anderen so etwas anzutun?

Sicher war auch sie manchmal schadenfroh und sicher auch gehässig, aber einem unschuldigen Menschen derartige Flüche auf den Hals zu hetzen, konnte sie sich dann doch beim besten Willen nicht vorstellen.

Sie wandte ihren Blick vom Fenster und begann aufzuräumen um ihren Händen etwas zu tun zu geben, allerdings war ihr Geist durch die Arbeit wenig beschäftigt und so kreisten ihre Gedanken um ein und das selbe Thema, bis sie das Gefühl hatte wahnsinnig zu werden. Ihr Kopf schmerzte und so versuchte sie sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren.

Wenn sie hier fertig war, würde sie Professor Snape den Trank bringen. Sie war heute Morgen bei ihm gewesen und er war durch den enormen Blutverlust noch immer so geschwächt, dass er zwar einigermaßen sitzen, dennoch nicht aufstehen konnte. Zum Glück war Wochenende und sein Fehlen fiel nicht auf. Ein Hauself hatte ihm Frühstück gebracht und Lizzy ihn irgendwie ins Bad geschleppt und ihn am Waschbecken abgestellt, an dem er sich mit aller Kraft festklammerte. Als er fertig war, hatte er sie gerufen und sie hatte ihn in seinem Wohnbereich aufs Sofa gesetzt und mit Zeitschriften und Büchern versorgt. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was es ihn kostete, ihr so hilflos ausgeliefert zu sein.

Sie erinnerte sich wie es letzte Nacht war. Gedankenverloren hatte sie über jede Narbe gestrichen und er hat einfach nur still gehalten. Selbst danach hatten sie nicht mehr darüber gesprochen. Er hatte ihr nur leise gedankt und sie dann ins Bett geschickt. Heute früh hatte sie nur kurz nach ihm gesehen und sich dann an die Zubereitung des Trankes gemacht. Nun war es später Nachmittag und der Trank war fertig. Vorsichtig nahm sie ihn und ging zu Professor Snape. Dieser saß immer noch auf dem Sofa, sah allerdings schon etwas besser aus. „Na sieh einer an, sie können es ja doch." Er begutachtete den Trank, schien zufrieden und nahm ihn zu sich.

Es dauerte nicht lang, bekam er zumindest wieder ein wenig Farbe ins Gesicht und die letzten Anzeichen von Augenringen verschwanden. „Professor, ich würde gern mit der Weiterbildung beginnen, darf ich mir dafür ein paar Bücher von Ihnen ausleihen? Einige gibt es in der Bibliothek nicht." „Natürlich, nehmen Sie sich was sie brauchen." Er wunderte sich selbst über diese Worte. Er verlieh seine Bücher im Normalfall nicht. Bücher waren ihm heilig. Sie zwängten ihn nur in seiner Gedankenwelt in gefährliche Rollen, verletzten ihn nicht persönlich. Bei ihnen musste er sich nicht verschließen, er konnte sich entspannen. Aber er wusste mit einer Sicherheit, die ihn erstaunte, dass sie ihm seine Heiligtümer nicht zerstören würde, wie es schon so viele Menschen getan hatten.

Lizzy stand vor einem der großen Regale und suchte sich was sie brauchte, als sie innehielt. Sie hatte eine Bücherreihe entdeckt, deren Einband ihr bekannt vorkam. „Professor Snape, kann es sein, dass ein Buch fehlt?" Er stand langsam auf, was ihn noch viel Anstrengung kostete und doch trat er neben sie um zu sehen was sie meinte. Lizzy zeigte mit dem Finger auf die Reihe. „Hier gehören doch eigentlich 13 Bücher dazu, hier stehen aber nur 12." „Ja, das stimmt." Sagte er und sah Lizzy erstaunt an. Woher wusste sie das nun schon wieder? Sie hatte wirklich die Gabe ihn immer aufs Neue zu erstaunen. Und sie faszinierte ihn, wie kein Mensch, außer Lily, es zuvor getan hatte.

„Allerdings wurde der 13. Band aufgrund eines Übermaßes an schwarzer Magie verboten und später verbrannt," erklärte er ihr. Es gibt nur noch sehr wenig Exemplare und die sind unerschwinglich und auch schwer zu beschaffen." Mit offenem Mund starrte sie ihn an. „SIE schaffen es nicht, jemanden dazu zu bringen Ihnen das Buch zu überlassen? Meine Welt bricht zusammen." Theatralisch fasste sich Lizzy an die Stirn. Snape schmunzelte. „Miss Gilmore, das ist ja ein sehr interessanter und beeindruckender Einblick in Ihre Gedanken über mich." Lizzy lachte und wollte gerade antworten, als es an Snapes Tür klopfte. Er trat ein wenig von ihr weg und öffnete die Tür.

„Severus, mein Freund. Ich war in der Nähe und dachte, ich hol dich zu einem kleinen Ausflug ab." Diese Stimme hätte Lizzy unter tausenden erkannt und vor Schreck hätte sie fast die Bücher in ihrem Arm fallen lassen. Der Besucher bemerkte nichts, doch Severus erkannte ihre Reaktion deutlich. „Ah, Severus, du hast Besuch von der bezaubernden Miss Gilmore. Wie geht es Ihnen, junges Fräulein? Sie haben uns schon so lang keinen Besuch mehr abgestattet." Bei der Kälte, die in die Augen von Lizzy trat, als sie den Mann ansah, zog Snape eine Augenbraue hoch, sagte jedoch nichts. Betont höflich, aber kalt antwortete sie. „Lucius. Nun, die Schule fordert momentan meine ganze Aufmerksamkeit. Ich bedaure, dass ich Sie dadurch vernachlässige. Da auch Sie momentan etwas vorhaben, verabschiede ich mich nun. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag." Felicitas sah zu, dass sie aus dem Raum kam und Severus hatte das Gefühl, dass die Raumtemperatur mit jedem Wort Lizzys gefallen war, dazu ihre Reaktion, als sie den Besucher erkannte. Was hatte sie mit Lucius Malfoy zu tun? Er würde es wohl rausfinden müssen, aber erst einmal war wichtiger was Malfoy mit ihm vorhatte. Sein Besuch war nicht ungewöhnlich und doch verursachte er leichte Bauchschmerzen, wenn er daran dachte, wie die letzten „Ausflüge" endeten und doch, der Gedanke an Felicitas Reaktion ließ ihn nicht los.