4. Kapitel.
~+Derzeit in Hogwarts+~
In einem der Büros Hogwarts´ saß der Lehrer für Zaubertränke an seinem Schreibtisch und sah erstaunt auf den Raben, der gerade vor ihm landete. Anmutig und mit seiner typischen Grazie hob er den Kopf und streckte sein Bein aus.
Severus Snape konnte nicht leugnen, dass er sichtlich überrascht war von einem Raben Post geliefert zu bekommen. Es war recht ungewöhnlich und er konnte nicht umher dem bis jetzt noch nicht bekannten Schreiber des Briefes sein Lob auszusprechen. Ein schwarzer Umschlag mit grüner Tinte und ein schwarzer Rabe hinterließen wahrlich Eindruck.
Mal schauen, wer mir zu so später Stunde noch Post schickt… schmunzelte der Lehrer in Gedanken und band währenddessen unter den misstrauischen Blicken des Raben den Umschlag von seinem Bein. Ein ebenso schwarzes Pergament fiel ihm in die Hände als er den Brief öffnete. Wie erwartet verschwand der Rabe sofort und Severus sah ihm nachdenklich hinterher. Vielleicht sollte ich mir auch mal einen Raben zulegen…
Sehr geehrter Professor Snape,
Es tut mir leid, wenn ich sie zu solch später Stunde noch störe, aber ich wollte sie um einen Gefallen bitten. Meine Eltern schrieben mir in einem Brief, den ich heute bei Gringotts bekam, dass sie mit ihnen befreundet waren und mit dem Brief wurde mein ganzes Weltbild auf den Kopf gestellt. Sie müssen verstehen, wenn jemand mit gerade einmal elf Jahren gesagt bekommt einen berüchtigten Schwarzmagier besiegen zu müssen, schließlich Jahr für Jahr geliebte Personen zu verlieren aufgrund einer „Prophezeiung" und in eine Rolle gesteckt zu werden, die man nie haben wollte, ist es schon sehr…wie soll ich sagen…schockierend in einem Brief der toten Eltern gesagt zu bekommen, dass man ein Leben lang nur belogen wurde und es umsonst war zu kämpfen und sehen zu müssen, wie Leute, die man liebt, sterben. Ich habe es gehasst Dumbledores Schachfigur zu sein, das ist wahr, aber ich habe niemals auch nur in Erwägung gezogen, dass die Person, die ich in manchen Situationen schon als nie gehabten Großvater zu sehen begann, mir all die Jahre etwas vorgespielt hat und mir erst meine Eltern zu nehmen, um mich dann gegen ihren Freund auf zu hetzen. Ich hätte niemals geglaubt, dass Dumbledore so ein Unmensch sein kann und ich möchte mich auch dafür entschuldigen, dass ich Ihnen ihr Verhalten mir gegenüber übel genommen habe. Ich würde mich sehr geehrt fühlen, wenn sie mir eine Chance geben würden, mich zu beweisen, so dass ich mir meine eigene Meinung über sie bilden kann, ohne jegliche Bitten meiner Eltern oder irgendwelche Gerüchte.
Es tut mir leid, aber ich schweife wieder einmal vollkommen vom eigentlichen Grund ab. Wie sie sich denken können, da vor einigen Tagen mein Geburtstag war, bin ich erwacht und wäre froh, wenn sie mir aus meiner ziemlich misslichen Lage helfen würden. Mit meinem jetzigen Aussehen ist es sehr zu bezweifeln, dass ich noch als Harry Potter durchgehen kann und bin im Moment also aufgeschmissen. Ich musste selbst eine lange Zeit mit mir ringen überhaupt diesen Brief zu schreiben, aber da nur sie und der dunkle Lord als Freunde im Brief meiner Eltern genannt wurden, waren sie der Einzige, dem ich glaubte schreiben zu können. Dem Lord schreiben kann ich noch nicht, dafür musste ich mir vorerst über viele Dinge, die passiert sind, klar werden. Ich würde mich freuen, wenn sie sich mit mir morgen zu Mittag im Tropfenden Kessel treffen könnten. Wenn ihnen der Termin nicht gelegen kommt, schicken sie mir bitte eine Eule und ich werde mich nach dem nächsten Zeitpunkt richten.
Mit freundlichen Grüßen
Harry James Potter
Erfreut und leicht erstaunt zugleich ließ Severus den Brief wieder sinken und sah mit einem Lächeln auf einen imaginären Punkt an der Wand. Endlich war das Einzige, was der Zaubertränkeprofessor von Hogwarts dachte. Es stimmte ihn froh den Sohn seiner verstorbenen Freunde so behandeln zu können, wie er es von Anfang an getan hätte, wenn Lily und James ihn nicht gebeten hätten, unfreundlich zu ihm zu sein. Es hatte Severus nie behagt, wenn er Harry wieder für einen vermeintlich nicht korrekten Zaubertrank hatte Strafarbeiten geben müssen und ihm immer Punkte abzuziehen.
Er war sich selbst im Klaren darüber, dass Harry im Unterricht immer so tat als wäre er keine große Leuchte, aber die schriftlichen Arbeiten und auch die Prüfungen hatte er immer und bei jedem Lehrer mit Bravour gemeistert. Aber Harry musste ja immer jedem etwas vormachen und so tun als wäre Granger die Jahrgangsbeste. Dabei hatte Harry sie schon längst überholt und Severus selbst mochte sich gar nicht ausmalen, wie groß Harrys Wissen wirklich war. Die meisten Lehrer hatten es aufgegeben Harry darauf anzusprechen und ließen ihn während des Unterrichts in Ruhe.
Severus musste leicht schmunzeln. Wo viele Menschen die Aufmerksamkeit leibten, mied Harry sie und versuchte so „normal" wie eben möglich zu sein. Aber allein mit seinem angeblichen Schicksal war das schon unmöglich und er konnte ihn verstehen. Auch wenn es nur eine Lüge von Dumbledore war, würde sich der Gryffindor wahrscheinlich niemals in dem Punkt ändern.
Mit den Gedanken weiterhin an den Schwarzhaarigen Jungen, ging er schon bald danach in seine Gemächer und legte sich schlafen.
~+nächster Morgen+~
Harry stand ein paar Minuten unentschlossen vorm Schrank und entschied sich schussendlich für eine schwarze Hose und ein schlichtes weißes Hemd. Dazu zog er sich passend ein Paar schwarze Stiefel mit mehreren Schnallen an und legte einen schlichten schwarzen Umhang um. Er band sich schnell noch die Haare mit einem dunkelroten Haarband zusammen und stellte sich dann vor den Spiegel. Mit einer kurzen Drehung musterte er sich zufrieden.
Flüchtig sah Harry auf seine Armbanduhr. Vielleicht hätte er ja noch ein wenig Zeit, bevor Snape käme. Dann könnte er noch einmal nach Gringotts gehen und ein paar weitere Umhänge seines Vaters und vielleicht ein paar andere Sachen holen.
Mit einem Seufzen besah er sich den Sprung in dem Glas seiner Uhr, den er gar nicht mehr beachtet hatte. Wahrscheinlich war das passiert, als er von Vernon mal wieder die Treppe in den Keller hinunter geschubst wurde. Er konnte die Schmerzen nach einem solchen Dilemma noch immer spüren, wenn er nur daran dachte. Nein, nicht mehr daran denken! Es ist vorbei und ich werde auch nie wieder dort hingehen!, mahnte er sich selbst in Gedanken. Er sollte endlich darüber hinweg kommen, dass er für sie nur ein ´Freak´ war. Er konnte da nichts dran ändern und es könnte ihm eigentlich vollkommen egal sein, aber warum war es das nicht? Warum wollte er, dass sie ihn mochten oder zumindest so akzeptierten wie er wirklich war? Und nicht, dass sie ihn wie Abschaum behandelten. Er konnte sich selbst keinen Reim daraus machen und mit einem schnellen Schlenker seiner Hand und einem leise gemurmelten Reparo-Zauber reparierte sich das Glas in Sekundenschnelle wieder und stellte automatisch die korrekte Zeit ein.
Mit einem leichten Grummeln stellte Harry fest, dass es schon kurz nach elf war. Also machte er sich auf den Weg nach draußen, dann die Treppe hinunter und hinein in den Schankraum des Gasthauses.
Ein wenig nervös und ununterbrochen mit dem Brief in seiner Tasche spielend trat Harry auf seinen Lieblingslehrer und Giftmischer Professor Snape zu. Natürlich musterte Snape ihn grimmig und missmutig, doch innerlich war Snape von Harrys Aussehen und seinem allgemeinen Auftreten überrascht. Er hatte ihn gar nicht übersehen können, denn obwohl Harry diesmal nicht komplett weiße Sachen trug, hatte sich jeder im Gasthaus zu ihm umgesehen und verfolgte ihn mit Blicken. Er war wirklich ungewöhnlich und hatte so etwas an sich, dass man ihm einfach Beachtung schenken musste, das konnte selbst Snape nicht leugnen. Es hatte ihm regelrecht die Sprache verschlagen. Er sieht Lily so dermaßen ähnlich! dachte er nur und hätte Harry wahrscheinlich mit offenen Mund begafft, aber selbst wenn es ihm die Sprache verschlagen hatte, seine Beherrschung war noch immer dort wo sie hingehörte.
„Guten Tag Professor…" sprach Harry leise und brachte Snape so aus seinen Gedanken. Mit einem leichten Kopfnicken wies er den Gryffindor an, sich zu setzen. Das tat Harry auch gleich und wunderte sich im Stillen, dass er nicht sofort an gemeckert wurde, von wegen, was dieser ganze Mist hier solle und Ähnliches.
Snape sah in seinen Augen so aus, als würde er auf etwas warten oder erwarten, dass Harry etwas Bestimmtes täte. Mit einem leisen „Natürlich…" zog er den Brief aus seiner Tasche und schob ihn in Richtung Snape über den Tisch. „Der Brief, den ich von Gringotts bekommen hab." sagte er nur noch und schaute Snape ein ganz klein wenig fragend an.
Nach außen hin misstrauisch öffnete Snape den Briefumschlag und zog das Pergament raus. Mit klopfenden Herzen beobachtete Harry das Minenspiel in Snapes Augen. Am Ende trat ein seltsames Funkeln in seine Augen, das er jedoch nicht deuten konnte. Es war ja schon ein Wunder, dass man seine Gefühle überhaupt in seinen Augen ablesen konnte. Wo andere Menschen offen zeigten, was sie fühlten und es nicht hinter einer Maske versteckten, blieben Snapes Gesichtszüge kalt und abweisend. Und ich soll ihm jetzt den ganzen Rest erzählen? Na danke Lily…, seufzte Snape in Gedanken resigniert.
Tom kann seine Sachen aber selbst erzählen, sonst sitze ich noch bis morgen hier! Außerdem geht mich das zwischen den beiden nichts an. „Können wir bitte in dein Zimmer gehen?" fragte Snape mit seiner desinteressierten Stimme.
Natürlich fiel Harry auf, dass der Giftmischer schon von sie auf du übergegangen war. Mit einem leichten Nicken stand Harry auf und deutete Snape an, ihm zu folgen. So viele Gedanken rasten ihm durch seinen Kopf. Mit einem Schmunzeln –natürlich wurde das perfekt hinter seiner Maske versteckt- ging Snape in ein paar Metern Abstand hinter Harry die Treppen hinauf. Alles an Harry deutete darauf hin, dass er Lilys und James Sohn war. Von Lily das Aussehen und dieses schon fast anmutige oder elegante Auftreten und die Bewegungen; und von James seine Wortwahl. Niemals hätte Harrys Mutter so gesprochen. Genau wie James, konnte er die anderen jedoch in den Bann ziehen, wenn er vor großen Mengen sprach und von seinen Worten überzeugt war. Der Zaubertränkeprofessor hatte so manches mal mit angehört, wenn das goldene Trio über den Lord gesprochen hatte und selbst er hatte sich dabei schon ertappt, wenn Harry seinen Freunden versucht hatte zu erklären, was an Dumbledores Aktionen faul war und inwiefern er den dunklen Lord verstehen konnte.
Sicherlich waren Granger und Weasley erschrocken darüber, dass der Goldjunge die Meinung des Dunklen Lords verstand, aber sie hätten niemals leugnen können wie gespannt sie Harrys Worten gelauscht hatten.
Abrupt blieb Harry vor seiner Tür stehen und fuhr mit seiner Hand in einer drehenden Bewegung über den Türgriff. Staunend verfolgte Snape das Ganze und auch wie die Tür lautlos aufsprang. Dass Harry kein schlechter Zauberer war wusste er natürlich, aber zu sehen wie er stille zauberstablose Magie benutzte erstaunte auch ihn. Keiner hatte den Gryffindor im letzten Schuljahr darin unterrichtet und sich selbst stille und auch noch zauberstablose Magie beizubringen war erstaunlich! Selbst der Dunkle Lord hatte zu Anfang Probleme damit gehabt. Und wenn er als einer der mächtigsten Zauberer der Welt galt, welch ein Magiepotenzial hatte der Junge dann? Niemals würde er sich mit ihm verscherzen, schwor sich Snape und trat hinter Harry, der gerade mit einer wegwerfenden Bewegung zwei Sessel beschwor, in den Raum.
Beide setzten sie sich gegenüber und Harry starrte auf seine Hände, während Professor Snape nach den richtigen Worten suchte, um ein Gespräch zu beginnen. „Also, erst einmal möchte ich dich bitten, mich Severus zu nennen, wenn wir unter uns sind und naja, was in dem Brief steht, hat alles seine Richtigkeit.", begann Severus. Harry sah bei den letzten Worten auf und sah seinen Professor mit Unglauben in den Augen an. „Also haben Sie nur auf den Wunsch meiner Eltern hin mich so behandelt…?", fragte er leise. „Bitte sag du zu mir…" antwortet Severus und seufzte. „Aber ja… ich hätte dich niemals so behandelt, wenn Lily und James mich nicht gebeten hätten. Ich muss dir nämlich noch etwas erklären." Severus lehnte sich ein Stück nach vorne und sah Harry ernst an. Ernst, aber mit einer gewissen Wärme in den Augen. „Du weißt ja, dass Sirius dein Pate ist…" ein kleines Nicken seitens Harry „…und du weiß bestimmt auch, dass fast jedes Kind zwei Paten hat…"
Obwohl Harry immer noch nicht so recht glauben konnte, dass alles in dem Brief stimmen sollte und er noch ein wenig verwirrt davon war, dass Severus seinen Paten Sirius genannt hatte und nicht Black, schaltete er schnell und fügte eins und eins zusammen. Die Farbe wich schnell aus Harrys Gesicht und er stammelte nur noch vor sich hin. „N-nein…d-das glaub ich nicht…i-ich meine…S-sie...D-du?!" Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen sah Severus den weißen Schüler vor sich an. Er hatte damit gerechnet, dass er so reagieren würde, aber es gab ihm dennoch einen Stich ins Herz zu sehen, dass Harry es wirklich so schrecklich fand. Würde er es überhaupt mal schaffen, dass sie beide sich einigermaßen verstehen würden? Er wusste es wirklich nicht, aber er hoffte es sichtlich. „Doch Harry…ich bin dein zweiter Pate…"
tbc
