Kapitel 4
.
Als sie an der Fähre ankamen, die sie nach Alaska, zu den Denalis bringen sollte, hielt Jasper abrupt das Auto an.
"Jetzt reichts. Irgendwas stimmt da nicht."
Edward runzelte die Stirn, und ließ von Bella ab. Offenbar versuchte er, Jaspers Gedankengänge nachzuvollziehen.
Bella passierte etwas, das einem Frösteln sehr nahe kam. Ihr Körper war zu derlei nicht mehr fähig. Schon während der Fahrt fiel ihr auf, dass Jasper Sie immer wieder ungläubig anstarrte. Seine gelben Augen blickten dabei so starr, dass Sie Angst bekam.
Nach und nach waren auch die anderen mit ihren Autos angekommen. Um die Straße nicht zu blockieren, und mit den großen Wägen zumindest etwas weniger aufzufallen, suchte sich jeder Fahrer einen Parkplatz. Nach einer Minute standen alle um den Cabrio herum.
"Bella.", murmelte Edward dicht an ihrem Ohr. "Links auf dem Wasser, das Fährboot, am Horizont. Kannst du die Flagge erkennen? Und den Schiffsnamen?"
Bella musste unwillkürlich lächeln. "Natürlich kann ich!" Darum also ging es, ihre Familie zweifelte an ihren Vampirfähigkeiten? Beiläufig ließ Sie den Blick über die Bucht schweifen.
"Beschreib es.", forderte Edward so drängend, dass Sie nicht weiter nachfragte. Etwas Wichtiges ging hier vor, spürte sie. "Rot-weiße Flagge mit schwarzem Dreieck, und das Schiff heißt San Marino."
Edward und Jasper tauschten einen Blick.
"Das beweist noch gar nichts.", murmelte Jasper. "Und es erklärt nicht, warum ich von Bella keine Gefühle aufschnappe."
Emmett richtete sich auf. Plötzlich sprach aus seiner Körperhaltung Bedrohung. "Du meinst, Sie liebt ihn nicht mehr?"
Bella schrie leise auf. "Nein! An meinen Gefühlen für Edward hat sich seit der Verwandlung nichts geändert!"
Carlisle blickte ihr forschend ins Gesicht. "Vielleicht hat sich etwas anderes geändert. Was fühlst du genau, Jasper?"
Der blonde Vampir ließ sich Zeit mit der Antwort. Schließlich antwortete er langsam: "Es ist, als würde nur Edward im Auto sitzen. Ich kann nicht eine einzelne Gefühlsregung von Bella wahrnehmen. Es ist, als wäre sie tot."
Alice ging um das Auto, und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Das liegt nicht an dir. Ich kann auch nichts aus Bellas Zukunft sehen. Ich dachte erst, das läge daran, dass sich noch eine neue Zukunft bilden muss für Sie. Sie ist der erste neugeborene Vampir den ich erlebe. Aber jetzt glaube ich, dass unsere Gaben aus dem gleichen Grund bei Bella nicht funktionieren."
"Bitte!", flehte Bella, und blickte ihnen reihum in die Augen. "Ihr müsst mir glauben: Ich liebe Edward."
Esme hielt ihren Blick fest. „Deine Augen sprechen für dich. Sie sind so schön wie immer, auch wenn ich ihre Farbe nicht verstehe."
„Wie?" Bella suchte unwillkürlich ihren eigenen Blick im Rücksiegel.
Neben Jaspers hellwachen und misstrauischen Augen blickte Sie ihr eigenes braunes Paar an. Ihr schneller Verstand begriff sofort. „Sie sind nicht rot!" Erschrocken starrte sie zu Edward.
„Müsste nicht mein eigenes Blut sie rot einfärben?"
Carlisle antwortete: „Das müsste es. Bella, von der Meerseite weht der Wind Menschengeruch näher."
Bella nickte, das hatte sie auch schon gerochen.
„Was fühlst du bei dem Geruch?" Carlisle war ganz Arzt.
„Hmm… es klingt feucht. Saftig. Aber ich habe keinerlei Verlangen danach."
Jasper, der schon aufspringen wollte, ließ sich in den Fahrersessel zurücksinken. „Nicht normal.", murmelte er.
Carlisle wiegte nachdenklich den Kopf. "Es wäre möglich. Alte Mythen berichten von Hexen - Menschen, die besondere Gaben haben, und, so hieß es, die Möglichkeit, nach dem Tod zu wählen, ob sie die Welt verlassen wollen." Er schwieg, und fuhr sich durch die Haare.
„Darüber hast du während der Fahrt immer wieder nachgedacht!", erkannte Edward. „Euer Mercedes war teilweise zu weit weg, und dann wieder hast du anderes im Sinn gehabt."
Carlisle nickte, ohne sich ablenken zu lassen. „ Wenn diese Erbanlagen in Bellas Mutter und Vater latent vorhanden waren, könnte Bella die erste Hexe seit circa 1500 Jahren sein, die geboren wurde."
Edward starrte Bella mit kugelrunden Augen an. "Bella!", seufzte er glücklich.
Bella warf einen raschen Seitenblick zu Edward, bevor sie Carlisle intensiv anstarrte.
"Das heißt, es wäre möglich, zurück zu Charlie zu gehen!? Ich muss ihm nur verheimlichen, dass ich nichts esse." Es war an Bella, zufrieden zu seufzen.
Und sofort fing Esme an, ihr mütterlich nützliche Tipps zu geben. "Steh morgens erst auf, wenn Charlie schon weg ist. Nimm dein Abendessen mit aufs Zimmer. Sage, du hast auswärts gegess..."
Alice murmelte gedankenverloren. "Eine Hexe. Klar, dass ich jetzt nichts mehr von ihrer Zukunft sehe. Mit Geistern und Hexen habe ich überhaupt keine Erfahrung."
Emmett kicherte: "Krass. Erst bist du eine menschliche Hexe, jetzt vampirischer Geist." Er stupfte Bella in die Schulter. "So jemand wie dich gibts nur einmal... Schwesterchen. Wann willst du denn in Edwards Bett einziehen?"
Edward schnappte empört nach Luft wegen der Wortwahl. An seiner Seite wunderte sich Bella nur immer noch darüber, dass ihr neuer Körper so etwas Menschliches wie Erröten tatsächlich nicht mehr machte.
Jasper kicherte.
Carlisle nickte, und fasste Esmes Hand. "Dann ist es beschlossen. Wir fahren zurück. Bella, du wirst so oft wie möglich bei uns sein.." - sie jauchzte- "..damit die Wahrscheinlichkeit, dass du entdeckt wirst, niedriger ist. Macht am besten die Schule fertig; und dann kannst du offiziell zu uns ziehen."
"Wenn du willst.", fügte Jasper an, und über sein Gesicht zog ein Schatten dessen, weswegen diese Ereignisse überhaupt ins Rollen kamen.
"Natürlich will ich!", begehrte Bella, und drückte Jaspers Schulter. "Du fühlst es nicht, aber in mir sind Gefühle! Und sie sind alle glücklicher Natur. Ich bin dir wirklich nicht böse."
Er grinste sie schüchtern an.
Da kam Bella ein Gedanke, der ihre schönen Zukunftspläne grau einfärbte.
Rasch nahm sie Edwards Hand, bemüht, nicht zu fest zu drücken, und brachte ihr Gesicht vor seines. "Du liebst mich doch noch? So wie ich bin?"
Seine Stirn, die bis jetzt leicht gerunzelt war, glättete sich, sein Gesichtsausdruck wurde ganz weich. Statt einer Antwort zog er sie ganz nahe, und drückte seine kalten Lippen auf ihre kalten.
Bella nahm für einen kurzen Moment wahr, dass seine Lippen sich, genauso wie seine Hände, nicht mehr kalt anfühlten. Dann übermannten sie die bekannten Lustgefühle, und sie klammerte sich heftig an Edward.
Emmett lachte schallend auf.
Nur langsam löste sich das glückliche Liebespaar voneinander.
Und als die anderen in ihre Autos zurückgekehrt waren, und Jasper den Wagen wendete, saßen sie immer noch wie im Glück versunken auf der Rückbank, die Hand eng verschränkt mit der des anderen.
Und Jaspers Sorgen zerstreuten sich, gingen unter in den seligen Gefühlen, die er von Edward empfing. Es sah nicht so aus, als würde Edward irgendwas von der Welt um sich wahrnehmen.
Während die Wagen sich auf der Straße nach Süden, nach Forks, einordneten, dankte es Jasper, dass er mit seinem Glückspilz - Bruder im Auto sitzen durfte.
Bella dachte an Charlie, den Sie bald wiedersehen würde, und war froh, dass er Sie nicht zwingen würde, ihn zu umarmen. Er brauchte nicht zu erfahren, was in dieser einen Nacht alles geschah, und er würde es auch gar nicht wissen wollen. Den Kopf an Edwards Schulter lehnend, und den Himmel beobachtend, dachte sie, dass so ihre Existenz noch 1000 Jahre weitergehen konnte.
.
.
Epilog
.
Damit hatten sich alle Wünsche von Bella erfüllt. Sie war ein Vampir. Nun, so gut wie. Sie war an Edwards Seite. Für immer. Sie musste Charlie nicht aufgeben. Und sie brachte ihn nicht in Gefahr.
.
ENDE
.
Hi. Nun, damit habe ich es quasi geschafft, das dritte Buch von zu überspringen und erst am Ende des vierten wieder "einzusteigen". Aber im Ernst, ich bin sehr, sehr froh, dass Stephenie Meyer es sich nicht so "einfach" machte, und uns das Twilight-Universum in voller Länge schenkte. :-)
Ich möchte doch Renesmee nicht missen, und die Volturi hat Bella in obiger Geschichte auch nie kennengelernt. Allerdings durchlebte sie nicht jene schrecklichen einsamen Monate ohne Edward. Bleiben Fragen offen?
Ende.
