Kapitel 3: Nanouk

„ Au", rief Jane protestierend und zuckte zurück, als Snape mit einem mit Heilösung getränktem Tuch die langen roten Striemen an ihrem Hals entlang abtupfte, die der Werwolf mit seinen Fingernägeln hinterlassen hatte.

„ Verdammt nochmal, halten Sie endlich still!" fluchte Snape, richtete sich auf und starrte sie funkelnd an. Er beugte sich erneut vor um wieder mit dem Abtupfen zu beginnen, als die vor ihm im Sessel sitzende junge Hexe hastig ihren Kopf zur Seite zog.

„ Miss Mc Kenzie", zischte er mit zusammengebissenen Zähnen in ihr Ohr. Sie zuckte leicht bei seinem scharfen Tonfall. „ Sie waren schon so dumm sich vorhin meiner Anweisung zu wiedersetzen und sind in die Nokturmgasse gegangen. Sie wollen wahrscheinlich weder Narben zurückbehalten noch eine Infektion…daher halten sie jetzt endlich still!"

Zögerlich drehte sie ihm den Kopf wieder zu und er begann einen neuen Versuch ihre Wunden zu desinfizieren. Sie zog bei jeder seiner Berührungen scharf die Luft ein und fixierte ein Bild in der Ecke des Zimmers um sich vom Schmerz abzulenken.

„ Fast fertig", konstatierte er nach einer Weile der Stille, brachte noch etwas Salbe auf, legte ihr mit einem Wink seines Zauberstabs einen Verband an, und richtete sich auf. „ Nun nach dieser außerordentlichen Dummheit sind sie ja nochmal ganz gut davon gekommen. Das hätte schlimmer kommen können!"

Sie drehte ihren Kopf, sah ihm in die schwarzen Augen und reckte ihm mutig das Kinn entgegen „ Wenn SIE, SIE mich nicht alleine gelassen hätten, wäre dass nicht passiert!"

Snape's Gesicht verzog sich wütend „Sie verwöhntes Gör! Woher sollte ich denn wissen, dass Sie als erwachsene Frau noch nicht mal im Stande sind die einfachsten Anweisungen zu befolgen! Sie haben sich benommen wie ein dummes Kind! Wenn Sie zum geplanten Zeitpunkt an der Apotheke gewesen wären und nicht in die Nokturmgasse gegangen wären, dann…..dann wäre das nicht passiert. MEINE Anweisungen sind eindeutig gewesen!"

„ Ach, ja" sagte sie heftig, sprang fast aus dem Sessel und trat nahe an ihn heran bis sie dicht vor ihm stand.

„ Bin ich ihre Untergebene, oder was? Sie hatten noch nicht einmal die Güte mir irgendetwas zu erklären. SIE hätten mit mir gehen können. Wie sie es gesollt hätten."

„ Ich bin kein verdammtes Kindermädchen für verwöhnte Gören" zischte Snape und hielt weiter ihrem Blick stand „ oder.... ah... jetzt weiß ich es. Sie haben es absichtlich gemacht. Sie sind ABSICHTLICH in die Nokturmgasse gegangen um mich in Schwierigkeiten zu bringen!"schrie Snape.

„ Nein bestimmt nicht", sagte Jane beschwichtigend und trat schnell einen Schritt zurück. So war das bestimmt nicht geplant gewesen "Ich…."

„ Was ich? Was wollen sie machen? Mich beim Schulleiter verpetzen gehen? Mich von ihrem Vater verhaften lassen? " fuhr Snape boshaft fort, trat wieder nahe an sie heran und faste sie hart am Kinn.

„ Lassen sie mich los!" sagte Jane und versuchte sich seinem harten Griff zu entreißen.

„ Ach, hat das kleine Mädchen jetzt Angst vor mit?" spottete Snape ließ langsam ihr Kinn los und genoss sichtlich den entsetzten Ausdruck in ihrem Gesicht.

„ Raus!" forderte Jane. „ Raus aus meiner Wohnung! SOFORT!"

Snape spöttelnder Gesichtsausdruck verschwand. Er trat einen Schritt zurück ohne den Blick von ihr zu wenden, drehte sich abrupt um, griff nach seinem Umhang den er achtlos auf den Boden geworfen hatte und rauschte Richtung Tür davon. Ein lauter Knall zeugte davon, dass er auch wirklich gegangen war.


Jane ließ sich wieder in den Sessel sinken und zog die Knie zu sich heran. Was für ein Tag. Endlich fanden die Tränen ihren Weg und heftige Schluchzer schüttelten ihren Körper. Sie verbarg ihr Gesicht in ihrem Schoß.

Nachdem Snape sie in der Nokturmgasse gefunden hatte, hatte er kurz einen Blick über die ihm dargebotenen Szene geworfen, sich dann über den bewusstlosen Werwolf gebeugt und seinen Puls gefühlt. Da dieser nicht ernsthaft verletzt zu sein schien packte er ohne ein weiteres Wort Jane's Handgelenk und hob ihre Einkäufe auf, die der Werwolf nachdem er sie geschnappt hatte, achtlos neben eine Tonne geschleudert hatte.

Mit einem achtlosen Schlenker seines Zauberstabs schloss sich der große Riss in ihrem Kleid und er zog sie am Handgelenk haltend, in der anderen Hand die Einkäufe durch die Nokturmgasse und die komplette Winkelgasse hindurch, während er zwischendurch immer wieder zurückblickte, als ob er sich versichern würde, ob sie noch da sei.

Zu eingeschüchtert und beschämt über ihr Verhalten traute sie nicht auch nur ein Wort zu sagen.

Die einzige Auskunft, die er haben wollte, war wo ihre Wohnung wäre. Dort angekommen ließ er sie nach dem sie seiner Frage nach dem Bad leise nachgekommen war, einfach im Flur stehen und kam letztendlich voll bepackt mit Verbandmaterialien, Heilsalben und Tinkturen wieder und verschwand damit im neben liegenden Wohnzimmer wo er alles auf dem Tisch ausbreitete.

Unfähig irgendetwas zu tun und zu fertig um noch irgendetwas zu realisieren hängte Jane mit zitterten Händen ihren Mantel an den Hacken im Flur und rührte sich erst mal nicht mehr von der Stelle.

Ein sanfte Hand fasste sie dann am Arm und zog sie ins Wohnzimmer, wo sie in einen Sessel bugsiert wurde.

Wahrscheinlich hatte er doch nur gut gemeint. Und natürlich war sie selbst Schuld an dem was passiert war….und sie wollte es sich nicht eingestehen, weil… ach verdammt… Weil dieser Snape so verdammt unverschämt war und sie ihm eins auswischen wollte, weil…

Sie würde sich entschuldigen müssen.

Sie schluchzte weiter in ihren Schoß. Nach einer Weile versiegten die Tränen. Dann blickte sie auf das Verbandschaos drumherum und begann langsam die Unordnung wegzuräumen. Auf dem Weg ins Bad viel ihr Blick auf die Einkäufe, die Snape neben der Kommode im Flur abgestellt hatte.

Verdammt die Einkäufe! Wie konnte sie das nur vergessen.

Hastig platzierte sie die restlichen Verbände im Bad und hastete zu den Einkäufen.

Als erstes registrierte sie zerknirscht, dass Snape seine Einkäufe vergessen hatte. Aber das war jetzt erst mal unwichtig.

Die mittelgroße blaue Box mit den Löchern schien intakt zu sein. Vorsichtig löste sie die Sicherungen und öffnete sie.

Hellblaue Augen sahen sie fragend an, als sich ein kleines Köpfchen zaghaft hob und grausilberne Ohren sich zaghaft spitzten.

Merlin sei dank, dem kleinen Schatz war nichts geschehen. Sie hob den kleinen Welpen aus seiner Box, trug ihn in die Küche und goß ihm etwas Milch in ein Schälchen.

Gierig begann er das dargebotene aufzulecken und ließ sich danach genüßlich auf sein Hinterteil plumpsen.

„ Du bist ein so hübscher kleiner Wolf", sagte sie und graulte den kleinen Grauen zärtlich am Kinn. Seine Pfoten waren etwas dunkler als der Rest von seinem Körper und seine Brust wiederum sehr hell. Seine Rücken schimmerte genauso wie seine Ohren silbergrau.

Er war ihr direkt aufgefallen, als sie in die Magische Menagerie eingetreten war. Sie wollte schon immer einen Hund oder einen Wolf haben.

Müde ging sie ins Schlafzimmer und zog sich ein Nachhemd über. Duschen konnte sich auch noch morgen..

Hinter ihr hörte sie ein zartes Tapsen. Ein Schnüfflen. Und ein zaghaftes Schwanzwedeln.

„ Willst du bei mir schalfen, du Kleiner? Hmm?" sagte Jane und ließ sich schwer auf das große Bett fallen.

Sie robbte ans Ende vom Bett und zog den kleinen Wolf darauf. Er krabbelte nah zu mir und kugelte sich an ihrer Brust ein. Dann begann sie die Decke raufzuziehen und betrachtete das schmale Tier neben ihr.

Sie wusste schon wie er heißen würde.

„ Nanouk" flüsterte sie und schlief erschöpft ein.


Zerknirscht schritt Snape am nächsten Morgen nochmal in Richtung des großen Hauses, dass er am Abend vorher schon einmal unter etwas anderen Umständen betreten hatte. Wie hatte er nur seine Einkäufe vergessen können!

Er hatte sich geschworen, diese Frau in Zukunft zu meiden. Sie war nur ein verwöhntes Ärgernis, dem mal wohl besser aus dem Weg ging.

Mißmutig stieg er wieder die Treppen bis zum zweiten Stock hinauf und klopfte an der dunklen Eichentür.

Keine Reaktion.

Er klopfte lauter.

Wieder keine Reaktion.

Er entschied sich noch heftiger zu klopfen.

Verdammt noch mal! Was glaubte sie eigentlich wer sie war!

Als er gerade daran dachte direkt in die Wohnung zu apperieren und die Einkäufe einfach mitzunehmen öffnete sich langsam die Tür.

Verschlafene Augen blickten ihn aus einen müden Gesicht, die von zerstrubbelten braunen Haaren umrahmt wurden fragend an.

„ Nicht dass sie glauben ich wäre wegen ihnen hier", konstatierte er lässig, „ich habe meine Einkäufe vergessen."

„ Es ist halb acht," gab Jane verschlafen zurück und öffnete die Tür schließlich ganz um ihm Einlass zu gewähren „ aber kommen Sie rein."

Sie schloss die Tür hinter ihm und sah ihm zu wie er seine Tüten kontrollierte.

„ Ich habe nichts geklaut, falls sie das glauben", meinte Jane und grinste verschmitzt.

Ein giftiger Blick von der Seite aber sonste keine Reaktion.

„ Wenn sie Platz machen würden!" sagte Snape mit einem Blick zu Jane, und schob sich an ihr vorbei und legte die Hand auf den Türgriff.

„ Warten Sie ", sagte Jane, jetzt erst realisierend, dass er fast schon wieder weg war.

„ Es tut mir leid."

„ Was tut ihnen leid?", fragte Snape harsch und drehte sich zu ihr um.

„ Das gestern..alles, dass ich nicht auf ihren Rat gehört habe und in die Nokturmgasse gegangen bin. Es tut mir leid, dass ich sie danach so beschuldigt habe. Das wollte ich nicht."

„ Es war mein Fehler." Fügte sie hinzu und senkte den Kopf.

Es folgte eine unangenehme Stille. Snape schien unangenehm berührt, und schien nicht zu wissen wie er mit dieser Situation umgehen sollte.

„ Ok", sagte er schließlich und räusperte sich. Sie sah schüchtern zu im hoch, den Mund zu einen angedeuteten Lächeln verzogen.

„ Ich denke meine Verhalten war ebenso wenig angebracht " sagt er weiter und drehte den Kopf zur Seite um ihrem Blick auszuweichen.

„ Möchten sie etwas frühstücken?" begann Jane um die unangenehme Situation zu beenden und zeigte in Richtung Küche. „ Ich bin gerade erst aufgestanden und..

„Nein, danke Miss Mc Kenzie," unterbrach er sie und blickte sie an , „Ich muss zurück zur Schule. Ich habe noch einiges an Arbeit zu erledigen." er räusperte sich noch einmal.

" Ok. Noch nicht mal einen Kaffee?"

Er schüttelte vehement den Kopf und legte erneut die Hand auf die Klinke.

" Dann bis zum ersten September würde ich sagen." konstatierte Jane hilflos.

Er nickte. " Es wird sie jemand abholen kommen. Nicht dass sie nochmal verloren gehen." Mit diesen Worten war er aus der Tür.


Reviews? ganz lieb dreinschau:-)