Berlin, 02. April 2006

Richard hätte es fast geschafft Lisa einzulullen und ihr mehr Kompetenzen abzuschwatzen, aber jetzt, wo er Rokko eingestellt hat, ist er wieder unten durch. Ich weiß gar nicht, was du gegen Rokko hast. „Er ist so…so…so…" Déjà-vu! Liebenswert? Aufmerksam? Ehrlich? Aufrichtig? „Chaotisch." Aber er ist ein Top-Werbefachmann. „Jaaa." Lisa war genervt. So wie sie es immer ist, wenn ihr die Argumente ausgehen – als hätte sie wirklich welche gehabt… Wenn du es dir mit Rokko verdirbst, dann musst du bald wieder eine Stelle besetzen. Warum bist du denn in letzter Zeit so kratzbürstig? Darauf antworten konnte sie mir nicht.

Nach Feierabend war Rokko bei mir. Er ist immer noch begeistert von seinem Job und davon, so viel mit Lisa zusammen zu arbeiten. „Sag mal, du kennst Lisa doch schon lange…" Jaa. Willst du jetzt wissen, ob ich Gefühle für sie habe, die über Freundschaft hinausgehen? Nee, und das wird auch nicht passieren. Das würde ja an Inzest grenzen… Rokko wirkte irgendwie erleichtert. „Darf ich dich dann um einen Rat bitten?" Nur, wenn du mal ganz ehrlich zu mir bist: Du bist in Lisa verliebt, oder? „Mehr als das. Ich liebe sie und mir wird das mit jeder Minute, die ich mit ihr verbringe, bewusster." Das Jürgilein hat natürlich prompt sein breitestes Froschgrinsen aufgesetzt. Und wie kann ich dir dabei helfen? „Wie kann ich ihr Herz erobern? Mein Charme alleine reicht nicht. Sie ist so zickig zu mir, aber ich weiß genau, so ist sie nicht. Das ist alles Fassade, als würde sie versuchen, sich vor irgendetwas zu schützen." Ich dachte nach… und dachte nach… und dachte nach… und raubte Rokko damit den letzten Nerv. „Na, was ist nun?" Rokko, denken ist, wenn man als einziger seine Stimme hört und der Mund sich nicht bewegt. Aber ich glaube, ich habe eine Idee. Komm mal mit in mein Hinterzimmer…

Ich musste ganz schön tief in meinem Schrank kramen, aber ich habe es noch – das Fotoalbum. Unsere Mütter mit uns bei der Mütterberatung. Lisa und ich im Sandkasten, bei der Einschulung, Lisas und ich mit unserer jeweils ersten Brille, Lisa und ich beim Abiball, Lisa und ich bei der B-Style-Präsentation. Rokko hat sich jedes Bild aufmerksam angesehen: „Da hat sie sich aber ganz schön verändert… Eins ist auffällig – auf diesen Bildern lächelt sie. Ich habe sie noch nie lächeln sehen. Also ist es doch nicht wegen der Spange." Wegen der Spange? „Ich dachte, sie wäre ihr vielleicht peinlich." Ach was, dafür hat sie sie schon viel zu lange. Weißt du, seit ich Lisa kenne, ist sie auf der Suche nach sich selbst… und dabei ist sie wohl irgendwie in eine Sackgasse geraten. Rokko zog die Stirn kraus und wartete darauf, dass ich weiter sprach. Die David-Seidel-Sackgasse. Vielleicht braucht sie einen Navigator… Ich bin drauf und dran, den ganzen Zaun zu packen, um damit zu winken, als Rokko anfängt zu lächeln. „Ich glaube, ich verstehe." Gut, mehr Hinweise hättest du auch nicht gekriegt. Hat ja nicht jeder das Glück, sich zum Schwiegermutterliebling zu mausern, nur weil er den besten Freund der Angebeteten kennt.

Berlin, 04. April 2006

Hier ging's heute zu wie nach einer Kernschmelze: Erst kam Lisa und strahlte, dann kam Rokko und strahlte. Und alles begann zu strahlen – auch ich, dabei gibt es gar keinen guten Grund, finde ich zumindest. Obwohl… Rokko hat sich da schon was schönes einfallen lassen. Hoffentlich spricht sich das nicht rum, sonst kriegen wir Otto-Normal-Männer nie wieder eine Frau…

Also, Gespür hat er, der Rokko und ich gönne ihm so das große Glück mit Lisa. Mir wird jetzt noch ganz warm ums Herz. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre Lisa und jemand hätte das für mich getan… Gestern Abend, Lisa war schon eine Weile Zuhause und brütete über ihren Büchern, als es klingelte und Rokko vor ihrer Tür stand. Ein bisschen perplex war sie schon und ihr erster Gedanke galt natürlich der Firma: „Ist was passiert?" – „Ich wollte Sie nur abholen." – „Und wohin?" – „Überraschung." – „Ähm, ich muss aber…" – „Lernen? Quatsch. Jeder braucht mal eine Pause." – „Eigentlich meinte ich, ich muss mich umziehen." Lisa deutete auf ihren Hausanzug. „Das ist völlig unnötig. Das werden Sie eh nicht lange anhaben." Schade, dass es in Lisas Flur keine Überwachungskamera gibt, ihr Gesicht hätte ich zu gern gesehen. „Keine Angst, für's erste Date überlege ich mir immer 'was Jugendfreies." - „Ähm, aber das geht doch nicht." – „Klar geht das. Haben Sie Ihre Schlüssel?" Damit hat er sie bei der Hand genommen und hinter sich hergezogen. In ein kleines, alternatives Theater ist er mit ihr gefahren. „So kann ich da aber nicht rein." – „Doch natürlich. Es ist eh keine Vorstellung. Wie soll man sich denn besser kennen lernen, wenn man gleichzeitig irgendeinem antiken Helden in der modernen Fassung beim Sterben zusehen muss?" In den Kostümfundus ist er mit ihr gegangen. Cowboy, Prinzessin, Römerin, Mittelalterfrau, pompöse Ballkleider, Perücken, Hüte und…und…und… So ziemlich alles haben sie anprobiert und wohl richtig Spaß dabei gehabt. Selbstfindung – da hat Rokko ihr wohl jede Menge Optionen gezeigt… Hinterher hat er Lisa noch nach Hause gebracht. Muss wohl ziemlich spät gewesen sein, so übermüdet wie die zwei waren… „Mö…möchten Sie vielleicht noch mit reinkommen?" Rokko hat natürlich gleich gemerkt, woher Lisas Nervosität kam. Ihr Mangel an Erfahrung lässt sich auch nach dem Intermezzo mit David nicht verstecken… „Möchten schon, aber werden? Nein. Das war ein sehr schöner Abend. Vielleicht können wir das irgendwann mal wiederholen." Ich glaube, in dem Moment hat Lisa angefangen zu strahlen wie ein Kernkraftwerk und seitdem hat sie auch noch nicht wieder aufgehört. „Ja, das stimmt, das war ein sehr schöner Abend. Vielen Dank." Dann sind noch zaghafte Küsse auf die Wange ausgetauscht worden…

Lisa saß heute Morgen hier auf dieser Bank und hat geschwärmt: Rokko hier, Rokko da, Rokko ist toll, Rokko ist wunderbar… Die alte Leier - nur mit neuem Namen. Sag mal Lisa, der Abend mit Rokko war also schön, ja? „Oh ja, so etwas hat noch nie jemand für mich getan." Aha. Sag mal, du magst den Rokko… also den Herrn Kowalski schon, oder? Ach ja, die Siezerei haben sie immer noch nicht gelassen. Vielleicht ist das so etwas wie ein seltsamer Fetisch… „Ja, nett ist er schon." Hast du dich vielleicht ein bisschen in ihn verguckt? Lisa hat mit dem Kopf geschüttelt. Sieh mich mal an und sag es dann laut. „Nein." Und jetzt mit in die Augen gucken. „Nein." Du hast mir immer noch nicht in die Augen gesehen. „Ich muss zur Arbeit."

Gut gemacht hat Rokko das. Er war total begeistert davon, wie aufgeschlossen und unbeschwert Lisa sein kann. Ich bin auch sehr froh darüber. Ich meine, die Fehlgeburt hat sie doch ganz schön mitgenommen und hat zur ihrer allgemeinen Melancholie beigetragen. Rokko tut ihr definitiv gut und wenn es sein muss, dann werde ich noch eine Weile weiter den einen oder anderen Hinweis geben, damit die beiden zusammen fröhlich und unbeschwert sein können. Das wäre auch gut für mein Nervenkostüm: Kaum ist Lisa von ihrem David-anschmachte-Trip runter ist Rokko auf dem Lisa-anschmachte-Trip und wer darf sich das anhören? Genau, ich!

Berlin, 05. April 2006

Auf welche Zeitzone muss man seine innere Uhr stellen, damit man in dem Moment, in dem man am dringendsten gebraucht wird, verschwindet und in dem Moment, in dem es am wenigsten passt, unerwartet wieder auftaucht? Genau, auf David-Seidel-Zeit. Erstmal blättern, wie lange er jetzt durch Abwesenheit geglänzt hat… 4. März… ganze vier Wochen hat er sich nicht blicken lassen und heute früh, als ich den Kiosk aufgeschlossen habe, saß er auf den Stufen und grinste mich kackdreist an: „Hallo Jürgen! Da bin ich wieder. Kann ich einen Kaffee kriegen?" Na klar, ich brühe ihn auch gerne in deinem Bauchnabel… Gab's auf Sylt kein Frischfleisch mehr? „Unke du nur… Mir geht's jetzt wirklich besser. Ich bin jetzt bereit für die Beziehung mit Lisa." Na auch schon... wie schön. Schade nur, dass sie dich bestimmt nicht mehr will. Ihr geht's nämlich auch besser, für den Fall, dass es dich interessiert… Fragender Blick. Sie hatte die Eileiterschwangerschaft, nicht du. „Bist du muffelig heute Morgen. Ich bringe erstmal meine Sachen nach Hause und dann gehe ich zu Kerima."

Berlin, 06. April 2006

Hätte ich Lisa vorwarnen sollen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Sonst wäre mir ja dieser Streit entgangen. Ich war gestern Mittag mal wieder bei Kerima essen. Helga kann es einfach nicht lassen: Es gab Kohlrouladen und nur Rokko hat welche gegessen. Nach der vierten hat er mich dann zu Hilfe gerufen. „Ein junger Mann wie Sie kann das doch vertragen", hat Helga gemeint. „Ja, aber bei der Großzügigkeit Ihrer Portionen hab ich für die ganze Woche im Voraus gegessen." Helga ist genauso begeistert von Rokko als potentiellem Mann in Lisas Leben wie ich. Wenn die beiden es so gar nicht packen sollten, werde ich sie einweihen und dann wuppen wir das gemeinsam.

Rokko ging ganz schön der Kiefer, als David wie selbstverständlich aus dem Fahrstuhl trat. „Hallo, Frau Plenske. Lisa ist in ihrem Büro?" – „Ähm, nein, im Atelier bei einer Besprechung." Das hat er dann nicht mehr gehört, aber gut, dass er nicht gewartet hat, bis Lisa in ihr Büro ging, so konnten wir das meiste mithören. „Hallo Schatz, wie geht's dir?" – „Was fällt dir ein?" Er hat ihr einen Kuss aufgedrückt, den sie wohl nicht wollte. „Ich bin wieder da und dachte…" – „Ach schön. Aber das mit dem Denken solltest du lassen." Jetzt weiß ich, was Rokko mit „zickig" gemeint hat – wenigstens hat sie es diesmal am Richtigen ausgelassen. „Nun stell dich doch nicht so an. Ich habe etwas Zeit für mich gebraucht." – „Ach so. Und das gibt dir natürlich das Recht, mich hängen zu lassen, als ich dich am dringendsten gebraucht habe." – „Jetzt mach doch nicht so einen Aufstand. Ja, ich bin alleine nach Sylt gefahren, aber unseren Urlaub, den können wir nachholen. Ich werde schon dafür sorgen, dass du mal aus deinem Kaff 'rauskommst…" – „Du weißt ganz genau, dass es nicht um den Urlaub geht. Es geht darum, dass du mir etwas versprochen hast und dass du dein Versprechen wieder einmal nicht gehalten hast. Mein Leben ist auch ohne dich weitergegangen. Ich brauche dich nicht mehr." – „Ich bin noch nicht fertig mit dir, Lisa Plenske." – „Aber ich mit dir." – „Wir sind noch nicht fertig miteinander, hörst du?" – „Diesmal schon, ein für allemal. Das Beste wird sein, du schließt die Tür – von außen." Das Atelier hat keine Tür, aber das hat Lisa in ihrer Wut nicht gemerkt oder symbolisch gemeint. Egal. David kam mit hängenden Ohren hinter dem Vorhang vor und raunzte die erstbeste Person, die vorbeikam an: „Haben Sie nichts zu tun?" Kurze Zeit später kamen Hugo und Hannah. „Einen Kaffee, bitte", sagte sie und wurde dann gleich in die Plenske-Mangel genommen. Was war passiert? Gab es Handgreiflichkeiten oder andere Sensationen, die man über den Buschfunk verbreiten kann?

„Auweia, ich habe jetzt ein Meeting mit Lisa. Na das kann ja heiter werden", bemerkte Rokko nach einem Blick auf die Uhr. Tschaaakkkkaaaaa. Wenn einer das schafft, dann du. Okay, im Aufmuntern bin ich definitiv nicht so gut wie er, aber er wusste den Versuch zu würdigen.

„Hallo, Frau Plenske. Wir wollten kurz die Finanzierung für die Werbekampagne durchgehen." – „Und? Sie ist zu teuer, das habe ich Ihnen schon gesagt." – „Ich kann ja verstehen, dass Sie aufgewühlt sind, aber das ist kein Grund, mich anzugiften." – „Ich wüsste nicht, was Sie mein Gemütszustand angeht." – „Nichts, aber ich arbeite nicht gerne mit Heulsusen." Die Breitseite hat Lisa wohl gebraucht. Sie war baff und hat sich schrecklich über Rokko aufgeregt. „Was der sich einbildet! Wie kann er es wagen?" Sag mal, wieso regst du dich eigentlich so über Rokko auf? Solltest du dich nicht mit David befassen? Der stand heute unverhofft auf der Matte… „David? Was hat der denn damit zu tun? Mit dem bin ich durch." Ach so, und Rokko? „Was soll mit Rokko sein?" Mit dem bist du offensichtlich noch nicht durch, wenn du dich wegen dieser Kleinigkeit so echauffierst. Und Abgang Lisa Plenske: „Ich muss nach Hause – lernen."

Berlin, 10. April 2006

Ich lasse nie wieder Touristen auf meine Kiosk-Toilette!!! Kommen hier rein, spielen die Nummer von der platzenden Blase und dann das: „Toilettentennis" hat einer auf die Innenseite der Tür geschrieben und darunter: „Bitte nach rechts gucken" und wenn man nach rechts gut, dann stehe da: „Bitte nach links gucken" und wenn man nach links guckt, dann steht da: „Bitte nach rechts gucken". Und das mit wasserfestem Stift. Rokko meint, ich sollte jetzt Eintritt für mein Klo nehmen und nur, wer versteht, was mit Toilettentennis gemeint ist, kriegt sein Geld zurück. Schön, dass er es mit Humor nehmen kann – immerhin ist er ziemlich mit Lisa aneinander geraten oder viel mehr, ihm ist endlich der Kragen geplatzt. War ja schon unnormal wie geduldig dieser Mann ist!

Kerima ist das letzte Modeunternehmen, das seine Kollektion präsentieren muss darf soll. Rokko steckt knietief in Arbeit und hat tausend Ideen, die leider fast alle daran scheitern, dass sie das Budget sprengen. Jetzt hat er endlich was, das schon fast bezahlbar ist. Also hat er Lisa dahin geschleift und mit seiner ganzen, kindlich Begeisterung angefangen zu erzählen und zu planen. Lisa ist aber seit Davids Auftauchen nicht mehr sie selbst. Also hat sie dagestanden und genervt aus der Wäsche geguckt, aber ein Rokko Kowalski gibt nicht auf! „Frau Plenske, schließen Sie mal die Augen." Lisa hat die Augen zu gemacht. „Und? Was sehen Sie?" – „Die Innenseite meiner Augenlider." Das traf irgendwie Rokkos Komikzentrum, meins ja jetzt nicht so, aber wenn man verknallt ist, dann ist der andere in jeder Hinsicht toll… „Nee, ich meine eher, in Bezug auf unsere Präsentation." – „Eine Kommastelle zuviel im Finanzplan." Rokko hat genervt aufgestöhnt: „Okay, dann anders. Stellen Sie sich vor, hier steht… Sie sollen doch die Augen schließen." – „Und woher weiß ich, wo ‚hier' ist, wenn ich nicht weiß, wohin Sie deuten." So ging das noch eine Weile hin und her, bis Lisa meinte: „Ich werde mal sehen, was sich hinsichtlich der Finanzierung machen lässt." Ihr Tonfall war immer noch gereizt. „Was haben Sie eigentlich gegen mich?" hat Rokko sie dann genauso gereizt gefragt. „Leider nichts." – „Und warum sind Sie dann so zu mir?" Lisa hat ihren Mund geöffnet und dann wieder geschlossen und dann wieder geöffnet und wieder geschlossen – bis es Rokko zu bunt wurde. „Soll ich es Ihnen sagen? Ich sag es Ihnen: Sie lassen mich und auch sonst niemanden an sich heran, weil Sie total darauf stehen, wenn Ihnen etwas vorgemacht wird, vor allem von Ihnen selbst. Sie haben etwas gegen mich, weil ich ehrlich bin. Und das bin ich auch gleich noch mal: Wenn Sie mich fragen, dann haben Sie immer noch nicht richtig abgeschlossen…" – „Was fällt Ihnen eigentlich ein, so mit mir zu reden?" – „Möchten Sie wissen, wie ich darauf komme? Ich weiß genau, dass Sie nicht so eiskalt sind, wie Sie vorgeben. Sie gehen manchmal abends an meiner Wohnung vorbei, Sie haben Ihre Haare dann geöffnet und tragen bequeme Freizeitsachen und…" – „Was sind Sie eigentlich? Ein perverser Stalker?" – „Nein, ich bin in Sie verliebt, aber ich werde mich davon bestimmt nicht so kaputt machen lassen wie Sie es sich von Ihrer Liebe zu David machen lassen." Und damit ist er abgerauscht. Und, hab ich ihn gefragt, immer noch verliebt? „Ja, klar, was glaubst du denn? Vielleicht hätte ich nicht so mit ihr reden sollen." Irgendwo hast du Recht, sie hat noch nicht abgeschlossen mit der Sache und mit David wahrscheinlich auch nicht, sonst wäre sie nicht so neben der Spur, aber wenn's dich beruhigt, du warst in letzter Zeit Thema Nummer 1. „Wieso? Was hat sie denn gesagt?" Kann ich dir nicht sagen, so ne Art Schweigegelübde, du verstehst. Aber ich würde das Handtuch noch nicht werfen. Lass sie einfach ein bisschen in Ruhe. Lisa ist wie ein Reh, wenn sie sich bedrängt fühlt, läuft sie vor das nächste Auto.

Berlin, 11. April 2006

Dr. Jürgen Sommer hat heute eine Extrasitzung gehalten – eine ganz besondere; eine, die außer Lisa Plenske niemand braucht, weil außer Lisa Plenske niemand diese Probleme hat.

In der Mittagspause steckte sie ganz vorsichtig den Kopf durch die Tür. Wenn du Rokko suchst, der ist nicht hier. „Gut, den will ich nämlich gerade gar nicht sehen." Nach einem Glas Wasser, einem Schokoriegel, einem Hotdog, einem Eis und einer Cola (vielleicht auch in appetitlicherer Reihenfolge…) und vielen: „Stell dir vor, da hat er so mit mir gesprochen. Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein?", hat es mir auch gereicht. Rokko ist immerhin mein Freund, aber wenn ich zu direkt bin, dann macht Lisa dicht – wie eine Auster. Also, vorsichtig ranpirschen: Was regt dich eigentlich so auf an ihm, he? „Er ist ein Anarchist – er plant die unmöglichsten Dinge für die Präsentation und..." und aus die Maus mit Argumenten. Und? Er hängt sich rein für Kerima, das erwartest du doch von deinen Mitarbeitern. Übrigens haben manche Anarchisten auch Sympathisanten… Da passt nur eins zu: das Jürgen-Decker-Grinsen. „Ja, die würde ich gerne mal sehen." Wieso regst du dich eigentlich so auf, wenn er dir so egal ist? „Er ist mir nicht egal." Aha, jetzt kommen wir dem ganzen schon näher. Und was ist er dir dann? Schweigen. Gut, ich sag es dir: Du regst dich nur so auf, weil er Recht hat, weil du diese dusselige Dutt-Frisur nämlich gar nicht leiden kannst, weil du sie nur noch aus Nostalgie für David trägst und weil du Hugos Klamotten auch gar nichts magst und… dramatische Pause… weil er dich und deinen mittelmäßigen Versuch, dich hinter dieser Gefühlskälte zu verstecken, durchschaut hat. Denn du, meine Liebe, hast Angst. „Ich habe keine Angst." Nee, und das, was dir da aus der Stirn wächst, sind auch gar keine Trotzhörner. Oh doch, dir geht der Arsch auf Grundeis. „Und wieso bitte?" Weil du dich einmal verletzlich gemacht hast und dabei so eine verpasst gekriegt hast, dass dich jemand an einem Abschleppseil aus deinem Schneckenhaus ziehen muss. Aber damit musst du verdammt noch mal aufhören, denn damit machst du nicht nur dich selbst unglücklich, sondern auch Rokko. Und der hat das so überhaupt nicht verdient. Er ist nicht der Buhmann in dieser Geschichte, begreif das doch endlich. Aber wenn du so weitermachst, dann ist er auch weg und dann bleiben dir nur noch diese Schickimicki-Blazer und deine dämlichen Haarnadeln. Und noch mal zusammenfassen, damit Lisa die wichtige Information auch ja nicht verdrängen kann: Du hast Angst davor, verletzt zu werden und darum gibst du ihm keine Chance, aber ich kenne dich, ich weiß, dass du, wenn du liebst, du mit ganzem Herzen liebst. Und ich kenne Rokko und der, der liebt auch mit seinem ganzen Herzen – und zwar dich. Und jetzt mach, dass du hier raus kommst und das Ganze in Ordnung bringst. Oijoijoi, bedrippelter Blick, dann ein strahlendes Lächeln: „Er liebt mich?!" Jaaa, wie oft denn noch? Soll ich es morsen? Mit Leuchtraketen in den Himmel schreiben? In einem Ausdruckstanz darstellen? Lisa sieht mich entgeistert an: „Mit etwas Anderem hat er auch Recht, ich muss erst etwas zu Ende bringen, bevor ich etwas Neues anfangen kann." Und Abgang. Und wer bleibt zurück? Dr. Jürgen Sommer. Sie hätte mir wenigstens sagen können, was sie vorhat, dann könnte ich das Kopfkino einschalten, aber so blieb ich verdattert zurück – ohne den Hauch einer Ahnung, wo sie hin ist…

Berlin, 12. April 2006

Das ich das noch erleben darf! David Seidel ad acta!! Geschichte!! Aus!! Vorbei!! Nur noch der gute Freund und Geschäftsführer!!

Dahin ist Lisa nämlich gestern – in die Villa Seidel. Zum großen Showdown beim Sonnenuntergang. Beide hatten ihre Adjutanten mitgebracht, ihre Colts waren poliert und… nee, so hätte ich es zwar gerne gesehen, aber es war ganz pazifistisch… David und Lisa waren auf dem Seidelschen Anwesen spazieren und haben sich endlich ausgesprochen: „Weißt du, ich war nicht bereit für ein Kind, aber jetzt bin ich es." – „Oh David, wenn du mal ganz ehrlich bist, dann siehst du als Mutter für dieses Kind nicht mich." Dazu hat sie den Sag-Mami-was-du-angestellt-hast-Blick aufgesetzt. David konnte darauf nichts erwidern. „Du siehst Mariella in dieser Rolle, oder? Du hast versucht, mich zu ihrer Kopie zu machen, aber das hat nicht funktioniert, weil ich nicht sie bin – egal, was ich anhabe oder wie ich frisiert bin. Auch ohne den Verlust des Kindes wären wir jetzt nicht mehr zusammen, es hat halt einfach nicht gepasst. Wir entwickeln uns weiter und zwar in entgegengesetzte Richtungen. Das musst du doch auch spüren." – „Ja, aber du kannst dir sicher sein, es hat einen Moment gegeben, da habe ich dich geliebt, vielleicht nicht so, wie du es verdienst und wie ich es hätte tun sollen, um diese Trennung zu verhindern, aber ich habe dich geliebt." – „Ich bereue nichts, wirklich. Ich wäre wohl nie wirklich frei gewesen für eine neue Beziehung, wenn sich mein Traum vom Traumprinzen David Seidel nicht wenigstens für einen Moment erfüllt hätte – und auch ohne dieses Gespräch nicht. Es wäre schön, wenn wir wieder Freunde sein könnten, nur Freunde wie in den alten Zeiten." Bevor Lisa ging, hat sie David noch mal umarmt: „Ich wünsche dir alles, alles Glück dieser Welt. Ich bin mir ganz sicher, dass es da draußen eine Frau für dich gibt, die die Aufs und Abs mit dir zu schätzen weiß." Ich muss dringend mal ins Familienregister gucken – irgendwo in der Plenskesippe tauchen bestimmt Gandhi und Mutter Theresa auf, anders kann ich mir das nicht erklären. „Ich wünsche dir auch alles Glück dieser Welt – mit diesem Rokko." – „Rokko? Wie kommst du denn jetzt auf den?" – „Hey, ich mag ja nicht sehr sensibel sein, aber ich bin nicht blind. Es ist ziemlich offensichtlich, dass ihr euch gegenseitig anschmachtet. Ich will dich auch nicht länger aufhalten, los geh schon." – „Was heißt denn hier gegenseitig anschmachtet? Ich… Also Rokko… ich… also, ähm." – „Ja, ja, da fehlen dir glatt die Worte, wa? Ich dachte immer, Liebe macht blind und nicht sprachlos." – „Du denkst, ich bin in Rokko…?!" – „Oh ja, und es ist ziemlich offensichtlich. Wenn du willst, ich kann mal mit ihm reden, euch ein bisschen auf die Sprünge helfen… Als neuer, alter Freund gehört das sozusagen zu meinen Pflichten." – „Untersteh dich, sonst ist das das Ende vom Anfang unserer neu entdeckten Freundschaft." – „Okay, aber wenn du es dir anders überlegst, dann melde dich, ja?"

Und? Hat David Recht? Bist du in Rokko verliebt?, hab ich sie gefragt, als sie fertig war mit Erzählen und ich mich in erster Linie mit ihr gefreut habe, dass sie mit David abgeschlossen hat. „Ähm, naja, ich… ich glaube schon. Ja, ja, ich habe mich in diesen Chaoten verliebt, nun zufrieden?" Na dann, geh zu ihm. Worauf wartest du? Oder willst du dir vorher noch ein T-Shirt drucken lassen, auf dem steht: Ich, Lisa Plenske, liebe dich, Rokko Kowalski. Damit er es lesen kann, für den Fall, dass es dir mal wieder die Sprache verschlägt? „Nein, es ist halt nur ein schlechter Zeitpunkt." Wie jetzt, schlechter Zeitpunkt? Meinst du, Julia hat Romeo nach dem Zeitpunkt gefragt? „Aber die hatte auch keine wichtige Prüfung an der Uni und die Präsentation ist auch noch nicht gelaufen. Selbst wenn wir zusammen kämen…" Das zweifelst du noch an? Rokko freut sich ein Loch in den Bauch, wenn du zu ihm gehst und offen mit ihm sprichst. „… dann hätte ich keine Zeit für ihn. Ich muss doch lernen." Ich könnte immer noch mit der Stirn auf die Tischplatte schlagen, das ist doch zum Mäuse melken. Irgendwann hebe ich mal ihre Schädelplatte an und sehe in ihren Kopf, um zu erfahren, wie sie tickt. Andererseits hat sie vielleicht Recht. Wenn die erstmal zusammen sind, lässt Rokko sie bestimmt nicht mehr los und dann wird's schwierig, in die Bücher zu gucken. Aber egal, dann hat Lisa eben auch mal ein Zeugnis ohne Einsen, davon geht die Welt doch nicht unter. „Das geht doch nicht. Das ist zuviel auf einmal. Soviel gleichzeitig kann ich nicht. Da kann ich mich nicht auf alles gleich konzentrieren." Natürlich kannst du das. Du bist doch eine Frau und die Werbung will uns doch immer weismachen, dass ihr Frauen gleichzeitig telefonieren, am Computer arbeiten, einen Kaffee trinken, euch nach einem Stift bücken und menstruieren könnt. „Jürgen!!" Upps, Lisa Prüderie Plenske würde mich gleich zurecht stutzen. „Ich denke, du kennst mich so gut. Dann wüsstest du, dass ich allerhöchsten menstruieren plus eine weitere Tätigkeit hinkriege, ohne im Chaos zu versinken." Wie wahr, wie wahr. Trotzdem solltest du Rokko nicht solange warten lassen. Ich werde das also in die Hand nehmen müssen und vielleicht hole ich den geläuterten David mit ins Boot und wenn's ganz dicke kommt auch noch Helga. Das muss doch irgendwie zu wuppen sein.

Kurz: Es liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor mir, bevor mein bester Freund und meine beste Freundin endlich mein bestes Paar sind…

Berlin, 14. April 2006

Ich sollte eine Couch in meinen Kiosk stellen – dann hätten es die Verliebten, die mir ihr Herz ausschütten bequemer! Rokko war heute da und hat mir mit seinem debilen Lächeln und seiner Schwärmerei von Lisa sämtliche Kunden vergrault. Lisa ist auf ihrem Back-to-the-roots-Trip: Sie hat ihren Dutt zusammen mit David ad acta gelegt und heute hatte sie zum ersten Mal wieder ihre knielangen Hose an, was bei Rokko sofort eine Begeisterung für ihren Mut und ihre Authentizität ausgelöst hat. Man, ging der mir dezent auf die Nüsse. Ich kann es nicht mehr hören, es wird Zeit, dass die beiden zusammenkommen! Vielleicht solltest du jetzt doch auf Lisa zugehen. Sonst kannst du bis ans Ende deiner Tage warten, dass sie in die Puschen kommt. Glücklicherweise kam Rokko alleine auf die Idee, Lisa zum Mittagessen einzuladen, wenn ich mir darüber jetzt hätte auch noch den Kopf zerbrechen müssen… Ich tüftele nämlich schon den ganzen Tag am ultimativen Plan… Jürgen Amor Decker ist dann auch was eingefallen, als David ihn mal wieder aufsuchte. „Man, wenn die nicht bald zusammenkommen, stoße ich sie mit den Köpfen zusammen. Immer wenn sie nicht hinsieht, sieht er sie an und wenn er nicht guckt, guckt sie ihn an. Und das sind definitiv nicht die Blicke, die sagen: Ich will nur wissen, ob du noch da bist. Wenn sie knutschen oder sich wenigstens bei den Händen halten würden, dann würden sie ihrer Umwelt nicht so penetrant auf die Nerven gehen… Wenigstens von ihrem Siezerei-Trip könnten sie runterkommen, das ist total daneben, wo doch jeder sehen kann, dass sie sich lieben." Sag mal, David, Lisa und du, ihr seid doch jetzt Freunde. Und du willst wirklich, dass sie glücklich ist – auch wenn sie das nicht mit dir ist. „Natürlich." Und nehmen wir mal an, Rokko und Lisa würden heiraten, würdest du dann kurz vor dem Ja-Wort der Braut in die Kirche stürmen und ihr sagen, dass sie lieber dich heiraten soll? Würdest du dabei zusehen, wie Lisa Rokko den Verlobungsring wiedergibt und sie dann vom Fleck weg heiraten? „Nein, natürlich nicht – ich würde dabei viel lieber den Trauzeugen geben. Aber findest du nicht, dass du da ein bisschen voreilig bist, müssten wir nicht erstmal dafür sorgen, dass die zwei miteinander gehen, bevor wir sie verheiraten?" Ja, genau. Also, sperr die Lauscher auf, hier kommt der Plan: Morgen Abend ist doch die Präsentation, ja? Und die letzte S-Bahn zu Lisa fährt um Mitternacht. Du musst es so hinkriegen, dass Lisa und Rokko ihre Bahn verpassen, aber sonst niemand mehr da ist, um sie zu fahren – auch du nicht. David schien meinen Plan nicht wirklich zu kapieren. „Würde sie noch in Göberitz wohnen, würde die letzte Bahn um 23 Uhr fahren…" Ja, aber Göberitz liegt nicht in der Nähe von Rokkos Wohnung. Du glaubst doch nicht, dass er sie alleine durch das nächtliche Berlin laufen lässt! Langsam ging David ein Licht auf. „Du bist ja durchtrieben. Aber das ist gut. Du kannst dich auf mich verlassen, das kriege ich hin." Bleibt ja nur zu hoffen, dass Rokko seine Chance zu nutzen weiß…

Berlin, 16. April 2006

Wir sind auf der Zielgeraden! Wir können das Band, das es zu durchlaufen gilt, schon sehen. David hat es gepackt und zwar genauso wie geplant. Sylt scheint ihm in Bezug aufs erwachsen werden und aufs sich erwachsen verhalten, geholfen zu haben. Es ist alles so gekommen, wie wir das geplant haben: Es fuhr keine S-Bahn mehr, als Lisa und Rokko nach Hause wollten. Der ärmste Rokko – blieb ihm doch nichts anderes übrig, als Lisa nach Hause zu bringen… Bis vor ihre Wohnungstür hat er sie gebracht – guter Junge. Und dann… hat er ihr erst gesagt, wie schön er den Abend fand und dann hat er ihr über die Wange gestreichelt und dann hat er nach ihren Händen gegriffen. O-Ton: „Damit Lisa mir keine knallen kann, wenn sie den Kuss nicht will." Hehe, so ein Komiker unser Rokko, als hätte Lisa diesen Kuss nicht gewollt… Ja, und dann hat er sich langsam vorgebeugt und Lisa geküsst: „Erst ganz sanft und dann immer leidenschaftlicher. Jürgen, ich hatte den ganzen Bauch voller Schmetterlinge, ich dachte, ich würde mit ihnen abheben." Und dann? Nichts. Er ist halt ein Gentleman unser Rokko. David war ja ein bisschen angesäuert: „Der ganze Aufwand für einen Kuss und nichts weiter?" Naja, erwachsen wird man langsam, oder? Wir reden hier von Lisa, die hat in diesen Dingen ihre ganz eigene Zeitrechnung, das weißt du doch. Vielleicht war er auch nur angefressen, weil er noch viel weniger gekriegt an – er musste nämlich alleine nach Hause gehen…mitleidsvolles Ohhh. Aber ein bisschen neidisch bin ich zugegebener Maßen auch. So eine Knutscherei würde ich mir auch mal wieder gefallen lassen… Ich habe mich damit abgefunden, dass das mit Sabrina nie was wird. Die plant gerade ihre Hochzeit mit dem Brahmzwerg. Irgendwie haben die zwei sich auch verdient und das lebenslänglich… Oh man, bin ich frustriert, ich sollte wenigstens versuchen, mich für Sabrina zu freuen…

Eins habe ich mir nach diesem Tag aber vorgenommen: Ich werde dieses Glockenspiel an meiner Tür abbauen. Believe it or not, I'm walking on air – schon wieder und so oft… Nach Feierabend kam Rokko noch mal, um mir von seinem Glück vorzuschwärmen und mit mir zu erörtern, wie man den Zustand ihrer Beziehung jetzt nennt – sind sie zusammen oder doch nicht, wie soll er jetzt weitermachen… Man könnte meinen, du hast keine Erfahrung mit Frauen. „Mit Frauen schon, aber mit der wahren Liebe sieht es da nicht so gut aus." Aha, und da dachtest du, gehst du mal zum guten alten Jürgen, der kennt die Lisa ja schließlich am besten. Nee, nee, angeschubst hab ich euch, aber den Rest macht ihr mal schön alleine. Das ist Chancengleichheit. Andere müssen ihre Herzallerliebste auch alleine erobern. Und da ging die Tür wieder auf: Lisa! Sie blieb stehen und sah Rokko und dann hat sie ihr Kernwaffenlächeln aufgesetzt – genau wie er. „Ha…Hallo", kam es von ihr. Na bravo, die Unsicherheit hat sie gepackt, das kann ja heiter werden. Du bist bestimmt wegen deines Fresspaketes hier. Das ist aber eine Ausnahme, dass das klar ist. Lisas Prüfung ist in zwei Tagen und damit sie nicht verhungern muss, hat sie mich gebeten, ihr etwas vom Großmarkt mitzubringen. Naja, da wollte ich mal nicht so sein… Ich zog also die Tüte unter meinem Tresen hervor und gab sie ihr, aber sie hing mit den Augen an Rokko und der hing mit seinen Augen an ihr. Hallo, ich bin komplett nackt und tanze Samba – keine Reaktion. Die hat's echt erwischt. „Ähm, schön Jürgen. Ich muss dann mal. Tschü-üss." Lisa drehte sich um und wollte gehen, als ich sie noch mal rief: Hier. Die hättest du fast vergessen. Ich warf ihr eine Tüte mit Brötchen zu, die sie nur mit Mühe und Not fing. „Hast du gerade mit einem Gegenstand nach mir geworfen?" Ja, nun stell dich nicht so an. „Du weißt doch ganz genau, dass das meistens zu schweren Verletzungen für mich und meine Umwelt führt." Ich dachte, dass gilt nur für Medizinbälle…

Lisa war also gegangen und Rokko wieder einigermaßen ansprechbar. „Was war denn in der Tüte?" Ihre Verpflegung bis zur Prüfung. Und da kam sie mir, die genialste Idee aller Zeiten: Och Mist, ich habe ihr nicht alles gegeben. Kannst du das nicht machen? Sonst hat sie morgen nichts zum Frühstück. „Klar mach ich das." Blöd nur, dass ich dann ganz schön ins Trudeln kam, weil ich ihr alles gegeben hatte und so meinen eigenen Kühlschrank plündern musste, um diese Tarnung aufrecht zu erhalten. Hungern für den guten Zweck. Ich kann ja so selbstlos sein…

Berlin, 18. April 2006

Führt Sex immer zu einer Beziehung, so wie eine Beziehung immer zu Sex führt – außer man ist erst 8 und die Hochzeitstorte bestand aus Sand, dann wäre Sex irgendwie unpassend… Aber wenn man sich liebt, dann sollte der erste gemeinsame Sex wohl schon zu einer Beziehung führen, oder? Diese Frage beschäftigte heute zwei Menschen unabhängig von einander, die in der letzten Nacht Sex hatten und zwar miteinander.

Gestern Morgen ist Rokko also ganz artig zu Lisa und wollte ihr Frühstück bringen. Ich bin natürlich sofort aufgeflogen, aber Lisas Anblick war wohl Entschädigung genug. Sie stand da, total verstrubbelt in der Tür und es klebte ein Zettel an ihrer Wange. Rokko hat ihn abgemacht und geschmunzelt: „Ab Seite 100 weiterlesen? Wo ist denn Ihre Seite 100?" Die zwei sind schon speziell… und immer noch beim Sie… „Ich bin auf einem meiner Bücher eingeschlafen. Möchten Sie vielleicht mit mir frühstücken, wenn Sie sich schon den Weg gemacht haben? Genug ist ja da – für mindestens 3 Tage…" Also haben die zwei gefrühstückt und dann hat Rokko Lisa abgehört. „Eigentlich war das völlig sinnlos, weil ich keine Ahnung von dem habe, was sie da lernt. Außerdem konnte sie das alles." Aber das ist doch unwichtig, solange du bei ihr bist, nicht? Erwischt. Zum Mittag blieb Rokko dann auch. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Lisa etwas Sinnlicheres eingepackt als Dosentomaten und geriebenen Käse. „Es gab Rokkos selbstkreierten Nudelauflauf", hat Lisa geschwärmt. Menno, wenn Nudeln so erotisch sind, probiere ich das auch mal… „Haben…haben Sie vielleicht Lust auf einen Spaziergang?" hat Lisa danach gefragt. „Gut, dann geh ich mich mal anziehen." Damit Rokko nicht zu sehr auf unanständige Gedanken kommt, hat er abgewaschen… Wenn's hilft. Danach wurde ganz züchtig weitergelernt – wieder zusammen. Wieso hast du Rokko denn nicht nach Hause gehen lassen? „Was heißt denn hier nicht gehen lassen? Er schien nicht genervt zu sein oder so. Außerdem war es schön, dass er da war." Aha. Und dann?

Schon seltsam, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Wenn man Rokko glaubt, dann sind sie nach dem Abendessen mit einem Glas Wein ins Wohnzimmer auf die Couch und haben sich angeregt unterhalten – bis die Spannung unerträglich war und er sie einfach küssen musste. Danach sind sie dann „wie die Tiere über einander hergefallen". Wenn man Lisa glaubt, dann ging das nach dem Kuss so weiter: „Er war so liebevoll, so zärtlich, so rücksichtsvoll". Also ich stelle mir das so vor: Zuerst wurde heftigst geknutscht und dann flogen die ersten Klamotten ziemlich rasant. Ich glaube, dass Lisa angefangen hat, weil Rokko sie bestimmt nicht zu irgendetwas drängen würde. Als erstes hat sie ihn vermutlich von seiner Krawatte befreit – an der bleibt ihr Blick immer hängen, am Anfang fand sie es doof, dass er seine Krawatten so trägt, aber mittlerweile findet sie es faszinierend, so dass sie dort immer hinsehen muss. Dem folgte dann höchstwahrscheinlich ziemlich schnell sein Hemd, ihr Pullover, seine Hose, ihr Rock und dann wurde es bestimmt wieder langsamer. Vorsichtig werden sie gegenseitig ihre Körper erkundet haben und ich bin mir ganz sicher, dass Rokko Lisas OP-Narbe am Bauch mit besonders liebevollen Küssen bedacht hat, dass er ihr gesagt hat, wie einzigartig und wie schön sie dadurch ist. Und dann… Kopfkino aus. Ich bin Jürgen Decker, nicht Beate Uhse. Aber sehr schön war es, da waren sich beide einig. Auch beim Gespräch danach gab es nur Übereinstimmungen. Lisas Sofa ist ja nu ein bisschen klein, um nebeneinander zu liegen, darum musste Samariter Rokko Lisa ganz fest an sich ziehen. Das hat ihm bestimmt viel ausgemacht – so viel Körperkontakt, wenn man verliebt ist, wer will das schon…?! Hach, Neid. Rokko fand als erster Worte, immer noch atemlos sagte er: „Wow, du bist in allen Lebenslagen eine leidenschaftliche Frau… Wenn das die Behandlung für Leute ist, die du nicht leiden kannst, dann will ich ja nicht wissen, was du mit Leuten machst, die du gerne hast." Tja, andere geben sich nur ein Küsschen, um beim Du anzukommen… „Du weißt genau, dass ich dich sehr gerne habe." – „Weiß ich das?" – „Ich bin doch nur so abweisend gewesen, weil… weil ich mir nicht mehr wehtun lassen wollte. Ich habe viel zu lange verleugnet, dass ich mich in dich verliebt habe. Im Prinzip wusste ich es schon bei unserem Streit, aber ich konnte es mir nicht eingestehen." – „Da hatte ich ja Glück, dass du so eine schlechte Lügnerin bist, sonst würden wir unseren Eiertanz immer noch aufführen. Ich weiß, das wird dir deine Ängste nicht nehmen, aber ich werde alles dafür tun, dir nicht weh zu tun." Stille. Nur die Gegenwart des anderen genießen und dann: „Lisa? Was hältst du davon, wenn wir in dein Schlafzimmer ‚umziehen'? Da hätten wir es vielleicht bequemer." – „Hast du es denn hier nicht bequem?" – „Doch. Ich meine, noch bequemer." – „Muss ich dich dafür loslassen?" – „Ich schätze schon." – „Dann würde ich lieber hier liegen bleiben."

Heute Morgen saß Rokko hier und war total verzückt von letzter Nacht: „So hätte mein erstes Mal sein sollen." Und, hast du ihr das auch gesagt? „Nee, ich wollte sie nicht überfordern." Aber dass du sie liebst, hast du ihr gesagt? „Ja, natürlich." Gut, sonst würde ich dir diesen Kaffee jetzt in den Schoß gießen, aber so gebe ich ihn dir in die Hand. Ist doch nett von mir, oder?

Nach ihrer Prüfung kam Lisa und dann bekam ich das gleiche noch mal zu hören – nur ein paar Oktaven höher: „So habe ich mir mein erstes Mal vorgestellt." Und weil mein Hirn wie ich ziemlich faul ist, habe ich dann die gleichen Worte benutzt wie am Vormittag: Und, hast du ihm das gesagt? „Nein, ich will ja nicht, dass er mich für eine klammernde Mutti hält – so wie…" David? Also, wenn du mich fragst, dann kann Rokko es gar nicht erwarten, dass du deine ganze Warmherzigkeit an ihm auslässt. „Jürgen, so wie du mich ausfragst, könnte man meinen, du willst omnipräsenter Ich-Erzähler meiner Geschichte werden." Och nö, verlässlicher personaler Ich-Erzähler würde mir schon reichen. Hihi, wenn sie wüsste, wie dicht sie dran war… Ich dachte, du machst einen Kurs in Wirtschaft und nicht in Literatur. Aber nun mal konkret, hast du Rokko gesagt, dass du ihn liebst? „Ja, natürlich." Gut, weil… Weiter kam ich allerdings nicht, denn Rokko war gekommen: „Lisa, da bist du ja. Wie war deine Prüfung?" Sie standen sich wie die verklemmten Teenager gegenüber. „Gut, alles gut gelaufen." Okay, Leute, ich dreh mich mal diskret zur Seite, dann könnt ihr euch ganz züchtig umarmen.

Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass wir nicht miteinander reden, dann hätten wir den Mund direkt am Magen, dann müsste das Essen nicht so einen langen Weg zurücklegen. Und wenn der liebe Gott nicht gewollt hätte, dass wir mit anderen übereinander reden, damit die als Vermittler dienen können, dann hätte er keine Jürgen Deckers in die Welt gesetzt. Ich sehe mich also als göttliches Werkzeug und ich habe eine Mission: Rokko und Lisa brauchen etwas Zeit für sich, nur für sich, keine Störungen von außen. Sie müssen mal ganz in Ruhe und ganz ehrlich miteinander reden können.

Was Robin für Batman ist, ist David für Super-Jürgen. Wir haben mal wieder konspiriert und haben jetzt den ultimativen Zusammenführungs-Ausprech-Plan.

Berlin, 20. April 2006

Für diesen Kraftakt habe ich einen Orden verdient!! Ja, ich, Jürgen Decker, Lebensberater, Verkuppler und Kioskbesitzer, habe es geschafft! In einem Kraftakt ungeahnten Ausmaßes, aber ich habe es geschafft: Mein bester Freund und meine beste Freundin sind zusammen – offiziell und glücklich. Endlich. Das war ja schon kein Zustand mehr.

Gestern Morgen ging meine göttliche Mission los: Ich habe David angerufen und ihn zum Einkaufen geschickt – Kerzen, Häppchen (nicht zu dekadent, aber stilvoll), was Leckeres zu trinken und – nicht zu vergessen – Marmorkuchen, möglichst nicht aus dem Supermarkt. „Was genau hast du denn jetzt vor?", fragte David mich entnervt, als er voll bepackt zu mir kam. Der semiobskure, schwer konspirative Plan lautete: Mein Hinterzimmer romantisch dekorieren, Lisa und Rokko dahin locken, hinter ihnen abschließen und sie erst wieder rauslassen, wenn sie sich richtig ausgesprochen haben. „Und du glaubst, das lassen sie einfach so mit sich machen?" Nein, natürlich nicht, aber nun streng doch mal deine Fantasie an! Ich habe Rokko für heute Abend hierher bestellt und du musst Lisa unter einem Vorwand her locken und dann… verschwörerischer Blick… schlagen wir zu. „Nee, nee. Mach das mal alleine. Hier hast du die Einkäufe, aber aus dem Rest halte ich mich raus." Zu spät, du hängst mit drin. Immerhin ist Lisa ja nur deinetwegen so gehemmt. „Meinetwegen?" Ja, weil du sie so mies behandelt hast und jetzt kriegst du die Chance das wieder gut zu machen. „Gut, aber dann stellen wir ihnen meine Villa zur Verfügung, die ist schicker." Denk doch mal nach, die ist so groß, da können sie sich aus dem Weg gehen. Das geht nicht. „Und Lisas oder Rokkos Wohnung?" Feindliches Terrain. Nee, auch nicht. Mein Hinterzimmer ist toll: Klein, intim und neutrale Zone. An diesem Teil kannst du nicht mehr 'rumkritisieren. Das bleibt so. „Und was wird aus dir?" Ja, aus mir… Gute Frage. Nach Göberitz, zu meinen Eltern? „Nein, wir machen uns einen anständigen Männerabend – Tiki-Bar, Junk-Food, Computerspiele. Und pennen kannst du bei mir auch." Klasse. Also abgemacht.

Der Rest flutschte dann nur noch so: Ich habe also mein Zimmer romantisch dekoriert, das Telefon ausgestöpselt, damit es nicht zu unerwarteten Störungen kommt und kaum war ich damit fertig, kam Rokko zu seinem Feierabendbesuch – ohne Lisa im Schlepptau. David hatte also Schritt 1 umgesetzt und sie bei Kerima festgehalten. Super, das lief ja wie geschmiert. Ich erzählte Rokko also ganz beiläufig, dass ich mein Zimmer umgeräumt hätte und gerade, als er neugierig genug war, um es sehen zu wollen, klingelte das Telefon. Decker. „Sie hat's geschluckt und ist auf dem Weg zu dir." Danke für die Information. Okay, jetzt kam der schwierige Teil. Geh doch schon mal vor, ich mach noch schnell die… Abrechnung, genau die Abrechnung. Da brauche ich Ruhe für und in ein paar Minuten bin ich bei dir und mache die Schlossführung, okay? Gut, dass niemand Intrigen von mir erwartet, sonst wäre Rokko bestimmt nicht so seelenruhig in mein Zimmer gegangen. Ich ging also in Deckung. David sollte Lisa erzählen, dass sie ganz dringend zu mir kommen müsste, es ginge um Leben und Tod – kaum war ich hinter meinem Tresen verschwunden, ging die Tür auf: „Jürgen?" Und schwupps war sie durch die Tür in Richtung Hintertür unterwegs, ohne mich gesehen zu haben. Ich hörte, wie die Tür zu meinem Hinterzimmer ins Schloss fiel: „Ha…Hallo Rokko. Ist Jürgen gar nicht hier? Solltest du auch dringend hierher kommen?" Und ratsch – Tür abgeschlossen. So ihr zwei, jetzt hört mir mal zu: ihr werdet euch jetzt gefälligst gegenseitig ins Gesicht sagen, was ihr sonst mir immer sagt. Ich lasse euch erst hier raus, wenn ihr euch ausgesprochen habt. Das Feuerzeug liegt auf dem Nachttisch, dann könnt ihr für romantische Stimmung sorgen. Unter dem weißen Tuch auf dem Tisch findet ihr etwas zu essen. Ich hörte keine Widerworte?! Hatten die vielleicht schon angefangen zu knutschen? Na umso besser. Also, eine schöne Nacht.

Danach bin ich in die Tiki-Bar, da saß David schon und kippte einen Whiskey: „Und? Hat alles funktioniert?" Ein paar Drinks später hatte er schon ziemlich einen in der Krone: „Weißt du, ich beneide diesen Kowalski für seinen Mut." Wie jetzt, Mut? „Na, dass er den Mut hat so zu Lisa zu stehen. Ich hatte den nicht, ich habe sie verbiegen wollen." Ich weiß, aber warum erzählst du mir das? Du hast dich doch nicht… „Wieder in sie verliebt? Nein, aber sie bedeutet mir immer noch viel… sie wäre doch fast die Mutter meines Kindes geworden. Ich war so mies zu ihr und sie verdient dieses Glück so, aber was ist denn mit mir?" Alter Egoist, du hast doch alles – ein tolles Auto, eine Villa, eine Einlegerwohnung bei deinen Eltern, Ferienhaus auf Sylt, schlecht aussehen tust du auch nicht. „Und warum liebt sie mich dann nicht mehr?" Weil sie jetzt Rokko liebt. „Und Mariella?" Die liebt jetzt Lars. „Und wer liebt mich?" Irgendwo da draußen läuft bestimmt eine rum, die dich lieben wird. „Und wann finde ich die?" Oh man, mag ja sein, dass Rokko und Lisa einen schönen Abend hatten, aber ich war mit einem betrunkenen, sich im Selbstmitleid suhlenden Bonzensprössling gestraft und musste ihn auch noch nach Hause tragen. Wenigstens konnte ich so mal seine schicke Karre fahren. Gedaddelt habe ich dann alleine – mit David war ja nicht mehr viel anzufangen…

Heute Morgen war David zu noch viel weniger zu gebrauchen – Kopfaua, da konnte er einem fast leid tun. Ich sollte ihm zwar laute Geräusche ersparen, aber ich musste ihm noch mal wegen unseres Gesprächs am Vorabend auf den Zahn fühlen: Willst du noch etwas von Lisa? „Ich trauere einfach nur der verpassten Chance hinterher. Mit Rokko, da lacht sie und da ist sie so unbeschwert. So war sie mit mir nie und ich freue mich für sie – zumindest versuche ich das so gut ich kann, aber… ich hätte halt auch gerne jemanden." Besser die Einsicht kommt spät als nie. „Vielleicht bin ich nicht für feste Beziehungen gemacht. Ich meine, Mariella habe ich unentwegt betrogen und Lisa habe ich im wichtigsten Moment hängen lassen." Ach quatsch, wenn die große Liebe kommt, wirst auch du sesshaft und bis dahin genießt du erstmal deine Freiheit. So einen Männerabend können wir ja dann öfter mal machen, ich glaube nämlich, dass Rokko und Lisa ihre Freizeit demnächst nicht mehr sooft mit mir verbringen werden… „Deal!" Ich muss dann mal – meinen Kiosk öffnen und gucken, ob die beiden die Nacht gut überstanden haben. „Hast du daran Zweifel? Wenn nicht, dann ist ihnen auch nicht zu helfen. Warte, ich bitte Gabrielle noch schnell ein Frühstück für die zwei zusammenzustellen."

Zurück in meinem Kiosk schob ich als erstes den Kopf durch die Tür zu meinem Hinterzimmer. Nein wie süß: Eng aneinander gekuschelt lagen sie da und schliefen noch immer friedlich. Hach schön. Okay, nicht kitschig werden, Decker, das steht dir nicht und führt dir nur die Erbärmlichkeit deines eigenen Liebeslebens vor Augen. Leise und vorsichtig hab ich das Frühstück aufgebaut und bin dann in meinen Verkaufraum. Abgeschlossen hab ich das Hinterzimmer diesmal nicht, schließlich wollte ich mein Reich auch irgendwann wiederhaben.

Am späten Vormittag ging die Hintertür meines Kiosks auf und Roksa kamen breit grinsend hinein. „Morgen, Jürgen." Ach nee, sieht man sich auch schon. Habt ihr euch ausgesprochen? Zwischen zwei Küssen bekam ich dann eine positive Antwort. Schön. Knutscht ihr jetzt vor meinen Augen, um mich neidisch zu machen oder um mir zu zeigen, dass mein Plan aufgegangen ist? „Eigentlich wollten wir nach Hause und es uns da schön machen." Und warum seid ihr dann immer noch hier? Rokko begann zu grinsen: „Du solltest deine Matratze verbrennen, das wollten wir dir nur noch sagen. Mach's gut." Lisa zog ihn schon an der Hand zur Tür raus. Okay, das wollte ich jetzt so was von gar nicht wissen. Hab ich eigentlich richtig gesehen? Hatte Lisa da einen Knutschfleck am Hals? Lisa und ein Knutschfleck, das hat bisher ja immer gepasst wie Schokolade und Mayonnaise. Wenigstens passte er ganz gut zu Rokkos eigenem…

Der Rest des Tages war ruhig. Kurz nach dem Mittag kam eine junge, dunkelhaarige Frau und fragte in gebrochenem Deutsch wie sie zur Uni kommt. Endlich hat Kioskbesitzer Jürgen Decker zurück zu seiner ursprünglichen Berufung gefunden.